Autorin: Han Kang
- Herausgeber : Argon Verlag
- Erscheinungstermin : 7. November 2024
- Auflage : 2. Auflage, Ungekürzte
- Sprache : Deutsch
- ISBN-10 : 383982172X
- ISBN-13 : 978-3839821725
Inhalt laut Amazon: Yong-Hye und ihr Ehemann sind ganz gewöhnliche Leute. Er geht seinem Bürojob nach und hegt keine Ambitionen. Sie ist eine leidenschaftslose, pflichtbewusste Hausfrau. Die angenehme Eintönigkeit ihrer Ehe wird gefährdet, als Yeong-Hye beschließt, sich ausschließlich vegetarisch zu ernähren und alle tierischen Produkte aus dem Haushalt wirft. »Ich hatte einen Traum«, so ihre einzige Erklärung. Ein kleiner Akt der Unabhängigkeit, aber ein fataler, denn in einem Land wie Südkorea, in dem strenge soziale Normen herrschen, gilt der Vegetarismus als subversiv. Und bald nimmt Yeong-Hyes passive Rebellion immer groteskere Ausmaße an. Sie, die niemals gerne einen BH getragen hat, fängt an, sich in der Öffentlichkeit zu entblößen und von einem Leben als Pflanze zu träumen. Bis sich ihre gesamte Familie gegen sie wendet.
Meine Meinung: Ich habe Die Vegetarierin mit einer gewissen Ehrfurcht begonnen, denn schließlich gilt der Roman als literarisch bedeutend. Und ja, diese Wirkung lässt sich nicht leugnen. Aber je weiter ich gehört habe, desto deutlicher wurde für mich: Dieses Buch hat mich mehr auf Distanz gehalten, als mich hineingezogen. Die Ausgangsidee fand ich klasse: Eine Frau lehnt sich gegen ihren Mann und ihr Umfeld auf, indem sie eines Tages beschließt, kein Fleisch mehr zu essen. „Ich hatte einen Traum“ mehr Erklärung gibt es nicht.
Ich habe weitergehört, weil ich unbedingt wissen wollte, wohin das alles führt, aber nicht, weil ich innerlich gefesselt war.
Yong-Hye bleibt für mich sehr unnahbar. Ihre Entscheidung, kein Fleisch mehr zu essen, ist der Auslöser , doch sie selbst wird kaum greifbar für mich in der Geschichte. Stattdessen wird sie zum Objekt der Betrachtung: vom Ehemann, vom Schwager und auch von der Schwester.
Was mich zusätzlich irritiert hat, ist der Ton des Romans. Er ist kühl und recht nüchtern. Zunächst einmal hat mich die emotionale Leere enttäuscht. Ein Roman, der von radikaler Verweigerung, psychischem Zerfall und familiärer Gewalt erzählt, sollte etwas in mir auslösen, aber stattdessen blieb ich seltsam unberührt.
Fazit: Ich bin mit der Erwartung hineingegangen, dass mich dieses Buch lange begleiten und innerlich aufwühlen würde. Zurückgeblieben ist jedoch weniger Nachhall als Irritation mehr Fragezeichen als Eindruck.


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