Am 3. April erscheint der nun schon 3. Teil der Nachtahn Reihe von der lieben Sandra Florean und ihr bekommt jetzt die Möglichkeit einen Blick auf das Cover zu werfen und ihr dürft in den Text schnuppern:

»Signora Fitzgerald!«
Ein Mann um die vierzig kam mit lockeren Schritten, die
erkennen ließen, dass er regelmäßig
joggte, den Gang auf uns zugelaufen. Seine Turnschuhe machten
fast kein Geräusch auf dem karamellfarbenen Linoleumboden. »Tut mir leid, dass
ich Ihnen hinterherrufe«, sagte er und hielt Louisa eine Hand hin. Eine Brise
seines würzigen Aftershaves hüllte uns augenblicklich ein. »Franco Lutoni. Ich
bin der Vater von Chiara, unsere Kinder …«
»Ich weiß«, unterbrach Louisa ihn. »Sagen Sie doch Louisa zu
mir. Meinen Mann Dorian kennen Sie noch?«
Er nickte, und Louisa gab ihm die Hand. Kurz nur. Franco schien
nichts zu bemerken. Meine Hand schüttelte er kräftig. Franco Lutoni war ein
athletisch gebauter braun gebrannter Mann mit vollen dunklen Haaren, die an der
Schläfe erste graue Schatten aufwiesen. Er blinzelte ein paar Mal mit seinen
aufgeweckten, kleinen Augen. Es lag nicht an dem Zwielicht in dem Schulflur,
sondern an Louisa, die ihn leicht mit ihrer Vampirmagie blendete.
Wie sich herausstellte, hatte sie doch etwas von Richards
Blut in sich behalten. Nicht viel, aber das Blut war stark und verlieh ihr neue
Kräfte. Mit Jaydens Hilfe hatte Louisa es geschafft, ihre Tarnfähigkeit zu
trainieren, die ihr half, uns hier ein neues Leben aufzubauen. Nichts hatte ihr
mehr am Herzen gelegen, als Zoe ein normales Leben zu ermöglichen. Sie hatte
unermüdlich daran gearbeitet und es tatsächlich geschafft.
Nachdem wir Louisa, Zoe und Eric aus den Fängen meines
verdorbenen Bruders befreit hatten, waren wir ein paar Jahre herumgereist.
Unsere Tochter hatte von Anfang an heimlich mein Blut zu trinken bekommen. Es
hatte sie nicht nur außergewöhnlich widerstandsfähig gemacht, was
Kinderkrankheiten betraf, sondern ihr sogar ein wenig übernatürliche
Fähigkeiten verliehen. Leider war sie auch unnatürlich schnell größer geworden,
sodass wir nie lange an einem Ort bleiben konnten, ehe es jemandem auffiel.
Nachdem ich das Blut abgesetzt hatte, verlangsamte sich ihre Entwicklung, und
wir hatten uns eine längerfristige Bleibe gesucht.
Sie lag auf Sizilien, ein gutes Stück von der Großstadt
Palermo entfernt auf dem Land, wo wir keine direkten Nachbarn hatten. Es war
Louisas Wunsch, in ein wärmeres Klima überzusiedeln, und wer war ich, es ihr zu
verwehren?
Nun hatten wir unseren ersten Elternabend in Zoes Schule
hinter uns. Wie zur Einschulung hatten sich einige Köpfe nach uns umgedreht.
Was sie sahen, war ein junges, glückliches Paar, das vielleicht ein bisschen
mehr Geld für Garderobe ausgab als andere Eltern. Ich zumindest. Louisa hatte
darauf bestanden, dass Zoe auf eine öffentliche Schule ging. Nicht auf eine dieser
Privatschulen, wo nur verwöhnte reiche Gören hinkamen, wie sie es formulierte.
Es wunderte mich, dass sie noch immer ein Problem damit hatte, dass wir
wohlhabend waren.
Ich konnte mich gut daran erinnern, wie ich um sie hatte
kämpfen müssen, damit sie überhaupt mit mir ausging. So sehr hatte sie mein
Reichtum abgeschreckt.
Der Nachteil an dieser staatlichen Schule war, dass alle
anderen eben nicht so vermögend waren und wir dadurch zwangsläufig auffielen.
Etwas, worüber Louisa, obwohl sie immer versuchte, genau das zu vermeiden,
nicht nachgedacht hatte. Die anderen Eltern waren gewöhnliche Leute. Das hatte
ich überprüft. Wenn wir schon ein Leben unter ihnen führen wollten, wollte ich
zumindest wissen, auf wen wir uns einließen. Da gab es Köche und Hausfrauen,
Bauarbeiter und Fremdenführer, Imbissbesitzer und freischaffende
Journalistinnen, Krankenschwestern und Carabinieri.
Nach Louisas erneutem Absturz nach unserer Rückkehr von
Richards Burg und unserer Versöhnung waren wir sofort ins Sommerhaus gefahren.
Und das war die richtige Entscheidung. Louisa kam zur Ruhe, entspannte sich.
Vor allem öffnete sie sich endlich. Sie sprach sich mit Eric aus, dem ich
beinahe das Herz herausgerissen hätte, als er mir eines Tages eine ohnmächtige
Louisa nach Hause gebracht hatte. Es war Jaydens Vampirschnaps, der sie
umgehauen hatte, als die drei wie so oft zusammen tanzen waren. Nun war sie ein
Vampir und schaffte es dennoch, sich ins Koma zu trinken! Hatte ich nicht
geahnt, dass Louisa auf ihre unberechenbare Weise auf die schrecklichen
Erlebnisse reagieren würde?
Nachdem ich sie nicht gerade mitfühlend zur Rede gestellt
hatte, ließ sie es endlich heraus. Wir alle halfen ihr, mit dem Erlebten
klarzukommen. Es war ausgerechnet Jayden, der ihr Kraft gab. Ihm hatten wir es
überhaupt erst zu verdanken, dass ich Louisa verwandeln musste. Doch das war
Schnee von gestern. Er hatte sich als vertrauenswürdiges Mitglied unseres
kleinen Familienbundes erwiesen. Ich hatte Louisa in diesen schwierigen Wochen
oft mit ihm zusammensitzen sehen, durch ihr Schweigen verbunden.
Als ich Louisa kennenlernte, hatte sie eine schlimme Zeit
hinter sich, nachdem sie von einem allzu aufdringlichen Verehrer überfallen
worden war. Es war ihr, gottlob, nicht allzu viel passiert, aber die Erinnerung
daran hatte sie gequält. Sie hatte sich in den Alkohol geflüchtet. Dass ich sie
in diese düstere, gewalttätige Welt der Vampire gezogen hatte, machte es nicht
besser. Ich hatte einige ihrer Abstürze miterleben dürfen. Etwas, worauf ich gern
verzichtet hätte.
Seit ein paar Wochen hatten wir nun unser neues Domizil
bezogen und alles verlief ruhig. Es war eine wundervolle Villa im alten
römischen Stil, die Platz für uns alle bot. Jayden, Eric, die Klette, und mein
guter Freund Michael waren noch immer bei uns und würden es auch bleiben. Ich
hatte die Villa aufwendig umbauen, Spezialglas und natürlich die
obligatorischen Sicherheitsmaßnahmen installieren lassen. Es waren mehrere
Wohneinheiten eingerichtet mit verriegelbaren Zwischentüren, damit sich jeder
zurückziehen konnte. Außerdem hatte ich das Kellerverlies mit Betthöhlen
ausgestattet. Dennoch hielten wir uns meistens alle im geräumigen Wohn- und
Esszimmer im Erdgeschoss auf. Wir hatten einen Pool draußen und einen Jacuzzi
drinnen. Das Haus lag in einer Bucht mit kleinem Strand direkt am Mittelmeer.
Es war traumhaft.
Zoe unterrichteten wir auf unseren Reisen gemeinsam. Jeder
von uns hatte mehrere Jahrzehnte, oder wie ich Jahrhunderte, hinter sich, in
denen sich zwangsläufig einiges Wissen angehäuft hatte. Sie war ein kluges Kind
und genoss jede Unterrichtsstunde. Das kam mit Sicherheit nicht von Eric, ihrem
leiblicher Vater. Mein Spross Mary hatte ihn und meine Louisa vor langer Zeit
in die Finger bekommen und sie gezwungen, miteinander zu schlafen. Eine Aktion,
mit der sie mich hatte quälen wollen. Es war ihr gelungen, sie hatte sich
jedoch nicht lange an meiner Qual ergötzen können.
Heraus kam Zoe Eternity, die ich mehr liebte, als ich ein
eigenes Kind hätte lieben können. Sie war mein Sonnenschein, der mich immer
wieder aufs Neue tief berührte. Da Louisa nicht unschuldig daran war, dass ihr
leiblicher Vater nun ebenfalls ein Vampir war, und weil sich Eric während ihrer
Gefangenschaft bei Richard aufopferungsvoll um die beiden gekümmert hatte,
durfte er bleiben. Eine Entscheidung, die ich bereits manches Mal bereut hatte.
Eric hatte sich im Gegensatz zu Louisa und Zoe schwergetan,
Italienisch zu lernen. Vokabeln pauken war einfach nichts für ihn. Er war eher
von der tatkräftigen Sorte. Zum ersten Mal tat er mir ein bisschen leid. Jayden
war teilweise in Italien aufgewachsen, als er noch sterblich war, und Michael
und ich sprachen sowieso mehrere Sprachen. Wenn man alle Zeit der Welt hatte,
fing man sogar an, freiwillig Vokabeln zu lernen. Das würde Eric auch noch
begreifen. Im Moment verständigte er sich mit Händen und Füßen, was scheinbar
funktionierte. Wie wir alle fühlte er sich hier wohl. Was bei ihm mit
Sicherheit auch an den schönen italienischen Frauen lag.
Nachdem Jayden begonnen hatte, mit Zoe ihre Fähigkeiten zu
trainieren, hatte ich aufgehört, ihr mein Blut zu geben. Sie war sechseinhalb
Jahre alt. Aussehen und denken tat sie wie eine Elfjährige. Sie war schon fast
so groß wie Louisa, hatte jedoch breitere Schultern. Genau wie Louisa schwamm
sie gern. Das Schwimmen hatte sie fast von selbst gelernt. Außerdem schlug sie
mittlerweile sogar Michael im Schach und hatte angefangen, Klavier zu spielen.
Wofür ich mehr als dankbar war. Ihr erstes Instrument war eine Geige gewesen.
Mir stellten sich die Nackenhaare auf bei der Erinnerung an ihre vielen
vergeblichen Versuche, dem fürchterlichen Instrument harmonische Klänge zu
entlocken.
Zoe hatte sich gut in die Klassengemeinschaft eingefunden,
wie uns ihre Klassenlehrerin versicherte, und war ein beliebtes Kind. Keiner
ahnte, dass sie mit Vampiren zusammenlebte. Für Zoe war es normal. Sie verriet
sich nie. Nicht einmal aus Versehen. Ihre Fähigkeiten nutzte sie ebenfalls nie.
Was das anging, war sie ein bisschen wie Louisa. Sie verdrängte es und wollte
einfach Kind sein.
»Louisa«, sagte Franco Lutoni. »Meine Chiara und Ihre Tochter
haben sich offenbar angefreundet.«
»Oh, wie schön«, erwiderte Louisa gerührt, obwohl sie das
natürlich wusste. Zoe redete seit Tagen von nichts anderem. »Kommen Sie, Ihre
Frau und Chiara uns doch mal besuchen, damit die beiden zusammen spielen und
wir uns ein bisschen kennenlernen können.«
»Ich bin allein mit Chiara«, sagte Franco. »Ihre Mutter und
ich haben uns getrennt.«
Er sah Louisa offen an, schien noch etwas sagen zu wollen,
überlegte es sich aber anders und schwieg stirnrunzelnd. Louisa war nervös. Das
war sie immer, wenn wir mit Sterblichen zu tun hatten. Wenn sie nervös war,
verstärkten sich ihre Kräfte. Ich war mir nicht sicher, was Franco Lutoni sah,
doch die Sterblichen reagierten immer ähnlich auf Louisa. Sie starrten sie umso
mehr an und wirkten verwirrt. Nicht, weil sie ahnten, dass Louisa ein Vampir
war, sondern weil meine hübsche Frau sie unwillentlich mit ihrem Blendwerk
betörte.
»Dann kommen Sie und Chiara eben allein zu uns«, schlug ich
vor. »Morgen Nachmittag um vier, wie wäre das?«
Franco nickte lächelnd. »Sehr gern. Da wird Chiara sich
freuen.«
Wir gaben uns erneut die Hände. Louisa strahlte. Wir hatten
eine erste Verabredung für Zoe!
»Und bringen Sie Badesachen mit. Zoe ist verrückt nach
Wasser«, rief ich Franco hinterher.
Er drehte sich um und hob die Hand. »Wie Chiara. Bis morgen!«
Auf dem Rückweg lächelte mich Louisa glücklich an. Sie war fürchterlich
aufgeregt und ängstlich gewesen, als wir aufgebrochen waren. Dabei hatten wir
es auf unseren Reisen oft probiert, waren jedes Mal länger am gleichen Ort
geblieben. Keiner hatte je etwas bemerkt. Es war nur ein bisschen Blendwerk
nötig. Entweder von Louisa, mir oder Jayden. Eric war zu sehr mit anderen
Dingen beschäftigt, der konnte es nicht besonders gut. Michael brauchte es
nicht. Er fiel unter den Sterblichen am wenigsten auf. Eigentlich war es
Louisa, die am meisten auffiel. Ihre Augen waren zu hell, um natürlich
auszusehen. Deshalb trug sie häufig eine Sonnenbrille. Ihre Haut war nun
genauso bleich wie meine. Nur strahlender. Sie war glücklich, und das strahlte
sie im wahrsten Sinne des Wortes aus.
Wenn man genauer hinsah, ganz genau, sah man den Durst. Sie
hatte den Blutdrang so gut unter Kontrolle wie ich, aber sie war trotzdem immer
durstig. Egal, wie viel sie trank. Das bestätigte, was ich immer angenommen
hatte. Gegen Instinkte kam man nicht an. Nicht als Mensch und erst recht nicht
als Vampir. Louisa trank überwiegend von mir oder Jayden zusätzlich zu den
Blutkonserven, die ich uns aus einem meiner Blutspendezentren liefern ließ. Ab
und zu ging sie mit Jayden aus so wie vor ihrem fürchterlichen Absturz und
trank frisches Blut. Aber nicht, um satt zu werden, sondern um sich daran zu
berauschen. Ich würde sie öfter auf die Jagd mitnehmen müssen, damit sie sich
mal wieder satt trinken konnte und dieser hungrige Blick nachließ. Wie bei
vielen Dingen tat sich Louisa sehr schwer damit, Menschen zu beißen und ihr
Blut zu trinken. Ich hatte es nie verstanden, aber sie verabscheute die Nähe,
den Geruch und den Akt an sich. Bei Jayden und mir war es sonderbarerweise
nicht so.
»Das hat doch gut geklappt.« Sie nahm meine Hand.
»Ich hab nichts anderes erwartet.« Ich zwinkerte ihr zu.
»Alle erblicken nur eine bezaubernde Frau, wenn sie dich ansehen.«
Sie lächelte und rutschte näher an mich heran, um sich an
meine Schulter zu lehnen. »Und du meinst, dass sich keiner drüber wundert, dass
mein Bruder und sein Freund bei uns wohnen?«
Damit niemand sich über Zoes Ähnlichkeit zu Eric Gedanken
machte, hatten wir bei der Einschulung behauptet, er wäre Louisas Bruder. Sie
hatten beide dunkle Haare, genauer würde wohl keiner hinsehen. Jayden hatte ich
kurzerhand als Erics Liebhaber vorgestellt, was einige enttäuschte Blicke in
der Damenwelt ausgelöst hatte. Eric hatte auf dem Rückweg geschimpft wie ein
Rohrspatz, weil ich ihm damit die Chancen vermasselt hatte. Jayden hatte leise
vor sich hin gegrinst. Was genau ihn und Eric, die sich eine Wohneinheit
teilten, taten, wenn sie allein waren, wollte ich überhaupt nicht wissen.
Michael war, was er war. Ein guter Freund der Familie, der eine vorübergehende
Bleibe bei uns gefunden hatte. Wir waren in Italien, in dem Land, in dem
Familie großgeschrieben wurde – warum sollte sich da jemand drüber
wundern?
Wir fingen an, uns in die Welt der Sterblichen einzuleben.
Louisa war glücklicherweise nicht so weit gegangen, sich in den Elternbeirat
wählen zu lassen. Diese Verabredung war ein Anfang. Nicht der Leichteste, denn
Franco Lutoni war der Polizist auf meiner Liste. Aber ich war nicht der Typ,
der vor großen Herausforderungen zurückschreckte. Was konnte schon schiefgehen?
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Und? Konnte ich euch nun anfixen? Ich hoffe es doch mal sehr und auch das Cover ist wieder grandios geworden.