Neues Jahr, neue Deals.
Auch im Jahr 2015 gibt es wieder einige tolle Lesedeals für euch und den Anfang macht Autorin Kay Noa mit ihren Vampirgeschichten.
Das eBook gibt es ab dem 31.1 und hier ist die Leseprobe für euch:
In dieser Szene fährt
Lexa mit ihrer besten Freundin Maya ein paar Tage nach der Party in die Berge,
wo ihre Freunde mit den Munich Werewolves ein Trainingscamp durchführen. Es
wird allerdings nicht zu der entspannten Urlaubsfahrt, die sich die beiden vorgestellt
haben.
Sehr zu Lexas Leidwesen begrüßte sie der
nächste Tag mit strahlendem Sonnenschein. Früher hatte sie diese kalten, klaren
Wintersonnentage, an denen die Sonne viel heller schien als im oft dunstigen
Sommer, geliebt, doch für einen lichtempfindlichen Vampir waren sie der reinste
Alptraum. Angetan mit Schirmmütze und Gletschersonnenbrille packte sie ihre
Reisetasche, Skistiefel und Snowblades in Mayas bereits gut gefüllten
Kofferraum.
„Wie hätten wir das eigentlich gemacht,
wenn Mick mitgefahren wäre?“ Stöhnend drückte und presste Lexa die Taschen
zusammen, um die Klappe wieder schließen zu können. „Oder wenn ich auch nur
halb so viel Gepäck wie du hätte?“
„Wenn Mick nicht erst morgen fahren
würde, wären wir mit seinem Kombi gefahren, da hätte ich mich gar nicht so
einschränken müssen“, erwiderte Maya, während sie einem Passanten mit einer
Grimasse zu verstehen gab, dass er sich umsonst darüber aufregte, dass sie zum
Einladen auf dem Gehsteig parkte. „Ich bin eben nicht so ein Purist wie du.“
„Das ist schwer zu leugnen.“ Endlich
rastete das Kofferraum-Schloss ein. Beim Einsteigen überprüfte Lexa im Geiste
noch einmal, ob sie wirklich nichts vergessen hatte. Schlüssel, Geld, Telefon,
Ladegerät waren in ihrer Handtasche. Die Pflanzen waren gegossen, Grizzly hatte
Trockenfutter für drei Tage in der Schüssel und die Nachbarin wusste Bescheid,
dass sie ein Auge auf ihren Tiger haben sollte. Der Rest war nicht so wichtig.
Geschickt parkte Maya aus und steuerte
ihr Cabrio in Richtung Autobahn. Nachdem Dave und Ron am Morgen mit dem
Mannschaftsbus aufgebrochen waren und Mick wegen irgendwelcher Klinik-Aufgaben
nun kurzfristig doch nur zu einem kurzen Vortrag über seine Forschungen zum
Konzil kommen würde, fuhren sie eben allein.
Auf der Zubringerstraße zur Autobahn kam
der Verkehr mehr ins Fließen. Damit wurden Mayas Flüche seltener.
Hohe
Berge! Lexa drehte das Radio etwas lauter und lehnte sich
entspannt zurück. Sie war ewig nicht mehr unterwegs gewesen.
Als sie genüsslich gähnte, bemerkte sie
einen unvertrauten Geruch an ihrer Freundin. „Neues Parfüm?“
Maya schüttelte den Kopf, wechselte die
Spur und beschleunigte. Obwohl sie keine Eile hatten, liebte Maya einen
rasanten Fahrstil. So sehr, dass Ron ihr deshalb allzeit besorgt zum Geburtstag
ein Fahrsicherheitstraining geschenkt hatte. „Nein. Wieso?“
„Irgendwas riecht anders. Nicht
unangenehm, eher süß, vielleicht vanillig?“
Wieder einmal stellte Lexa fest, dass es
frustrierend wenig Vokabeln gab, um Gerüche zu beschreiben. Alle Versuche,
einen Geruch auszuformulieren, klangen früher oder später immer wie eine
Speisekarte. Überhaupt konnte man nur vergleichen.
Anders als bei Geschmacksnoten fehlten
eigene Worte für Gerüche. Das wäre definitiv eine Marktlücke. Gab es Worterfinder?
Oder nannte man die heutzutage Lingual
Creative Director?
Lexa beschloss gut gelaunt, dass sie
sich auf die Tage im Trainingscamp freute.
„Weißt Du eigentlich, was Mick
aufgehalten hat“, wechselte Maya das Thema. „Ich hab auf der Party kaum mit ihm
gesprochen und hatte mich auf ein bisschen Zeit mit ihm gefreut.“
„Irgendwas mit seinem
Forschungsprojekt“, sagte Lexa. „Frag mich bitte nicht was. Wenn Du mit Mick
fachsimpelst, verstehe ich immer nur die Hälfte.“
„Ein bisschen mehr Interesse an deiner
Ernährung könntest du schon zeigen, Süße“, wandte Maya ein. „Blut ist ein
faszinierender Saft. Ich verstehe gut, dass Mick sich darauf spezialisiert hat.
Auch unter pharmazeutischen Aspekten hat seine Forschung viele sehr
interessante Ansätze. Stell dir vor, wie spannend es wäre, wenn man bestimmte
Stoffe aus Vampirblut isolieren und auch in der Humanmedizin einsetzen könnte?
Speziell jene, die eure robuste Gesundheit begründen? Das wäre eine
Revolution!“
Lexa freute sich über so viel
Begeisterung. Maya wurde oft unterschätzt. Auf den ersten Blick wirkte sie wie
der Inbegriff des blondierten Modepüppchens, das neben High Heels und Glamour
nicht mehr vom Leben wollte, als einen gutaussehenden Millionär, der sie auf
Händen über alle Stolpersteine hinwegtrug und es ihr des nachts so richtig
besorgte. Doch als leitende Pharmazeutin einer großen Universitätsklinik war
Dr. Maya Renzig in ihrer Branche eine ernstzunehmende Kapazität, der selbst
Karel mit Respekt begegnete. Und diesen Punkt, wo hinter tadelloser Höflichkeit
echtes Interesse lag, hatte zum Beispiel Lexa selbst bei dem Vampir noch nicht
erreicht.
„Um den Nobelpreis kannst du dich mit
Mick alleine kloppen“, lachte sie. „Mir genügt es völlig, wenn ich weiß, wie
ich an Blut komme. Wobei ich ehrlich gesagt froh bin, dass ich mich auch noch
von anderen Dingen ernähren kann. Die Speisekarte auf der Webseite unseres
Hotels klang superlecker.“
„Der Nobelpreis wird für Medizin und
Chemie gesondert vergeben“, korrigierte Maya selbstbewusst. „Und du solltest
dir nichts vormachen. Dass du andere Lebensmittel verträgst, bedeutet nicht,
dass sie dir Blut ersetzen können. Das ist ja auch Teil des Forschungsgebietes
von Dr. Xu.“
„Ach, du hast Micks Forschungspartner
schon getroffen?“
„Nur einmal kurz in der Mittagspause. Er
ist ein bisschen seltsam. Könnte aber daran liegen, dass er ein Naga ist.“
„Eine Werschlange? Mick hat mir
gegenüber mit keinem Wort erwähnt, dass Dr. Xu Vertreter einer paranormalen
Spezies ist.“
„Ist das so wichtig? Du willst ja auch
nicht, dass ich Dich vorstelle mit ‚Das ist meine Freundin Lexa, wenn sie nicht
als Physiotherapeutin arbeitet, trinkt sie Blut, sie ist nämlich ein Vampir‘.
Das Paranormale ist ja nur deshalb nicht normal, weil alle immer so ein großes
Aufheben darum machen. In China und Indien sind die Leute einer echten
Integration gegenüber wesentlich aufgeschlossener. In Afrika ist der Schatten
sogar stärker. Weißt du wie es im Islam ist?“
„Nein, ich schau gern heute Abend im
Hotel mal nach. Im Vampire Guide ist
eine Länderübersicht enthalten. Aber wenn ich beim Autofahren lese, wird mir
schlecht!“
„Dann muss die Bildung eben warten“,
erklärte Maya gut gelaunt. „Wenn du sonst nichts mehr zu berichten hast, muss
ich dir noch was erzählen.“
„Was weißt du über Ghule?“ Lexa hatte am
Abend mit Dave nicht mehr reden können. Er war nach Karels Anspielungen auf
Christian so verärgert gewesen, dass er gar nicht mehr gesprochen hatte. Und so
waren sie eng aneinander gekuschelt eingeschlafen.
„Leichenfresser. In der Normwelt sagt
man sie seien Fabelwesen persischen Ursprungs …“
„Du klingst schon wie Klaus.“
„Oh je, das darf nicht sein. Klaus
sollte in unserem kleinen Zirkus nicht doppelt besetzt werden. Aber warum
fragst du?“
„Wir waren gestern noch an Herberts
Grab, als uns eine Horde Ghule angriff. Ich habe mich mit ihnen über mehrere
Gräber hinweg geprügelt, einer wollte mich erdrosseln und Klaus hat sie dann
mit einem Feuerzauber verscheucht.“
„Okay, das waren die Fakten“, sagte
Maya, während sie ungeduldig wartete, bis ein Audi vor ihr die Fahrspur freigab.
„Und das erklärt auch, warum du bis zum Schlüsselbein geschminkt bist.“
Unwillkürlich fuhr Lexas Hand zu den
unter Make-up gut verborgenen Würgemalen.
Die beste Freundin lässt sich eben nicht
täuschen.
„Weißt du, warum sie euch angegriffen
haben? Ich habe weder in der Bild
noch im Schattenwelt-Report je von so
einem Vorfall gelesen.“
„Keine Ahnung“, seufzte Lexa. „Klaus
meint, sie seien von jemand aufgehetzt worden. Es sei bekannt, dass wir oft an
Herberts Grab sind.“
„Und wer soll das warum machen?“
„Keine Ahnung, aber Karel hat uns auch
gewarnt. Die Leute, die hinter BIOSIGEN standen, könnten die Anti-Pa auf unsere
Fährte gelockt haben. Fast glaube ich das. Auf dem Friedhof war noch eine Frau
… Leider hab ich die nur ganz kurz gesehen. Und seither fühle ich mich
verfolgt. Selbst vorhin, als der Passant gemeckert hat, weil du auf dem
Gehsteig standest, frage ich mich sofort, ob der vielleicht von der Anti-Pa
war.“
„Diese Irren, die alles Paranormale
ausrotten wollen? Was soll BIOSIGEN mit denen? Das Unternehmen gehört doch auch
Schattengängern … Vor denen musst du dich nicht fürchten.“ Als Maya aber zu
Lexa herüberschielte, hörte sie auf zu lachen und tätschelte beruhigend Lexas
Knie. „Wir sollten trotzdem mit Christian darüber sprechen.“
„Das solltest lieber du tun“, seufzte
Lexa noch einmal. „Ich würde ihm lieber aus dem Weg gehen.“
„Wegen Dave? Der alte Eifersuchtsbolzen
soll sich mal nicht so haben. Dass muss das hündische Erbe sein, dass die Jungs
so eifern. Ron ist auch gar nicht begeistert, dass ich jetzt einen noch dazu
hübschen Assistenten habe …“
„Dave spinnt, aber das Problem liegt
woanders“, unterbrach Lexa. „Sagt dir das Amatorium-Syndrom etwas?“
Maya überlegte. „Nein.“
Für diese Geschichte nahm sich Lexa
etwas mehr Zeit. Maya war eine gute Zuhörerin, die sie nur selten mit einer
Frage unterbrach. Und so sprach Lexa bis Maya bei Inzell ziemlich sportlich die
Autobahn verließ, und nun auf der Landstraße ihrem Ziel entgegenbrauste.
„Und dann hat er mich angeschaut, als
läge alles Glück der Welt in meinen Augen.“
„Das ist ja komisch.“
„Ja“, stimmte Lexa zu. „Vor allem, wenn
man bedenkt, dass es sich um Christian handelt.“
„Das meine ich nicht. Der schwarze Wagen
ist uns schon auf der Autobahn die ganze Zeit hinterher gefahren“, sagte Maya.
„Ich dachte, er folgt uns, weil ich für ihn die ganzen Schnarcher von der
linken Spur vertreibe, aber dass er jetzt auch die Autobahn verlässt, finde ich
sonderbar.“
„Na, so ungewöhnlich ist es nicht, wenn
man im Winter zum Skifahren fährt.“
„Nein, aber die meisten Leute fahren am
Wochenende und nicht so wie wir Paranormalen am Montag.“
„Das ist in der Tat jenseits des
Normalen. Aber wer hat jetzt Verfolgungswahn?“
„Niemand, aber mich nervt der Kerl!“
Lexa wollte nicht zugeben, dass Mayas
Worte natürlich ihre Ängste nur noch weiter schürten, und zuckte betont lässig
die Schultern. „Dann fahr doch da vorne an die Tankstelle, ich kaufe Kaugummis
und wenn wir weiterfahren, ist der Kerl fünf Kilometer vor uns. Und danach
erzählst du mir deine Neuigkeit, ja?“
Nach einem Ausflug auf die höchst
unattraktive Tankstellentoilette war von der schwarzen Limousine nichts mehr zu
sehen. Eingedeckt mit einem Sortiment an Kaugummis und Minzpastillen stiegen
sie wieder ins Auto. Lexa war erleichtert.
Sie fuhren durch einige Dörfer und bogen
dann von der Landstraße ab ins Skigebiet.
„Also, was ich dir eigentlich erzählen
wollte“, setzte Maya an, während sie einen vor ihnen fahrenden Wagen überholte.
„Oha!“
„Oha was?“ Besorgt fuhr Lexa auf.
Im Großen und Ganzen vertraute sie Maya,
aber das konnte angesichts ihrer Rennfahrerambitionen natürlich auch grob
fahrlässig sein.
„Da ist wieder der dunkle Wagen. Hinter
uns.“
„Blödsinn. Er ist doch vorhin an uns
vorbeigefahren. Wir hätten ihn überholen müssen, um vor ihn zu kommen. Es gibt
hunderte dunkle Limousinen.“
Maya schüttelte den Kopf. „Was, wenn er
angehalten und auf uns gewartet hat?“
Sie drückte aufs Gas und überholte den
nächsten Wagen. Der Gegenverkehr hupte erbost.
Lexa klappte den Kosmetikspiegel in der
Sonnenblende auf, um auch einen Rückspiegel zu haben. Tatsächlich überholte
auch die Limousine. Das war verdächtig. Wer nicht lebensmüde war oder Maya
hieß, würde auf dieser Strecke nicht überholen.
„Bieg doch auf eine Nebenstraße ab“,
schlug Lexa vor. „Wenn uns der Wagen immer noch folgt, ist er tatsächlich
hinter uns her.“
„Okay, sobald ich eine passende Stelle
finde.“ Rasant nahm Maya die nächste Kurve und beschleunigte weiter.
Tatsächlich kam kurz darauf eine
Abzweigung, die in eines der kleinen Seitentäler führte.
„Achtung“, warnte Maya. „Die Kurve geht
quer. Aber die Strecke ist gut, die dürfte uns der Richtung nach sogar auch zu
unserem Hotel bringen. Soweit ich im Internet gesehen habe, gibt es so eine
Höhenstraße.“
„Fein.“ Lexa stemmte sich in ihren Sitz
und beobachtete aus mehreren Gründen ängstlich, was hinter ihnen geschah. Doch
auf der kurvigen Straße konnte sie nicht sehen, ob ihnen der andere Wagen
folgte.
„Blinder Alarm“, erklärte Maya, während
sie an einem Bauernhof vorüberflitzten.
„Dann kannst du auch wieder etwas
langsamer fahren.“ Lexa beobachtete statt der Straße hinter ihnen nun nicht
weniger besorgt den tiefen Graben am Straßenrand.
„Verflucht!“ Maya schaltete einen Gang
nach unten und beschleunigte. „Da sind unsere Freunde wieder.“
Lexa drehte sich um. Tatsächlich schoss
die Limousine hinter ihnen um die Kurve. Soweit sie erkennen konnte, saßen
mindestens drei Personen darin. Obwohl Maya fuhr wie ein Henker, holte der
Wagen auf. Das sah gar nicht gut aus.
„Ich widerrufe an dieser Stelle förmlich
meine Einschätzung, du seist mit dieser Ghul-Anti-Pa-Geschichte hysterisch
gewesen“, knirschte Maya, während sie durch eine Haarnadelkurve driftete. Die
Limousine hing ihnen inzwischen fast auf der Stoßstange.
Die Straße führte steil bergauf in ein
winterlich kahles Wäldchen und über eine Kuppe wieder bergab. Ihr Verfolger
scherte aus, als wolle er sie überholen.
„Nur über meine Leiche“, rief Maya und
zog gleichfalls nach links.
„Könntest du bitte andere Vergleiche
bemühen?“ Lexa schloss die Augen. Wenn jetzt Gegenverkehr kam, würden sie alle
sterben.
Maya antwortete nicht, sondern lenkte
ihr Auto auf Kampflinie über die Gebirgsstraße immer weiter hinauf in die
Bergeinsamkeit.
Es war gar keine gute Idee gewesen, die
relativ dicht befahrene Landstraße zu verlassen, stellte Lexa fest.
Was hatte sie in ihrem Leben bloß falsch
gemacht, dass sie diese wichtigen Erkenntnisse immer erst dann erreichten, wenn
es zu spät war? Je höher sie kamen, desto höher lag auch der Schnee und
verengte ihre Straße immer weiter. Inzwischen fuhr der Wagen hinter ihnen so
dicht auf, dass sich die Stoßstangen fast berührten. Die beiden vorne sitzenden
Gestalten trugen wie Lexa auch große Sonnenbrillen und wirkten sehr
entschlossen.
„Was ist, wenn sie uns rammen?“
„Keine Ahnung“, sagte Maya und fuhr noch
ein bisschen schneller. „Willst du es ausprobieren?“
„Nein!“
Es hupte ohrenbetäubend, als ihnen
direkt nach einer Kurve ein Jeep entgegenkam. In letzter Sekunde riss Maya das
Lenkrad nach rechts, kam dabei gefährlich dicht an die Felswand, fing aber
ihren Wagen wieder ein und raste weiter durch die nächste Kurve. Für
Augenblicke war die Limousine verschwunden.
Sie passierten eine Abzweigung, deren
Verkehrsschilder verrieten, dass sie noch 15 Kilometer vom Koglhof entfernt waren. Immerhin. In einem Hotel voller Werwölfe
würde man sie in Ruhe lassen. Stay with
the Pack – das bekam hier eine ganz neue Bedeutung.
Die Limousine tauchte wieder auf,
schneller als zuvor und setzte erneut zu einem Überholmanöver an. Wieder zog
Maya nach links. Metall knirschte, als die Wagen sich berührten.
Ein Ruck ging durch das Auto, doch Maya
hielt Kurs. Gefährlich dicht schlitterten sie an den am Straßenrand
aufgetürmten Schneewällen vorbei. Die Limousine hatte mehr zu kämpfen und fiel
etwas zurück.
Sie fuhren wieder über eine Kuppe und
hatten einen herrlichen Blick über das Tal, in dem ein Bergsee lag. Auf der
anderen Seite konnten sie ein großes Haus mit mehreren Nebengebäuden erkennen.
Das musste das Hotel sein. So nah und doch so fern, denn erst einmal führte die
Straße wieder in den Wald zurück.
„Ich glaube nicht, dass uns die Jungs so
gemütlich bis zu unserem Hotel begleiten werden“, verkündete Maya. „Wir werden
unsere Strategie ändern müssen.“
„Wie beruhigend. Hast du auch einen Plan
B? Außer sterben vielleicht. Ich nämlich nicht!“
Lexa fiel selbst auf, wie hysterisch sie
klang. Verfolgungsjagden im Kino fand sie immer superspannend. In der Realität
ließen solche Szenen deutlich an Charme vermissen.
Reifen quietschten, als Maya scharf
bremste.
Ein mit Brennholz beladener Kleinlaster
hupte sie böse zur Seite. Wäre an dieser Stelle nicht eine Ausweichbucht
gewesen, hätten sie nicht aneinander vorbeigepasst, sondern wären kollidiert.
„Das Glück ist mit den Dummen“, freute
sich Maya. „Das verschafft uns einen Vorsprung, denn unsere Freunde wird das
jetzt ein bisschen aufhalten. Ich könnte versuchen, genug Vorsprung
herauszufahren, um nochmals abzubiegen.“
Lexa schluckte. „Unabhängig davon, dass
du dazu noch schneller fahren müsstest, hat das beim letzten Mal auch schon
nicht geklappt.“
„Wenn du keinen Plan C hast, ist es
einen Versuch wert.“
Maya wartete gar nicht auf Lexas
Gegenvorschlag, den sie ohnehin nicht parat hatte, sondern schaltete wieder
einen Gang zurück und schoss im Vertrauen darauf, dass auf einsamen Straßen
kein Gegenverkehr unterwegs war, blind um die nächste Kurve. Eine der Tannen
entledigte sich direkt vor ihnen von ihrer Schneelast und für einen
schrecklichen Moment konnten sie nichts sehen. Maya musste sich die nächste
Kurve gemerkt haben, denn als sie das Lenkrad einschlug, war der
Scheibenwischer noch längst nicht mit seinen Räumarbeiten fertig.
Hier im Wald lag dennoch weniger Schnee
und so konnte Lexa aus dem Seitenfenster einen Waldweg entdecken.
„Maya! Da vorne rechts!“
„Wo soll der hinführen?“ Maya legte
trotz der Skepsis in ihrer Frage eine Vollbremsung hin und brachte den Wagen
rutschend und schlingernd auf den Waldweg, der nur durch die Furchen des
Forstbetriebs zu erkennen war.
„Fahr noch ein Stück vor, bis man das
Auto nicht mehr sieht.“
„Man sieht die Reifenspuren, Süße!“
„Noch.“ Lexa lächelte. „Lass mich
aussteigen.“
Maya runzelte die Stirn, hielt aber an.
Gerade lange genug, bis Lexa die Beifahrertür wiederzuschlagen konnte. Die
Hinterräder drehten kurz durch, als Maya Gas gab, griffen dann aber. Während
Maya wendete und ihr Auto hinter einem Holzstapel am Wegrand parkte, zerrte
Lexa einen großen Ast aus dem Unterholz.
Sie ging ein paar Schritt zurück bis zur
Straße, streckte sich und schlug mit ihrem Ast gegen den untersten Zweig der
Fichten. Der Ast schnellte, von der Last des Schnees befreit, nach oben und
ihre Reifenspuren verschwanden wie von Zauberhand unter einer feinen Decke.
Lexa ging ein paar Meter zurück und wiederholte das Spiel. Schritt für Schritt
bestäubte sie den Weg mit Neuschnee und vernichtete so alle verräterischen
Hinweise auf ihren Aufenthalt.
„Denkst Du nicht, dass sie erkennen, wo
wir von der Straße sind?“, hakte Maya nach.
„Wenn sie sich die Zeit nähmen, um
hinzusehen, schon“, räumte Lexa ein. „Doch sie wissen ja, dass wir vor ihnen
sind, nicht wahr? Und sie werden es eilig haben, die verlorene Zeit wieder gut
zu machen, denn sie wissen auch, dass wir das Hotel besser nicht erreichen
sollten.“
„Wobei du bei deinem Plan übersehen
hast, dass sie dann immer noch zwischen uns und dem Hotel wären.“
Wie auf Bestellung raste mit röhrendem
Motor ein Auto vorbei.
„Eigentlich wollte ich die Jungs zu
Hilfe holen. Aber wir sind hier natürlich in einem Funkloch“, schimpfte Lexa,
die ihren tollen Plan vom Schicksal sabotiert sah. „Wir könnten höchstens
umdrehen und doch über die Landstraße fahren.“
„Das ist das Dümmste.“ Maya lehnte sich
gegen die Fahrertür. „Wenn sie uns nicht finden, werden sie schätzungsweise
umdrehen. Dann sind sie ja wieder hinter uns.“
„Du könntest Hilfe holen. Wahrscheinlich
haben sie es auf mich abgesehen. Karel hat ja mich gewarnt und Ghule haben an
dir auch noch kein Interesse bekundet.“
„Trenn dich niemals in einem
Horrorfilm“, grinste Maya, die damit bewies, dass sie deutlich schlauer als
Lexa war, die den Fehler vom Friedhof gerade wiederholt hätte.
„Ist dir je aufgefallen, wie beschissen
so ein Spannungsbogen ist, wenn man auf der Sehne sitzt?“, grinste Lexa
verlegen.
Maya nickte. „Ja. Ich mag es in meinem
Leben auch lieber ruhig.“
„Seit wann?“
Doch statt zu antworten, ging Maya zum
Kofferraum und wühlte darin herum.
„Hier!“ Sie stellte Lexa ihre Skistiefel
hin.
„Was soll das?“
„Zieh sie an. Wir lassen das Auto erst
einmal stehen und fahren mit den Snowblades zum Hotel. Hier liegt genug Schnee
und querfeldein erwischen sie uns nicht.“
Wirklich überzeugt war Lexa nicht, aber
da Maya bereits in ihre Skistiefel schlüpfte und sie zudem auch keine bessere
Idee hatte, folgte sie dem Vorbild ihrer Freundin.
„Wir sollten aber unsere normalen Schuhe
auch mitnehmen“, sagte sie. „Falls wir mit den Skiern nicht weiterkommen.“
„Guter Einwand. Ich habe einen
Rucksack.“
„Maya, wie konntest du all die Jahre vor
mir verbergen, dass du eine gemeingefährliche Irre bist?“
„Sei lieber froh, dass es so ist“,
grinste Maya. „Wenn so wie in unserem Leben, Wahnsinn Methode hat, werden Irre
zu Spezialisten.“
Fünf Minuten später brachen sie auf. Da
Snowblades mit ihrer Länge von deutlich unter einem Meter sehr wendig waren,
kamen sie im Wald gut voran. Obwohl sie während ihrer Ausbildung als
Skilehrerin gearbeitet hatte, fühlte sich Lexa auf den Kurzskiern nicht wohl.
Sie hatte sich die Dinger im letzten Winter auf Mayas Drängen hin zugelegt und
sie seither erst zweimal benutzt.
Zielstrebig arbeitete sich Maya durch
den Bergwald in westlicher Richtung zum Hotel voran. Lexa folgte mit etwas
Abstand. Sie hatte darauf bestanden, das erste Stück ihre Spuren nochmals zu
verwischen. Ein bisschen Vorsicht hat
selten geschadet, aber häufig genutzt, pflegte ihre Oma immer zu sagen.
Als sie etwa 300 Meter oberhalb der
Straße freies Feld erreichten, fuhr der Wagen ihrer Verfolger gerade wieder vom
Hotel zurück. Offenbar hatten sie bemerkt, dass sie abgehängt worden waren.
Lexa blieb die Schadenfreude im Halse stecken, als ihr auffiel, wie langsam die
Limousine nun fuhr. Sie hatten noch nicht gewonnen, denn sie wurden gesucht.
„Wenn wir jetzt übers Feld fahren,
erwischen sie uns wahrscheinlich.“ Maya hatte ihre Kamera aus dem Rucksack
geholt und visierte die Straße an.
Kopfschüttelnd sah Lexa zu. „Was wird
das? Ein Abschiedsfoto?“
„Nein. Aber da ich kein Fernglas habe,
verwende ich den Zoom.“
Lexa war beeindruckt. „Ich sehe schon,
wir haben dich nicht umsonst studieren lassen.“
„Wir könnten uns ein Stück talwärts bis
zum See durchschlagen. Erstens haben wir da vielleicht Empfang und zweitens
fällt der Hang von der Straße aus steil genug ab, dass man uns hinter dem
Schneewall, den die Räumfahrzeuge aufgehäuft haben, nicht sehen dürfte, wenn
wir uns im Schatten halten.“
„Wenn sie uns aber sehen, kommen wir
ihnen nicht aus“, gab Lexa zu bedenken. „Dann sitzen wir zwischen See und
Straße in der Falle.“
„Nicht unbedingt, denn wir sind immer
noch mit den Snowblades schneller und wendiger.“
Ohne weitere Bedenken abzuwarten, fuhr
Maya zurück in den Wald und hielt im Schutz der Bäume bergab auf die Straße zu.
An der Böschung blieben sie stehen und
lauschten. Kein Motorengeräusch, nur winterliche Stille.
„Die Luft ist rein“, sagte Lexa
schließlich.
Maya grinste. „Wie man es in den Alpen
auch erwarten darf!“ Mit diesen Worten stieß sie sich ab, fuhr über die Straße
und kletterte über den Wall aus zusammengeschobenem Schnee auf der anderen
Seite. Lexa folgte.
Der Wall war von der Sonne aufgeweicht
und pappig und gab sie nur ungern wieder frei. Sie hatten sich noch nicht ganz
hinüber- oder vielmehr hindurchgekämpft, als sie ein Auto herannahen hörten.
Fluchend ließ Maya sich auf die andere Seite fallen. Das hätte Lexa ihr gerne
nachgemacht, aber sie hing mit einem Fuß im Schnee fest und verlor wertvolle
Zeit.
In den Schatten des Walls gepresst
verharrten sie reglos. Rücksichtslos biss sich die Kälte durch ihre Jeans. Dass
sie sich nicht die Zeit genommen hatten, sich umzuziehen, erschien im
Nachhinein als Fehler.
Der Wagen fuhr vorbei. Dann hielt er an.
Bange Sekunden verstrichen, in denen Lexa nicht nur ihr eigenes Blut rauschen
hörte, sondern sich auch Mayas Herzschlag seltsam bewusst war. Der Vampir in
ihr erwachte. Ob ihr die Raubtiersinne auch halfen, wenn sie eindeutig Beute
war?
Auf der Straße schloss sich eine
Wagentür mit dumpfem Schlag. Kurz darauf setzte das Fahrzeug zurück.
Lexa stockte der Atem.
„Ich hab sie sicher gesehen“, rief eine
Männerstimme.
„Dann können sie ja nicht weit sein.“
Die andere Stimme klang heiser, gereizt. „Wenn ich nur wüsste, wo das blöde
Weib das Auto gelassen hat.“
Trotz ihrer Panik lächelte Lexa stolz in
ihrem Versteck.
„Ich geh jetzt die Straße ab“, sagte der
Erste.
„Gut, wir fahren nochmal ein Stück
zurück“ erklärte der Heisere, der offenbar das Sagen hatte, „vielleicht
erkennen wir von der Kuppe aus mehr. Die anderen sind schon unterwegs.“
Wir
war schlecht. Aber zurückfahren war
gut. Sehr gut sogar.
Maya zupfte an Lexas Hose und nickte in
Richtung See. Eine bessere Gelegenheit würde sich nicht bieten.
Lexa signalisierte Zustimmung, drehte
ihre Blades und stieß sich hinter Maya ab. Waghalsig fuhren sie im Schuss den
Hang hinunter. Maya sprang über eine Kuppe, kam ins Straucheln, fing sich aber
und jagte nun neben Lexa über das Schneefeld.
Schreie hallten ihnen nach, aber der
Fahrtwind trug die Worte fort. Lexa hielt sich etwas links, um an dem See
vorbei zu kommen. Sie brauchten Schwung für das flache Stück und die
nachfolgende Steigung, die zurück in das Wäldchen auf der anderen Seite führte.
Hier stießen die Bäume bis direkt ans Wasser. Wurde es da sumpfig?
Ein lauter Knall riss Lexa aus ihren
Beobachtungen. Schoss man jetzt auch noch auf sie?
Der nächste Knall beseitigte jeden
Zweifel. Damit hatte sie nicht gerechnet. Solche Mistkerle!
„In den Wald“, brüllte sie
unnötigerweise. Maya hatte längst reagiert und hielt geduckt auf die einzig
vorhandene Deckung zu.
Als sie die Bäume erreichten und nun am
Seeufer entlang nach einer Stelle suchten, die sie durch das Dickicht tiefer in
den Wald ließ, sah sich Lexa nach ihrem Verfolger um. Der Kerl stapfte
entschlossen über das Feld. Ohne Waffe hätte er ihnen nicht mehr gefährlich
werden können. Wie weit flog aber ein Projektil?
Auf der Straße hielt ein roter Kombi an
und mehrere Gestalten stiegen aus. Das waren offenbar die Anderen, von denen der Heisere gesprochen hatte. Sie hielten auf
das obere Ende des Wäldchens zu. Offenbar wollten sie ihnen den Weg
abschneiden.
Auch die Limousine kam zurück und
stoppte dort, wo die Straße auf das Feld führte. Damit waren sie mehr oder
weniger umzingelt.
Eine Frau stieg aus und legte einen
Stock auf das Dach der Limousine. Dieses Mal klang der Knall dumpfer.
Kreischend fetzte die Kugel Holzsplitter aus dem Stamm, neben dem Lexa stehen
geblieben war. Panisch und ohne Rücksicht auf Kratzer und Schrammen kämpften
sie sich durchs Unterholz tiefer in den Wald. Wie befürchtet, war der Boden
hier sumpfig und nur halb gefroren.
„Halten wir uns an den Bachlauf“,
keuchte Maya und wies auf den breiten Graben, durch den sich ein Gebirgsbach
seinen Weg durch Fels, Schnee und Eis fraß. „Da verlaufen wir uns jedenfalls
nicht.“
„Ist doch gut“, lachte Lexa hysterisch.
„Wenn wir schon keine Ahnung haben, wo wir sind, wie sollen es dann die anderen
wissen?“
Diesen Vorschlag würdigte Maya keiner
Antwort, sondern setzte sich in Bewegung. Der Bachlauf transportierte das
Wasser vom See hinunter ins Tal und führte sie daher leicht bergab. Das war
zwar nicht ihre Wunschrichtung, aber sie hatten wohl keine Wahl. Manchmal
konnten sie immerhin richtig fahren, doch meist kamen sie auf dem unebenen,
tückischen Boden nicht schneller voran als eine betrunkene Ente und ungefähr so
musste es auch aussehen. Da sie mit den Snowblades nicht so tief in den
durchnässten Boden einsanken, hoffte Lexa, dass zumindest ihre zu Fuß gehenden
Verfolger auch nicht schneller vorankamen.
Einmal glaubten sie, hinter sich zornige
Stimmen zu hören, doch im Wald war es unmöglich, die Entfernung zu schätzen.
Sicherheitshalber hetzten sie weiter. An
der Stelle, an der ihr Bach auf zwei weitere traf, hatte sich ein tiefer Tümpel
gebildet, der an dieser geschützten Stelle zwischen zwei Felsen nicht einmal
gefroren war. Maya bückte sich und trank einen Schluck.
„Brrr“, keuchte sie. „Eiskalt, aber
köstlich.“
Zögernd kam auch Lexa näher. Der Tümpel
war ihr unheimlich, ohne sagen zu können, warum. „Wir sollten sehen, dass wir
weiter kommen“, sagte sie. „Nachdem die Dreckskerle auf uns schießen, möchte
ich nicht wissen, was sie machen, wenn sie uns einholen.“
Maya schöpfte nochmals von dem Wasser,
schlürfte geräuschvoll und drehte sich gehorsam zu Lexa um. Dann erstarrte sie.
Lexa wollte herumfahren, doch in dem
Moment packte sie eine Hand grob am Haar und riss sie zurück.
Ohne auch nur eine Sekunde zu zögern,
nahm Lexa den Impuls auf und warf sich mit aller Kraft nach hinten. Mit den
Snowblades an den Füßen konnte sie sich nicht ausbalancieren und stürzte. Sie
drehte sich zur Seite und versuchte mit den Kanten die Beine ihres Angreifers
zu treffen, noch bevor sie gemeinsam unsanft auf Felsen und Wurzeln landeten.
Lexa atmete ein, verschob den Kiefer und ließ sich von ihren Instinkten leiten.
Sie griff hinter sich, bekam einen Arm zu greifen und riss ihn mit all der
Kraft, zu der ein Vampir fähig war, nach vorn. Wie durch einen roten Nebel
spürte sie wie Sehnen und Bänder schnalzten, als sie dem Kerl die Schulter
auskugelte. Sein Schrei war so ohrenbetäubend, dass ihre Ohren auch noch
klingelten, als sie ohne zu zögern, den Ärmel seiner Jacke aufriss und in seine
Armbeuge biss. Blut schoss aus der Wunde hervor und betäubte für einen
wundervollen Augenblick Schmerz und Angst mit seiner ganz besonderen samtenen
Magie.
Lexa schluckte und trieb ihre Fänge noch
tiefer in die Wunde. Ihr Angreifer gab seinen Widerstand auf und entspannte
sich mit einem wohligen Seufzen.
Dieses Sekret war schon ein Teufelszeug. Lexa nutzte die Gelegenheit und
nahm noch ein paar Schlucke mehr. Sie würde all ihre Kräfte brauchen.
Schließlich ließ sie los, wischte sich diskret an der zerfetzten Jacke den Mund
ab und stand keuchend auf.
Maya beobachtete sie mit weit
aufgerissenen Augen. Dann starrte sie auf den ohnmächtig im Schnee liegenden
Mann. Schnell verstaute Lexa ihre Zähne wieder und überprüfte die Bindung ihrer
Snowblades. „Wir sollten wirklich nicht trödeln“, sagte sie. Das fremde Blut
hatte eine belebende, ja berauschende Wirkung, die Lexa das vermutlich
trügerische Gefühl vermittelte, einfach alles zu können.
„Wo wollt ihr denn hin?“
Kampfbereit drehte sich Lexa nach der
Frauenstimme um. Auf einem der Felsen, die den Tümpel schützten, stand eine
schlanke Frau in einem silbrig schimmernden Skianzug.
„Äh“, sagte Maya, was immerhin mehr war
als Lexa einfiel.
Die Frau sprang ohne Schwierigkeiten von
ihrem Felsen zu ihnen herunter und beugte sich über den Bewusstlosen. „Der wird
noch eine Weile schlafen. Auf Vampirbisse wird man müde. Liegt wohl an dem
Zeug, das ihr in die Wunde spritzt.“
„Das stimmt. Das vampirische Sekret ist ein hochkomplexes Gemisch,
das nicht nur die Blutgerinnung unterbindet, sondern auch eine
enzephalopathische Wirkung entfaltet, die sich in organisch-psychischen
Symptomen wie Apathie und Halluzinationen äußert. Studienergebnisse lassen
darauf schließen, dass Wirkstoffe wie Saxotoxin und Conotoxin eine tragende
Rolle spielen.“
Lexa warf Maya einen bösen Blick zu. Das
gehörte jetzt wirklich nicht hierher.
„Wer sind Sie und woher wissen Sie
das?“, fragte sie stattdessen misstrauisch.
Die Frau war mit ihrer Untersuchung
fertig, stand wieder auf und hielt Maya mit dem Griff voraus eine Pistole
entgegen. „Die könnte noch hilfreich sein.“
Perplex griff Maya nach der Waffe, hielt
sie aber eher wie eine giftige Schlange als wie ein Verteidigungsmittel.
„Ich bin Hedi Tiefensee“, sagte sie zu
Lexa, während sie zwei Zettel musterte, die sie offenbar gleichfalls dem Kerl
abgenommen hatte. Dann sah sie auf. „Und wer seid ihr?“
„Lexa Schellenberger“, sagte Lexa und
ergriff die ihr freundlich gereichte Hand. „Und das ist Dr. Maya Renzig.“
„Der Kerl da war nicht allein“, sagte
Hedi. „Ich weiß zwar nicht, um was es geht, aber ich habe aus Prinzip was
dagegen, wenn sechs Männer mit Schusswaffen zwei Frauen durch meinen Wald
jagen.“ Sie lächelte. „Auch wenn eine ein Vampir ist, die ich jetzt wieder
nicht so mag.“
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Ich hoffe ich konnte euch etwas einstimmen auf das Buch? Dann merkt euch Samstag 31.1 vor, in wenigen Tagen ist es dann soweit.