Die liebe Autorin Carina Bartsch der beiden wundervollen Bücher "Kirschroter Sommer & Türkisgrüner Winter" hat meinem Blog ein kleines Interview gegeben, welches ihr nun hier lesen könnt:
Copyright by Carina Bartsch
Bookdealer fragt: Wie bist du denn
zum Schreiben gekommen?
Carina antwortet: Das war, ehrlich gesagt, Zufall
– allerdings der beste Zufall meines Lebens. Ich habe schon immer viel gelesen
und mir öfter selbst kleinere Geschichten ausgedacht, ähnlich wie in
Tagträumen, aber auf die Idee, sie aufzuschreiben, bin ich irgendwie nie
gekommen. Mit Anfang zwanzig fiel mir dann ein Buch in die Hände, ein ziemlich
unbekanntes, das mir inhaltlich gut gefallen hat, nur mit dem Ende war ich
wahnsinnig unzufrieden. In geistiger Umnachtung – und ich weiß selbst nicht
mehr, was mich da geritten hat – setzte ich mich an den PC und schrieb das Ende
um. Ich hab sofort, noch während der ersten Zeilen gespürt, dass sich da eine
ganz neue Welt für mich öffnet. Ich habe gleich eine Verbundenheit gefühlt und
mich in das Formen von Sätzen und dem Entstehen lassen einer neuen Welt verliebt.
Bookdealer fragt: Wer in
deinem engsten Familien- und Bekanntenkreis ist dein größter Kritiker?
Carina antwortet: Ich
habe das Glück, dass ich vor einigen Jahren eine Gruppe von anderen Autoren im
Internet kennenlernen durfte. Inzwischen zählen ein paar von ihnen zu meinen
engen Freunden. Autoren lesen Bücher ganz anders als Leser, sind viel
kritischer und durchleuchten aus verschiedenen Blickwinkeln. Die konstruktiven
Meinungen, die ich von ihnen bekomme, sind wahnsinnig hilfreich und
unterstützen mich sehr. Ich möchte sie bei keiner einzigen Geschichte missen.
Bookdealer fragt: :
Hast Du irgendwelche Rituale vor dem Schreiben?
Carina antwortet: Ein richtiges Ritual habe ich
nicht, nein. Meistens lese ich das zuletzt Geschriebene noch einmal durch,
schließe für ein paar Minuten die Augen und versuche mich wieder voll und ganz
in die jeweilige Situation und die Gefühlswelt der Protagonisten
hineinzuversetzen. Wenn es gelingt, fange ich an zu schreiben, wenn es nicht
gelingt, starre ich frustriert auf den Bildschirm.
Bookdealer fragt: Hast Du zuerst die Geschichte oder die
Charaktere im Kopf? Und bekommen die Charaktere "einfach so"
ihre Namen oder steckt da eine Bedeutung hinter?
Carina antwortet: Bei den meisten Projekten habe
ich immer zuerst die Geschichte im Kopf, bei Kirschroter Sommer und Türkisgrüner
Winter war es allerdings genau andersherum. Elyas Schwarz, der männliche
Hauptprotagonist, war der Erste, der geboren wurde. Eigentlich nur deshalb,
weil es so viele männliche Charaktere in Büchern gibt, von denen alle Welt
begeistert ist – nur ich irgendwie nicht. Ich dachte mir, wie müsste ein Mann
aus einem Buch stattdessen sein? Tja, und so formte sich der junge Herr aus Kirschroter
Sommer. Weil ein graues, auf den Mund gefallenes Mäuschen an seiner Seite
untergangen wäre, brauchte er natürlich einen starken Gegenpart: Emely
entstand. Und erst dann webte ich eine Geschichte um die beiden.
Namensfindungen sind immer gar
nicht so leicht, zumindest fallen sie mir alles andere als das. Eine besondere
Bedeutung haben die Namen nicht, aber ich suche meistens sehr lange, bis ich
einen passenden finde. Das ist für mich das wichtigste Kriterium: Sie müssen
passen.
Bookdealer fragt: Die Titel deiner
Bücher „Kirschroter Sommer & Türkisgrüner Winter“ klingen so schön
romantisch und bunt. Wie bist du auf den Namen gekommen?
Carina antwortet: Titelfindungen sind noch mal die
Steigerung zu Namensfindungen – das ist jedes Mal eine nervliche Zerreißprobe
für mich. Ursprünglich hießen die Bücher ganz anders, aber weil ich rausfand,
dass die Titel schon vergeben waren, musste ich mir andere überlegen.
"Kirschroter Sommer" war, wenn ich mich recht entsinne, der vierte
Titel. Ich bin darauf gekommen, in dem ich nach etwas suchte, dass das Gefühl
vom Verliebtsein einfängt. Wie kann man dieses Gefühl beschreiben? Es ist warm,
intensiv, verwirrend, verträumt, hell, dunkel, süß … Es ist ein kirschrotes
Sommergefühl. So entstand der Titel.
Bookdealer fragt: Welches Buch hat
einen nachhaltigen Eindruck bei Dir hinterlassen und ist aus Deinem Bücherregal
nicht mehr wegzudenken?
Carina antwortet: Da gibt es sehr viele, vor allem
aus meiner Jugend. Ich habe mit zehn oder elf Jahren "Wir Kinder vom
Bahnhof Zoo" gelesen, das war das erste Buch, das mich richtig mitgenommen
hat. Genauso verhält es sich bei "Lieber Poti" – ein Lieblingsbuch meiner Schwester, das ich
mir heimlich aus ihrem Schrank stibitzt habe. "Der kälteste Winter aller
Zeiten" war ebenfalls ein Buch, das mich, vor allem in jungen Jahren, sehr
bewegt hat. Das Buch "Zwölf" las ich mit 18 oder 19 und war
beeindruckt, wie ein junger Autor schon so gut und gleichzeitig unverblümt
schreiben kann. Es gibt wirklich unzählige. Jedes Buch von Irvine Welsh ist
z.B. ein eigenes Leseerlebnis, genau wie der Klassiker "Fight Club"
von Chuck Palahniuk, die abartige Kurzgeschichte "Guts" vom selbigen
Autor, oder die Liebe zum Detail von Edgar Allan Poe. Die Liste wäre endlos.
Das letzte Buch, das wirklich nachhaltigen Eindruck bei mir hinterlassen hat,
war "Die Einsamkeit der Primzahlen."
Bookdealer fragt: Könntest du dir
auch vorstellen mit einem anderen Autoren ein Buch zusammen zu schreiben?
Carina antwortet: Prinzipiell könnte ich mir das
schon vorstellen, wobei es sehr schwer werden würde. Die Chemie untereinander
muss passen, die Absprache muss funktionieren, wir müssen die gleiche
Vorstellung von der Geschichte haben und natürlich auch die Begeisterung dafür
teilen. Mit jemand völlig Fremden könnte ich nie ein Buch zusammen schreiben.
Ich bräuchte zu der Person schon einen gewissen Bezug.
Bookdealer fragt: Wenn du jetzt
keine Bücher lesen & selber schreiben würdest, würde dir da was in deinem
Leben fehlen?
Carina antwortet: Du ahnst nicht, wie viel mir da
fehlen würde … Schreiben ist etwas Einzigartiges, Besonderes, Unersetzbares für
mich. Natürlich existieren auch viele andere schöne Dinge im Leben, eine ganze Menge
sogar, aber jede schöne Sache gibt etwas anderes. Das was mir das Schreiben
gibt, kann mir nur das Schreiben geben. Fiele es weg, würde ein Loch
zurückbleiben, das ich mit nichts anderem füllen könnte.
Bookdealer fragt: Wird es noch
einen dritten Band zu dem Duo „Kirschroter Sommer & Türkisgrüner Winter“
geben?
Carina antwortet: Das ist wohl die Frage aller
Fragen – zumindest, wenn man meine Leser zu Wort kommen lässt. Ich stecke
diesbezüglich in einem großen Zwiespalt. Ich mag es nicht, wenn Geschichten bis
zum bitteren Ende ausgeschlachtet werden. Entweder man hat wirklich noch etwas
zu erzählen, oder man hört auf, wenn es am Schönsten ist. Das ist mein eiserner
Grundsatz. Es gibt durchaus noch Ideen für eine Fortsetzung, aber ich konnte
für mich noch nicht herausfinden, ob sie es wirklich wert sind, erzählt zu
werden. Mein persönlicher Anspruch ist es, dass ein dritter Teil mit den ersten
beiden mithalten kann – derzeit kann ich nur so viel sagen, dass ich mir auf
jeden Fall Mühe gebe. Als nächstes wird aber erst mal eine neue Geschichte
kommen. Dann weiß ich hoffentlich mehr.
Bookdealer fragt: Könntest du dir
auch vorstellen, mal Bücher in einem komplett anderem Genre zu schreiben?
Carina antwortet: Ja, das habe ich auch schon
getan. Wobei ich schon sagen muss, dass mir Liebesgeschichten einfach irgendwie
liegen. Ich finde es schön, über das Knistern und die Spannung zwischen zwei
Menschen zu schreiben und alles ein bisschen anders umzusetzen, als es für
gewöhnlich der Fall ist. Liebe ist ein tolles Thema, über das man Millionen von
Geschichten spinnen kann, und das nie langweilig wird, weil es jeden von uns
betrifft. Es ist echt, natürlich – selten sind Menschen so roh und nahbar wie
in Zeiten, in denen sie ernsthaft verliebt sind. Liebe, egal zu wem oder was,
macht das Leben lebenswert.
Bookdealer fragt: Hast du schon
neue Buchprojekte am Start? Wenn ja darfst du deinen Lesern dazu schon etwas
verraten?
Carina antwortet: Ich habe sehr viel Ideen und
auch bereits begonnene Projekte. Momentan stecke ich in der kleinen Krise, dass
ich nicht weiß, auf welches ich mich voll und ganz konzentrieren soll. Ich
warte jeden Tag auf den Geistesblitz, der mir sagt, "genau die Geschichte
ist es, die schreibst du jetzt zu Ende", aber bisher kam er leider nicht.
Wahrscheinlich bin ich auch viel zu kritisch. Außerdem ist nicht zu verachten,
dass ich im letzten dreiviertel Jahr eine große Menge an Lesern gewonnen habe,
die ich natürlich nicht enttäuschen möchte. Ein gewisser Druck ist durchaus
vorhanden. Ich hoffe aber weiterhin, dass die Erleuchtung bald kommt – bis
dahin wühle ich weiterhin meine angefangenen Geschichten durch, schreibe ein
bisschen daran herum und spinne neue Ideen weiter.
Bookdealer fragt: Warst du schon
mal auf einer Buchmesse (Leipzig oder Frankfurt)? Oder hast du sogar vor, auf
eine zu gehen? Wenn ja, wie hatte es dir dort gefallen?
Carina antwortet: Ich war erst letzten Monat auf der Leipziger Buchmesse.
Es war ein bisschen sehr voll, aber ansonsten hat es mir auf der Messe
wahnsinnig gut gefallen. Ganz spontan hat es sich ergeben, dass ich eine kleine
Signierstunde am Rowohlt-Stand gab, ich durfte zum ersten Mal eine große Anzahl
von Lesern persönlich kennenlernen. Das war definitiv mein absolutes
Messe-Highlight und nicht nur eine ganz neue, sondern auch äußerst schöne
Erfahrung für mich. Meine Leser sind toll! In Frankfurt werde ich im Herbst auf
jeden Fall wieder dabei sein und hoffe ganz fest, dass sich wieder ein Treffen
einrichten lässt!
Herzlichen Dank liebe Carina für das tolle und ausführliche Interview.