Donnerstag, 19. Juni 2014

[Lesedeal] Cupcake Love von Berit Bonde



Diese Woche geht das ja richtig Schlag auf Schlag und zack gibt es den nächsten Lesedeal für euch. Diesen konnte ich mit der sympatischen Autorin Berit Bonde aushandeln. Ihr Taschenbuch soll am 23.6 erscheinen.





Kapitel 1

»Herzlichen Glückwunsch. Damit gehört der Laden offiziell Ihnen.« Der Makler griff nach den Papieren, die ich soeben fein säuberlich unterschrieben hatte, klopfte die Blätter zu einem akkuraten Stapel zusammen und gab ihn über seine Schulter hinweg an seine Sekretärin weiter. »Frau Voss, seien Sie doch bitte so nett und machen Sie gleich zwei Kopien des Vertrags, eine für den Vermieter und eine für Frau Sander.«
Frau Sander, das war ich. Clara Sander. Dreißig Jahre alt, einen Meter achtundsechzig groß, kastanienbraune Haare, grüne Augen und seit einem Jahr glücklicher Single. Ungelogen, ich war glücklicher Single, auch wenn die meisten diese Aussage nur belächelten, aber nach mehreren Fehltritten hatte ich erst mal genug von der Männerwelt und genoss das Alleinsein. Wirklich. Ehrlich. Also ganz ehrlich.
Da saß ich also nun im Büro meines Maklers und hatte den wohl wichtigsten Schritt meiner bisherigen Karriere getan. Ab sofort schimpfte ich mich stolze Mieterin eines kleinen Ladens in der Hamburger Innenstadt. Und mit klein meinte ich auch klein. Sechzig Quadratmeter waren das Maximum, das mein Sparbuch hergegeben hatte, und wenn mein Plan nicht aufgehen würde, würde der Traum, meine eigene Chefin zu sein, ziemlich bald wie eine Seifenblase zerplatzen. Aber no risk, no fun, oder?
»Frau Sander?«
»Hm? Entschuldigung, ich muss wohl in Gedanken gewesen sein.« Der Makler war bereits aufgestanden und streckte mir die Schlüssel zu meinem neuen Laden und damit auch zu meiner Zukunft entgegen. Schnell stand ich ebenfalls auf und nahm sie ihm ab. »Danke, wirklich, ohne Sie hätte ich niemals so schnell den perfekten Laden gefunden.«
»Dafür sind wir doch da, liebe Frau Sander«, sagte er mit diesem strahlenden Blendamed-Lächeln, das fast alle Makler hatten. »Stets zu Diensten, wenn Sie uns brauchen.« Meine Zukunft in der Hand haltend, verabschiedete ich mich von ihm.

Mit einem Kribbeln im Bauch öffnete ich die schwere Holztür des Altbaus, in dem sich das Maklerbüro befand, und rannte in eine breite Männerbrust hinein, sodass ich mit Schwung seitlich gegen den Türrahmen knallte. Die Kopien meines Vertrags flatterten wild durch die Gegend und landeten weit verstreut auf dem Bürgersteig im Dreck. »Toll, natürlich genau in die einzige Pfütze weit und breit«, kommentierte ich die Lage und rieb mir die Schläfe. Das würde sicherlich eine schöne Beule geben.
»Haben Sie denn keine Augen im Kopf?«, fragte der Typ mit der stahlharten Männerbrust. Bei genauerem Hinsehen waren wohl nicht nur meine, sondern auch seine Papiere im Dreck gelandet. Ohne mich weiter zu beachten, machte er sich daran, die Blätter aufzusammeln.
»Ignoranter Affe«, murmelte ich vor mich hin und sammelte wahllos einzelne Blätter auf.
»Cupcake Love, das gehört dann wohl zu Ihnen.« Der ignorante Affe stand genau neben mir, und der süffisante Unterton in seiner Stimme war nicht zu überhören. Er reichte mir die Vertragsblätter, auf denen dick und fett der Name meines zukünftigen Ladens prangte. Ich schnappte mir die Papiere und drehte mich auf dem Absatz um. Solche Typen waren es nicht wert, dass ich mich über sie aufregte. Ich rauschte in Richtung meines Wagens davon, den ich nur ein paar Meter vom Haus entfernt geparkt hatte. Cupcake Love war ein toller Name. Über den Namen meines neuen Ladens hatte ich wochenlang gegrübelt, da würde ich mich jetzt ganz sicher nicht von so einem Möchtegernmacho verunsichern lassen.
»Jetzt warten Sie doch«, rief er mir nach, aber im selben Moment hatte ich schon die Tür meines knallroten Minis zugeknallt und den Rückwärtsgang eingelegt. Ohne mich noch einmal nach ihm umzusehen, rauschte ich aus der Parklücke und machte mich auf den Weg von Eppendorf in die Innenstadt. Kaum, dass ich mich in den Verkehr eingefädelt hatte, war der Typ so gut wie vergessen. Das erklärte Ziel hieß Valentinstraße fünf. Dort wartete der wohl schönste Laden der ganzen Innenstadt auf mich. Die Eingangsfront war komplett verglast, und wenn man durch die Tür trat, sah man zur linken Seite auf einen langen Tresen, der bald über und über mit meinen Cupcakes gefüllt sein würde. Alte Holzdielen gaben dem Laden einen gemütlichen Touch, und gegenüber vom Tresen war Platz für ein paar Tische und Sessel. Ich stellte mir das Ganze loungemäßig vor, cool, aber nicht zu cool. Ich wollte nicht nur die hippen und attraktiven Leute in mein Café locken, sondern auch kleine, niedliche Omas, die mit ihren Stricknadeln klappern und dabei gemütlich einen Cupcake naschen würden. Die Einrichtung sollte auf jeden Fall britisch sein, mit vielen Blumenmustern und Bonbonfarben. Ich seufzte glücklich, während ich an einer der zahlreichen Ampeln auf dem Weg zur Innenstadt auf Grün wartete. Nach der Vertragsunterzeichnung begann nun der beste Part meines Plans, das Einrichten. Gut, erst würden die Wände gestrichen werden müssen. Und eine Grundreinigung würde nötig sein. Aber wozu hatte ich Freunde? Das würde sich bestimmt alles in Nullkommanichts regeln lassen. Bis zur geplanten Eröffnung waren es noch vier Wochen. Alles überhaupt kein Problem.
Wieder eine rote Ampel. Immerhin hatte ich es schon fast bis ans Ende der Rothenbaumchaussee geschafft. Noch wenige Minuten zum Ziel. Ich sah mir die schönen Altbauten an. Wann würde mein Laden so viel Geld abwerfen, dass ich mir hier eine Wohnung würde leisten können? Es wurde grün. Ich legte den ersten Gang ein und düste los, bevor meine Hintermänner mich ungeduldig anhupen würden, wie es mir oft passierte, wenn ich als Erste an der Ampel stand und vor mich hin träumte. Heute hatte ich wahrhaftig schon genug Stress gehabt. Ich brauchte nicht noch mehr Männer, die mich anpflaumten. Leider hatte ich wohl übersehen, dass nur die Linksabbieger eine grüne Ampel gehabt hatten. Mit quietschenden Bremsen kam ich fünf Millimeter vor einem dicken BMW zum Stehen, der im selben Moment offensichtlich nach rechts abbiegen wollte.
Während ich noch starr vor Schreck mit den Fingern am Lenkrad klebte, war der BMW-Mann schon ausgestiegen und brüllte mich an.
»Mei, san Sie narrisch? Wohl den Führerschein in der Lotterie gewonnen? Deppertes Weibsbild!«
Na toll, ein Bayer, und auch noch einer von der Sorte mit Fußballfahnen am Fenster.
Okay, der Beinaheunfall war meine Schuld gewesen, aber mich von einem bayerischen Fußballfan niedermachen lassen? Niemals. Ich stieg ebenfalls aus und baute mich vor ihm auf.
»Okay, Mister, ich mag eine Frau sein, und mein Fahrstil lässt vielleicht ab und an zu wünschen übrig, aber immerhin weiß ich mich im Gegensatz zu Ihnen zu benehmen. Und jetzt regen Sie sich ab, steigen brav in Ihr Auto und fahren weiter, einverstanden?« Während ich auf ihn einredete, wurde sein Gesicht puterrot, und er schnappte nach Luft. »Keine Widerrede? Dachte ich mir, also los.« Mit dem Zeigefinger drückte ich ihm auf die Brust und schob ihn zurück auf seinen Sitz.
Ohne auf weitere Kommentare zu warten, drehte ich mich um und setzte mich hocherhobenen Hauptes wieder in meinen Wagen. Im Rückspiegel sah ich, wie der Mann hinter mir im Wagen sichtlich amüsiert schmunzelte. Immerhin hatte ich den Leuten ein gutes Schauspiel geboten. Der Bayer hatte in der Zwischenzeit unter lautem Fluchen seine Tür zugeknallt und rauschte mit immer noch hochrotem Kopf an mir vorbei.
»Männer. Kein Wunder, dass so viele an einem Herzinfarkt sterben«, murmelte ich, ignorierte bewusst, dass die Ampel mittlerweile wieder auf Rot gesprungen war, und fuhr weiter.
Mit Schwung bog ich in die Valentinstraße ein und konnte schon von Weitem einen kleinen Menschenauflauf vor meinem Laden erkennen. Ich ergatterte eine der wenigen Parklücken und verzichtete darauf, einen Parkschein zu ziehen. Ich malte mir das Schlimmste aus. Bestimmt stand der Laden unter Wasser, oder es hatte gebrannt, oder jemand war eingebrochen und nun standen die Leute vor dem eingeschlagenen Fenster und warteten darauf, dass die Polizei kommen würde. Beim Näherkommen erkannte ich Herzchenballons, Luftschlangen und ein riesiges rosafarbenes Plakat über der Eingangstür, auf dem in dicken großen Buchstaben Herzlichen Glückwunsch! stand. Viele kleine bunte Cupcakes waren darunter gemalt worden.
Kaum, dass meine Freunde mich bemerkt hatten, brüllten sie im Chor los, und Luftschlangen flatterten mir um die Ohren.
»Surprise!«
»Alles, alles Gute zum neuen Laden. Wir wollten dich überraschen.«
»Du hast doch gerade den Vertrag unterschrieben, oder? Hier, nimm ein Glas Champagner, das müssen wir unbedingt feiern.«
Bevor ich auch nur einen Ton sagen konnte, hatte Dine mir schon ein Glas in die Hand gedrückt. Dine war eine meiner besten Freundinnen. Wir kannten uns schon viele Jahre, und ich war mir ziemlich sicher, dass sie dies alles organisiert hatte. Mindestens zehn meiner Freunde standen vor dem Laden und tranken bereits Champagner oder Orangensaft. »Von wem wusstet ihr denn überhaupt, dass das heute ist?«
»Marlene hat geplaudert. Du glaubst doch wohl nicht, dass du so etwas vor uns verheimlichen kannst.« Dine grinste, und im selben Moment drängelte sich meine Schwester Marlene mit ihrer kleinen Tochter Cecilia zu uns durch. Strahlend hielt die Kleine mir ein selbstgemaltes Bild eines Cupcakes vor die Nase. Jetzt ahnte ich auch, wer das Plakat verschönert hatte.
»Guck mal, Tante Clara, ich hab einen Kuchen für dich gemalt«, rief sie und drückte mir einen feuchten Schmatzer auf die Wange. »Genau so einen, wie du sie immer für uns backst.«
»Wow, so einen schönen Kuchen habe ich aber noch nie gebacken, meine Süße. Da muss ich mir noch ganz viel Mühe geben, damit ich das so toll hinbekomme wie du.«
»Das schaffst du schon, Tante Clara. Wenn du noch ganz viel übst«, erwiderte Cecilia. Marlene lachte und drückte mir die Kleine in den Arm.
»Na Schwesterherz, alles glattgegangen bei der Vertragsunterzeichnung?«
»Alles in Butter«, erwiderte ich und hielt ihr die Ladenschlüssel vor die Nase.
»Na, dann mal rein, oder?«
»Halt, Moment«, tönte es von der Seite. Mein bester Freund Basti tauchte neben mir auf und hielt mir einen rosa Schlüsselanhänger in Form eines Cupcakes vor die Nase. »Dein erster Glücksbringer.«
»Rosa, Basti, wirklich?«, frotzelte Dine.
Basti zuckte nur mit den Schultern. »Wenn es nach mir gegangen wäre, wäre sogar noch eine Plüschbommel dran, aber davon hat Marlene mich dann doch abgehalten.«
Basti hatte sich mit neunzehn dafür entschieden, der Frauenwelt zu entsagen und sich zu outen. Was wirklich ein Jammer war. Er erinnerte mich immer an den Hauptdarsteller aus dem Film ‚Wedding Date‘, eine ganz wunderbare Liebeskomödie, natürlich mit Happy End. Ich war absoluter Film- und Serienfreak und sah mir nur Filme an, von denen ich sicher war, dass sie gut ausgehen würden. Ich verbrachte meine Abende gern mit einer Schachtel Pralinen und einer Packung Taschentücher vor dem Fernseher.

»Der ist echt super, Basti, danke.« Ich friemelte den Schlüssel sofort an den Anhänger, was sich mit Cecilia auf dem Arm als nicht besonders leicht erwies, um weitere Diskussionen zwischen Basti und Dine zu vermeiden. Seit sie sich kannten, verhielten sie sich wie Hund und Katze. Niemand wusste, warum sie sich eigentlich nicht leiden konnten. »Also, dann mal alle mir nach«, rief ich, drückte Marlene wieder ihre Kleine in den Arm, schloss die Ladentür auf und trat in eine Miefwolke.

Kapitel 2

»Puh. Das riecht nach toten Mäusen, die es nicht mehr geschafft haben, sich ihr eigenes Grab zu schaufeln und jetzt als Zombies
durch die Welt wandeln«, sagte Dine. »Und wie das hier aussieht.«
Schockiert stand ich im Raum und sah mich um. Ich befand mich inmitten von Schutt und Geröll. Der Vormieter hatte anscheinend ganze Arbeit geleistet, als er hier ausgezogen war. Bei der Besichtigung mit dem Makler war der Laden noch vollkommen intakt gewesen, und die Gäste hatten an kleinen Tischen friedlich ihren Kaffee geschlürft. Von dem niedlichen Café war nicht mehr viel übrig geblieben. Vielleicht hätte ich besser hinhören sollen, als der Makler in einem Nebensatz erwähnt hatte, dass der Vormieter dafür sorgen würde, dass die eingezogenen Trennwände noch abgerissen werden würden. Das war ganz offensichtlich geschehen. Leider hatte er nach dem Einreißen wohl vergessen, den Schutt mitzunehmen.
»Heilige Scheiße, mein lieber Herr Gesangsverein«, murmelte Basti.
»Ich glaube, ich ticke aus«, sagte ich. Der Rest meiner Freunde betrat den Laden nicht. Der Geruch war anscheinend schon nach draußen geströmt.
Basti machte sich inzwischen an einer halb heruntergerissenen Tapete zu schaffen. »Hier haben wir auch die Ursache des üblen Gestanks«, rief er zu uns herüber. »Das ist ganz eindeutig Schimmel.«
Entsetzt drehte ich mich um und sah ihn an. »Das ist nicht dein Ernst, oder?«
»Ich fürchte doch«, sagte er und zeigte auf die dunklen Flecken an der Wand. »Das ist unzweifelhaft Schimmel, und zwar von der ganz üblen Sorte.«
»Ich bringe den Makler um. Wo sind meine Autoschlüssel? Ich fahre jetzt sofort los und drehe ihm den Hals um. Oder noch besser, ich besorge mir eine Knarre.« Voller Wut trat ich gegen den einzigen Stuhl, der mitten im Raum stand.
»Das würde ich mir gut überlegen«, tönte es im selben Moment von der Tür. »Laut Vertrag haben Sie den Laden inklusive aller bestehenden Mängel übernommen, und wenn ich hier richtig lese, sind eventuelle Feuchtigkeitsschäden in der Mängelliste auf Seite zwei aufgeführt.«
Langsam drehte ich mich um. Die Stimme kam mir bekannt vor. So einen Klugscheißer konnte ich jetzt gerade noch gebrauchen.
Ich hatte mich nicht getäuscht, im Türrahmen stand der ignorante Affe, der am Morgen dafür gesorgt hatte, dass meine Vertragspapiere mehr Matsch als Papier waren. »Was machen Sie denn hier?«, entfuhr es mir, während ich mir mit verstaubten Händen die Haare aus dem Gesicht wischte.
»Nun, Sie waren ja heute Morgen so schnell verschwunden, da konnte ich Ihnen nicht mehr sagen, dass ich noch zwei Seiten Ihres Vertrages unter meinen Papieren gefunden habe. Zum Glück stand auf einer der Seiten die Adresse Ihres Ladens, und da ich gerade in der Nähe war …«
»… dachten Sie, dass Sie ja kurz vorbeischauen könnten, um sich weiter über meine Geschäftsidee lustig zu machen.« Ich schnappte mir die beiden Seiten, die er mir hinhielt. Dine hatte sich inzwischen neben mich gestellt und haute mir ihren Ellenbogen in die Seite. »Au, bist du besch…«, sagte ich.
»Entschuldigen Sie, meine Freundin meint es nicht so, sie ist nur gerade ein bisschen gereizt.« Dine strahlte den Typen mit ihrem schönsten Lächeln an.
»Tja, wenn ich mir das Elend hier so ansehe, fehlt Ihnen wohl noch ganz schön viel Love an Ihren Cupcakes«, erwiderte er und ging dabei ein paar Schritte im Laden umher, umgeben von Staubwolken, die jeder einzelne seiner Schritte aufwirbelte.
»Wenn der Typ noch einmal einen Witz über den Namen meines Ladens macht, garantiere ich für nichts«, zischte ich Dine zu und stellte mich ihm in den Weg. »Okay, Herr …«
»Van der Brugge. Samuel van der Brugge, aber nennen Sie mich Sam.«
»Wunderbar, Herr van der Brugge«, sagte ich und ignorierte absichtlich die Hand, die er mir hinhielt. »Da Sie ja anscheinend herzlich wenig von meiner Geschäftsidee halten, ist es wohl besser, wenn Sie uns hier mit unserem Elend allein lassen.«
Er grinste mich an. »Ganz wie Sie meinen, Frau Sander, aber falls Sie mal Rechtsbeistand brauchen sollten, hier ist meine Karte.«
Kaum, dass er mir seine Visitenkarte in die Hand gedrückt hatte, war er auch schon aus der Tür.
»Was für ein ungehobelter Mistkerl, was denkt der sich eigentlich, wer er ist?«, murmelte ich vor mich hin und drehte die Visitenkarte in der Hand.
»Aber heiß ist er, das muss man ihm lassen«, sagte Dine und griff nach dem umgekippten Stuhl, um sich zu setzen.
Ich schnaubte ungerührt und steckte mir die Visitenkarte in die Hosentasche.

Nachdem wir noch eine ganze Weile in meinem Laden herumgestanden und beratschlagt hatten, welches Chaos am besten zuerst zu beseitigen sei, machte ich mich auf den Weg nach Hause. Die To-do-Liste in meinem Kopf war gefühlt zehn Kilometer lang. Herr van der Brugge hatte recht. Die Feuchtigkeitsschäden waren tatsächlich in der Mängelliste aufgeführt und von mir abgenommen worden.
»Du musst das Kleingedruckte lesen, Clara, das Kleingedruckte.« Oft genug hatte meine Mutter mir diesen Satz eingetrichtert, und welchen Fehler musste ich als Erstes machen? Gott, ich hasste Schimmel, das Zeug war nicht nur gesundheitsschädlich, sondern auch wirklich widerlich. Allein der Geruch. Mit ein bisschen Schimmel-Ex war mir hier wahrscheinlich nicht geholfen, da mussten Profis ran. Punkt eins auf meiner Liste war: Schimmelbuster finden, die alles vernichten würden, endgültig und bis in alle Ewigkeit.
Leicht deprimiert schloss ich die Tür zu meiner kleinen Wohnung im Herzen von Altona auf und schmiss meine Tasche auf die Kommode im Flur. Herzzerreißend kläglich quakend kam mir Fee entgegengestiefelt und warf sich vor meine Füße, um sich wonnig auf dem Boden zu wälzen. Fee war meine Perserkatze und seit fünf Jahren meine treue Mitbewohnerin. Ich hatte sie zu mir geholt, als sie noch ganz klein gewesen war, und seitdem waren wir ein Herz und eine Seele, auch wenn Madame oft quakig war, wenn ich zu lange arbeitete und spät nach Hause kam.
»Na, meine Süße, möchtest du dein Futter?« Mit Fee auf dem Arm ging ich in die Küche und öffnete den Kühlschrank, aus dem mich Micky Maus, das Krümelmonster, Miss Piggy und Kermit anstrahlten. »Schau, Fee, heute hast du eine riesige Auswahl. Ich vermute mal, du entscheidest dich für die Maus?« Fee strampelte maunzend auf meinem Arm und machte Anstalten, sich in den Kühlschrank zu stürzen. »Oder vielleicht doch lieber dein normales Futter? Cupcakes sind nicht ganz nach deinem Geschmack, stimmt’s?« Micky Maus und Co. waren aus Marzipan und steckten als Deko auf einer dicken Schicht aus Schokoladencreme. Eine Bekannte von Marlene hatte mich engagiert, drei Bleche Cupcakes für den Geburtstag ihrer sechsjährigen Tochter zu backen. Das Ergebnis stand nun seit dem Morgen in meinem Kühlschrank und wartete darauf, ausgeliefert zu werden. Punkt zwei auf meiner To-do-Liste für den nächsten Tag.
Ich ließ Fee runter und füllte Hühnchenfleisch in ihren Napf, vor dem sie sich zufrieden schmatzend niederließ und mich, ihren allerliebsten Dosenöffner auf der ganzen Welt, nicht mehr beachtete.
Aus dem einzigen noch freien Fach im Kühlschrank lachte mich eine Flasche Weißwein an, genau das Richtige nach dem Ladendesaster.
Mit der Flasche und einem Korkenzieher bewaffnet, ging ich ins Wohnzimmer und schnappte mir auf dem Weg meinen Laptop vom Küchentisch. Wäre doch gelacht, wenn ich nicht heute noch einen Schimmelprofi auftreiben würde, der gleich am nächsten Tag loslegen konnte. Google war schließlich mein bester Freund und Ratgeber in allen Lebenslagen. Die ersten drei Treffer hörten sich bereits vielversprechend an.
»Also, Clara, wer soll denn nun dein Herzblatt sein? Kandidat Nummer eins mit dem Motto ‚Ihr Schimmel, unser Problem‘. Oder Kandidat Nummer zwei, der wirklich absolut widerliche Vorher-Nachher-Fotos auf seiner Website zeigte, wobei auf den Nachher-Fotos alles glänzte und nicht der kleinste Schimmelfleck zu sehen war. Oder Kandidat Nummer drei, der auf die Masche ‚Unsere Chemikalien sind vielleicht nicht legal, aber der Schimmel zahlt Ihnen auch keine Miete‘ setzte.
Ich entschied mich für Kandidat Nummer zwei und hoffte inständig, dass die Fotos nicht mit Photoshop bearbeitet worden waren. Nach einem kurzen Telefonat hatte ich bereits einen Termin für den nächsten Morgen. Zufrieden ließ ich mich in die Sofakissen sinken und nippte an meinem Wein. Fee hüpfte auf das Sofa und kuschelte sich schnurrend an mich.
Als ich mich noch weiter in die Couch sinken ließ, stach mir hartes Papier in den Rücken. Die Visitenkarte von diesem van der Brugge war mir offenbar aus der Hosentasche gerutscht. Ich griff danach und betrachtete sie erneut. Auf der Vorderseite standen sein Name sowie der Name seiner Kanzlei und eine Webseite.
»Na, dann wollen wir doch mal sehen, ob du wirklich so cool bist, wie du tust, Sam«, sagte ich und griff nach meinem Laptop.

Die Firmenwebseite gab relativ wenig her. Die Kanzlei schien sich auf Miet- und Familienrecht spezialisiert zu haben, van der Brugge war offensichtlich Fachanwalt für Steuerrecht. Jeder Anwalt der doch recht großen Kanzlei war mit Bild und einer Kurzbeschreibung auf der Seite aufgeführt. Auf dem Bild sah er wirklich unverschämt gut aus, das musste ich zugeben. Braune Haare, strahlend blaue Augen, eine markante Gesichtsform und natürlich in Schlips und Kragen, wie sollte es auch anders sein. Fehlte nur noch der Dreitagebart und er käme meinem Ideal von einem Mann ziemlich nahe. Er erinnerte mich ein bisschen an meinen ersten großen Schwarm aus der Schulzeit, Heiner Blohm. Gott, was war ich damals in den verknallt gewesen. Ich war erst vierzehn, er schon siebzehn und somit drei Klassen über mir. In dem Alter hatten drei Jahre Altersunterschied leider noch sehr viel ausgemacht, und ich hatte nach monatelanger Schwärmerei meinen ersten Korb bekommen, dabei waren Marlene und ich sogar extra dem Schulchor als Sopransängerinnen beigetreten, weil Heiner dort Klavier gespielt hatte. Damals hatte ich das als eine gute Taktik empfunden, heute eher als extrem peinlich, aber was tat man nicht alles für die Liebe. Als Heiner dann irgendwann die Schule gewechselt hatte, hatte auch mein Liebeskummer nachgelassen, und ich war mit meinem ersten Freund zusammengekommen. Ein paar Jahre später hatte ich Heiner zufällig in einer Disco getroffen, wo er mir dann ziemlich klar zu verstehen gegeben hatte, dass er mittlerweile kein Problem mehr mit dem Altersunterschied hatte. Zu seinem Pech waren andere Jungs mittlerweile viel interessanter geworden, auch wenn seine blauen Augen immer noch der Hammer gewesen waren, und so war wieder nichts aus uns geworden.
Schnell klickte ich mich durch van der Brugges Team und blieb bei seiner Sekretärin hängen. Blond, blauäugig, bestimmt einen Meter fünfundsiebzig groß und sicherlich mit ellenlangen Beinen, auch wenn ich das auf dem Foto nicht sehen konnte. Typ Topmodel. »Na wunderbar, überrascht mich jetzt aber auch nicht wirklich«, murmelte ich, nahm einen Schluck Wein und kraulte Fee den Bauch. »Aber was soll’s, so ein arroganter Typ interessiert uns eh nicht, oder Fee?« Diese rollte sich auf die Seite und maunzte zustimmend. »Und wer braucht schon zwei Meter lange Beine?«, fügte ich hinzu und begutachtete meine kurzen. Ich war auch riesig, leider nur im Sitzen. Ein Sitzriese sozusagen, langer Oberkörper und kurze Beine. Gut, das war vielleicht ein bisschen übertrieben, aber ein paar Zentimeter mehr wären ganz nett gewesen. Aus den Augenwinkeln sah ich, dass auf meinem Laptop das Briefchen als Symbol für neue Nachrichten blinkte. Ich hatte vier neue E-Mails, drei davon Spams, eine von Dine mit dem Betreff »Sam von der Brücke«.

Hey Süße, falls der ignorante Affe von heute Morgen doch nicht uninteressant sein sollte, schau doch mal bei Facebook vorbei.
LG, Dine

Darunter hatte sie einen Link eingefügt, der zu seinem Facebook-Profil führte.
»Total uninteressant, vollkommen unwichtig, interessiert mich überhaupt nicht. Punkt.« Im nächsten Moment hatte ich schon auf den Link geklickt. Sein Profilfoto zeigte ihn am Strand lässig an ein Surfbrett gelehnt, die Haare nass und verwuschelt, bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel. Ziemlich ungewöhnlich für einen Anwalt, ein privates Foto bei Facebook, andererseits hatte er sonst nichts freigegeben. Außer seinem Profilfoto und ein paar allgemeinen Angaben konnte ich mir nichts ansehen, nicht mal seine Freundesliste.
Langsam fuhr ich mit dem Mauszeiger über den Button zum Versenden einer Freundschaftsanfrage.
»Nein, Clara, blamier dich nicht. Du machst dich nur lächerlich. Lass es einfach, sonst bildet er sich noch was darauf ein.« Ich gönnte mir noch einen Schluck Wein. Sicherheitshalber schob ich den Laptop ein Stück von mir weg, damit ich nicht erst in Versuchung kommen würde. Meine Neugierde war nicht gerade eine meiner besten Eigenschaften und hatte mich schon in die unmöglichsten Situationen gebracht. Das würde mir diesmal nicht passieren, ganz sicher nicht.
Während ich noch auf meinen Laptop starrte, machte sich mein Magen lautstark bemerkbar. Fee wurde von dem lauten Gegrummel wach und sah mich träge an.
»Okay, Zeit, etwas zu essen. Das ist auf jeden Fall besser, als sich gut aussehende, eingebildete Männer anzusehen.« Ich stand auf. Fee raffte sich ebenfalls auf, offensichtlich in der Hoffnung, dass in der Küche auch für sie noch etwas abfallen würde. Bevor sie mir jedoch folgte, beschnupperte sie neugierig Laptop und Maus und stampfte mitten im Kabelgewirr herum.
»Fee, nein! Weg da!« Wie üblich schien sie sich überhaupt nicht für mein Geschrei zu interessieren. Bevor ich reagieren konnte, war sie vom Sofa runtergehüpft und hatte die Maus mitsamt Kabel mit sich gezogen. Scheppernd knallte die Maus auf den dunklen Holzboden, wodurch Fee sich zu Tode erschreckte und wie vom Blitz getroffen durch die Wohnung raste. Natürlich, wie sollte es auch anders sein, war die Maus mit der Oberseite nach unten heruntergefallen, und ich hatte das Gefühl, ein leises »Klick« gehört zu haben. Eine dumpfe Vorahnung beschlich mich, und ich drehte den Laptop zu mir, nachdem ich die Maus aufgehoben hatte.

Ihre Freundschaftsanfrage wurde versendet.

Nein, nein, nein. Warum musste so etwas immer mir passieren? Hektisch klickte ich auf der Seite herum, was natürlich überhaupt nichts brachte.

Freundschaftsanfrage rückgängig machen.

Ja, genau das war es, was ich gesucht hatte. Klick.

Möchten Sie die Anfrage wirklich rückgängig machen?

Ja, natürlich, nichts mehr als das. Ein weiterer Klick und die Anfrage wurde zurückgenommen. Erleichtert ließ ich mich auf mein Sofa sinken. Das war ja gerade noch gut gegangen. Es sei denn … Mist, Mist, Mist. Wieso hatte ich nicht daran gedacht, dass van der Brugge die Anfrage trotzdem sehen würde? Und nun würde er auch noch sehen, dass ich meine Anfrage zurückgezogen hatte. Diese ganzen Informationen wurden ja immer per E-Mail verschickt. Ich hatte also alles nur noch schlimmer gemacht. Jetzt blieb eigentlich allein die Flucht nach vorn. Ich musste die Anfrage neu verschicken, und falls er mich jemals darauf ansprechen würde, würde ich alles auf irgendwelche Internetprobleme schieben. Nach dem Motto, ich hätte gedacht, die Anfrage wäre nicht verschickt worden, deswegen hatte ich es noch mal probiert. Eine gute Lösung. Ich klickte erneut auf den Button zum Versenden der Anfrage und meldete mich dann bei Facebook ab. Für heute hatte ich mich wirklich genug blamiert. Vielleicht würde ich ja auch Glück haben, und er würde mich nicht als Freundin bestätigen, dann würde er auch nicht die zahlreichen peinlichen Fotos zu sehen bekommen, auf denen meine Freunde mich markiert hatten. Die Hoffnung starb ja bekanntlich zuletzt. Und überhaupt, wieso machte ich mir eigentlich Gedanken? Dieser Typ war mir doch total egal. Wirklich. Ehrlich.

Um nicht noch mehr Katastrophen heraufzubeschwören, beschloss ich, hungrig und leicht angeduselt ins Bett zu gehen und alle Mittel der modernen Kommunikation auf stumm zu stellen. Morgen würde ich weitersehen.

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Hach das macht doch Lust auf mehr oder? Das Cover ist auch ein absoluter Blickfang und sehr passend. Ich bin schon sehr auf das Buch gespannt, ihr auch?

Mittwoch, 18. Juni 2014

[Neuerscheinungen] Monat Juli

Hier sind meine persönlichen *freusel-Bücher*, ich such jetzt aber nur die raus, die mich persönlich sehr interessieren und dene ich förmlich entgegen hibbel, alles andere würde wohl den Rahmen sprengen *grins* aber vielleicht ist ja was für euch dabei, was auf euren Wunschzettel kommen wird *zwinker*


Für die Klappentexte bitte klicken:

Sylvia Lott = Die Glücksbäckerin von Long Island 
Elisabth Herrmann = Schattengrund
Lilli Beck = Geld oder Liebe
Gena Showalter = Rückkehr ins Zombieland

[Autoren Interview] Judith Fischer

Und wieder hat sich eine ganz sympatische Autorin bereit erklärt mir in einem kleinen aber feinen Interview Rede & Antwort zu stehen.





 Bookdealer fragt: Wie bist du denn zum Schreiben gekommen?
Das kann ich gar nicht genau beantworten. Ich habe eigentlich schon mit dem Schreiben angefangen, als ich gerade so einen Stift grade halten konnte. Ich denke, mir sind einfach immer so viele Dinge durch den Kopf gegangen, dass ich sie einfach irgendwann aufschreiben musste. Mir hat das Spaß gemacht und das tut es natürlich noch. Mit sieben schrieb ich eine Story über Wichtel, mit elf mein erstes Buch über einen kleinen Polizeihund namens Filly… und je älter ich wurde, desto mehr habe ich dann auch geschrieben.

Bookdealer fragt: Wer in deinem engsten Familien- und Bekanntenkreis ist dein größter Kritiker?
Meine große Schwester. Sie ist immer die Erste, bei der meine Geschichten auf dem Schreibtisch landen. Denn bei ihr weiß ich, sie liest sie nicht einfach nur drüber, sie hilft mir auch Dinge zu verbessern, zeigt mir meine Schwächen auf. Das nervt zwar manchmal, aber ich bin eigentlich froh, dass sie nicht immer nur alles toll findet, was ich schreibe.

Bookdealer fragt: Hast Du irgendwelche Rituale vor dem Schreiben oder schreibst du einfach drauf los?
Nein, Rituale gibt’s bei mir eigentlich keine. Wenn mich die Schreibwut gepackt hat, dann setze ich mich einfach an meinen Laptop und haue in die Tasten. Manchmal habe ich aber auch wochenlang eine Schreibflaute. Da bekomme ich meist nichts Gescheites aufs Papier. Die Zeit nutze ich dann meistens, um fertige Texte zu überlesen und zu korrigieren.

Bookdealer fragt: Was hat sich in deinem Leben verändert, seit du schreibst?
Das kann ich nicht wirklich beantworten. Weil eigentlich hat Schreiben schon immer zu meinem Leben dazu gehört. Deshalb hat sich auch nichts geändert. Es hat sich aber was geändert, seit ich am 01. April mein Debüt „Zantaliya“ veröffentlicht habe. Ich mache viele Dinge selbstständig, das stärkt mein Selbstbewusstsein. Und ich komme mit vielen neuen Menschen in Kontakt, die Bücher genauso lieben wie ich… das ist toll. 

Bookdealer fragt: Hast Du zuerst die Geschichte oder die Charaktere im Kopf? Und bekommen die Charaktere "einfach so" ihre Namen oder steckt da eine Bedeutung hinter?
Hm, gute Frage. Eigentlich sind am Anfang nur die Hauptcharaktere in meinem Kopf. Die Geschichte entsteht dann rund um diese herum und dabei entwickeln sich dutzende Nebencharaktere ganz spontan.  Meine Charas liegen mir alle sehr am Herzen. Auch wenn es manchmal ziemlich viele werden, in meinem Kopf hat jeder seine ganz eigene Story. Das lässt sie für mich lebendig werden.
Bei „Zantaliya“ haben die Charas fast alle Fantasienamen bekommen. So gibt es zum Beispiel den bösen Lord Falador, die schöne Prinzessin Ranbay, den Adlerkönig Tshar, den grimmigen Zwerg Zuurgh oder den hinterlistigen Vampir Morkufer. Gewissermaßen haben diese Namen schon eine Bedeutung für mich, auch wenn sie so ungewöhnlich sind. 

Bookdealer fragt: Welches Buch hat einen nachhaltigen Eindruck bei Dir hinterlassen und ist aus Deinem Bücherregal nicht mehr wegzudenken?
Also, mein absolutes Lieblingsbuch ist die „Tribute von Panem“. Das Buch hat mich einfach von Anfang an so sehr gefesselt, dass ich es an einem Tag durchgelesen hab. So begeistert war ich seit „Harry Potter“ nicht mehr (was für mich außer Konkurrenz läuft). Es gefiel mir nicht nur, weil Suzanne Collins einen tollen Schreibstil hat (und den hat sie), sondern weil die ganze Idee einfach richtig gut ist. Ich habe immer wieder gedacht: „WAS? Das kann ich nicht sein. Das ist einfach zu hart.“ Und dann kam es noch schlimmer. Ich kann es nicht richtig erklären, aber das Buch hat mich einfach in seinen Bann gezogen. Und Katniss ist eine tolle Protagonistin. Ich liebe sie.

Bookdealer fragt:  Könntest du dir auch vorstellen mit einem anderem Autor ein Buch zu schreiben?
Grundsätzlich würde ich es nicht ausschließen, aber ich stelle es mir schwierig vor. Ich weiß auch nicht, ob ich gut darin wäre. ;) Bei mir passieren viele Sachen spontan. Ich überlege mir zwar vorher einen Plot, aber wenn ich schreibe, kann es schon passieren, dass am Ende alles komplett anders wird. Wenn noch jemand an diesem Projekt beteiligt wäre, würde ich ihn sicher zur Verzweiflung treiben. ;)

Bookdealer fragt: Welcher deiner Charaktere ist dir besonders ans Herz gewachsen und welchen magst du überhaupt nicht?
Das klingt blöd, aber ich mag eigentlich alle meiner Charaktere. Eben weil sie so unterschiedlich und auch nicht perfekt sind. Klar habe ich Lieblinge… ich mag von den beiden Hauptfiguren aus „Zantaliya“ Mary am liebsten, weil sie zwar auch impulsiv und dickköpfig sein kann, aber auf der anderen Seite auch oft mutig und selbstlos reagiert. Bei meinen Bösewichten schreibe ich vor allem Szenen mit Morkufer sehr gerne. Er ist zwar ein echtes Ekel, aber irgendwie bin ich ihm trotzdem verfallen. ;)

Bookdealer fragt: Wie ist es zu der Entstehung von  „Zantaliya-Reise durch das Schattenland“  und „Down with love"“ gekommen?
„Zantaliya“ entstand, als ich 13 war. Das Originalmanuskript umfasste 50 A4 Seiten. Darauf war ich mächtig stolz! Ein paar Jahre später habe ich die Geschichte wieder entdeckt und mir gedacht, dass eine komplette Überarbeitung interessant sein könnte. Und je mehr ich geschrieben habe, desto enger bin ich mit dem Buch zusammengewachsen. Mir sind immer mehr Details in den Kopf gekommen. Und so wurden ruck, zuck aus 50 Seiten fast 1000. Deshalb musste ich es auch in drei Teile aufteilen. ;)
„Down with love“ ist eine typische Teenage-Drama-Lovestory. Die schrieb ich, als ich 14 war – also selbst mitten in der Pubertät. Die Themen, die darin behandelt werden – die erste Liebe, Freundschaft, Partys – haben mich zu der Zeit also selbst am meisten interessiert. Heute sehe ich die Geschichte mit anderen Augen, weil ich natürlich reifer geworden bin in der Zwischenzeit. Trotzdem bringt sie mich immer wieder zum Schmunzeln und liegt mir am Herzen. Sie weckt Erinnerungen und ist eben ein Teil meines Lebens.

Bookdealer fragt: Die Cover finde ich im übrigem sehr klasse, wieviel Mitspracherecht hattest du gehabt?
*räusper* Naja… J Ich bin Selfpublisherin, also mache ich alles selbst – das beinhaltet auch die Cover. Sagen wir, ich habe es mir leichter vorgestellt. Hinter so einem Cover steckt eine ganze Menge Arbeit. Ich gebe immer mein Bestes. Das Cover von „Zantaliya – Reise durch das Schattenland“ kam beim Publikum leider nicht so gut an. Ich habe mir die Kritik aber zu Herzen genommen und hoffe, dass ich mich in Zukunft noch verbessern kann. Ich sehe das nicht so eng – jeder fängt mal klein an. Und wer weiß, vielleicht kann ich mir irgendwann ja einen Profi leisten, der mich unterstützt. ;)

Bookdealer fragt: Wie lange brauchst du ungefähr für ein Buch (bis es fertig geschrieben ist) ?
Oh… also das ist unterschiedlich. Aber eher lange. Ich bewundere Autoren, die jeden Tag ein ganzes Kapitel schreiben, bis das Buch fertig ist. Ich brauche zum Schreiben erstmal Zeit… und die habe ich nicht immer. Und dann muss ich in der richtigen kreativen Laune sein. Wenn das aber der Fall ist, schreibe ich locker 2, 3 Kapitel am Tag. Dann kann es aber wiederum sein, dass ich die nächsten zwei Wochen gar nichts mehr schreibe. Also ich würde sagen, ich brauche etwa ein Jahr für ein Buch…
Übrigens… Weil ich weiß, dass ich so langsam bin, habe ich Band 1 von „Zantaliya“ erst veröffentlicht, als die Rohfassung von der Fortsetzung fast fertig war. ;) Von Band 3 habe ich im Moment etwa ein Drittel geschrieben.

Bookdealer fragt: Wenn du privat Bücher liest, liest du dann richtige Bücher oder lieber Ebooks und welche Genre liest du am liebsten und welches Genre magst du überhaupt nicht?
Eindeutig richtige Bücher. Ebooks habe ich erst entdeckt, als ich selbst eins veröffentlicht habe. Kein Witz! Ich habe zu Weihnachten einen Minireader geschenkt bekommen. Den habe ich erst nur genutzt, um meine eigenen Sachen darauf Probe zu lesen. Erst seit Kurzem habe ich mir ein paar eBooks drauf gepackt. Und ich muss sagen, ich bin positiv überrascht. So ein Reader hat schon viele Vorteile. Trotzdem werde ich immer der Meinung sein, dass ein eBook echte Bücher nicht ersetzen kann. Soll es aber auch gar nicht. ;)
Ich lese am liebsten – wie könnte es anders sein – Fantasy. Alles von Harry Potter, Herr der Ringe, Hunger Games über Divergent, die Sookie Stackhouse Reihe bis hin zu Klassikern wie Die unendliche Geschichte oder Brüder Löwenherz. Mit Liebesromanen für Erwachsene werde ich nicht so richtig warm, ebenso wenig mit Historischen Romanen. Aber hin und wieder werde ich auch noch überrascht.  Ich lese Bücher am liebsten im Original. Deswegen sind die meisten meiner Bücher auf Englisch.

Bookdealer: Was gehört für dich zu einem gemütlichen Leseabend dazu?
Ruhe. Viel Ruhe. Ich kann nicht lesen, wenn es um mich herum laut ist. Deswegen komme ich auch meistens nur dazu, wenn mein Freund grade nicht da ist. ;) Dann schnappe ich mir was zu knabbern, mache es mir irgendwo bequem (gern auch in der Badewanne) und lasse mich ganz und gar fallen. Es gibt doch nichts über ein tolles Buch, um zu entspannen.

Bookdealer fragt: Welche Buchverfilmung hast du zuletzt gesehen oder schaust du dir so was nicht an?
Vorneweg: von Buchverfilmungen bin ich meistens enttäuscht. Ist leider so. Als letztes habe ich Divergent gesehen. Und ich muss sagen, ich war positiv überrascht.
Mehr noch, ich fand’s toll. Der Film war nah am Buch, was mir immer sehr wichtig ist. Und er hat sogar noch ein paar kleine Logikfehler des Buches ausgemerzt. Das hat mir sehr gefallen.

Bookdealer fragt: Warst du schon mal auf einer Buchmesse (Leipzig oder Frankfurt?) Oder hast du gar eine in Planung? Wenn ja wie fandest du die Buchmesse bis jetzt immer so?
Ich war leider noch nie auf der Frankfurter Buchmesse, aber ich hoffe, dass sich das bald ändert. Ich war schon zweimal in Leipzig, aber als Privatperson. Es hat mir sehr gefallen. Es gibt sooo viel zu entdecken. Schade, dass es immer so voll ist. Manchmal wurde ich einfach nur durch die Reihen geschoben. Aber ansonsten würde ich jederzeit wieder eine Messe besuchen. Mich würde ja mal interessieren, wie es von der anderen Seite so aussieht. Also von der Seite eines Autors, der seine Bücher vorstellt. Vielleicht werde ich es ja eines Tages erfahren.

Bookdealer fragt: Wie wichtig ist dir der persönliche Kontakt zu deinen Lesern?
Wahnsinnig wichtig. Ich find es total interessant, die Meinung von anderen zu meinem Geschriebenen zu erfahren. Sie reagieren teilweise total unterschiedlich und zeigen mir neue Blickwinkel auf. Das macht das Ganze so spannend. Ich nehme mir eigentlich jedes Feedback und jede Kritik an. Ich denke mir immer, man ist nicht von Anfang an perfekt. Aber man kann weiter an sich arbeiten. ;) Deswegen ist es mir lieber, man sagt mir auch, wenn einem etwas gar nicht gefällt, als wenn man es für sich behält.

Bookdealer fragt: Gehst du auch zu Lesungen von Kollegen, oder hast du da die Zeit nicht mehr so dazu? Und gibt es einen Autoren den du unbedingt mal treffen möchtest?
Bisher war ich kaum auf Lesungen. Ich habe aber mal eine Lesung von Michael Kirchschlager (Thüringer Kinderbuchautor) miterlebt und ich fand es total interessant und witzig, wie er das gemacht hat. Er hat toll mit dem noch sehr jungen Publikum interagiert. Ich selber hatte bisher keine Lesung und bin auch gespannt, wie ich es machen würde. Ich bin ja eher ein schüchterner Typ. Aber wie heißt es? Man wächst an seinen Aufgaben. Oder so. 

Bookdealer fragt: Hast du noch einen besonderen Herzenswunsch den du dir noch erfüllen möchtest ?
Im Bezug auf Bücher? Ein großer Wunsch von mir ist es, meine Bücher auch als Printausgabe rausbringen zu können. Als Selfpublisher braucht man dafür aber ein gewisses Kapital. Was ich als frisch gebackener Studienabsolvent aber leider noch nicht habe. ;) Deswegen gehen alle Einnahmen aus den eBook-Verkäufen auch direkt auf ein extra Sparkonto, das ich später für den Print verwenden möchte. J

Vielen herzlichen Dank liebe Judith, dass du dir die Zeit genommen hast, mir das „kleine“ Interview zu geben.

Ich danke dir, liebe Sheena. 


Dienstag, 17. Juni 2014

[Lesedeal] Wenn es Liebe wird von Rosita Hoppe


Und wieder ist es an der Zeit euch einen ganz exklusiven Lesedeal zu bieten und zwar konnte ich ihn mit der sympatischen Autorin Rosita Hoppe vereinbaren. Das Buch "Wenn es Liebe wird" wird am 23.6 erscheinen:





Viktor Gabriel runzelte die Stirn, als er aus dem Dickicht des Waldes trat und einen roten Kleinwagen vor der Einfahrt zu seinem Grundstück stehen sah. Eine zierliche Person mit wilder Mähne, eindeutig eine Frau, setzte gerade eine Flasche an ihre Lippen. Schon wieder jemand, der seine Einfahrt als Parkplatz nutzte. Na, der würde er was erzählen. Doch bevor er nah genug an den Wagen herankam, stieg die Person ein und fuhr los. Auch gut. Das ersparte ihm lästige Diskussionen. Er hatte sich ohnehin genug andere Dinge vorgenommen und beeilte sich, an seine Arbeit zu kommen. Doch ein Waldspaziergang am Morgen, wie er ihn gerade hinter sich hatte, war in den vergangenen Jahren zu einem täglichen Ritual in seinem Leben geworden und er spürte jedes Mal, wie der Wald ihn geradezu inspirierte.
Viktor trat durch die Eingangstür seines Hauses und schwenkte nach links in die kleine Küche. Mit einer schnellen Handbewegung verscheuchte er ein paar Fliegen, die auf dem Teller saßen, den er zum Frühstück benutzt hatte, und der noch immer auf dem Tisch stand. Er hasste das Abwaschen, hielt es bei den hohen Temperaturen jedoch für sinnvoll, sein Geschirr zu säubern, bevor es noch mehr Ungeziefer ins Haus lockte. Eilig spülte er die benutzten Teile unter fließendem Wasser ab und ließ sie zum Trocknen auf der Ablage neben dem Spülbecken liegen. Mit einer Flasche Mineralwasser verließ er kurz darauf das Haus und eilte in Richtung Hof. Er schob sich die Schutzbrille, die er, wenn er seine Arbeit unterbrach, in der Brusttasche seines Overalls aufbewahrte, auf die Nase und zog sich die ledernen Arbeitshandschuhe über, die er vor etwa einer Stunde auf dem Steinquader abgelegt hatte. Viktor Gabriel hatte schon am frühen Morgen, so gegen sieben Uhr, begonnen, den Stein zu bearbeiten. Er konnte selten länger als fünf, sechs Stunden schlafen und war meist schon beim ersten Vogelgezwitscher wach. Jeden Morgen musste er sich zügeln nicht sofort aufzustehen und an die Arbeit zu gehen. Doch nachdem ihn jemand aus dem Dorf wegen Ruhestörung angezeigt hatte, hielt er sich zurück. Bevor ihm die Anzeige ins Haus geflattert war, hatte er sich keine Gedanken darüber gemacht, ob ihn jemand hören könnte, wenn er mit Hammer und Meißel seine Steine bearbeitete. Das nächste Haus am Dorfrand lag mindestens dreihundert Meter entfernt. Er konnte sich kaum vorstellen, dass man ihn dort hören konnte. Letztlich hatte er sich eines Besseren belehren lassen müssen.
Erst, als er sich bückte, um sein Werkzeug zu greifen, entdeckte er den Bogen Papier auf dem Boden. Er zog seine rechte Augenbraue hoch und holte das Papier unter dem Vorschlaghammer hervor. Neugierig warf er einen Blick darauf.
Lieber Herr Gabriel,
leider habe ich Sie nicht angetroffen. Für einen Artikel im Hamelner Tageblatt möchte ich gern einen Termin mit Ihnen ausmachen. Bitte rufen Sie mich im Redaktionsbüro unter folgender Telefonnummer an …
Verbindlichst, Ihre Felicitas Kleine
Für die Nachricht in seiner Hand hatte Viktor Gabriel nur ein verächtliches Schnauben übrig. Er zerknüllte das Blatt und schob es in seine Hosentasche. Damit war der Fall für ihn erledigt. Mit heftigen Schlägen begann er den Sandstein vor ihm zu bearbeiten. Bereits nach wenigen Minuten war er in seine Arbeit vertieft und legte erst dann eine Pause ein, als sich das Knurren seines Magens nicht mehr ignorieren ließ.

„Wie ist es gestern im Schwimmbad gelaufen?“, fragte Felicitas als Erstes Florian, als sie endlich im Redaktionsbüro ankam.
„Ganz gut. Nur schade, dass ich keine Badehose dabei hatte, dann wären die Fotos klasse geworden.“
„Und, wie sind sie jetzt?“ Felicitas ahnte nichts Gutes.
„Fast hätte Florian im Fluge fotografiert“, rief Siggi dazwischen.
„Wie das?“
„Ja also, das war so.“ Florian holte schwungvoll mit beiden Armen aus, um die Geschichte für Felicitas auszuschmücken.
Felicitas bremste den Praktikanten. „Kurzversion, bitte.“
Siggi hielt sich den Bauch vor Lachen. „Er ist auf den Dreier geklettert und wollte einige Jungs, die sich anschickten, vom Fünfer zu springen, während ihres Fluges vor die Kamera kriegen. So ein kleiner Bengel hat ihn da oben angeschubst. Da wäre er beinahe ebenfalls geflogen.“
„Und die Kamera?“
„An der hat er sich krampfhaft festgeklammert und sie hat es sogar überlebt.“
„Florian, du solltest vom Beckenrand aus die Badegäste beim Planschen fotografieren.“ Felicitas konnte es nicht fassen, was ihm fast wieder passiert war.
„Ich wollte doch sensationelle Fotos mitbringen. Vom Rand aus, das kann jeder. Wie konnte ich ahnen, dass mir der Knirps in die Quere kommen würde.“
„Zeig mal die Fotos.“
„Die kannst du schon in der aktuellen Ausgabe bewundern.“
Felicitas nahm die neueste Ausgabe vom Tisch im Eingangsbereich des Büros und schlenderte damit zu ihrem Schreibtisch. Während ihr Rechner hochfuhr, holte sie sich das Brötchen aus der Kühltasche. Hungrig biss sie hinein und blätterte nebenbei in der Zeitung.
„Wie war es bei deinem Künstler?“, fragte Siggi.
„Nichts war. Der war gar nicht da. Aber ich habe schon einige Aufnahmen von seinen Skulpturen. Wenn es überhaupt seine sind und ich auf dem richtigen Grundstück war.“
„Wieso?“
Felicitas erzählte in wenigen Worten von ihrer vergeblichen Fahrt in den Ort, in dem Viktor Gabriel wohnen sollte.
„Glaubst du, er meldet sich bei dir?“
„Wenn nicht, dann muss ich eben noch einmal hinfahren. Irgendwann werde ich ihn schon erwischen. Du kennst mich doch. So schnell gebe ich nicht auf.“
„Weiß ich doch.“

Viktor Gabriel meldete sich nicht und Felicitas fand das gar nicht nett. Ein kurzer Rückruf wäre doch wohl nicht zu viel verlangt gewesen. Da in den nächsten zwei Stunden keine Termine anstanden, bat sie am Nachmittag ihren Chef, noch einmal hinfahren zu dürfen.
„Wollen Sie nicht warten, bis er sich meldet? Vielleicht ist er ja verreist und hat ihre Notiz noch gar nicht gelesen.“
„Glaub ich nicht. Es sah dort so aus, als hätte er seinen Arbeitsplatz nur kurz verlassen.“ Felicitas war sich zu neunzig, nein, mindestens neunundneunzig Prozent sicher, an der richtigen Adresse gewesen zu sein. Mit einer energischen Bewegung strich sie sich die ewig widerspenstige Haarsträhne aus dem Gesicht. „Chef, mir haben die Arbeiten sehr gefallen und ich will diesen Artikel so schnell wie möglich.“
„Nun gut, Frau Kleine. Versuchen Sie ihr Glück.“

Felicitas parkte wieder vor der Eingangspforte zu dem Grundstück, wo sie Viktor Gabriels Haus vermutete. Ein triumphierendes Lächeln glitt über ihr Gesicht, als sie beim Aussteigen ein stetiges Hämmern vernahm. Hier war sie richtig und vor allem – er war da. Sie beugte sich noch einmal in den Wagen, holte die Fototasche heraus und hängte sie sich über die Schulter. Mit raschen Schritten machte sie sich auf den Weg zum Interview mit dem Steinbildhauer.

Lediglich mit einer Latzhose bekleidet – ohne Hemd oder Shirt – bearbeitete Viktor Gabriel mit Hammer und Meißel den dicken Sandsteinblock, als sie bei ihm eintraf. Okay, das Thermometer war inzwischen auf mindestens achtundzwanzig Grad im Schatten geklettert und körperliche Arbeit war nun mal schweißtreibend, aber einer Reporterin bei einem offiziellen Termin in so einem Aufzug gegenüberzutreten, fand Felicitas etwas unpassend – und äußerst irritierend. Na gut, wenn sie ehrlich war, musste sie sich eingestehen, dass er ja nicht wissen konnte, wann sie noch einmal auftauchen würde – aber ahnen hätte er es wenigstens können. Und zurückrufen natürlich auch.
Kleine Steinsplitter flogen um ihn herum, aber es schien ihm nichts auszumachen, wenn ihn ein Stück traf. Lediglich seine Augen schützte er mit einer Arbeitsbrille, die er auf seine Stirn schob, nachdem Felicitas sich mit wedelnden Armen und einem lauten „Guten Tag, Herr Gabriel” bemerkbar gemacht hatte.
„Was wünschen Sie?“, fragte er ziemlich barsch mit tiefer, rauer Stimme und zog fragend eine Augenbraue hoch.
Was wollte sie eigentlich von ihm? Ihr Kopf war wie leer gefegt. Der Anblick dieses Mannes brachte sie aus der Fassung. Nicht nur, weil er halb nackt vor ihr stand und seine gebräunte Haut schweißnass glänzte. Dunkle Haare, die bis über seine Ohren reichten, kringelten sich feucht und glänzend um ein schmales Gesicht. Felicitas fand ihn nicht im wirklichen Sinne schön, aber er besaß eine Ausstrahlung, die sie umhaute. Er war um einiges größer als sie selbst, sie schätzte ihn auf mindestens einen Meter fünfundachtzig. Zwei tiefe Falten hatten sich beidseitig von seiner schmalen Nase aus in sein Gesicht eingegraben und reichten fast bis zu den Mundwinkeln. Das ließ ihn sehr ernst aussehen. Sie schätzte ihn auf Ende dreißig. Seine Augen, hell, graublau und von einem dichten Kranz langer Wimpern umgeben, musterten sie argwöhnisch.
Felicitas riss sich zusammen und erklärte ihm ihren Besuch.
„Sie sind die Tante von der Zeitung?”
Felicitas bemerkte, wie sich ihr Gegenüber unwillkürlich an die Hosentasche fasste. Vermutlich steckte da der Zettel drin, den sie ihm hinterlassen hatte. Das war ja nicht zu fassen! Ein bisschen freundlicher könnte er schon sein. Immerhin sollte ein Artikel über ihn erscheinen und das war schließlich Werbung für ihn und seine Arbeit. Felicitas hatte schon eine passende Antwort parat. Doch im letzten Moment zügelte sie sich und schluckte sie hinunter. „Ja, die bin ich“, sagte sie stattdessen und hielt ihm die Hand zur Begrüßung hin. „Felicitas Kleine vom Hamelner Tageblatt.“
Er zögerte, zog schließlich die Arbeitshandschuhe aus, wischte sich die Finger am Latz seiner Hose ab und ergriff Felicitas Rechte. Seine Hand fühlte sich rau an und strahlte eine derartige Hitze aus, dass Felicitas glaubte, ihre Haut würde brennen. Ein Kribbeln zog an ihrem Arm hinauf und in ihren gesamten Körper.
„Ähm, wollen wir zuerst das Interview machen oder die Fotos?”, fragte sie rasch, um sich abzulenken, und zog ihre Hand zurück.
„Mir egal”, brummte er, zog die Brille herunter und nahm wieder sein Werkzeug.
„Okay, dann zuerst die Fotos. Tun Sie so, als wäre ich gar nicht da.“
Genau das tat er. Er schien ihre Anwesenheit vergessen zu haben, sobald er seine Arbeit aufnahm.
Felicitas holte die Kamera hervor und begann eine Serie von Fotos zu schießen. Von allen Seiten nahm sie ihn auf, fasziniert vom Spiel seiner Muskeln. Was für ein Körper! Sie konnte es kaum abwarten, die Bilder später in aller Ruhe auf ihrem PC betrachten zu können.
„Autsch!” Ein heftiger Schmerz an der Stirn ließ Felicitas zusammenzucken. Etwas hatte sie getroffen, ein Steinsplitter vermutlich. Sie ließ die Kamera sinken und betastete vorsichtig die schmerzende Stelle. Glücklicherweise blutete nichts, zumindest konnte sie an ihrer Hand kein Blut entdecken. Aber eine Beule würde sie bestimmt bekommen. Um die Verletzung zu überdecken, zupfte sie ein paar ihrer Locken in die Stirn.
Viktor Gabriel arbeitete wie ein Besessener. Er schien Felicitas Malheur gar nicht bemerkt zu haben.
Sie sah ihm eine Weile bei der Arbeit zu, konnte sich aber nicht zusammenreimen, was er da erschaffen wollte.
„Was wird das?”
Er reagierte nicht.
„Herr Gabriel! An was arbeiten Sie?”
„An Sandstein.”
Für wie blöd hielt er sie eigentlich? „Ich wollte wissen, was das werden soll.”
„Weiß ich noch nicht.”
„Wieso nicht?”
Er zuckte mit den Schultern.
„Herr Gabriel?” Felicitas bemerkte, wie er tief durchatmete, bevor er ihr antwortete.
„Manchmal fallen größere Stücke ab, als ich vorgesehen hatte und dann muss ich umdisponieren. Genau das ist mir vorhin passiert.
„Was sollte das ursprünglich werden?”
„Ein Rehbock.”
„Entwerfen Sie hauptsächlich Tiere?”
„Nee.”
Felicitas atmete tief durch. Der war wirklich eine harte Nuss. Aber sie würde ihn schon noch knacken. So schnell würde sie nicht aufgeben.
„Darf ich mich mal umsehen?”
Er brummte etwas, was sie als Zustimmung auslegte.
Natürlich behielt Felicitas für sich, dass sie sich bereits am Morgen ein wenig umgesehen hatte. Jetzt, wo sie quasi sein Einverständnis hatte, hielt sie nichts mehr zurück. Sie streifte auf dem Grundstück umher und knipste so ziemlich alles, was ihr vor die Linse kam. Um den alten Schuppen herum schlängelte sich der schmale Pfad, dem Felicitas schon am Morgen gefolgt war und der auf die Wiese führte, die über und über mit Gänseblümchen, Butterblumen, Löwenzahn und vielerlei Kraut übersät war. Mitten drauf stand eine schwarz lackierte Sonnenuhr. Konnte er etwa auch schmieden, schweißen oder wie auch immer man das nannte? Das wollte sie ihn später fragen. An der Rückseite des Schuppens lehnten merkwürdige Fratzen aus Stein. Einige davon jagten ihr einen unangenehmen Schauder über den Rücken. Die gefielen ihr ganz und gar nicht. Wer kauft denn so etwas? Aber es ging auch nicht darum, was ihr gefiel, sondern nur darum, über die Arbeit von Viktor Gabriel zu berichten. Unter einem Kirschbaum entdeckte Felicitas kleine Statuen mit runden, pausbäckigen Gesichtern, die sie sofort an Engel erinnerten. Nur, dass die hier keine Flügel trugen. Sie sahen so richtig knuddelig aus – schon eher nach ihrem Geschmack. Sie setzte sich vor die Figuren ins Gras, stellte Blende und Belichtung ein und schoss einige Fotos. So richtig zufrieden war sie noch nicht. Sie streckte sich auf dem Bauch aus und stützte ihre Ellenbogen auf dem Erdboden ab. So war die Perspektive viel besser. Noch unzählige Male drückte sie auf den Auslöser und hatte bereits entschieden, eine dieser Aufnahmen für den Artikel zu verwenden.
„Gefällt es Ihnen da unten?”
Felicitas schrak auf. Peinlich berührt versuchte sie, möglichst schnell auf die Füße zu kommen.
„Mindestens auf Augenhöhe mit dem Motiv sein“, sagte sie rasch als Erklärung. Auf dem Display der Kamera überprüfte sie währenddessen die Aufnahmen.
„Darf ich auch mal?” Viktor Gabriel stand plötzlich dicht hinter Felicitas und beugte sich über ihre Schulter.
Seine Nähe nahm ihr fast den Atem und sie wünschte sich plötzlich, er würde sie berühren. Für einen Moment schloss sie die Augen und hoffte, dadurch ihre Sinne wieder sammeln zu können. Schließlich war sie aus rein beruflichen Gründen hierhergekommen. Damit, dass sie auf einen derart attraktiven und äußerst verwirrenden Mann treffen würde, hatte sie nicht gerechnet. Sie atmete tief ein und aus und drehte sich zu ihm um.
„Darf ich Ihnen jetzt einige Fragen stellen?“
„Wenn es sich nicht vermeiden lässt.“ Er seufzte und ließ sich vor Felicitas Füßen im Gras nieder.
Sie musste sich eingestehen, der Platz für dieses Gespräch gefiel ihr und nahm ihm gegenüber Platz. Aber die Informationen über die Arbeit dieses Mannes musste sie sich hart erkämpfen. Immer wieder antwortete er einsilbig und zurückhaltend auf ihre Fragen.


3. Kapitel

Es war wie verhext. Während Felicitas versuchte, sich auf den Text zu konzentrieren, schweiften ihre Gedanken immer wieder ab zu dem Mann, bei dem sie die vergangene Stunde verbracht hatte. Viktor Gabriel hatte ihre Sinne vollkommen durcheinandergebracht.
„Was ist los?”, fragte Florian, der ihr gegenübersaß und sie beobachtete.
Felicitas schrak auf. „Was, wieso?”
„Du bist so abwesend.”
„Du spinnst.“ Gerade hatte sie daran denken müssen, wie sie diesem Bildhauer jedes Wort aus der Nase hatte ziehen müssen. Bevor er sich dazu herabgelassen hatte, ihr ziemlich knapp auf ihre Fragen zu antworten, hatte er sie abschätzend mit hochgezogener Augenbraue begutachtet und der Ausdruck seiner Augen hatte sich verändert. Diesen Blick konnte sie nicht vergessen. Sie ärgerte sich, weil sie nicht einmal sagen konnte, ob sie den Ausdruck in seinen Augen als eher unangenehm oder als ein kleines bisschen angenehm empfunden hatte. Als sie sich von ihm verabschiedet hatte, hatte er sie noch einmal so komisch angesehen.
Mit äußerster Konzentration versuchte sie, den Bericht zu tippen. Mist! Sie hatte vergessen, ihn wegen der Sonnenuhr zu fragen. Dabei war es wichtig, zu erfahren, ob er außer mit Sandstein auch mit anderen Materialien arbeitete. Es könnte natürlich auch sein, dass er die Sonnenuhr gekauft oder geschenkt bekommen hatte. Felicitas griff zum Telefon und zog gleich darauf ihre Hand zurück. Nach seiner Telefonnummer hatte sie ihn auch nicht gefragt. So etwas war ihr noch nie passiert. Also würde sie noch ein drittes Mal zu ihm fahren müssen, möglichst sofort, denn der Artikel sollte umgehend erscheinen.

Wie würde er reagieren, wenn die nervige Tante von der Presse schon wieder auftauchte? Felicitas atmete tief durch, stieg aus dem Wagen und straffte ihre Schultern.
„Auf in den Kampf“, murmelte sie vor sich hin.
Sie traf Viktor Gabriel auf dem Hof nicht an. Der Steinblock, an dem er gearbeitet hatte, war mit einer Plane abgedeckt. Wahrscheinlich wegen des angekündigten Regens, vermutete Felicitas und wandte sich dem Haus zu. Die Eingangstür stand offen. Sie klingelte. „Herr Gabriel, sind Sie da?“, rief sie.
Keinerlei Reaktion. Vielleicht würde sie ihn hinter dem Haus finden. Doch auch dort konnte sie ihn nicht entdecken. Felicitas befürchtete, aus einer zügigen Veröffentlichung des Artikels würde nichts werden. Es sei denn, sie würde auf die fehlende Information verzichten. Noch einmal versuchte sie ihr Glück beim Haus. Wieder keine Antwort auf ihr Rufen. Doch sie war für ihre Hartnäckigkeit bekannt und wollte noch nicht aufgeben. Vorsichtig trat sie durch den Eingang.
„Hallo! Herr Gabriel! Sind Sie da?“
Nichts. Also schon wieder Pech gehabt. In dieser Reportage steckte wirklich der Wurm drin. Schulterzuckend machte sie kehrt und wollte die Tür gerade hinter sich schließen, als sie ein Geräusch im Innern des Hauses innehalten ließ. Das hörte sich doch an wie das Tapsen nackter Füße auf dem Fußboden. Er war also doch da.
Schon tauchte er vor Felicitas auf.
Das war doch … Felicitas schnappte nach Luft.
  Er kam den Flur entlang, den Kopf gebeugt und rubbelte sich mit einem Handtuch sein Haar trocken. Da ihm ein Zipfel des Handtuchs vor dem Gesicht hing, schien er sie nicht zu bemerken. Ohne aufzusehen, schlenderte er zum Tisch in der Küche, die sich neben dem Eingangsbereich befand. Dort nahm er eine Flasche Mineralwasser vom Tisch und setzte sie an seine Lippen. Mit einer Mischung aus Faszination und Panik starrte Felicitas ihn an und biss sich auf die Lippen.
Da stand er, in Gedanken versunken – und nackt, wie Gott ihn erschaffen hatte.
Höchste Zeit zu verschwinden. Rückwärts, den Blick weiterhin auf ihn gerichtet, schlich sie auf Zehenspitzen zur Haustür. Hoffentlich bemerkte er sie nicht. Doch prompt knarrte eine Diele unter ihren Füßen und er drehte sich zu ihr um.
Die Überraschung war ihm anzusehen.
„Entschuldigung“, stammelte Felicitas und spürte die Hitze, die ihr ins Gesicht schoss. „Ich wollte Sie nicht erschrecken. Ich habe mehrmals gerufen und geklingelt habe ich auch. Ehrlich.“
„Soso.“ Betont lässig schlang er sich das Handtuch, mit dem er sich eben die Haare frottiert hatte, um die Hüften. Ebenfalls betont lässig kam er auf sie zu.
Felicitas schluckte trocken. „Ich … ich komme lieber ein anderes Mal wieder.“
„Warum? Kommen Sie doch herein. Möchten Sie etwas trinken?“
Die Knie zitterten ihr, als er einfach nach ihrem Arm griff und sie in die Küche zog. Felicitas Blick blieb an seiner braun gebrannten Brust hängen. Was für ein Körper!
„Was führt Sie zu mir?“, fragte er.
„Ja also … ich habe da noch ein paar Fragen.“
„Okay, aber zuerst trinken wir etwas. Es ist mächtig heiß heute.“
Das kann man wohl sagen.
Er schlenderte zum Kühlschrank und nahm eine neue Flasche Mineralwasser heraus.
Felicitas konnte den Blick nicht von ihm und von dem Spiel seiner Muskeln wenden, als er die Flasche öffnete. Wie sollte sie ihm jemals vernünftige Fragen stellen können, wenn er so gut wie nackt vor ihr stand? Wie sollte sie jemals einen informativen und objektiven Text über ihn zustande bringen, wenn sie ständig seinen knackigen Körper vor Augen haben würde? Den würde sie vor Augen haben, das ahnte sie jetzt schon.
Mit dem gefüllten Glas kam Viktor Gabriel auf Felicitas zu. Dicht vor ihr blieb er stehen. Sie nahm das Glas und trank es hektisch aus. Währenddessen beobachtete er sie und sein Blick trug nicht gerade dazu bei, dass sie ruhiger wurde. Plötzlich hob er seine Hand und befühlte vorsichtig die Stelle an der Stirn, wo Felicitas der Splitter getroffen hatte.
„Wie ist das passiert? Das sollte versorgt werden.“
„Kaum der Rede wert“, wisperte sie.
„Keine Widerrede.“ Er bugsierte Felicitas zum nächsten Stuhl. „Setzen Sie sich. Ich hole Verbandsmaterial.“
Wie in Trance nahm sie Platz und kaum eine Minute später verarztete Viktor sie. Die Wunde brannte, als er ein Desinfektionsmittel auftrug und sie konnte ein Stöhnen  nicht unterdrücken.
„Ist gleich vorbei“, murmelte er.
Er war so fürsorglich und seine Berührungen so sanft. Kaum zu glauben, dass er der gleiche Mann war, der bei ihrem ersten Zusammentreffen so zurückhaltend und wortkarg gewesen war.
„Vielen Dank.“
Mit einem Lächeln, das ihr durch und durch ging, zog Viktor sie vom Stuhl. „Dafür habe ich eine Belohnung verdient oder?“
„Okay, ich werde einen besonders netten Bericht über Sie schreiben.“ Sie bedachte ihn mit einem herausfordernden Blick.
„Das würden Sie sowieso tun.“ Mit seinem Zeigefinger zeichnete er die Form ihrer Lippen nach und diese Berührung fand Felicitas äußerst erregend. Sie konnte ihren Blick nicht von ihm wenden. Die Farbe seiner Augen erinnerte sie an die klaren Bergseen, an denen sie in ihrer Kindheit mit ihren Eltern und ihrem Bruder Urlaub gemacht hatte, und sie verlor sich darin. Es erschien ihr wie Stunden, in denen sie nur dastanden und sich ansahen. Dann endlich kamen seine Lippen näher und mit einem Seufzer zog er sie an sich und küsste sie auf das Haar.
Ihr Gesicht lag nun an seiner nackten Brust. Sein Herz klopfte heftig und sein Brustkorb hob und senkte sich schnell. Aus den Augenwinkeln bemerkte sie eine kleine Narbe, oberhalb seiner rechten Brustwarze. Eine Verletzung, die während seiner Arbeit entstanden war? Fast war sie versucht, ihre Lippen darauf zu drücken. Sie konnte sich nur schwer beherrschen und biss sich auf die Unterlippe. Verwirrt hob sie den Kopf.
Viktor sah zu ihr herab. Seine Augen erschienen ihr jetzt um einige Nuancen dunkler. Mit beiden Händen griff er in ihr Haar und schob ihre widerspenstigen Locken zurück. Er beugte sich zu ihr herab. Sein Gesicht kam immer näher und als sein Mund endlich den ihren berührte, schloss sie mit einem kleinen Seufzer die Augen. Seine Lippen waren heiß und fest und als seine Zunge Einlass forderte, konnte sie sich kaum noch auf den Beinen halten. Ihr Herz raste und das Blut pulsierte in ihren Schläfen. Niemals zuvor hatte der Kuss eines Mannes derartige Gefühle in ihr ausgelöst.
Plötzlich und unvermittelt ließ Viktor von ihr ab und schob sie zurück. Seine Augenbrauen zogen sich zusammen und dazwischen entstand eine tiefe Kerbe, die von seiner Nasenwurzel aus zur Stirn verlief. Mit diesem verkniffenen Ausdruck im Gesicht wandte er sich ab. Schwer atmend stützte er sich mit gesenktem Kopf am Küchentisch ab.
Felicitas zitterte noch vor Erregung. Was hatte dieser abrupte Stimmungswandel zu bedeuten?
„Viktor?“
„Du solltest besser gehen.“
„Warum?“
„Geh … jetzt sofort.“
„Aber …“
Als sie sah, wie Viktor den Kopf schüttelte, wurde ihr klar, dass er bereute, was da gerade zwischen ihnen geschehen war.


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Ach das klingt doch schon mal sehr vielversprechend oder? seid ihr schon gespannt wie es weiter gehen wird? Wie findet ihr das Cover? Also mir gefällt es sehr gut.