Freitag, 2. Januar 2026

[KurzMeinung] Bestie von Joana June

 



Autorin: Joana June

  • Herausgeber ‏ : ‎ pola
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 12. August 2025
  • Auflage ‏ : ‎ 2. Aufl. 2025
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 336 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3759600409
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3759600400

Inhalt laut Amazon: Als Influencerin Anouk eine neue Mitbewohnerin sucht, sieht die unscheinbare Delia darin die perfekte Gelegenheit für einen Neuanfang. Sie zieht als Lilly ein und will endlich die werden, die sie immer sein wollte: eine selbstbewusste Bühnenautorin. Anouk wiederum glaubt, Lilly für ihre eigenen Zwecke nutzen zu können, und lässt sie immer mehr in ihr Leben. Schnell entsteht zwischen den beiden eine Beziehung, die beide dazu bringt, ihre Vorstellungen von Erfolg und Selbstverwirklichung zu hinterfragen - und die vielleicht sogar zu einer echten Freundschaft werden kann.

Meine Meinung: Bestie ist ein Roman der mich gleichzeitig aufgewühlt und auch fasziniert hat. Aber schon nach ein paar Kapiteln hatte mich das Buch fest im Griff – viel dunkler, viel näher, viel schmerzhafter, als ich erwartet hätte.

Anouk als auch Delia/Lilly sind keine einfachen Charaktere – und genau das macht sie so glaubwürdig für mich. Ich liebe Geschichten, in denen Menschen Widersprüche in sich tragen, und hier wimmelt es davon, das hat die Autorin sehr gut gemacht, wie ich finde. Anouk, die erfolgreiche Influencerin, wirkte auf mich zunächst wie eine Figur, die ich durchschauen kann: selbstbewusst, schillernd, souverän nach außen – aber innerlich voller blinder Flecken. Lilly – oder Delia – hat mich auf eine ganz andere Weise berührt. Ihr Bedürfnis nach einem Neuanfang, nach einer Identität, die sie sich selbst erarbeitet, fand ich unfassbar nachvollziehbar. Der Moment, in dem sie als „Lilly“ bei Anouk einzieht, fühlte sich an wie ein Befreiungsschlag, aber auch wie der Beginn eines gefährlichen Spiels.

Was Joana June meiner Meinung nach großartig einfängt, ist die toxische Magnetik zwischen zwei Frauen, die sich gegenseitig spiegeln – und manchmal auch verzerren. Die Dynamik der Machtverschiebung zwischen ihnen hat mich regelrecht durch die Seiten gezogen.

Auch sprachlich fand ich den Roman sehr gelungen. Der Ton ist direkt, atmosphärisch und manchmal schneidend – perfekt für eine Geschichte, die so oft zwischen Bewunderung, Manipulation und echter Verletzlichkeit wechselt.

Was mir nicht so gefallen hat; Manche Entscheidungen von Anouk wirkten leicht überzeichnet .Ich hatte manchmal das Gefühl, sie handelt nicht immer plausibel. Außerdem kam das Ende mir einen Tick zu schnell. Ich hätte gerne noch ein paar Szenen gehabt, die die letzte Phase der "Freundschaft" ausschmücken.

Fazit: Bestie ist für mich ein packender Roman über Identität, Macht und weibliche Freundschaft. Ich habe das Buch mit einem Gefühl von Beklemmung, Bewunderung und Nachdenklichkeit beendet – und genau das mag ich so an der Literatur.

Meine Bewertung: 

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