Lange Zeit war es um die sympathische Autorin still gewesen, aber nun meldet sie sich zurück und hat für uns Leser den "Tod" im Gepäck dabei. Am 7. Mai erscheint "Vom Tod geliebt"und ihr dürft exklusiv in den Text reinschnuppern:
Klappentext
Was könnte eine erfolgreiche
Fantasy-Autorin mehr begeistern als ein Zusammentreffen mit einem Wesen der
Unterwelt? Natürlich nichts! So ist Olivia hin und weg, als sie den smarten
Alexander kennenlernt, der von sich selbst behauptet, der Tod persönlich zu
sein. Als sie jedoch herausfindet, dass er sie belogen hat, bricht für sie eine
Welt zusammen. Was sie allerdings nicht weiß: Die einzige Chance, Alexanders
Leben zu retten, ist ihre Liebe!
Ist der Tod das Ende oder
erst der Anfang?
Packende Fantasy, prickelnde
Erotik und eine Liebe, die den Tod besiegen will!
Die neue Serie von Amanda Frost!
Mit
einem kaum wahrnehmbaren Ruckeln durchbrach der Jet die Schallmauer. Brachiale
Kräfte wirkten auf Alexanders Körper ein und pressten ihn in den Schalensitz.
Einem reißenden Strom gleich pumpte das Adrenalin durch seine Venen und
versetzte ihn in einen Rauschzustand, ließ ihn eins werden mit dem Flugzeug und
vermittelte ihm das Gefühl, selbst Flügel zu besitzen.
Die
Mach 1 brachte den Steuerknüppel unter seinen Fingern zum Erbeben, während sich
die Lautstärke in dem kleinen Cockpit wie dichter Nebel über Alexanders
Trommelfelle legte. Für ihn die aufregendste Melodie, die er sich vorstellen
konnte. Ähnlich einer Symphonie gingen die Geräusche ineinander über, wurden zu
einem Ganzen. Das Pfeifen des Windes, das Vibrieren der Instrumente, das
Dröhnen der Triebwerke - Hier war er in seinem Element! Es gab keinen Ort, an
dem er ein größeres Glücksgefühl empfand. Er benötigte die unendliche Freiheit,
die grenzenlose Weite des Himmels wie die Luft zum Atmen.
Völlig
fasziniert von der Beschleunigung des ausgereiften Kampfflugzeugs leitete er
eine Linkskurve ein. Der Jet reagierte auf den winzigsten Impuls und ging wie
auf Schienen in die Schräglage über. Mindestens fünf G wirkten nun auf
Alexanders Halsmuskulatur ein. Doch er steckte das problemlos weg - das jahrelange
Training zahlte sich aus.
Schneebedeckte
Berge flitzten unter ihm hindurch. Dann flutete gleißendes Sonnenlicht das
Cockpit und ließ ihn blinzeln. Das Knacken des Headsets riss ihn aus seiner
Trance. „Kurs 270 Grad, auf 10.000 Fuß steigen!“, lautete die Anweisung des
Towers.
Er
bestätigte und zog das Flugzeug nach oben. Sein Blick schweifte über den
Himmel, der ihm durch das Visier seines Helms ein noch tieferes Blau
vorgaukelte, als er innehatte. Wie ein gigantischer Vogel jagte der
hypermoderne Euro-Fighter durch die vereinzelten Schäfchenwolken, die geradezu
auseinanderzuplatzen schienen. Die Faszination des Fliegens war allgegenwärtig.
Plötzlich
registrierte Alexander aus dem Augenwinkel heraus einen Schatten, der in einem
Höllentempo auf ihn zuschoss. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Er befand
sich auf einem streng überwachten Übungsflug, und den vorgeschriebenen
Sicherheitsabstand zu Hindernissen oder größeren Wolkenformationen hatte er
eingehalten.
Seine
geschulten Sinne reagierten, noch bevor sein Gehirn die vernunftwidrigen
Gegebenheiten erfassen konnte. Mit einem gewagten Manöver riss er die Maschine
zur Seite.
Doch
zu spät: Ein gewaltiger Schlag ließ den Jet erbeben, gefolgt von einem
metallischen Knirschen. Die Instrumententafel blinkte wie eine Lichtorgel,
während ein schrilles Warnsignal Alexanders Gehörgänge malträtierte. Wie ein
bockiges Pferd ruckte der Eurofighter hin und her, bevor er ins Trudeln kam und
kopfüber in die Tiefe stürzte.
Alexander
stockte für den Bruchteil einer Sekunde der Atem. Dann beschleunigte sich sein
Herzschlag, nahm rasend schnell Fahrt auf, bis er seinen Brustkorb zu sprengen
schien. Die Umgebung verschwamm vor seinen Augen. Mit aller Macht kämpfte er
gegen die aufsteigende Panik an. Wenn er überleben wollte, war Angst das
Letzte, was er jetzt gebrauchen konnte. Er atmete tief durch und unternahm
alles Menschenmögliche, um die Maschine wieder auf Kurs zu bringen. Ein Glück,
dass er aufgrund seiner jahrelangen Erfahrung imstande war, sogar in einer
solchen Extremsituation die Ruhe zu bewahren.
Doch
seine Bemühungen brachten nicht den gewünschten Erfolg! Weder war er in der
Lage, die Nase des Jets hochzuziehen, noch in einen kontrollierten Sinkflug
überzugehen. Wie ein Magnet schien die Erdanziehungskraft das kleine Flugzeug
anzulocken und machte deutlich, dass selbst die ausgereifteste Technologie
nicht das Maß aller Dinge war. Zwar müsste er einzig und allein den
Schleudersitz betätigen, doch dieses Wunderwerk der Technik kampflos in einen
gigantischen Schrotthaufen zu verwandeln, fiel ihm schwer.
Gerade
versuchte er, mithilfe der Höhenruder dem Strömungsabriss entgegenzuwirken, als
die Druckwelle einer Explosion den Jet erschütterte. Wie ein Tennisball wurde
der Eurofighter durch die Luft gewirbelt, schlug mehrere Saltos und schleuderte
Alexander in seinem Sitz herum, bis er völlig die Orientierung verlor. Voller
Verzweiflung klammerte er sich am Steuerhebel fest. Todesangst brach über in
herein wie ein heftiger Monsunregen.
Das war’s!,
schoss es ihm durch den Kopf. Game over!
In Sekundenschnelle würde er in Flammen aufgehen.
Wie
aus weiter Ferne vernahm er in diesem Augenblick eine zweite Detonation, die
ihn die kurzzeitige Lähmung überwinden ließ. Einige Hundert Meter von ihm
entfernt erblickte er einen glühenden Feuerball, der sich in einen Bergkamm
fraß. Verwirrung stieg in Alexander auf. Hatte die Explosion seinen Jet etwa
gar nicht in Mitleidenschaft gezogen? War sein Flugzeug mit einem anderen
Flieger kollidiert, für den jetzt jede Rettung zu spät kam?
Erneut
startete er den Versuch, seine Maschine abzufangen, kämpfte ums nackte
Überleben. Doch er bekam das Flugzeug einfach nicht in den Griff. Mindestens
eine Tragfläche und das Steuerruder mussten bei der Kollision beschädigt worden
sein.
Wohl
wissend, dass sich der Jet in wenigen Sekunden gnadenlos in den Erdboden bohren
würde, tastete er letztendlich doch nach dem Schalter des Schleudersitzes und
aktivierte ihn. Das Dach flog zischend zur Seite und Alexander wurde mitsamt
Sitz in die Luft katapultiert. Knallend öffneten sich die Fallschirme. Zerrten
ihn in der Luft hin und her, schienen ihn in Stücke zu zerfetzen. Dann ein
Schlag.
Die
Dunkelheit legte sich wie eine Decke über ihn.
Zwischenwelt
„Was
soll das heißen, du hast nur einen erwischt?“ Thanatos, Gott der Zwischenwelt,
saß an dem langen Marmortisch in seinem Besprechungszimmer und nahm den
grauhaarigen Mann, der soeben eingetreten war, argwöhnisch ins Visier. Mit
einer Handbewegung deutete er auf einen der Stühle. „Aber setz dich doch erst
einmal.“
Der
Mann nahm unverzüglich Platz, vermied den Augenkontakt zu Thanatos jedoch
hartnäckig. „Na ja, was soll ich sagen …? Diese modernen Jets … Weißt du, sie
sind so unglaublich schnell.“
„Schnell?“,
schnitt ihm der Herrscher über Tod und Leben unwirsch das Wort ab, während er
die Kapuze seiner Kutte zurechtzupfte. „Henry, du solltest die Flugzeuge vom
Himmel holen, nicht mit ihnen um die Wette laufen.“
Der
Mann winkte verdrossen ab. „Ja ja, schon klar. Eigentlich hatte ich auch alles
im Griff. Ich konnte die beiden Maschinen problemlos in eine Kollision
verwickeln. Aber dann hat mir der Pilot des einen Fliegers einen gewaltigen
Strich durch die Rechnung gemacht.“ Henry schüttelte ungläubig den Kopf. „Ich
habe im Laufe der Zeit schon einige Flugzeuge abstürzen lassen, die Hindenburg
nicht zu vergessen. Und die Sache mit der Titanic war schließlich auch keine
Lappalie. Aber du kannst mir glauben, das heute war das Meisterhafteste, was
ich jemals an Fliegerei gesehen habe.“
Er
seufzte theatralisch. „Dieser Kerl muss ein Ausnahmepilot sein. Er hat ein so
kamikazemäßiges Manöver durchgeführt, dass sein eigener Jet sozusagen mit einem
blauen Auge davonkam. Der andere Jet hingegen ist außer Kontrolle geraten und
planmäßig am Berg zerschellt. Und dann hat sich dieser Pilot auch noch mit dem
Schleudersitz ins Freie katapultiert.“ Er zuckte mit den Schultern. „Ja, und
somit war mein Auftrag gescheitert.“
Thanatos
zog verärgert an seiner Zigarette und blies ein paar dicke Ringe in die Luft.
„Na, herrlich. Wenn man nicht alles selbst macht“, ätzte er. „Hast du zumindest
einen Vorschlag parat, wie du das wieder gutmachen willst?“ Er blickte in
Richtung eines gigantischen Flachbildschirms, der an der Wand eifrig flimmerte.
„Wir können den Befehl der Maschine nicht ignorieren. Die Zeit dieses Piloten
ist abgelaufen. Ein weiterer Flugzeugcrash würde allerdings zu viel
Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Also musst du ihn auf weniger spektakuläre
Weise beseitigen.“
Der
grauhaarige Mann schaute hilflos drein. „Na ja, da fällt mir nur noch eine
Krankheit ein.“
„Gut,
aber es muss schnell gehen. Ich habe nicht die geringste Lust schon wieder vor
Luzifer und Gabriel in Erklärungsnotstand zu kommen. Dazu war ich in letzter
Zeit oft genug gezwungen.“
Henry
kratzte sich am Kopf, wobei seine Haare wirr abstanden. „Dann tendiere ich zu
einem Herzinfarkt, das ist immer noch der unkomplizierteste Weg.“ Er warf
Thanatos einen um Zustimmung heischenden Blick zu.
Dieser
jedoch schüttelte vehement den Kopf. „Bei so einem jungen Mann? Nein, der Typ
ist durchtrainierter als Herkules. Gesundheitlich voll auf der Höhe. Das würde
die Mediziner der Erde zu sehr verwirren.“
Da
huschte ein Lächeln über Henrys Gesicht. „Ich hab’s!“, posaunte er. „In seiner
Akte habe ich gelesen, dass sein Vater an Krebs gestorben ist. Also werde ich
auch ihm eine aggressive Krebsform einpflanzen. Dauert dann zwar noch ein paar
Wochen, ist aber völlig unauffällig. Einverstanden?“
Thanatos
zögerte einen Moment. „Nun ja, nicht gerade der Tod, den man sich wünscht. Aber
das kann ich Luzifer vermutlich problemlos verkaufen, ohne dass er wieder die
Kompetenz meiner Fürsten in Frage stellt. Mit ein wenig Glück wird er gar
nichts von deinem Versagen erfahren.“ Er warf seinem Gesprächspartner einen
eisigen Blick zu. „Okay, das war’s. Bring diesen Auftrag zu Ende! Und vergeige
es nicht wieder!“
Gedankenverloren
verfolgte Thanatos mit den Augen den Abgang seines Fürsten. Mit hängendem Kopf
schlurfte dieser von dannen. Henry war einmal einer seiner besten Männer
gewesen, aber in letzter Zeit versagte er immer öfter. Womöglich war es an der
Zeit, ihn in seinen wohlverdienten Ruhestand im Himmel zu entlassen.
Thanatos seufzte verhalten. Er beugte sich zur
Seite und packte Thor, seinen treuen Höllenhund, der wie so üblich auf dem
Boden vor sich hindöste. Liebevoll platzierte er den kleinen Kerl auf seinem
Schoß. Als er das Tier hinter den gebogenen Hörnern kraulte, jaulte dieses
glücklich auf. Hechelnd ließ es die rosa Zunge aus dem Maul hängen und
kuschelte sich an.
Nachdenklich
zündete Thanatos sich die nächste Zigarette an. Er konnte keinen Hehl daraus
machen, dass nicht nur Henry momentan andauernd Fehler unterliefen. Auch ihm
selbst wuchs der Job über den Kopf. Ob er sich ebenfalls nach einem Nachfolger
umsehen sollte? Er war schließlich auch nicht mehr der Jüngste. Jetzt, wo er
endlich nach so vielen Jahren wieder eine Partnerin gefunden hatte, wäre das
eine Maßnahme, die ihm niemand verübeln könnte.
Aber
was war nur die Ursache für die ständigen Verfehlungen der letzten Zeit? Die
Menschheit verweichlichte. Zuverlässige Fürsten der Dunkelheit waren immer
schwieriger zu bekommen. Kaum jemand war mehr bereit, sich nach seinem Tod
dieser Herausforderung zu stellen.
Dabei
war die Stellenbeschreibung denkbar einfach: Todesfürsten waren in einer
Zwischenwelt angesiedelt und kamen immer dann ins Spiel, wenn das Ableben eines
Menschen auf unnatürliche Art herbeigeführt werden sollte. Dann inszenierten
sie Unfälle, Kriege, Attentate und Naturkatastrophen oder töteten durch ihre bloße
Berührung. Danach stand die Ablieferung der Seele im Himmel oder der Hölle an.
Ende
der Fahnenstange!
Ein
Kinderspiel, sollte man meinen.
Dennoch
musste Thanatos in letzter Zeit andauernd auf Leasingkräfte zurückgreifen, die
völlig unfähig waren und häufig eine Spur der Verwüstung auf der Erde
hinterließen. Die globale Stimmung war angespannt genug, er konnte keinesfalls
riskieren, dass ein paar dilettantische Leiharbeiter die Aggressivität weiter
schürten.
Jetzt
konnte er nur hoffen, dass die Sache mit diesem Piloten reibungslos über die
Bühne ging. Er hasste es, wenn die Maschine Aufträge ausspuckte, bei denen das
Militär oder Politiker involviert waren. Das war immer eine heikle
Angelegenheit.
Doch
für heute hatte er genug. Auch ein Gott kam ab und zu an seine Grenzen. Er
würde jetzt den Feierabend einläuten und sich einen schönen Abend mit seiner
Katharina machen. Was sprach eigentlich dagegen, sich ein Schild mit der
Aufschrift anfertigen zu lassen: Zwischenwelt
für heute geschlossen.
Erde – zwei Wochen später
Mit
einem flauen Gefühl im Magen beobachtete Alexander die herzzerreißende
Zeremonie, die sich auf dem kleinen Friedhof in der Nähe von Berlin abspielte.
Ein warmer Frühlingswind fegte über den Platz und ließ die Bäume geheimnisvoll
flüstern. Da kurz zuvor ein Regenschauer niedergegangen war, standen Pfützen
auf dem Boden. Schwer hing der Geruch von nasser Erde in der Luft. Ab und an
zog eine dunkle Wolke vorbei, die die Umgebung in gedämpftes Licht tauchte und
die schwarz gekleideten Trauergäste wirken ließ wie Statuten in einem
Endzeitfilm.
Der
Sarg, der sich langsam ins Grab absenkte, war von einer schwarz-rot-goldenen
Bundesdienstflagge bedeckt. Der schwarze Adler darauf schien Alexander hämisch
anzugrinsen. Auf Höhe des Kopfes des Verstorbenen war ein Fliegerhelm
befestigt. Melancholische Trompetenmusik schallte über das Gelände, während die
umstehenden Soldaten ehrfurchtsvoll salutierten.
Doch
das war bei Weitem nicht das Schlimmste für Alexander. Wie gebannt hing sein Blick
auf der großen, von Kopf bis Fuß in Schwarz gehüllten Frau, die am Grab stand.
Ein paar blonde Strähnchen hatten den Weg unter ihrem Hut hervorgefunden. Ihr
Gesicht ähnelte einer Maske, die Augen waren rot und geschwollen. Unablässig
kullerten ihr Tränen über die Wangen. Ein kleines Mädchen zerrte an ihrer Hand,
wohingegen zwei Jungs in dunklen Anzügen stocksteif neben ihr verharrten und
ungläubig den Sarg in Augenschein nahmen. Einer der beiden schluchzte leise,
während der andere einen eher trotzigen, verbitterten Gesichtsausdruck
aufgesetzt hatte.
Als
der Sarg vollends im Boden verschwunden war, sackte die Frau mit einem Schrei
in sich zusammen. Sie fiel auf die Knie und wimmerte herzergreifend. Sofort
waren zwei Soldaten bei ihr, halfen ihr auf und führten sie zu einer Bank, wo
sie in unkontrolliertes Weinen ausbrach.
Alexander
war für gewöhnlich hart im Nehmen, doch es fehlte nicht viel und er hätte sich
übergeben. Es war doch ein Unterschied, ob man einem solchen Ereignis als
Unbeteiligter beiwohnte ober direkt in die Begebenheiten verstrickt war. Zwar
war noch nicht endgültig geklärt, ob er eine Mitschuld an der Kollision trug.
Bei dem Anblick der erschütterten Frau fühlte er sich jedoch automatisch
verantwortlich. Er hatte den verunglückten Piloten nur flüchtig gekannt.
Dennoch flackerte bei diesem anrührenden Bild in ihm der Wunsch auf, niemals
mehr ein Kampfflugzeug zu besteigen.
In
Gedanken versunken verließ er bereits vor den Trauergästen den Friedhof. Er
griff nach dem Helm, der an seinem Motorrad befestigt war, stülpte ihn sich
über den Kopf, schloss seine Lederjacke und startete die giftgrüne Kawasaki.
Mit einem brüllenden Geräusch erwachte das hochgezüchtete Motorrad zum Leben.
Lässig schwang Alexander eins seiner langen Beine über die Maschine, trat den
Gang rein und bretterte davon.
Keine
zwei Stunden später brachte er das Gefährt auf einer hohen Klippe zum Stehen.
Sein Blick glitt über den weißen flach abfallenden Sandstrand, bis hin zu der
tiefblauen Ostsee. Er zog den Helm vom Kopf und platzierte ihn vor sich auf dem
Tank.
Augenblicklich
drang das Rauschen der Brandung an seine Ohren. Tief sog er den salzhaltigen
Geruch des Meeres in die Lungen ein. Er liebte das Meer, es übte die gleiche
beruhigende Wirkung auf ihn aus wie die unendlichen Weiten des Firmaments.
Seine Augen wanderten gen Horizont, wo Himmel und Wasser aufeinanderzutreffen
schienen. Und zum ersten Mal seit Tagen entspannte er sich ein wenig.
Alexander
stellte das Motorrad auf den Seitenständer, stieg ab und marschierte auf eine
Bank zu. Dort ließ er sich nieder, lehnte sich zurück und wandte sich
geistesabwesend wieder dem Meer zu.
Nachdem
er bei der verheerenden Flugzeugkollision wie durch ein Wunder mit einer
leichten Gehirnerschütterung davongekommen war, hatte er in den letzten Tagen
Unmengen psychologischer Tests über sich ergehen lassen müssen. Viele Piloten
waren nach einem derartigen Erlebnis so traumatisiert, dass sie niemals mehr in
der Lage waren, mit der gleichen Hingabe und Aggressivität zu fliegen wie
zuvor.
Doch
nicht so Alexander.
Zugegeben,
die Ereignisse zehrten immer noch mächtig an seinen Nerven. Aber die Fliegerei
war nun mal sein Leben, seine einzige wahre Obsession, das Motorradfahren
einmal außer Acht gelassen. Und daran konnte auch ein solcher Zwischenfall
nichts ändern. Nun fehlte nur noch die Freigabe vom Arzt, um ihn endlich wieder
in die Lüfte zu entlassen. Doch Alexander war zuversichtlich, dass es in dieser
Hinsicht keinerlei Beanstandungen geben würde. Körperlich war er auf der Höhe.
„Entschuldigen
Sie, haben Sie zufälligerweise ein Handy bei sich?“, riss ihn in diesem Moment
eine sanfte Stimme aus seinen Gedanken.
Er
schaute auf. Genau in die großen dunklen Augen einer blonden Frau, die ein
wenig beschwerlich neben ihn auf die Bank sank. Interessiert betrachtete er
sie. Sie trug eine enge Jeans und ein weißes T-Shirt, das den Ansatz prächtiger
Brüste freigab. Davon abgesehen, dass Blondinen normalerweise nicht in sein
Beuteschema fielen, war sie verdammt sexy.
Mit
einer lässigen Handbewegung schob er sich die Sonnenbrille auf das kurze
schwarze Haar, während er die junge Frau weiterhin taxierte. „Natürlich. Wo
brennt es denn?“
Sie
atmete erleichtert auf. „Gott sei Dank. Ich benötige dringend ein Taxi. Ich bin
in den Dünen umgeknickt. Jetzt schaffe ich den Rückweg leider nicht mehr zu
Fuß. Und mein Handy liegt zu Hause.“
„Wohnen
Sie in der Nähe?“
„Nein,
eigentlich in Berlin. Aber ich habe mir für ein paar Tage ein kleines
Strandhaus gemietet, auf der anderen Seite der Bucht.“
Alexander
inspizierte kurz ihre vollen Lippen, bevor er ihr in die Augen schaute.
„Alleine?“
Prompt
ließ sie sich von seinem Blick gefangen nehmen. „Ja, ich brauchte unbedingt
eine Auszeit.“ Sie schenkte ihm ein herzliches Lächeln. „Wollte mal die Seele
baumeln lassen. Und ich finde, das kann man am besten am Meer.“
Er
nickte. „Wohl wahr.“
Sie
hielt seinem Blick ein paar Herzschläge lang stand, dann unterbrach sie jedoch
den Augenkontakt und zupfte an einer Haarsträhne herum. „Also, was ist jetzt
mit dem Handy?“
Hervorragend!
Er machte sie eindeutig nervös. „Sie können es wohl kaum erwarten, mich
loszuwerden?“
Überrascht schaute sie auf. „Nein, nein. Ich
möchte Ihnen nur nicht zur Last fallen.“
„Das
tun Sie keineswegs. Ich hatte noch nie etwas gegen die Gesellschaft einer schönen
Frau einzuwenden.“
Ein
sanftes Lächeln zuckte um ihre Mundwinkel. „Danke schön“, flüsterte sie.
„Dieser Tag wird wohl doch noch besser, als vermutet. Was hat Sie eigentlich hierher verschlagen?
Ebenfalls Urlaub?“
„Zwangsläufig.
Ich bin Pilot und es gab einen kleinen Zwischenfall. Nun muss ich die Zeit
überbrücken, bis ich wieder fliegen darf.“
Ihre
Augen leuchteten auf. „Wow! Ich habe noch nie einen Piloten persönlich
kennengelernt.“
Alexander
unterdrückte ein siegessicheres Grinsen. Diese Karte zu spielen, funktionierte
einfach immer. Er kannte kein weibliches Wesen, das nicht auf Piloten abfuhr.
Frauen brachten diesen Job grundsätzlich mit Sex-Appeal, Geld und Uniformen in
Verbindung. Dachten an die große weite Welt und an Männer, die bereit waren, Verantwortung
zu übernehmen. Höchstwahrscheinlich hätte er das Mädchen auch ohne diesen
kleinen Trumpf um den Finger wickeln können, aber so hatte er die Angelegenheit
definitiv beschleunigt.
Er
erhob sich. „Kommen Sie, ich bringe Sie nach Hause. Sie brauchen kein Taxi.“ Er
blickte auf ihren Fuß. „Oder soll ich Sie lieber zu einem Arzt fahren?“
„Nein,
nein. Kein Arzt. So schlimm ist es nicht.“ Sie begutachtete ihn neugierig von
Kopf bis Fuß. Ihre Augen blieben an seiner Lederjacke hängen, dann an seiner Maschine,
die ein paar Meter entfernt parkte. „Mit dem Motorrad?“
Er
nickte. „Sie wirken nicht wie eine Frau, die Angst vor einer Herausforderung
hat.“
Sie
grinste. „Gut erkannt. Dann fliegen Sie mich mal nach Hause.“
„Versprochen.
Ich werde Sie unbeschadet an Ihrer Hütte abliefern.“ Auffordernd streckte er
ihr eine Hand entgegen. Bereitwillig legte sie ihre Finger in seine und ließ
sich hochziehen. Leicht hinkend folgte sie ihm zu seiner Maschine. Er schlüpfte
aus der Lederjacke und reichte sie ihr. „Hier, der Fahrtwind kann ganz schön
ungemütlich sein.“
Sie
riss erstaunt die Augen auf, griff dann aber nach der Jacke und warf sie sich
über. „Danke schön.“ Sie blickte an sich hinab. „Ein bisschen groß, aber total
kuschelig.“ Sie atmete mit verzücktem Gesichtsausdruck tief ein. „Und sie
riecht so gut, so männlich.“
Er
hielt ihr den Helm vor die Nase.
Erneut
schaute sie ihn irritiert an. „Und Sie?“
„Machen
Sie sich darüber mal keine Gedanken. Ich habe einen ziemlichen Dickschädel. Dem
passiert so schnell nichts.“
„Wow,
Sie sind ja ein wahrer Gentleman.“ Mit diesen Worten setzte sie sich den Helm
auf.
Alexander
stieg derweil auf das Motorrad und startete es. Die junge Frau kletterte prompt
hinter ihn und schlang die Arme fest um seine Taille. Anscheinend hatte der
liebe Gott heute ausnahmsweise einmal ein Einsehen mit ihm. Das Mädchen war
genau das, was er jetzt brauchte, um vollständig abschalten zu können.
Sie
dirigierte ihn zu einem in grellem Blau gestrichenen Strandhaus mit direktem
Meerblick, vor dem er die Kawasaki zum Stillstand brachte. Als seine
Begleiterin abstieg und vorsichtig auftrat, verzog sie schmerzverzerrt das
Gesicht und kam ins Wanken.
Geistesgegenwärtig
fing Alexander sie auf und hielt sie fest. Sie stützte sich mit den Handflächen
an seiner Brust ab, machte aber keinerlei Anstalten, sich aus der Umarmung zu
lösen. Als sie aufblickte, brannte ein dunkles Verlangen in ihren Pupillen.
„Darf
ich dich auf einen Kaffee einladen?“, hauchte sie.
Er
schmunzelte. „Du und ich, wir wissen beide, dass es nicht beim Kaffee bleiben
wird, richtig?“
Sie
strich ihm mit einem Finger spielerisch über die harten Konturen seiner
Brustmuskulatur. „Das will ich doch hoffen.“
Voller
Überraschung quiekte sie auf, als er sie auf die Arme hob und ins Haus trug.
„Weißt du was? Du bist eine Frau ganz nach meinem Geschmack.“
„Wie heißt du eigentlich?“, wollte sie noch
wissen, dann fiel die Haustür hinter ihnen ins Schloss.
Erschrocken
schoss Alexander hoch. Dunkelheit umgab ihn. Er tastete nach dem Lichtschalter,
stieß jedoch mit der Hand gegen etwas Hartes. Wo war er? Das war keineswegs das
lederbezogene Kopfteil seines Bettes.
Verwirrt
sank er in die Kissen zurück. Wie so oft in den letzten Tagen hatte ihn dieser
Albtraum heimgesucht. Aus dem er grundsätzlich erst erwachte, wenn sein Jet mit
einer ohrenbetäubenden Explosion am Boden zerschellte. Sein Unterbewusstsein
machte ihm immer wieder schonungslos klar, dass auch ein erprobter Kampfpilot
nur ein Mensch war und keine gewissenlose Maschine.
Neben
ihm bewegte sich etwas. Schlagartig meldete sich die Erinnerung zurück. Das
Strandhaus in den Dünen! Die süße Blondine! Ein paar ziemlich heiße Nummern!
„Alexander,
alles in Ordnung?“, wollte besagte Blondine in diesem Moment wissen.
Er
schlang ihr einen Arm um die Taille und zog sie an sich. Kichernd ließ sie es
geschehen. Ihre Nähe tat gut, gab ihm das Gefühl von Geborgenheit.
„Nur
ein unschöner Traum.“ Verflixt und zugenäht, wie hieß die Kleine gleich noch
mal? Anja? Anna? Anka? „Komm her, Süße, ich will dich spüren!“, zog er sich
schlussendlich aus der Affäre.
Bereitwillig
schmiegte sie sich an seine Brust. Er glitt mit einer Hand über ihren
prächtigen Busen, hinunter bis zu ihrer Hüfte. Dann legten sich seine Finger um
ihren straffen Hintern und pressten ihren Unterleib gegen sein Becken.
Sie
stöhnte überrascht auf. „Meine Güte, Alexander! Schon wieder?“, keuchte sie,
als er sie seine Härte spüren ließ.
Er
beugte sich über sie. „Hilf mir diesen Traum zu vergessen!“, raunte er ihr ins
Ohr, bevor er sie küsste.
Mehr
brauchte es nicht, um sie zu überzeugen. Willig kam sie ihm entgegen, als er
sie mit seinem Gewicht in die Matratze drückte.
„Wirst
du mich anrufen, wenn du das nächste Mal in Berlin bist?“, flüsterte sie
zwischen zwei Küssen.
„Nur
wenn du aufhörst, so viele Fragen zu stellen.“
Sie
kicherte erneut. „Warum stopfst du mir nicht einfach wieder den Mund? Auf die
gleiche Art und Weise wie du es am Abend getan hast, als ich zu viel geredet
habe.“
Alexander
hielt einen Moment lang die Luft an. Wow, die Braut war heiß! Vielleicht sollte
er tatsächlich in Erwägung ziehen, ihr gelegentlich einen Besuch abzustatten.
Gesetzt den Fall er erinnerte sich noch rechtzeitig an ihren Namen. „Dein
Wunsch ist mir Befehl.“ Mit diesen Worten schob er sie ein Stück nach unten und
tat, um was sie ihn gebeten hatte.
Das klingt doch alles ganz wunderbar, oder? Ich hoffe ich konnte euch nun mit dem 2. Teil der Serie anfixen? Also merkt euch den 7. Mai bitte vor!


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