©Sabine Bürger
Bookdealer fragt: Wie bist du denn zum
Schreiben gekommen?
Auf vollkommen unspektakuläre Weise. Irgendwann habe ich
einfach die Sätze, die in meinem Kopf
herumschwirrten, aufgeschrieben. Bereits
in der Schule waren Lesen und Schreiben mein größtes Hobby – für meine
ehemaligen Klassenkameraden ist das, was ich heute mache, eine folgerichtige Entscheidung.
Bookdealer
fragt: Wer in deinem engsten Familien- und Bekanntenkreis ist dein größter
Kritiker?
Meine
langjährige Freundin vielleicht? Aber nur bedingt, weil Freunde und Familie voreingenommene
Kritiker sind. Das bleibt also an mir hängen, da bin ich gnadenlos. Als Autor
muss man lernen, sich von seinen Sätzen zu trennen.
Bookdealer
fragt: Hast Du irgendwelche Rituale vor dem Schreiben oder schreibst du einfach
drauf
los?
Rituale
habe ich keine. Jeden Tag mindestens vier bis sechs Stunden Schreibarbeit zu
leisten, das ist das Ziel. Manchmal wird es mehr, manchmal weniger. Tägliche Disziplin ist
unerlässlich in dem Job.
Bookdealer
fragt: Wie ist die Idee zu „Hexenkinder“ entstanden?
Historische
Romane gehören zu meiner Lieblingslektüre. Allerdings sind sie zum größten Teil
für Erwachsene geschrieben. Mich hat einfach die Idee gereizt, Kinder in eine
längst vergangene Zeit zu schicken, um zu sehen, wie sie mit den primitiven
Verhältnissen und den Abenteuern klar kommen.
Bookdealer fragt: Hast Du zuerst die Geschichte oder die Charaktere im Kopf?
Und bekommen die Charaktere
"einfach so" ihre Namen oder steckt da eine Bedeutung hinter?
Die Geschichte hat Vorrang, aber die Hauptprotagonisten gibt es
zeitgleich. Hin und wieder mogelt sich einer dazu oder springt ab.
Nebendarsteller sind unbekümmerter, sie streifen auch mal ungeplant den Verlauf
der Erzählung.
Lustige, ungewöhnliche Namen sind für Kinder einprägsamer, sie sollten
allerdings den Zeitgeist treffen. Kai-Uwe bzw. Jason-Maddox gehen im
Mittelalter gar nicht.
Bookdealer
fragt: Welches Buch hat einen nachhaltigen Eindruck bei Dir hinterlassen und
ist aus Deinem Bücherregal nicht mehr wegzudenken?
Da
gibt es viele, weil ich fast alles lese. Stieg Larsson, Dan Brown, Ken Follett,
Diana Gabaldon, aber auch junge deutsche Autoren (Martina Sahler, Sabine Ebert,
Elisabeth Büchle zB. )
Generell
bevorzuge ich Bücher, die mich lachen, weinen, vor Spannung nicht schlafen
lassen, „Dornenvögel“ z.B. war seinerzeit eine großartige Erfahrung für mich –
wenn das passiert, dann hat der Autor bei mir sein Ziel erreicht.
Bookdealer
fragt: Könntest du dir auch vorstellen
mit einem anderem Autor ein Buch zu schreiben?
Natürlich,
das wäre eine spannende Sache. Ungewöhnlich, weil Autoren gern im eigenen Saft
schmoren aber nicht auszuschließen. Bis jetzt hat sich noch niemand gemeldet …
Bookdealer
fragt: Welcher deiner Charaktere ist dir besonders ans Herz gewachsen und
welchen magst du überhaupt nicht?
Das
klingt jetzt abgedroschen – aber ich mag sie alle. Die Bösen müssen böse sein,
die Guten nicht immer gut – ich liebe die ganze Palette menschlicher
Empfindungen. Fies, zärtlich, mitfühlend, lieb, doof oder kess. Eff Eff zum
Beispiel – ein echter Berliner Junge. Große Fr … dabei butterweich. Oder Bruder
Thomas – böse und fanatisch fehlgesteuert.
Bookdealer
fragt: Bei stöbern auf deiner Homepage habe ich deine Kurzgeschichten entdeckt,
wie ist es dazu gekommen das sie in der Zeitschrift „Auf einen Blick“
veröffentlich werden?
Kurzkrimis
und True Storys waren das Erste, was von mir über eine Agentur veröffentlicht
wurde. Eine tolle, lehrreiche Erfahrung, unerlässlich für jeden Autor, wie ich
finde, weil auch Ablehnungen dazu gehören können. Man lernt „Im Auftrag“ zu
schreiben, das ist nicht immer leicht.
Bookdealer
fragt: Wie lange brauchst du ungefähr für ein Buch (bis es fertig geschrieben
ist und du es in den Händen halten kannst ) ?
Ein
Jahr geht schon ins Land, bei einem 400 Seiten starken MS.
Schreiben
– verbessern – schreiben - ändern - neu erfinden, verwerfen, verzweifeln –
stöhnen und weiter machen. Ungefähr so, bevor es der Verlag bekommt und noch
einmal Wochen vergehen. Die wenigsten Leser können sich das vorstellen; es
steckt unermüdliche Arbeit dahinter. Deshalb treffen unsachliche, gemeine
Rezensionen jeden Schreiber besonders hart.
Bookdealer
fragt: Da du ja viele Lesungen in Schulen gibst, wie kommt das Buch
„Hexenkinder“ beim jungen Publikum denn
an und bekommst du von den Kids auch Rückmeldungen zu deinen Büchern?
Zu
meiner großen Freude wirklich gut. Kinder sind niemals berechnend. Sie sagen
die Wahrheit. Die Lesungen machen allen Spaß. Mit Rückmeldungen gehen Kinder eher
sparsam um. Eltern erzählen mir, wie ihre Jüngsten das Buch fanden und
Deutschlehrer, die sind durchweg begeistert. (Ob das gut ist? Hm) Deshalb war
es für mich eine schöne Überraschung, als sich Jungen der 8. Klasse einer
Oberschule nach einer Lesung an die Zeitung gewandt hatten. Plötzlich gab es
ein öffentliches Feedback. Ich hatte Tränen in den Augen.
Bookdealer
fragt: Wenn du privat Bücher liest, liest du dann richtige Bücher oder lieber
Ebooks und welche Genre liest du am liebsten und welches Genre magst du
überhaupt nicht?
Richtige
Bücher. Ich liebe ihren Geruch, das Knistern, die Cover – eigentlich alles.
Außer utopische Fantasie-Romane ist nichts Geschriebenes vor mir sicher. Historie, Biographie, Liebe,
Sex, Tragik, Humor und natürlich Krimis – eine unendliche Palette verteilt in
vielen Schränken. E-books gibt es auch –
allerdings vorerst nur auf einem schlichten Reader. Irgendwann wird er einem
besseren Lesegerät weichen. Das bleibt nicht aus – es ist die Realität junger
Generationen, da muss man dranbleiben.
Bookdealer:
Was gehört für dich zu einem gemütlichen Leseabend dazu?
Nur
das Buch und Wärme. Dann tauche ich ein und entschwebe. Nichts kann mich
stören, egal was ringsumher passiert. Kerzen, Wein und Knapperzeug stören
nicht, müssen aber nicht sein. Ich will lesen – sonst nichts.
Bookdealer
fragt: Welche Buchverfilmung hast du zuletzt gesehen oder schaust du dir so was
nicht an?
Sogar
sehr gern. Allerdings bin ich häufig enttäuscht, weil ich das Buch besser fand.
Der Autor erzeugt ein Bild seiner Protagonisten in deinem Kopf, der Film
zerstört sie. Furchtbar. Klar gibt es auch den umgekehrten Fall. Stieg Larssons
Verfilmung fand ich atemberaubend, Iny Lorentz‘ Wanderhure eher mäßig.
Bookdealer
fragt: Warst du schon mal auf einer Buchmesse (Leipzig oder Frankfurt?) Oder
hast du gar eine in Planung? Wenn ja wie fandest du die Buchmesse bis jetzt
immer so?
Bis
jetzt war ich nur in Leipzig. Das war aufregend, interessant und anstrengend
zugleich. Da ich aber büchersüchtig bin, versuche ich es jedes Jahr, zumindest
für Leipzig, einzurichten.
Bookdealer
fragt: Wie wichtig ist dir der persönliche Kontakt zu deinen Lesern?
Sehr
wichtig. Ohne interessierte Bücherfans geht es kaum. Autoren schreiben nicht
nur zur eigenen Erbauung, das wäre armselig, sondern sie benötigen Lob und
kritische Anmerkungen zu dem, was sie verzapfen. Das bringt sie weiter, das
motiviert. Im vergangenen Jahr haben sich Interessierte bis auf unseren Hof
durchgekämpft – mitten in der Pampa – ich war total gerührt.
Bookdealer
fragt: Gehst du auch zu Lesungen von Kollegen, oder hast du da die Zeit nicht
mehr so dazu? Und Gibt es einen Autoren den du unbedingt mal treffen möchtest?
Wenn
es meine Zeit und die Entfernungen zulassen, versuche ich das einzurichten. Allerdings
erfordert das eine sorgfältige Planung vorher, weil ich abseits und mit Tieren
lebe, die versorgt werden müssen. Wenn alles bedacht ist, freue ich mich umso
mehr darauf. Sehr gern würde ich Ken Follett treffen. Aber das wird wohl nichts
mehr * lach*
Bookdealer
fragt: Hast du noch einen besonderen Herzenswunsch den du dir noch erfüllen möchtest
?
Ich
möchte noch viele Bücher schreiben und sie ganz unbescheiden in allen Buchläden
finden können. Gesundheit kann ich mir nur wünschen, ansonsten ist mein Leben
perfekt, so wie es ist.
Vielen herzlichen Dank liebe
Sabine, das du dir die Zeit genommen hast, mir das „kleine“ Interview zu geben.
Das habe ich gern getan und ich
möchte mich dafür ganz herzlich bei dir, liebe Verena, bedanken.

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