Heute am 2. Tag macht die Blogtour halt auf meinem Blog und von mir bekommt ihr eine kleine Leseprobe zu dem Buch zu lesen:
Leseprobe
Der Prinz saß aufrecht in seinem
prunkvollen Bett, einige stützende Kissen hinter sich. Immer noch war er sehr
blass, und um seine eisblauen Augen lagen Schatten, doch der fiebrige Schleier
war völlig aus ihnen verschwunden.
Als das
Mädchen von einem Dienstboten ins Zimmer geschoben wurde, richtete er sich noch
ein wenig mehr auf. Reeva blieb am Eingang stehen, den Rücken gegen das
geschnitzte Holz gedrückt. Fast schien es, als wollte sie die Flucht ergreifen;
doch als der Prinz die Augen einen Moment lang wortlos über ihre dünne Gestalt
und ihr schmutziges Gesicht wandern ließ, erwiderte sie seinen Blick, ohne zu
blinzeln.
Endlich
begann der Prinz zu sprechen. Seine Stimme war tief, doch noch nicht ganz die
eines erwachsenen Mannes: „Ich habe dich rufen lassen, weil ich dir danken
möchte. Und, um ehrlich zu sein, wollte ich auch den Menschen sehen, der in der
Lage war, mich zu heilen.“
Falls er
über ihren Anblick überrascht war, ließ er es sich nicht anmerken. So bleich
und erschöpft er auch wir-ken mochte, seine Miene war doch würdevoll, und er
war stets darauf bedacht, keine Schwäche zu zeigen. Es folgte keine Reaktion,
aber der Prinz fuhr unbeirrt fort: „Weshalb bist du einfach verschwunden? Warum
hast du nicht ge-wartet, um deine Belohnung zu empfangen? – Du nimmst doch auch
von den anderen Menschen Lohn für deine Arbeit, habe ich mir sagen lassen.“
Immer noch
stand die Heilerin dicht an der Tür, bereit wegzulaufen; doch plötzlich tönte
ihre Stimme ruhig und klar zu ihm herüber. „Das ist wahr. Ich nehme so viel,
wie ich für mein Auskommen brauche; deinen Goldschatz aber brauche ich nicht.“
Der Prinz hob leicht eine
Augenbraue, aber ansonsten blieb sein Gesichtsausdruck unverändert. „Soll das
heißen, wenn ich dir etwa einen Laib Brot wie all die Bauern und Tagelöhner
geben würde, dann würdest du ihn annehmen?“
„Nein,
denn meine Arbeit war mehr wert als das. Würdest du mir etwas geben, das dir so
viel wert ist wie das Brot einem hungrigen Bettler, so müsstest du mir das
halbe Schloss überlassen.“
Es folgte ein langes Schweigen. Der
Prinz runzelte die Stirn und dachte angestrengt nach: Noch nie hatte es jemand
gewagt, so mit ihm zu sprechen – und doch zeugte die schlichte, ehrliche Art
der Heilerin nicht von Respektlosigkeit. Nein, sie brachte ihm sehr wohl die
Achtung entgegen, die er verdiente; nur war sie in keiner Weise unterwürfig.
Für einen kurzen Augenblick spürte der Prinz beinahe so etwas wie Unsicherheit,
er schwankte zwischen Lachen und Zorn. Dann aber überwog die Faszination, die
dieses sonderbare Mädchen auf ihn ausübte und die ihn vielleicht sogar aus
seiner einsamen Langeweile befreien konnte.
Endlich nickte er der Gestalt an der Tür zu und sprach
wie einer, der es gewohnt war, erhört zu werden: „Du kannst gehen, Heilerin. Doch ich denke, wir werden uns wohl bald
wiedersehen.“
Reeva konnte sich nicht erklären, was es mit dem letzten Satz des
Prinzen auf sich hatte. Sie war sich nicht sicher, ob er wütend auf sie gewesen
war; aus irgendeinem Grund, so schien ihr, hatte sie ihn mit ihren Worten
verärgert. Doch in Wahrheit spielte das gar keine Rolle: Was auch immer der
Prinz mit dem merkwürdigen Abschied gemeint haben mochte, Reeva glaubte nicht
daran, dass sie ihm jemals wieder gegenüberstehen würde. Im Laufe des Tages vergaß
sie ihn und das mit ihm geführte Gespräch
über ihrer Arbeit völlig – aber in
der Nacht, als sie zusammengerollt auf einigen leeren Säcken schlief, hatte sie
einen seltsamen Traum.
Ein
Mann mit bereits ergrauten Schläfen stand am Fenster einer reich ausgestatteten
Bibliothek. Niemand anderer als der König war es, der dort nach draußen blickte
und dem Raum den Rücken zukehrte. Als sein Sohn eintrat, wandte er sich um und
blickte in die hellen Augen, die den seinen auffallend ähnelten.
„Vater,
ich möchte mit Euch sprechen.“ Die Stimme des Prinzen klang angespannt. Er ließ
die Fingerspitzen über einige Buchrücken gleiten, während er an einem Regal
entlang auf den König zuging. „Ihr wisst, dass ich heute die Heilerin zu mir
bringen ließ – jenes Mädchen, das mich vor dem Tod gerettet hat?“
„Ja,
ich hörte davon“, meinte der König. „Ein freches Ding, das mit seiner Belohnung
nicht zufrieden war, habe ich mir sagen lassen. Als ob dieses Lumpenmädchen es
sich leisten könnte, etwas Derartiges auszuschlagen!“
„Es war
nicht so, wie man es Euch erzählt hat“, erwiderte der Prinz steif, „doch das
ist nun nicht von Bedeutung. Vater, ich möchte Euch um etwas bitten: Ich
wünsche mir, dass dieses Mädchen als meine Gesellschafterin eingestellt wird.
Es soll im Schloss wohnen und jederzeit zu mir kommen können, wenn ich es rufe.“
„Ich
werde dir diesen Wunsch erfüllen, aber was willst du mit so einer schmutzigen
Bettlerin?“, fragte der König irritiert.
Fast
unmerklich schob der Prinz das Kinn vor, doch mit gezwungener Gleichgültigkeit
antwortete er: „Ich weiß es nicht – vielleicht hatte ich bisher einfach zu
wenig Gelegenheit, mich mit einer ‚schmutzigen Bettlerin’ zu unterhalten?“
Das Bild löste sich langsam auf, während Reeva erwachte. Zunächst maß
sie dem Ganzen nicht viel Bedeutung bei und glaubte, bald alles wieder vergessen
zu haben; doch anders als bei den Träumen, die sie normalerweise normalerweise
hatte, blieb ihr noch Stunden später alles gestochen scharf im Gedächtnis. Sie
ahnte, dass es sich um eine Vision gehandelt hatte, und dass sie sich nicht
dagegen hatte wehren können, weil ihr die Bilder im Schlaf erschienen waren.
Deshalb war sie auch nicht besonders überrascht, als am folgenden Nachmittag
Joseph erneut am Marktplatz auftauchte und ihr in hervorsprudelnden Worten den
Wunsch des Prinzen mitteilte.
„Du
wirst in einem prächtigen Zimmer schlafen, feine Kleider tragen und täglich gut
und reichlich zu essen bekommen!“, schwärmte er ihr vor, als er ihr Zögern
bemerkte. „Weiß Gott, wie du den Prinzen dazu gebracht hast – doch das ist
einerlei, du kannst dich glücklich schätzen!“
Immer
noch schwieg Reeva und wickelte sich unbehaglich eine Haarsträhne um den
Zeigefinger. Erinnerungen an den Wald tauchten in ihrem Kopf auf: die
mächtigen, sich im Wind wiegenden Baumwipfel, von deren Blätterrauschen sie so
oft in den Schlaf gesungen worden war. Ihre Höhle mit den getrockneten
Kräuterbündeln, die von der Decke hingen, und der nie erkaltenden Herdstelle.
Der Wald im Herbst, mit seinen verschwenderischen Farben; und im Frühling, wenn
sich überall die ersten grünen Spitzen zeigten. Doch so wenig sie auch vom König und vom Prinzen
wissen mochte – sie bildete sich nicht ein, den Befehl des Thronfolgers
verweigern zu können.
Langsam
sammelte sie ihre Habseligkeiten ein, verschnürte ihr Bündel und richtete sich
auf. „Ich bin fertig, wir können gehen“, sagte sie leise.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Ich habe euch ja vorgestern in meiner Vorankündigung schon erzählt welche tollen Geschenke Kira verteilt und was ihr dafür tun müsst. Habt ihr alle rot und fettmarkierten Buchstaben gefunden?
Merkt euch das Wort, am Ende der Tour benötigt ihr es, um den ganzen Satz daraus zu bilden.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Ich hoffe euch hat die Leseprobe gefallen und ihr habt einen kleinen Einblick in die Geschichte bekommen können? fein, denn.....
..... morgen geht es auf dem Blog von der lieben Jessica weiter!

Was für eine schöne, zauberhafte Geschichte!!
AntwortenLöschenIch mag, solche Märchen. Bin gespannt was mich noch auf dieser Blogtour erwartet.
Danke für Deinen Beitrag heute, der macht wirklich Lust auf den Roman.
LG..Karin..
Wirklich wunderbar geschrieben, das Buch steht eh schon auf meiner WuLi, aber die ist schon soooooo hoch.
AntwortenLöschenDanke für deinen Beitrag
LG Hanne