Die märchenhafte Inselfee Gabriella Engelmann meldet sich mit einem neuen und wunderbaren Buch zurück. Apfelblütenzauber erscheint pünktlich zur Leipziger Buchmesse am 13. März.
und ich habe für euch eine kleine feine Leseprobe im Gepäck dabei, Viel Spass beim stöbern:
GABRIELLA
ENGELMANN
Apfelblütenzauber

ROMAN
Behüt dich Gott, du Heimaterde
Bevor die Elbe eilt zum Meere,
streift sie ein Land voll Fruchtbarkeit. Wo leicht im Winde wogt
die Ähre, auf grüner Weid’ das Vieh gedeiht,
zur Frühlingszeit wie schneeiger
Flaum, es duftend ruht auf Strauch und Baum.
Und wo zu
heißer
Sommerzeit das Obst zur Ernte ist bereit, da is, wo meine Wiege stand,
o grüß dich Gott, du Altes Land.
Wilhelm Stubbe
Der Auszug aus dem Gedicht »Behüt dich Gott, du Heimaterde« von Wilhelm Stubbe stammt aus: »Het Groene hart
– Dat
Ole Land«, hrsg. vom Kulturverein Steinkirchen und Umgebung e.V./Doris Marks. Steinkirchen, 2013.
Die Rezepte des Altländer 3-Gänge-Menüs auf den Seiten 375–381 sowie das Apfelkuchenrezept auf den Seiten 151–152
werden abgedruckt mit freundlicher
Genehmigung des Landfrauenvereins Altes Land.
Sie sind folgenden Quellen entnommen: Landfrauenverein Altes Land (Hrsg.): Leckere Früchte
in köstlichen Gerichten aus dem Alten Land.
Verlag Sparkasse Altes Land, Stade, 1999 (ISBN 978-3-000-05139-2) Renate Frank & Landfrauenverein Altes Land: Gesunde Küche
– kinderleicht.
Schnelle Rezepte der Altländer LandFrauen,Verlag Sparkasse Altes Land,
Stade, 2007 (ISBN 978-3-981-19100-4)
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Alles klar bei dir?«, fragte Stella Samstagabend, als ich mich mit kritischem Blick im Badezimmerspiegel betrachtete.
»Ja, alles super, bis auf die Tatsache, dass ich einundvierzig geworden bin«, antwortete ich, zog eine Grimasse und streckte
mir selbst die Zunge heraus.
Stella gab mir einen spielerischen Klaps auf die Hand.
»Und wenn du so weitermachst, sieht man dir das auch bald an«, schimpfte sie und stellte
sich neben mich, um ihren Lippenstift nachzuziehen. »Du weißt doch, lebhafte Mimik wirkt zwar sympathisch, ist aber gar nicht gut für den Teint.«
Stella, stylish
wie immer, trug einen Nude-Ton
mit Gold- schimmer, der wunderbar zu ihren blonden
Haaren passte, und grinste von einem Ohr zum anderen,
während sie ihre Wangen aufpustete. Angeblich eine Geheimwaffe, um
zarten Knitterfältchen in der Lippengegend den Garaus zu machen,
bevor sie die Chance hatten, sich dauerhaft
niederzulassen. Ich verwendete einen Lippenstift in einem Rosenholzton, der gut
mit meinen Sommersprossen und
dem dunklen Bob harmonierte, den ich seit kurzem
trug.
»Hey, ihr beiden, wollt ihr hier drin Wurzeln
schlagen?«, rief Nina, die dritte Bewohnerin der WG in unserem Haus, das
wir seit dem Einzug die Villa zum Verlieben nannten, und steckte ihren karottenrot getönten Schopf durch die Tür. Nina und ich wohnten
im Erdgeschoss und Stella zusammen mit ihrer Familie im
ersten Stock.
Seit nunmehr sechs Jahren lebten
wir in dieser charmanten Stadtvilla in Eimsbüttel, an
deren weißgetünchter Fassade sich wilder Wein, Blauregen und Kletterhortensien emporrankten,
als wollten sie das alte Gemäuer
umarmen. Zur Villa gehörte ein großer, wildromantischer Garten, den wir heiß und innig liebten.
Erst waren wir lediglich
drei Frauen gewesen, die der Zufall durch eine Wohnungsannonce zusammengeführt hatte. Trotz anfänglicher Reibereien waren wir im Laufe der Jahre echte Freundinnen geworden und verbrachten viel Zeit miteinander.
»In einer halben Stunde kommen die Gäste, und ich könnte echt
noch Hilfe mit diesem Polenta-Peperoncino-Brot brauchen,
das im Backofen steckt«, sagte Nina und klopfte
unge- duldig mit den Fingernägeln an
die Tür.
»Komme schon!«,
sagte ich und folgte ihr
in die Küche. Punkt zwanzig Uhr
sollte die Geburtstagsparty
im Wintergarten meiner Wohnung beginnen.
Stella stöckelte ein wenig unsicher hinterher.
Seit sie Mutter von zwei entzückenden Kindern war, trug sie Chucks. Ihre vierjährige Tochter, mein Patenkind Emma, hielt sie mindestens ebenso auf Trab wie ihr knapp dreizehnjähriger Stiefsohn Moritz. Da war praktisches Schuhwerk angesagt anstelle von High Heels. Doch heute wollte sie sich zur Feier des Tages mal wieder
als richtige Frau fühlen.
Neugierig öffnete
ich die Klappe des Backofens und schnupperte.
Ja, genau so sollte es duften! Und genau so sollte es aussehen.
Außen kross gebacken und innen weich wie Rührkuchen. Unter dem prüfenden Blick von Nina, die gerade versuchte,
eine Flasche Rosé-Prosecco zu öffnen, zog ich mir gefütterte, mit Rosenmuster
bedruckte Küchenhandschuhe über und holte das Blech mit dem Maisbrot heraus. Ich wusste, weshalb Nina so spöttisch grinste: Sie fand mich ein wenig zu mädchenhaft
und romantisch, denn im Gegensatz zu
ihr liebte ich alles, was bunt, gemustert oder kuschelig war.
»Mhm, das sieht ja toll aus«, sagte
Stella, trotz eifriger Bemühungen alles andere als eine leidenschaftliche Köchin.
Ihre Talente lagen eindeutig im Bereich Styling und Dekoration, weshalb sie erfolgreich als
Innenarchitektin arbeitete, sofern
die Kinder und ihre Ehe ihr genug Spielraum dafür ließen. Während ich das Polentabrot vorsichtig
anschnitt, um zu prüfen, ob es wirklich
gut durchgebacken war, schenkte Nina Stella und mir ein Glas Saft ein. Dann ging sie zum langen
Esstisch, um letzte Hand an die Blumendekoration zu legen,
die ein Teil meines Geburtstagsgeschenks war.
Als ehemalige Floristin war Nina die Gartenfee unserer Villa
und hatte ein echtes Händchen für Blumen, Kräuter und alles
Grüne.
Ich trank einen kleinen Schluck und stellte das frisch gebackene Maisbrot auf den Tisch, auf dem schon Salate, reichhaltige
Antipasti-Platten und zwei verschiedene Quiches standen. Meine Eltern steuerten als Dessert selbstgebackenen Apfelkuchen und eingelegte Pflaumen
mit Vanilleeis bei. Sowohl die Äpfel
als auch die Pflaumen stammten
aus unserem Obstgarten im Alten Land, wo ich bis vor knapp sechs Jahren gelebt
hatte.
Ich freute mich sehr, beide nach langer Zeit wiederzusehen,
denn je länger ich in Hamburgs coolem Stadtteil
Eimsbüttel wohnte, desto mehr verblasste meine ländliche Vergangenheit.
Als es an der Tür klopfte, rief Stella: »Das wird Robert sein!«, ging in den
Flur, um zu öffnen, und fiel dann ihrem Mann um den Hals. Ich freute mich sehr, dass die beiden
immer noch so verliebt waren, denn sie hatten lange gebraucht, um zueinan-
derzufinden.
Robert, der als Kinderarzt arbeitete, war groß, schlank und hatte ein umwerfendes
Lächeln. Seine blauen Augen blitzten,
wenn er gute Laune hatte, und dass sein dunkles Haar
mittler- weile beinahe
vollkommen ergraut war, fiel dann nicht mehr ins Gewicht.
»Alles Gute zum Geburtstag,
Leonie – oder sollen wir dich zur
Feier des Tages lieber Leonore nennen?«, fragte er und gab mir zur Begrüßung links und rechts einen Kuss auf die Wange.
»Och nee, bloß nicht«, winkte ich ab und nahm das aufwendig verpackte Geschenk entgegen. Das geschmackvolle Papier
und die edle Schleife aus Satin trugen eindeutig
Stellas Hand- schrift.
»Wieso Leonore?«, fragte
Nina und starrte mich verdutzt an.
Ich wurde verlegen.
Nur wenige wussten
nämlich, dass der Name
Leonie eine Abkürzung war.
»Ach, das war so eine Schnapsidee meiner Mutter«, antwortete ich. »Leonore bedeutet, genau wie Eleonore, Gott ist mein
Licht. Das fand sie so schön, dass sie darauf bestand, auch
wenn mein Vater mich
lieber Metta oder Tibbe genannt hätte, wie es im Alten Land üblich ist.
Nina bekam große Augen.
»Huch,
was sind das denn für Namen? Die habe ich ja noch nie gehört. Also für
mich bist und bleibst du Leonie und damit basta!«
Ich hatte keine Zeit,
etwas darauf zu erwidern, weil
es an der Tür klingelte. Der nächste
Besucher war Alexander Wagenbach, Ninas Freund und mein Chef im französischen Bistro La Lune, wo ich als Restaurantleiterin arbeitete.
»Et voilà, hier kommt der Wein«, sagte er strahlend und ging schnurstracks in
die Küche, um fünf Flaschen Saint-Émilion und weitere fünf Flaschen
Cabernet-Sauvignon auf die An- richte zu stellen. Rosé und Weißwein kühlten bereits seit drei
Tagen und würden erst bei Bedarf geöffnet.
Leider war es heute – Ende April – nicht warm genug, um draußen
in unserem wunderschönen
Garten zu feiern, wie ich es mir
eigentlich gewünscht und in den schönsten Farben aus- gemalt hatte. Seit Tagen herrschte der für die Jahreszeit typische Wolken-Sonne-Regen-Mix, der diesen Monat zu einem unberechenbaren Faktor für Planungen aller Art machte.
»Danke, Alex«, sagte ich und öffnete eine Küchenschublade auf der Suche nach dem Korkenzieher. »Ich denke, wir haben genug Wein, oder was meinst du?«
»Und wenn nicht,
springe ich rüber ins La Lune und hole
Nachschub«, erwiderte Alexander lässig.
Der dunkle
Lockenkopf mit dem markanten
Kinn und den warmen Nussaugen
hatte immer noch
etwas Jungenhaftes, trotz seiner siebenundvierzig Jahre.
Ich mochte
Ninas Freund und schätzte
ihn als engagierten, strengen, aber stets fairen Chef. Das war in meinem früheren Beruf als Reiseverkehrskauffrau leider anders gewesen.
Da hatte ich große Probleme mit einer zickigen
Chefin gehabt,
die mich zuletzt geradezu aus dem
Unternehmen ge- mobbt hatte. »Du weißt, dass die
Getränke mein Geschenk für deine
Party sind, und wenn sie nicht reichen, ist es doch sonnenklar, dass ich dafür sorge, dass deine Gäste nicht verdursten
müssen«, fuhr Alexander
fort, während meine Gedanken sich
einen Augenblick lang in der Vergangenheit verfingen.
»Wie viele erwartest du denn?«, fragte Robert, der fachmännisch das Weinangebot studierte. Mit anerkennender Miene drehte er den Saint-Émilion in seiner Hand hin und her und las den Text auf dem Etikett.
»Mit mir zusammen sind wir elf«, antwortete ich.
Neben meinen Eltern, Jürgen und Anke Rohlfs, und meinen Freundinnen und ihren Männern kamen noch zwei weitere befreundete Pärchen.
Nur ich war Single und somit auf meinem eigenen Geburtstag so etwas wie das elfte Rad am Wagen.
»Na, dann sollte das doch reichen«, sagte Robert schmunzelnd.
»Die meisten müssen später noch fahren. Schließlich kann sich nicht jeder gleich nach der Party ins Bett plumpsen lassen, so wie wir.«
»Außerdem wollen wir uns ja auch nicht betrinken, sondern Leonies Geburtstag feiern«, ergänzte Nina und schmiegte sich an Alexander. In den letzten Jahren war zu meinem Erstaunen
aus der eher kratzbürstigen, überzeugten Single-Frau Nina eine kleine Schmusekatze geworden. In gewissen Momenten
jedoch fuhr sie immer noch ihre Krallen aus, zumeist wenn sie befürchtete, zu
sehr von Alexander eingeengt zu werden. Punkt
zehn nach acht waren alle Gäste da, ich stand am Kopf- ende des langen Tisches und hielt eine Rede.
»Auf dich, liebste Leonie. Danke, dass wir diesen Tag mit dir feiern dürfen, und danke, dass du so bist, wie du bist«, sagte
Nina, als ich geendet hatte, und erhob ihr Glas.
Meine Eltern lächelten, aber mir fiel auf, dass sie diesmal
nicht so liebevoll miteinander umgingen wie sonst. Mein Vater war ungewöhnlich blass, meine Mutter hatte dunkle Ringe unter den Augen.
Ob sie Sorgen hatten,
von denen ich nichts ahnte?
»Ich kann mich dem, was Nina gerade gesagt hat, nur an- schließen. Gibt es irgendetwas Besonderes, das du dir für dein neues Lebensjahr wünschst?«, fragte Stella.
Ich überlegte
einen Moment, bevor ich eine Antwort gab. Fragen wie
diese
waren nicht mit einem Satz zu
beantworten.
»Im Grunde nur, dass alles so bleibt, wie es ist, und dass es
euch, meinen Lieben, gut geht«, sagte ich.
Während ich diesen Wunsch laut aussprach, wurde mir warm ums Herz. Ja, es
stimmte wirklich: Momentan
hatte ich alles, was ich mir nur wünschen konnte.
Gute Freundinnen, mit denen ich zusammen in dieser wunderschönen, alten Villa in einem
angesagten Hamburger Stadt- teil lebte.
Die Arbeit
im La Lune machte mir großen Spaß, denn Alexander ließ mir in vielem freie Hand und war ein toller Chef. Ich war gesund, und meinen Eltern ging es zum Glück gut. Dass es
immer noch keinen Mann in meinem Leben gab, gehörte für mich in der Zwischenzeit so zum Alltag, dass es mich kaum störte.
Ich war immer noch froh darüber, dass ich nach Hamburg
gezogen war, um meinen Horizont zu erweitern. Ich war auf Abenteuersuche gegangen – und nicht enttäuscht worden.
Und dieses
Abenteuer sollte noch nicht zu Ende sein.
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Wer auf der Leipziger Buchmesse unterwegs sein sollte, sollte sich diesen Termin mit Gabriella Engelmann rot im Kalender markieren:
Samstag, 14. März, 15.00 - 15.30 Uhr Gespräch Presse-Rotunde, Moderation: Margarete von Schwarzkopf (Halle 3, B 206 und 207)
15.30 Uhr - 16.00 Uhr: Signierstunde bei Verlagsgruppe Droemer Knaur.