Dienstag, 9. September 2014

[Lesedeal] WANN WENN NICHT JETZT von Olivia de Winter


Es ist wieder Lesedealzeit. Heute darf ich euch den Debütroman von der sympatischen Autorin Olivia De Winter vorstellen. ab dem 14.09 soll das ebook dann erhältlich sein und wenige Tage später dann das TB.




WANN

WENN NICHT


JETZT


Kapitel 1
Reinfälle in Serie 


In all den Jahren hatte Vio viele wunderschöne Ecken der Stadt kennengelernt – Frankfurt wurde da im Allgemeinen völlig unterschätzt –, aber erst vor zwei Jahren hatte sie ihren absoluten Lieblingsplatz entdeckt: die Maininsel an der Alten Brücke. Dieses winzige Naturschutzgebiet war nicht öffentlich zugänglich, sondern dem ‚Frankfurter Ruderverein von 1865’, der sein Vereinshaus auf der Insel hatte, vorbehalten. Das war sicherlich einer der Gründe, warum Vio gerade hier Mitglied geworden war und selten eines der Feste des Clubs versäumte.
Mit einer Weißweinschorle in der Hand stand sie abseits von den anderen, die sich um den Grill geschart hatten und gierig auf die ersten Würstchen und Steaks warteten. Von ihrem Lieblingsplatz, einer erhöhten, hölzernen Plattform, aus genoss sie im Dunklen die Aussicht über den ruhigen Fluss auf den beleuchteten Dom. Der Anblick war so bezaubernd, dass Vio endlich das morgendliche Genmais-Debakel und die Auseinandersetzung mit Fackermann aus ihren Gedanken verbannen konnte.
„Diese Insel muss das schönste Fleckchen Erde in Frankfurt sein“, hörte sie plötzlich eine Stimme von links.
Vio fuhr hektisch herum. Bei all der Musik und den Gesprächen hatte sie niemanden heraufsteigen hören.
„Sorry, ich wollte dich nicht erschrecken!“ Ein Grinsen blitzte auf. Ein unwiderstehliches Grinsen, um genau zu sein. Mutmaßlich die Mutter aller unwiderstehlichen Grinsen. Und es gehörte einem Fremden, dem es ausgesprochen gut stand. „Hi, ich bin Bene.“
Benedikt van der Rijk – der Neuzugang, natürlich! Unter den Frauen im Club hatte es seit Wochen fast kein anderes Thema mehr gegeben. In jedem Gespräch fiel irgendwann ein Satz wie „Hast du Bene schon kennengelernt?“, „Ach, ich wünschte, ich wäre zehn Jahre jünger, der wäre genau mein Fall!“ oder „Schade, dass er immer Einer rudert, so lernt man ihn ja nie richtig kennen.“
Jetzt, wo er vor ihr stand, konnte Vio die ganze Aufregung sehr gut verstehen. Dieser Bene sah wirklich verboten gut aus! Mit seinen etwas längeren, von der Sonne gebleichten Haaren, den blauen Augen und den muskulösen Schultern könnte man ihn sich auch perfekt auf dem Titelblatt der ‚Men’s Health’ vorstellen.
„Du kannst doch sprechen, oder?“ Das neckische Grinsen wurde noch eine Spur breiter. Offenbar war er es gewohnt, dass Frauen in seiner Gegenwart zu Salzsäulen erstarrten. Er stieg die letzten Sprossen der Leiter zu ihr hinauf und stand nun in seiner ganzen Größe vor ihr. Sie reichte ihm gerade mal bis zur Schulter, obwohl sie fast 1,70 m groß war.
„Ach weißt du, das mache ich den ganzen Tag für Geld. Privat rede ich eigentlich nie.“
Auf Benes Stirn bildete sich eine Falte, und er sah eindeutig irritiert aus. Ups! Kein Fan von Ironie.
„Scherz. Ich bin Vio.“ Lächelnd streckte sie ihm ihre Hand entgegen. Sein Gesicht entspannte sich, und er nahm ihre Hand.
„Oh, Viola Hagenstett ...  die Frau Moderatorin!“ Wie originell. War ja klar: großartige Optik, nichts dahinter. Aber mit diesem Grinsen kam der Kerl sicher auch ohne coole Sprüche weit genug, vermutete Vio. „Die Mädels hier im Club sind alle große Fans von dir“, fügte er hinzu.
Von dir noch viel mehr, dachte Vio, ließ diesen Gedanken aber lieber unausgesprochen.
„Und jetzt, wo ich dich endlich kennenlerne, kann ich sie wirklich gut verstehen“, fuhr Bene fort und ließ seinen Blick mit größter Selbstverständlichkeit an ihr hinunter- und wieder heraufgleiten. „Wobei ich vermutlich etwas andere Beurteilungskriterien habe ...“

* * *

„Du hast was???“, Gwens Empörung war weder zu übersehen noch zu überhören.
„Ein Taxi nach Hause genommen! Ja, ich weiß, das war blöd ...“
Gestern Abend war es Vio noch sehr vernünftig und clever vorgekommen, Bene nach ein bisschen Geplänkel und einem eher flüchtigen Gute-Nacht-Kuss auf der romantischen Insel nicht mit nach Hause zu nehmen. Okay, vielleicht traf ‚vernünftig und clever’ nicht ganz den Kern der Sache. Sie war wirklich ziemlich außer Übung, was Männer betraf. Ihre letzte Affäre lag etliche Monate zurück, und ihre letzte richtige Beziehung sogar fast drei Jahre. Und beides gab wenig Anlass, sich selbstbewusst in das nächste Abenteuer zu stürzen. Aber immerhin hatte sie Bene ihre Telefonnummer gegeben! Allerdings hatte er sich bisher noch nicht gemeldet, also war die schnelle Flucht getreu Großmutters Ratschlag ‚Willst du gelten, mach dich selten!’ wahrscheinlich doch eine Fehlkalkulation gewesen.
„Blöd ist überhaupt kein Ausdruck!“ Gwen war jetzt voll in Fahrt. „Da hören wir uns seit Monaten – ach, was sag ich, seit Jahren! – dein Gejammer an, dass es in Frankfurt keine tollen Männer gibt und dann wirft sich dir dieses Schnittchen direkt in den Weg und du lässt die Chance vorbeiziehen!“
„Der ruft bestimmt noch an. Und wenn nicht, hast du ja auch seine Nummer und kannst dich bei ihm melden“, schaltete Gitti sich ein.
Brigitte Graf war Vios älteste Freundin, die sie praktisch aus Sandkastenzeiten kannte. Und offensichtlich hatte sie keine Ahnung von Männern. Sie und Bene anrufen, das wäre ja noch schöner!
„Das mache ich ganz bestimmt nicht! So etwas habe ich gar nicht nötig.“
Gwen und Gitti verdrehten in seltener Einigkeit die Augen, während Vio mit großer Geste die Bedienung heranwinkte, um eine neue Runde Sprizz zu ordern. Bei dem schönen Wetter saß das Trio mitten im Trubel vor dem ‚Sugar’ auf der Berger Straße, das ihre Stammkneipe war, seit Gwen vor einem guten Jahr ins Nachbarhaus eingezogen war.
„Ach, Leute, ihr wisst doch, dass das nicht funktionieren würde“, verteidigte Vio sich. „Männer sind Jäger! Wenn die Beute sich ihnen freiwillig ergibt, langweilt sie das nur.“
„Alternativ kann die Beute natürlich auch allein in ihrem Designer-Bau sitzen und Wohnzeitschriften lesen. Das ist als Freizeitbeschäftigung ja total unterschätzt.“
Gitti hatte für Vios Designtick nicht besonders viel übrig. Sie selbst war Tierärztin im Taunus, Fachgebiet Pferde, und hatte ihre Praxis und Wohnung auf dem Hof, den sie von ihren Großeltern geerbt hatte. Einrichtungsmäßig hatte sich da nicht viel getan seit den 70er Jahren. Die Sachen waren ja schließlich noch 1A in Schuss – zumindest sah Gitti das so.
„Du hast leicht reden! Dein Erik ist dir ja praktisch in den Schoß gefallen mit seinem kranken Gaul.“
„Das verletzte Springpferd, das ich in vier Wochen wieder fit hatte! Und danach hätte ich Erik auf jeden Fall angerufen, um ihn wiederzusehen.“
„Wenn er nicht sowieso sofort mit einem Blumenstrauß und einer Essenseinladung vor deiner Tür gestanden hätte. Ist klar!“
Gittis Blick verklärte sich augenblicklich. Sie war seit fast zwei Jahren mit Erik zusammen und verliebt wie am ersten Tag. Außerdem würde Erik in puncto erstes Date wohl für alle Zeiten ungeschlagen bleiben. Das Abendessen, zu dem er Gitti eingeladen hatte, war nämlich ein äußerst formidables Picknick mitten in einem Weinberg im Rheingau gewesen.
„Und du hast mir immer noch keinen seiner Bekannten vorgestellt“, fuhr Vio fort. „Da wäre sicher jemand Passendes für mich dabei.“
„Schätzchen, du weißt doch, dass ich diese Berater und Banker nicht ausstehen kann. Erik ist eine Ausnahme, aber der Rest von diesen Typen ist total öde. So einen willst du nicht, glaub mir das!“
„Das ist doch ein Vorurteil. Da gibt es bestimmt eine Menge netter Männer. Und so einer würde auch zu mir passen. Was will ich denn bitte – jetzt nur mal rein hypothetisch – mit so einem jungen Typen wie Bene, der nur Sport macht und irgendwelchen Marketing-Web-2.0-Kram, von dem ich nichts verstehe. Darüber brauchen wir also wirklich nicht länger zu reden ...“
„Kann man wenigstens mal ein Foto von dem Kerl sehen? Nur damit wir wissen, von wem wir hier nicht reden?“, schaltete Gwen sich wieder ein.
„Klar“, antwortete Vio und zog ihr iPad aus der Tasche. Natürlich hatte sie Bene schon gestern Nacht ausführlich gegoogelt. Man musste ja zumindest wissen, wen man da geküsst hatte! Und heute Nachmittag hatte Orna, die gute Seele des Ruderclubs, Partyfotos vom Vorabend online gestellt.
„Das ist er.“ Sie legte das Gerät auf den Tisch und begann, das Fotoalbum ‚Ruderclub Party Saisonstart’ durchzublättern. Orna gehörte offensichtlich zu den Bene-Fans der ersten Stunde, denn er war auf knapp der Hälfte der Fotos zu sehen.
Das ist er? Hast du nicht was von ‚ziemlich gutaussehend’ gesagt? Der Typ ist eine Zehn, wenn du mich fragst!“ Gwen vergrößerte eine der Aufnahmen so, dass nur noch Benes muskulöser Oberarm zu sehen war.
„Aber hallo! Den rufst du an – und wenn ich selbst wähle und dir den Hörer ans Ohr halte“, stimmte Gitti vehement zu. „Blätter mal weiter!“, ermahnte sie Gwen, die immer noch fasziniert zwischen Benes Ellenbogen und Schulter hin- und herscrollte.
Optisch einwandfrei, das musste Vio zugeben. Aber deswegen musste man doch nicht gleich durchdrehen. Inzwischen waren ihre Freundinnen bei dem besten Foto aus der Reihe angekommen: Bene, der mit einem Bier in der einen Hand sich mit der anderen die blonden Strähnen aus der Stirn strich und dabei mit diesem unverschämten Grinsen direkt in die Kamera blickte. Er sah wirklich wahnsinnig gut aus ... und sehr sexy ... und unglaublich jung ...
„Wie alt ist der denn eigentlich?“, riss Gitti sie aus ihrer Träumerei. Dafür hatte man wohl Uraltfreundinnen – zwei Seelen, ein Gedanke.
„Zweiunddreißig. Allein das ist schon ein Ausschlusskriterium. Damit mache ich mich doch total lächerlich.“
„Ach Quatsch, ältere Frau – jüngerer Mann, das liegt nach wie vor voll im Trend.“ Gwen konnte beim Thema Promi-Tratsch und -Klatsch kaum jemand das Wasser reichen.
„Na klar, ich suche mir meine Männer ja auch nach Trendkriterien aus! Und ‚Cougar’ wollte ich schon immer unbedingt mal sein.“ Vio rollte mit den Augen.
„Jetzt übertreib mal nicht. Dass du bald vierzig wirst, sieht man dir überhaupt nicht an. Keine Ahnung, warum du damit ein Problem hast.“ Gwen hatte ein sagenhaftes Talent, die unangenehmsten Dinge nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.
„Kinder, wenn ich nicht sofort etwas zu essen bekomme, kippe ich um“, wechselte Gitti – die ihren Vierzigsten ohne großes Aufheben bereits vor einigen Monaten hinter sich gebracht hatte – wenig unauffällig das Thema. „Kann jemand von hier aus die Tageskarte lesen? Ich brauche dringend einen Riesenteller Pasta.“
Eigentlich hätte das Ablenkungsmanöver durchaus funktionieren können, aber genau in diesem Moment erklang ein iPhone-SMS-Ton. Vio und Gwen griffen gleichzeitig nach ihren Handtaschen, während Gitti sich entspannt zurücklehnte. Sie selbst hatte ein uraltes Handy und schaltete es auch fast nie an. Dementsprechend hatte sie keinen Grund, in Hektik zu verfallen.
„Das war meines“, verkündete Gwen eine Spur mitleidig. „Wartet mal ... Cool! Carla zieht nach Frankfurt, sie hat einen Job in Mainz ab nächstem Monat. Ist eine Kollegin von dir, Vio. Die wirst du mögen. Eine Klassefrau!“
Bevor nähere Informationen zu der ominösen Carla eingeholt werden konnten, piepte es wieder. Vier Augen richteten sich auf Vio.
„Diesmal war es deines, Herzchen“, erklärte Gwen völlig unnötig.
Mit leicht zittrigen Fingern griff Vio erneut nach ihrem Telefon und öffnete die Nachricht.
Hi, schöne Frau, wie wär’s? Wollen wir das gute Wetter nutzen und morgen eine Runde rudern gehen? 15 Uhr Hand am Boot. Lg, Bene
Vio wurde plötzlich ganz flau im Magen. Er hatte sich gemeldet! Gut, Rudern war das, was man eben gemeinsam tat, wenn man Mitglied im selben Ruderclub war. Ein Date sah anders aus. Aber immerhin hatten sie sich gestern Abend geküsst, und wenn sie daran zurückdachte, bekam sie sofort wieder weiche Knie. Diese Schultern und diese weiche Haut an der Stelle, wo sie in den Hals übergingen ... und wie gut er roch, so natürlich und frisch und nach Abenteuer ...
„Lass sehen, was er schreibt!“ Gitti griff sich das Handy, während Gwen sich neugierig über den Tisch beugte.
Offensichtlich gab es immer noch Momente, in denen erwachsene Frauen sich benahmen wie Teenager, selbst wenn sie kurz vor den Wechseljahren standen, kam es Vio in den Sinn, als sie ihre Freundinnen betrachtete. Würde das denn nie aufhören?
„Geil! Du hast ein Date mit Mr. Supersexy!“, rief Gwen begeistert.
„Das ist kein Date. Er will mit mir rudern gehen. Dazu verabredet man sich, wenn man im selben Club ist“, wiegelte Vio halbherzig ab.
„Ich dachte, die Leute im Club wissen nicht viel von ihm, weil er immer Einer rudert?“, widersprach Gitti mit unbestechlicher Logik. „Vom Rudern verstehe ich ja nichts, aber ich gehe mal davon aus, dass man zu zweit nicht im Einer rudert, oder?“
Um Gottes Willen, mit Bene im Rennzweier! Vio beschlich die Panik. Bene war, so viel hatte sie seinen Erzählungen und denen der anderen entnommen, ein extrem guter Ruderer, der in der Vergangenheit haufenweise Wettbewerbe gewonnen hatte und immer noch regelmäßig an Regatten teilnahm. Sie selbst war erst seit knapp zwei Jahren dabei und kam inzwischen gut mit dem allgemeinen Tempo mit, aber von seinem Niveau war sie Lichtjahre entfernt.
„Ich kann unmöglich mit ihm rudern gehen! Dafür bin ich nicht gut genug!“
„Sei nicht albern. Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass er dich treffen will, weil du der perfekte Ruderpartner bist. Der sucht doch ganz sicher eine ganz andere Art von Trainingspartner. Alles neu macht der Mai ...“ Gwen grinste anzüglich.
„Jetzt musst du auf jeden Fall erst mal zusagen“, ergänzte Gitti pragmatisch. „Ich weiß ganz genau, dass du morgen nichts Besseres vorhast. Also keine dummen Ausreden. Und zur Feier des Tages gönnst du Hungerhaken dir mal eine Pizza!“

* * *

Als Vio am nächsten Tag um kurz nach drei im Ruderclub ankam, hatte Bene das Boot schon ins Fahrtenbuch eingetragen. Er hatte sich für einen Zweier namens ‚Pech und Schwefel’ entschieden. Na, wenn das kein gutes Omen für ein erstes Date war, dachte Vio, auch wenn das hier technisch betrachtet gar keines war. Aber nur nicht zu viel in die Bootsauswahl hineininterpretieren, ermahnte sie sich sofort. Immerhin gab es ja im Club keinen Zweier namens ‚Pest und Cholera’, den er alternativ hätte auswählen können.
„Nach vorne, Schöne“, kommandierte Bene gut gelaunt, als sie das Boot klargemacht hatten. Als er sah, dass sie widersprechen wollte, fügte er hinzu: „Ich hab den Obmannschein.“
Großartig, dann wusste er also auch schon, dass sie die Prüfung vor vier Wochen nicht bestanden hatte! Dabei war das nur eine Anhäufung von unglücklichen Zufällen gewesen, und sie konnte das Ganze auch vor Ende des Sommers wiederholen. Es gab also überhaupt keinen Grund, hier den Profi raushängen zu lassen.
Aber ‚Obmann sagt an’, das war die Regel, und so setzte sie sich ohne Murren auf den vorderen Platz im Boot. Auch wenn sie diesen Platz hasste. Denn beim Rudern saß man ja mit dem Rücken zur Fahrtrichtung, also musste der vorne Sitzende sich dauernd umdrehen, um zu sehen, ob ein Hindernis kam.

Beim Rudern auf Bene schauen zu müssen war die Hölle! Nicht, dass sie sein Tempo nicht halten konnte – er war glücklicherweise nicht im Regatta-Modus unterwegs –, aber irgendwie brachte der Anblick vor ihr sie dauernd aus dem Takt. Es gab doch tausend Vorschriften. War da nicht eine dabei, die besagte, dass man keine Kleidung tragen sollte, die Mannschaftskollegen die Konzentration raubte? Hätte er nicht irgendein albernes, buntes T-Shirt in XXL tragen können? Aber nein, der Mann mit dem perfekt durchtrainierten Körper musste natürlich in einem engen, weißen Shirt antreten, das sein Muskelspiel noch besonders betonte. ‚Rudern trainiert alle Muskelgruppen’ – das war der Satz, der sie zu diesem Sport geführt hatte, aber das jetzt so deutlich vorgeführt zu bekommen, war wirklich nicht hilfreich!
„Alles klar bei dir? Du bist so schweigsam“, erkundigte sich Bene, während er sich umdrehte. Natürlich ohne aus dem Takt zu kommen.
„Alles bestens“, gab sie lächelnd zurück – und sah für einen kurzen Moment, wie sich Benes Augen plötzlich erschrocken weiteten. Sein „Achtung!“ hörte sie noch, aber dann ging alles ganz schnell: Etwas Hartes erwischte sie schmerzhaft direkt am Hinterkopf und das Boot kippte.
Das Nächste, was Vio wahrnahm, war nasse Kälte und eine Lunge voller Wasser. Keuchend kämpfte sie sich an die Oberfläche des Mains zurück. Vielleicht hätte sie doch nicht das Kenter-Training schwänzen sollen ... Aber wer konnte schon ernsthaft damit rechnen, in den Main zu fallen!
In dem Moment fühlte sie Benes Arm um ihren Oberkörper. Natürlich, so ein Rennzweier war ein fragiles Ding – wenn einer rausfiel, hatte der Zweite keine Chance, trocken zu bleiben.
„Ruhig atmen, schön langsam.“
Vio holte tief Luft. Ein und aus ... Ein und aus ...
Mit jedem Atemzug spürte sie deutlicher die Nähe von Bene, der sie umklammerte, während er mit der anderen Hand das Boot festhielt. Sie sah ihn an. Im Wasser war der Größenunterschied zwischen ihnen verschwunden und sie waren direkt auf Augenhöhe. Bene sah ihr ins Gesicht, ohne eine Miene zu verziehen. Zwei, drei Sekunden verstrichen und Vios Anspannung wuchs ins Unermessliche. Würde er sie jetzt küssen?
„Alles klar bei dir?“
Okay, Küssen war offensichtlich nicht angesagt.
„Ja, geht schon“, stieß sie nervös hervor. Von ruhigem Atmen war sie fast ebenso weit entfernt wie direkt nach ihrem Sturz aus dem Boot. Aber Bene schien es gar nicht zu bemerken.
„Ich fasse es nicht“, verkündete er fröhlich. „Da gibt es auf der ganzen Strecke bis Oberrad nur eine einzige Weide, die derart tief über den Main hängt, und genau die müssen wir treffen.“ Er lachte.
Der Mann hatte wirklich ein sonniges Gemüt! Aber immerhin hatte er sehr diplomatisch ‚wir’ gesagt, obwohl glasklar war, wen die Schuld an dieser Schwimmeinlage traf.
„So, lass uns mal das Boot ans Ufer schleppen, damit wir wieder heil hineinkommen. Und dann ist zurückrudern angesagt.“
Folgsam begann Vio mit einer Hand am Boot hinter ihm her die kurze Strecke zum Ufer zu schwimmen. Dabei hoffte sie inständig, dass er mit ‚zurückrudern’ nur das Boot gemeint hatte.


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UUUUND konnte ich euch nun etwas neugieriger auf das Buch machen? Ich hoffe es doch mal sehr. Zu dem Buch habe ich noch eine kleine Überraschung für euch, dazu aber mehr die Tage auf meinem Blog *zwinker*

Montag, 8. September 2014

Montags Frage




Weitere Infos gibts bei Libromanie.



GAB ES SCHON MAL EINE SITUATION, IN DER DIR DAS LESEN IN DER ÖFFENTLICHKEIT PEINLICH WAR?

Nööö zum Glück noch nicht, noch nicht als ich damals Shades of Grey gelesen hatte und meine Kollegin immer peinlich berührt rote Flecken im Gesicht bekam. 


Sonntag, 7. September 2014

[Autorenvorstellung] Martina Gercke



Bitte stelle dich doch bitte den Lesern vor:
Mein Autoren und echter Name ist Martina Gercke. Ich lebe mit meinem Mann und meinen zwei erwachsenen Kindern in meiner Lieblingsstadt Hamburg. Aufgewachsen bin ich allerdings in Karlsruhe, wo ich auch zunächst an der Pädagogischen Hochschule Physik und Sport für Lehramt studiert habe. Allerdings kommt es im Leben bekannterweise ja oft anders als man denkt und so bin ich letztendlich bei der deutschen Lufthansa zunächst als Flugbegleiterin und später als Purser für Langstreckenflugzeuge gelandet.
Zum schreiben bin ich erst sehr spät gekommen. Eigentlich waren es meine Kinder die mich dazu gebracht haben, meine Ideen zu Papier zu bringen. Seitdem ist allerdings kaum ein Tag vergangen, an dem ich nicht geschrieben habe. Ich fliege nach wie vor beruflich durch die Welt, aber schreiben kann man ja Gott sei Dank überall.
Ansonsten bin ich ein absoluter Sportjunkie, (da kommt die ehemalige Sportstudentin in mir durch). Wenn es meine Zeit zulässt jogge ich um die Alster  oder gehe ins Fitness Studio, wo ich leidenschaftlich gerne an Yoga, Pilates, Zumba und Complete Body Workout Stunden teilnehme.
Meine Abende verbringe ich am liebsten mit meiner Familie in unserer gemütlichen Wohnküche bei einem guten Essen/Wein oder mit unseren Freunden.


Bücher schreiben bedeutet für mich:
Das ich meiner Fantasie freien Lauf lassen und in eine Geschichte eintauchen kann. Ich sehe, höre, fühle, rieche und schmecke meine Geschichten am Schreibtisch. Schreiben ist für mich ein Stück Freiheit und eine wunderschöne Leidenschaft.

Lesen bedeutet für mich:
Erholung vom Alltag und das Eintauchen in andere Gedankenwelten. Beim lesen kann ich so richtig abschalten und genießen. Bücher sind meine treuen Wegbegleiter seit ich lesen kann. Früher waren es  Abenteuerbücher, heutzutage sind es eher die Fantasy - und Liebesromane, die mich begeistern. Ich lese in der Woche im Schnitt ein bis zwei Bücher. Diese Auszeit gönne ich mir und sei es, dass ich bis spät in der Nacht über einem Buch hänge.

Homepage oder Blog / Facebook Seite:

martinagercke.com


Twitter Martina Gercke  https://twitter.com/MartinaGercke


Die Bücher:
Holunderküsschen
Champagnerküsschen
Glücksstern mit Schwips
Alles nur (k)ein Mann, zusammen mit Katja Schneidt
Liebe auf Reisen

Hier entstehen meine Werke:
Ich habe in Hamburg einen Schreibtisch, den ich mir mit meinem Mann teile (siehe Foto). Aber da ich beruflich bedingt auch sehr viel unterwegs bin, ist auch häufig das Hotelzimmer mein jeweiliger Arbeitsplatz ;-)







Samstag, 6. September 2014

[MiniRezension] Gefährlicher Rausch von Katrin Rodeit




Autorin: Katrin Rodeit


  • Broschiert: 313 Seiten
  • Verlag: Gmeiner, A; Auflage: 1 (2. Juli 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3839215714
  • ISBN-13: 978-3839215715
  • Größe und/oder Gewicht: 19,8 x 11,8 x 2,4 cm

Mein Dankeschön geht an die sympatische Autorin, die mir ein Exemplar zur Verfügung stellte.

Inhalt laut Amazon: Privatdetektivin Jule Flemming soll ermitteln, wer der Tochter des Bürgermeisteranwärters die Vergewaltigungsdroge GHB ins Getränkt gemischt hat. Doch sie stößt auf eine Mauer des Schweigens. Wer verbirgt was? Nichts scheint zu sein, wie es ist, und Jule wird selbst Opfer eines feigen Anschlages. Was verbirgt der Kriminalkommissar Mark Heilig? Dann verschwindet der Hauptverdächtige. Und plötzlich nimmt alles an Fahrt auf, aber in eine ganz andere Richtung …

Meine Meinung: Der Tochter des Bürgermeisters wurde in einem Club die Vergewaltigungsdroge GHB ins Getränkt gemischt. Jule Flemming von Beruf Privatdetektivin soll nun ermitteln, aber sie stößt dabei auf eine große Wand des Schweigens bis ein Mord passiert und sie dann plötzlich Opfer eines Anschlages wird. Wer steckt hinter all dem? Wird es Jule gelingen diesen Fall zu lösen? Wenn ihr nun wissen wollt, wer der Täter ist, sollte sich das Buch schnappen und es selber "ermitteln".

Dies ist der 2. Teil der "Jule" Reihe von Autorin Katrin Rodeit. Da aber alle Bände ineinander abgeschlossen sind, kann man den zweiten Teil auch lesen, ohne den ersten zu kennen. Kleine Anmerkung am Rande *g*

Die Autorin versteht es auch in diesem Fall um Jule Flemming viel Spannung, Dramatik und Gefühl einfließen zu lassen. So wusste ich lange Zeit nicht, wer der Täter sein könnte. Hatte ich eine Vermutung, so wurde ich auf eine andere Spur gebracht. Ich habe das Buch innerhalb von 2 Tagen verschlungen, weil ich einfach so gepackt und gefesselt wurde und immer wissen wollte, wer nun der Täter ist.

Wir erleben die Protagonistin Jule Flemming mutig, zielstrebig, gewissenhaft und mit einer Portion Herz die ihren Fall gut machen möchte, aber auf ziemlichen Widerstand der Beteiligten stößt. Was ich auch toll fand, das man etwas mehr Einblicke in Jules Privatleben bekam. Die nervende Mutter zum Beispiel oder aber auch ihr Bruder Sebastian. Jule zeigt in diesem Teil auch, das in ihr eine gute Sängerin schlummert und so darf sie im Jazz Keller die Bühne rocken, was sie sehr gut meistert.
Hier ist der Autorin der gute Mix zwischen Jules beruflicher Tätigkeit und ihrem Privatleben gelungen.

Die Befreiung am Ende von diesem Polizisten hätte meiner Meinung nach noch spannender und packender sowie dramatischer von statt sein können, war so leider ziemlich  spektakulär gewesen. auch das es kleinere Andeutungen zum ersten Teil gab, verwirrten mich ziemlich. Wer da jetzt den ersten teil nicht kennt, wäre noch verwirrter als jemand der ihn kennt.

Fazit: Wer gute und spannende Unterhalt sucht, der ist hier genau richtig und sollte sich schnellstens ein Exemplar sicher. Und ich hibbel schön sehnsüchtig Teil 3 entgegen, der aber leider erst im Juli 2015 erscheinen wird.

Meine Bewertung: 

Freitag, 5. September 2014

[FF] Deutscher Follow Friday




Weitere Infos gibts HIER:





Freitagsfrage: 
Als ich letztens mein Regal aufgeräumt habe, kam mir ein Stapel Lesezeichen entgegen. Zum Teil wusste ich gar nicht mehr, wo ich die her habe. Wie sieht's bei euch aus, habt ihr ein bestimmtes Lieblingslesezeichen oder wird einfach genommen, was gerade da ist: Quittungen, Löffel, Taschentücher ...?



Also ich habe ja ein ganzes Kästchen voll mit Lesezeichen. Früher habe ich recht oft das genommen was mir in die Finger kam. Aber davon hab ich jetzt kein Bild.




Am liebsten aber habe ich diese beiden im Moment:




wie sieht es denn bei euch so aus? Bin gespannt =)

Donnerstag, 4. September 2014

[Lesedeal] Three H(e)ar(t)d Beat (Heart Hard Beat) von Janessa Bears



Fans dieser Trilogie dürfen sich jetzt auf ein exklusives Häppchen freuen. Die liebe Janessa Bears konnte ich für einen Lesedeal überreden. Wer jetzt schon in Band 3 reinschnuppern möchte, darf dies gerne tun. Das eBook wird am 9.9 erhältlich sein:



Perspektivwechsel

Tag aus, Tag ein sehe ich denselben genrelosen Film und der einzige Unterschied dabei ist das Wetter. Mal werden die Szenen von der Sonne begleitet, mal von einem getrübten Himmel, aber so richtig melancholisch sind die Bilder erst bei Regen, und nur wenn der Himmel mir in dieser Form Gesellschaft leistet, gelingt es mir mitzuweinen.
Im Gegensatz zu den dadurch staubfreien Straßen bleibt mein Schmerz trotz des Regelfalls beständig. Nichts vermag so viel Kraft zu haben, um ihn wegzuspülen. Ebenso gelingt es weder mir noch meinem Gewissen, die Gefühle erneut in die Schranken zu weisen. Die Eisenstreben einer vermeintlichen Gefühlskälte sind ihnen einfach zuwider.
Nie wieder!, protestiert eine leise Stimme in meinem Kopf. Selbstauferlegte Grenzen sind doof, starke Frauen ein Fake und ein gebrochenes Herz unheilbar.
Und was soll ich sagen?
Ob ich will oder nicht, muss ich dieser Stimme recht geben!
Als Luke in meiner Nähe war und trotz seines Fehltritts treu ergeben jede Inszenierung meines »Friede-Freude-Eierkuchen-Theaterstücks« besuchte, hatte ich zumindest einen Grund, um Stärke vorzugaukeln.
Nun aber ...
Ja, was nun?, frage ich mich selbst.
Es gibt fortan niemanden mehr in den Zuschauerreihen, der nicht ganz genau weiß, dass ich bluffe.
Habe ich behauptet, dass mich alles, was geschehen ist und der Ausgang unserer Beziehung kalt lässt, handelte es sich immer wieder um Selbstbetrug. Wenn ich auch noch drauf beharrt habe, dass ich Luke nicht liebe, war das dann das i-Tüpfelchen auf dem Sahnehäubchen meines Lügencocktails.
Zugegeben, ich verabscheue mich selbst dafür, diese linke Nummer konsequent durchgezogen zu haben, jedoch ist selbst dieses Gefühl irrational.
Aberwitzig, weil es mir zum einen anstelle der Hilfe und Erleichterung lediglich die nächsten Grübeleien einbringt und das Glück noch weiter von mir forttreibt.
Luke, die vergangenen Monate, unsere unzähligen Gespräche, die wir entweder im Chat oder in der Wirklichkeit geführt haben, unsere Lieder, die dazu zusammen komponierten Melodien, letzten Endes unser gemeinsames Erfolgserlebnis stellen diesen einen Morgen – zumindest den schlimmeren Teil davon – in den Schatten.
Früher hielt ich es für ein Ammenmärchen, als ich hörte, dass man sehr leicht verzeihen kann, sobald die Liebe im Spiel ist, jetzt muss ich aber einsehen, dass das eine Tatsache ist. Trotz der vermeintlich kalten Schulter, die ich Luke andauernd gezeigt habe, blieb es in meiner Brust beständig warm, weil ich fortwährend an dem Glauben festgehalten habe, dass es ein Happy End geben wird.
Ob es daran liegt, dass ich in einer auf Happy-End-fixierten Gesellschaft groß geworden bin?
Oder einfach nur daran, dass mein Freund der beste Mann auf Erden war?
Irgendwas in mir schreit danach, endlich einzusehen, dass es bereits egal ist, weil es den Typen, dem ich derzeit am liebsten eine Ohrfeige verpassen und dann sofort die brennende Stelle mit Küssen übersäen würde, nicht mehr gibt.
Seinen Blick, der mir unter die Haut geht, seine Stimme, die mir immer einen wohligen Schauer über den Rücken jagt, das Funkeln dieser unbeschreiblich schönen grünen Augen und die lässige Art, mit der er sich eine andauernd rebellierende dunkle Haarsträhne aus der Stirn gestrichen hat, werde ich niemals wieder sehen.
Fernerhin werde ich weder die Sanftheit seiner Lippen noch die Zärtlichkeit seiner Finger zur Befriedigung meiner Sinneswünsche beanspruchen können und eben das ist es, was mich fertigmacht!
Voller Unglauben und dem dringenden Bedürfnis lauthals »Stop!« zu schreien, sehe ich zu wie meine Erinnerungen langsam verblassen, weil es nicht ein Foto gibt, welches mein Bewusstsein mit Details versorgen könnte, und jedes Mal, wenn mir der Verlust einer weiteren – auch im Grunde unwichtigen – Kleinigkeit auffällt, stelle ich mir die Frage, wer auf den Blödsinn gekommen ist, dass ein Mensch Bildnisse in seinem Herzen bewahrt. Luke gehört mein Herz bis zur letzten Faser, trotzdem habe ich Angst, ihn irgendwann zu vergessen ...
Zittrig fahren meine Finger entlang der Fensterscheibe, ohne sie allerdings zu berühren und der Blick nach draußen verrät mir, dass heute kein Tag ist, an dem ich weinen werde. Nicht ein Wölkchen hat es heute gewagt, den Himmel über Frankfurt zu trüben, wohingegen eine Menge Sonnenstrahlen jeden Winkel der langsam zum Leben erwachenden Stadt überfluten.
Ein mir bereits bestens bekanntes Summen – zusammenhanglose Fragen und merkwürdige Zusicherungen – durchbricht meine Gedanken. Das bringt mich dazu, tief Luft zu holen und ein paar weitere Fragen darum zu bitten, sich hinter die meterlange Fragenschlange an der Verstandskasse einzureihen.
Da stehen sie nun, die Fragen wie »Warum meint neuerdings jeder, auf mich einreden zu müssen?« und »Sehe ich tatsächlich so aus, als ob ich nicht genug eigene Scheiße im Kopf hätte?« und treten vor lauter Ungeduld von einem Fuß auf den anderen.
Tja! Sollte ich ihnen vielleicht mitteilen, dass es sich nur noch um Jahre handeln kann?
Fairer wäre es zumindest ...
Okay! Durchsage: Willkommen im Einkaufszentrum für schnelle Antworten, das Geschäft mit den wohl langsamsten Mitarbeitern auf Erden!
Wie lange ich noch dagesessen und in Gedanken über meine mangelnde Auseinandersetzungsfähigkeit hergezogen hätte, weiß Gott allein, jedoch höre ich einen Satz heraus, den ich in den letzten Wochen viel zu oft zu hören bekam.
»Ich an deiner Stelle würde ...«
Hierbei erklingt das schrille Pfeifen meiner quietschenden Logikreifen, weil irgendwas in meiner Mitte die Handbremse anzieht. Es kommt zu einem üblen »Overdrive« – die neuen Fragen passen einfach nicht mehr rein – und der Schweigeknoten platzt.
»Niemand ist an meiner Stelle«, wispere ich heiser, ohne meinen Blick von der karamellbraunen, schwappenden Menge in meiner Tasse zu reißen. »Bildet sich jemand von euch tatsächlich ein, meine innere Hohlheit nachempfinden zu können? Den Schmerz? Die Angst? Oder handelt es sich hierbei um eine standardisierte Floskel, die man bei jeder Gelegenheit verwenden kann?«
Das monotone Summen, für welches diesmal Sergiu verantwortlich war, verstummt.
»Habe ich gerade geträumt, oder ...«
»Nein, hast du nicht!«, unterbreche ich ihn. »Ich sagte, dass ... niemand von euch wissen kann, wie er an meiner Stelle gehandelt hätte, weil – wenn man es ganz genau nimmt – niemand von euch weiß, was ich fühle oder denke.«
Nur zaghaft führt er seine Hand in Richtung meiner und streift diese einem Windhauch gleich. »Natürlich nicht, Kleines! Aber es gibt einige, die diesen Umstand wirklich gern ändern würden.«
Von seinem Sanftmut zumindest im Ansatz begütigt, fühle ich mich geneigt, einzulenken, bemerke jedoch nur einen Augenblick später, dass ich mittlerweile vergessen habe, wie man eine halbwegs normale Konversation führt.
Welch Glück, dass mein Gesprächspartner offenbar mit demselben Problem zu kämpfen hat. Anstelle einer krampfhaften Suche nach einem halbwegs passablen Gesprächsthema schweigen wir uns deshalb einfach nur an.
Sobald ich einen weiteren Schluck aus meiner Tasse nehme, schaut Sergiu zu mir auf und bedenkt die letzte Handlung mit einem resignierten Kopfschütteln.
»Wenn du weiterhin eine Tasse Kaffee nach der anderen in dich hineinkippst, muss ich entweder die Arbeitstüchtigkeit des Wasserkochers sabotieren oder aber ...«
»Ist doch nur Sana!«, falle ich ihm ins Wort. »Mit gaaaaanz viel Milch!«
»Nur weil ich den Namen des Giftes kenne, muss ich seine Einnahme noch lange nicht befürworten.«
Um seinen Worten Ausdruck zu verleihen, nimmt er mir doch tatsächlich den Kaffee weg.
»Es ist entkoffeiniert, ergo kein Gift, sondern Seelenbalsam.«
»Trotzdem ... Iren hat gesagt, dass sie mir die Ohren jeweils um so viele Meter langzieht, wie viele Kilos von dir runterpurzeln und wer, wenn nicht du weiß, dass sie ihre Drohung zwangsläufig wahrmacht? Du bist doch mit ihrer Neigung zur Übertreibung großgeworden!«
Obwohl es mich durchaus amüsiert, bleibe ich ernst. »Tja, dann wirst du die Tür beim nächsten Besuch wohl oder übel geschlossen halten müssen!«
Auch Sergiu legt sein Lächeln schneller ab, als er es vorher aufgesetzt hat. »Wenn du ihnen endlich sagst, was Sache ist, dann gern. Bis dahin ...«
»... wirst du ihnen weiterhin breitwillig die Tür öffnen und mich durch ihr Mitleid berauschen lassen?«
Mein Missmut hätte nicht offensichtlicher sein können, ist allerdings mehr als begründet und deswegen unvermeidlich. Seit einer Woche lässt er jeden Besucher in unsere Wohnung und somit auch gleich in meine kleine Welt eintreten. Und was noch schlimmer ist: Jeden Tag dieser Woche war auch wirklich jemand da.
Es erinnert mich zwangsläufig an Besuche im Krankenhaus ...
Kleines Zimmer, wenig Luft, noch weniger Licht, dafür aber eine große Anzahl von Menschen, die allesamt keine Ahnung haben, was sie sagen sollen und deswegen irgendeinen Stuss von sich geben.
Kurzum: Es ist beklemmend, verstörend und höchst unangenehm!
Sergiu verschränkt seine Finger und legt sie zu sich in den Nacken. Für seinen Gesichtsausdruck gibt es nur eine Bezeichnung: Verzagtheit.
»Tu das nicht ...!«, höre ich ihn leise fordern.
»Was?«
»Versink bitte nicht mehr in deinen Gedanken! Oder lass mich wenigstens daran teilhaben.«
Das klingt, als wäre er der absoluten Verzweiflung nahe und wenn es eins gibt, was meinem Leid derzeit noch gefehlt hat, dann das.
Noch hat er keine Ahnung, was in meinem Inneren vorgeht, weiß nicht, dass ich sein großzügiges und selbstloses Angebot zwar mehr als gerne annehmen würde, jedoch eine Fehlentscheidung für uns beide darin vermute.
Wie wird er sich aber fühlen, sobald ich ihn darüber in Kenntnis setze?
Wird es vielleicht sogar unsere Beziehung verändern?
Meine Welt wäre eine andere, um nicht zu sagen, unerträglich anders, wenn auch er sich vor der Zickhexe Caprice Rosenberg in Sicherheit bringen würde.
»Sorry ...«, sage ich.
»Wüsste nicht, wofür. Es gibt nur einen, der allen Grund hätte, um sich zu entschuldigen. Und zwar mich.«
»So ein Unsinn. Du hast dir nichts zuschulden kommen lassen. Ich bin einfach nur überwältigt von unserem Gewinn, der ganzen neuen Situation und ... ich frage mich andauernd, was ich machen soll.«
»Weißt du, dass man in einer scheinbar ausweglosen Lage einfach die Sichtweise ändern muss, um eine Lösung zu finden?«
»Was im Klartext heißt ...?«
»Lass uns rausgehen, einen schönen Baum mit kräftigen Ästen suchen und einen Blick aus der Fledermausperspektive auf unser verkorkstes Leben werfen!«
Ein nervöses Kichern entfährt meinen Lippen.
»Das ist jetzt aber nicht dein ernst, oder?«
Schließlich lacht auch er und schüttelt den Kopf.
»Nee, nicht wirklich. Ich bin aber der Meinung, dass wir wirklich raus müssen. Du bist blass, dein Koffeinkonsum – gelinde gesagt – haarsträubend und meine Sommersprossen wollen in diesem Jahr überhaupt nicht durchkommen. Also ...«
»... gehen wir spazieren?«, rate ich.
»Fast«, nickt Sergiu. »Wir machen ein Picknick am Mainufer.«
Mainufer?
Ich?
Keine gute Idee!
Sag nein, Price! Sag sofort nein!, verlangt mein Verstand.
»Klingt toll ...«, antworte ich allen meinen inneren Ängsten zum Trotz und gleite von der Fensterbank. Sergiu versperrt mir den Weg und ist so viel größer als ich, dass ich ihm selbst auf Zehenspitzen nur bis zum Kinn reiche. Das fühlt sich auf einmal irgendwie beklemmend an, weshalb ich dem direkten Blickkontakt auf der Stelle ausweiche.
»Soll ich irgendwas einpacken?«, frage ich im Flüsterton.
Die Antwort ähnelt einem Hauch und ist bestimmt nur deswegen hörbar, weil abgesehen von unseren Atemzügen nur noch die Wanduhr die Stille durchbricht.
»Die alte Price«, sagt Sergiu, als er zur Seite tritt.
Drei einfache Worte und dennoch sorgen sie dafür, dass mein Herz sich in einen Bohrhammer verwandelt und bald darauf scheinbar kurz davor ist, ein Loch in meine Rippen zu hauen.
Nicht etwa weil mir dieser Wunsch sehr nahe geht, sondern viel mehr deswegen, dass ich ihn bereits in einer ähnlichen Form zu hören bekommen habe.
Keine zwei Monate sind seither vergangen, trotzdem kommt es mir so vor, als ob das alles in einer für mein Erinnerungsvermögen nicht mehr greifbaren Vergangenheit zurückliegt.
Luke ...
Ist er denn überall?
Wird das von jetzt an immer so sein, dass mich ein einziger Satz, eine Geste, eine Farbe, ein Lied, ein Geruch oder ein Gefühl an ihn erinnern wird?
Wie leben die anderen Menschen weiter, wenn sie jemand dermaßen Wichtigen verlieren? Und tun sie das überhaupt, oder ist es fortan nur noch ein Existieren und Funktionieren?
Fragen über Fragen und nur eine Antwort: Perspektivwechsel sind toll, aber nichts, was ich aus freien Stücken hinbekommen könnte.
Wenngleich es schmerzt und jede Erinnerung dazu führen kann, dass ich erneut in die Tiefen einer Depression abrutschen kann, will ich ihn nicht vergessen.
Lernen, wie ich damit weiterlebe?
Ja!
Hoffen, dass es eines Tages leichter wird?
Ebenfalls.
Ihn aber aus meinem Gedächtnis, Herzen und der Seele streichen?
Niemals.
Es ist wie in der Strophe unseres Liedes:
I didn’t believe that love can give us wings,
until i met my soul in you.
Now i think, it´s maybe true,
and i fearless fall into the ocean of green and blue.
Meine Flügel sind zusammen mit Sky alias Luke abhandengekommen, und wenn ich schon auf sie verzichten muss, will ich mich an den einen Moment für immer erinnern, in dem ich dem Mond und einem klaren Himmel näher als der Erde war.


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Das klingt doch auf jeden Fall sehr vielversprechend und spannend, oder? auch das Cover sieht klasse aus und passt sich sehr gut der anderen Cover an.

Mittwoch, 3. September 2014

[Autorenvorstellung] Isabelle Wallat







Bitte stelle dich doch bitte den Lesern vor:
Hallo, alle zusammen. Mein Name ist Isabelle und ich komme aus dem schönen Sachsen. Mein Leben war bisher ziemlich Abenteuerlich. Ich habe mich in den letzten Jahren mit verschiedenen kleinen Jobs und insgesamt drei Ausbildungen über Wasser gehalten, bis ich schließlich den Beruf fand, der mir am meisten von allen Gefällt. Das Schreiben hat mich in all den Jahren immer begleitet, wie eine der wenigen Konstanten in meinem Leben.

Bücher schreiben bedeutet für mich:
Welten lebendig werden zu lassen und den Helden meiner Geschichte ein Gesicht zu geben. Ich konnte mich schon immer durch Schreiben besser ausdrücken als mit Worten allein. Meist ist es aber so, dass mir die Ideen durch ein Bild oder ein Lied zufliegen und dann greife ich zu Stift und Papier und notiere, was mir in den Sinn kommt. Wenn ich schreibe blende ich meist meine Umgebung aus und versinke in der Welt die ich gerade erschaffe.

Lesen bedeutet für mich:
In fremde Welten abtauchen. Lesen ist nach dem Schreiben meine Lieblings Beschäftigung. Am liebsten ziehe ich mich mit einem guten Buch auf mein Sofa zurück und tauchte in die Welt des Buches ab. Oft vergesse ich dabei die Zeit und wundere mich dann, warum es schon wieder ein Uhr morgens ist. Mein Regal biegt sich langsam unter den vielen Bücher, doch ich würde keines davon je wieder hergeben. Sie sind meine Schätze und es kommen immer wieder neue hinzu.

Homepage oder Blog/ Facebook Seite:

Die Bücher:
Bisher habe ich mit „Priestergabe“ nur einen Roman veröffentlichen können. Zurzeit arbeite ich mit viel Eifer an der Fortsetzung. Es gibt allerdings noch einige weitere Projekte, die schon auf meinem Schreibtisch liegen und einen Verlag kennenlernen möchten oder die noch in meinem Kopf herum geistern und niedergeschrieben werden wollen.

Hier entstehen meine Werke: 
Das meiste Schreiben erledige ich zwar an diesem Platz, doch ich habe immer in Notizbuch und einen Stift bei mir, sodass ich überall schreiben kann.


Dienstag, 2. September 2014

[MiniRezension] Two H(e)ar(t)d Beat (Heart Hard Beat) von Janessa Bears




Autorin: Janessa Bears
  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 6567 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 234 Seiten
  • Verlag: THG-Verlag; Auflage: 1 (28. Juni 2014)
  • Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B00LAI2E9Q

  • Ein herzliches Dankeschön geht an die sympatische Janessa Bears, die mir ein Exemplar zur Verfügung stellte.

Inhalt laut Amazon: Price ist mittlerweile 18 Jahre alt, frisch verliebt, glücklich vergeben und ein Semester näher dran, an ihrem großen Traum vom Leben als Rockstar. 
Doch auch dieses ist bekanntlich (k)ein Ponyhof, weshalb das Schicksal selbst ihre Schulung in seine zuweilen ungnädige Hände nimmt und einige Hürden vor ihr aufstellt.
Wie sie diese meistert und vor allem mit wessen treuer Gesellschaft, erfahrt Ihr in Two H(e)ar(t)d Beats, dem zweiten Teil aus der Herat Hard Beat Reihe


Meine Meinung: Caprice ist inzwischen 18 Jahre jung, glücklich verliebt und vergeben in und an ihren "Skyler" und nun schon ein Semester näher am großen Traum, ein Rockstar zu werden. Wenn da nicht das "liebe" Schicksal wäre, das der jungen Frau ganz schön zusetzten wird. Aber lest doch einfach selber weiter.


Das Cover des zweiten Bandes ist auch wieder ein absoluter Blickfang und sieht er schön gestaltet aus. 
Der Schreibstil von Janessa Bears ist wieder sehr flüssig und locker leicht geschrieben und auch dieses mal konnte ich sehr schnell in die spannende Geschichte um Price & Luke eintauchen, die ja aus drei Sichtweisen erzählt wird: Price, "Sky" und Sergiu, aber das störte den Lesefluss kein bisschen.

Ich stürzte mich voller Erwartungen auf den zweiten Band, allerdings wurde ich kleinwenig enttäuscht, die Geschichte konnte mich nicht 100% in ihren Bann ziehen, wie der erste Teil. Wahrscheinlich hatte ich zu viel und anderes erwartet, denn vieles war hier irgendwie so vorhersehbar gewesen.

Die Protagonisten machen einen recht großen Wandel durch im Laufe der Geschichten, welche von der Autorin wunderbar beschrieben worden sind. Price ist mit ihren 18 Jahren sehr viel erwachsener und reifer geworden .Die Gefühle fahren hier rasant Achterbahn, so das ich als Leser mit dem hineinfühlen nicht immer ganz mitkam.
Leider konnte ich so manche Handlungen von Price & Luke  nicht wirklich so ganz nachvollziehen und hätte gern eingegriffen in die Geschichte oder hätte mir eine andere Wendung gewünscht. Denn was ja dabei rauskommt, wenn man nicht miteinander kommunieziert, das macht es in dieser Geschichte wieder mal sehr deutlich.

Schön fand ich es auch, das in diesem Band der liebe Sergiu viel mehr zu Wort kommen durfte, als im ersten Band. So konnten wir auch seine Sicht der Dinge & Emotionen erfahren.

Fazit: Trotz allem hibbel ich den dritten Teil schon sehnsüchtig entgegen. Wer den ersten Teil schon mochte und die Protagonisten liebte und in sein Leserherz geschlossen hatte, wird auch diese Geschichte lieben und wieder in sein Leserherz schließen. 

Meine Bewertung: 

Montag, 1. September 2014

[Hessisch Gebabbel] Blicken wir auf den August zurück




Mein Lesemonat August war für mich persönlich mit 10 gelesenen Büchern sehr gut. Zusammen sind das 2850 Seiten. Wow absolut klasse =)

01. Dani Atkins mit Die Achse meiner Welt
02. Rose Snow mit Was sich liebt das rächt sich nicht
03. Alexandra Pilz mit Zurück nach Hollyhill (keine Rezension)
04. Patricia Schröder mit Meeresrauschen (keine Rezension)
05. Mira Morton mit Ich will kein Autogramm
06. Mira Morton mit Ich will keinen Bodyguard (Rezi folgt im September)
07. Jennifer J. Grimm mit Zwischen Blut & Schatten
08. Janessa Bears mit Two Heart Hard Beats (Rezi folgt im September)
09. Katrin Rodeit mit gefährlicher Rausch (Rezi folgt im September)
10. Katja Schneidt & Alice Winter mit Vom Frosch geküsst (Rezi folgt im September)

Meine Bookdealereien vom Monat August:



Die drei Erich Kästner Bücher waren mein Gewinn vom Blog Ka-Sa´s Buchfinder & das vierte Buch ware eine tolle Überraschung der Autorin Ally Taylor aka Anne Freytag.

Emil & die Detektive
Pünktchen & Anton
Das fliegende Klassenzimmer
Make it count - Dreisam

Am 20. September findet unser schon 7. We Love Books Treffen in Frankfurt statt. wer gerne mal teilnehmen möchte, egal ob als Blogger, Leser oder Autor, einfach mir eine Email schicken =)


Hier könnt ihr den Bericht vom 6. We Love Books Treffen nachlesen.

Startet gut in den Monat September und lasst es euch gut gehen.

Eure 



Montagsfrage




Weitere Infos gibts bei Libromanie.


WO BEFINDEST DU DICH GEOGRAPHISCH GERADE IN DEINER LEKTÜRE?

Ich aktuell literarisch hüpfe durch Frankfurt am Main Hessen/Germany. Und das schöne ist, ich kenne zum Teil die Schauplätze sogar live, da ich öfters in Frankfurt bin.