Fans dieser Trilogie dürfen sich jetzt auf ein exklusives Häppchen freuen. Die liebe Janessa Bears konnte ich für einen Lesedeal überreden. Wer jetzt schon in Band 3 reinschnuppern möchte, darf dies gerne tun. Das eBook wird am 9.9 erhältlich sein:
Perspektivwechsel
Tag aus, Tag ein sehe ich denselben genrelosen Film und der einzige Unterschied dabei ist das Wetter. Mal werden die Szenen von der Sonne begleitet, mal von einem getrübten Himmel, aber so richtig melancholisch sind die Bilder erst bei Regen, und nur wenn der Himmel mir in dieser Form Gesellschaft leistet, gelingt es mir mitzuweinen.
Tag aus, Tag ein sehe ich denselben genrelosen Film und der einzige Unterschied dabei ist das Wetter. Mal werden die Szenen von der Sonne begleitet, mal von einem getrübten Himmel, aber so richtig melancholisch sind die Bilder erst bei Regen, und nur wenn der Himmel mir in dieser Form Gesellschaft leistet, gelingt es mir mitzuweinen.
Im Gegensatz zu den dadurch staubfreien Straßen bleibt
mein Schmerz trotz des Regelfalls beständig. Nichts vermag so viel Kraft zu
haben, um ihn wegzuspülen. Ebenso gelingt es weder mir noch meinem Gewissen,
die Gefühle erneut in die Schranken zu weisen. Die Eisenstreben einer
vermeintlichen Gefühlskälte sind ihnen einfach zuwider.
Nie wieder!, protestiert
eine leise Stimme in meinem Kopf. Selbstauferlegte Grenzen sind doof, starke
Frauen ein Fake und ein gebrochenes Herz unheilbar.
Und was soll ich sagen?
Ob ich will oder nicht, muss ich dieser Stimme recht
geben!
Als Luke in meiner Nähe war und trotz seines Fehltritts
treu ergeben jede Inszenierung meines »Friede-Freude-Eierkuchen-Theaterstücks«
besuchte, hatte ich zumindest einen Grund, um Stärke vorzugaukeln.
Nun aber ...
Ja, was nun?, frage ich
mich selbst.
Es gibt fortan niemanden mehr in den Zuschauerreihen, der
nicht ganz genau weiß, dass ich bluffe.
Habe ich behauptet, dass mich alles, was geschehen ist
und der Ausgang unserer Beziehung kalt lässt, handelte es sich immer wieder um
Selbstbetrug. Wenn ich auch noch drauf beharrt habe, dass ich Luke nicht liebe,
war das dann das i-Tüpfelchen auf dem Sahnehäubchen meines Lügencocktails.
Zugegeben, ich verabscheue mich selbst dafür, diese linke
Nummer konsequent durchgezogen zu haben, jedoch ist selbst dieses Gefühl
irrational.
Aberwitzig, weil es mir zum einen anstelle der Hilfe und
Erleichterung lediglich die nächsten Grübeleien einbringt und das Glück noch
weiter von mir forttreibt.
Luke, die vergangenen Monate, unsere unzähligen
Gespräche, die wir entweder im Chat oder in der Wirklichkeit geführt haben,
unsere Lieder, die dazu zusammen komponierten Melodien, letzten Endes unser
gemeinsames Erfolgserlebnis stellen diesen einen Morgen – zumindest den
schlimmeren Teil davon – in den Schatten.
Früher hielt ich es für ein Ammenmärchen, als ich hörte,
dass man sehr leicht verzeihen kann, sobald die Liebe im Spiel ist, jetzt muss
ich aber einsehen, dass das eine Tatsache ist. Trotz der vermeintlich kalten
Schulter, die ich Luke andauernd gezeigt habe, blieb es in meiner Brust
beständig warm, weil ich fortwährend an dem Glauben festgehalten habe, dass es
ein Happy End geben wird.
Ob es daran liegt, dass ich in einer auf
Happy-End-fixierten Gesellschaft groß geworden bin?
Oder einfach nur daran, dass mein Freund der beste Mann
auf Erden war?
Irgendwas in mir schreit danach, endlich einzusehen, dass
es bereits egal ist, weil es den Typen, dem ich derzeit am liebsten eine
Ohrfeige verpassen und dann sofort die brennende Stelle mit Küssen übersäen
würde, nicht mehr gibt.
Seinen Blick, der mir unter die Haut geht, seine Stimme,
die mir immer einen wohligen Schauer über den Rücken jagt, das Funkeln dieser
unbeschreiblich schönen grünen Augen und die lässige Art, mit der er sich eine
andauernd rebellierende dunkle Haarsträhne aus der Stirn gestrichen hat, werde
ich niemals wieder sehen.
Fernerhin werde ich weder die Sanftheit seiner Lippen
noch die Zärtlichkeit seiner Finger zur Befriedigung meiner Sinneswünsche
beanspruchen können und eben das ist es, was mich fertigmacht!
Voller Unglauben und dem dringenden Bedürfnis lauthals
»Stop!« zu schreien, sehe ich zu wie meine Erinnerungen langsam verblassen,
weil es nicht ein Foto gibt, welches mein Bewusstsein mit Details versorgen
könnte, und jedes Mal, wenn mir der Verlust einer weiteren – auch im Grunde
unwichtigen – Kleinigkeit auffällt, stelle ich mir die Frage, wer auf den
Blödsinn gekommen ist, dass ein Mensch Bildnisse in seinem Herzen bewahrt. Luke
gehört mein Herz bis zur letzten Faser, trotzdem habe ich Angst, ihn irgendwann
zu vergessen ...
Zittrig fahren meine Finger entlang der Fensterscheibe,
ohne sie allerdings zu berühren und der Blick nach draußen verrät mir, dass
heute kein Tag ist, an dem ich weinen werde. Nicht ein Wölkchen hat es heute
gewagt, den Himmel über Frankfurt zu trüben, wohingegen eine Menge
Sonnenstrahlen jeden Winkel der langsam zum Leben erwachenden Stadt überfluten.
Ein mir bereits bestens bekanntes Summen –
zusammenhanglose Fragen und merkwürdige Zusicherungen – durchbricht meine
Gedanken. Das bringt mich dazu, tief Luft zu holen und ein paar weitere Fragen
darum zu bitten, sich hinter die meterlange Fragenschlange an der
Verstandskasse einzureihen.
Da stehen sie nun, die Fragen wie »Warum meint neuerdings
jeder, auf mich einreden zu müssen?« und »Sehe ich tatsächlich so aus, als ob
ich nicht genug eigene Scheiße im Kopf hätte?« und treten vor lauter Ungeduld
von einem Fuß auf den anderen.
Tja! Sollte ich ihnen vielleicht mitteilen, dass es sich
nur noch um Jahre handeln kann?
Fairer wäre es zumindest ...
Okay! Durchsage: Willkommen im Einkaufszentrum für
schnelle Antworten, das Geschäft mit den wohl langsamsten Mitarbeitern auf
Erden!
Wie lange ich noch dagesessen und in Gedanken über meine
mangelnde Auseinandersetzungsfähigkeit hergezogen hätte, weiß Gott allein,
jedoch höre ich einen Satz heraus, den ich in den letzten Wochen viel zu oft zu
hören bekam.
»Ich an deiner Stelle würde ...«
Hierbei erklingt das schrille Pfeifen meiner
quietschenden Logikreifen, weil irgendwas in meiner Mitte die Handbremse
anzieht. Es kommt zu einem üblen »Overdrive« – die neuen Fragen passen einfach
nicht mehr rein – und der Schweigeknoten platzt.
»Niemand ist an meiner Stelle«, wispere ich heiser, ohne
meinen Blick von der karamellbraunen, schwappenden Menge in meiner Tasse zu
reißen. »Bildet sich jemand von euch tatsächlich ein, meine innere Hohlheit
nachempfinden zu können? Den Schmerz? Die Angst? Oder handelt es sich hierbei
um eine standardisierte Floskel, die man bei jeder Gelegenheit verwenden kann?«
Das monotone Summen, für welches diesmal Sergiu
verantwortlich war, verstummt.
»Habe ich gerade geträumt, oder ...«
»Nein, hast du nicht!«, unterbreche ich ihn. »Ich sagte,
dass ... niemand von euch wissen kann, wie er an meiner Stelle gehandelt hätte,
weil – wenn man es ganz genau nimmt – niemand von euch weiß, was ich fühle oder
denke.«
Nur zaghaft führt er seine Hand in Richtung meiner und
streift diese einem Windhauch gleich. »Natürlich nicht, Kleines! Aber es gibt
einige, die diesen Umstand wirklich gern ändern würden.«
Von seinem Sanftmut zumindest im Ansatz begütigt, fühle
ich mich geneigt, einzulenken, bemerke jedoch nur einen Augenblick später, dass
ich mittlerweile vergessen habe, wie man eine halbwegs normale Konversation führt.
Welch Glück, dass mein Gesprächspartner offenbar mit
demselben Problem zu kämpfen hat. Anstelle einer krampfhaften Suche nach einem
halbwegs passablen Gesprächsthema schweigen wir uns deshalb einfach nur an.
Sobald ich einen weiteren Schluck aus meiner Tasse nehme,
schaut Sergiu zu mir auf und bedenkt die letzte Handlung mit einem resignierten
Kopfschütteln.
»Wenn du weiterhin eine Tasse Kaffee nach der anderen in
dich hineinkippst, muss ich entweder die Arbeitstüchtigkeit des Wasserkochers
sabotieren oder aber ...«
»Ist doch nur Sana!«, falle ich ihm ins Wort. »Mit
gaaaaanz viel Milch!«
»Nur weil ich den Namen des Giftes kenne, muss ich seine
Einnahme noch lange nicht befürworten.«
Um seinen Worten Ausdruck zu verleihen, nimmt er mir doch
tatsächlich den Kaffee weg.
»Es ist entkoffeiniert, ergo kein Gift, sondern
Seelenbalsam.«
»Trotzdem ... Iren hat gesagt, dass sie mir die Ohren
jeweils um so viele Meter langzieht, wie viele Kilos von dir runterpurzeln und
wer, wenn nicht du weiß, dass sie ihre Drohung zwangsläufig wahrmacht? Du bist
doch mit ihrer Neigung zur Übertreibung großgeworden!«
Obwohl es mich durchaus amüsiert, bleibe ich ernst. »Tja,
dann wirst du die Tür beim nächsten Besuch wohl oder übel geschlossen halten
müssen!«
Auch Sergiu legt sein Lächeln schneller ab, als er es
vorher aufgesetzt hat. »Wenn du ihnen endlich sagst, was Sache ist, dann gern.
Bis dahin ...«
»... wirst du ihnen weiterhin breitwillig die Tür öffnen
und mich durch ihr Mitleid berauschen lassen?«
Mein Missmut hätte nicht offensichtlicher sein können,
ist allerdings mehr als begründet und deswegen unvermeidlich. Seit einer Woche
lässt er jeden Besucher in unsere Wohnung und somit auch gleich in meine kleine
Welt eintreten. Und was noch schlimmer ist: Jeden Tag dieser Woche war auch
wirklich jemand da.
Es erinnert mich zwangsläufig an Besuche im Krankenhaus
...
Kleines Zimmer, wenig Luft, noch weniger Licht, dafür
aber eine große Anzahl von Menschen, die allesamt keine Ahnung haben, was sie
sagen sollen und deswegen irgendeinen Stuss von sich geben.
Kurzum: Es ist beklemmend, verstörend und höchst
unangenehm!
Sergiu verschränkt seine Finger und legt sie zu sich in
den Nacken. Für seinen Gesichtsausdruck gibt es nur eine Bezeichnung:
Verzagtheit.
»Tu das nicht ...!«, höre ich ihn leise fordern.
»Was?«
»Versink bitte nicht mehr in deinen Gedanken! Oder lass
mich wenigstens daran teilhaben.«
Das klingt, als wäre er der absoluten Verzweiflung nahe
und wenn es eins gibt, was meinem Leid derzeit noch gefehlt hat, dann das.
Noch hat er keine Ahnung, was in meinem Inneren vorgeht,
weiß nicht, dass ich sein großzügiges und selbstloses Angebot zwar mehr als
gerne annehmen würde, jedoch eine Fehlentscheidung für uns beide darin vermute.
Wie wird er sich aber fühlen, sobald ich ihn darüber in
Kenntnis setze?
Wird es vielleicht sogar unsere Beziehung verändern?
Meine Welt wäre eine andere, um nicht zu sagen,
unerträglich anders, wenn auch er sich vor der Zickhexe Caprice Rosenberg in
Sicherheit bringen würde.
»Sorry ...«, sage ich.
»Wüsste nicht, wofür. Es gibt nur einen, der allen Grund
hätte, um sich zu entschuldigen. Und zwar mich.«
»So ein Unsinn. Du hast dir nichts zuschulden kommen
lassen. Ich bin einfach nur überwältigt von unserem Gewinn, der ganzen neuen
Situation und ... ich frage mich andauernd, was ich machen soll.«
»Weißt du, dass man in einer scheinbar ausweglosen Lage
einfach die Sichtweise ändern muss, um eine Lösung zu finden?«
»Was im Klartext heißt ...?«
»Lass uns rausgehen, einen schönen Baum mit kräftigen
Ästen suchen und einen Blick aus der Fledermausperspektive auf unser
verkorkstes Leben werfen!«
Ein nervöses Kichern entfährt meinen Lippen.
»Das ist jetzt aber nicht dein ernst, oder?«
Schließlich lacht auch er und schüttelt den Kopf.
»Nee, nicht wirklich. Ich bin aber der Meinung, dass wir
wirklich raus müssen. Du bist blass, dein Koffeinkonsum – gelinde gesagt –
haarsträubend und meine Sommersprossen wollen in diesem Jahr überhaupt nicht
durchkommen. Also ...«
»... gehen wir spazieren?«, rate ich.
»Fast«, nickt Sergiu. »Wir machen ein Picknick am
Mainufer.«
Mainufer?
Ich?
Keine gute Idee!
Sag nein, Price! Sag sofort nein!, verlangt mein Verstand.
»Klingt toll ...«, antworte ich allen meinen inneren
Ängsten zum Trotz und gleite von der Fensterbank. Sergiu versperrt mir den Weg
und ist so viel größer als ich, dass ich ihm selbst auf Zehenspitzen nur bis
zum Kinn reiche. Das fühlt sich auf einmal irgendwie beklemmend an, weshalb ich
dem direkten Blickkontakt auf der Stelle ausweiche.
»Soll ich irgendwas einpacken?«, frage ich im Flüsterton.
Die Antwort ähnelt einem Hauch und ist bestimmt nur
deswegen hörbar, weil abgesehen von unseren Atemzügen nur noch die Wanduhr die
Stille durchbricht.
»Die alte Price«, sagt Sergiu, als er zur Seite tritt.
Drei einfache Worte und dennoch sorgen sie dafür, dass
mein Herz sich in einen Bohrhammer verwandelt und bald darauf scheinbar kurz
davor ist, ein Loch in meine Rippen zu hauen.
Nicht etwa weil mir dieser Wunsch sehr nahe geht, sondern
viel mehr deswegen, dass ich ihn bereits in einer ähnlichen Form zu hören
bekommen habe.
Keine zwei Monate sind seither vergangen, trotzdem kommt
es mir so vor, als ob das alles in einer für mein Erinnerungsvermögen nicht
mehr greifbaren Vergangenheit zurückliegt.
Luke ...
Ist er denn überall?
Wird das von jetzt an immer so sein, dass mich ein
einziger Satz, eine Geste, eine Farbe, ein Lied, ein Geruch oder ein Gefühl an
ihn erinnern wird?
Wie leben die anderen Menschen weiter, wenn sie jemand
dermaßen Wichtigen verlieren? Und tun sie das überhaupt, oder ist es fortan nur
noch ein Existieren und Funktionieren?
Fragen über Fragen und nur eine Antwort:
Perspektivwechsel sind toll, aber nichts, was ich aus freien Stücken
hinbekommen könnte.
Wenngleich es schmerzt und jede Erinnerung dazu führen
kann, dass ich erneut in die Tiefen einer Depression abrutschen kann, will ich
ihn nicht vergessen.
Lernen, wie ich damit weiterlebe?
Ja!
Hoffen, dass es eines Tages leichter wird?
Ebenfalls.
Ihn aber aus meinem Gedächtnis, Herzen und der Seele
streichen?
Niemals.
Es ist wie in der Strophe unseres Liedes:
I didn’t believe that love can give us wings,
until i met my soul in you.
Now i think, it´s maybe true,
and i fearless fall into the ocean of green and blue.
Meine Flügel sind zusammen
mit Sky alias Luke abhandengekommen, und wenn ich schon auf sie verzichten
muss, will ich mich an den einen Moment für immer erinnern, in dem ich dem Mond
und einem klaren Himmel näher als der Erde war.
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Das klingt doch auf jeden Fall sehr vielversprechend und spannend, oder? auch das Cover sieht klasse aus und passt sich sehr gut der anderen Cover an.


Hallo und guten Tag,
AntwortenLöschenalso mir hat der 1. Teil sehr gut gefallen, besonders die Sache mit den Mails war sehr unterhaltsam und autentisch.
LG..Karin..