Die sympathische Bestseller Autorin Nele Neuhaus hat auf meinem virtuellen Sofa Platz genommen und hat mir zu Plätzchen, Schokolade und leckerem Tee fleißig Rede & Antwort gestanden. Welche interessanten und tollen Antworten ich ihr entlocken konnte, könnt ihr nun selbst nachlesen. Macht es euch gemütlich und los gehts:
© Sheena Solskin
Sheena
fragt: Hast du irgendwelche Rituale vor dem Schreiben oder schreibst du einfach drauf
los und wie sieht so ein typischer Schreibtag / zeit bei dir aus?
Ich schreibe längst nicht mehr einfach drauflos,
wie ich das früher immer getan habe. Heute ist das Schreiben ja mein Beruf und
ich arbeite an den verschiedenen Manuskripten, muss mich nach Abgabe- und
Erscheinungsterminen richten. Da bleibt keine Zeit mehr für das ziellose
Schreiben aus reinem Vergnügen. Und das ist ehrlich gesagt ein echter
Wermutstropfen bei all den Vorteilen, die der Erfolg mit sich gebracht hat. Die
verträumten und gestohlenen Stunden am PC gibt es nicht mehr. Zumindest
momentan nicht. Vielleicht schaffe ich es eines Tages mal wieder, einfach nur
so und ohne Ziel und Termindruck zu schreiben.
Sheena
fragt: Hast du wenn du unterwegs bist und dir plötzlich tolle Einfälle zur
Geschichte kommen, dann immer was zum Schreiben dabei oder sprichst du gute
Ideen schnell auf dein Handy /Diktiergerät?
Mein iPhone ist mein Diktiergerät. Früher, als es
nur simple Handys gab, habe ich mir selbst SMS geschrieben. Damals, in den
mittelalterlichen Vor-Handy Zeiten, hatte ich immer Stift und Notizbuch in
erreichbarer Nähe, um mir spontane Einfälle oder eine besonders schöne
Redewendung sofort aufschreiben zu können. J
Sheena
fragt: Was hat sich in deinem Leben verändert, seid du beruflich nun schreibst?
Eigentlich alles. Früher war Schreiben ein Hobby,
das ich in meiner Freizeit betrieben habe. Heute ist es mein Beruf. Früher habe
ich zum Ausgleich für einen stressigen Alltag und die harte Arbeit im Stall
Geschichten erfunden und aufgeschrieben, heute habe ich mir zwei Fohlen gekauft
um in Zukunft einen Ausgleich zur Schreibtischarbeit zu haben. Letztendlich hat
sich mein Leben ins Gegenteil verkehrt.
Sheena fragt: Hast du zuerst die Geschichte oder die Charaktere im
Kopf? Und bekommen die Charaktere
"einfach so" ihre Namen oder steckt da eine Bedeutung hinter? (Frage
gilt für alle Bücher)
Die Namen meiner Figuren müssen
mir gefallen, manchmal ändere ich sie mehrfach, wenn sie mich während des
Schreibens nicht packen. Eine tiefere
Bedeutung haben sie im Allgemeinen nicht.
Übrigens: Wenn ein Buch
irgendwann beendet ist, packe ich alle Zettel in einen Karton, schreibe den
Namen des Buches drauf und vergesse alles erst mal.
Sheena
fragt: Welchen deiner ganzen Charaktere (egal ob aus Krimi, Elena-Reihe,
Charlotte Reihe oder von den Sheridan Grant Reihe) ist dir besonders ans Herz
gewachsen und welchen magst du überhaupt nicht?
Natürlich mag ich alle meine Charaktere, sogar
die Bösen oder die, die auf den ersten Blick nicht so sympathisch sind, mag
ich, denn sie erfüllen ja den Zweck, für den ich sie erschaffen habe. Nervt
mich mal jemand – wie es Frank Behnke in den Taunuskrimis getan hat -, dann
schreibe ich sie aus der Geschichte raus. Das passiert allerdings nur sehr
selten.
Da ich ja in gewisser Weise immer abwechselnd schreibe,
freue ich mich immer schon auf Pia, Oliver, Henning, Christian Kröger, aber
dann auch wieder auf Sheridan Grant und zwischendurch auf Elena, Melike,
Charlotte, Doro und die anderen. Das ist das Schöne daran, wenn man Buchreihen
schreibt: Man begegnet seinen liebsten Charakteren immer wieder. Als ich damals
die Arbeit an UNTER HAIEN, meinem ersten Buch, nach mehr als neun Jahren
beendet hatte, war es so, als hätte ich gute Freunde verloren. Jahrelang waren
Alex, Nick oder Sergio mit mir unterwegs, ich habe mich mit ihnen unterhalten
und bin mit ihnen eingeschlafen und aufgewacht. Eine so intensive „Beziehung“
hatte ich danach nie mehr mit meinen Figuren und ich denke, das ist auch gut
so.
Es gibt auch einige Nebenfiguren, die mir so gut
gefallen, dass ich manchmal überlege, ob ich nicht mal eine Art „Spin-Off“ mit
ihnen schreibe. Vielleicht eines Tages mal. Wenn ich mehr Zeit habe. J
Sheena fragt: Gibt es Themen,
über die du nie schreiben würdest? Und wenn ja welche wären das?
Sheena fragt: Recherchearbeit zu Krimis ist ja immer sehr
kompakt, wie ich jetzt mal gelesen habe. Zu welchem Krimi war die Recherche am
intensivsten?
Zu meinen Romanen TIEFE WUNDEN und BÖSER WOLF habe ich am
ausführlichsten und intensivsten recherchiert. Gerade die historischen
Hintergründe über das Ende des Krieges, den Untergang Ostpreußens und die
Wirrungen der Flucht aus dem Osten waren unglaublich vielschichtig, aufwühlend
und berührend. Ich habe sehr viel gelesen, Dokumentationen geschaut und mit
Zeitzeugen gesprochen und konnte mich kaum entschließen, damit aufzuhören, aber
irgendwann musste das Buch ja geschrieben werden und fertig sein. Bei BÖSER
WOLF war die Recherche am unerfreulichsten und ich war froh, als ich sie
beendet hatte.
Sheena fragt:
Deine Krimis sind immer sehr spannend sowie recht aufwühlend und sie bescheren
einem sogar mal schlaflose Nächte. Wie gehst du damit um wenn du schreibst bzw
fertig bist? PC aus und du bist wieder in der realen Welt oder „verfolgen“ dich
deine Geschichten auch im Schlaf und ist dir deine Phantasie denn nicht
manchmal auch „unheimlich“?
Nein, meine Geschichten verfolgen mich nicht (mehr). Früher war
das anders. Da habe ich quasi in der Nacht am Plot gearbeitet. J Heute habe ich ja auch tagsüber Zeit dazu und ich habe auch gelernt, Distanz zu
wahren. Gerade, wenn es um so sensible Themen geht wie in meinen Krimis, dann
ist man als Krimiautorin gut beraten, die Schicksale nicht zu nah an sich
heranzulassen, wie es Ärzte oder Priester auch tun. Sonst besteht die Gefahr,
daran zu zerbrechen. Und ich habe ja den Vorteil, dass meine Geschichten
allesamt fiktiv sind und nur real wirken. Das erleichtert die Arbeit enorm.
Natürlich bin ich aber dünnhäutiger geworden als ich es früher
war. Um so unbedarft zu sein wie ich es als jüngerer Mensch war, habe ich
mittlerweile in zu viele Abgründe schauen müssen. Dadurch verändert sich dann doch der Blick auf die
Welt ganz schön.
Sheena fragt:
Du hast ja schon in einigen Genres veröffentlicht, wie sieht es mit anderen
Genres aus? Welche möchtest du noch erobern? Vielleicht ein leidenschaftlicher
Liebesroman?
Vielleicht. Ich bin für Vieles offen. Momentan reichen mir Krimi,
Pferde/Jugendbuch und Roman.
Sheena fragt: Könntest du dir vorstellen mit einem anderem Autor zusammen was zu schreiben (Jetzt keine Krimis) und hast du eventuell einen heimlich Wunschpartner dazu?
Nein, kann ich mir nicht vorstellen. Ich bin eine absolute
Einzelkämpferin, genieße dieses Alleinsein mit meinen Figuren, da würde mich
jeder andere Mensch stören. Mein Lebensgefährte war zu Anfang regelrecht
irritiert als er merkte, wie empfindlich ich auf Unterbrechungen reagieren
kann, wenn ich mitten im Nachdenken und Schreiben bin. Jetzt weiß er, dass ich
diese Phasen tiefer Versunkenheit brauche und ich auch immer wieder daraus
auftauche.
Sheena fragt:
Deine Bücher wurden ja in richtig vielen Ländern schon erfolgreich
veröffentlicht, in welchen Ländern möchtest du deine Bücher denn noch gerne
sehen?
Puh! Ich denke mal, in allen meinen Wunsch-Ländern sind sie schon
erschienen. Es sind ja immerhin 32 Sprachen bisher und die englischen Ausgaben
erscheinen in allen englischsprachigen Ländern der Welt. Das ist schon eine
richtig große Verbreitung.
Sheena fragt:
Ist dir schon mal was lustiges oder skurriles auf einer deiner vielen Lesungen
passiert?
Ja, dauernd passiert irgendetwas Nettes oder Witziges. Erst am
vergangenen Samstag in Lüneburg war es sehr witzig. Über vierhundert Leute
waren in einem Hotelsaal und warteten darauf, dass es losgeht, aber die
Hintergrundmusik, die irgendwie so wie die Musik in einem China-Restaurant
klang, ließ sich nicht abschalten. Der Buchhändler, der eine kurze Ansprache
halten wollte, geriet aus dem Konzept, trug es aber mit Humor und Fassung und
irgendwann amüsierte sich der ganze Saal köstlich über dieses Problemchen. Der
arme Tontechniker fand es sicherlich nicht so witzig, aber er schaffte es
schließlich, die Musik zu ersticken. J
Sheena fragt:
Du hast ja nun schon so viele Bücher veröffentlicht, ist man da immer noch
aufgeregt und hibbelig wie beim ersten?
Es ist nie mehr so gewesen wie beim allerersten Buch, aber
trotzdem ist es jedes Mal etwas ganz Besonderes, ein neues Buch in Händen zu
halten. Dieses Glücksgefühl ist unbeschreiblich, gerade wenn ich zum ersten Mal
ein neues Buch in freier Wildbahn, also in einer Buchhandlung, sehe. Und ganz
irre ist es, wenn ich im Ausland meine Bücher sehe. Gänsehaut pur!!!
Sheena
fragt: Welches Buch (das du privat gelesen hast) hat einen nachhaltigen Eindruck bei dir
hinterlassen und ist aus deinem Bücherregal nicht mehr wegzudenken?
Da gibt es einige Bücher, die im Laufe meines
bisherigen Lebens zusammengekommen sind: Die Sturmwind-Trilogie von Mary
O’Hara, Exodus von Leon Uris, Die Nebel von Avalon von Marion Zimmer-Bradley,
Der Pate von Mario Puzo, Desiree von Annemarie Selinko, Die geheime Geschichte
von Donna Tartt, Wer die Nachtigall stört von Haper Lee und einige andere.
Sheena
fragt: Wenn du privat Bücher liest,
liest du dann richtige Bücher (Print) oder lieber Ebooks und welche Genre liest
du am liebsten und welches Genre magst du überhaupt nicht?
Ich lese am liebsten gedruckte Bücher. Auf Reisen
weiche ich schon mal auf E-Books aus, einfach weil es praktisch ist. Ich lese
gerne Krimis und Thriller, Science Fiction ist gar nichts für mich und
hochgestochene Literatur auch nicht. Ich mag gerne gut unterhalten werden beim
Lesen, das ist mein Anspruch an ein Buch. Anders als früher, wo ich mich durch
jedes Buch gequält habe, lege ich Bücher, die mich auf den ersten 20 Seiten
nicht „anspringen“ weg. Manche bekommen irgendwann eine zweite Chance (und
gefallen mir dann nicht selten sehr gut, wie zB Stieg Larsson damals!), andere
wandern in einen der vielen öffentlichen Bücherschränke in unserer Region. So
schaffe ich übrigens in meinem Bücherregal Platz für neue Bücher.
Sheena
fragt: Was gehört für dich zu einem gemütlichen Leseabend dazu?
Meine Lesebrille, die Couch, das Buch. Mehr
nicht. Ich habe keine Rituale. Und ich kann eigentlich in jeder Lage lesen.
Sheena
fragt: Welche Buchverfilmung hast du zuletzt gesehen oder schaust du dir so was nicht an? (Zeitgründe etc.)
Zuletzt habe ich die Rohschnittfassung von DIE
LEBENDEN UND DIE TOTEN gesehen, im Kino, gemeinsam mit der Produzentin, der
Producerin und dem Regisseur. Dazu bin ich nicht nur vertraglich verpflichtet,
aber natürlich interessiert mich auch, was die Filmleute aus meinen Büchern so
machen.
Die Verfilmung von Büchern anderer Autoren schaue
ich mir oft an, klar. Und da bin ich genauso kritisch wie bei den
Filmadaptionen meiner eigenen Bücher, besonders dann, wenn die Filme kaum noch
etwas mit den Romanvorlagen zu tun haben .
Sheena
fragt: Wie wichtig ist dir der persönliche Kontakt zu deinen Lesern und sind
Social Media eher Fluch oder Segen?
Der persönliche Kontakt zu meinen Leserinnen und
Lesern ist mir wichtig und ich freue mich, dass die sozialen Medien diese
Interaktion bedeutend erleichtern. Als ich vor elf Jahren meine erste eigene
Homepage bastelte, war das Gästebuch und die E-Mail die einzige Möglichkeit,
Kontakt aufzunehmen. Heute gibt es so wahnsinnig viele Nachrichtenkanäle, dass
ich oft komplett überfordert bin. Und tatsächlich empfinde ich diese
Echtzeit-Kommunikation, die heute jeder doch irgendwie erwartet, gerade in
Schreibphasen als extrem stressig. Dann bin ich oft kurz davor, meinen
Facebook-Account abzumelden und meine E-Mailadresse zu ändern. Ja, ich wollte
sogar schon das Smartphone weglegen und mir wieder ein Handy zulegen, das
nichts anderes kann als telefonieren. J Manchmal nimmt es wirklich überhand mit den Ansprüchen von Social Media und
dann muss ich mich daran erinnern, dass es eine freiwillige Entscheidung von
mir ist und ich auch durchaus weniger machen kann.
Sheena
fragt: Du bist ja sehr sozial engagiert mit tollen Projekten. Erzähle doch mal
den Lesern kurz was dazu und mache jetzt doch mal ausgiebig Werbung dafür!
Ich habe vor einigen Jahren meine eigene Stiftung
gegründet, in die ich selbst das Stammkapital eingebracht habe. Die Nele
Neuhaus Stiftung beschäftigt sich in erster Linie mit Projekten, die die Lese-,
Schreib- und Sprachkompetenz von Kindern und Jugendlichen fördern, denn da
liegt viel im Argen in Deutschland und es wird dank Internet und den modernen
Kommunikationsmitteln nicht besser. Außerdem unterstütze ich als Schirmherrin
das FeM Mädchenhaus in Frankfurt, MENTOR, die Leselernhelfer in Hessen und
viele anderen Institutionen, Vereine und Aktionen wie zB: Leberecht von der
Frankfurter Neuen Presse, die Schwalbacher Tafel. Da entscheide ich aus dem
Bauch heraus.
Meine Stiftung, die von meinem Lebensgefährten
Matthias Knöß geleitet wird, ist für mich auch ein Statement, mit dem ich auch
nach außen hin meinen Dank dafür zeigen möchte, dass es mir gut geht und ich
deshalb gerne Verantwortung für die Menschen übernehmen möchte, die es nicht so
gut getroffen haben, denn ich hatte das große Glück ein Elternhaus zu haben, in
dem man meine drei Geschwister und mich gefordert und gefördert hat. Lesen und
Schreiben war für mich immer eine Selbstverständlichkeit und wie wunderbar es
ist, in einem Buch, einer Geschichte zu versinken und alles um sich herum für
ein paar Stunden zu vergessen, das möchte ich den Kids, die nur noch vor dem
Computer und am Smartphone hängen, gerne nahe bringen.
Sheena
fragt: Hast du noch einen besonderen Herzenswunsch (egal ob privat oder
beruflich) den du dir noch erfüllen möchtest?
Ich habe noch ganz viele Herzenswünsche! Und viele Ideen für
Geschichten. Vor allen Dingen hoffe ich, gesund zu bleiben, denn Gesundheit ist
das Wichtigste im Leben.
Liebe Nele, ich danke
dir sehr, dass du dir die Zeit genommen hast, trotz deines vollen Terminkalenders,
mir dieses ausführliche Interview zu geben. Es hat mir sehr viel Freude bereit!
Danke für das interessante Interview!!!
AntwortenLöschenTolles Interview :)
AntwortenLöschenGesundheit ist wirklich das wichtigste im Leben neben Familie und Freunde :)
Liebe Grüße ♥