Am 1.8 erscheint der Kurzgeschichten Roman "Hitze am Arbeitsplatz" von Bettina Kiraly und ihr dürft schon vorab in die Geschichte reinschnuppern? Na ist das klasse? Dann wünsche ich euch viel Spass dabei:
Mein
Deckel
Ich
fülle ein Glas mit Rotwein, bevor ich wieder auf die Couch sinke und blicklos
vor mich hinstarre. Ohne den Wein kommen meine Gedanken nicht zur Ruhe. Sie
kreisen unablässig um ihn.
Jeder
Topf findet irgendwann seinen Deckel. Diesen allgemein bekannten Ausspruch habe
ich bislang für schwachsinnig gehalten. Ein idealer Mann, mit dem man eine
Beziehung voller Liebe führen kann. Der perfekte Partner, der einen ergänzt wie
das richtige Puzzlestück. Ein Geliebter, bei dem man sich vollständig fühlt: so
jemand existierte in meiner Welt nicht. Ich konnte mir so jemanden nicht einmal
vorstellen.
Doch
das war, bevor ich Denis kennenlernte.
Er
ist ein Arbeitskollege. Als ich ihn das erste Mal sah, machte es Zooom. Damit konnte
ich umgehen. Als mich außer seinem Äußeren auch sein Humor, seine Intelligenz
und sein Charakter angesprochen haben, konnte ich das allerdings nicht einfach
ignorieren.
Vor
einer Woche lud er mich zum Essen ein. Ich dachte eine kurze Zeit lang, das mit
uns könnte etwas werden. Die Funken flogen zwischen uns. Meine Haut kribbelte,
als unsere Finger sich zufällig beim Griff nach der Mineralflasche trafen. Aber
warum kam nach einer tollen Stunde mit Kennenlernen, Flirten und Lachen nichts
mehr? Nichts. Keine neuerliche Einladung. Kein Weiterschäkern. Kein nettes
Wort. Was habe ich falsch gemacht?
Es
läutet an der Wohnungstür.
Mit
gerunzelter Stirn gehe ich in den Vorraum um zu öffnen. Ich erwarte niemanden.
Eine Sekunde später wird die Tür aufgedrückt, und ich stolpere nach hinten.
„Was
soll das?“, stammele ich. Mein Herz klopft bei diesem Überfall ängstlich. Bis
ich den Eindringling erkenne. Dann schlägt es wegen dem schwarzhaarigen Mann
vor mir schneller.
„Du?“
Denis
lächelt. „Willst du mich nicht hereinbitten?“
Ich
trete automatisch zur Seite.
„Du
musst die Tür wieder schließen, wenn deine Nachbarn unser … Gespräch nicht
belauschen sollen.“
Wieder
befolge ich seine Aufforderung ohne zu zögern. „Was willst du hier?“, bringe
ich schließlich hervor.
„Dir
sagen, wie egal es mir ist, wenn laut der Firmenpolitik keine Beziehungen
zwischen Kollegen erlaubt sind.“
„Beziehungen?“
Meine Stimme kippt, und ich starre ihn mit geweiteten Augen an.
„Ich
finde das nur logisch. Du magst mich. Du hast dieses besondere Funkeln in den
Augen, wenn wir uns unterhalten. Und als ich dir ein gemeinsames Mittagessen
vorgeschlagen habe, hast du sofort zugesagt.“
Natürlich!
Zu diesem netten, gutaussehenden Mann sage ich doch nicht nein! Ich wäre sogar
mit ihm zum Tätowieren gegangen, wenn er gewollt hätte!
„Außerdem
hast du mit mir geflirtet. Dein Lächeln, das Spielen mit deinem Haar, dein wiederholtes
Berühren meiner Hand … Ich kann doch nicht vollkommen danebenliegen.“
Ich
lecke über meine trockenen Lippen.
Denis
lächelt. „Du siehst das also ähnlich.“ Er schlüpft aus seinen Schuhen und
öffnet die Knöpfe seiner Jeans.
„Ich
verstehe kein Wort“, bringe ich hervor.
Seine
Jeans rutscht zu Boden. Er steigt hüpfend heraus. „Unser Mittagessen. Du warst froh,
weil unser Chef uns nicht sehen konnte.“
Nur
dunkel erinnere ich mich an diesen Kommentar. Ich hab es nur so dahingesagt.
Ich war in diesem Moment viel zu sehr von seinen wunderschönen, dunkelblauen
Augen abgelenkt.
Denis
zieht sich das Shirt über den Kopf. Deutlich konturierte Muskeln unter
unbehaarter Haut. „Dabei habe ich in deinem Gesicht etwas anderes gelesen. Du warst
mehr an einem Kuss als an der Beachtung dieser dämlichen Regel interessiert.“
Wenigstens
schätzt er mich nicht falsch ein. „Was tust du da eigentlich?“
„Meinen
riskanten Plan in die Tat umsetzen.“
„Deinen
Plan?“
Seine
Socken fliegen zur Seite. „Ich glaube, du bist genauso interessiert an mir wie
ich an dir. … Ich habe doch Recht, oder?“
Ich
sollte etwas unternehmen. Irgendetwas. Eine Spirale von Sehnsucht beginnt sich
in meinem Magen zu drehen. Sie wird immer schneller und benebelt meinen
Verstand. Langsam nicke ich.
Erleichterung
zeigt sich in seinem Gesichtsausdruck. „Ich habe tagelang mit mir gerungen.“
„Ob
du wegen unserem … erfolglosen … Date mit mir sprichst?“
„Nein.“
„Ob
du etwas von mir willst?“
Er
lacht. „Das war mir vom ersten Augenblick an klar, als ich dich im Büro gesehen
habe. Aber ich wusste nicht, wie ich dir klar machen sollte, was ich für dich
empfinde. Ich habe mich für einen Überraschungsbesuch heute Abend entschieden
und mir deine Adresse aus dem Telefonbuch gesucht.“
„Gut,
aber ...“ Ich hebe die Hände. Sie sinken schwer wieder zu Boden. „Das hier … du
halbnackt in meiner Wohnung … das ist nicht vernünftig. Wenn du dich also
wieder anziehen würdest …“
Seine
Finger tasten über den Bund seiner Boxershorts. „Nein. Ich kann seit einer
Woche an nichts anderes denken. Seit du beim Mittagessen mit diesem sinnlichen
Mund am Spargel geknabbert und mir das Blut zwischen die Beine schießen lassen
hast.“
Dann
streift er seine Shorts ab.
Sekundenlang
vergisst mein Herz, was es zu tun hat.
Ich schlucke.
Mein Blick wagt sein Gesicht nicht zu verlassen. Die Situation ist zu absurd.
Mein Verstand verabschiedet sich. Meine Finger greifen nach dem Bund meines
Pullovers, um ihn abzulegen. Das nervige Ding verheddert sich an meinem Kinn.
Fremde
Hände helfen mir aus meinem Oberteil. Endlich kann ich Denis wieder ansehen.
Mein Herz pocht gegen meine Rippen. Traue ich mich das hier wirklich? Ich
blicke in diese unglaublichen, blauen Augen und spüre eine neue Gewissheit.
Er öffnet
meinen BH. Ich zittere, als mir bewusst wird, mit nacktem Oberkörper vor ihm zu
stehen.
Denis
lacht leise. „Mir haben ganz schön die Nerven geflattert, als ich hier ankam“,
gesteht er. Er hilft mir, meine Hose auszuziehen.

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