Dienstag, 28. Januar 2014

[Autoren Interview) Stephanie Linnhe

Für das erste Interview im Jahr 2014 hat sich die sympatische Autorin Stephanie Linnhe zur Verfügung gestellt, welche Antworten ich bekommen habe, könnt ihr nun hier lesen:


© Robin Jähne



Bookdealer fragt: Wie bist du denn zum Schreiben gekommen?
Einen bestimmten Zeitpunkt gab es nicht. Das Schreibfaible hat sich eher hinterhältig angeschlichen und wurde von mir lange Zeit einfach nur als Spaßfaktor betrachtet ohne die Absicht, wirklich ein Buch entstehen zu lassen.
Die ersten Geschichten kamen in der fünften Klasse aufs Papier, und man konnte sie grob im Bereich 'Fanfiction' ansiedeln (obwohl ich den Begriff damals noch nicht kannte). Lange Zeit habe ich nichts geschrieben, dann hin und wieder Geschichten mit Freunden zusammen. Ich habe mich gern in verschiedenen Bereichen ausprobiert oder war in Online-RPG-Foren aktiv. Erst viel später habe ich mich an längeren Texten versucht. Ich gehöre also nicht in die Kategorie 'Ich schreibe seit meiner Kindheit/Jugend regelmäßig' ;)

Den Ausschlag für meinen ersten Roman gaben Stellenangebote im Internet, über die ich einfach nur den Kopf schütteln konnte. Praktikanten sind in Deutschland ja heiß begehrt, unter anderem auch für Positionen mit enormer Verantwortung, für lange Zeit und am besten noch mit einem abgeschlossenen Studium. Oder zweien. Dazu natürlich unbezahlt. Ich habe mir eine dazugehörige Firma vorgestellt, ein paar Erfahrungen aus meiner Zeit als Werkstudent – überspitzt – dazu gemischt, und fertig war die Idee.

Bookdealer fragt: Wer in deinem engsten Familien- und Bekanntenkreis ist dein größter Kritiker?
Meine Kollegin Sabine. Sie ist nicht nur Vielleserin, sondern auch beruflich darauf gedrillt, nach Fehlern zu suchen. Zudem besitzt sie die charmante Art, mir ihre Kritik schonungslos und ungeschönt vor den Kopf zu knallen (aber stets begründet. Kritik ohne Begründung ist keine Kritik). Noch heute zieht sie mich mit einem Vergleich auf, den sie in einer meiner Rohfassungen entdeckt hat und der - zugegeben - unglücklich war. Aber immerhin innovativ! :D

Bookdealer fragt: Hast Du irgendwelche Rituale vor dem Schreiben oder schreibst du einfach drauf los?
Nein, da gibt es eigentlich nichts. Ich weiß, dass viele Kollegen beim Schreiben Musik hören, aber das funktioniert bei mir nicht (ich lasse mich zu sehr ablenken oder singe mit, google den Songtext, finde ähnliche Interpreten, die ich noch nicht kenne, höre in ihre Musik hinein, begeisterte mich eventuell dafür, frage Freunde, ob sie die kennen … du verstehst).
Ansonsten schreibe ich unregelmäßig, je nachdem wann gerade Zeit ist, und meist trinke ich dabei Tee.

Bookdealer fragt: Hast Du zuerst die Geschichte oder die Charaktere im Kopf? Und bekommen die Charaktere "einfach so" ihre Namen oder steckt da eine Bedeutung hinter?
Das ist unterschiedlich. Manchmal ist es eine grobe Geschichte, manchmal auch nur eine Szene, seltener ein Charakter, aber auch das kommt vor. Irgendwann bin ich morgens aufgewacht und hatte noch einen Satz aus einem Traum im Kopf, und aus dem ist dann auch eine Geschichte entstanden.
Wenn ich nun abwiegen müsste, würde ich sagen, dass szenische Ideen etwas häufiger als Ausgangspunkt vorkommen als Charaktere.

Die Namen müssen sich in erster Linie richtig anfühlen. Meist stelle ich mir eine Figur erst optisch vor, und dann muss der Name dazu passen. In „Gefährliches Versprechen“ ist der Protagonist beispielsweise dunkelhaarig und trägt daher den Nachnamen Cole (= der Schwarze). Ebenso muss der Name aber zum Setting passen. Einen Anton-Josef würde ich nun nicht als gebürtigen Amerikaner präsentieren, es sei denn, sein Name trägt mit zur Story bei (so könnten seine Eltern Bayern über alles lieben, und Anton – der als kleiner Junge stets gehänselt wurde, weil er nur Krachlederne trug – weigert sich, die elterliche Weißwurstbude zu übernehmen und flüchtet auf einen Roadtrip quer durch das Land).
Manchmal ist es mir für die Story auch einfach wichtig, dass der Name eine passende Bedeutung hat. Für eine Figur habe ich mich beispielsweise durch die Systematik der Schlangen mit ihren lateinischen Bezeichnungen gewühlt. Aber sowas macht ja auch durchaus Spaß.

Bookdealer fragt: Welches Buch hat einen nachhaltigen Eindruck bei Dir hinterlassen und ist aus Deinem Bücherregal nicht mehr wegzudenken?
DAS spezielle Buch gibt es da nicht – dafür einige, die jeweils auf ihre Art einen Eindruck hinterlassen haben. Um einfach völlig zufällig drei auszuwählen …
1. Marion Zimmer-Bradley: Die Nebel von Avalon. In den Einband habe ich noch fein säuberlich eingetragen, dass ich das Buch zu meinem elften Geburtstag bekommen habe. Es war quasi mein Startschuss für diese Art von Fantasyromanen (mit historischem Setting, womit ich nun nicht ‚authentisch‘ meine ;)). Durch Zimmer-Bradley habe ich zudem viele weitere Autoren/innen entdeckt, da sie auch als Herausgeberin tätig war.
2. Hermann Hesse – Der Steppenwolf: Ich musste Hesse in der Schule lesen und da mochte ich ihn nicht besonders. Erst später habe ich den Steppenwolf beruflich in die Finger bekommen und war begeistert, sowohl von der Stimmung und dem Aufbau als auch von den Stellen, an denen sich der Autor ganz deutlich in seiner Geschichte gespiegelt hat. Danach habe ich erst einmal Hesses Biografie gelesen sowie die Sammlung seiner Briefe an Thomas Mann.
3. Neil Gaiman – Neverwhere: Was soll ich sagen, er ist einfach der Beste.

Bookdealer fragt: Könntest du dir auch vorstellen mit einem anderem Autor ein Buch zu schreiben?
Das habe ich noch nicht getan, halte es aber für gut möglich. Ich bin gewohnt, mit mehreren Kreativköpfen zusammen zu arbeiten und habe bereits in anderen Bereichen mit einem Zwei- oder Mehrmann-Team spannende Sachen auf die Beine gestellt. Warum sollte das nicht auch bei einem Buch funktionieren?

Bookdealer fragt: Wie bist du auf die Idee gekommen im Genre Fantasy zu schreiben und könntest du dir auch ein anderes Genre für weitere Bücher vorstellen?
Ich mag das Genre, und zwar in vielen Facetten. Früher habe ich sehr viel High Fantasy gelesen, mittlerweile ist es eher Paranormales, und es darf ruhig auch etwas blutiger in die Richtung Horror/Thriller gehen. Da war es wahrscheinlich naheliegend, dass ich auch in diesem Genre schreibe – und wenn ich eine Idee habe, spielt sie sich auch meist im Fantasybereich ab. Mir gefallen die Möglichkeiten, die sich in der Fantasy bieten – das ist ein wenig wie Kochen mit exotischen Gewürzen ;)
Wenn ich in mein kleines, schwarzes Buch schaue, finde ich auch Ideen für andere Genre, ja. Ich könnte mir also durchaus vorstellen, da mal einen Ausflug in die eine oder andere Richtung zu unternehmen.

Bookdealer fragt: Wie lange brauchst du ungefähr für ein Buch (bis es fertig geschrieben ist) ?
Das ist schwer zu sagen, da ich ja unregelmäßig schreibe. Ich arbeite hauptberuflich am Computer, da kann ich mich nicht jeden Tag überwinden, um abends noch in die Tasten zu hauen. Ich schätze nun einfach mal, dass ich zwischen 6 bis 12 Monaten für ein Buch brauche. Schneller geht es, wenn man mir eine Deadline vor die Nase hält, denn bei solchen bin ich sehr zuverlässig – und treibe mich mitunter dann abends eventuell doch noch an den PC. 

Bookdealer fragt: Wenn du privat Bücher liest, liest du dann richtige Bücher oder lieber Ebooks und welche Genre liest du am liebsten und welches Genre magst du überhaupt nicht?
Ich mag 'richtige Bücher', aber auch meinen alten, vor Jahren gebraucht gekauften Reader, und in der Regel teile ich auf zwischen 'zu Hause lesen' und 'unterwegs sein'. Zu Hause quillt mein Bücherschrank über vor Büchern, und zudem stapeln sie sich in diversen anderen Ecken der Wohnung. Den Reader habe ich mir dagegen zugelegt, als ich mehrere Wochen mit dem Rucksack unterwegs war und gemerkt habe, wie praktisch es ist, wenn man weniger Gewicht auf dem Rücken hat (allein drei  Romane können einiges wiegen und vor allem Platz verdrängen, den man nicht immer hat). Seitdem packe ich ihn auch ein, wenn ich nur am Wochenende unterwegs bin.
Natürlich gibt es immer Ausnahmen: Wenn mich das angebrochene Buch ausreichend fesselt, halte ich diese Aufteilung nicht konsequent ein. Und reich Bebildertes oder Nachschlagewerke sind auf meinem Reader einfach kontraproduktiv.

Ich lese am liebsten alles, was in den breiten Fantasybereich fällt (und da gibt es ja mittlerweile wirklich unzählige Subgenres), aber auch viele andere Genres. Wenn man mich fragt, was ich nicht lese, antworte ich meist „Krimis und ChickLit“, aber auch hier gibt es Ausnahmen. Glennkill von Leonie Swann mochte ich beispielsweise sehr, ebenso Marina Lewyckas „We are all made of glue“.

Bookdealer: Was gehört für dich zu einem gemütlichen Leseabend dazu?
Wärme, ein Getränk und das Wissen, am nächsten Tag nicht allzu früh raus zu müssen.

Bookdealer fragt: Welche Buchverfilmung hast du zuletzt gesehen oder schaust du dir so was nicht an?
Doch, allerdings vermeide ich es, Buch und Film (akribisch) wertend miteinander zu vergleichen. Das funktioniert oft nicht, weil zum einen die Spannungsbögen im Film vollkommen anders aufgebaut sind - und es auch sein müssen - und zum anderen, weil ein Film stets Interpretation sowie Detailentscheidungen des Regisseurs darstellen. Es kann unzählige Gründe für Abweichungen geben, die sinnvoll und nachvollziehbar sind, egal ob auf die Story, das Publikum der Gegenwart oder auch nur den Markt und Einschaltquoten gemünzt.
Besonders stark ist mir nach 'The Hobbit - Desolation of Smaug' aufgefallen, dass an vielen Stellen im Freundeskreis das Gejammer über die Abweichungen groß war. Bei manchen Leuten so sehr, dass sie sich in meinen Augen den Film selbst zerstört haben. Man kann darüber diskutieren, ob er gut war oder nicht, aber alles andere macht in meinen Augen keinen Sinn. Smaug war dann auch die letzte Verfilmung, die ich gesehen habe und bei der ich mich an das Buch erinnern konnte, als ich im Kino saß.
Danach war ich noch im Medicus, aber da war die Story nicht mehr so in meinem Kopf präsent. Also habe ich mich hauptsächlich auf die meist großartige Schauspielleistung von Stellan Skarsgard gefreut.

Bookdealer fragt: Warst du schon mal auf einer Buchmesse (Leipzig oder Frankfurt?) Oder hast du gar eine in Planung? Wenn ja wie fandest du die Buchmesse bis jetzt immer so?
Ich war bisher als Gast (also: Leserin) auf Buchmessen – und fand Leipzig gemütlicher als Frankfurt. Sorry, neighbours ;)
Allerdings gibt es noch die BuCon in Dreieich, die ich allen, die Interesse an Phantastik haben, ans Herz legen kann.

Bookdealer fragt: Wie wichtig ist dir der persönliche Kontakt zu deinen Lesern?
Ich finde es sehr spannend, nun auch von Menschen, die ich nicht kenne, Feedback zu erhalten, mit ihnen ins Gespräch zu kommen oder von interessanten Projekten rund um das Thema Buch zu erfahren. Leider bleibt dafür neben Hauptjob und anderen Projekten nicht immer so viel Zeit, wie ich gern hätte.

Bookdealer fragt: Was hältst du von den Blogtouren die im Moment so beliebt sind? Sprich wenn Blogger, Autoren & deren Bücher bekannter machen?
Das ist ein perfektes Beispiel für die Projekte, von denen ich in der Frage davor gesprochen habe. Da sind Leser/Blogger, deren Herzen an Geschichten hängen (wie meins ja auch), und die ihr Interesse mit Liebe zum Detail umsetzen. Blogtouren sind für mich Neuland, aber dort werden die unterschiedlichsten – und auch mal ungewöhnliche – Facetten beleuchtet, verschiedene Meinungen präsentiert, und das alles in Zusammenarbeit. Ich finde das super.

Bookdealer fragt: Gehst du auch zu Lesungen von Kollegen, oder hast du da die Zeit nicht mehr so dazu? Und Gibt es einen Autoren den du unbedingt mal treffen möchtest?
Wenn eine Lesung in der Nähe stattfindet und mich interessiert (und das muss nicht immer das Genre sein), fahre ich sehr gern dorthin. Zum einen mag ich den Austausch, zum anderen kommen dadurch nette Kontakte zustande.

Bei den Autoren setze ich natürlich Neil Gaiman auf meine Liste (ich habe ihn einmal auf einer wundervollen Lesung in Edinburgh gehört bzw. gesehen, aber eben nicht wirklich getroffen), aber auch Guillermo del Toro, da er nicht nur Romane schreibt, sondern auch durch seine Arbeit im Filmbusiness eine ganz eigene Sicht auf seine Stories hat.
Wenn wir das ganze „Inland“ halten, würde ich gern mal mit Nina Blazon plaudern. Sie schreibt tolle Bücher und wohnt nicht einmal ganz so weit von mir entfernt. ;)

Bookdealer fragt: Hast du noch einen besonderen Herzenswunsch den du dir noch erfüllen möchtest?
Du meinst auf die kommende Zeit und einzig und allein auf mich bezogen?
Ich plane derzeit mit einem Freund ein Projekt, das nichts mit Romanen, aber unter anderem mit Schreiben zu tun hat. Noch sind wir in der Evaluierungsphase, aber sollte es so funktionieren, wie ich es mir erhoffe, wäre ich sogar bereit, den knurrigen Nachbarn aus dem Hinterhaus zu umarmen, fest und lang. Also: Daumen drücken!

Sollte die Frage größenwahnsinniger gemeint sein, möchte ich eines meiner Bücher von Darren Aronofsky verfilmt sehen. Darren, ich habe hier eine Liste von meist britischen Darstellern, die für die Haupt- und auch Nebenrollen in Frage kämen!

Vielen herzlichen Dank liebe Stephanie, dass du dir die Zeit genommen hast, mir das „kleine“ Interview zu geben.

Einem Bookdealer schlägt man halt nichts ab! :)
Sehr gern geschehen, Verena – es hat mir viel Spaß gemacht.


Kommentare:

  1. Hm, ein Buch von Ihr ist..glaube ich ..nicht menschlich ...oder?

    LG..Karin...

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  2. Genau liebe Karin, das ist von ihr =)

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