Für das Bücherforum
"BÜCHERTRÄUME" (wo
ich Moderator bin) hat sich die liebe Susanna bereit erklärt uns ein Interwiev zu
geben. Und da ich für diesen Bereich zuständig bin, packe ich das ganze noch auf
meinen Blog.
Bücherträume fragt: Wie bist du denn zum Schreiben gekommen?
Susanna antwortet: Ein
bisschen so, wie die Jungfrau zum Kinde, ehrlich gesagt. Ich habe zwar
schon immer gerne geschrieben - als jüngeres Kind kleine Geschichten mit
selbstgemalten Bilder und später dann Gedichte, Kurzgeschichten und
eben einfach alles, was mich gerade so bewegte -, aber ich hatte nie
gezielt vor, einen Roman zu schreiben.
Die Situation, dass ich mich
hinsetzte und mir eine Handlung zurechtbastelte, gab es nie. Das geschah
vollkommen spontan und überraschte mich damals selbst.
Bücherträume fragt: Wer in deinem engsten Familien- und
Bekanntenkreis ist dein größter Kritiker?
Susanna antwortet: Meine
Schwestern, würde ich sagen. Meine Mutter liebt alles, was ich schreibe
und mein Mann liest die Bücher erst, wenn sie schon erschienen sind.
Meine beiden Schwestern hingegen lesen auch schon die Grundfassungen
meiner Romane und sagen mir immer klipp und klar, was sie davon halten.
Das ist sehr, sehr viel wert.
Außerdem habe ich mittlerweile engen
Kontakt zu zwei Bloggerinnen, die mein uneingeschränktes Vertrauen
genießen: Fabella von www.buchzeiten.blogspot.de und Beate von
www.buchplaudereien.de haben alle Rohfassungen seit der Veröffentlichung
meines Debütromans gelesen und mit ihren Kritiken auch immer ihren
Anteil geleistet, wofür ich den beiden wirklich unglaublich dankbar
bin.
Bücherträume fragt:
Hast Du irgendwelche Rituale vor dem Schreiben?
Susanna antwortet: Oh ja, ein ganz wichtiges: Kinder ins Bett bringen. :-)
Aber
ernsthaft: unter der Woche gehe ich vormittags meinem Brotjob in der
Bank nach und komme genau rechtzeitig nach Hause, um die Kinder von
Schule und Kindergarten abzuholen. Der Nachmittag gehört dann ganz den
beiden. Zum Schreiben bleibt mir also nur der Abend und - wenn ich in
Rage bin - manchmal auch die Nacht. Mein eigentliches Ritual ist es
dann, mir noch einen Tee aufzubrühen bevor ich mich an den Laptop setze.
Bücherträume fragt:
Hast Du zuerst die Geschichte
oder die Charaktere im Kopf? Und bekommen
die Charaktere "einfach so" ihre Namen oder steckt da eine Bedeutung
hinter?
Susanna antwortet: Zum Thema zuerst Geschichte oder Charaktere: das ist
unterschiedlich. Amy und Matt aus "Deine Seele in mir" waren zum
Beispiel schon Jahrzehnte bevor ich ihrer Geschichte auf den Grund ging
in mir.
Bei meinem zweiten Roman "Das Leben in meinem Sinn" war
hingegen zuerst die Idee zur Geschichte da und zog die Charaktere mit
sich.
Und zum Thema Namensgebung: auch hier ist das von Charakter zu Charakter anders.
Amy
und Matt hatten ihre Namen irgendwie schon. Ich weiß nicht, wie ich das
anders beschreiben soll, denn sowie ich mich gedanklich ein wenig
tiefer mit diesen Kindern beschäftigte, wusste ich auch, wie sie hießen.
Bei Sarah und Ben aus "Das Leben in meinem Sinn" war es genauso.
Irgendwann, während sich eine Figur von einem unscharfen Scherenschnitt
zu einem real wirkenden Menschen mit all seinen Besonderheiten
entwickelt, kommt der Name wie von selbst. So ist es meistens.
Allerdings gibt es schon Charaktere, bei
deren Namen ich lange hin und her überlegt habe.
Und für mein
neuestes Projekt, einen Jugend-Romantasy-Roman, habe ich sogar Hilfe bei
der Namensgebung über facebook angefordert und auch erhalten. Da wird
das Schreiben dann plötzlich interaktiv. :-)
Die Namen, die ich in
solchen Fällen für meine Charaktere aussuche, haben keine bestimmte
Bedeutung, müssen aber zu ihnen passen. Genauso, wie ich mir meine
Kinder nach der Geburt anschaute und mir noch einmal genau überlegte, ob
die Namen, die wir uns im Vorfeld für sie zurechtgelegt hatten, auch
wirklich zu ihnen passten, mache ich das mit meinen fiktiven Freunden
auch.
Bücherträume fragt:
Könntest du dir vorstellen mit einer Autorin / einem Autor zusammen ein
Buch
zu schreiben?
Susanna antwortet: Auf jeden Fall! Ich denke, das könnte großen
Spaß machen und suche insgeheim immer noch jemanden, der diesen Versuch
mal mit mir wagt.
Bücherträume fragt:
Welches Buch hat einen
nachhaltigen Eindruck bei Dir hinterlassen und ist aus Deinem Bücherregal nicht
mehr wegzudenken?
Susanna antwortet: Ich habe bei dieser Frage bisher immer mit "Die
gute Erde" von Pearl S. Buck geantwortet und mir geschworen, es beim
nächsten Mal nicht mehr zu tun....
Also, dann entscheide ich mich diesmal für "Das Trapez" von Marion Zimmer Bradley.
Ein
großartiges Buch, das über eine Zirkusfamilie in den frühen Jahrzehnten
des letzten Jahrhunderts berichtet - und über einen Waisenjungen, der
seit seiner Kindheit als Trapezartist mit dieser Familie reist und sich
später in einen der Söhne verliebt. Homsexualität war zu dieser Zeit
natürlich ein absolutes Tabuthema und auch noch sehr heikel, als die
Autorin dieses Buch schrieb. Umso beneidenswerter ihr
Einfühlungsvermögen. Ein wirklich tolles Buch!
Bücherträume fragt:
Hättest du damit gerechnet das deine Bücher so gut bei den Lesern ankommen? Man
liest ja recht viel von denen die von deinen Büchern nur so schwärmen =)
Susanna antwortet: Ganz ehrlich: Niemals! Als das eBook erschien, waren wir im Urlaub ... ohne Internet.
Ich
konnte nur einmal die Woche online gehen und war schlichtweg
überwältigt, wie viele Reaktionen mich erwarteten. Bis heute freue ich
mich so sehr über jedes einzelne Feedback der Leserinnen und Leser. An
dieser Stelle auch noch mal ein fettes DANKE an euch alle!!!
Bücherträume fragt:
Wenn du jetzt keine Bücher lesen & selber schreiben würdest, würde
dir da was in deinem Leben fehlen?
Susanna antwortet: Oh ja! Ein großes Stück Freiheit.
Die
Gedanken barrierelos schweifen zu lassen und sich seiner Fantasie zu
ergeben, mag ja schon befreiend sein. Aber das Gefühl, wenn deine
Charaktere ein Eigenleben entwickeln und so stark werden, dass sie
schließlich nach deiner Hand greifen und dich einfach hinter sich her
durch ihre Geschichten ziehen - das ist eine Erfahrung, die mir nur das
Schreiben ermöglicht.
Bücherträume fragt:
Gibt es Dinge, die dich am Buchgeschäft stören, und wenn ja, welche sind
das?
Susanna antwortet: Nun, ich bin noch zu frisch dabei, um mir hier ein
ausgiebiges Urteil erlauben zu können. Ich selbst hatte ja auch großes
Glück durch die zum Droemer-Knaur Verlag gehörige Plattform
www.neobooks.com "entdeckt" zu werden. Chancen gibt es also schon.
Aber
im Allgemeinen stört es mich, dass junge deutsche Autoren so
verschwindend geringe Chancen auf Verlagsverträge haben. Einen Großteil
des deutschen Buchmarktes belegen die bereits bewährten Bestseller aus
dem Ausland, hauptsächlich den USA. Dann gibt es einige deutsche
Bestsellerautoren, die natürlich ordentlich gepusht werden. Für neue
deutschsprachige Talente bleibt da nur eine verschwindend kleine Lücke
übrig. Erscheinen ihre Bücher tatsächlich, bedeutet das noch lange
nicht, dass sie auch in den Buchläden ausliegen oder in den Regalen
stehen. Das finde ich einfach schade, denn diese "unter den Teppich
gekehrten" Texte sind oft erfrischend anders und ... ja, irgendwie so
unverbraucht.
Bücherträume fragt:
Warst du schon mal auf einer Buchmesse? (Frankfurt oder Leipzig) und
falls ja, wie hatte es dir denn da so gefallen? Konntest du viel dort sehen?
Susanna antwortet: Ja,
im Herbst 2011 war ich zum ersten mal in Frankfurt und letztes Jahr
dann auch wieder. In Leipzig war ich noch nicht, aber das steht noch an.
Das erste Mal wanderte ich ziel- (und orientierungs-) los durch die
Hallen, im zweiten Jahr hatte ich selbst schon einige Verabredungen.
Die
Eindrücke auf so einer Buchmesse sind schon überwältigend. Sooo viele
Bücher - paradiesisch und beängstigend zugleich. Wie kann eine Idee in
der Masse all dieser Ideen noch neu sein? Das habe ich mich automatisch
gefragt. :-)
Bücherträume fragt:
Welche Ratschläge gibst du jungen Autoren mit auf den Weg?
Susanna antwortet: Durch
meine positiven Erfahrungen mit neobooks kann ich nur empfehlen: Sorgt
dafür, dass ihr ehrliche, objektive (!) Leser und Kritiker findet und
stellt euch deren Verbesserungsvorschlägen. Offen für Kritik zu sein,
bedeutet nicht zwangsläufig sich verbiegen zu lassen. Man kann lernen
und seiner Idee und seinem Schreibstil dabei dennoch treu bleiben.
Bücherträume
fragt: Wie kamst du zu der Idee „Deine Seele in mir“ zu schreiben?
Susanna antwortet: Oh, das wird eine ernüchternde Antwort, die einige bestimmt schon das eine oder andere Mal gelesen haben.
"Deine Seele in mir“ entstand, dem rosa Cover zum Trotz, auf recht unromantische Art und Weise, zumal die Idee zu diesem Roman auf einem Albtraum basiert. Der suchte mich seit frühester Kindheit immer wieder heim. Im Prinzip
träumte ich die Szene des Prologs, mit den beiden unbeschwerten Kindern,
die am Waldrand von einem maskierten Mann abgefangen werden. Mein Mann
Oliver ermutigte mich eines Nachts, als ich wieder schweißgebadet
aufschreckte, mich näher mit diesen beiden Kindern zu befassen. Das tat
ich… und schrieb die erste Fassung des Buches in nur zehn Tagen.
Vielen
herzlichen Dank liebe Susanna, das du dir die Zeit genommen hast, uns das
kleine Interview zu geben.