Bookdealer
fragt: Wie bist du denn zum Schreiben gekommen?
Ich
habe eigentlich schon immer geschrieben – während der Schulzeit, teils auf
Papier, teils mit dem PC (nachdem ich Ende der 90er meinen ersten Computer
bekam). Damals war das für mich ein Katalysator zum Schulstress, um meine
Gedanken in andere Richtungen u lenken. Ich tauchte in meine Fantasy-Welten ab
und tobte mich darin aus.
Später,
während des Studiums, kam ich nicht dazu, aber als ich meine Freundin Tanja
kennenlernte, kehrte der Wunsch zu Schreiben zurück und ich stürzte mich einmal
mehr darauf Geschichten zu erzählen.
Bookdealer
fragt: Wer in deinem engsten Familien- und Bekanntenkreis ist dein größter
Kritiker?
Eindeutig
meine Lebensgefährtin Tanja – sie ist knallhart und strenger als jeder Lektor.
Sie sagt mit direkt, wo meine Fehler liegen, spürt unlogische Elemente auf und
setzt mich immer wieder in den Senkel, wenn etwas nicht stimmt. Mitunter habe
ich fast Angst davor, ihr meine Werke zum Überlesen zu geben ;)
Bookdealer
fragt: Hast Du irgendwelche Rituale vor dem Schreiben oder schreibst du einfach drauf
los?
Früher
habe ich einfach drauf los geschrieben, unterdessen versuche ich im Vorfeld
einen Plot zu erstellen, um einen groben Handlungsbogen zu haben. Zumeist
orientiere ich mich allerdings nur grob an einem festzementierten Plot, da ich
mit der Zeit festgestellt habe, dass sich meine Figuren trotzdem mit Vorliebe
in eine andere Richtung bewegen, als ich eingeplant habe. Daher lege ich
inzwischen nur noch grobe Eckdaten fest und lasse meine Figuren selbst einen
Weg finden. Zumeist ergibt sich während des Schreibprozesses die ein oder
andere interessante Wendung, die einer Geschichte einen ganz anderen Schwung
geben kann.
Ansonsten
habe ich keine Rituale beim Schreiben – wenn mich eine Geschichte packt, kommt
der Rest von ganz allein.
Bookdealer
fragt: Was hat sich in deinem Leben verändert, seit du schreibst?
Schwer
zu sagen, da ich die meiste Zeit geschrieben hat. Ich habe hin und wieder
weniger Zeit für meine anderen Hobbies, aber ansonsten ist es weitestgehend
gleich geblieben. Ich lebe auch nicht vom Schreiben, sondern habe einen
„Brotjob“ weswegen sich mein Leben nur marginal verändert hat.
Bookdealer
fragt: Hast
Du zuerst die Geschichte oder die Charaktere im Kopf? Und bekommen die Charaktere "einfach
so" ihre Namen oder steckt da eine Bedeutung hinter?
Zumeist kommt die Geschichte zu mir, die Figuren lassen sich
mitunter ein wenig mehr Zeit. Sobald ich beginne die Idee auszuformen und mit
einem Plot zu füttern, erhalten die Charaktere ihre Namen. Zumeist haben diese
durchaus eine Bedeutung, sprich sie passen zu den Figuren. Hin und wieder nehme
ich aber auch Namen, die mir gut gefallen, oder sie bekommen wirklich nur einen
Namen, der mir gerade in den Sinn kommt. Mitunter sind das Platzhalter, die ich
später noch ersetze.
Bookdealer
fragt: Welcher deiner Charaktere ist dir besonders ans Herz gewachsen und
welchen magst du überhaupt nicht?
Mein
absoluter Liebling unter all meinen Charakteren ist natürlich Kim aus „Assjah“,
ebenso Finn du Annatar. Das liegt natürlich daran, dass mich die Geschichte mit
am längsten begleitet und ich so viel Zeit und Arbeit in sie investiert habe.
Kim ist mir dabei natürlich extrem ans Herz gewachsen – ich liebe ihn einfach
und möchte noch viele Bücher mit ihm und seinen Freunden schreiben. Da ich
sogar das eigentümliche Glück hatte, meinen Charakter in real kennenzulernen,
weiß ich auch, wie er sich weiterentwickeln könnte. Eine Freundin von mir
entspricht ihm wirklich zu 95% - in ihrem Denken, ihrem Auftreten und ihrer
Art. Es ist seltsam, seinen eigenen Charakter in real kennenzulernen, aber auch
sehr spannend – und sie ist Kim nur in weiblich.
Ansonsten
mag ich bereits jetzt eine Figur aus einem Jugendbuch, das bisher nur in meinem
Kopf existiert und von dem noch nicht eine einzige Zeile geschrieben wurde.
Wen
ich gar nicht mag? Da gibt es eigentlich niemanden Es gibt keine Charaktere,
die ich hasse, selbst meine „Bösewichte“ sind für mich Figuren, die zu meinen
Geschichte gehören und damit meine Sympathie haben.
Bookdealer:
Beschreib uns doch einmal dein Gefühl, welches du hattest, als dein erstes Buch
veröffentlicht wurde.
Es
war ein unwirkliches, aber sehr schönes Gefühl – nach so vielen Jahren ein Buch
in den Händen zu halten, das man geschrieben hat, ist einfach atemberaubend
toll. Man ist aufgeregt und nervös, weil man sich fragt, ob die Leser gut
finden, was man so schreibt; und gleichzeitig glücklich und stolz, etwas
beendet zu haben. Auf jeden Fall war es klasse.
Bookdealer
fragt: Welches Buch hat einen nachhaltigen Eindruck bei Dir hinterlassen und
ist aus Deinem Bücherregal nicht mehr wegzudenken?
Da
muss ich mit einem Buch und einer Trilogie antworten: „Die Bücherdiebin“ von
Markus Zusak, die mich nicht nur fasziniert und begeistert, sondern auch
beflügelt hat, etwas in der Zeit der 3. Reiches anzusiedeln, und die „Adrian
Mayfield“- Trilogie von Floortje Zwigtman, die nach meinem gescheiterten
Versuch „Twilight“ zu lesen, mein Interesse an Büchern wieder weckte. Denn nach
„Bis(s) zum Morgengrauen“ wollte ich über Wochen hinweg kein Buch mehr
anrühren.
Bookdealer
fragt: Die „Assjah Reihe“ ist ja von dir & Tanja Meurer, wie kam es zu
dieser Zusammenarbeit?
Tanja
ist meine Lebensgefährtin und Freundin. Dadurch hat sie natürlich einen sehr
starken Einfluss auf „Assjah“ und die Figuren genommen. Sie hat viele Ideen
geliefert, mir aus Sackgassen geholfen, mich aufgebaut und ermutigt. Ohne sie
würde es „Assjah“ nicht geben – es ist in vielen Teilen ihr zu verdanken, dass
die Geschichte ist, wie sie ist. Von daher lag es nahe, sie auch für die
Illustrationen ins Boot zu holen, da sie nicht nur die Charaktere kannte, sondern
auch meine Vorstellungen von ihnen teilte. So wurden Kim, die Feen, Annatar und
Finn so wie ich sie mir immer vorgestellt habe.
Bookdealer
fragt: Wenn du privat Bücher liest, liest du dann richtige Bücher oder lieber
Ebooks und welche Genre liest du am liebsten und welches Genre magst du
überhaupt nicht?
Ich
lese gerne beides – sowohl Bücher, als auch eBooks. Da ich selbst ein
Rezensionsportal betreibe und für diverse Plattformen Bücher, Mangas und Comics
rezensiere, bin ich in der Wahl des Buches nicht wählerisch: ob Hardcover,
Taschenbuch oder eBook: Das Buch ist wichtig. Ich lese bevorzugt Kinder- und
Jugendbücher, da ich in dem Genre ja selbst aktiv schreibe, Fantasy und Urban
Fantasy und natürlich Gay und Lesbian Romane in all ihren Facetten. Der Romance-Teil
darf gerne geringer ausfallen, da ich an den Geschichten interessiert bin,
ansonsten habe ich ein Faible für homosexuelle Charaktere (wie man an meinem
Portal „Like a Dream“ merkt: www.like-a-dream.de)
Was
ich weniger mag sind Chick-Lit, Horror, Western und Sci-Fi. Auch Lyrik und
Liebesschmonzetten lese ich nicht – das liegt mir einfach nicht.
Bookdealer:
Was gehört für dich zu einem gemütlichen Leseabend dazu?
Ein
bequemes, warmes Plätzchen, eine Tasse Tee oder Kakao (wobei das zweitrangig
ist, da das bei mir eher kalt wird), eine schnurrende Katze neben mir und
ansonsten meine Ruhe. Musik würde mich zum Beispiel stören, weswegen ich beim
Lesen eher Stile bevorzuge.
Bookdealer
fragt: Welche Buchverfilmung hast du zuletzt gesehen oder schaust du dir so was
nicht an?
Wenn
man „The Imitiation Game“ nun als Buchverfilmung sehen will – dann diese. Ein
toller Film, mit einem überragenden Benedict Cumberbatch in der Rolle des
Mathematiker Allan Turing, über den ich in meiner Schulzeit mal einen Vortrag
gehalten habe.
Ansonsten
sehe ich mir durchaus Verfilmungen von Büchern an, finde sie aber zumeist
grausam („Perry Jackson“ z.B.)
Bookdealer
fragt: Warst du schon mal auf einer Buchmesse (Leipzig oder Frankfurt?) Oder
hast du gar eine in Planung? Wenn ja wie fandest du die Buchmesse bis jetzt
immer so?
Ich
war schon sehr oft auf Buchmessen – in Frankfurt einige Male, aber diese Messe
ist mir einfach zu groß, unübersichtlich und unpersönlich. Dort würde ich nur
noch hingehen, wenn ich Termine mit Verlagen oder Agenten hätte.
In
Leipzig war ich 10 Jahre (2001 – 2011) am Stück, allerdings nicht als Besucher,
sondern als Aussteller. Die Hintergründe wären jetzt zu ausufernd, aber die
Messe hat mir insgesamt wesentlich besser gefallen: kleinen, familiärer,
publikumsnäher. Sie ist eher die Besucherbuchmesse, während die Frankfurter
Buchmesse eher eine Fachmesse für Verlage, Agenten und Lizenzverkäufe ist.
Ob
ich eine Messe in Planung habe? Ja, sogar das kann ich bestätigen. Dieses Jahr
fand zum zweiten Mal das schwullesbische Lesefestival QUEER gelesen (www.queer-gelesen.de) in Wiesbaden statt und
irgendwann möchte ich darauf tatsächlich eine kleine Fachmesse machen. Vielleicht
nicht 2016, aber in den Folgejahren möchte ich aus diesem Event eine Messe für
schwule und lesbische Verlage und Literatur machen.
Bookdealer
fragt: Wie wichtig ist dir der persönliche Kontakt zu deinen Lesern?
Sehr
wichtig – ich freue mich immer über Feedback, Kritik und Kommentare. Gerade die
Meinung von Kindern ist mir bei „Assjah“ wichtig. Kinder sind ehrlicher und
offener. Sie sagen und zeigen (z.B. auf Lesungen) direkt, wenn ihnen etwas
nicht gefällt oder sie sich langweilen. Deswegen bin ich gerne auf Lesungen und
lerne die Kinder direkt kennen.
Besonders
schön sind die Momente, in denen man Fanpost bekommt oder einen kleinen Leser
auf einer Messe trifft, der das Buch mochte. Sowas ist immer beflügelnd.
Ansonsten
versuche ich auf FB und Lovelybooks präsent zu sein und bin offen für Fragen
und Kommentare.
Bookdealer
fragt: Gibt es irgendwas, dass dich am Buchgeschäft stört?
Uff
– das ist echt schwer zu beantworten. Es gibt so vieles, was mich stört, dass ich
jetzt ellenlange Antworten geben könnte. Zumeist haben Kollegen viele der
Probleme schon aufgegriffen und wesentlich besser beantwortet als ich. Seien es
die Praktiken der Verlage, Amazon, der Buchhandel und und und …
Zum
Beispiel gefällt mir die Ellenbogentaktik unter den Autoren nicht. Das fängt
beim penetranten Werben eigener Sachen auf FB und in Foren an, geht über
Stimmenfang für irgendwelche Publikumsvotings und endet bei Hetzaktionen gegen
schlechte (aber dennoch gerechtfertigte) Rezensionen. Da ich auch Blogger bin
muss ich an dieser Stelle immer doppelt so sehr aufpassen, niemanden zu
verärgern und sich nicht den Hass einer Fangemeinde auf sich zu ziehen.
Unterdessen haben mir viele gesagt, ich sollte doch das Rezensieren lassen,
wenn ich Bücher veröffentliche – doch irgendwie will ich das nicht. Ich
schreibe seit 15 Jahren Rezensionen und es macht mir immer noch Spaß. Ich
versuche beides voneinander zu trennen, doch zumeist kommt meine Kritik falsch
an, wird als Neid oder Missgunst ausgelegt, und wird dementsprechend
beantwortet. Glücklicherweise gerieten meine Romane bisher nur bedingt in
Mitleidenschaft, doch wenn sich meine Rezensionen irgendwann wirklich negativ
auf meine Bücher auswirken sollten, werde ich wohl aussteigen müssen … leider.
Bookdealer
fragt: Gehst du auch zu Lesungen von Kollegen, oder hast du da die Zeit nicht
mehr so dazu? Und gibt es einen Autoren den du unbedingt mal treffen möchtest?
Ich
gehe sehr gerne zu Lesungen von Kollegen – ich habe sogar selbst welche in
Wiesbaden organisiert: 50 Veranstaltungen Lesecafé Wiesbaden. Dort habe ich
viele unterschiedlichen Bücher und Autoren kennengelernt, Freunde gefunden und
viel Spaß gehabt. Deswegen gehe ich auch jetzt gern noch auf Lesungen, auch
wenn mir natürlich die Zeit dafür fehlt. Außerdem bietet Wiesbaden leider
selten Lesungen an, die mich thematisch interessieren (weswegen ich ja u.a. das
Lesecafé Wiesbaden ins Leben gerufen habe).
Ich
würde wahnsinnig gerne einmal Floortje Zwigtman, Markus Zusak und Lynn
Flewelling treffen. Letztere ist für die „Nightrunner“-Serie verantwortlich,
die es leider nie so recht nach Deutschland geschafft hat (aber ich gebe die
Hoffnung nicht auf!), obwohl in den 90ern Band 1-3 bei Bastei erschienen sind.
Die anderen stehen außer Frage: ihre Werke haben mich maßgeblich beeindruckt
und fasziniert.
Bookdealer
fragt: Hast du noch einen besonderen Herzenswunsch den du dir noch erfüllen
möchtest ?
Ohje
– einen Herzenswunsch? Ich würde wahnsinnig gerne einmal das Polarlicht sehen,
wenn ich könnte. Das ist ein wirklich alter Traum von mir. Und einmal mit
Fischotter schwimmen, wenn das ging – das wäre mit Sicherheit ein tolles
Erlebnis. Ansonsten bin ich eigentlich wunschlos glücklich J
Vielen herzlichen Dank liebe Juliane, dass
du dir die Zeit genommen hast, mir das „kleine“ Interview zu geben.