1. Kapitel
Mia
Ich
werfe einen letzten prüfenden Blick in meinen Badezimmerspiegel, schließlich
will man ja bei dem ersten Date einen guten Eindruck hinterlassen. Zumal es
sich heute um ein besonders wichtiges Date handelt, das vielleicht das Ende
meines zweijährigen Singledaseins bedeuten könnte. Zwei Jahre Single. Bei dem
Gedanken bildet sich zwischen meinen Augenbrauen eine tiefe Falte. Wie konnte
es nur so weit kommen?
Nachdenklich
betrachte ich mein Gesicht aus der Nähe. Also, für meine zweiunddreißig Jahre
sehe ich eigentlich ganz passabel aus. Ich habe hellgrüne Augen, eine ziemlich
gerade Nase und volle Lippen. Einziges Manko sind meine leicht abstehenden
Ohren, die mir in der Familie den Spitznamen Spoki eingebracht haben. Ein
Grund, warum ich niemals im Leben kurze Haare tragen werde. Außerdem habe ich
im Laufe meiner Zeit mit Männern festgestellt, dass die meisten von ihnen auf
lange Haare stehen, bis auf wenige Ausnahmen. Mein Bruder Jan ist einer dieser
Männer, die gezielt Jagd auf Frauen mit Kurzhaarfrisuren machen. Als ich ihn
darauf angesprochen habe, hat er nur lässig mit den Schultern gezuckt und
behauptet, das sei ganz alleine meine Schuld, schließlich hätte ich ihn in jungen
Jahren derart geärgert, dass er es bei langhaarigen Frauen immer mit der Angst
zu tun bekomme.
Ich
muss sagen, dass mich diese Aussage meines Bruders ein wenig getroffen hat. Ich
meine, dass man seinem kleinen Bruder als Schwester mal die Haare schneidet,
ist doch wohl normal. Ich hätte auch meinen Puppen die Haare schneiden können,
aber die wachsen ja nicht nach! Auch seinen Vorwurf, ich hätte in seinem
Tagebuch gelesen, musste ich entschieden zurückweisen. Ich erinnere mich
nämlich noch genau an diesen Zwischenfall von damals. Ich hatte mich während
Jans Abwesenheit in sein Zimmer geschlichen, um ein bisschen in seinen Sachen
zu schnüffeln. Dabei fiel mir sein Tagebuch in die Hände. Auf den meisten
Seiten stand langweiliger Kram geschrieben, bis ich an die Stelle kam, in der
sich Jan über die Einträge in meinem Tagebuch lustig machte. Man kann sich
vorstellen, dass ich nicht sonderlich erfreut darüber war. Mein nächtlicher
Eintrag daraufhin lautete: „Heute habe ich in Jans Tagebuch gelesen, dass er in
meinem Tagebuch gelesen hat! Das finde ich gemein!“
Ansonsten
haben mein Bruder und ich mittlerweile ein recht freundschaftliches Verhältnis.
Im Gegensatz zu mir ist Jan bereits verheiratet und Vater einer kleinen Tochter
und eines Sohnes. Ich liebe meine Nichte Emily und meinen Neffen Karl sehr.
Annette, meine Schwägerin, ist zwar eine recht gut aussehende Frau, wenn man
von den zehn Kilo Übergewicht absieht, die sie seit Emilys Geburt mit sich
herumträgt, aber hingegen zu dem Rest der Familie ein echter Drachen. Den
ganzen Tag nörgelt sie an allem herum, und ihre Hauptbeschäftigung besteht
darin, sich über meinen Bruder lustig zu machen. Ich verstehe bis heute nicht,
wie mein Bruder Annette überhaupt heiraten konnte.
Seufzend
wende ich mich wieder meinem Spiegelbild zu und trage noch etwas Lipgloss auf.
Anschließend pudere ich mein Gesicht ab. Ich will schließlich bei meinem ersten
Date mit meinem Traummann nicht glänzen wie eine Speckschwarte. Nachdem ich
mich ein letztes Mal davon überzeugt habe, dass mein Make-up perfekt ist,
befördere ich die Schminksachen, die Bürste und eine Ersatzunterhose in meine
Handtasche. Schließlich muss man als Frau von Welt für alle Eventualitäten
gerüstet sein. Eigentlich bin ich ja kein Freund von One-Night-Stands, aber prinzipiell
ausschließen würde ich es von vornherein nicht. Wenn der Traumprinz vor einem
steht, sollte man zugreifen, damit er nicht abhaut. Summend klappe ich die
Tasche zusammen und hänge sie mir über die Schulter. Da es draußen für die
Jahreszeit schon relativ warm ist, habe ich auf eine Hose verzichtet und
stattdessen mein rotes Wickelkleid angezogen. Ich liebe dieses Kleid, da es
meine Oberweite vorteilhaft zur Geltung bringt und meine Hüfte auf wundersame
Weise verkleinert. Pfeifend schließe ich die Wohnungstür hinter mir zu und eile
die Treppen nach unten.
Das
Bolero in Hamburg liegt direkt neben dem Medienzentrum und eignet sich bestens
für ein erstes Treffen. Die Atmosphäre ist locker, die Cocktails gut gemixt und
das Publikum jung und modern. Außerdem trifft man dort auf jede Menge Promis
und solche, die es gerne wären, was ein herrliches Lästerpotenzial zur Folge
hat. Heute ist Freitag und der Laden ist brechend voll. Aufgrund der
sommerlichen Temperaturen sitzen die meisten Gäste draußen. Ich lasse meinen
Blick über die Menge schweifen. Mein Herz klopft mir bis zum Hals und meine
Hände sind vor Aufregung ganz feucht. Bisher kenne ich meinen Traumprinzen ja
nur vom Foto und da ist dank Photoshop alles möglich. Mein Handy vibriert
zornig in meiner Handtasche. Wer kann das sein? Mein Traumprinz wird doch nicht
in letzter Minute kalte Füße bekommen haben? Nervös suche ich in meiner Tasche
nach dem Handy. Wo steckt das Mistding nur? Endlich habe ich es gefunden. Das
Gesicht meiner Freundin Uli lacht mir entgegen. Uli Gepard ist der liebste
Mensch auf der Welt, mit einem fast unnatürlichen Gespür, immer im falschen
Moment anzurufen.
„Hallo,
Uli?“, flüstere ich und suche weiter mit den Augen die Tische ab.
„Warum
flüsterst du?“
„Gar
nicht“, räuspere ich mich. „Ich bin nur gerade auf der Suche nach Andreas.“
Andreas König ist mein Herzangebeteter und hoffentlich zukünftiger
Lebenspartner. Wenn dieser Mann nur annähernd so reden kann, wie er schreibt,
dann bin ich hoffnungslos verloren. Bisher haben wir uns ja nur schriftlich
miteinander ausgetauscht. Zuerst waren es E-Mails und später
WhatsApp-Nachrichten. Der Mann hat eine Gabe, seine Gefühle mit Worten zu
transportieren. Bei dem Gedanken an seine gestrige Nachricht bekomme ich immer
noch weiche Knie.
Liebste
Mia,
als
ich mir gestern dein Foto noch einmal angesehen habe, hat mein Herz wie
verrückt geschlagen. Du bist so wunderschön, und dein Lachen ist wie ein
Sonnenstrahl, der direkt in mein Herz trifft. Ich kann es gar nicht abwarten,
dir endlich persönlich gegenüberzustehen und in deine wunderschönen grünen
Augen zu schauen.
Schlaf
gut, meine Liebste. Bis morgen Abend, wenn meine Träume endlich in Erfüllung
gehen.
Dein
Andreas
Die
Idee mit dem Datingportal kam übrigens von Uli. Ich selbst wäre niemals auf den
Gedanken gekommen, mich dort anzumelden. In dieser Beziehung bin ich recht
altmodisch veranlagt. Deshalb habe ich mein Glück zunächst auch auf die
traditionelle Art und Weise versucht. Regelmäßige Besuche in einem angesagten
Sportclub, Joggen um die Alster zur offiziellen Flirtzeit, Besuche im Toom
Markt samstagnachmittags, wenn sich die Singles um die Käsetheke tummeln, und
zu guter Letzt nächtliches Abhängen in einschlägigen Clubs. Alle meine
Bemühungen waren nicht von Erfolg gekrönt, außer dass ich eine Menge Männer
kennengelernt habe, die ich lieber nicht kennen möchte. Als Uli dann mit der
Idee zum Datingportal ankam, war ich schon derart verzweifelt, dass ich
zugesagt habe. Es kommt mir bis heute wie ein Armutszeugnis vor, dass eine
gestandene Frau wie ich, mit einem wundervollen Beruf, einer hübschen kleinen
Wohnung in Harvestehude und einem Mini Cooper in ihrem Besitz, sich im Internet
anpreisen muss wie eine alte Jungfer.
Uli
ist im normalen Leben ziemlich chaotisch veranlagt, aber was solche Dinge
anbelangt, ist sie bestens organisiert. Keine Stunde nach meiner Zusage hatte
sie ein Profil von mir erstellt und auf der Datingplattform hochgeladen.
„Und
… gefällt es dir?“, hatte mich Uli damals gefragt.
„Hm, Partnerbörse für Singles mit Niveau.“ Ich
knabberte an meiner Unterlippe, während ich auf den Bildschirm starrte.
„Ja,
ich habe extra darauf geachtet, eine Partnerbörse zu nehmen, die auf den
Bildungsstand ihrer Kunden achtet. Du willst ja schließlich jemanden an deiner
Seite haben, der mit dir mithalten kann. Oder?“
„Ja,
schon“, nickte ich nachdenklich.
„Dann
ruf mal deine Seite auf.“ Sie nannte mir das Passwort. Mir war ein wenig mulmig
zumute, als keine Sekunde später ein Bild vor mir auftauchte, darunter eine
Beschreibung meiner Person.
„Ich
habe mir wirklich Mühe gegeben.“
„Hm,
meinst du nicht, wir hätten lieber ein etwas seriöseres Foto nehmen sollen?“,
sagte ich und betrachtete das Foto, das Uli hochgeladen hatte. Das Bild stammte
aus meinem letzten Urlaub in Griechenland. Meine braunen Locken waren vom Wind
zerzaust und mein Gesicht sah aus wie von der Sonne geküsst – irgendwie wild.
„Hey,
das ist kein Bewerbungsschreiben für einen Job, hier geht es darum, dich so gut
wie möglich zu präsentieren. Also, wenn ich ein Mann wäre – ich würde mich
sofort in dich verlieben“, meinte Uli trocken.
„Das
beruhigt mich. Ich hoffe, die Männer sehen das genauso.“ Ich las meine
Personenbeschreibung.
„Selbstständige
Unternehmerin. Sportlich, aufgeschlossen und intelligent. Mm.“
„Stimmt
doch. Du bist eine erfolgreiche Geschäftsfrau.“
„Ich
würde mich nicht als Unternehmerin bezeichnen.“
„Ach
komm schon, jetzt werd nicht päpstlicher als der Papst. Das ist alles eine
Sache der Auslegung. Autorin von Liebesromanen klingt nach einer
übergewichtigen Frau, die den ganzen Tag hinterm Schreibtisch sitzt mit völlig
verklärten Ansichten über die Liebe. Das ist den meisten Männern suspekt.“
„Also,
wenn man dich so hört, könnte man meinen, ich bringe die Männer haufenweise
persönlich um, als darüber zu schreiben.“
„Du
wirst sehen, du kannst dich bald vor Angeboten nicht mehr retten.“
Uli
sollte recht behalten, denn noch am selben Tag hatte ich bereits mehrere
Anfragen für ein Date in meinem Postfach. Ich muss sagen, ich war überrascht,
wie viele gut aussehende Männer sich dort tummeln und die Frau fürs Leben
suchen. Unwillkürlich drängte sich mir die Frage auf, was ich falsch gemacht
hatte, dass ich keinem dieser Männer bisher begegnet war?
„Und
… siehst du ihn?“, holt mich Ulis Stimme zurück in die Gegenwart.
„Nein“,
brumme ich missmutig in den Hörer.
In
diesem Moment sehe ich, wie jemand die Hand in die Höhe hebt und mir zuwinkt.
Ich blinzele, da ich meine Brille nicht auf habe. Ich leide seit der Pubertät
an einer Weitsichtigkeit, so dass ich für gewöhnlich Kontaktlinsen trage.
Ausgerechnet heute waren meine Augen so gerötet, dass ich auf die Kontaktlinsen
verzichten musste. Ich habe für solche Fälle natürlich immer eine Brille bei
mir, eines von diesen schicken Hornbrillen-Modellen, wie sie gerade angesagt
sind. Meine Freunde finden, dass ich mit der Brille sehr intelligent und sehr
distinguiert aussehe, was im Klartext bedeutet: Ich sehe aus wie eine
Oberlehrerin. Deshalb wollte ich das Risiko nicht eingehen, dass Andreas mich
genau so empfinden könnte, und habe die Brille sorgfältig in meiner Tasche
versteckt – für Notfälle sozusagen.
„Mia?!“
„Da
ist er!“, quietsche ich und kann nur mit Mühe den Reflex unterdrücken, ihm wie
verrückt zurückzuwinken.
„Und
wie sieht er aus?“
„Uli,
ich muss Schluss machen.“ Ich winke Andreas zu.
„Hey,
du kannst mich doch nicht einfach abwürgen – jetzt, wo es spannend wird!“
„Doch,
kann ich. Bis später!“ Ich drücke den Knopf, um das Gespräch zu beenden. Dann
atme ich einmal tief durch. Mein Herz klopft mir bis zum Hals, als ich mich dem
Tisch nähere. Meine Güte, der Mann sieht umwerfend aus. Seine braunen Haare
glänzen seidig im Dämmerlicht. Er trägt einen dunkelgrauen Anzug und darunter
ein hellblaues Hemd. Seine Schuhe kann ich nicht erkennen. Erleichtert stelle
ich fest, dass Andreas genauso aussieht wie auf den Fotos, die er mir geschickt
hat. Braunes lockiges Haar, feuchtbraune Augen und ein markantes Gesicht.
Wenigstens hat er nicht gelogen wie die anderen zwei Männer, mit denen ich mich
zuvor getroffen habe, bevor sich Andreas bei mir gemeldet hat.
Ich
gehe mit langen Schritten auf den Tisch zu. Andreas’ Gesicht leuchtet, als er
mich entdeckt. Das werte ich als gutes Zeichen. Er steht auf, um mich zu
begrüßen. Manieren hat er also, mein Traumprinz. Eine klitzekleine Überraschung
ist seine Größe, denn Andreas ist kleiner als gedacht. Um ehrlich zu sein, ist
er gerade mal so groß wie ich. Sollte ich mich in seiner Personenbeschreibung
verlesen haben? Ich bin mir ziemlich sicher, dass bei der Größenangabe
1,83 m geschrieben stand, und auf seinen Fotos wirkte er auch deutlich
größer als in echt. Eigentlich stehe ich ja nicht auf kleine Männer. Ich mag
es, zu einem Mann hochzusehen, egal, ob ich hohe Absätze trage oder flache
Pumps. Aber da der Rest zu stimmen scheint, will ich mal gnädig sein und
darüber hinwegsehen, dass er bei der Beschreibung ein wenig geschummelt hat.
Schließlich war ich bei meiner Berufsbeschreibung auch nicht ganz ehrlich.
Seine
Augen ruhen auf mir, und er lächelt. Meine Güte, sein Lächeln ist einfach
unglaublich. Da spielen die paar wenigen Zentimeter doch wirklich keine Rolle
mehr.
„Hallo.“
Ich räuspere mich verlegen. Das ist wieder typisch für mich. Immer wenn ich
einem attraktiven Mann gegenüberstehe, verwandele ich mich in einen stotternden
Trottel ohne Selbstbewusstsein.
„Hallo,
Mia“, kommt es prompt zurück. Ich bekomme Gänsehaut. Aber nicht eine, wie man
sie bekommt, wenn man ein besonders ergreifendes Lied hört, sondern der Art,
wie man sie bekommt, wenn man einen Horrorfilm sieht und der Hauptfigur gerade
langsam der Kopf abgeschnitten wird. Der Mann hört sich an wie eine
missgestimmte Geige! Ich schlucke trocken. Andreas’ Gesicht schwebt dicht vor
meinem, und ehe ich protestieren kann, gibt er mir einen Kuss auf die Wange.
„Schön,
dass du da bist“, schrillt es mir in mein Ohr. Ich nicke geschockt durch den
Klang seiner Stimme. Die Frau am Nachbartisch wirft mir einen bedauernden Blick
zu. Andreas zieht den Stuhl zur Seite, und ich lasse mich – immer noch
erschüttert angesichts seiner Fistelstimme – darauf fallen. Bevor ich meinen
Schock überwunden habe, fängt Andreas wieder an zu sprechen.
„Du
siehst in echt noch netter aus als auf dem Foto.“
Nett?
Nett ist die kleine Schwester von scheiße! Ich schlucke und nicke, unfähig
etwas zu sagen.
Andreas
scheint meine momentane Sprachlosigkeit nicht zu stören, denn er fährt
ungerührt mit seinem kleinen Begrüßungsmonolog fort.
„Ich
war schon sehr gespannt, wie du wohl in Wirklichkeit bist. Weißt du, auf diesen
Datingplattformen wird so viel gelogen und die Wenigsten sind ehrlich“, quakt
er mit der Stimme einer breitgetretenen Kindertrompete weiter und lehnt sich
selbstgefällig im Stuhl zurück. „Aber du bist genau mein Typ.“
Na
prima! Obwohl mein erster Impuls ist aufzustehen und zu gehen, beschließe ich,
dem Mann noch eine Chance zu geben. Wer solche E-Mails schreiben kann, kann
einfach kein schlechter Mensch sein, und eine Stimme ist letztendlich nicht
alles! Tom Cruise hört sich in echt auch nicht viel besser an, und der hat es
schließlich bis an die Weltspitze gebracht. Ob man eine Stimme operativ
verbessern kann?
„Aber
du sagst ja gar nichts.“ Andreas sieht mich mit seinen zugegeben schönen Augen
an.
„Tja,
weißt du“, stammele ich, „ich bin noch völlig von unserer Begegnung
überwältigt.“ Das ist zumindest nicht gelogen!
„Das
kann ich verstehen.“ Andreas lächelt mich selbstzufrieden an. „Geht mir
genauso.“
Wie
so oft in meinem Leben frage ich mich, warum ich nicht mit einem solchen
Selbstbewusstsein ausgestattet bin, sondern immer voller Selbstzweifel durch
das Leben stolpere. Das muss an meiner Erziehung liegen.
Seit ich denken kann, hat meine Mutter darauf
geachtet, dass ich mich gesund ernähre und mein Gewicht halte. Kleine
körperliche Defizite wurden sofort von ihr kommentiert mit Bemerkungen wie:
„Meine
Güte, du siehst ja aus wie ein Streuselkuchen mit den vielen Pickeln in deinem
Gesicht. Wir müssen unbedingt einen Termin beim Hautarzt machen“, oder „Sag
mal, Liebes, kann das sein, dass du zugenommen hast, oder liegt es an der Hose,
die eine so unglückliche Figur macht?“ Da ist es mehr als verständlich, dass
ich schon als Teenager mit Selbstzweifeln zu kämpfen hatte. Bis heute sehe ich
unauffällig zur Seite, wenn ein Mann mich bewundernd ansieht, nur um
sicherzugehen, dass er auch wirklich mich meint und nicht irgendeine andere
schöne Frau, die sich gerade zufällig neben mir im Raum befindet.
„Was
möchtest du trinken?“, scheppert es an meine Ohren.
„Einen
Gin und Tonic, bitte.“ Ich brauche Alkohol, am besten literweise, ansonsten
überstehe ich den Abend nicht. Ich werde mir die Stimme einfach schön trinken.
„Oha,
eine Frau, die gerne harte Sachen trinkt“, sagt er, dabei sieht er mich an, als
ob ich ihm soeben mit meiner Bestellung gestanden hätte, dass ich Alkoholikerin
bin.
Ich
beschließe, nicht weiter darauf einzugehen, das würde die Sache wahrscheinlich
noch schlimmer machen. Außerdem bin ich Andreas keine Rechenschaft schuldig.
Andreas
gibt dem vorbeilaufenden Keller ein Zeichen, während ich krampfhaft überlege,
wie ich aus der Nummer herauskomme. Eins ist sicher: Das war das letzte Mal,
dass ich mich mit einem Kerl aus dem Internet treffe. Ich habe keine Lust mehr,
irgendeinem Idioten gegenüberzusitzen, der sich für den Nabel der Welt hält.
Wie konnte ich nur glauben, dass Andreas mein Traumprinz ist? Wobei er mit
seinen braunen Augen, den langen dunklen Wimpern und der sportlichen Figur
(wenn man mal von den fehlenden Zentimetern absieht) ganz meinem Bild von einem
Idealmann entspricht – zumindest äußerlich. Aber so ist das eben, wenn man sein
Schicksal in die Hände eines Computers legt. Da werden nur die harten Fakten
abgeglichen und so etwas wie die Stimme eines Menschen fällt einfach unter den
Tisch. Das merkst du eben erst, wenn du dem Menschen gegenübersitzt. Ebenso
verhält es sich mit dem Körpergeruch. Es gibt Menschen, die kann ich im
wahrsten Sinne des Wortes „gut riechen“ und andere wiederum stoßen mich ab.
Die
Bedienung bringt unsere Drinks. Einen Gin und Tonic für mich und einen Weißwein
für Andreas. Hastig greife ich nach meinem Glas.
„Auf
einen wunderschönen Abend.“ Andreas zwinkert mir zu.
„Ja,
auf den Abend.“ Und dass er bald aufhört, füge ich innerlich hinzu. Wir nehmen
einen Schluck, das heißt, Andreas nimmt einen Schluck, ich stürze drei Viertel
meines Glases in einem Zug hinunter. Ich kann nur hoffen, dass der Alkohol
schnell anfängt zu wirken, weil ich bei der Stimme sonst für nichts mehr
garantieren kann.
Der
Gin brennt mir in der Kehle und ich fange an zu husten.
„Alles
okay?“ Andreas beugt sich über den Tisch und tätschelt mir unbeholfen den
Rücken.
Ich
nicke, darum bemüht, nach Luft zu schnappen. Endlich ist mein Hustenanfall
vorbei.
„Was
hältst du davon, wenn wir uns etwas zu essen bestellen?“ Andreas reicht mir die
Speisekarte.
„Das
klingt nach einer guten Idee.“ Wenigstens kann Andreas beim Essen nicht reden
und meine Ohren bekommen eine kleine Auszeit gewährt.
Keine
zwei Minuten später steht die Bedienung, eine hübsche junge Frau, bei uns am
Tisch.
„Was
darf ich Ihnen bringen?“ Die junge Frau lächelt Andreas aufmunternd zu.
„Ich
hätte gerne ein Steak, bitte medium gebraten, und anstatt der Kartoffeln hätte
ich gerne einen gemischten Salat“, bestelle ich. Die Frau nickt, während sie
meine Bestellung notiert. „Ach ja, und bitte das Dressing extra an die Seite.“
Ich
gehöre leider zu den Frauen, die einen trägen Stoffwechsel besitzen. Ich
brauche Essen nur anzuschauen, und schon habe ich ein Kilo mehr auf den Rippen,
deshalb habe ich mir in den letzten Jahren meines Alleinseins angewöhnt, nach
achtzehn Uhr keine Kohlenhydrate mehr zu mir zu nehmen. Eine Methode, die sich
bewährt hat und mir bei einer Größe von 1.75 m ein Idealgewicht von 59 Kilo
beschert hat. Das ist einer der weiteren Nachteile als Single. Man muss ständig
darauf achten, sich in der Öffentlichkeit von seiner besten Seite zu zeigen.
Ich gehe, seit Holger mich vor zwei Jahren verlassen hat, nicht mehr aus dem
Haus, ohne mich vorher ausgiebig gestylt zu haben. Vorbei sind die Zeiten, in
denen ich abends gemütlich mit Holger bei einem Glas Wein und einem Teller
Spaghetti auf dem Sofa saß. Heutzutage tummele ich mich auf After-Work-Partys
oder im Fitnessclub herum, auf der Suche nach einem geeigneten Sexualpartner.
Die
Bedienung bringt unser Essen, und ich ertappe Andreas dabei, wie er ihr auf
ihren wohlgerundeten Po glotzt, während sie den Teller vor mir abstellt.
„Und
… gefällt sie dir?“
Andreas
sieht mich verwirrt an. „Na, die Bedienung.“
„Habe
ich gar nicht bemerkt“, brummt Andreas und beginnt sein Hähnchen zu zerteilen.
Lügner.
Ich nehme das Besteck zur Hand. Ich bin bekennende Fleischesserin und das Steak
sieht absolut köstlich aus. Uli hat schon mehrfach versucht, mich von der vegetarischen
Küche zu überzeugen, allerdings ohne Erfolg. Entweder sind meine
Geschmacksnerven nicht gut ausgebildet oder Tofu schmeckt tatsächlich nach
Nichts. Uli jedenfalls ist völlig begeistert davon. Erst letzte Woche, als wir
zusammen mit ein paar Freunden gegrillt haben, spendete Uli großzügig ein paar
Tofuwürstchen. Die Dinger schmeckten nach Pappe mit Ketchup und hatten dazu
noch die Konsistenz von Kaugummi.
„Du
bist also Unternehmerin?“, eröffnet Andreas die Smalltalkrunde mit einer
weiteren Frage.
Ich
räuspere mich. „Ja, so könnte man es bezeichnen.“
„Was
genau muss ich mir darunter vorstellen?“ Uli hat mir zwar eingebläut, nicht
gleich alles über mich zu sagen, aber ich beschließe, bei der Wahrheit zu
bleiben. Schließlich kann ich Andreas schlecht Vorwürfe wegen seiner Stimme
machen und selbst lügen, was meinen Beruf anbelangt.
„Ich
schreibe Bücher.“ Ich nehme einen weiteren Schluck aus meinem Glas. „Um genau
zu sein Krimis.“
„Tatsächlich?
Du meinst so à la Rita Falk?“ Andreas hebt erstaunt die Augenbraue und ich mein
Glas, um einen weiteren Schluck daraus zu nehmen.
„Rita
Falk?!“ Ich winke ab. „Das ist doch netter Kinderkram. Nein, ich schreibe
Krimis, in denen das Blut nur so aus den Seiten tropft. Wenn du verstehst, was
ich meine.“ Ich schneide mit dem Messer ein Stück Fleisch ab. Sofort läuft der
rotbraune Saft über meinen Teller. Ich grinse.
Andreas
rutscht unruhig auf seinem Stuhl hin und her. „Das hätte ich gar nicht von dir
vermutet.“
„Was?
Dass ich blutrünstige Geschichten schreibe?“
Er
nickt.
„Je
mehr Blut, umso besser.“
„Aha.
Und woher holst du deine ... äh Inspiration?“
„Das
wahre Leben ist meine Inspiration.“ So langsam gewinne ich Spaß an der
Unterhaltung.
„Das
wahre Leben ... so, so.“ Die Selbstsicherheit von Andreas ist wie verflogen. Er
mustert mich aufmerksam, während ich aus meinem Schreiballtag plaudere. „Ja,
die Zeitungen sind voll mit Mordfällen, wenn man mal genau hinschaut.“ Ich
schneide mir ein weiteres Stück Fleisch ab. Andreas verfolgt jede meiner
Bewegungen aufmerksam. „Letzten Monat ist in meiner unmittelbaren Nachbarschaft
ein junger Mann ermordet worden – um genau zu sein: erstochen. Keiner hat es
zunächst bemerkt. Erst, als sich die Post vor der Haustür gestapelt hat und der
Verwesungsgeruch im Treppenhaus zu riechen war, haben die Nachbarn die Polizei
geholt. Der Mörder läuft noch immer frei herum.“ Ich lächele. Andreas lächelt
nicht. „Das ist die beste Inspiration, die man als Autorin bekommen kann“,
schließe ich meine kleine Ausführung ab.
Andreas
kaut schweigsam an seiner Enchilada. Mit jeder Minute des Schweigens steigt
meine Laune und ich genieße mein Steak bis zum letzten Biss.
„Tja,
es war schön, dich kennengelernt zu haben“, verabschiede ich mich höflich,
nachdem wir die Rechnung bezahlt haben. „Ich muss dann mal los.“ Ich möchte
keine Sekunde länger als nötig mit diesem Mann an einem Tisch verbringen. Dass
er eine Fistelstimme hat, ist eine Sache, aber dass er mich für das Essen
zahlen lässt, geht gar nicht! In dieser Hinsicht bin ich altmodisch. Wenn mich
ein Mann um ein Date bittet, erwarte ich von ihm, dass er mich einlädt. Nicht,
dass ich es mir nicht leisten könnte, aber das ist eine Prinzipsache.
„Ja,
fand ich auch.“ Andreas beugt sich nach vorne und macht Anstalten, mich zu
küssen. Ich weiche instinktiv zurück. Andreas runzelt die Stirn. „Tja äh …
sehen wir uns wieder?“
„Ich
glaube nicht.“ Ich sehe Andreas fest in die Augen.
„In
Ordnung, ist vielleicht auch besser so.“ Andreas wirkt irgendwie erleichtert.
„Ich habe mir gleich gedacht, dass wir nicht zusammenpassen.“
„Aha!“
„Ja,
Frauen wie du sind mir viel zu selbstbewusst.“
„Du
suchst also ein hübsches Mäuschen, das in Bewunderung ausbricht, wenn du ihr
von deinem langweiligen Tag im Büro erzählst.“
„Das
ist mal wieder typisch Frau.“ Andreas verzieht das Gesicht und sieht mit einem
Mal gar nicht mehr so attraktiv aus.
„Was?“
„Ihr
reagiert immer so emotional.“
„Wenn
du es so siehst. Auf Wiedersehen.“ Ich mache auf meinem Absatz kehrt, ohne
Andreas noch eines Blickes zu würdigen. Der Depp kann mir mal im Mondschein
begegnen.
Lena
Seufzend
werfe ich einen Blick auf die Uhr. Sie zeigt mir unbarmherzig an, dass es in
wenigen Minuten einundzwanzig Uhr sein wird, und ich begrabe die Hoffnung, dass
mein Mann Chris heute noch zum Abendessen erscheint. Somit wäre es dann schon
das dritte Mal in dieser Woche, wo er mich mit fadenscheinigen Begründungen,
wie Überstunden und wichtige Besprechungen in der Firma, abspeisen wird und ich
quasi umsonst gekocht habe.
Als
ich den gedeckten Tisch abräume und das unbenutzte Geschirr wieder in den
Schrank stelle, kann ich nicht verhindern, dass mir einige dicke Tränen die
Wangen runterkullern. Ist es das, was von über zwanzig Jahren Ehe übrig bleibt?
Seit unsere Zwillinge Till und Lilly vor drei Monaten in eine WG gezogen sind
und ihr Studium begonnen haben, ist es zwischen mir und Chris rapide bergab
gegangen.
Unsere
Unterhaltungen bestehen meist nur noch aus „Guten Morgen“ oder „Hast du meinen
Anzug in die Reinigung gebracht?“. Irgendwie hatte ich mir das alles anders
vorgestellt. Ich habe wirklich geglaubt, dass, wenn unsere Kinder ausgezogen
sind, wir wieder mehr Zeit für uns haben und auch unser Sexleben einen
Aufschwung erfährt. Nicht mehr diesen Sex nach Plan, alle vier Wochen, im
dunklen Schlafzimmer und immer darauf bedacht, bloß leise zu sein, damit die
Kinder uns nicht hören. Nein! Stattdessen spontanen Sex auf dem Esstisch oder
auf dem Wohnzimmerfußboden und ohne irgendwelche Hemmungen. Auf unsere Nachbarn
müssen wir dabei keine Rücksicht nehmen.
Wir
bewohnen eine Doppelhaushälfte am Stadtrand von Frankfurt am Main und die
Besitzer der anderen Haushälfte sind beide schon Ende siebzig und äußerst
schwerhörig. Davon haben auch immer Till und Lilly profitiert, da wir niemals
Beschwerden bekommen haben, wenn die beiden mal eine Party gefeiert oder die
Musik zu laut aufgedreht haben. Das Ehepaar Schulze ist wirklich total pflegeleicht
und sie sind absolute Traumnachbarn. Sie haben sogar früher ab und zu auf
unsere Kinder aufgepasst, wenn Chris und ich mal spontan beschlossen haben, ins
Kino zu gehen oder auf ein Glas Wein zu unserem Lieblingsitaliener wollten.
Dafür habe ich dann ihren Briefkasten geleert und die Blumen gegossen, wenn
Schulzes zu ihrem jährlichen Kururlaub nach Tschechien gefahren sind.
Ich
bin gerade dabei, das Abendessen in Tupperschüsseln zu füllen, als ich Chris’
Auto auf unser Grundstück fahren höre. Schnell wische ich mir die Tränen aus
meinem Gesicht und atme ein paarmal tief durch. Ich spüre sofort, wie sich mein
ganzer Körper anspannt. Auf der einen Seite bin ich wirklich wütend auf meinen
Mann, weil ich sein Verhalten mir gegenüber einfach nur respektlos finde, aber
gleichzeitig bin ich auch froh, dass er nun endlich zuhause ist. Ich hasse es,
alleine zu sein, und auch wenn Chris jetzt sofort wie fast jeden Abend in sein
Arbeitszimmer verschwindet und ich ihn wahrscheinlich den Rest des Tages nicht
mehr zu Gesicht bekomme, so weiß ich aber doch, dass er da ist, und das gibt
mir ein beruhigendes Gefühl.
„Hallo,
Lena. Es tut mir leid, dass es schon wieder so spät geworden ist. Ich hoffe, du
hast nicht mit dem Essen auf mich gewartet?“
Chris
ist in die Küche gekommen. Ich drehe mich langsam zu ihm um und ringe mir ein
Lächeln ab. Als ich direkt in seine tiefblauen Augen sehe, verkrampft sich mein
Herz, und ich habe das Gefühl, für einen kurzen Moment keine Luft zu bekommen.
Natürlich ist das Blödsinn, denn würde ich keine Luft mehr bekommen, dann wäre
ich mit größter Wahrscheinlichkeit umgefallen, aber ich stehe immer noch und
sehe Chris einfach nur an. Auch nach über zwanzig Jahren finde ich meinen
Mann äußerst attraktiv, und mein Herz
schlägt Purzelbäume, wenn er mich liebevoll ansieht.
Chris
ist einfach eine Erscheinung. Wenn er einen Raum betritt, zieht er automatisch
alle Blicke auf sich, und das liegt nicht nur daran, dass er mit seinen ein
Meter dreiundneunzig Körpergröße überdurchschnittlich groß ist, sondern am
Gesamtpaket. Seine Haut ist auch mit 44 Jahren immer noch fast faltenfrei und
seine dunkelblonden Haare ziert nicht ein einziges graues Haar. Dass er
mindestens zweimal die Woche ins Fitness-Studio geht, ist ebenfalls nicht zu
übersehen, denn er ist muskulös und durchtrainiert. Obwohl ich weiß, dass ich
trotz meiner leicht molligen Figur und meinen langen blonden Haaren durchaus
ganz passabel aussehe und mich nicht zu verstecken brauche, überkommt mich
manchmal die Angst, dass Chris sich irgendwann in eine andere verlieben könnte.
Jetzt, nachdem unsere Kinder ausgezogen sind und wir uns noch mehr
auseinandergelebt haben, sind diese Ängste schlimmer denn je.
„Was
schaust du mich denn so an? Stimmt irgendetwas nicht mit mir?“
Ich
zucke zusammen. Ganz so, als ob ich etwas Verbotenes getan hätte. „Nein. Es ist
alles okay. Es ist nur …“
„Ja?“
„Na
ja, ich bin ziemlich wütend, dass du nun schon das dritte Mal in dieser Woche
nicht zum Essen zuhause warst und es noch nicht einmal für nötig gehalten hast,
mir kurz Bescheid zu sagen.“
Ich
deute auf die Tupperschüsseln. „Wenn ich jedes Mal das übrig gebliebene Essen
einfrieren muss, dann können wir uns bald noch einen zusätzlichen
Gefrierschrank kaufen.“
Chris
schaut mich einen Moment lang an und ich glaube so etwas wie Mitleid in seinem
Blick zu erkennen. Das ist gar nicht gut, schießt es mir durch den Kopf.
„Lena,
ich glaube es wird Zeit, dass wir beide miteinander reden. Es gibt da etwas,
das du wissen solltest.“ Chris fährt sich nervös mit seiner Hand durch die
Haare.
Mir
wird schlagartig übel. Ist das nicht der Satz, mit dem in Büchern und Filmen
immer die große „Ich habe eine andere Frau kennengelernt und werde dich jetzt
verlassen“-Beichte eingeleitet wird?
„Was
sollte ich wissen?“, frage ich mit zitternder Stimme, obwohl ich mir gar nicht
sicher bin, ob ich die Antwort wirklich hören möchte.
Chris
geht an den Kühlschrank und holt sich ein Bier raus. Es kommt mir wie eine
Ewigkeit vor, bis er den Flaschenöffner aus der Schublade gekramt hat und mit
einer schnellen Handbewegung den Kronenkorken von der Flasche hebelt.
„Wollen
wir uns nicht lieber setzen?“ Chris deutet auf den Esszimmertisch.
Ich
nicke stumm und fast schon mechanisch lasse ich mich auf einen der leeren
Stühle fallen. Chris setzt sich mir gegenüber und knibbelt nervös das Etikett
von der Bierflasche. Eine Weile sitzen wir einfach nur so da und schweigen uns
an.
„Mm
… wolltest du mir nicht etwas sagen?“, erinnere ich ihn an den Grund, warum wir
uns zusammen an den Tisch gesetzt haben.
Chris
räuspert sich mehrmals. Es ist fast so, als ob er Angst hätte, dass seine
Stimme versagen könnte.
„Lena,
was ich dir jetzt sagen muss, fällt mir alles andere als leicht, aber du hast
es einfach verdient, die Wahrheit zu kennen.“ Er nimmt einen großen Schluck aus
der Bierflasche, bevor er weiterredet. „Du bist eine intelligente Frau, und
wahrscheinlich ahnst du ohnehin schon etwas.“
In
meinem Kopf dreht sich alles, aber irgendwie bringe ich es trotzdem fertig,
meinem Mann direkt in die Augen zu sehen. „Was sollte ich ahnen? Chris, du
sprichst in Rätseln. Jetzt mache es nicht so spannend und sag mir bitte, worum
es geht.“
„Wir
sind jetzt über zwanzig Jahre zusammen, und das ist eine verdammt lange Zeit.
Wir haben viele schöne Dinge gemeinsam erlebt und zwei wunderbare Kinder in die
Welt gesetzt. Aber seit Till und Lilly ausgezogen sind, ist mir auch bewusst
geworden, dass es das noch nicht gewesen sein kann. Das Leben muss doch noch
mehr bereithalten als nur Arbeit und die gelegentlichen Besuche unserer Kinder,
bei denen sie hier Berge von schmutziger Wäsche abliefern.“
Einen
Moment lang überkommt mich das Gefühl von Hoffnung. Vielleicht will Chris mir
ja gar nicht mitteilen, dass er sich in eine andere verliebt hat. Vielleicht
eröffnet er mir jetzt, dass er sich ein halbes Jahr unbezahlten Urlaub genommen
und für uns beide eine Weltreise gebucht hat. Ich greife über den Tisch nach
seiner Hand und nehme sie fest in meine.
„Ich
sehe das ähnlich wie du, Chris. Ich bin ebenfalls nicht glücklich mit der
momentanen Situation und würde gerne noch einmal von vorne anfangen.“
Schlagartig
erhellt sich sein Gesicht. „Ist das dein Ernst, Lena? So habe ich dich gar
nicht eingeschätzt. Ich habe geglaubt, dir genügt das Leben, das wir führen.“
Heftig
schüttele ich den Kopf. „Nein, auf keinen Fall. So möchte ich auch nicht die
nächsten dreißig Jahre weiterleben.“
Chris
atmet laut hörbar aus. „Einen Neuanfang. Genau das möchte ich. Noch sind wir
nicht zu alt, um unserem Leben noch mal eine Wendung zu geben.“
In
Chris’ Augen ist ein Leuchten, wie ich es schon lange nicht mehr gesehen habe.
„Seit
ich Anna kennengelernt habe, weiß ich wieder, wie sich Unbeschwertheit und
Lebenslust anfühlen. Seit Wochen quäle ich mich damit herum, wie ich dir reinen
Wein einschenken kann, ohne dich zu verletzen. Ich habe doch nicht im
Geringsten geahnt, dass du auch nochmal von vorne anfangen möchtest.“
Wumm!
Ich habe das Gefühl, als ob sich eine Faust in meine Magengrube gebohrt hätte.
Wer zum Teufel ist Anna?
Mia
„Bist
du allein? Kannst du sprechen?“, flüstert Uli mit Verschwörerstimme ins
Telefon.
„Du
kannst ruhig laut sprechen, ich bin alleine.“ Ich schenke mir ein Rotwein ins
Glas und lasse mich auf mein gemütliches Sofa fallen. „Gott sei Dank!“
„Dann
war dein Traumprinz also kein Traum?“
„Doch,
ein Alptraum, wenn du es genau wissen willst.“ Ich setze das Glas an meine
Lippen und nehme einen Schluck. „Das Date war der absolute Höhepunkt meiner
erfolglosen Treffen mit Männern in den letzten Jahren. Nicht nur, dass der Typ
gerade mal so groß war wie ich … nein, er hatte dazu noch eine Stimme wie eine
rostige Kreissäge und den Charme eines Abfalleimers.“
„Oh,
oh, das hört sich aber gar nicht gut an.“
„War
es auch nicht“, brumme ich. „Es will mir nicht in den Kopf, wie ein Mann so
nette E-Mails schreiben kann und sich dann als derartiger Loser entpuppt.“
„Das
tut mir leid, Süße.“
„Braucht
es nicht, ich hatte auch meinen Spaß“, kichere ich. „Du hättest mal sein
dämliches Gesicht sehen sollen, als ich ihm von meinem Beruf als blutrünstige
Krimiautorin erzählt habe.“
„Du
hast gesagt, du seist Krimiautorin?“ Jetzt ist Uli ein bisschen fassungslos.
„Na klar. Ich habe mir einen Spaß daraus gemacht.“
Ich kichere leise. „Dem sind fast die Augen ausgefallen, als ich ihm von diesem
Mordfall aus der Nachbarschaft erzählt und dabei mein Steak geschnitten habe.“
„Ich
kann es mir lebhaft vorstellen. Du bist ein ganz schönes Miststück, weißt du
das?“
„Deshalb
liebst du mich doch so.“
„Stimmt
genau“, kichert Uli.
„Und
wann hast du dein nächstes Date?“
„Spinnst
du jetzt völlig!“, kreische ich in den Hörer. „Ich habe die Nase gestrichen
voll.“
„Ach,
das ist doch Blödsinn. Das sagst du nur, weil sich dein Traumprinz als Idiot
herausgestellt hat.“
„Nein,
das sage ich nicht einfach nur so. Du solltest mich nach all den Jahren besser
kennen. ICH WILL AUF KEINEN FALL MEHR EIN DATE MIT IRGENDEINEM MANN!“, sage ich
betont langsam und mit fester Stimme.
„Du
brauchst mit mir nicht zu reden, als wäre ich schwer von Begriff“, mault Uli.
„Ich habe die Message verstanden. Und was ist der Plan?“
Ich
zucke mit den Schultern. „Kein Plan.“
„Okay.
Das ist nicht gerade viel.“
„Ich
weiß jetzt mit Sicherheit, dass ich mich nicht länger auf irgendwelchen
Plattformen feilbieten werde, als wäre ich eine minderwertige Ware. Ich möchte
nur noch meine Ruhe und meine Macken ausleben.“
„Ist
mir durchaus bewusst, und Macken hast du ja genug.“
„Genau
wie du!“
„Wer
dich zur Freundin hat, braucht wirklich keine Feinde mehr“, kontert Uli.
„Ach
Uli, das ist doch normal. Sag mir einen in unserem Bekanntenkreis, der keine
Macke hat.“
Uli
schweigt einen kurzen Moment. „Lennard!“, sagt sie schließlich.
„Du
meinst Lenny, Lennard?“
„Genau
den.“
„Also
von seiner Freundin weiß ich, dass Lennard nachts immer ins Waschbecken
pinkelt, weil er zu faul ist, aufs Klo zu gehen.“
„Igitt!
So etwas erzählt die dir?“
„Ja,
unter dem Einfluss von zu viel Rotwein werden die Leute manchmal ganz schön
gesprächig“, kichere ich und nehme einen Schluck aus meinem Glas.
„Das
hätte ich nicht gedacht. Lennard ist doch Lehrer. Der sollte eigentlich ein
Vorbild sein.“
„Na
ja, ich denke mal nicht, dass er das in der Schule genauso macht.“ Ich angele
mit den Zehen nach der Myself.
„Hm.
Ich glaube, ich kann Lennard nie wieder in die Augen sehen, ohne dabei
hysterisch zu kichern.“
„Dann
geht es dir wie mir.“ Ich ziehe an der Myself und stoße dabei gegen mein
Weinglas. Klirrend landet das Glas auf dem Holzboden und eine rote Lache
breitet sich darauf aus. „Mist!“, fluche ich laut und springe auf, den Hörer
ans Ohr geklemmt.
„Was
ist los?“
„Du,
ich muss Schluss machen, ich habe mein Rotweinglas umgeschmissen.“ Ich haste in
die Küche.
„Alles
klar, bis morgen.“
Ich
lege auf und hole mir eine Küchenrolle, um damit bewaffnet zurück ins
Wohnzimmer zu rennen.
Bis
auf das zerbrochene Glas ist weiter nichts passiert. Ich beseitige den
Rotweinfleck. Anschließend fege ich die Glassplitter zusammen und bringe sie in
die Mülltonne. Da ich keinen Rotwein mehr habe, nehme ich mir ein Glas Wasser
und fläze mich auf das Sofa. Lustlos zappe ich ein paar Minuten durch das
Fernsehprogramm. Wie immer, wenn ich mal einen Film schauen will, läuft nichts.
Nur öde Talkshows und langweilige Fernsehfilme auf dem Niveau einer
Abschlussklasse der Filmakademie.
Ich
schnappe mir die Myself und blättere ein wenig darin, als mein Blick auf
der Reiseseite mit der Überschrift „Ferien auf der Sonneninsel Sylt“ hängen
bleibt. Das Titelbild zeigt eine herrlich sonnenbeschienene Dünenlandschaft mit
einem typischen Reetdachhaus darin. „Lassen Sie sich richtig vom Wind
durchpusten und die Seele baumeln …“
Hört
sich gar nicht so schlecht an. Interessiert fliegen meine Augen über die
Zeilen. Obwohl ich keine drei Stunden entfernt von Sylt wohne, war ich noch nie
dort. Unsere Urlaube mit der Familie haben wir meistens im Wohnwagen in
Frankreich und Österreich verbracht. Die Ostsee haben wir nur am Wochenende
besucht. Samstagmorgen wurde sich in aller Herrgottsfrühe ins Auto gesetzt, um
möglichst dem Stau zu entkommen, der sich allwöchentlich auf den Autobahnen in
Richtung Ostsee bildet. Im Gepäck ein prall gefüllter Picknickkorb, Handtücher
und diverse Strandspielsachen. Wir lagen den ganzen Tag mit meinen Eltern am
Strand, haben Sandburgen gebaut und in der kalten Ostsee gebadet. Wunderbar.
Abends, wenn alle müde vom Tag waren, haben wir uns ins Auto gesetzt und mein
Vater hat uns sicher nach Hause gefahren. Ich habe immer einen warmen Kloß im
Bauch, wenn ich an diese Zeit zurückdenke. Sylt?! Ich seufze, denn eigentlich
kann ich mir im Moment keinen Urlaub leisten. Meine Agentin hat schon dreimal
angerufen und nach dem angekündigten Manuskript gefragt. Ich habe ihr natürlich
nicht gesagt, dass ich in den ersten hundert Seiten feststecke. Irgendwie bin
ich blockiert, seit Holger sich von mir getrennt hat. Meinen Lebensunterhalt
verdiene ich mit kleinen Auftragsarbeiten oder historischen Liebesromanen, die
man in jedem Kiosk an der Ecke kaufen kann. Nichts, worauf ich sonderlich stolz
bin, aber es bezahlt meine monatlichen Unkosten. Dieses Buch, an dem ich gerade
arbeite, soll mein Durchbruch als ernst zu nehmende Schriftstellerin werden.
Allerdings nicht, wenn es so läuft wie bisher, nämlich beschissen, um es mal in
klare Worte zu fassen.
Du
musst arbeiten, ermahne ich mich selbst wie ein kleines Kind. Frustriert klappe
ich die Myself zusammen und stehe auf. Zeitgleich, als ich das Licht ausmachen
will, klingelt mein Handy.
Das
Gesicht meiner Mutter lacht mir vom Display entgegen. Ich stöhne innerlich.
Nicht,
dass ich meine Mutter nicht liebe, aber in der Regel dreht sich in den
Telefonaten mit ihr alles um das Thema Krankheiten oder Jan. Für einen kurzen
Moment bin ich versucht, das Gespräch nicht anzunehmen, aber dann siegt mein
schlechtes Gewissen.
„Hallo,
Mama.“
„Hallo,
meine Süße. Na, wie geht es dir?“ Diese Frage stellt sie immer, damit ich sie
frage, wie es ihr geht und sie mir von ihren neusten Krankheiten erzählen kann.
„Gut.
Ein bisschen müde. Ich wollte gerade ins Bett gehen“, sage ich in der Hoffnung,
das Gespräch weg von den Krankheiten zu lenken.
„Ach,
ich wünschte, ich könnte auch endlich wieder schlafen“, stöhnt es am anderen
Ende. Wusste ich es doch!
„Warum?
Du musst dich doch nur ins Bett legen und dann kannst du auch schlafen.“
„Als
ob das so einfach wäre.“
„Eigentlich
schon.“
„Für
dich vielleicht“, kommt es spitz zurück. „Du leidest ja nicht wie ich seit
Jahren an Schlafstörungen.“
„Du
hast Schlafstörungen?“ Die Aussage meiner Mutter versetzt mich nun doch in
Erstaunen, denn, wenn es einen Menschen auf dieser Welt gibt, der gut schläft,
dann ist es meine Mutter. Es gibt unzählige Bilder in unserem Familienalbum,
die meine Mutter in den verschiedensten Positionen schlafend zeigen.
„Aber
Mia, das weißt du doch. Ich wandere fast jede Nacht durch die Wohnung, während
euer Vater schnarchend im Bett liegt.“
„Woher
soll ich das wissen, ich wohne schon seit Jahren nicht mehr bei euch. Falls es
dir noch nicht aufgefallen ist.“
„Was
bist du denn heute so gereizt?“
„Ich
bin nicht gereizt nur weil ich nichts von deinen Schlafstörungen weiß.“
„Immer
diese Widerworte von dir. Du warst schon als Kind störrisch.“
„Mama,
ich habe wirklich keine Lust mich mit dir zu streiten“, versuche ich sie zu
beruhigen. Wenn meine Mutter sich erst einmal in Rage geredet hat, kann es für
gewöhnlich Stunden dauern, bis sie sich wieder beruhigt hat.
„Mm“,
schnaubt es.
„Du
könntest es ja mal mit einer Tasse Baldriantee versuchen.“
„Gegen
Baldrian bin ich allergisch. Außerdem riecht das ganze Haus anschließend
danach.“
„Warst
du mal beim Arzt?“
„Der
alte Quacksalber hat doch keine Ahnung.“
„Aber
warum gehst du dann überhaupt dorthin? Es ist ja nicht so, als ob wir in
Hamburg keine Ärzte hätten.“
„In
Hamburg vielleicht. Hier draußen ist die Auswahl deutlich begrenzt.“
Meine
Eltern sind vor Jahren an den Stadtrand von Hamburg aufs Land gezogen und
nennen nun einen kleinen Aussteigerhof mit einem riesigen Grundstück ihr Eigen.
Der kleine Ort ist bestens an das Stadtgebiet angebunden und von ihrem Haus bis
in die Innenstadt brauchen meine Eltern knapp 30 Minuten. Der wahre Grund für
den Ärztemangel ist die Tatsache, dass meine Mutter ausschließlich Ärzte
aufsucht, die ihr nach dem Mund reden. Sobald ein Arzt ihrer Theorie
widerspricht, erklärt meine Mutter ihn für unfähig und sucht ihn nie wieder in
seiner Praxis auf. Im Laufe der Jahre hat sie so eine beachtliche Anzahl von
Ärzten verschlissen.
„Das
ist ja doof.“ Widersprechen hätte eh keinen Zweck, also schlage ich die
Zustimmungstaktik ein.
„Ja,
genau. Dein Vater ist schon ganz unglücklich, weil es mir so schlecht geht.“
„Der
arme Papa.“
„Und
mich bedauerst du nicht.“ Jetzt ist sie beleidigt.
„Natürlich
tust du mir leid“, antworte ich matt. „Ich weiß nur nicht, wie ich dir helfen
kann.“
„Da
kann mir niemand helfen“, seufzt es am anderen Ende der Leitung. Ich kann
förmlich sehen, wie sich ihre graublauen Augen mit Wasser füllen und sich ihr
Gesicht voller Selbstmitleid verzieht. Manchmal frage ich mich, wie mein Vater
das schon seit Jahren mit ihr aushält. Ich habe ihn in einer ruhigen Minute mal
drauf angesprochen und er hat nur mit den Schultern gezuckt und gesagt: „Ich
liebe deine Mutter so, wie sie ist, und da werden ein paar Krankheiten nichts
daran ändern.“ Soweit ich zurückdenken kann, hat mein Vater bedingungslos zu
meiner Mutter gehalten. Auch uns Kindern gegenüber hat er sie immer verteidigt,
was nicht ganz einfach für uns war, da wir nie gewinnen konnten.
„Ach
Mama. Lass den Kopf nicht hängen. Ich bin mir sicher, das gibt sich wieder.
Haben wir nicht gerade Vollmond?“ Ich schiele vorsichtig aus dem Fenster.
Tatsächlich hängt der Mond wie ein leuchtender weißer Ball am Himmel.
„Keine
Ahnung. Vielleicht.“
„Siehst
du, das ist bestimmt der Grund. Ich habe in den letzten Tagen auch schlecht
geschlafen.“
„Wirklich?“
Misstrauen klingt in ihrer Stimme mit.
„Wirklich.“
Es
herrscht kurzes Schweigen.
„Hast
du was von deinem Bruder gehört?“
„Jan?
Der meldet sich doch nie bei mir.“
„Das
stimmt doch nicht. Dein Bruder hat einfach viel zu tun.“
„Na
ja, auch wenn er viel arbeitet, könnte er mal wenigstens kurz anrufen und
fragen, wie es mir geht. Ich meine, er ist ja schließlich nicht der
Bundeskanzler, sondern angestellter Ingenieur.“
„Du
kennst doch deinen Bruder.“ Jan ist der Liebling meiner Mutter. Nicht, dass sie
einen von uns beiden offensichtlich bevorzugen würde, aber wenn es um die
Schwächen meines Bruders geht, ist meine Mutter absolut resistent. „Dein Vater
und ich wollten euch morgen zu uns zum Kaffee einladen.“
Ich
überlege krampfhaft nach einer Ausrede, aber entweder die Müdigkeit oder der
übermäßige Alkoholgenuss haben meine Synapsen in eine Art Starre versetzt.
Jedenfalls fällt mir nicht ein, was ich dagegensetzen könnte.
„Wie
nett von euch. Um wie viel Uhr soll ich kommen?“
„Wir
hatten so an drei Uhr gedacht.“
„Drei
Uhr klingt gut. Dann sehen wir uns morgen.“
„Gut,
mein Liebes ...“
Ich
öffne den Mund, um meiner Mutter eine Gute Nacht zu wünschen, schließe ihn jedoch
gleich wieder angesichts der damit verbundenen Komplikationen.
„Bis
morgen“, sage ich stattdessen und lege auf.
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Na seit ihr schon gespannt auf mehr? Ich auf jeden Fall, denn der Ausschnitt macht richtig Lust auf mehr und auch das Cover finde ich sehr passend und schön gestaltet.