Das geht die Woche ja richtig Schlag auf Schlag und schon steht der 2. Lesedeal für diese Woche an. ausgehandelt habe ich ihn mit der sympatischen Autorin Simone Olmesdahl. Lasst das Cover auf euch wirken und dann schmökert im Text umher. Ab dem 15.9 ist das Buch dann erhältlich.
1. KAPITEL
Badfield
Ich klappte die Sonnenblende
meines schwarzen Ford Fusion herunter. Der V6-Motor schnurrte wie ein Kätzchen
und duellierte sich mit dem Geräusch der Reifen, die über den brennenden
Asphalt rollten. An einigen Stellen des Highways sah es durch die
Luftspiegelung so aus, als ob ich auf große Wasserlachen zufahren würde. Es war
heiß in Madison County, Iowa. Sicher dreißig Grad, auch wenn die Klimaanlage
über die Hitze hinwegtäuschte. Vor einer Stunde hatte ich an einer Tankstelle
gehalten und war beim Tanken beinahe umgekippt. Draußen herrschte das reinste
Saunaklima.
Ich seufzte, fuhr mir mit der Hand durch den dunklen
Undercut-Haarschnitt und rieb mir über die Augen, in der Hoffnung, die über
mich herfallende Müdigkeit zu vertreiben. Die unendlich blaue Skyline, die in
der Ferne mit gelben Maisfeldern und grünen Wäldern verschmolz, verschwamm
unter meinem Blick. Mit Zivilisation hatte dieses Fleckchen Erde wenig zu tun.
In der letzten halben Stunde war ich bloß einem Truck und zwei Pick-ups
begegnet. Ich war in Seattle aufgewachsen, einer Stadt mit siebenhunderttausend
Einwohnern, Wolkenkratzern, Meer und Leben, obwohl es natürlich auch dort grüne
Ecken gab. Aber das hier …
Jede Trennung war zugleich ein Neuanfang und jeder
Aufbruch manchmal auch ein Schritt in die Vergangenheit. Es zog mich dorthin,
wo mein Leben begonnen hatte: Badfield.
Pünktlich zum College-Abschluss hatte Brittany mir den
Laufpass gegeben. Während eines Streits, wie wir ihn in den letzten Monaten
fast täglich geführt hatten, hatte sie sich plötzlich ihre blonden Haare aus
den verweinten Augen gestrichen und die vernichtenden Worte ausgesprochen:
„Kyron, ich finde, wir sollten Schluss machen. Wir sind doch ohnehin nur noch
aus Gewohnheit zusammen.“
Vielleicht hatte sie damit recht. Wer fand die große
Liebe schon auf der Highschool? Es grenzte an ein Wunder, dass wir überhaupt
sieben Jahre lang ein Paar geblieben waren. Sie war nicht immer treu gewesen,
ich aber auch nicht, und eigentlich hatten wir uns immer wieder
zusammengerauft. Diesmal lagen die Dinge allerdings anders. Selbst eine Strecke
von tausendachthundert Meilen, die ich mit kleinen Pausen in dreißig Stunden
zurückgelegt hatte, reichte kaum aus, um dem Abstand, den ich zu ihr gewinnen
wollte, gerecht zu werden. Sie hatte sich acht Monate lang auf eine Affäre mit
diesem schmalzigen Professor Baker eingelassen. Die letzten vier Wochen hatte
ich längst über ihr Verhältnis Bescheid gewusst und gute Miene zum bösen Spiel
gemacht. Aber wozu eigentlich? Um etwas zu halten, was längst kaputt gewesen
war und uns beide bloß noch verletzt hatte? Als hätten ihre Schäferstündchen
nicht ausgereicht, hatte sie mich überflüssigerweise auch noch um die
Entscheidung betrogen, das Kapitel Brittany zu beenden. In meiner Wut darüber,
dass nicht ich das Wort Ende unter unsere Beziehung gesetzt hatte, umklammerte
ich noch immer krampfhaft das Lenkrad. Warum hatte sie geheult?
Krokodilstränen, nichts weiter. Im Schauspielern war sie eine große Nummer.
Ich drosselte das Tempo, als mich die nasale Frauenstimme
meines Navigationssystems aus den Gedanken riss und mir mitteilte, dass ich die
nächste Straße rechts abbiegen musste. Ich verzichtete darauf, in der Einöde
den Blinker zu setzen, und zog den Wagen vom Highway. Mais, soweit das Auge
reichte. Das große Holzschild, an dem ich nach etwa einer Meile vorbeifuhr,
hieß die Besucher von Badfield in verschnörkelter Schrift willkommen.
„Willkommen zu Hause, Kyron“, flüsterte ich und schaltete
die Klimaanlage aus. Eine leichte Gänsehaut hatte sich über meine Arme
geschlichen.
Das sichere Gefühl, alles hinter mir gelassen zu haben,
flaute ab und eine Nervosität setzte sich in mir fest. Ich hatte meine Familie
seit meinem fünften Lebensjahr nicht mehr gesehen. Die Erinnerungen an meine
Großeltern waren verblasst, und selbst das Bild von meinen leiblichen Eltern,
die ich durch einen Autounfall verloren hatte, schien mehr meiner Fantasie
anstatt der Realität zu entspringen.
Die Maisfelder wichen einer dichten, grünen Böschung, und
die Straße wurde schmaler. Der Ford ruckelte durch ein paar Schlaglöcher. Kein
Wunder, dass in Iowa nahezu niemand einen sportlichen Mittelklassewagen fuhr.
Die große Farm, die hinter einigen Bäumen zum Vorschein trat, kam mir vage
vertraut vor, doch der Eindruck verflüchtigte sich, als ich dem Straßenverlauf
um eine Kurve folgte. Ich war im Niemandsland gelandet, und es fühlte sich
nicht so an, als ob ich hier jemals gelebt hatte.
Das Navigationssystem rotierte und stieß Anweisungen
umzukehren aus, aber ich ignorierte die Stimme und schaltete es aus. Hinter
einer Ampel – Scheiße, wozu gibt es hier eine Ampel? – bog ich rechts ins
Stadtzentrum ab. Ich revidierte meine Meinung. Ich bog auf den Platz, der
vortäuschte, das Zentrum zu sein. Die Backsteinhäuser, die aneinandergereiht
Spalier standen, sahen allesamt gleich aus. Kein Vergleich zu unserer
Einkaufsmeile, downtown, wo in den riesigen Geschäften und großen Cafés immer
Trouble herrschte. Ich sah mich um. Es gab ein Steakhaus, einen Supermarkt und
eine winzige Drogerie. Das Sheriffbüro und ein bröckeliges Verwaltungsgebäude
lagen auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Zum Teufel, wo war ich hier
gestrandet? Ich fühlte mich in eine andere Zeit versetzt oder als wäre ich auf
einem anderen Planeten gelandet. Mein Hass auf Brittany wuchs, und gleichzeitig
ärgerte ich mich, dass sie noch immer derart großen Einfluss auf mich hatte.
Miststück!
Ich versuchte erneut, mich zu orientieren − ohne Erfolg − und beschloss,
vielleicht besser nach dem Weg zu fragen. Ich kannte die genaue Adresse meiner
Leute nicht, aber in diesem Dorf konnte es nicht allzu schwer sein, sie
ausfindig zu machen. Ich wendete, parkte den Ford am Straßenrand hinter dem
Streifenwagen des Sheriffs, und löste den Anschnallgurt. Als ich zum Türgriff
fasste, musste ich feststellen, dass meine Hand zitterte. Nun bekam ich also
doch Angst vor meiner eigenen Courage. Für gewöhnlich nahm ich das Leben
gelassen, aber heute war meine Coolness wohl aufgesetzt. In Gedanken verfluchte
ich Brittany erneut dafür, dass sie mich ins Nirgendwo getrieben hatte, atmete
tief durch und stieß die Fahrertür auf, bevor ich einen Rückzieher machen
konnte. Ich stieg aus dem kühlen Fahrzeug aus und stöhnte sogleich. Die
Nachmittagssonne brannte vom Himmel und ließ mich zunächst gegen ihre Strahlen
anblinzeln, während ich den Kragen meines dunkelblauen T-Shirts weitete, um
mehr Luft zu bekommen.
Ich ging um den Wagen herum und blickte zum Steakhaus.
Irgendjemand würde wissen, wo die Ronaynes lebten, obwohl ich mir noch nicht
einmal ein paar Worte zurechtgelegt hatte. Was sollte ich zu nahezu fremden
Leuten auch sagen? Sie hatten sich vor siebzehn Jahren entschieden, mich zur
Adoption freizugeben. Vielleicht war ich ja gar nicht willkommen?
Nachdem ich zurück zur Fahrerseite gegangen war, schlug
ich die Wagentür zu, bediente den Funkschlüssel der Verrieglung und überquerte
die ausgestorbene Straße. Durch die Glasfront des Lokals erkannte ich, dass das
dunkelrot eingerichtete Restaurant schlecht besucht war. Nur an zwei
Holztischen im vorderen Bereich saßen Gäste, und auch die dunkle Bar war nur
von einem kräftigen Mann besetzt, der tief in seinen gläsernen Bierkrug
schaute. Ich trat durch den geöffneten Eingang und war dankbar, der brennenden
Sonne zu entfliehen, als die fünf Gäste die Köpfe in meine Richtung drehten und
ihre Gespräche abrupt verstummen ließen.
Wow! Ich runzelte die Stirn, nickte höflich, was auf
keine Gegenreaktion stieß, und ging geradewegs an die Bar, hinter der mir die
Bedienung den Rücken zuwandte. Ihre kupferfarbenen Locken fielen weit über den
Rücken, und ihre knapp sitzenden Jeansshorts zwangen mich förmlich, ihr auf den
Hintern zu starren und den Blick ihre schlanken, gebräunten Beine hinabwandern
zu lassen. Nice.
Sie zapfte ein Bier aus der Anlage vor sich, trat nach
links und schob es dem dunkelbärtigen Gast im Flanellhemd vor die Nase. „Hier,
Bill. Und danach solltest du vielleicht auf Wasser umsteigen.“
Bill brummte daraufhin etwas Unverständliches. Vermutlich
hatte er bereits ein paar Bier zu viel getrunken. In Kombination mit der Hitze
sicher tödlich.
Ich klapperte mit meinem Schlüsselbund, um auf mich
aufmerksam zu machen, und wartete, bis sich Ms. Jeansshorts langsam zu mir
umdrehte. Ihre Mundwinkel zuckten, bevor sie ihre vollen Lippen zu einem Lächeln
hob und mit ihren langen dunklen Wimpern klimperte. Verdammt, sie war nicht
bloß heiß, sondern auch unverschämt süß. Im Gegensatz zu Brittany, die unser
Apartment am Campus erst nach einer stundenlangen Schmink- und Frisier-Tortur
verlassen hatte, wirkte ihre sonnengebräunte Haut ganz natürlich.
„Hi, Fremder.“ Das leuchtende Grün ihrer Augen ging mir
unter die Haut.
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Ich hoffe ich konnte euch etwas neugierig auf das Buch machen? Ich finde das Cover auch sehr ansprechend und passend.