Hier kommt für euch nun der Deal:
5. Finnley Jones
London
tauchte langsam am Horizont auf. Ganz anders als New York, dessen Hochhäuser
die Skyline der Stadt prägten, schien ihr London durch Wasser dominiert zu
sein. Die Flussarme der Themse durchzogen das Stadtbild wie die Arme eines riesigen
Kraken.
Nach Abschluss der Schule waren die meisten
von Kates Klassenkameraden für einen einjährigen Aufenthalt nach Europa
geflogen. Die alten Städte Paris, Rom und London waren die bevorzugten Ziele
gewesen. Man wollte auf den Spuren der Antike wandeln und dabei den
europäischen Lifestyle in sich aufsaugen.
Kate
hatte nie den Wunsch verspürt, ins Ausland zu gehen. Sie war lieber bei ihrer
Familie geblieben. Sie lachte bitter auf bei dem Gedanken. Und nun saß sie hier
in einem Flugzeug, das in den nächsten zwanzig Minuten am Flughafen Heathrow
landen würde.
Der
Pilot vollzog eine Kurve, und das Flugzeug legte sich nach links. Unterhalb der
Tragfläche konnte Kate die Tower Bridge und das House of Parliament erkennen.
Ihrem Magen allerdings schien das Flugmanöver nicht so gut zu bekommen. Eine
leichte Übelkeit machte sich bemerkbar. Kein Wunder!
Sie
hatte auf das Abendessen verzichtet, welches ihr die Stewardess mit
übertriebener Freundlichkeit angeboten hatte, und stattdessen einen Rotwein
getrunken, um die aufkommende Panik zu bekämpfen. Sie litt an Flugangst, und
der Gedanke, für die nächsten Stunden in einer Röhre zu sitzen, unter ihr
nichts als Wasser, hatten ihr den Rest gegeben. Im Laufe des Fluges waren noch
weitere Gläser hinzugekommen, bis sich endlich die ersehnte Müdigkeit
eingestellt hatte. Nach einem kurzen, unruhigen Schlaf war Kate total
zerknittert aufgewacht. Da zu diesem Zeitpunkt noch mindestens zwei Stunden
Flugzeit vor ihr lagen, hatte sie kurz entschlossen dort weitergemacht, wo sie
aufgehört hatte, nämlich mit einem Glas Rotwein.
Sie
ließ ihren Kopf zurück in den Sitz sinken und schloss die Augen. Sie dachte an
Julie, die völlig euphorisch reagiert hatte, als sie ihr am Telefon von ihrem
Job in London erzählt hatte.
„Ich
beneide dich, weißt du?“
„Wieso
denn das?“
„Da
drüben gibt es die Queen, Prinz Harry und Prinz William ...“
Julie
hatte schon immer ein Faible für die britische Monarchie. Die Queen hatte in
ihren Augen einen Gott ähnlichen Status, und, als Prinzessin Diana starb, trug
Julie wochenlang nur Schwarz als Zeichen ihres Mitgefühls und ihrer
Verbundenheit. Als Prinz William heiratete, herrschte bei ihr zu Hause der
Ausnahmezustand. Die ganze Wohnung war mit Rosenblättern ausgelegt, und Julie
saß in ihrem Abschlussballkleid und weinte sich vor dem Fernseher die Augen
aus. Eine ergreifende Nacht, die ihnen beiden ewig im Gedächtnis bleiben würde.
„Ja,
aber Prinz William ist mit dieser Spinatwachtel Kate verheiratet, und Prinz
Harry ist mir zu jung und zudem auch noch rothaarig.“
„Ach,
komm schon! In England legt man noch Wert auf Umgangsformen. Da halten dir die
Männer noch die Tür auf und laden dich im Pub auf einen Drink ein. Engländer
sind so schöne Männer“, schwärmte Julie weiter. „Und dann die alten Schlösser
und wunderschönen Gärten. Aber das Größte ist doch die Sprache ... alleine
schon, wenn ein Engländer ,Wie geht es Ihnen?‘ sagt, könnte ich einen Orgasmus
bekommen. Ach, wie ich dich beneide!“
„Hey,
warum fliegst du nicht nach England, wenn es da drüben so toll ist, wie du
behauptest?“
„Weil
ich hier einen Job habe – und außerdem wäre John nicht gerade begeistert.“
„John?
Ist das der Oberarzt, von dem du letzte Woche gesprochen hast?“
„Ja,
könnte schon sein. Warum fragst du?“
„Ich
dachte, der sei so doof?!“
„Doof
vielleicht, aber der absolute Hammer im Bett. Der Mann kann Tricks, davon
träumst du nur ...“
„Bitte,
Julie, verschone mich mit den Details.“
„Spießer.“
„Blödmann.“
„Ich
leg dann mal auf.“
„Okay.“
„Hab
dich lieb.“
„Ich
dich auch.“
Kate
hatte Julie versprechen müssen, sich sofort nach ihrer Ankunft in Bibury zu melden.
Bibury, das klang nach Pferdemist,
Landeier und fehlendem Sinn für alles, was ihr wichtig war. Als Robert ihr das
Angebot gemacht hatte, hatte er vergessen zu erwähnen, dass der Auftraggeber
nicht direkt in London suchte, sondern lieber in diesem Kaff, bewohnt von
Viehzüchtern und Bauern, ein Haus besitzen wollte.
Zum
hundertsten Mal stellte Kate sich die gleiche Frage. Warum hatte sie sich
ausgerechnet in einen Mann wie Greg verlieben müssen? Es gab Hunderte
Singlemänner in New York, und sie fiel auf den größten Idioten von allen rein.
Mit
einem lauten Ruck fuhr der Pilot das Fahrwerk aus. Kate krallte instinktiv ihre
Finger in die Sitzlehne und starrte angestrengt nach vorne in Richtung
Flugzeugküche, wo die beiden Stewardessen auf ihren Sitzen saßen und sich
angeregt miteinander unterhielten, während der Pilot zum Landeanflug ansetzte.
Das Flugzeug sackte ab, und Kates Magen ging für den Bruchteil einer Sekunde in
den schwerelosen Zustand über. Blieb nur zu hoffen, dass der Rotwein die
Bewegung nicht nachahmen würde, ansonsten hätte sie ein Problem. Hektisch sah
sie sich nach einer Spucktüte um. Die Turbinen des Flugzeuges jaulten laut auf.
Die Stewardessen schien das nicht weiter zu interessieren, denn Kate konnte
hören, wie die Braunhaarige von ihrem neuen Freund schwärmte. Gerade erzählte
sie stolz, er habe gesagt, sie sei die schönste Frau, die er jemals in seinem
Leben getroffen habe.
Kate sah aus dem Fenster. Die Dächer Londons
lagen zum Greifen nah unter ihr. Wo war nur die verdammte Landebahn? Bei ihrem
Glück in den letzten Wochen war zu befürchten, dass der Pilot zwar erfolgreich
den Weg über den Atlantik gefunden hatte, aber nicht den richtigen Flughafen.
Sekunden
später setzte das Flugzeug auf englischem Hoheitsgebiet auf.
Während
der Rest der Passagiere zum Ausgang drängte, sortierte Kate in Seelenruhe erst
einmal ihr Handgepäck. Ihr war leicht schwindelig. Vielleicht war die Idee, zum
Frühstück einen Rotwein zu trinken, doch nicht so brillant gewesen wie gedacht.
Sie
hatte vorsorglich einen kleinen Ziehtrolley mitgenommen, um darin das
Notwendigste wie Laptop, Kamera und Papiere zu verstauen. In ihrer Handtasche
führte sie die Reiseunterlagen, ihren Moleskin und ihr kleines
Make-up-Täschchen mit, ohne das sie nie aus dem Haus ging. Sie steckte sich
noch schnell die Vogue und die Elle ein, damit sie auf der langen
Zugfahrt nach Bibury etwas zu lesen hatte. Als Kate beim Aussteigen die
braunhaarige Stewardess passierte, blieb sie kurz stehen.
„Danke,
dass Sie so liebenswürdig waren, uns alle an Ihrem Liebesleben teilhaben zu
lassen, anstatt sich auf die Sicherheit dieses Fluges und seiner Passagiere zu
konzentrieren. Deshalb will ich Ihnen noch einen gut gemeinten Rat geben. Wenn
ein Mann sagt, Sie wären die tollste Frau in seinem Leben, dann will er nur
eins – Sie ins Bett kriegen! Und der Idiot, den Sie da kennengelernt haben,
scheint mir ein Spezialist darin zu sein.“
Sie
drehte sich um und ließ die völlig verdutzte Flugbegleiterin stehen. Kate hatte
das allerdings irgendwie gutgetan.
Heathrow
war ein Flughafen wie jeder andere auch, mit meterlangen Schlangen vor den
Schaltern der Einreisebehörde. Es dauerte eine Ewigkeit, bis sie endlich alle
Formalitäten erledigt hatte. Jetzt stand sie am Kofferband und sah zu, wie ein
Mitreisender nach dem anderen seinen Koffer vom Band zog und hinter der
Zollkontrolle verschwand. Sie war hundemüde und schlecht gelaunt. Der Mann
neben ihr zerrte seinen Koffer vom Band – der letzte. Ihrer fehlte – natürlich.
Das musste ja passieren.
Die
Anzeige über dem Band wechselte und zeigte bereits den nachfolgenden Flug an.
Kate runzelte die Stirn und sah sich in der Gepäckhalle um. Weit und breit kein
Angestellter der Fluggesellschaft. Missmutig durchquerte sie die Halle, bis sie
ein Hinweisschild vom Lost and Found-Büro entdeckte.
Ihr Magen knurrte lautstark, und ihre Füße
schmerzten, als sie vor den Tisch der Flughafenangestellten trat.
Die Angestellte legte ihr Handy beiseite und
nahm Kates Ticket und den Gepäckabschnitt mit gelangweilter Miene entgegen.
Nachdem sie Kate einen Blöde-Ausländer-Blick zugeworfen hatte, fing sie in
Zeitlupe an, die Daten in den Computer einzutippen.
Wenn die so weitermacht, werde
ich meinen Anschlusszug nach Kemble Station verpassen.
„Wann
denken Sie, dass ich meinen Koffer wiederbekomme?“, fragte Kate mit dem letzten
Rest an Höflichkeit, der ihr geblieben war.
„Pardon?“
Die Frau sah sie mit hochgezogener Augenbraue an.
„Ich
wollte wissen, ob Sie mir eine genaue Uhrzeit nennen können, wann mein Koffer
hier eintrifft?“
Die
Frau warf einen kurzen Blick auf ihren Computer. „Wenn es gut läuft, müsste der
Koffer übermorgen hier sein.“
„Übermorgen?“
Kate schnappte nach Luft. „Aber das geht nicht ... ich habe alle meine Sachen
in dem Koffer. Meine Kleidung, meine Unterwäsche, mein Buch ... mein Leben.“
„Well,
Madam, dann müssen Sie wohl ohne Ihr Leben klarkommen oder sich ein neues
kaufen“, sagte die Angestellte mit süffisantem Unterton, ohne Kate dabei
anzublicken.
Kate
standen die Tränen in den Augen. Das Wort „Neuanfang“ schien sie zu verfolgen,
seit sie bei Cooper Real Estate gefeuert worden war. Alles, was sie im
Augenblick wollte, war eine heiße Dusche, ihren Pyjama und ein Bett!
„An
welche Adresse sollen wir den Koffer schicken?“, fuhr die Angestellte ungerührt
fort und klimperte auf ihrer Tastatur herum.
Kate
legte den Trolley aus der Hand und kramte in ihrer Handtasche, bis sie ihren
Moleskin hervorzog. Sie war so müde, dass die Zeilen vor ihren Augen verschwammen.
„Das Hotel Swan
in Bibury.“
„Bibury?“ Die
Angestellte runzelte nachdenklich die Stirn, plötzlich erhellte sich ihre
Miene. „Ach herrje, das ist doch dieser bezaubernde kleine Ort in den Cotwolds.“
Die
Frau warf einen Blick auf ihren Computer. „Allerdings bedeutet das, dass Sie
Ihren Koffer frühestens in drei Tagen bekommen.“
„Erst
in drei Tagen?“, rief Kate hysterisch. „Was soll ich denn so lange ohne meine
Sachen machen?“
„Wie
ich schon sagte: Kaufen Sie sich eben neue.“
„Und
wer übernimmt die Kosten dafür, schließlich ist es nicht meine Schuld, dass der
Koffer weg ist?“
„Wir
jedenfalls nicht. Der Transport des Koffers liegt in der Verantwortlichkeit der
Flughafengesellschaft. Aber ich kann Ihnen gerne eines unserer Overnight Kits
anbieten“, schlug die Angestellte in einem fröhlichen Tonfall vor.
„Overnight
Kit?“ Kate schüttelte verständnislos den Kopf.
„Einen
Moment, bitte.“ Die Angestellte verschwand hinter einer Tür, um Minuten später
mit einem kleinen Täschchen in der Hand wieder aufzutauchen.
„Sie
haben Glück, wir hatten noch genau eines auf Lager.“ Sie reichte Kate das
kleine, graue Täschchen. „Ein Geschenk der Fluggesellschaft, damit Sie die
erste Zeit über die Runden kommen.“ Die Angestellte machte dabei ein Gesicht,
als hätte sie Kate gerade den Oscar überreicht.
Kate
drehte das Täschchen nachdenklich in der Hand. Seiner Größe nach zu urteilen,
befanden sich bestenfalls eine Zahnbürste und ein Paar Socken darin.
„Gut,
ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag.“ Die Frau wendete sich ab. Für sie
war das Gespräch offensichtlich beendet.
„Ihnen
auch“, brummte Kate und schwankte müde nach draußen.
Nachdem
Kate den Zoll passiert hatte, warf sie einen Blick auf ihre Uhr und dann auf
den Fahrplan in ihrer Hand. Dank des verschwundenen Koffers hatte sie eine
halbe Stunde verloren. Wenn sie den Zug nach Paddington noch bekommen wollte,
musste sie sich beeilen. Hektisch folgte sie der Beschilderung. Einziger
Vorteil des verlorenen Koffers war, dass sie, nur mit Handtasche und
Ziehtrolley bewaffnet, schneller vorankam.
Trotzdem
war sie völlig außer Atem, als sie zehn Minuten später das Gleis erreichte, wo
ihr Zug bereits wartete. Laut Internet sollte die Fahrt nach Paddington knapp
fünfzehn Minuten dauern. Von dort aus musste sie den Zug nach Kemble Station
nehmen und weitere zweieinhalb Stunden fahren, um in Kemble erneut in einen
Bummelzug nach Bibury umzusteigen. Während Kate im Eiltempo den Bahnsteig
entlang hechtete, presste sie die Lippen zusammen. Diese ganze Idee, so
verlockend sie ihr am Anfang auch erschienen war, verlor mehr und mehr an Reiz.
Nachdem
sie eine freie Sitzreihe entdeckt hatte, ließ sie sich erschöpft fallen. Ihr
Gepäck hatte sie zuvor in der Ablage oberhalb der Sitze verstaut. Der Zug fuhr
mit einem Ruck los.
Ihre
Füße taten mittlerweile empfindlich weh, und so streifte sie die Pumps ab und
legte die Beine nach oben. Augenblicklich fühlte sie sich besser. Um die Zeit
bis zu ihrer Ankunft zu überbrücken und sich wach zu halten, blätterte sie in
dem kleinen Reiseführer, den sie noch schnell am Flughafen erstanden hatte.
Bibury
wurde dort immerhin mit einer Seite erwähnt. Die Bilder zeigten eine geradezu
idyllische Landschaft mit kleinen honigfarbenen Steinhäuschen, die entlang
eines kleinen Flusses standen. Überrascht las Kate, dass Bibury kurzfristig zu
Ruhm gekommen war, als der Regisseur Matthew Vaughan den kleinen malerischen
Ort als Kulisse für seinen Film Sternenwanderer
verwendet hatte. Ansonsten war der Ort für seine Schaf- und Forellenzucht
bekannt. Kate war es unbegreiflich, wie jemand freiwillig in einen kleinen Ort
wie Bibury ziehen
wollte.
Ihr
Auftraggeber Michael Fairbanks war ein bekannter englischer Regisseur, der für
sich und seine Familie eine Zuflucht in diesem Ort suchte, um den Paparazzi zu
entkommen und sich so ein paar Wochen der Ruhe zu erkaufen. Seine Ansprüche
waren hoch, und Kate zweifelte, dass sie in einem Dorf wie Bibury etwas Geeignetes finden würde.
Seufzend
klappte sie den Reiseführer zusammen. Ein Pärchen näherte sich dem Abteil und
steuerte geradewegs auf Kate zu. Hastig beugte sich Kate nach vorne und legte
ihre Tasche auf die freien Sitze gegenüber. Sie wollte alleine bleiben und
nicht einem verliebten Pärchen beim Knutschen zusehen. Sie lehnte sich zurück
und tat, als würde sie schlafen. Unter den halb geöffneten Augen beobachtete
sie, wie das Pärchen einen enttäuschen Blick auf die Bank warf, wo der
Reiseführer und ihre Tasche lagen. Achselzuckend zog das Paar weiter.
Als
der Zug kurze Zeit später in Paddington
einfuhr, konnte sie vor Müdigkeit kaum noch die Augen aufhalten. Wie in Trance
stieg sie aus und wankte zum gegenüberliegenden Gleis, auf dem der Zug nach Kemble Station bereits wartete.
Zu
ihrer großen Erleichterung war auch dieser Zug nicht voll. Es dauerte nicht
lange, bis sie ein leeres Abteil entdeckt hatte. Erschöpft setzte sie sich auf
den Platz am Fenster. So konnte sie wenigstens ihren Kopf während der Fahrt
anlehnen und ein bisschen dösen, bis sie endlich in Kemble ankommen würde. Ihre Beine fühlten sich an, als hätten
sie die Ausmaße eines Elefanten angenommen, und ihre Zehen waren taub.
Wahrscheinlich waren sie längst abgestorben.
Langsam
setzte sich der Zug in Bewegung und fuhr ratternd aus dem Bahnhof. Kate
streifte die Pumps von den Füßen und legte die Beine seitlich neben sich auf
den Nachbarsitz. Nur mal kurz die Augen schließen, war ihr letzter Gedanke,
dann umgab sie wohlige Dunkelheit.
Ein
kräftiger Ruck weckte sie. Verwirrt schlug sie die Augen auf und wusste für
einen Moment nicht, wo sie war. Alles um sie herum war etwas verschwommen, so
viel jedoch konnte sie erkennen – ihr gegenüber saß ein Mann. Ein äußerst
attraktives Exemplar seiner Gattung.
Der
Mann war groß, gut gebaut und mit breiten Schultern, wie sie nur jemand besaß,
der sein Leben lang Sport getrieben hatte. Seine dunklen Haare trug er
ungewöhnlich lang, sie reichten ihm knapp bis auf die Schultern. Er trug einen
gepflegten Dreitagebart, der seine markanten Gesichtszüge unterstrich. Seine
Kleidung war sportlich leger: T-Shirt und Jeans. Seine Füße steckten in Chucks.
Er lächelte sie an.
Blinzelnd
fuhr sich Kate mit der Hand durch die Haare und richtete sich aus ihrer
Position auf. Jeder Knochen tat ihr weh, und ihre rechte Pohälfte war
eingeschlafen. Am liebsten wäre sie aufgesprungen und hätte sich den Po
massiert, aber angesichts ihres Gegenübers verzichtete sie darauf und
verlagerte stattdessen ihr Gewicht auf die andere Seite, in der Hoffnung, das
tote Fleisch so wieder zum Leben zu erwecken. Langsam kam das Gefühl zurück und
mit ihm Tausende von Ameisen, die es sich dort bequem zu machen schienen. Sie
verzog das Gesicht.
Der
Fremde lächelte noch immer, ohne die Augen von ihr abzuwenden, was Kate etwas verunsicherte.
Sie mochte es nicht besonders, wenn man sie anstarrte – vor allem nicht, wenn
jemand es so unverfroren tat wie ihr Gegenüber. Kurz entschlossen entschied sie
sich für die Vorwärtstaktik, um den lästigen Beobachter loszuwerden.
„Hat
das einen bestimmten Grund, dass Sie mich so anstarren, oder handelt es sich
dabei um einen Sehfehler?“ Zugegebenermaßen war diese Ansage nicht gerade
freundlich, aber Kate war immer noch hundemüde.
„Kein
Sehfehler, aber Sie haben da was.“
Seine
Augen wanderten von ihrem Oberkörper langsam zu ihrem Gesicht. Ihr wurde ganz
heiß unter seinem eindringlichen Blick. Der Mann sah einfach unverschämt gut
aus, und er schien sich dessen durchaus bewusst zu sein.
Kate
hielt sich für eine selbstsichere Frau, aber bei einem so attraktiven Mann wie
ihrem Sitznachbar litt ihre Selbstsicherheit für gewöhnlich, und sie benahm
sich wie ein Trottel. Leider bildete diese Begegnung keine Ausnahme.
„Was?
Wo?“, fragte Kate verwirrt und schaute suchend an sich herunter.
„Da!“
Er deutete mit seinem Finger auf ihr Kinn.
Irritiert
fuhr sie sich mit der Hand an die Stelle, und im gleichen Moment wusste sie,
warum der Mann so gelächelt hatte! Er lachte über sie!
Flammende
Röte überzog ihr Gesicht bei dem Gedanken, dass eine Sabberspur im Schlaf über
ihr Kinn gelaufen war und er sie dabei beobachtet hatte.
„Machen
Sie sich keine Gedanken, das passiert Frauen ständig, wenn sie mich sehen.“
Seine Stimme klang melodisch mit einem leichten Akzent darin.
Was
sicher als Scherz gemeint war, klang in Kates Ohren wie Ironie. Ihre
Gesichtsfarbe wechselte von Hellrot auf Dunkelrot. Dieser Mann hatte entweder
einen schrägen Humor oder ein geradezu unverschämtes Selbstbewusstsein. Die
Mundwinkel des Fremden zuckten verdächtig, während er sie dabei beobachtete, wie
sie hektisch in ihrer Handtasche nach einem Taschentuch kramte. Verdammt! Keins zu finden.
„Ich muss wohl eingeschlafen sein“, murmelte
sie mehr zu sich selbst.
„Das
habe ich gesehen“, erwiderte der Mann trocken. „Suchen Sie so was?“ Er hielt
ihr ein sorgfältig gefaltetes Stofftaschentuch entgegen.
Sie
nahm es und wischte sich damit über das Kinn. Ein leichter Hauch von Zedern und
Gras stieg ihr dabei in die Nase. Sie reichte ihm das Tuch zurück.
„Mhm“,
brummte der Fremde, der tiefe Falten über der Nasenwurzel und um die Augen
hatte. „Behalten Sie es ruhig.“
Sie
zögerte einen Moment, dann steckte sie das Tuch in ihre Tasche. „Danke.“
„Sie
sind Amerikanerin.“ Das war eine Feststellung und keine Frage.
„Woran
haben Sie das erkannt?“ Es war ja nicht gerade so, dass sie die Union Flag auf
der Stirn tätowiert hatte.
„Ihr
Akzent hat Sie verraten“, lächelte der Mann.
„Ich
bin heute Morgen erst aus New York gekommen und habe kaum geschlafen“,
plapperte sie. Eine Art Reflex. Etwas, was sie sich angewöhnt hatte, um ihre
Unsicherheit zu überspielen. „Ich kann in Flugzeugen nicht besonders gut
schlafen.“
„Dafür
in Zügen umso besser, scheint mir.“
Sein
Lächeln war faszinierend, verlegen senkte Kate den Kopf. „Eigentlich nicht,
aber die lange Anreise macht mir zu schaffen. Ich habe das Gefühl, ich bin
schon seit Tagen unterwegs. Kommen Sie aus London?“
„Nein.“
Er schüttelte leicht den Kopf und schwieg. Sein verkniffener Mund signalisierte
deutlich, dass er nicht bereit war, mit ihr über den Grund seiner Reise zu
sprechen.
„Ich
bin geschäftlich unterwegs nach Bibury.“
„Aha!“,
sagte der Fremde. Allerdings klang es mehr wie das Knurren eines Hundes.
Kate
beschloss, lieber den Mund zu halten. Anscheinend hatte der Typ wenig Interesse
daran, mit ihr zu reden. Sie nahm die Beine vom Sitz und glitt mit den Füßen in
die Pumps. Sofort setzte der Schmerz in den Zehen wieder ein. Warum hatte sie
nur unbedingt die Pumps anziehen wollen, anstatt bequeme Schuhe auf der Reise
zu tragen?
Sie
lehnte sich in ihrem Sitz zurück und starrte nach draußen. Seit sie Paddington
verlassen hatten, hatte sich die Landschaft stark verändert. Sanfte Hügel
wechselten sich mit grünen Weideflächen ab, auf denen Schafe und Kühe gemütlich
grasten. Ein Labyrinth aus Steinmauern grenzte die Felder voneinander ab. Dicke
Wolken hingen schwer und dunkel am Himmel und wurden nur gelegentlich durch
blaue Fetzen unterbrochen. In der Ferne tauchten langsam die Umrisse eines
größeren Ortes auf.
Kate
warf ihm einen verstohlenen Blick zu. Der Mann hatte die Augen geschlossen und
lehnte mit dem Kopf gegen das Fenster. Meine
Güte, der Typ hat ja Wimpern, die jede Frau vor Neid erblassen lassen.
Lang, dicht und schwarz wie die Nacht. Wäre er eine Frau, sie hätte ihn sofort
nach der Marke seiner Wimperntusche gefragt. Sein mächtiger Brustkorb hob und
senkte sich gleichmäßig. Kate ging davon aus, dass er schlief. Wenigstens hatte
sie ihre Ruhe.
Kate
war in ihrem Leben schon mehrfach Männern wie ihrem Gegenüber begegnet. Sie
besaßen ein geradezu unerschütterliches Selbstbewusstsein und sahen sich selbst
als ein Geschenk Gottes an die Frauen an. Manchmal wünschte sie sich, sie hätte
ein ähnliches Verhältnis zu ihrem Körper. Kate hätte spontan einige Stellen
ihres Körpers benennen können, die ihr nicht gefielen. Wenn sie genau darüber
nachdachte, fand sie nur ihre Augen und ihre Haare schön. Deshalb achtete sie
nach einer gemeinsamen Nacht mit einem Mann peinlich darauf, unvorteilhafte
Körperstellen bedeckt zu halten, wenn sie durch die Wohnung ging. Was im
Klartext bedeutete, dass sie meist in Bettlaken gehüllt ins Badezimmer huschte
und sich schnellstmöglich etwas Angemessenes überzog. Greg hatte ihr zwar
mehrfach versichert, wie schön er sie nackt fände, aber Kate hatte ihm nicht
geglaubt. Wenn Männer eine Frau im Bett hatten, war ihnen ihrer Ansicht nach
sowieso alles egal.
Der
Zug fuhr in den Bahnhof von Kemble ein.
Kate stand, immer noch etwas benommen, auf. Sie reckte sich, um ihren
Ziehtrolley aus dem Ablagefach zu ziehen, was ihr jedoch nicht gelang. Der
Koffer hatte sich irgendwie in dem Fach verkeilt. Jedenfalls bewegte er sich
keinen Millimeter, so sehr sie auch daran zog. Sie stemmte sich mit den Füßen
gegen den Sitz und zog mit aller Gewalt an dem Griff. Mit einem Ruck gab der
Koffer nach und flog in hohem Bogen auf den Fußboden. Kate kam dabei ins
Straucheln, verlor das Gleichgewicht, und, ehe sie es verhindern konnte,
landete sie auf dem Schoss ihres Gegenübers.
„Hoppla!“
Kräftige
Arme umklammerten Kate und raubten ihr fast die Luft. Hektisch sah sie ihn an.
Er hatte leuchtend grüne Augen und einen Mund zum Niederknien, wäre da nicht
dieses freche Lachen gewesen, mit dem er sie ansah.
„Entschuldigung“,
stammelte Kate entrüstet. Ihr Blick fiel auf ihren Koffer. Durch den Sturz war
das Schloss aufgegangen, und alle ihre persönlichen Sachen lagen verstreut auf
dem Boden des Zugabteils. „Ich habe das Gleichgewicht verloren.“
„Und
ich dachte, Sie wollten etwas von mir.“ Er zwinkerte ihr zu. Seine Arme hielten
sie noch immer fest umklammert.
„Unverschämtheit!“,
schimpfte Kate und versuchte, sich aus den muskulösen Armen des Mannes zu
befreien.
„Meinen
Sie mich oder sich selbst?“ Seine Augen blitzten vergnügt.
„Hätten
Sie wohl die Güte, mich loszulassen?“, forderte Kate spitzzüngig.
„Sie
haben es so gewollt“, sagte der Mann und lockerte augenblicklich seinen Griff.
Genau
in diesem Moment stoppte der Zug, und es gab einen Ruck, was dazu führte, dass
Kate erneut rückwärts fiel. Reflexartig schossen die Arme des Unbekannten nach
vorne, und seine Hände landeten mitten auf ihren Brüsten, wo sie liegen
blieben. Kate schnappte überrascht nach Luft.
„Hände
weg!“, kreischte sie hysterisch.
Sofort
ließ der Mann sie los, und Kate kippte nach vorne weg, kopfüber auf ihren Sitz.
Ein
amüsiertes Lachen folgte, während sich Kate aus ihrer misslichen Lage zu
befreien versuchte. Ihr Rock war bei dem Sturz hochgerutscht und gab den Blick
auf ihre Stützstrumpfhose frei, die sie extra für den langen Flug angezogen
hatte. Ein fleischfarbenes Monstrum, das seinen Zweck erfüllte, aber auf keinen
Fall in all seiner Pracht für die Augen der Öffentlichkeit und schon gar nicht
für die eines Mannes bestimmt war. Unwirsch zerrte Kate an ihrem Rock, wobei
der Fremde ihr immer noch lachend zusah.
„Sie
finden das wohl witzig?“, zischte Kate den Mann an.
„Irgendwie
schon“, gab der Unbekannte freimütig zu. „So was ...“ Er deutete auf ihre
Spezialstrumpfhose. „… bekommt man schließlich nicht alle Tage zu sehen.“
„Sie
... Sie ...“
Kate
schnappte nach Luft. „Sie ungehobelter Idiot!“, schimpfte sie schließlich. „Sie
sollten sich schämen.“
„Weil
ich einer attraktiven Frau dabei zusehe, wie sie sich vor mir auszieht ...?“ Er
zuckte lässig mit den Schultern. „Jeder normale Mann würde dies tun, außer er
ist schwul.“
„Ich
habe mich nicht ausgezogen!“, schnaubte Kate und bückte sich, um ihre Sachen
vom Boden aufzuheben.
„Hier“,
der Unbekannte reichte ihr das Deo.
Wortlos
riss sie ihm die Flasche aus der Hand. Dann stopfte sie die restlichen Sachen
in den Koffer. Der Fremde blieb ungerührt sitzen. Nachdem sie das letzte Teil
verstaut hatte, schnappte sich Kate ihre Jacke und stürmte, ohne den Mann auch
nur eines weiteren Blickes zu würdigen, aus dem Abteil. Immer noch wütend und
erschöpft, strauchelte Kate zum Busbahnhof, wo der Bus bereits wartete.
Sie
war jetzt seit knapp sechsundzwanzig Stunden auf den Beinen und konnte ihre
Augen kaum noch vor Müdigkeit aufhalten. Das kurze Schläfchen im Zug hatte
daran nichts geändert. Der Gedanke an ein weiches Bett erschien ihr mit jedem
Meter, den sie sich Bibury näherte,
verlockender zu werden. Sie hatte ein Zimmer im besten Hotel vor Ort
reserviert. Der Internetauftritt des Hotel Swan war vielversprechend und
die Lage zentral. Das Hotel war geradezu ideal, um sich mit potenziellen
Verkäufern zu treffen. Jetzt wollte sie allerdings nur noch eines – schlafen.
Sie
löste ein Ticket und schlängelte sich vorbei an den anderen Reisenden bis zum
hinteren Teil des Busses, wo sie noch eine freie Bank entdeckte. Sie verstaute
den Trolley in dem Ablagefach über den Sitzen, dann ließ sie sich am Fenster
nieder.
Mit
einem lauten Zischen schloss sich die Tür, und der Bus setzte sich in Bewegung.
Kate lehnte sich völlig erschöpft auf ihrem Platz zurück, und gleich fielen
ihre Augen zu. Im Hintergrund unterhielten sich ein paar Frauen über ihre Kinder,
und von irgendwo hörte sie leise Musik.
„Ist
hier noch frei?“, holte sie eine Frauenstimme aus dem Dämmerschlaf.
Verwirrt
öffnete Kate die Augen. Eine junge Frau in ihrem Alter stand vor ihr. Sie trug
schwarze Leggins und eine weiße Bluse, unter der sich deutlich ein
Schwangerschaftsbauch abzeichnete. Sie hatte dunkelrotes, lockiges Haar und
leuchtend blaue Augen. Auf ihrem herzförmigen Gesicht lag ein sympathisches
Lächeln.
„Natürlich“,
nickte Kate und rutschte etwas dichter an das Fenster, sodass die Frau genügend
Platz hatte. Sie war froh, dass es eine Frau und nicht dieser ungehobelte Kerl
von vorhin war.
„Danke“,
sagte die Frau und setzte sich etwas schwerfällig. „Ich bin übrigens Maggie.
Maggie O’Conner.“
„Kate
Miller.“ Sie gaben einander die Hand.
„Sind
Sie zu Besuch in Bibury?“
Maggie musterte sie interessiert.
„Eigentlich
nicht. Ich bin geschäftlich unterwegs.“ Kate unterdrückte nur mit Mühe ein
Gähnen. „Entschuldigen Sie, aber ich bin schon seit einer gefühlten Ewigkeit
unterwegs. Ich bin heute Morgen mit dem Flugzeug angekommen, und die Fahrt
hierher war lang.“
Maggie
lachte. „Ja, das stimmt. London ist ein ganzes Stückchen weg, und die
Verbindungen nach Bibury sind
eine einzige Katastrophe. Aber Sie werden sehen, dass sich der Weg lohnt. Wenn
Sie erst einmal da sind, werden Sie nicht wieder zurück wollen. Bei uns
herrscht nicht so ein Trubel wie in der Großstadt. Nach ein paar Tagen sind Sie
so gut wie neu.“
In
Kates Ohren klang das nach Kuhmist und Langeweile pur.
„Das
klingt gut“, sagte sie aber höflich. In ihrem Beruf waren Notlügen wie das Salz
in der Suppe. Manchmal musste man die Wahrheit schönreden, um ans Ziel zu
kommen oder einen guten Umgangston zu pflegen. Keiner wollte schließlich auf
die Frage, ob man zugenommen hätte, die volle Wahrheit hören. Stattdessen war
es angemessen, mit einem „Vielleicht, wenn man ganz genau hinsieht“ zu
antworten.
„Kommen
Sie aus der Gegend?“
Die
Frau nickte, und ihre dunkelroten Locken hüpften lustig auf und ab. „Ja, meinem
Mann und mir gehört eine kleine Farm am Rande von Bibury.“
„Eine
Farm?“, fragte Kate erstaunt. Die Frau sah überhaupt nicht aus wie eine
Farmerin. Sie hatte feine Hände und war, abgesehen von dem
Schwangerschaftsbauch, eher zart gebaut.
„Ja,
wir haben ein paar Kühe, und Ben ... Ben ist mein Mann, er hat letztes Jahr ein
paar Zuchtschafe gekauft.“ Die blauen Augen der Frau leuchteten vor
Begeisterung.
Kate
konnte nicht verstehen, wieso sich jemand derart freuen konnte, wenn er von
Schafen sprach. Neue Manolo Blahnik Schuhe oder ein neues Kleid würden sie in
eine ähnliche Verzückung versetzen, aber Schafe?!
„Sie
sagten vorhin, dass Sie mit dem Flugzeug gekommen sind. Darf ich Sie fragen,
woher genau?“
„Aus
New York“, sagte Kate wehmütig.
„New
York!“ Maggie schlug schwärmerisch die Hände zusammen. „Dann sind Sie
Amerikanerin?“
„Ja,
geboren und aufgewachsen in den USA.“ Kate konnte den Stolz in ihrer Stimme
nicht verbergen.
„Deshalb
der Akzent. Ich dachte mir schon so etwas.“ Maggie lächelte. „Ben hat mir zu
unserer Hochzeit versprochen, dass wir einmal zusammen nach New York fahren,
aber im Moment können wir es uns einfach nicht leisten. Und jetzt, wo das Baby
bald kommt, haben wir erst einmal genug zu tun.“
Sie
legte stolz ihre Hände auf den gerundeten Bauch, und ihr herzförmiges Gesicht leuchtete
vor Glück. Mit einem Mal kam Kate die Frau gar nicht mehr so bedauernswert vor,
wie noch vor zwei Minuten.
„Herzlichen
Glückwunsch. Wann ist es denn so weit?“
„Ende
August, wenn alles gut geht.“ Das waren noch etwas über vier Wochen.
Maggie
kramte in ihrer Tasche, einem echten Monster, in dem man locker ein halbes
Schwein hätte verstecken können.
„Ich
war heute erst zur Untersuchung beim Arzt. Wissen Sie, in Bibury gibt es keinen vernünftigen
Frauenarzt, und deshalb muss ich immer nach Cirencester in die Klinik fahren. Dort haben sie
wenigstens ein vernünftiges Ultraschallgerät“, plapperte Maggie. Endlich schien
sie gefunden zu haben, was sie suchte, und streckte Kate ein Schwarz-Weiß-Foto
entgegen.
„Hier
sehen Sie ...“ Maggie deutete mit dem Zeigefinger auf etwas für Kate
Undefinierbares. „Der Doktor sagt, dass sich das Baby ganz prächtig
entwickelt.“ Die Frau strich liebevoll über das Foto.
Kate
konnte beim Anblick des Fotos nur mit Mühe ein Grinsen unterdrücken. Für sie
sah das Kind wie ein Wurm mit Armen und Beinen aus, der sich in einer Art
Ballon befand.
„Wie
süß“, log sie. „Wissen Sie schon, was es wird?“
„Ein
Mädchen.“ Maggie strahlte, als ob jemand eine Glühbirne von innen angeknipst
hätte.
„Ach,
wie schön. Und haben Sie schon einen Namen?“ Kates Müdigkeit war mit einem Mal
verschwunden, und sie genoss das Gespräch mit Maggie.
„Nein.“
Maggie schüttelte bedauernd den Kopf. „Immer, wenn ich einen Namen gut finde,
dann ist Ben dagegen. Ich persönlich finde ja Katherine schön, aber Ben sagt,
er will nicht, dass sein Kind den Namen einer Spinatwachtel trägt, die einmal
die Königin von England sein wird.“
Kate
musste bei dem Wort „Spinatwachtel“ laut auflachen. Maggies Mann war ihr auf
Anhieb sympathisch.
„Wenn
Sie ein Mädchen hätten, wie würden Sie es denn nennen?“
Kate
überlegte einen kurzen Moment. „Mir gefällt Hope ziemlich gut.“
„Hope?
Ein ungewöhnlicher Name, zumindest in England.“ Maggie legte die Stirn in
Falten. „Hope O‘Conner klingt gar nicht übel.“
Ein
Lächeln huschte über ihr Gesicht. „Ich werde Ben gleich heute Abend mal fragen,
wie ihm der Name gefällt.“
Kate
schmunzelte über Maggies offene und natürliche Art.
„Da
vorne ist meine Haltestelle“, sagte Maggie und deutete nach draußen. Der Bus
steuerte auf einen größeren Platz zu. „Wo müssen Sie denn hin?“
„Ich
habe ein Zimmer im Hotel Swan gebucht.“
„Im
Swan.“ Maggies Gesicht erhellte sich. „Da haben Sie sich aber etwas
wirklich Schönes ausgesucht. Das wird Ihnen gefallen. Das Swan ist das
beste Hotel vor Ort, und der Zitronenkuchen, den sie dort servieren, ist
geradezu legendär.“
Sie
kicherte fröhlich. „Unsere Farm ist nur wenige Autominuten davon entfernt.
Wissen Sie was, Kate? Wenn Sie Lust und Zeit haben, würde ich mich freuen, wenn
Sie mal bei uns vorbeischauen.“ Maggies Einladung klang aufrichtig.
„Vielen
Dank, das ist wirklich nett von Ihnen. Ich kann allerdings nichts versprechen.
Mein Zeitplan ist ziemlich eng getaktet.“
„Kein
Problem. Vielleicht klappt es trotzdem mal auf eine Tasse Kaffee. Kommen Sie,
wann immer Sie wollen. Wenn ich nicht gerade im Stall bin, finden Sie mich im
Haus oder irgendwo auf dem Hof.“
„Danke,
das ist wirklich lieb von Ihnen.“
„Ach,
und lassen Sie sich nicht von Cookie abschrecken.“
„Wer
ist Cookie?“
Maggie
lachte ihr glockenhelles Lachen. „Cookie ist unser Hund und der eigentliche
Herr auf der O’Conner-Farm, auch wenn Ben das nur ungern zugibt. Er macht immer
einen Riesenaufstand, wenn ein Fremder zu uns kommt. Aber im Grunde seines
Herzens ist Cookie ein ganz lieber Kerl. Am besten, Sie bringen einen Keks oder
so mit, damit können Sie sich prima einschmeicheln.“ Maggie zwinkerte ihr zu.
„Aber verraten Sie mich nicht.“
Kate
schüttelte lachend den Kopf. „Auf keinen Fall, und danke für den Tipp.“ Sie gab
es nur ungern zu, aber Hunde waren ihr immer ein bisschen unheimlich.
Der
Bus hielt, und Maggie stand schwerfällig aus ihrem Sitz auf. „Die nächste
Haltestelle müssen Sie raus. Und wenn Sie uns besuchen wollen, fragen Sie
einfach nach der O’Conner-Farm.“
„Vielen
Dank noch mal. Ich werde es mir merken.“
Sie
verabschiedeten sich, Maggie watschelte zur Tür und stieg aus. Kate sah durch
das verschmierte Busfenster. Maggie blieb einen Moment unentschlossen auf dem
Fußgängerweg stehen, dann fanden ihre Augen Kate, und sie winkte ihr fröhlich
zu. Kate winkte lächelnd zurück, als der Bus losfuhr. Kate warf einen letzten
Blick auf die zierliche Gestalt mit dem runden Bauch, dann bog der Bus um die
Ecke.
Seufzend
betrachtete Kate die verwinkelten Häuser entlang der Straße. Die Backsteine
leuchteten goldgelb im Sonnenlicht. Wilder Wein rankte entlang der Fassaden,
nur unterbrochen durch die leuchtenden Blüten der Kapuzinerkresse, die sich
dazwischenschlängelte. Die meisten Häuser hatten kleine Vorgärten mit alten
Bäumen und üppig blühenden Rosenbüschen. Überall waren die kleinen Steinmauern
zu finden, die Kate bereits auf dem Weg hierher aufgefallen waren und die die
Grundstücke voneinander abgrenzten. Die Dächer der Häuser schimmerten silbern
im Licht.
Kate
musste bei dem Anblick der schiefen Schornsteine unwillkürlich lächeln. Es
würde sie nicht wundern, wenn gleich eine Hexe auf ihrem Besen vorbeigeflogen
käme. Das ganze Dorf wirkte, als wäre die Zeit hier stehen geblieben. Kein
Wunder, dass man die Häuser und Straßen als Kulisse für einen Film genommen
hatte. Kate konnte sich nicht erinnern, jemals ein derart verzaubert anmutendes
Dorf gesehen zu haben. New York mit seinen Hochhäusern war zwar imposant, aber
real, Bibury mit seinen
Gassen und Häusern hingegen wirkte fast unecht, unwirklich. Kate schüttelte den
Kopf. Sie konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, hier jemals zu
leben.
Der
Bus fuhr entlang eines kleinen Flusses, auf dem Seerosen ein grünes Mosaik
bildeten. Fußgänger machten Fotos von den malerisch angelegten Gärten rechts
und links der Straße. Langsam bog der Bus um die Ecke, bis er schließlich laut
quietschend und mit einem Ruck zum Stehen kam.
Auf
der gegenüberliegenden Seite stand ein mit Wildem Wein über und über
bewachsenes herrschaftliches Haus. Kates Augen flogen über die Fassade, bis sie
ein großes Schild entdeckten, auf dem ein See mit einem prächtigen Schwan
darauf gemalt war und darunter in feinen Buchstaben The Swan geschrieben
stand. Sie gähnte herzhaft. Endlich hatte sie ihr Ziel erreicht.
Sie
schnappte sich ihre Tasche und den Koffer und drängte sich nach vorne zur
Fahrertür durch. Verwundert stellte sie fest, dass die meisten der Mitreisenden
wohl das gleiche Ziel wie sie hatten, denn der Bus leerte sich im Nu.
Als
der Bus weiterfuhr, ließ er Kate zusammen mit den anderen Fahrgästen auf der Straße
zurück. Die Sonne schien ihr genau ins Gesicht. Schützend hielt sich Kate die
Hand vor die Augen und betrachtete blinzelnd die Umgebung.
Das
Hotel lag an der kleinen Straße, an die der Fluss grenzte. Links vom Eingang sah
sie ein parkähnliches Grundstück mit herrlichen Obstbäumen und Blumen. Rechts
entdeckte Kate einen kleinen Innenhof, in dem den Gästen unter gelben
Sonnenschirmen Getränke angeboten wurden.
Der
Parkplatz vor dem Hotel war voll mit Autos und Motorrädern. Offensichtlich war
das Hotel als Ausflugsziel sehr beliebt. Gut, dass sie reserviert hatte.
Entschlossenen Schrittes trat Kate durch die Eingangstür.
Die
Lobby war geräumig. Alles sah genauso aus wie auf der Internetseite des Hotels:
Tapeten mit fliegenden Wildenten in Grau- und Goldtönen empfingen den Besucher.
Wandleuchter tauchten den Raum in sanftes Licht, und antike Möbel beherrschten
neben wenigen modernen Accessoires das Szenario. Alles wirkte ein wenig
gediegen und für Kates Geschmack ein bisschen zu überladen. Trotzdem oder
vielleicht genau deshalb strahlte der Raum eine einladende Gemütlichkeit aus.
Sie
trat an den Empfangstresen, wo ein älterer Herr sie mit einem freundlichen
Lächeln empfing. „Willkommen im Swan. Wie kann ich Ihnen behilflich
sein?“
Der
Mann hinter der Rezeption zwirbelte die Spitzen seines überdimensional großen
Schnurrbartes. Seine kleinen Äuglein musterten sie interessiert.
„Guten
Tag. Ich habe für die nächsten Tage ein Zimmer bei Ihnen reserviert“,
antwortete Kate freundlich. Die Augenbraue des Mannes schnellte nach oben. Er
nahm ein großes Buch zur Hand, das vor ihm auf dem Tisch lag.
„Wie
war noch mal Ihr werter Name?“
„Kate
Miller.“
Der
Mann fuhr mit dem Zeigefinger entlang der Seite. „Miller? Miller?“ Er
schüttelte den Kopf. „Tut mir leid, ich kann Sie nicht finden.“
Kate
spürte ein leichtes Unbehagen in sich aufsteigen. „Ich habe meine Reservierung
ausgedruckt, vielleicht hilft Ihnen das weiter?!“ Sie fing an, in ihrer Tasche
zu kramen. „Einen Moment, ich habe sie gleich.“
Der
Mann schenkte ihr einen vorwurfsvollen Blick. „Sie würden in diesem Buch
stehen, wenn wir eine Reservierung unter Ihrem Namen hätten.“
„Ja,
aber ich habe online reserviert.“
Kate
zweifelte stark daran, dass dieser Mann auch nur den Hauch einer Ahnung hatte,
wenn es um Computer ging. Wahrscheinlich bediente er zu Hause noch ein Telefon
mit Wählscheibe, und einen Computer besaß
er sicher nicht.
Kate
zog die Reservierung aus ihrem Moleskin hervor und entfaltete sie vor den
wachsamen Augen ihres Gegenübers. „Hier ist sie.“ Sie tippte mit dem Finger auf
das Papier.
Der
Mann runzelte die Stirn und drehte das Blatt in seine Richtung. „Einen Moment,
bitte“, sagte er schließlich.
Bevor
Kate etwas erwidern konnte, war er im Hinterzimmer verschwunden. Kate gähnte
herzhaft und trommelte mit den Fingern auf der Holzplatte. Ihre Geduld war
ziemlich am Ende. Erst der lange Flug, dann das Missgeschick mit ihrem Koffer
und jetzt auch noch die Reservierung! Alles, was sie wollte, war ein Bett.
Der
Hotelangestellte kam mit hochrotem Kopf zurück. Kein gutes Zeichen.
„Tja,
Miss Miller, es gibt da ein kleines Problem.“
Kates
Magen zog sich bei dem Wort „Problem“ krampfhaft zusammen. Ihr Bedarf an
Problemen war eigentlich gedeckt.
„Was kann es da für ein Problem geben? Ich
habe eine Reservierung, und Sie haben Zimmer“, sagte Kate mit sich
überschlagender Stimme – ein Zeichen für ihre extreme Übermüdung.
„Genau
das ist das Problem“, erwiderte der Mann peinlich berührt. „Wir haben keine
Zimmer mehr.“
„Waaas?“
Sie hatte lauter gerufen, als sie wollte. Einige der Gäste drehten sich
irritiert zu ihr um. Kate warf ihm einen gereizten Blick zu. Ein stechender
Schmerz hinter ihrem Auge kündigte Kopfschmerzen an.
„Aber
wie kann das sein? Ich habe doch reserviert.“ Sie deutete noch mal auf das
Blatt Papier, das er in der Hand hielt. „Sie haben es selbst gelesen. Es steht
dort schwarz auf weiß.“
„Das
ist richtig, aber wir hatten um eine Anzahlung gebeten, und die ist nicht bei
uns eingegangen. Deshalb haben wir das Zimmer vergeben, das eigentlich für Sie
vorgesehen war.“
„Dann
geben Sie mir eben ein anderes Zimmer.“ Kate verschränkte bockig die Arme vor
der Brust. Alles war so schnell gegangen, dass sie die Anzahlung völlig
vergessen hatte.
Der
Mann schüttelte bedauernd den Kopf und zwirbelte seinen Bart. „Das würde ich ja
gerne tun, aber wir haben kein Zimmer mehr frei. Wir sind völlig ausgebucht.“
Er deutete auf ein Schild vor der Bar. „Der Verband der Schafzüchter hält
dieses Wochenende ein großes Meeting in Bibury
ab. Alle Hotels sind bis unters Dach belegt.“
Kate
schnappte nach Luft. „Hören Sie, ich bin seit knapp achtundzwanzig Stunden
unterwegs. Alles, was ich will, ist eine warme Dusche und ein Bett. Ihr blödes
… Schafding interessiert mich nicht!“
„Das
würde ich Ihnen auch wirklich gerne geben, aber so, wie es aussieht, habe ich
kein Zimmer mehr frei“, sagte der Mann, ganz die Liebenswürdigkeit in Person.
„Und
was ist mit meiner Reservierung?“ Kate trommelte mit den Fingern auf dem
Papier.
„Ist
nur gültig mit einer Anzahlung“, sagte er mit dem Ton eines Richters, der ein
Todesurteil fällt.
„Und
was soll ich jetzt machen?“ Verzweiflung machte sich in ihr breit. Ihr war
schwindelig vor Müdigkeit, und es fiel ihr schwer, noch einen klaren Gedanken
zu fassen. Am liebsten hätte sie sich auf den Boden gesetzt und wäre nicht mehr
aufgestanden.
„Wenn
Sie möchten, telefoniere ich kurz und erkundige mich, ob eines der anderen
Hotels noch ein Zimmer für Sie hat.“
„Das
wäre nett“, seufzte Kate schwach.
„Bitte
nehmen Sie doch so lange Platz.“ Er deutete auf ein kleines Sofa in der Nähe
des Kamins. „Ich werde sehen, was ich für Sie tun kann.“
Erschöpft
und genervt ließ sich Kate auf dem Sofa nieder. Der Mann verschwand erneut im
Hinterzimmer. Im Kamin flackerte trotz der warmen Temperaturen ein Feuer, und
das Holz knisterte leise. Wehmütig starrte Kate in die Flammen. Sie musste
unwillkürlich an Greg denken, dessen Appartement ebenfalls einen Kamin besaß
und vor dem sie sich leidenschaftlich geliebt hatten. Das Ganze schien
Lichtjahre zurückzuliegen und kam Kate mittlerweile völlig unwirklich vor.
Hier, vor dem knisternden Kamin in Bibury, das sie vor ein paar Tage noch nicht
gekannt hatte, in einem Hotel, das kein Zimmer für sie hatte, und völlig am
Ende ihrer Kräfte wurde Kate mit einem Mal klar, dass ihre Gefühle für Greg
überraschend schnell erloschen waren.
Mehrere
Hotelgäste betraten gut gelaunt die Eingangshalle und gingen in Richtung Bar.
Sehnsüchtig sah ihnen Kate hinterher. Es war bereits spät am Nachmittag, und
sie hatte Durst. Viel schlimmer war jedoch das Bedürfnis nach Schlaf. Sie hatte
Mühe, die Augen offen zu halten. Wenn der
Kerl nicht gleich wiederkommt und ein Zimmer für mich hat, schlafe ich an Ort
und Stelle ein. So viel ist sicher.
„Es
gibt gute Nachrichten“, hörte Kate wenige Minuten später. „Ich habe noch ein
Zimmer für Sie gefunden.“ Er strahlte bis über beide Ohren.
„Gott
sei Dank!“, seufzte Kate erleichtert und unterdrückte ein Gähnen.
„Im
Oakwood House gibt es noch freie Zimmer.“ Der Mann räusperte sich. „Das
ist zwar nicht ganz der Standard, wie wir ihn im Swan pflegen, aber zum
Schlafen dürfte es seine Zwecke erfüllen.“
„Nicht
ganz der Standard?“, fragte Kate alarmiert.
Der
dickliche Mann spitzte die Lippen.
„Nein,
sagen wir es so: Oakwood House bietet Bed and Breakfast in einer einzigartigen
Lage.“
„Aha.“
Kate wusste mit der Antwort nichts Rechtes anzufangen, beschloss aber,
angesichts der Tatsache, dass sie sowieso keine andere Option hatte, auf
weitere Nachfragen zu verzichten. Stattdessen stand sie auf und fragte: „Und wo
finde ich das Oakwood House?“
„Sie
müssen einfach nur die Straße bis zum Ortsende weitergehen. Dann kommen Sie zu
einer kleinen Kreuzung. Dort müssen Sie recht abbiegen und dem kleinen Weg
folgen.“
Kate warf einen Blick auf ihre Pumps. Ein
längerer Fußweg würde ihren Füßen den Rest geben. „Ist das weit von hier?“
„Nicht
sonderlich. Für eine junge Frau wie Sie sollte das kein Problem sein.“ Er sah
sie mit einem Du-bist-ein-verweichlichtes-Stadtkind-Blick an.
„Ein
kleiner Spaziergang tut mir nach der langen Reise bestimmt gut.“ Sie war zu
stolz, um zuzugeben, dass sie eigentlich keine Lust mehr hatte, auch nur einen
Meter zu gehen.
Der
Mann nickte zufrieden und reichte ihr ein Blatt Papier. „Ich habe Ihnen die
Adresse aufgeschrieben. Sollen wir Sie anrufen, sobald hier ein Zimmer frei
ist?“
Kate
nickte.
„Das wäre nett. Gut, dass Sie mich fragen.
Mein Koffer ist auf dem Weg von New York nach London verloren gegangen, und man
hat mir versichert, dass er morgen oder übermorgen nachgeliefert wird. Ich habe
diese Adresse angegeben. Würden Sie mich bitte anrufen, wenn der Koffer da
ist?“
„Selbstverständlich“,
sagte der Angestellte. „Einen schönen Tag noch.“
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Das schreit förmlich nach meeeeehr. Seid ihr auch schon auf das neue eBook gespannt? Was sagt ihr zum Cover? Also ich finde es total passend.











