Für das erste Interview im Jahr 2014 hat sich die sympatische Autorin Stephanie Linnhe zur Verfügung gestellt, welche Antworten ich bekommen habe, könnt ihr nun hier lesen:
© Robin Jähne
Bookdealer
fragt: Wie bist du denn zum Schreiben gekommen?
Einen bestimmten Zeitpunkt gab es nicht. Das Schreibfaible hat
sich eher hinterhältig angeschlichen und wurde von mir lange Zeit einfach nur
als Spaßfaktor betrachtet ohne die Absicht, wirklich ein Buch entstehen zu
lassen.
Die ersten
Geschichten kamen in der fünften Klasse aufs Papier, und man konnte sie grob im
Bereich 'Fanfiction' ansiedeln (obwohl ich den Begriff damals noch nicht
kannte). Lange Zeit habe ich nichts geschrieben, dann hin und wieder
Geschichten mit Freunden zusammen. Ich habe mich gern in verschiedenen
Bereichen ausprobiert oder war in Online-RPG-Foren aktiv. Erst viel später habe
ich mich an längeren Texten versucht. Ich gehöre also nicht in die Kategorie
'Ich schreibe seit meiner Kindheit/Jugend regelmäßig' ;)
Den Ausschlag für
meinen ersten Roman gaben Stellenangebote im Internet, über die ich einfach nur
den Kopf schütteln konnte. Praktikanten sind in Deutschland ja heiß begehrt,
unter anderem auch für Positionen mit enormer Verantwortung, für lange Zeit und
am besten noch mit einem abgeschlossenen Studium. Oder zweien. Dazu natürlich
unbezahlt. Ich habe mir eine dazugehörige Firma vorgestellt, ein paar
Erfahrungen aus meiner Zeit als Werkstudent – überspitzt – dazu gemischt, und
fertig war die Idee.
Bookdealer
fragt: Wer in deinem engsten Familien- und Bekanntenkreis ist dein größter
Kritiker?
Meine Kollegin
Sabine. Sie ist nicht nur Vielleserin, sondern auch beruflich darauf gedrillt,
nach Fehlern zu suchen. Zudem besitzt sie die charmante Art, mir ihre Kritik
schonungslos und ungeschönt vor den Kopf zu knallen (aber stets begründet.
Kritik ohne Begründung ist keine Kritik). Noch heute zieht sie mich mit einem
Vergleich auf, den sie in einer meiner Rohfassungen entdeckt hat und der -
zugegeben - unglücklich war. Aber immerhin innovativ! :D
Bookdealer
fragt: Hast Du irgendwelche Rituale vor dem Schreiben oder schreibst du einfach
drauf los?
Nein, da gibt es
eigentlich nichts. Ich weiß, dass viele Kollegen beim Schreiben Musik hören,
aber das funktioniert bei mir nicht (ich lasse mich zu sehr ablenken oder singe
mit, google den Songtext, finde ähnliche Interpreten, die ich noch nicht kenne,
höre in ihre Musik hinein, begeisterte mich eventuell dafür, frage Freunde, ob
sie die kennen … du verstehst).
Ansonsten
schreibe ich unregelmäßig, je nachdem wann gerade Zeit ist, und meist trinke
ich dabei Tee.
Bookdealer
fragt: Hast Du zuerst die Geschichte
oder die Charaktere im Kopf? Und bekommen
die Charaktere "einfach so" ihre Namen oder steckt da eine Bedeutung
hinter?
Das ist
unterschiedlich. Manchmal ist es eine grobe Geschichte, manchmal auch nur eine
Szene, seltener ein Charakter, aber auch das kommt vor. Irgendwann bin ich
morgens aufgewacht und hatte noch einen Satz aus einem Traum im Kopf, und aus
dem ist dann auch eine Geschichte entstanden.
Wenn ich nun
abwiegen müsste, würde ich sagen, dass szenische Ideen etwas häufiger als
Ausgangspunkt vorkommen als Charaktere.
Die Namen müssen
sich in erster Linie richtig anfühlen. Meist stelle ich mir eine Figur erst
optisch vor, und dann muss der Name dazu passen. In „Gefährliches Versprechen“
ist der Protagonist beispielsweise dunkelhaarig und trägt daher den Nachnamen
Cole (= der Schwarze). Ebenso muss der Name aber zum Setting passen. Einen Anton-Josef
würde ich nun nicht als gebürtigen Amerikaner präsentieren, es sei denn, sein
Name trägt mit zur Story bei (so könnten seine Eltern Bayern über alles lieben,
und Anton – der als kleiner Junge stets gehänselt wurde, weil er nur Krachlederne
trug – weigert sich, die elterliche Weißwurstbude zu übernehmen und flüchtet
auf einen Roadtrip quer durch das Land).
Manchmal ist es
mir für die Story auch einfach wichtig, dass der Name eine passende Bedeutung
hat. Für eine Figur habe ich mich beispielsweise durch die Systematik der
Schlangen mit ihren lateinischen Bezeichnungen gewühlt. Aber sowas macht ja
auch durchaus Spaß.
Bookdealer fragt: Welches Buch hat einen nachhaltigen
Eindruck bei Dir hinterlassen und ist aus Deinem Bücherregal nicht mehr
wegzudenken?
DAS spezielle
Buch gibt es da nicht – dafür einige, die jeweils auf ihre Art einen Eindruck
hinterlassen haben. Um einfach völlig zufällig drei auszuwählen …
1. Marion Zimmer-Bradley: Die Nebel von Avalon. In den Einband habe ich noch
fein säuberlich eingetragen, dass ich das Buch zu meinem elften Geburtstag
bekommen habe. Es war quasi mein Startschuss für diese Art von Fantasyromanen
(mit historischem Setting, womit ich nun nicht ‚authentisch‘ meine ;)). Durch
Zimmer-Bradley habe ich zudem viele weitere Autoren/innen entdeckt, da sie auch
als Herausgeberin tätig war.
2. Hermann Hesse
– Der Steppenwolf: Ich musste Hesse in der Schule lesen und da mochte ich ihn
nicht besonders. Erst später habe ich den Steppenwolf beruflich in die Finger
bekommen und war begeistert, sowohl von der Stimmung und dem Aufbau als auch
von den Stellen, an denen sich der Autor ganz deutlich in seiner Geschichte
gespiegelt hat. Danach habe ich erst einmal Hesses Biografie gelesen sowie die
Sammlung seiner Briefe an Thomas Mann.
3. Neil Gaiman – Neverwhere: Was soll ich sagen, er ist einfach der Beste.
Bookdealer
fragt: Könntest du dir auch vorstellen mit einem anderem Autor ein Buch zu
schreiben?
Das habe ich noch
nicht getan, halte es aber für gut möglich. Ich bin gewohnt, mit mehreren
Kreativköpfen zusammen zu arbeiten und habe bereits in anderen Bereichen mit
einem Zwei- oder Mehrmann-Team spannende Sachen auf die Beine gestellt. Warum
sollte das nicht auch bei einem Buch funktionieren?
Bookdealer fragt: Wie bist du auf die Idee gekommen im
Genre Fantasy zu schreiben und könntest du dir auch ein anderes Genre für
weitere Bücher vorstellen?
Ich mag das
Genre, und zwar in vielen Facetten. Früher habe ich sehr viel High Fantasy
gelesen, mittlerweile ist es eher Paranormales, und es darf ruhig auch etwas
blutiger in die Richtung Horror/Thriller gehen. Da war es wahrscheinlich
naheliegend, dass ich auch in diesem Genre schreibe – und wenn ich eine Idee
habe, spielt sie sich auch meist im Fantasybereich ab. Mir gefallen die
Möglichkeiten, die sich in der Fantasy bieten – das ist ein wenig wie Kochen
mit exotischen Gewürzen ;)
Wenn ich in mein
kleines, schwarzes Buch schaue, finde ich auch Ideen für andere Genre, ja. Ich
könnte mir also durchaus vorstellen, da mal einen Ausflug in die eine oder
andere Richtung zu unternehmen.
Bookdealer fragt: Wie lange brauchst du ungefähr für ein
Buch (bis es fertig geschrieben ist) ?
Das ist schwer zu
sagen, da ich ja unregelmäßig schreibe. Ich arbeite hauptberuflich am Computer,
da kann ich mich nicht jeden Tag überwinden, um abends noch in die Tasten zu
hauen. Ich schätze nun einfach mal, dass ich zwischen 6 bis 12 Monaten für ein
Buch brauche. Schneller geht es, wenn man mir eine Deadline vor die Nase hält,
denn bei solchen bin ich sehr zuverlässig – und treibe mich mitunter dann
abends eventuell doch noch an den PC.
Bookdealer
fragt: Wenn du privat Bücher liest, liest du dann richtige Bücher oder lieber
Ebooks und welche Genre liest du am liebsten und welches Genre magst du
überhaupt nicht?
Ich mag 'richtige
Bücher', aber auch meinen alten, vor Jahren gebraucht gekauften Reader, und in
der Regel teile ich auf zwischen 'zu Hause lesen' und 'unterwegs sein'. Zu
Hause quillt mein Bücherschrank über vor Büchern, und zudem stapeln sie sich in
diversen anderen Ecken der Wohnung. Den Reader habe ich mir dagegen zugelegt,
als ich mehrere Wochen mit dem Rucksack unterwegs war und gemerkt habe, wie
praktisch es ist, wenn man weniger Gewicht auf dem Rücken hat (allein drei Romane können einiges wiegen und vor allem
Platz verdrängen, den man nicht immer hat). Seitdem packe ich ihn auch ein,
wenn ich nur am Wochenende unterwegs bin.
Natürlich gibt es
immer Ausnahmen: Wenn mich das angebrochene Buch ausreichend fesselt, halte ich
diese Aufteilung nicht konsequent ein. Und reich Bebildertes oder
Nachschlagewerke sind auf meinem Reader einfach kontraproduktiv.
Ich lese am
liebsten alles, was in den breiten Fantasybereich fällt (und da gibt es ja
mittlerweile wirklich unzählige Subgenres), aber auch viele andere Genres. Wenn
man mich fragt, was ich nicht lese, antworte ich meist „Krimis und ChickLit“,
aber auch hier gibt es Ausnahmen. Glennkill von Leonie Swann mochte ich
beispielsweise sehr, ebenso Marina Lewyckas „We are all made of glue“.
Bookdealer: Was gehört für dich zu einem gemütlichen
Leseabend dazu?
Wärme, ein
Getränk und das Wissen, am nächsten Tag nicht allzu früh raus zu müssen.
Bookdealer
fragt: Welche Buchverfilmung hast du zuletzt gesehen oder schaust du dir so was
nicht an?
Doch, allerdings
vermeide ich es, Buch und Film (akribisch) wertend miteinander zu vergleichen.
Das funktioniert oft nicht, weil zum einen die Spannungsbögen im Film
vollkommen anders aufgebaut sind - und es auch sein müssen - und zum anderen,
weil ein Film stets Interpretation sowie Detailentscheidungen des Regisseurs
darstellen. Es kann unzählige Gründe für Abweichungen geben, die sinnvoll und
nachvollziehbar sind, egal ob auf die Story, das Publikum der Gegenwart oder
auch nur den Markt und Einschaltquoten gemünzt.
Besonders stark
ist mir nach 'The Hobbit - Desolation of Smaug' aufgefallen, dass an vielen
Stellen im Freundeskreis das Gejammer über die Abweichungen groß war. Bei
manchen Leuten so sehr, dass sie sich in meinen Augen den Film selbst zerstört
haben. Man kann darüber diskutieren, ob er gut war oder nicht, aber alles
andere macht in meinen Augen keinen Sinn. Smaug war dann auch die letzte
Verfilmung, die ich gesehen habe und bei der ich mich an das Buch erinnern
konnte, als ich im Kino saß.
Danach war ich
noch im Medicus, aber da war die Story nicht mehr so in meinem Kopf präsent.
Also habe ich mich hauptsächlich auf die meist großartige Schauspielleistung
von Stellan Skarsgard gefreut.
Bookdealer fragt: Warst du schon mal auf einer Buchmesse
(Leipzig oder Frankfurt?) Oder hast du gar eine in Planung? Wenn ja wie fandest
du die Buchmesse bis jetzt immer so?
Ich war bisher
als Gast (also: Leserin) auf Buchmessen – und fand Leipzig gemütlicher als
Frankfurt. Sorry, neighbours ;)
Allerdings gibt
es noch die BuCon in Dreieich, die ich allen, die Interesse an Phantastik
haben, ans Herz legen kann.
Bookdealer fragt: Wie wichtig ist dir der persönliche
Kontakt zu deinen Lesern?
Ich finde es sehr
spannend, nun auch von Menschen, die ich nicht kenne, Feedback zu erhalten, mit
ihnen ins Gespräch zu kommen oder von interessanten Projekten rund um das Thema
Buch zu erfahren. Leider bleibt dafür neben Hauptjob und anderen Projekten
nicht immer so viel Zeit, wie ich gern hätte.
Bookdealer fragt: Was hältst du von den Blogtouren die im
Moment so beliebt sind? Sprich wenn Blogger, Autoren & deren Bücher
bekannter machen?
Das ist ein
perfektes Beispiel für die Projekte, von denen ich in der Frage davor
gesprochen habe. Da sind Leser/Blogger, deren Herzen an Geschichten hängen (wie
meins ja auch), und die ihr Interesse mit Liebe zum Detail umsetzen. Blogtouren
sind für mich Neuland, aber dort werden die unterschiedlichsten – und auch mal
ungewöhnliche – Facetten beleuchtet, verschiedene Meinungen präsentiert, und
das alles in Zusammenarbeit. Ich finde das super.
Bookdealer fragt: Gehst du auch zu Lesungen von Kollegen,
oder hast du da die Zeit nicht mehr so dazu? Und Gibt es einen Autoren den du
unbedingt mal treffen möchtest?
Wenn eine Lesung
in der Nähe stattfindet und mich interessiert (und das muss nicht immer das
Genre sein), fahre ich sehr gern dorthin. Zum einen mag ich den Austausch, zum
anderen kommen dadurch nette Kontakte zustande.
Bei den Autoren setze ich natürlich Neil Gaiman auf meine Liste (ich habe ihn einmal
auf einer wundervollen Lesung in Edinburgh gehört bzw. gesehen, aber eben nicht
wirklich getroffen), aber auch Guillermo del Toro, da er nicht nur Romane
schreibt, sondern auch durch seine Arbeit im Filmbusiness eine ganz eigene Sicht
auf seine Stories hat.
Wenn wir das
ganze „Inland“ halten, würde ich gern mal mit Nina Blazon plaudern. Sie
schreibt tolle Bücher und wohnt nicht einmal ganz so weit von mir entfernt. ;)
Bookdealer
fragt: Hast du noch einen besonderen Herzenswunsch den du dir noch erfüllen
möchtest?
Du meinst auf die
kommende Zeit und einzig und allein auf mich bezogen?
Ich plane derzeit
mit einem Freund ein Projekt, das nichts mit Romanen, aber unter anderem mit
Schreiben zu tun hat. Noch sind wir in der Evaluierungsphase, aber sollte es so
funktionieren, wie ich es mir erhoffe, wäre ich sogar bereit, den knurrigen
Nachbarn aus dem Hinterhaus zu umarmen, fest und lang. Also: Daumen drücken!
Sollte die Frage
größenwahnsinniger gemeint sein, möchte ich eines meiner Bücher von Darren
Aronofsky verfilmt sehen. Darren, ich habe hier eine Liste von meist britischen
Darstellern, die für die Haupt- und auch Nebenrollen in Frage kämen!
Vielen
herzlichen Dank liebe Stephanie, dass du dir die Zeit genommen hast, mir das
„kleine“ Interview zu geben.
Einem
Bookdealer schlägt man halt nichts ab! :)
Sehr gern geschehen, Verena – es hat mir viel Spaß gemacht.