Sonntag, 26. Juli 2015

[Lesedeal] Bürodates-Hitze am Arbeitsplatz von Bettina Kiraly

Am 1.8 erscheint der Kurzgeschichten Roman "Hitze am Arbeitsplatz" von Bettina Kiraly und ihr dürft schon vorab in die Geschichte reinschnuppern? Na ist das klasse? Dann wünsche ich euch viel Spass dabei:




Mein Deckel

Ich fülle ein Glas mit Rotwein, bevor ich wieder auf die Couch sinke und blicklos vor mich hinstarre. Ohne den Wein kommen meine Gedanken nicht zur Ruhe. Sie kreisen unablässig um ihn.
Jeder Topf findet irgendwann seinen Deckel. Diesen allgemein bekannten Ausspruch habe ich bislang für schwachsinnig gehalten. Ein idealer Mann, mit dem man eine Beziehung voller Liebe führen kann. Der perfekte Partner, der einen ergänzt wie das richtige Puzzlestück. Ein Geliebter, bei dem man sich vollständig fühlt: so jemand existierte in meiner Welt nicht. Ich konnte mir so jemanden nicht einmal vorstellen.
Doch das war, bevor ich Denis kennenlernte.
Er ist ein Arbeitskollege. Als ich ihn das erste Mal sah, machte es Zooom. Damit konnte ich umgehen. Als mich außer seinem Äußeren auch sein Humor, seine Intelligenz und sein Charakter angesprochen haben, konnte ich das allerdings nicht einfach ignorieren.
Vor einer Woche lud er mich zum Essen ein. Ich dachte eine kurze Zeit lang, das mit uns könnte etwas werden. Die Funken flogen zwischen uns. Meine Haut kribbelte, als unsere Finger sich zufällig beim Griff nach der Mineralflasche trafen. Aber warum kam nach einer tollen Stunde mit Kennenlernen, Flirten und Lachen nichts mehr? Nichts. Keine neuerliche Einladung. Kein Weiterschäkern. Kein nettes Wort. Was habe ich falsch gemacht?
Es läutet an der Wohnungstür.
Mit gerunzelter Stirn gehe ich in den Vorraum um zu öffnen. Ich erwarte niemanden. Eine Sekunde später wird die Tür aufgedrückt, und ich stolpere nach hinten.
„Was soll das?“, stammele ich. Mein Herz klopft bei diesem Überfall ängstlich. Bis ich den Eindringling erkenne. Dann schlägt es wegen dem schwarzhaarigen Mann vor mir schneller.
„Du?“
Denis lächelt. „Willst du mich nicht hereinbitten?“
Ich trete automatisch zur Seite.
„Du musst die Tür wieder schließen, wenn deine Nachbarn unser … Gespräch nicht belauschen sollen.“
Wieder befolge ich seine Aufforderung ohne zu zögern. „Was willst du hier?“, bringe ich schließlich hervor.
„Dir sagen, wie egal es mir ist, wenn laut der Firmenpolitik keine Beziehungen zwischen Kollegen erlaubt sind.“
„Beziehungen?“ Meine Stimme kippt, und ich starre ihn mit geweiteten Augen an.
„Ich finde das nur logisch. Du magst mich. Du hast dieses besondere Funkeln in den Augen, wenn wir uns unterhalten. Und als ich dir ein gemeinsames Mittagessen vorgeschlagen habe, hast du sofort zugesagt.“
Natürlich! Zu diesem netten, gutaussehenden Mann sage ich doch nicht nein! Ich wäre sogar mit ihm zum Tätowieren gegangen, wenn er gewollt hätte!
„Außerdem hast du mit mir geflirtet. Dein Lächeln, das Spielen mit deinem Haar, dein wiederholtes Berühren meiner Hand … Ich kann doch nicht vollkommen danebenliegen.“
Ich lecke über meine trockenen Lippen.
Denis lächelt. „Du siehst das also ähnlich.“ Er schlüpft aus seinen Schuhen und öffnet die Knöpfe seiner Jeans.
„Ich verstehe kein Wort“, bringe ich hervor.
Seine Jeans rutscht zu Boden. Er steigt hüpfend heraus. „Unser Mittagessen. Du warst froh, weil unser Chef uns nicht sehen konnte.“
Nur dunkel erinnere ich mich an diesen Kommentar. Ich hab es nur so dahingesagt. Ich war in diesem Moment viel zu sehr von seinen wunderschönen, dunkelblauen Augen abgelenkt.
Denis zieht sich das Shirt über den Kopf. Deutlich konturierte Muskeln unter unbehaarter Haut. „Dabei habe ich in deinem Gesicht etwas anderes gelesen. Du warst mehr an einem Kuss als an der Beachtung dieser dämlichen Regel interessiert.“
Wenigstens schätzt er mich nicht falsch ein. „Was tust du da eigentlich?“
„Meinen riskanten Plan in die Tat umsetzen.“
„Deinen Plan?“
Seine Socken fliegen zur Seite. „Ich glaube, du bist genauso interessiert an mir wie ich an dir. … Ich habe doch Recht, oder?“
Ich sollte etwas unternehmen. Irgendetwas. Eine Spirale von Sehnsucht beginnt sich in meinem Magen zu drehen. Sie wird immer schneller und benebelt meinen Verstand. Langsam nicke ich.
Erleichterung zeigt sich in seinem Gesichtsausdruck. „Ich habe tagelang mit mir gerungen.“
„Ob du wegen unserem … erfolglosen … Date mit mir sprichst?“
„Nein.“
„Ob du etwas von mir willst?“
Er lacht. „Das war mir vom ersten Augenblick an klar, als ich dich im Büro gesehen habe. Aber ich wusste nicht, wie ich dir klar machen sollte, was ich für dich empfinde. Ich habe mich für einen Überraschungsbesuch heute Abend entschieden und mir deine Adresse aus dem Telefonbuch gesucht.“
„Gut, aber ...“ Ich hebe die Hände. Sie sinken schwer wieder zu Boden. „Das hier … du halbnackt in meiner Wohnung … das ist nicht vernünftig. Wenn du dich also wieder anziehen würdest …“
Seine Finger tasten über den Bund seiner Boxershorts. „Nein. Ich kann seit einer Woche an nichts anderes denken. Seit du beim Mittagessen mit diesem sinnlichen Mund am Spargel geknabbert und mir das Blut zwischen die Beine schießen lassen hast.“
Dann streift er seine Shorts ab.
Sekundenlang vergisst mein Herz, was es zu tun hat.
Ich schlucke. Mein Blick wagt sein Gesicht nicht zu verlassen. Die Situation ist zu absurd. Mein Verstand verabschiedet sich. Meine Finger greifen nach dem Bund meines Pullovers, um ihn abzulegen. Das nervige Ding verheddert sich an meinem Kinn.
Fremde Hände helfen mir aus meinem Oberteil. Endlich kann ich Denis wieder ansehen. Mein Herz pocht gegen meine Rippen. Traue ich mich das hier wirklich? Ich blicke in diese unglaublichen, blauen Augen und spüre eine neue Gewissheit.
Er öffnet meinen BH. Ich zittere, als mir bewusst wird, mit nacktem Oberkörper vor ihm zu stehen.

Denis lacht leise. „Mir haben ganz schön die Nerven geflattert, als ich hier ankam“, gesteht er. Er hilft mir, meine Hose auszuziehen.



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