Samstag, 28. März 2015

[Lesedeal] Gefährliche Sehnsucht- Nachtahn 3 von Sandra Florean




Am 3. April erscheint der nun schon 3. Teil der Nachtahn Reihe von der lieben Sandra Florean und ihr bekommt jetzt die Möglichkeit einen Blick auf das Cover zu werfen und ihr dürft in den Text schnuppern:




»Signora Fitzgerald!«
   Ein Mann um die vierzig kam mit lockeren Schritten, die erkennen ließen, dass er regelmäßig
   joggte, den Gang auf uns zugelaufen. Seine Turnschuhe machten fast kein Geräusch auf dem karamellfarbenen Linoleumboden. »Tut mir leid, dass ich Ihnen hinterherrufe«, sagte er und hielt Louisa eine Hand hin. Eine Brise seines würzigen Aftershaves hüllte uns augenblicklich ein. »Franco Lutoni. Ich bin der Vater von Chiara, unsere Kinder …«
   »Ich weiß«, unterbrach Louisa ihn. »Sagen Sie doch Louisa zu mir. Meinen Mann Dorian kennen Sie noch?«
   Er nickte, und Louisa gab ihm die Hand. Kurz nur. Franco schien nichts zu bemerken. Meine Hand schüttelte er kräftig. Franco Lutoni war ein athletisch gebauter braun gebrannter Mann mit vollen dunklen Haaren, die an der Schläfe erste graue Schatten aufwiesen. Er blinzelte ein paar Mal mit seinen aufgeweckten, kleinen Augen. Es lag nicht an dem Zwielicht in dem Schulflur, sondern an Louisa, die ihn leicht mit ihrer Vampirmagie blendete.
   Wie sich herausstellte, hatte sie doch etwas von Richards Blut in sich behalten. Nicht viel, aber das Blut war stark und verlieh ihr neue Kräfte. Mit Jaydens Hilfe hatte Louisa es geschafft, ihre Tarnfähigkeit zu trainieren, die ihr half, uns hier ein neues Leben aufzubauen. Nichts hatte ihr mehr am Herzen gelegen, als Zoe ein normales Leben zu ermöglichen. Sie hatte unermüdlich daran gearbeitet und es tatsächlich geschafft.
   Nachdem wir Louisa, Zoe und Eric aus den Fängen meines verdorbenen Bruders befreit hatten, waren wir ein paar Jahre herumgereist. Unsere Tochter hatte von Anfang an heimlich mein Blut zu trinken bekommen. Es hatte sie nicht nur außergewöhnlich widerstandsfähig gemacht, was Kinderkrankheiten betraf, sondern ihr sogar ein wenig übernatürliche Fähigkeiten verliehen. Leider war sie auch unnatürlich schnell größer geworden, sodass wir nie lange an einem Ort bleiben konnten, ehe es jemandem auffiel. Nachdem ich das Blut abgesetzt hatte, verlangsamte sich ihre Entwicklung, und wir hatten uns eine längerfristige Bleibe gesucht.
   Sie lag auf Sizilien, ein gutes Stück von der Großstadt Palermo entfernt auf dem Land, wo wir keine direkten Nachbarn hatten. Es war Louisas Wunsch, in ein wärmeres Klima überzusiedeln, und wer war ich, es ihr zu verwehren?
   Nun hatten wir unseren ersten Elternabend in Zoes Schule hinter uns. Wie zur Einschulung hatten sich einige Köpfe nach uns umgedreht. Was sie sahen, war ein junges, glückliches Paar, das vielleicht ein bisschen mehr Geld für Garderobe ausgab als andere Eltern. Ich zumindest. Louisa hatte darauf bestanden, dass Zoe auf eine öffentliche Schule ging. Nicht auf eine dieser Privatschulen, wo nur verwöhnte reiche Gören hinkamen, wie sie es formulierte. Es wunderte mich, dass sie noch immer ein Problem damit hatte, dass wir wohlhabend waren.
   Ich konnte mich gut daran erinnern, wie ich um sie hatte kämpfen müssen, damit sie überhaupt mit mir ausging. So sehr hatte sie mein Reichtum abgeschreckt.
   Der Nachteil an dieser staatlichen Schule war, dass alle anderen eben nicht so vermögend waren und wir dadurch zwangsläufig auffielen. Etwas, worüber Louisa, obwohl sie immer versuchte, genau das zu vermeiden, nicht nachgedacht hatte. Die anderen Eltern waren gewöhnliche Leute. Das hatte ich überprüft. Wenn wir schon ein Leben unter ihnen führen wollten, wollte ich zumindest wissen, auf wen wir uns einließen. Da gab es Köche und Hausfrauen, Bauarbeiter und Fremdenführer, Imbissbesitzer und freischaffende Journalistinnen, Krankenschwestern und Carabinieri.
   Nach Louisas erneutem Absturz nach unserer Rückkehr von Richards Burg und unserer Versöhnung waren wir sofort ins Sommerhaus gefahren. Und das war die richtige Entscheidung. Louisa kam zur Ruhe, entspannte sich. Vor allem öffnete sie sich endlich. Sie sprach sich mit Eric aus, dem ich beinahe das Herz herausgerissen hätte, als er mir eines Tages eine ohnmächtige Louisa nach Hause gebracht hatte. Es war Jaydens Vampirschnaps, der sie umgehauen hatte, als die drei wie so oft zusammen tanzen waren. Nun war sie ein Vampir und schaffte es dennoch, sich ins Koma zu trinken! Hatte ich nicht geahnt, dass Louisa auf ihre unberechenbare Weise auf die schrecklichen Erlebnisse reagieren würde?
   Nachdem ich sie nicht gerade mitfühlend zur Rede gestellt hatte, ließ sie es endlich heraus. Wir alle halfen ihr, mit dem Erlebten klarzukommen. Es war ausgerechnet Jayden, der ihr Kraft gab. Ihm hatten wir es überhaupt erst zu verdanken, dass ich Louisa verwandeln musste. Doch das war Schnee von gestern. Er hatte sich als vertrauenswürdiges Mitglied unseres kleinen Familienbundes erwiesen. Ich hatte Louisa in diesen schwierigen Wochen oft mit ihm zusammensitzen sehen, durch ihr Schweigen verbunden.
   Als ich Louisa kennenlernte, hatte sie eine schlimme Zeit hinter sich, nachdem sie von einem allzu aufdringlichen Verehrer überfallen worden war. Es war ihr, gottlob, nicht allzu viel passiert, aber die Erinnerung daran hatte sie gequält. Sie hatte sich in den Alkohol geflüchtet. Dass ich sie in diese düstere, gewalttätige Welt der Vampire gezogen hatte, machte es nicht besser. Ich hatte einige ihrer Abstürze miterleben dürfen. Etwas, worauf ich gern verzichtet hätte.
   Seit ein paar Wochen hatten wir nun unser neues Domizil bezogen und alles verlief ruhig. Es war eine wundervolle Villa im alten römischen Stil, die Platz für uns alle bot. Jayden, Eric, die Klette, und mein guter Freund Michael waren noch immer bei uns und würden es auch bleiben. Ich hatte die Villa aufwendig umbauen, Spezialglas und natürlich die obligatorischen Sicherheitsmaßnahmen installieren lassen. Es waren mehrere Wohneinheiten eingerichtet mit verriegelbaren Zwischentüren, damit sich jeder zurückziehen konnte. Außerdem hatte ich das Kellerverlies mit Betthöhlen ausgestattet. Dennoch hielten wir uns meistens alle im geräumigen Wohn- und Esszimmer im Erdgeschoss auf. Wir hatten einen Pool draußen und einen Jacuzzi drinnen. Das Haus lag in einer Bucht mit kleinem Strand direkt am Mittelmeer. Es war traumhaft.
   Zoe unterrichteten wir auf unseren Reisen gemeinsam. Jeder von uns hatte mehrere Jahrzehnte, oder wie ich Jahrhunderte, hinter sich, in denen sich zwangsläufig einiges Wissen angehäuft hatte. Sie war ein kluges Kind und genoss jede Unterrichtsstunde. Das kam mit Sicherheit nicht von Eric, ihrem leiblicher Vater. Mein Spross Mary hatte ihn und meine Louisa vor langer Zeit in die Finger bekommen und sie gezwungen, miteinander zu schlafen. Eine Aktion, mit der sie mich hatte quälen wollen. Es war ihr gelungen, sie hatte sich jedoch nicht lange an meiner Qual ergötzen können.
   Heraus kam Zoe Eternity, die ich mehr liebte, als ich ein eigenes Kind hätte lieben können. Sie war mein Sonnenschein, der mich immer wieder aufs Neue tief berührte. Da Louisa nicht unschuldig daran war, dass ihr leiblicher Vater nun ebenfalls ein Vampir war, und weil sich Eric während ihrer Gefangenschaft bei Richard aufopferungsvoll um die beiden gekümmert hatte, durfte er bleiben. Eine Entscheidung, die ich bereits manches Mal bereut hatte.
   Eric hatte sich im Gegensatz zu Louisa und Zoe schwergetan, Italienisch zu lernen. Vokabeln pauken war einfach nichts für ihn. Er war eher von der tatkräftigen Sorte. Zum ersten Mal tat er mir ein bisschen leid. Jayden war teilweise in Italien aufgewachsen, als er noch sterblich war, und Michael und ich sprachen sowieso mehrere Sprachen. Wenn man alle Zeit der Welt hatte, fing man sogar an, freiwillig Vokabeln zu lernen. Das würde Eric auch noch begreifen. Im Moment verständigte er sich mit Händen und Füßen, was scheinbar funktionierte. Wie wir alle fühlte er sich hier wohl. Was bei ihm mit Sicherheit auch an den schönen italienischen Frauen lag.
   Nachdem Jayden begonnen hatte, mit Zoe ihre Fähigkeiten zu trainieren, hatte ich aufgehört, ihr mein Blut zu geben. Sie war sechseinhalb Jahre alt. Aussehen und denken tat sie wie eine Elfjährige. Sie war schon fast so groß wie Louisa, hatte jedoch breitere Schultern. Genau wie Louisa schwamm sie gern. Das Schwimmen hatte sie fast von selbst gelernt. Außerdem schlug sie mittlerweile sogar Michael im Schach und hatte angefangen, Klavier zu spielen. Wofür ich mehr als dankbar war. Ihr erstes Instrument war eine Geige gewesen. Mir stellten sich die Nackenhaare auf bei der Erinnerung an ihre vielen vergeblichen Versuche, dem fürchterlichen Instrument harmonische Klänge zu entlocken.
   Zoe hatte sich gut in die Klassengemeinschaft eingefunden, wie uns ihre Klassenlehrerin versicherte, und war ein beliebtes Kind. Keiner ahnte, dass sie mit Vampiren zusammenlebte. Für Zoe war es normal. Sie verriet sich nie. Nicht einmal aus Versehen. Ihre Fähigkeiten nutzte sie ebenfalls nie. Was das anging, war sie ein bisschen wie Louisa. Sie verdrängte es und wollte einfach Kind sein.
   »Louisa«, sagte Franco Lutoni. »Meine Chiara und Ihre Tochter haben sich offenbar angefreundet.«
   »Oh, wie schön«, erwiderte Louisa gerührt, obwohl sie das natürlich wusste. Zoe redete seit Tagen von nichts anderem. »Kommen Sie, Ihre Frau und Chiara uns doch mal besuchen, damit die beiden zusammen spielen und wir uns ein bisschen kennenlernen können.«
   »Ich bin allein mit Chiara«, sagte Franco. »Ihre Mutter und ich haben uns getrennt.«
   Er sah Louisa offen an, schien noch etwas sagen zu wollen, überlegte es sich aber anders und schwieg stirnrunzelnd. Louisa war nervös. Das war sie immer, wenn wir mit Sterblichen zu tun hatten. Wenn sie nervös war, verstärkten sich ihre Kräfte. Ich war mir nicht sicher, was Franco Lutoni sah, doch die Sterblichen reagierten immer ähnlich auf Louisa. Sie starrten sie umso mehr an und wirkten verwirrt. Nicht, weil sie ahnten, dass Louisa ein Vampir war, sondern weil meine hübsche Frau sie unwillentlich mit ihrem Blendwerk betörte.
   »Dann kommen Sie und Chiara eben allein zu uns«, schlug ich vor. »Morgen Nachmittag um vier, wie wäre das?«
   Franco nickte lächelnd. »Sehr gern. Da wird Chiara sich freuen.«
   Wir gaben uns erneut die Hände. Louisa strahlte. Wir hatten eine erste Verabredung für Zoe!
   »Und bringen Sie Badesachen mit. Zoe ist verrückt nach Wasser«, rief ich Franco hinterher.
   Er drehte sich um und hob die Hand. »Wie Chiara. Bis morgen!«

Auf dem Rückweg lächelte mich Louisa glücklich an. Sie war fürchterlich aufgeregt und ängstlich gewesen, als wir aufgebrochen waren. Dabei hatten wir es auf unseren Reisen oft probiert, waren jedes Mal länger am gleichen Ort geblieben. Keiner hatte je etwas bemerkt. Es war nur ein bisschen Blendwerk nötig. Entweder von Louisa, mir oder Jayden. Eric war zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt, der konnte es nicht besonders gut. Michael brauchte es nicht. Er fiel unter den Sterblichen am wenigsten auf. Eigentlich war es Louisa, die am meisten auffiel. Ihre Augen waren zu hell, um natürlich auszusehen. Deshalb trug sie häufig eine Sonnenbrille. Ihre Haut war nun genauso bleich wie meine. Nur strahlender. Sie war glücklich, und das strahlte sie im wahrsten Sinne des Wortes aus.
   Wenn man genauer hinsah, ganz genau, sah man den Durst. Sie hatte den Blutdrang so gut unter Kontrolle wie ich, aber sie war trotzdem immer durstig. Egal, wie viel sie trank. Das bestätigte, was ich immer angenommen hatte. Gegen Instinkte kam man nicht an. Nicht als Mensch und erst recht nicht als Vampir. Louisa trank überwiegend von mir oder Jayden zusätzlich zu den Blutkonserven, die ich uns aus einem meiner Blutspendezentren liefern ließ. Ab und zu ging sie mit Jayden aus so wie vor ihrem fürchterlichen Absturz und trank frisches Blut. Aber nicht, um satt zu werden, sondern um sich daran zu berauschen. Ich würde sie öfter auf die Jagd mitnehmen müssen, damit sie sich mal wieder satt trinken konnte und dieser hungrige Blick nachließ. Wie bei vielen Dingen tat sich Louisa sehr schwer damit, Menschen zu beißen und ihr Blut zu trinken. Ich hatte es nie verstanden, aber sie verabscheute die Nähe, den Geruch und den Akt an sich. Bei Jayden und mir war es sonderbarerweise nicht so.
   »Das hat doch gut geklappt.« Sie nahm meine Hand.
   »Ich hab nichts anderes erwartet.« Ich zwinkerte ihr zu. »Alle erblicken nur eine bezaubernde Frau, wenn sie dich ansehen.«
   Sie lächelte und rutschte näher an mich heran, um sich an meine Schulter zu lehnen. »Und du meinst, dass sich keiner drüber wundert, dass mein Bruder und sein Freund bei uns wohnen?«
   Damit niemand sich über Zoes Ähnlichkeit zu Eric Gedanken machte, hatten wir bei der Einschulung behauptet, er wäre Louisas Bruder. Sie hatten beide dunkle Haare, genauer würde wohl keiner hinsehen. Jayden hatte ich kurzerhand als Erics Liebhaber vorgestellt, was einige enttäuschte Blicke in der Damenwelt ausgelöst hatte. Eric hatte auf dem Rückweg geschimpft wie ein Rohrspatz, weil ich ihm damit die Chancen vermasselt hatte. Jayden hatte leise vor sich hin gegrinst. Was genau ihn und Eric, die sich eine Wohneinheit teilten, taten, wenn sie allein waren, wollte ich überhaupt nicht wissen. Michael war, was er war. Ein guter Freund der Familie, der eine vorübergehende Bleibe bei uns gefunden hatte. Wir waren in Italien, in dem Land, in dem Familie großgeschrieben wurde – warum sollte sich da jemand drüber wundern?
   Wir fingen an, uns in die Welt der Sterblichen einzuleben. Louisa war glücklicherweise nicht so weit gegangen, sich in den Elternbeirat wählen zu lassen. Diese Verabredung war ein Anfang. Nicht der Leichteste, denn Franco Lutoni war der Polizist auf meiner Liste. Aber ich war nicht der Typ, der vor großen Herausforderungen zurückschreckte. Was konnte schon schiefgehen?

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Und? Konnte ich euch nun anfixen? Ich hoffe es doch mal sehr und auch das Cover ist wieder grandios geworden.

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