Freitag, 13. März 2015

[Lesedeal] Ein totes Leben von Dominik Seiberth

Vor kurzem hatte ich euch den Autor ja schon in einem Interview vorgestellt und heute ist es nun endlich soweit , der Lesedeal zu seinem neuen Buches "Ein totes Leben" ist nun für euch online gegangen. Das Buch wird die nächsten Tage erscheinen.
Werft exklusiv einen Blick aufs Cover & die kurze Leseprobe:






Seit Jonathan zum letzten Mal eine kugelsichere Weste getragen hatte, war viel Zeit vergangen. Um genau zu sein, hatte er die Schutzweste zum letzten Mal bei dem Fall getragen, der ihn vor zehn Jahren in die Schlagzeilen der lokalen Medien gebracht hatte. Wie damals, so wusste er auch heute nicht, welchen Ausgang der Einsatz nehmen würde.
Das Tor, das zum Campingplatz führte, war angelehnt. Emil Rothfuss hatte es für sie offen stehen lassen. Vorsichtig gingen Pitkowski und er den Weg entlang, der zwischen den Reihen der dunklen, verwaisten Caravans, Wohnmobile und der Wohnanhänger hindurchführte. Es gab einen Spielplatz und eine Grillstelle. Beide waren unter der zentimeterdicken Schneeschicht begraben, die sich in den letzten Tagen angehäuft hatte.
Beim Atmen bildeten sich feine Wölkchen vor ihren Gesichtern. Pitkowski ging direkt neben Jonathan den Weg entlang. Sie schwiegen und warteten auf das leiseste Geräusch, das möglicherweise zu hören war und darauf schließen ließ, dass Charles Büchner noch immer dort war, wo Emil Rothfuss ihn zu sehen geglaubt hatte.
Jonathan stellte sich vor, wie der Campingplatz im Frühling und im Sommer vom Leben erfüllt war. Vom Lachen der Kinder, die auf dem Spielplatz spielten oder im Fluss badeten; von ihren Eltern, die Fleisch und Gemüse grillten; von Familien, die im Licht der untergehenden Sonne vor ihren Wohnwagen saßen und sich das Abendessen schmecken ließen; von Rentnerehepaaren, die sich an den Händen hielten und ausgedehnte Spaziergänge entlang des Ufers unternahmen. In seinem Kopf hörte er das Zwitschern von Vögeln und das Plätschern des Flusslaufes und fragte sich unwillkürlich, wie dieser Ort, der im Sommer mit Sicherheit voller Freude und Glück war, an diesem Abend so einen kalten und toten Anblick bieten konnte.
Er kehrte ins Hier und Jetzt zurück. Er hatte etwas gehört.
Neben ihm war Pitkowski stehen geblieben. 
Jonathan glaubte zuerst, sich das Geräusch nur eingebildet zu haben. Vielleicht hatten sich das Heulen des Windes und seine Anspannung zu etwas vermischt, das es überhaupt nicht gab. Aber dann war das Geräusch wieder da, lauter und deutlicher als zuvor.
»Musik“,«, sagte er verwundert. »Das ist Musik.“
Langsam gingen sie weiter. Sie versuchten, sich so leise wie möglich fortzubewegen. Sie konnten nicht mehr weit von dem Stellplatz entfernt sein, auf dem Büchner Zuflucht gesucht hatte. Und tatsächlich. Wenige Augenblicke später sah Jonathan einen hellen, orangefarbenen Lichtfunken zwischen den Schatten der Bäume aufleuchten.
Er legte einen Finger auf die Lippen und bedeutete Pitkowski, sich vollkommen still zu verhalten. Das Licht fiel aus dem Fenster eines Wohnmobils ins Freie. Mittlerweile war die Musik so deutlich zu hören, dass Jonathan sogar erkannte, dass es sich bei dem Lied um Stand by me von Ben E. Kingston handelte. Die Unbeschwertheit und der Rhythmus des Stückes passten nicht zur Aufregung, die jede Pore seines Körpers zu durchsetzen schien. Sein Puls raste.
Pitkowski und er verharrten für einen Augenblick im Schatten eines Wohnmobils.
»Charles Büchner“,«, sagte Pitkowski überflüssigerweise.
Jonathan vermutete, dass der Mann seiner Unruhe ein Ventil verschaffen musste.
»Charles Büchner“,«, bestätigte Jonathan und zog seine Waffe.



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Und konnten euch der Text und das Cover überzeugen? Ich hoffe es mal sehr, denn mich konnte es überzeugen und ich bin schon sehr gespannt auf die Geschichte und wie es wohl weiter gehen wird.

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