Dienstag, 10. März 2015

[Lesedeal] Apfelblütenzauber von Gabriella Engelmann



Die märchenhafte Inselfee Gabriella Engelmann meldet sich mit einem neuen und wunderbaren Buch zurück. Apfelblütenzauber erscheint pünktlich zur Leipziger Buchmesse am 13. März
und ich habe für euch eine kleine feine Leseprobe im Gepäck dabei, Viel Spass beim stöbern:





GABRIELLA
ENGELMANN


Apfelblütenzauber



ROMAN




Behüt dich Gott, du Heimaterde


Bevor die Elbe eilt zum Meere, streift sie ein Land voll Fruchtbarkeit. Wo leicht im Winde  wogt die Ähre, auf grüner Weid’ das Vieh gedeiht,
zur Frühlingszeit wie schneeiger Flaum, es duftend ruht auf Strauch und Baum.
Und wo zu heißer Sommerzeit das Obst zur Ernte ist bereit, da is, wo meine Wiege stand,
o grüß dich Gott, du Altes Land.
Wilhelm  Stubbe



Der Auszug aus dem Gedicht »Behüt dich Gott, du Heimaterde« von Wilhelm Stubbe stammt aus: »Het Groene hart – Dat Ole Land«, hrsg. vom Kulturverein Steinkirchen und Umgebung e.V./Doris Marks. Steinkirchen, 2013.
Die Rezepte des Altländer 3-Gänge-Menüs auf den Seiten 375–381 sowie das Apfelkuchenrezept auf den Seiten 151–152 werden abgedruckt mit freundlicher Genehmigung des Landfrauenvereins Altes Land.
Sie sind folgenden Quellen entnommen: Landfrauenverein Altes Land (Hrsg.): Leckere Früchte in köstlichen Gerichten aus dem Alten Land.
Verlag Sparkasse Altes Land, Stade, 1999 (ISBN 978-3-000-05139-2) Renate Frank & Landfrauenverein Altes Land: Gesunde Küche – kinderleicht. Schnelle Rezepte der Altländer LandFrauen,Verlag  Sparkasse Altes Land,
Stade, 2007 (ISBN 978-3-981-19100-4)

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1




Alles klar bei dir?«, fragte Stella Samstagabend, als ich mich mit kritischem Blick im Badezimmerspiegel betrachtete.

 
»Ja, alles super,  bis auf die Tatsache, dass ich einundvierzig geworden bin«, antwortete ich, zog eine Grimasse und streckte mir selbst die Zunge heraus.
Stella gab mir einen spielerischen Klaps auf die Hand.
»Und wenn du so weitermachst, sieht man dir das auch bald an«, schimpfte sie und stellte sich neben mich, um ihren Lippenstift nachzuziehen. »Du weißt doch, lebhafte Mimik wirkt zwar sympathisch, ist aber gar nicht gut für den Teint.«
Stella, stylish wie immer, trug einen Nude-Ton  mit Gold- schimmer, der wunderbar zu ihren blonden Haaren passte, und grinste von einem Ohr zum anderen, während sie ihre Wangen aufpustete. Angeblich eine Geheimwaffe, um zarten Knitterfältchen in der Lippengegend den Garaus zu machen, bevor sie die Chance hatten, sich dauerhaft niederzulassen. Ich verwendete einen Lippenstift in einem Rosenholzton, der gut mit meinen Sommersprossen und dem dunklen Bob harmonierte, den ich seit kurzem trug.
»Hey, ihr beiden, wollt ihr hier drin Wurzeln schlagen?«, rief Nina, die dritte Bewohnerin der WG in unserem Haus, das wir seit dem Einzug die Villa zum Verlieben nannten, und steckte ihren karottenrot getönten Schopf durch die r. Nina und ich wohnten im Erdgeschoss und Stella zusammen mit ihrer Familie im ersten Stock.
Seit nunmehr sechs Jahren  lebten wir in dieser charmanten Stadtvilla in Eimsbüttel, an deren weißgetünchter Fassade sich wilder Wein, Blauregen und Kletterhortensien emporrankten, als wollten sie das alte Gemäuer umarmen. Zur Villa gehörte ein großer, wildromantischer Garten, den wir heiß und innig liebten.
Erst waren wir lediglich drei Frauen gewesen, die der Zufall durch eine Wohnungsannonce zusammengeführt hatte. Trotz anfänglicher Reibereien waren wir im Laufe der Jahre echte Freundinnen geworden und verbrachten viel Zeit miteinander.
»In einer halben Stunde kommen die Gäste, und ich könnte echt noch Hilfe mit diesem Polenta-Peperoncino-Brot brauchen, das im Backofen steckt«, sagte Nina und klopfte unge- duldig mit den Fingernägeln an die r.
»Komme schon!«, sagte ich und folgte ihr in die Küche. Punkt zwanzig Uhr  sollte die  Geburtstagsparty im Wintergarten meiner Wohnung beginnen.
Stella stöckelte ein wenig unsicher hinterher.
Seit sie Mutter von zwei entzückenden Kindern war, trug sie Chucks. Ihre vierjährige Tochter, mein Patenkind Emma, hielt sie mindestens ebenso auf Trab wie ihr knapp dreizehnjähriger Stiefsohn Moritz. Da war praktisches Schuhwerk angesagt anstelle von High Heels. Doch heute wollte sie sich zur Feier des Tages mal wieder als richtige Frau fühlen. 
Neugierig öffnete ich die Klappe des Backofens und schnupperte.
Ja, genau so sollte es duften! Und genau so sollte es aussehen. Außen kross gebacken und innen weich wie Rührkuchen. Unter dem prüfenden Blick von Nina, die gerade versuchte, eine Flasche Rosé-Prosecco zu öffnen, zog ich mir gefütterte, mit  Rosenmuster  bedruckte Küchenhandschuhe über  und holte das Blech mit dem Maisbrot heraus. Ich wusste, weshalb Nina so spöttisch grinste: Sie fand mich ein wenig zu mädchenhaft und romantisch, denn im Gegensatz zu ihr liebte ich alles, was bunt, gemustert oder kuschelig war.
»Mhm, das sieht ja toll aus«, sagte Stella, trotz eifriger Bemühungen alles andere als eine leidenschaftliche Köchin. Ihre Talente lagen eindeutig im Bereich Styling und  Dekoration, weshalb sie erfolgreich als Innenarchitektin arbeitete, sofern die Kinder und ihre Ehe ihr genug Spielraum dafür ließen. Während ich das Polentabrot vorsichtig anschnitt, um zu prüfen, ob es wirklich gut durchgebacken war, schenkte Nina Stella und mir ein Glas Saft ein. Dann ging sie zum langen Esstisch, um letzte Hand an die Blumendekoration zu legen, die ein Teil meines Geburtstagsgeschenks war.
Als ehemalige Floristin war Nina die Gartenfee unserer Villa und hatte ein echtes Händchen für Blumen, Kräuter und alles Grüne.
Ich trank einen kleinen Schluck und stellte das frisch gebackene Maisbrot auf den Tisch, auf dem schon Salate, reichhaltige Antipasti-Platten und zwei verschiedene Quiches standen. Meine Eltern steuerten als Dessert selbstgebackenen Apfelkuchen und eingelegte Pflaumen mit Vanilleeis bei. Sowohl die Äpfel als auch die Pflaumen stammten aus unserem Obstgarten im Alten Land, wo ich bis vor knapp sechs Jahren gelebt hatte.
Ich freute mich sehr, beide nach langer Zeit wiederzusehen, denn je länger ich in Hamburgs coolem Stadtteil Eimsbüttel wohnte, desto mehr verblasste meine ländliche Vergangenheit. Als es an der Tür klopfte, rief Stella: »Das wird Robert sein!«, ging in den Flur, um zu öffnen, und fiel dann ihrem Mann um den Hals. Ich freute mich sehr, dass die beiden immer noch so verliebt waren, denn sie hatten lange gebraucht, um zueinan- derzufinden.
Robert, der als Kinderarzt arbeitete, war groß, schlank und hatte ein umwerfendes Lächeln. Seine blauen Augen blitzten, wenn er gute Laune hatte, und dass sein dunkles Haar mittler- weile beinahe vollkommen ergraut war, fiel dann nicht mehr ins Gewicht.
»Alles Gute zum Geburtstag, Leonie oder sollen wir dich zur Feier des Tages lieber Leonore nennen?«, fragte er und gab mir zur Begrüßung links und rechts einen Kuss auf die Wange.
»Och nee, bloß nicht«, winkte ich ab und nahm das aufwendig verpackte Geschenk entgegen. Das geschmackvolle Papier und die edle Schleife aus Satin trugen eindeutig Stellas Hand- schrift.
»Wieso Leonore?«, fragte Nina und starrte mich verdutzt an. Ich wurde verlegen. Nur  wenige wussten nämlich, dass der Name Leonie eine Abkürzung war.
»Ach, das war so eine Schnapsidee meiner Mutter«, antwortete ich. »Leonore bedeutet, genau wie Eleonore, Gott ist mein Licht. Das fand sie so schön, dass sie darauf bestand, auch wenn meiVater mich lieber Metta oder Tibbe genannt hätte, wie es im Alten Land üblich ist.


Nina bekam große Augen. »Huch, was sind das denn für Namen? Die habe ich ja noch nie gehört. Also für mich bist und bleibst du Leonie und damit basta!«
Ich hatte keine Zeit, etwas darauf zu erwidern, weil es an der Tür klingelte. Der nächste Besucher war Alexander Wagenbach, Ninas Freund und mein Chef im französischen Bistro La Lune, wo ich als Restaurantleiterin arbeitete.
»Et voilà, hier kommt der Wein«, sagte er strahlend und ging schnurstracks in die Küche, um fünf Flaschen Saint-Émilion und weitere fünf Flaschen Cabernet-Sauvignon auf die An- richte zu stellen. Rosé und Weißwein kühlten bereits seit drei Tagen und rden erst bei Bedarf geöffnet.
Leider war es heute Ende April nicht warm genug, um draußen in unserem wunderschönen Garten zu feiern, wie ich es mir eigentlich gewünscht und in den schönsten Farben aus- gemalt hatte. Seit Tagen herrschte der für die Jahreszeit typische Wolken-Sonne-Regen-Mix, der diesen Monat zu einem unberechenbaren Faktor für Planungen aller Art machte.
»Danke, Alex«, sagte ich und öffnete eine Küchenschublade auf der Suche nach dem Korkenzieher. »Ich denke, wir haben genug Wein, oder was meinst du?«
»Und wenn nicht, springe ich rüber ins La Lune und hole
Nachschub«, erwiderte Alexander lässig.
Der dunkle Lockenkopf mit dem markanten Kinn und den warmen Nussaugen hatte immer noch  etwas  Jungenhaftes, trotz seiner siebenundvierzig Jahre.
Ich mochte Ninas Freund und schätzte ihn als engagierten, strengen, aber stets fairen Chef. Das war in meinem früheren Beruf als Reiseverkehrskauffrau  leider anders gewesen.
Da hatte ich große Probleme mit einer zickigen Chefin gehabt, die mich zuletzt geradezu aus dem Unternehmen  ge- mobbt hatte. »Du weißt, dass die Getränke mein Geschenk für deine Party sind, und wenn sie nicht reichen, ist es doch sonnenklar, dass ich dafür sorge, dass deine Gäste nicht verdursten müssen«, fuhr Alexander fort, während meine Gedanken sich einen Augenblick lang in der Vergangenheit verfingen.
»Wie viele erwartest du denn?«, fragte Robert, der fachmännisch das Weinangebot studierte. Mit anerkennender Miene drehte er den Saint-Émilion in seiner Hand hin und her und las den Text auf dem Etikett.
»Mit mir zusammen sind wir elf«, antwortete ich.
Neben meinen Eltern, Jürgen und Anke Rohlfs, und meinen Freundinnen und ihren Männern kamen noch zwei weitere befreundete rchen.
Nur ich war Single und somit auf meinem eigenen Geburtstag so etwas wie das elfte Rad am Wagen.
»Na, dann sollte das doch reichen«, sagte Robert schmunzelnd.
»Die meisten müssen später noch fahren. Schließlich kann sich nicht jeder gleich nach der Party ins Bett plumpsen lassen, so wie wir
»Außerdem wollen wir uns ja auch nicht betrinken, sondern Leonies Geburtstag feiern«, ergänzte Nina und schmiegte sich an Alexander. In den letzten Jahren war zu meinem Erstaunen aus der eher kratzbürstigen, überzeugten Single-Frau Nina eine kleine Schmusekatze geworden. In gewissen Momenten jedoch fuhr sie immer noch ihre Krallen aus, zumeist wenn sie befürchtete, zu sehr von Alexander eingeengt zu werden. Punkt zehn nach acht waren alle Gäste da, ich stand am Kopf- ende des langen Tisches und hielt eine Rede.
»Auf dich, liebste Leonie. Danke, dass wir diesen Tag mit dir feiern dürfen, und danke, dass du so bist, wie du bist«, sagte
Nina, als ich geendet hatte, und erhob ihr Glas.
Meine Eltern lächelten, aber mir fiel auf, dass sie diesmal nicht so liebevoll miteinander umgingen wie sonst. Mein Vater war ungewöhnlich blass, meine Mutter hatte dunkle Ringe unter den Augen.
Ob sie Sorgen hatten, von denen ich nichts ahnte?
»Ich kann mich dem, was Nina gerade gesagt hat, nur an- schließen. Gibt es irgendetwas Besonderes, das du dir für dein neues Lebensjahr wünschst?«, fragte Stella.
Ich überlegte einen Moment, bevor ich eine Antwort gab. Fragen wie diese waren nicht mit einem Satz zu beantworten.
»Im Grunde nur, dass alles so bleibt, wie es ist, und dass es euch, meinen Lieben, gut geht«, sagte ich.
Während ich diesen Wunsch laut aussprach, wurde mir warm ums Herz. Ja, es stimmte wirklich: Momentan hatte ich alles, was ich mir nur wünschen konnte.
Gute Freundinnen, mit denen ich zusammen in dieser wunderschönen, alteVilla in einem angesagten Hamburger Stadt- teil lebte.
Die Arbeit im La Lune machte mir großen Spaß, denn Alexander ließ mir in vielem freie Hand und war ein toller Chef. Ich war gesund, und meinen Eltern ging es zum Glück gut. Dass es immer noch keinen Mann in meinem Leben gab, gehörte für mich in der Zwischenzeit so zum Alltag, dass es mich kaum störte.
Ich war immer noch froh darüber, dass ich nach Hamburg gezogen war, um meinen Horizont zu erweitern. Ich war auf Abenteuersuche gegangen und nicht enttäuscht worden. Und  dieses Abenteuer sollte noch nicht zu Ende sein.

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Wer auf der Leipziger Buchmesse unterwegs sein sollte, sollte sich diesen Termin mit Gabriella Engelmann rot im Kalender markieren:

Samstag, 14. März, 15.00 - 15.30 Uhr Gespräch Presse-Rotunde, Moderation: Margarete von Schwarzkopf (Halle 3, B 206 und 207)
15.30 Uhr - 16.00 Uhr: Signierstunde bei Verlagsgruppe Droemer Knaur.


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