Dienstag, 3. März 2015

[Autoreninterview] Juliane Seidel





Bookdealer fragt: Wie bist du denn zum Schreiben gekommen?
Ich habe eigentlich schon immer geschrieben – während der Schulzeit, teils auf Papier, teils mit dem PC (nachdem ich Ende der 90er meinen ersten Computer bekam). Damals war das für mich ein Katalysator zum Schulstress, um meine Gedanken in andere Richtungen u lenken. Ich tauchte in meine Fantasy-Welten ab und tobte mich darin aus.
Später, während des Studiums, kam ich nicht dazu, aber als ich meine Freundin Tanja kennenlernte, kehrte der Wunsch zu Schreiben zurück und ich stürzte mich einmal mehr darauf Geschichten zu erzählen.

Bookdealer fragt: Wer in deinem engsten Familien- und Bekanntenkreis ist dein größter Kritiker?
Eindeutig meine Lebensgefährtin Tanja – sie ist knallhart und strenger als jeder Lektor. Sie sagt mit direkt, wo meine Fehler liegen, spürt unlogische Elemente auf und setzt mich immer wieder in den Senkel, wenn etwas nicht stimmt. Mitunter habe ich fast Angst davor, ihr meine Werke zum Überlesen zu geben ;)

Bookdealer fragt: Hast Du irgendwelche Rituale vor dem Schreiben oder schreibst du einfach drauf los?
Früher habe ich einfach drauf los geschrieben, unterdessen versuche ich im Vorfeld einen Plot zu erstellen, um einen groben Handlungsbogen zu haben. Zumeist orientiere ich mich allerdings nur grob an einem festzementierten Plot, da ich mit der Zeit festgestellt habe, dass sich meine Figuren trotzdem mit Vorliebe in eine andere Richtung bewegen, als ich eingeplant habe. Daher lege ich inzwischen nur noch grobe Eckdaten fest und lasse meine Figuren selbst einen Weg finden. Zumeist ergibt sich während des Schreibprozesses die ein oder andere interessante Wendung, die einer Geschichte einen ganz anderen Schwung geben kann.

Ansonsten habe ich keine Rituale beim Schreiben – wenn mich eine Geschichte packt, kommt der Rest von ganz allein.

Bookdealer fragt: Was hat sich in deinem Leben verändert, seit du schreibst?
Schwer zu sagen, da ich die meiste Zeit geschrieben hat. Ich habe hin und wieder weniger Zeit für meine anderen Hobbies, aber ansonsten ist es weitestgehend gleich geblieben. Ich lebe auch nicht vom Schreiben, sondern habe einen „Brotjob“ weswegen sich mein Leben nur marginal verändert hat.

Bookdealer fragt: Hast Du zuerst die Geschichte oder die Charaktere im Kopf? Und bekommen die Charaktere "einfach so" ihre Namen oder steckt da eine Bedeutung hinter?
Zumeist kommt die Geschichte zu mir, die Figuren lassen sich mitunter ein wenig mehr Zeit. Sobald ich beginne die Idee auszuformen und mit einem Plot zu füttern, erhalten die Charaktere ihre Namen. Zumeist haben diese durchaus eine Bedeutung, sprich sie passen zu den Figuren. Hin und wieder nehme ich aber auch Namen, die mir gut gefallen, oder sie bekommen wirklich nur einen Namen, der mir gerade in den Sinn kommt. Mitunter sind das Platzhalter, die ich später noch ersetze.

Bookdealer fragt: Welcher deiner Charaktere ist dir besonders ans Herz gewachsen und welchen magst du überhaupt nicht?
Mein absoluter Liebling unter all meinen Charakteren ist natürlich Kim aus „Assjah“, ebenso Finn du Annatar. Das liegt natürlich daran, dass mich die Geschichte mit am längsten begleitet und ich so viel Zeit und Arbeit in sie investiert habe. Kim ist mir dabei natürlich extrem ans Herz gewachsen – ich liebe ihn einfach und möchte noch viele Bücher mit ihm und seinen Freunden schreiben. Da ich sogar das eigentümliche Glück hatte, meinen Charakter in real kennenzulernen, weiß ich auch, wie er sich weiterentwickeln könnte. Eine Freundin von mir entspricht ihm wirklich zu 95% - in ihrem Denken, ihrem Auftreten und ihrer Art. Es ist seltsam, seinen eigenen Charakter in real kennenzulernen, aber auch sehr spannend – und sie ist Kim nur in weiblich.

Ansonsten mag ich bereits jetzt eine Figur aus einem Jugendbuch, das bisher nur in meinem Kopf existiert und von dem noch nicht eine einzige Zeile geschrieben wurde.

Wen ich gar nicht mag? Da gibt es eigentlich niemanden Es gibt keine Charaktere, die ich hasse, selbst meine „Bösewichte“ sind für mich Figuren, die zu meinen Geschichte gehören und damit meine Sympathie haben.

Bookdealer: Beschreib uns doch einmal dein Gefühl, welches du hattest, als dein erstes Buch veröffentlicht wurde.
Es war ein unwirkliches, aber sehr schönes Gefühl – nach so vielen Jahren ein Buch in den Händen zu halten, das man geschrieben hat, ist einfach atemberaubend toll. Man ist aufgeregt und nervös, weil man sich fragt, ob die Leser gut finden, was man so schreibt; und gleichzeitig glücklich und stolz, etwas beendet zu haben. Auf jeden Fall war es klasse.

Bookdealer fragt: Welches Buch hat einen nachhaltigen Eindruck bei Dir hinterlassen und ist aus Deinem Bücherregal nicht mehr wegzudenken?
Da muss ich mit einem Buch und einer Trilogie antworten: „Die Bücherdiebin“ von Markus Zusak, die mich nicht nur fasziniert und begeistert, sondern auch beflügelt hat, etwas in der Zeit der 3. Reiches anzusiedeln, und die „Adrian Mayfield“- Trilogie von Floortje Zwigtman, die nach meinem gescheiterten Versuch „Twilight“ zu lesen, mein Interesse an Büchern wieder weckte. Denn nach „Bis(s) zum Morgengrauen“ wollte ich über Wochen hinweg kein Buch mehr anrühren.

Bookdealer fragt: Die „Assjah Reihe“ ist ja von dir & Tanja Meurer, wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Tanja ist meine Lebensgefährtin und Freundin. Dadurch hat sie natürlich einen sehr starken Einfluss auf „Assjah“ und die Figuren genommen. Sie hat viele Ideen geliefert, mir aus Sackgassen geholfen, mich aufgebaut und ermutigt. Ohne sie würde es „Assjah“ nicht geben – es ist in vielen Teilen ihr zu verdanken, dass die Geschichte ist, wie sie ist. Von daher lag es nahe, sie auch für die Illustrationen ins Boot zu holen, da sie nicht nur die Charaktere kannte, sondern auch meine Vorstellungen von ihnen teilte. So wurden Kim, die Feen, Annatar und Finn so wie ich sie mir immer vorgestellt habe.

Bookdealer fragt: Wenn du privat Bücher liest, liest du dann richtige Bücher oder lieber Ebooks und welche Genre liest du am liebsten und welches Genre magst du überhaupt nicht?
Ich lese gerne beides – sowohl Bücher, als auch eBooks. Da ich selbst ein Rezensionsportal betreibe und für diverse Plattformen Bücher, Mangas und Comics rezensiere, bin ich in der Wahl des Buches nicht wählerisch: ob Hardcover, Taschenbuch oder eBook: Das Buch ist wichtig. Ich lese bevorzugt Kinder- und Jugendbücher, da ich in dem Genre ja selbst aktiv schreibe, Fantasy und Urban Fantasy und natürlich Gay und Lesbian Romane in all ihren Facetten. Der Romance-Teil darf gerne geringer ausfallen, da ich an den Geschichten interessiert bin, ansonsten habe ich ein Faible für homosexuelle Charaktere (wie man an meinem Portal „Like a Dream“ merkt: www.like-a-dream.de)

Was ich weniger mag sind Chick-Lit, Horror, Western und Sci-Fi. Auch Lyrik und Liebesschmonzetten lese ich nicht – das liegt mir einfach nicht.

Bookdealer: Was gehört für dich zu einem gemütlichen Leseabend dazu?
Ein bequemes, warmes Plätzchen, eine Tasse Tee oder Kakao (wobei das zweitrangig ist, da das bei mir eher kalt wird), eine schnurrende Katze neben mir und ansonsten meine Ruhe. Musik würde mich zum Beispiel stören, weswegen ich beim Lesen eher Stile bevorzuge.

Bookdealer fragt: Welche Buchverfilmung hast du zuletzt gesehen oder schaust du dir so was nicht an?
Wenn man „The Imitiation Game“ nun als Buchverfilmung sehen will – dann diese. Ein toller Film, mit einem überragenden Benedict Cumberbatch in der Rolle des Mathematiker Allan Turing, über den ich in meiner Schulzeit mal einen Vortrag gehalten habe.
Ansonsten sehe ich mir durchaus Verfilmungen von Büchern an, finde sie aber zumeist grausam („Perry Jackson“ z.B.)

Bookdealer fragt: Warst du schon mal auf einer Buchmesse (Leipzig oder Frankfurt?) Oder hast du gar eine in Planung? Wenn ja wie fandest du die Buchmesse bis jetzt immer so?
Ich war schon sehr oft auf Buchmessen – in Frankfurt einige Male, aber diese Messe ist mir einfach zu groß, unübersichtlich und unpersönlich. Dort würde ich nur noch hingehen, wenn ich Termine mit Verlagen oder Agenten hätte.
In Leipzig war ich 10 Jahre (2001 – 2011) am Stück, allerdings nicht als Besucher, sondern als Aussteller. Die Hintergründe wären jetzt zu ausufernd, aber die Messe hat mir insgesamt wesentlich besser gefallen: kleinen, familiärer, publikumsnäher. Sie ist eher die Besucherbuchmesse, während die Frankfurter Buchmesse eher eine Fachmesse für Verlage, Agenten und Lizenzverkäufe ist.

Ob ich eine Messe in Planung habe? Ja, sogar das kann ich bestätigen. Dieses Jahr fand zum zweiten Mal das schwullesbische Lesefestival QUEER gelesen (www.queer-gelesen.de) in Wiesbaden statt und irgendwann möchte ich darauf tatsächlich eine kleine Fachmesse machen. Vielleicht nicht 2016, aber in den Folgejahren möchte ich aus diesem Event eine Messe für schwule und lesbische Verlage und Literatur machen.

Bookdealer fragt: Wie wichtig ist dir der persönliche Kontakt zu deinen Lesern?
Sehr wichtig – ich freue mich immer über Feedback, Kritik und Kommentare. Gerade die Meinung von Kindern ist mir bei „Assjah“ wichtig. Kinder sind ehrlicher und offener. Sie sagen und zeigen (z.B. auf Lesungen) direkt, wenn ihnen etwas nicht gefällt oder sie sich langweilen. Deswegen bin ich gerne auf Lesungen und lerne die Kinder direkt kennen.

Besonders schön sind die Momente, in denen man Fanpost bekommt oder einen kleinen Leser auf einer Messe trifft, der das Buch mochte. Sowas ist immer beflügelnd.

Ansonsten versuche ich auf FB und Lovelybooks präsent zu sein und bin offen für Fragen und Kommentare.

Bookdealer fragt: Gibt es irgendwas, dass dich am Buchgeschäft stört?
Uff – das ist echt schwer zu beantworten. Es gibt so vieles, was mich stört, dass ich jetzt ellenlange Antworten geben könnte. Zumeist haben Kollegen viele der Probleme schon aufgegriffen und wesentlich besser beantwortet als ich. Seien es die Praktiken der Verlage, Amazon, der Buchhandel und und und …

Zum Beispiel gefällt mir die Ellenbogentaktik unter den Autoren nicht. Das fängt beim penetranten Werben eigener Sachen auf FB und in Foren an, geht über Stimmenfang für irgendwelche Publikumsvotings und endet bei Hetzaktionen gegen schlechte (aber dennoch gerechtfertigte) Rezensionen. Da ich auch Blogger bin muss ich an dieser Stelle immer doppelt so sehr aufpassen, niemanden zu verärgern und sich nicht den Hass einer Fangemeinde auf sich zu ziehen. Unterdessen haben mir viele gesagt, ich sollte doch das Rezensieren lassen, wenn ich Bücher veröffentliche – doch irgendwie will ich das nicht. Ich schreibe seit 15 Jahren Rezensionen und es macht mir immer noch Spaß. Ich versuche beides voneinander zu trennen, doch zumeist kommt meine Kritik falsch an, wird als Neid oder Missgunst ausgelegt, und wird dementsprechend beantwortet. Glücklicherweise gerieten meine Romane bisher nur bedingt in Mitleidenschaft, doch wenn sich meine Rezensionen irgendwann wirklich negativ auf meine Bücher auswirken sollten, werde ich wohl aussteigen müssen … leider.

Bookdealer fragt: Gehst du auch zu Lesungen von Kollegen, oder hast du da die Zeit nicht mehr so dazu? Und gibt es einen Autoren den du unbedingt mal treffen möchtest?
Ich gehe sehr gerne zu Lesungen von Kollegen – ich habe sogar selbst welche in Wiesbaden organisiert: 50 Veranstaltungen Lesecafé Wiesbaden. Dort habe ich viele unterschiedlichen Bücher und Autoren kennengelernt, Freunde gefunden und viel Spaß gehabt. Deswegen gehe ich auch jetzt gern noch auf Lesungen, auch wenn mir natürlich die Zeit dafür fehlt. Außerdem bietet Wiesbaden leider selten Lesungen an, die mich thematisch interessieren (weswegen ich ja u.a. das Lesecafé Wiesbaden ins Leben gerufen habe).

Ich würde wahnsinnig gerne einmal Floortje Zwigtman, Markus Zusak und Lynn Flewelling treffen. Letztere ist für die „Nightrunner“-Serie verantwortlich, die es leider nie so recht nach Deutschland geschafft hat (aber ich gebe die Hoffnung nicht auf!), obwohl in den 90ern Band 1-3 bei Bastei erschienen sind. Die anderen stehen außer Frage: ihre Werke haben mich maßgeblich beeindruckt und fasziniert.

Bookdealer fragt: Hast du noch einen besonderen Herzenswunsch den du dir noch erfüllen möchtest ?
Ohje – einen Herzenswunsch? Ich würde wahnsinnig gerne einmal das Polarlicht sehen, wenn ich könnte. Das ist ein wirklich alter Traum von mir. Und einmal mit Fischotter schwimmen, wenn das ging – das wäre mit Sicherheit ein tolles Erlebnis. Ansonsten bin ich eigentlich wunschlos glücklich J


Vielen herzlichen Dank liebe Juliane, dass du dir die Zeit genommen hast, mir das „kleine“ Interview zu geben.

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