Donnerstag, 29. Januar 2015

[Lesedeal] Vergangene Tage in Cinnamon Falls von Manuela Inusa



Heute habe ich für euch einen Lesedeal dabei zum 3. Teil der "Cinnamon Falls" Reihe von der lieben Autorin Manuela Inusa.
Das ebook ist ab dem 1. Februar erhältlich:



Der nächste Tag. Ein Sonntag. Mayas 16. Geburtstag.
Alle waren in die Kirche gegangen, doch sie war zu Hause geblieben. Allein. Ihre Mom hatte ihr einen schwarzen Pulli geschenkt, der gar nicht mal so übel war und eine rosa Leggins, die sie niemals anziehen würde – ein Versuch ihrer Mutter, sie zu einem farbenfrohen Girlie zu machen, was aber niemals passieren würde. Von ihrem Dad hatte sie Kino-Gutscheine und zwanzig Dollar bekommen, und er gab ihr ihr Handy zurück. Die anderen würde sie erst zum Mittagessen sehen, wenn sie nach der Kirche allesamt im Hause Holiday eintrudelten.
Dallas war wie vom Erdboden verschluckt. Ihr größtes Geschenk hatte sich nicht erfüllt. Wenn Dallas sich nicht einmal an ihrem Geburtstag bei ihr meldete, musste er entweder im Knast, von Aliens entführt oder tot sein.
Maya konnte keinen klaren Gedanken fassen. Am liebsten hätte sie sich sofort auf den Weg nach South Boston gemacht und hätte ihn gesucht. Aber diese Idee war dumm, weder hatte sie das Geld dafür noch hatte sie eine Ahnung, wo sie hätte anfangen sollen mit der Suche. Sie kannte sich in Boston nicht aus, war noch nie dort gewesen, und kurz beschlich sie das Gefühl, dass Dallas sich vielleicht gar nicht rarmachte, weil etwas Schlimmes geschehen war, sondern weil er einfach keine Lust mehr auf sie hatte. Vielleicht hatte sie ihn, genau wie alle anderen, mit ihrer depressiven Art vergrault. Wäre kein Wunder. Andererseits war sie sich bei ihm so sicher gewesen, dass er sie verstand, wirklich verstand.
Sie wollte die Hoffnung noch nicht aufgeben. Aber allein in dem leeren Haus wollte sie an ihrem Geburtstag auch nicht sein. Also ging sie zum See. Die Worte ihrer Grandma hallten noch immer in ihrem Kopf, und obwohl diese Geschichte ihrer Großeltern schon so lange her war, war es, als könnte man dort noch immer ihre Aura spüren.
Sie musste lächeln. Die beiden hatten tatsächlich nackt gebadet?
Ihr Tattoo juckte nun richtig. Es spannte. Doch es sah einfach nur toll aus. Ihre Mutter hatte nicht einmal das „Peace“ im Stiel gelesen, sie hatte nur panisch darauf gestarrt und war kreidebleich geworden. Ach, egal. Sie würde sie eh nie verstehen.
Sie musste an einen Song denken, den sie in letzter Zeit oft hörte. You found me von The Fray. Der Text sprach ihr unglaublich aus der Seele. Der Sänger sang, dass er Gott an einer Straßenecke traf, wo der nur stand und eine Zigarette rauchte. Er fragte Gott, wo er denn eigentlich ist, wenn er ihn braucht und warum er ihm nicht hilft. Ja, das fragte sie sich in letzter Zeit auch so oft.
Am Wasser entdeckte sie den wohl einzigen Einwohner aus Cinnamon Falls, der an diesem Vormittag nicht in der Kirche war: White Elk – Weißer Elch.
White Elk war ein alter Abnaki-Indianer. Niemand wusste, wie alt er wirklich war. Sein amerikanischer Name war Walter Pine, aber niemand nannte ihn so. Er war bei allen als White Elk bekannt und beliebt. Nicht selten kam man mit seinen Krankheiten und Wehwehchen zu ihm und ließ sich von ihm eine Salbe oder einen Trunk geben. Die Leute schworen darauf, dass seine Mittel halfen.
„Hallo White Elk“, begrüßte Maya den Mann nun, der auf einen Stein saß und aufs Wasser sah.
„Hallo Maya. Wie geht es dir?“ Er wandte seinen Blick vom Wasser und sah sie direkt an. Seine langen Haare umwehten sein Gesicht.
„Ganz gut. Und Ihnen?“
„Ich lebe. Also geht es mir gut.“
Maya setzte sich nun auf einem Stein neben seinem.
„Was machst du hier ganz allein?“, fragte er.
„Ich wollte nicht mit in die Kirche.“
„Warum nicht?“
„Ich kann es nicht genau beschreiben. Irgendwie bin ich wohl dabei, meinen Glauben zu verlieren.“
„Weißt du“, sagte der weise alte Mann, „es gibt jemanden, der über uns wacht. Jemand, der so viel größer ist als wir.“
„Meinst du Gott?“
„Ich meine den Großen Geist, der alles Leben erschaffen hat. Wie könnten wir ohne ihn sein?“
„Ich will ja an ihn glauben, nur fällt es mir verdammt schwer, wenn ich all die Armut und das Elend in der Welt sehe. Wie kann denn ein Gott, der gut ist, all das zulassen?“
„Ich weiß genau, was du meinst. Aber du darfst nicht an IHM zweifeln. Wir sind nur winzige Wesen in einer unendlich weiten Welt. Was wissen wir schon? Wir können uns nicht anmaßen zu behaupten, wir verstünden irgendetwas vom Lauf der Dinge. Das ist auch nicht unsere Aufgabe. Wir müssen dankbar sein für jeden Tag, den das Leben uns schenkt.“
„Aber wie können wir all den schrecklichen Dingen einfach zusehen?“
„Wir sollen nicht tatenlos zusehen. Dinge geschehen nicht ohne Grund. Vielleicht sollen wir Mitleid empfinden, daran wachsen, aufwachen und sehen, wie gut es uns geht. Vielleicht sollen wir helfen, vielleicht auch nur für die armen Seelen weinen.“
„Und woher soll ich wissen, was genau ich tun soll?“, fragte sie beinahe verzweifelt.
„Das ist ganz leicht. Wir lassen so oft unseren Kopf entscheiden, grübeln ewig über Dinge nach und suchen nach Antworten. Dabei steht die Antwort bereits geschrieben, in deinem Herzen. Höre einfach nur auf dein Herz.“
So, wie White Elk es sagte, machte es sogar Sinn. Vielleicht verkomplizierte man sich alles selbst. Vielleicht konnte es ganz einfach sein.
„Eines Tages werden wir die Dinge verstehen …“, sagte er. Das hoffte sie so sehr. „Ich wünsche dir alles Gute zum Geburtstag.“
„Woher wissen Sie denn, dass ich Geburtstag habe?“
„Na, ich kenne dich seit dem Tag, an dem du die Welt erblicktest.“
„Ehrlich?“
„Ja, Maya. Und ich habe an jenem Tag vor sechzehn Jahren ums Feuer getanzt und habe den Großen Geist gebeten, ein einfühlsames, kluges Mädchen aus dir zu machen. Weißt du, wahres Mitgefühl ist selten in dieser heutigen Welt. Anteilnahme am Leid anderer. Du bist ein gutes Kind.“
Maya wusste nicht, was sie sagen sollte. Sie spürte auf einmal solch eine Wärme im Herzen. White Elk hatte sie bis ins Mark erreicht – mit seinen Worten, mit seiner weisen Art.
„Ich danke Ihnen. Wirklich.“
Sie ließ sich von ihm in den Arm nehmen. Dann sagte er ihr, sie solle ihre Hand öffnen, und er legte einen schwarzen Stein hinein.
„Was ist das?“
„Ein Turmalin. Er ist ein heiliger Schutzstein. Er hält negative Energien von dir fern.“
„Der ist wirklich wunderschön. Vielen Dank.“
White Elk lächelte und ging dann ohne ein weiteres Wort auf leisen Sohlen davon. Es sah fast so aus, als würde er über dem Boden schweben.

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Ist das Cover nicht wieder wunderschön geworden? Ich liebe es auf jeden Fall sehr und hibbel dem 1.2 schon sehnsüchtig entgegen.

1 Kommentar:

  1. Hallo,

    stimmt, es weckt so bestimmte Vorstellung.....Freunde, Freiheit, Wohlfühlen auf dieser Blumenwiese, Sehnsucht..

    Zumindest fällt das dazu ein.

    LG..Karin..

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