Montag, 30. Juni 2014

Montags Frage



Weitere Infos gibts bei Libromanie


HABT IHR AKTUELL BÜCHER VORBESTELLT?

Also ganz aktuell warte ich auf das Buch "Silber-Das zweite Buch der Träume" von Kerstin Gier. Aber das bekomm ich dann am Freitag.
Hmmm ansonsten muss ich ehrlich sagen, das ich kaum Bücher vorbestelle.

Wie sieht das ganze denn bei euch so aus?

Sonntag, 29. Juni 2014

[Hessisch Gebabbel] Es gibt Änderungen!!!!




Ihr Lieben,

Es wird bei mir jetzt doch keine Blicke mehr in die Zukunft geben, denn es ist doch recht schwierig was größeres im Voraus zu planen, denn das meiste kommt dann doch eher spontan, also werde ich hier in das hessische Gebabbel für die Zukunft wieder mitnehmen: Lesemonat & meine Neuzugänge des vergangenen Monats. Bei Gegebenheit werde ich euch natürlich schon vorher Veranstaltungstermine nennen die ich in Planung habe, falls der ein oder andere auch gerne kommen möchte.

Zum Lesemonat: Ich werde (wenn ich denn eines haben sollte) euch mein lieblings Buch des Monats vorstellen bzw hervorheben und aber auch mein absolutes Flop Buch (wenn ich denn eines haben sollte) was mich nicht so überzeugen konnte.
Meine gelesenen Bücher sind mit den Rezensionen verlinkt (wenn es denn zu dem Buch eine gibt, denn wer mich ja etwas länger schon hier verfolgt der weiß, das ich im Januar schrieb, ich würde nicht mehr zu allen Büchern eine Rezi verfassen. Für den Monat Juni wären das genau zwei Stück. Alles weitere lest ihr dann am 1. Juli wenn der Rückblick online geht.

Ich hoffe ihr blickt noch etwas durch, wenn nein lasst das nächste "Monats Gebabbel" auf euch wirken, dann seht ihr schon etwas klarer.

Alles Liebe 

Eure


[Rezension] Der Sommer der Blaubeeren von Mary Simses




Autorin: Mary Simses
  • Taschenbuch: 416 Seiten
  • Verlag: Blanvalet Taschenbuch Verlag (21. April 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442382173
  • ISBN-13: 978-3442382170

Dieses Exemplar habe ich durch Blogg dein Buch erhalten, welches vom Balnvalet Verlag kam.

Inhalt laut Amazon: Ein Geheimnis aus der Vergangenheit. Ein Weg in die Zukunft…

Kurz vor ihrer Hochzeit fährt die New Yorker Anwältin Ellen Branford in den abgelegenen Küstenort Beacon, um den letzten Wunsch ihrer Großmutter zu erfüllen. Sie soll einen Brief überbringen und hofft, die Angelegenheit schnell erledigen zu können. Doch schon bald ahnt sie, dass sich dahinter viel mehr verbirgt. Denn inmitten von Blaubeerfeldern wartet eine alte Geschichte von Liebe und verlorenen Träumen auf Ellen – die ihr zeigen wird, dass man manchmal all seine Pläne über den Haufen werfen muss, um das wahre Glück zu finden …


Meine Meinung: Die junge New Yorker Anwältin Ellen Brandford erfüllt ihrer sterbenden Oma einen aller letzten Wunsch. Sie soll nach Beacon reisen und einen Brief persönlich übergeben. natürlich nicht an irgendjemanden, sondern an Grans damalige große Liebe.
Sie macht sich auf die Reise und hofft die Angelegenheit schnell über die Bühne bringen zu können. Dem ist jedoch nicht so und so findet sie, während sie auf den Spuren ihrer Gran wandelt alte Geschichte von Liebe, Träumen und Leidenschaft. Und auch die Blaubeeren spielen in diesem Buch eine ganz besondere rolle, ihr könnt gespannt sein.

Ich muss sagen nach dem lesen dieses Buches war ich ganz hin und weg und musste gleich ein Schälchen Blaubeeren naschen, da diese sooo oft erwähnt wurden.

Eine wundervolle Geschichte mit meinem lieblings "Hach war das schöööön Effekt". Ein Roman der das Herz berührt.

Die Protagonistin welche zu Beginn etwas zickig auf mich wirkt, wird mir im laufe der Geschichte immer sympatischer und herzlicher und so habe ich Ellen schon bald in mein kleines Leserherz geschlossen.
Auch die anderen Charaktere die im Dörfchen Beacon leben fand ich so nach und nach sympatisch und machten die ganze Geschichte zu einer unvergesslichen Reise.

Das Cover dieses Buches ist auch ein absoluter Blickfang und macht sich mit dem Coffee to go Becher sehr gut im Bücherregal. da ich ein absoluter Blaubeer Fan bin musste ich mir beim lesen gleich ein Schüsselchen voll hinstellen und habe immer wieder davon genascht und so konnte ich den den Duft der im buch so schön beschrieben wurde noch viel besser wahrnehmen. Das Rezept für leckere Blaubeermuffins welches im Buch zu finden war, habe ich gleich nachgebacken und die Muffins sind ein Gedicht, denn Ellen futtert diese ja auch sehr oft in der Geschichte und mir lief beim lesen richtig das Wasser im Munde zusammen.

Die Beschreibungen der Autorin für die Umgebung in dem Buch, die Bilder der Großmutter sind sehr eindrucksvoll beschrieben worden, so das man als Leser meint, man wäre live dabei.

Mir hat das Buch richtig gut gefallen, der Schreibstil ist sehr leicht und locker und man kann sehr gut darin abtauchen in der Geschichte und den Alltag vergessen. Ich hoffe sehr, bald noch mehr von dieser tollen Autorin lesen zu dürfen.

Fazit: Der Debütroman der Autorin ist einfach absolut gelungen und er ist ein wundervoller leichter Sommerroman. Mit einer Portion Liebe, Herzlichkeit, Wärme und ein paar kleineren Familiengeheimnissen . Die absolut klasse Mischung für jeden Leser der solche Geschichten mag.

Meine Bewertung: 


Samstag, 28. Juni 2014

[Autorenvorstellung] Tanja Bruske







Bitte stelle dich doch bitte den Lesern vor:
Mein Name ist Tanja Bruske – oder auch Lucy Guth, das kommt ganz auf das Genre an. Unter meinem bürgerlichen Namen Tanja Bruske veröffentliche ich Theaterstücke und historische Romane – „Leuchte“ ist im Sommer 2013 erschienen, die Fortsetzung ist in Arbeit – außerdem ist mein Erstling, der Fantasyroman „Das ewige Lied“ unter diesem Namen erschienen. Als Lucy Guth schreibe ich für die Bastei-Science-Fiction-Serie Maddrax.
Nebenher habe ich noch einen kleinen 40-Stunden-Nebenjob als Redakteurin einer Tageszeitung und lebe mit Mann und Kind in einem Dorf zwischen Hanau und Gelnhausen.

Bücher schreiben bedeutet für mich:
Erholung und Entspannung – wenn andere am Abend vor dem Fernseher hocken, schreibe ich eben. Mich schreibend in eine ganz eigene Welt zu verziehen ist für mich ebenso spannend, wie selbst zu lesen.

Lesen bedeutet für mich:
… ein unendliches Abenteuer. So viele Bücher, so wenig Zeit… Es gibt keine schönere Art, auf die Reise zu gehen.

Homepage oder Blog / Facebook Seite:
http://projektmami.wordpress.com

Die Bücher:
Als Tanja Bruske:
Das ewige Lied
Leuchte

Als Lucy Guth:
Die Vulkantaucher (Maddrax)
Projekt Drax (Maddrax, erscheint demnächst)


Hier entstehen meine Werke: 


Freitag, 27. Juni 2014

Freitags Füller




Weitere Infos gibts bei Barbara


1.  Meine Füße  sind für eine Frau viiiiel zu groß *örks*.

2.  Ich esse Kartoffelchips  so gut wie nicht mehr

3.  Ich lernte  das nicht alles Gold ist, was glänzt.

4.   Meine Handy App Runstastic ist  aktiviert.

5.   Es ist wirklich traurig, wenn man geliebte Menschen verliert .

6.   Den Frankfurter Zoo möchte ich unbedingt in diesem Jahr noch besuchen.

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf  die letzten Folgen meiner Charmed DVD , morgen habe ich das backen von Blaubeer Muffins geplant und Sonntag möchte ich endlich mit der nächsten Staffel von True Blood beginnen !


Donnerstag, 26. Juni 2014

[MiniRezension] "Hörbuch" Sei schlau stell dich dumm von Daniela Katzenberger




Autorin: Daniela Katzenberger
  • Spieldauer: 1 Stunde und 50 Minuten
  • Format: Hörbuch-Download
  • Version: Ungekürzte Ausgabe
  • Verlag: Lübbe Audio
  • Audible.de Erscheinungsdatum: 14. Oktober 2011
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B005VS84C2

Inhalt laut Amazon: Der Spiegel spricht von der "blondesten Medienkarriere des Jahres", für die Bunte ist sie Deutschlands neues Phänomen. Wer ist diese Frau, die rundum für Aufsehen sorgt? Wasserstoffblondierte Kunsthaarmähne, cappuccinofarbene Studiobräune und Doppel-D-Silikon-Busen. An "der Katze" scheint wenig echt zu sein, trotzdem kommt sie bestechend authentisch und ehrlich rüber. Ihre Sprüche sind legendär und wenn sie redet, trägt sie das Herz auf der Zunge. Offenherzig und unbeschwert wandelt die Katze durchs Leben - kaum zu glauben, dass in ihrem Leben schon viel Mist passiert ist. Davon erzählt sie hier zum ersten Mal. Und davon, wie sie es trotzdem geschafft hat, die zu werden, die sie ist.

Meine Meinung: Ich bin ja theoretisch kein Fan von dieser Frau, war aber so neugierig auf das Buch, aber kaufen wollte ich es auch nicht und so entdeckte ich letzte Woche das Hörbuch für 1.99€ bei Kaufhof und nahm es mit. Muss aber sagen das Geld hätte ich mir besser sparen können.

Sie erzählt relativ unverblümt und mit ihrer Pfälzerschnauze über ihre Kindheit, die natürlich nicht sehr einfach war. Im grunde hört sich das ganze an wie schulhofgequassel von zwei Teeniemädels an. Dann auch noch über ihre Pubertät bis hin zum Aufstieg zum gefeierten "Super"Star. Dabei ist sie doch sehr freizügig (wie man sie eben kennt) und gibt sehr intime Details aus ihrem Privatleben bekannt. Auch zum Beispiel spricht sie über ihr Intimpiercing, welches sie sich auf einer Sex-Messe hat stechen lassen, quasi fast vor Zuschauern. Sie erzählt von ihren Anfängen ihrer Kariere und wie sie VOX bei "Auf und davon" begleitet wurde in die USA auf dem Weg zu Playboy.

Auch erzählt sie von ihrer Brust OP welche sie live im Fernsehen hat machen lassen nur damit sie nichts bezahlen musste.

Das ganze ist komplett unlustig, keine Ironie und voller Klischees. Ich kann auch nach dem Hörbuch leider nicht nachvollziehen, warum diese Frau die ihren Brüsten Namen verpasst, so gehypt wird. Aber ich denke die einen lieben sie und die anderen eben nicht. Ich zähle mich weiterhin zu Letzterem.

Fazit: Dieses Buch bzw Hörbuch ist wirklich eine reine Geschmackssache.
Mir persönlich hat es leider sogar nicht gefallen. Eher was für Fans von dieser Kultblondiene.

Meine Bewertung: 

Mittwoch, 25. Juni 2014

[Autorenvorstellung] Amanda Frost




Bitte stelle dich doch bitte den Lesern vor:
Hallo, mein Name ist Amanda Frost. Ich wohne seit fast vier Jahren mit meinem Mann in München. Geboren wurde ich in der schönen Pfalz. Ich war viele Jahre weltweit für große Industrieunternehmen im Marketing und der Logistik tätig, lebte auch lange in der Schweiz. Bevor ich vor ein paar Jahren mein Hobby zum Beruf machte: Das Schreiben. In meiner Freizeit lese ich leidenschaftlich gerne und reise viel. Ich habe einen Hang zum Motorsport und liebe schnelle Autos und Motorräder. Ein leckeres Essen oder ein Abend mit guten Freunden ist für mich das Größte.
Bücher schreiben bedeutet für mich:
Bücher zu schreiben macht mich glücklich. Wenn ich in meine Geschichten eintauche, vergesse ich alles um mich herum. Verliere mich in fremden Welten und fiebere mit meinen Protagonisten mit.
Lesen bedeutet für mich: Lesen ist mein größtes Hobby. Schon als Kind habe ich Bücher geradezu verschlungen. Ich glaube, ohne Bücher könnte ich nicht leben.
Homepage oder Blog / Facebook Seite: http://www.amandafrost.de/
https://www.facebook.com/amanda.frost.3150

Die Bücher: Gib mir meinen Stern zurück Sei mein Stern So fern wie ein Stern http://www.amazon.de/Amanda-Frost/e/B00CHJP2W8/ref=ntt_athr_dp_pel_1

Hier entstehen meine Werke:


Dienstag, 24. Juni 2014

[Lesedeal] Summer Symphony - ein Trip mit Sex, Zeitreisen und Rock'n'Roll von Claudia Rapp


Und wieder gibt es für euch einen ganz exklusiven Lesedeal. Ich durfte sogar schon genau diesen Ausschnitt am 14.6 in einer Lesung hören und ich muss sagen er ist soooo toll. Ich hoffe er gefällt euch auch? Das eBook ist ja gerade vor ein paar Tagen erschienen und am 30.6 erscheint nun das Taschenbuch.





Die CD lief weiter, ungerührt, der Equalizer ließ munter seine grünen Kurven im Rhythmus der Musik auf und absteigen, als wäre ich nicht gerade unsanft in meinem Leben gelandet. Die frustrierte Hitze in meinem Schoß bezeugte eindeutig, dass die andere Zeit ihre Spuren hinterließ. Der Nachgeschmack seiner Lippen noch immer auf meinen. Der Seufzer, den ich brauchte, um mir Luft zu machen, war tief. Dann kam mir ein unangenehmer Gedanke: Was, wenn es dort jetzt einfach weiterging? Wenn die blöde Kaufmannstochter in diesem Moment mit Saari in die Kiste stieg, nur ich wäre nicht mehr dabei? Oh Mann, diese ganze Geschichte verdrehte einem ja das Hirn! War ich eifersüchtig auf mich selbst? Schizophren?
            Wütend, enttäuscht, absolut verwirrt holte ich mir eine Flasche Zweigelt aus dem Küchenschrank, kramte nach dem Öffner, goss mir schnell ein Glas ein. Ein Wasserglas, wohlgemerkt. Wie sollte man das aushalten, was mit mir geschah? Wann es wollte, nicht wann ich wollte. Ich empfand nach wie vor eine vage, fast schon pflichtschuldige Furcht, dass ich ganz einfach verrückt sein könnte, dass mein Hirn mir fremde Welten und ferne Zeiten vorgaukelte. Aber die Faszination für dieses andere Leben und Erleben wurde immer stärker und verdrängte die Angst vor dem Realitätsverlust. Fast sehnte ich mich nach dem wundersamen finnischen Dorf und seinem archaischen Leben.
            Das Glas war schon fast leer, als ich mich mit grimmiger Miene vor die Anlage setzte und den Track noch einmal anwählte, bei dem es mich wenige Minuten zuvor hinüber transportiert hatte. Aber wie zum Hohn passierte nichts. Ich versuchte es noch einmal, dann spielte ich nochmals alle Stücke an, ohne die Schönheit und Kraft der Musik überhaupt noch wahrzunehmen. Nichts, nichts, nichts.
            Nach einem weiteren Glas rief ich Henry an, aber sein AB informierte mich fröhlich, dass er leider nicht an den Apparat kommen konnte, weil er in einer anderen Dimension zu tun hatte. Nicht lustig. Es blieb mir nur, die Flasche leer zu trinken.

Am Morgen, nach einer Aspirin und einem weiteren erfolglosen Versuch, Henry zu erreichen, saß ich wieder am pink-weißen iMac im Cyberhaft und starrte die Bildergalerie auf einer finnischen Fanpage an. Da war Pekka Hukkalainen, immer wild, immer böse, immer von oben herab, aber das war eindeutig Saari, der schüchterne Häuptlingssohn, dessen Dienerin, Frau oder Geliebte ich beinahe geworden war. Wie immer die das nannten.
            Und dann Arttu Kivissainen, der nachdenkliche Musiker, dem die ganze Aufregung beinahe unheimlich zu sein schien, konnte das derselbe Mann sein, der bedrohlich und ungehobelt seine Hände nach mir ausgestreckt hatte, der Krieger Taisto, an Wut und Kraft Saari sicher weit überlegen?
            Das Rätsel war nicht zu lösen, dieses Abenteuer konnte man nicht per Tastatur und Mausklick bestehen. Ziellos und noch immer völlig gefangen von den Ereignissen beim Frühlingsfest, die mir wie ein Traum vorkamen im Widerschein des Bildschirms, surfte ich weiter, klickte noch einmal ein paar Seiten zurück.
            Was war das, Tourdaten?       
            Die Band würde in zehn Tagen beim kleinen Yesterday Festival nordwestlich von Wien auftreten. Lumiukko live, diese Männer von Angesicht zu Angesicht. Ja, das musste ich tun, ich musste aufs Konzert. Ich kannte die Männer auf dem Bildschirm nicht, kannte auch ihre Ebenbilder aus der Vergangenheit kaum, aber ich spürte eine Verbindung, die über Zufall und Phantastereien hinausging. Und ich fühlte mich wie magnetisch oder magisch hingezogen zu ihnen, jetzt und früher, hier und dort. Ich wollte diese Kerle vor mir stehen sehen, so nah wie Saari und Taisto, wollte wissen, wie sich das anfühlte, wollte dem Geheimnis auf den Grund gehen. Mich dem Abenteuer stellen.
Mit dem Zug war ich nach Tulln gekommen und der Shuttlebus hatte mich direkt zum Festivalgelände gebracht. Ohne die Details vor Ort richtig zu würdigen, ging ich zielstrebig zum Kassenhäuschen und tauschte mein Ticket gegen ein Festivalbändchen – hier noch das gute alte Plastikding, das an Krankenhausbänder erinnerte, auf denen Name und Geburtsdatum von Neugeborenen vermerkt wurden. Die Sonne brannte unbarmherzig vom Junihimmel, die ersten, unwichtigen Acts hatten bereits gespielt und es würde nicht mehr lange dauern, bis ich mir die finnischen Hexenmeister live anschauen konnte. Bewaffnet mit einem ungeduldigen, von der Klimaanlage im Shuttle gekühlten Körper und einem Tunnelblick, der sich auf die Bühne einzoomte, bahnte ich mir einen Weg durch die Trauben und Dolden von Menschen, die den großen, ebenen Platz bevölkerten. Im Zickzackkurs kam ich meinem Ziel immer näher, zuletzt an schwitzenden Körpern und glühenden Gesichtern vorbei, bis ich das Gefühl hatte, dass deren verausgabte Euphorie auf mich abstrahlte. Dann war ich ganz vorne, hatte nur wenig Ellenbogen dazu gebraucht, und war dennoch selbst fast schon erschöpft. Heiß, es war so verdammt heiß!
          Der Typ neben mir am Gitter schien meine sehnsüchtigen Gedanken zu lesen, denn er legte seine Hand auf meinen Arm.
          "Wenn ich uns ein großes Bier besorge, schaust dann nach meinem Platz?"
          Mit einem Seufzer nickte ich.
          "Au ja, das wäre jetzt die Rettung!"
          Ich machte mich vorne so breit wie möglich und er verschwand mit einem Grinsen in der dampfenden Menge.
          Österreicher. Groß, dunkle Haare, eigentlich ganz hübsch.
          Wie konnte es Anfang Juni nur so heiß sein? Hoffentlich würden sie bald anfangen zu spielen, dann ließe sich die brennende Sonne vielleicht vergessen. Ob ich erneut in eisiger Kälte und tiefer Dunkelheit landen würde? Oder in diesem nordischen Frühling, wenn alle das wiedergekehrte Licht feierten? Ich war gespannt, was passieren würde. Wenn ich den Kerl mit dem Bier an der Hand hielte, könnte ich ihn mitnehmen? Müßig, denn dort, im Tal nahe der Küste, war ich eine andere und dort gab es einen anderen Mann. Und hier? Gab es eine Band, deren Musik eine Art Zauber auf mich ausübte, mir ein Tor in ein zweites Leben geöffnet hatte.

Das Bier war kaum getrunken, schon fast wieder verdunstet, da kehrte in den Lautsprechern Stille ein und die Bühne verdunkelte sich. Das Herz begann seine Raserei und die Hitze von außen bekam aus meinem Innern Gesellschaft. Die Reise stand sicher unmittelbar bevor. Der hübsche Kerl neben mir schaute mich fast schon besorgt an, er fürchtete wahrscheinlich einen Kreislaufkollaps. Wenn er wüsste, was alles möglich war, was gleich geschehen würde! Allein diese furchtsame Vorfreude, diese ausgekostete Angstlust, all das flatterte in mir mit der Intensität eines kleinen Höhepunkts.
          Und dann standen sie da, drei Männer im Bühnennebel und blauen Licht. Verharrten kurz im Begrüßungsbeifall, rückten die Celli zurecht. Im Hintergrund saß schon der vierte hinter seinem Schlagzeugwall. Alle hielten die Posen für einen langen Moment, ein Tableau, die Ruhe vor dem Sturm. Das erste Stück, das sie spielten, war das erste Stück von SLUSH FROM THE PAST, begann also verhalten, steigerte sich dann zum Klanggewitter, und löste meiner Erfahrung nach keine Zeitreise aus. Fast enttäuscht konzentrierte ich mich auf Ohren und Augen, hörte und sah die Performance, statt in meinen Bauch hinein zu spüren und auf den sofortigen Schwindel zu warten. Ähnlich wie auf der CD zogen so mehrere Stücke vorbei, während derer ich das Spiel, die Show, die Atmosphäre des Hier und Jetzt, der Realität, aufnehmen konnte und immens genoss.
          Mein Blick wanderte immer wieder zwischen Arttu und Pekka hin und her, zwischen Taisto dem Krieger und Saari dem Sanftmütigen. Trotz der unleugbaren Ähnlichkeit glich Pekkas teuflisch-wildes Spiel in nichts der Ruhe von Saaris besänftigenden Worten, seiner Unsicherheit vor der Annäherung. Und in Arttus genussvollen Posen, in seiner künstlerischen Ernsthaftigkeit ließen sich nur schwer das düstere Ungestüm und die rohe Macht Taistos erahnen. Nur die schön geschwungenen, sinnlichen Münder waren immer die Gleichen. Wieder das erahnte Rätsel. Die Puzzleteile von Vergangenheit und Gegenwart, Bild und Spiegelbild, wollten sich nicht zu einem Ganzen fügen. Sie drifteten auseinander, wirbelten durcheinander, die Musik wurde zum Sog, und alles drehte sich.

Wieder habe ich den Übergang verpasst. Alles dreht sich, na wunderbar. Schon bin ich wieder in der Saunahütte, die feurige Luft langsam einatmend, und weiß, draußen hängt das weinrote Kleid über dem Zaun, das Festgewand für das Frühlingsfest.
          All das noch einmal?
          Ja, all das noch einmal. Das Kraft gebende Entspannen der Muskeln. Die allmähliche Gewöhnung an die Hitze. Diesmal brauche ich nicht so lange, mich danach heraus zu trauen, diesmal ist mein Körper gerade, gestreckt, fast stolz auf sich. Die nadelscharfe Kälte des Teiches, die trockenen Tücher, das Untergewand. Ich nehme das Kleid, streife es über, binde den Gürtel selbst, bis die Taille gut sichtbar ist. Dann schlüpfe ich in die Beinlinge, binde sie mit dem roten Band die Waden hinauf. Kein Zögern, keine Scheu.
          Und so reagieren auch meine Gegenüber anders, die Frauen lachen nicht, sind aber auch nicht länger hilfsbereit, scheinen viel mehr mürrisch, mich jetzt erst als Frau, als Konkurrentin sehend, bedeuten mir, mich zu beeilen: husch, husch zum Fest. Und auch am Teich, als die Mädchen sich um die Männer kümmern, wirke ich, die ich mich anders fühle, nun nicht länger wie die verängstigte Gefangene, sondern als fremder Magnet verstohlener wie offener Männerblicke. Das ist gefährlich. Taisto, der schon hier von dem starken bitteren Bier trinkt, funkelt mir einen Blick zu, besitzergreifend und wohl kaum Widerstand duldend.
          Jetzt schon? Ich werde doch seiner erst viel später gewahr, beim Fest, als er Anspruch erhebt auf mich. Zumindest war es beim letzten Mal so. Ist der Ablauf der Dinge in der Vergangenheit denn gar nicht festgelegt? Sie sind vergangen, wie können sie sich ändern? Bin das etwa ich, die sie ändert? Schnell senke ich den Kopf und ducke mich ein bisschen zurück in meine vorherige, ängstlichere Rolle.
          Zu spät, er winkt mich zu sich her, damit ich ihm mit seinem Überwurf helfe. Es ist augenscheinlich, dass er meine Nähe genießt, meine zurückhaltenden Berührungen, als ich die Schulterfibeln befestige. Fehlt nur noch, dass er die Oberarme anspannt und sagt, "fühl mal, wie stark ich bin." Mir ist das alles zu intensiv, ich möchte wieder zurück auf die Schiene die beim letzten Mal ablief, habe ich mir doch in der letzten Woche bestimmt hundert Mal ausgemalt, wie es weitergehen könnte, in jener Nacht, mit Saari.
          In dieser Nacht ist alles anders. Nicht alles. Die Gesänge bleiben gleich, das Bier, das Essen, der Schamane und seine Paarzusammenführungen. Er ruft mich, und diesmal muss Mielikki mich nicht anstoßen, ich habe ja schon darauf gewartet. Und dann, in seinen Worten, höre ich laut und deutlich den anderen Namen, den er nennt:
          Taisto. Der Schamane und der Häuptling wechseln einen Blick, der mich fürchten lässt, dass ich die Verantwortung trage für das Durcheinander, das hier entstehen mag. Das leise Lächeln in den Augen des Schamanen scheint dasselbe wie zuvor, aber mein Blick schaut erschreckt zurück und wandert dann zu Taisto, der grinsend darauf wartet, dass ich mich zu ihm hinüber setze. Bevor ich mechanisch gehorche, sehe ich vorsichtig auch zu Saari auf, als ich an ihm vorbeigehe. Seine Augen haben diese weise Traurigkeit, die ich bei unserer ersten Begegnung bemerkt habe, und nun gilt das Traurige mir.
          Diesmal singt er noch besser, noch zauberischer, mit noch größerer Kraft. Volle Konzentration, nicht abgelenkt von der Aussicht auf eine Nacht mit der fremden Frau, die er, wenn auch leiser und zarter als Taisto, für sich begehrt? Oder ist das nur mein Wunschdenken? Habe ich denselben Abend wirklich schon einmal erlebt, saß ich nackt mit Saari auf dem großen Lager?
          Es ist ein anderes Haus, das wir heute betreten, eigentlich das letzte des Dorfes, beinah schon im Geäst der ersten Bäume des anschließenden Waldes, der sich schräg hinter der Männersauna auszubreiten beginnt. Und es ist früher als beim letzten Mal, aber dennoch genauso dunkel, als wir hereinkommen. Kein Funke, kein Licht, keine Zartheit. Das war auch nicht zu erwarten gewesen. Die Tür fällt in ihren Rahmen, als Taisto mich auch schon gegen die Wand schiebt und seine Hände viel zu geschickt und zielsicher den Weg zu meinen Brüsten, unter meine Röcke finden. Sein ganzer Körper ist hinter, über meinem, und ich kann gar nichts tun, während er mich positioniert, wie er mich haben will. Ich schaffe es, mich mit den Armen ein wenig von der Wand abzustützen, als er mich im Stehen von hinten nimmt. Mir bleibt nicht viel Luft, um meinen Widerwillen gegen diesen Angriff zu sammeln, denn sein erhitzter Körper, sein Atem an meinem Hals und, ja, seine immensen Stöße in mein Innerstes, all das entfacht eine wilde, überschäumende Lust an der hilflosen Rolle, in der ich mich befinde. Und so wehre ich mich nicht, weder innerlich noch äußerlich, sondern komme seinem Rhythmus entgegen, biete den Widerstand nur da auf, wo er die Intensität noch steigert, und empfange seinen Aufschrei in meinem Nacken, als sich sein mächtiges Erzittern durch meinen Körper fortsetzt. Mein Atem geht beinah so schwer wie der seine, und der Nachhall der Emotion treibt mir eine Träne in die Augen. Vielleicht ist aber auch das Fehlen meines Höhepunkts schuld daran.

Es war schwer, mich zu orientieren. Ich stützte mich aufs Gitter, erste Reihe, nicht an eine Holzwand in der dunklen Hütte. Aber Taistos Stöße hallten wohl noch in mir nach, oder war es nur der Basston aus den Boxen, der das Stück beendete? Ich streckte mich kurz und der nette Hübsche neben mir lachte.
          "Lass mich raten, das war dein Lieblingslied. Du warst ja absolut hin und weg."
          Ich konnte nicht recht mit ihm lachen.
          Der Rest des Konzerts flog an mir vorüber. Ich war verwirrt, überwältigt, erschöpft, aber auch umso entschlossener, all das aufzulösen. Meine Hände hielten das Gitter vor mir viel zu fest, während mein Körper dem Rhythmus der Musik folgte und ich immer wieder versuchte, die konzentrierten Gesichter der beiden Doppelgänger der Vergangenheit zu lesen, zu ergründen, mit meinen Augen ihren Blick einzufangen. Mit jedem neuen Stück verkrampfte ich mich kurz, wartete, ob mich ein Schwindel anfallen würde, aber nichts mehr geschah. Und schließlich, viele Melodien nach meiner Rückkehr aus Taistos brutaler Umarmung musste ich seufzend anerkennen, wie genial die Jungs waren. Was sie ihren Instrumenten entlockten, war auf der Bühne noch ungleich mehr ein Wunder, eine Offenbarung, eine Invasion ins Innerste, als es schon die CD ahnen ließ. Aber das waren zwei völlig unterschiedliche Dinge: Das eine war das Konzert und die imaginären intimen Berührungen, die diese stürmischen, virtuosen Tonfolgen ausstrahlten, und das andere die viel zu realen Erlebnisse an diesem anderen Ort, irgendwo im mittelalterlichen Finnland.
          Von meinem hübschen Nebenmann verabschiedete ich mich mit einem knappen Nicken und registrierte sein enttäuschtes Gesicht.
          Sorry, ich bin auf einer Mission, vielleicht in einem anderen Leben, dachte ich. Mit mehr Fragen als Antworten, mehr widerstreitenden Gefühlen als zuvor verließ ich wie in Trance das Gelände und bestieg den Shuttle nach Tulln, dann den Zug zurück nach Wien.

Am nächsten Tag schlief ich aus und dann zog es mich erneut ins Cyberhaft und vor den Computerbildschirm. Der Abend hatte mich angefixt und im Traum waren mir beide Männer aus dem Dorf, Saari und Taisto, wieder begegnet. Sie schienen nach mir zu rufen. Nachdem ich mich an den Bildern ihrer heutigen Doppelgänger Pekka und Aartu sattgesehen hatte, öffnete ich noch einmal die Seite mit den Tourdaten. In den kommenden Wochen würden sie auf Festivals in ganz Nord- und Osteuropa spielen. Es gab allein sechs deutsche Termine und davor gab es noch Zajac in der Slowakei, in der Nähe von Bratislava. Davon hatte doch erst vor kurzem irgendjemand gesprochen. Richtig, Elisabeth, die bei der Online-Redaktion des Tourismusverbandes arbeitete; sie wollte irgendeine schreckliche ungarische Rockröhre sehen. Was war Zajac für ein Festival, wer spielte da noch? Bratislava war gar nicht so weit weg von Wien. Sollte ich gleich noch einmal auf eins ihrer Konzerte gehen?
            Ich suchte nach mehr Informationen und dann keimte eine abwegige Idee in mir, floss verstohlen durch die Adern, bis mir klar war, dass ich sie wiedersehen musste. Auf der Bühne, aber noch viel wichtiger dahinter. Ich wollte herausfinden, ob sie mich erkennen würden, oder was da ablaufen würde zwischen mir und den Männern, die aussahen wie die beiden Dorfbewohner, die mich in der Vergangenheit begehrten. Die Geschichte wurde immer komplexer und verrückter und ich wurde immer neugieriger. Ich suchte einen Weg, dem Geheimnis näher zu kommen. Dem Rätsel, dem Abenteuer.
            Ein kurzer Blick ins Leere, um die Augen von den Pixeln zu befreien. Jemand schaute herein, fand offenbar nicht das Gesuchte, und schloss die Tür wieder hinter sich. In diesem kurzen Augenblick waren ein paar Töne in den Raum herein geflossen. Im Hof musste ein Akkordeonspieler sein, vielleicht sogar der Straßenmusikant aus dem Alt Wien. War das nicht ein Walzer?
            Ich stand auf und bestellte mir einen Blackbeard, eine verboten gute Mixtur aus schwarzem Johannisbeernektar, Tonic Water und Vodka. Eine Entscheidung stand bevor und ich spürte, dass es nicht mehr nur um ein Konzert ging. Oder zwei. Auf einer noch nicht ganz verstandenen Ebene ging es um meine Lebensziele und Pläne, meine Zukunft, um mich. Wer war ich, wer wollte ich sein? Museumsführerin? Archivarin zwischen Staub und Karteikärtchen? Das schien mir mit einem Mal unmöglich, spätestens seit jenem ersten, fatalen Morgen, jenem Zusammenstoß mit der Musik des Schicksals.
            Die geballte Bittere der Ingredienzien ließ mich kurz schaudern, aber dann brach die verhaltene Süße des Nektars, sein Aroma durch, und ich fühlte mich verwegen und sexy. Der absurde, glasklare Gedanke nahm Form an, setzte sich fest, wie es sonst nur ein Ohrwurm kann. Ihnen folgen. Einen Sommer lang jemand ganz anderes sein. Wenn ich eine schiffbrüchige Wikingerbraut im späten zehnten Jahrhundert sein konnte, die gleich von zwei aufregenden Finnen gewollt wurde, dann war auch heute alles möglich. Von nun an auf der Jagd nach dem Abenteuer, ich, Luise Fink. Nur keine Angst.

Klappentext:

Zeitreisen ins Mittelalter sind erst der Anfang...
Vom heutigen Wien direkt zu den Wikingern und wieder zurück - Diesen Zeitsprung macht Luise Fink, als sie die Musik der finnischen Band Lumiukko zum ersten Mal hört. Und jedes Mal wieder, bis es ihr zu bunt wird und sie der Sache auf den Grund geht. Den Sommer über folgt sie den Musikern von Festival zu Festival und kommt ihnen gefährlich nah, aber das Rätselhafte bleibt: Wieso sehen die Cello-Rocker von heute den Männern von vor 1000 Jahren so ähnlich? Wer steckt hinter den Sabotageakten, die sich zu häufen beginnen? Kann man Zeitreisen steuern?

Dieses Buch ist eine Wundertüte: Roadmovie und Historischer Roman, Festivaltagebuch und Geheimbundkrimi, verrücktes Abenteuer und übermütige Liebeserklärung an die Macht der Musik.

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Na wie gefällt es euch? Also ich bin ja eh seid der Lesung angefixt und werde mir auf jeden Fall das TB dann bestellen.

Montag, 23. Juni 2014

Montags Frage



Weitere Infos gibts bei Libromanie

 HATTET IHR SCHON MAL EINE LESEFLAUTE?


Ja natürlich hatte ich schon mehr als eine Leseflaute gehabt. Die letzte war im April gewesen. Das merk ich dann daran dass ich für ein Buch mehr als 10 Tage benötige und mich nicht aufs Buch freue bzw konzentrieren kann. Zum Glück halten bei mir die Leseflauten auch nie lange an. Ich bin dann auch immer froh, wenn ich dann DAS Buch finde, welches mich aus der Flaute wieder rausholt. Dauert zwar manchmal ein Weilchen, aber dann flutscht es wieder richtig.

Sonntag, 22. Juni 2014

[Autorenvorstellung] Claudia Rapp





Bitte stelle dich doch bitte den Lesern vor:
Ich bin im Rheinland aufgewachsen, habe am Bodensee studiert, promoviert und an der Uni unterrichtet. Ich habe zwei Kinder großgezogen (bzw. bin noch dabei) und zeitweise in Oregon und Hawaii gelebt. Vor einem Jahr bin ich nach Berlin gezogen und genieße jetzt das unglaubliche Angebot und die Vielfalt der Hauptstadt, während ich Bücher aus dem Englischen übersetze und selbst welche schreibe. Dazwischen treibe ich mich meist im Internet herum oder verbringe Sommerwochenenden auf Festivals, denn Musik ist meine zweite Leidenschaft, neben allem, was mit Büchern und Sprache zu tun hat.

Bücher schreiben bedeutet für mich:
In vielen Welten leben, einen Kindheitstraum erfüllen, Recherche und Planung genießen, mit Sprache spielen, Zuhause sein.

Lesen bedeutet für mich:
In noch mehr fremde Welten eintauchen, nächtelang nicht schlafen, lernen, lieben, leiden.

Homepage oder Blog / Facebook Seite:
www.claudiarapp.de
www.facebook.com/ClaudiaRapp.Autorin
UND: www.facebook.com/Autorenlabor (hier veranstalte ich Lesungen unter dem Motto "SEX & CRIME und alles andere" und biete Workshops an)

Die Bücher:
Der weiße Duft der Inseln (ein kleiner Hawaii-Roman, BoD 2010)
Zweiundvierzig (ein Uni-Thriller, Amrûn 2014)

Summer Symphony - ein Trip mit Sex, Zeitreisen und Rock'n'Roll (Amrûn 2014, erscheint am 30.6.)

Hier entstehen meine Werke: 


Samstag, 21. Juni 2014

[Rezension] Sommer der Wahrheit von Nele Löwenberg



Autorin: Nele Löwenberg
  • Broschiert: 496 Seiten
  • Verlag: Ullstein Taschenbuch (16. Juni 2014)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3548285619
  • ISBN-13: 978-3548285610

Mein Dank geht an den Ullstein Verlag, der mir ein Exemplar zur Verfügung stellte.

Inhalt laut Amazon: Nebraska, Anfang der Neunzigerjahre: Sheridan Grant lebt mit ihrer Adoptivfamilie auf einer Farm inmitten von Maisfeldern. Sie leidet unter der Eintönigkeit des Farmlebens und dem strengen Regime ihrer Adoptivmutter, die der hochmusikalischen Sheridan sogar das Klavierspielen verbietet. Zum Glück gibt es den Farmarbeiter Brandon, den Rodeoreiter Nick und den Künstler Christopher, die Sheridan den Hof machen und sie davor bewahren, vor Langeweile zu sterben. Bis in einer Halloween-Nacht etwas Furchtbares passiert. Nun erweist sich, wem Sheridan wirklich vertrauen kann.

Meine Meinung: Sheridan Grant ist ein 15 jähriges junges hübsches Mädchen welches mit ihrer Adoptivfamilie auf der Farm Willow Creek in Fairfield lebt. Ihre strenge Adoptivmutter allerdings ist Sheridan ein dorn im Auge und sie macht das Mädchen bei jeder sich bietenden Gelegenheit runter und mobbt sie. Rachel verbietet ihr alles, selbst das Klavierspielen. 
Mit der Zeit tauchen einige Männer in Sheridans Leben auf und machen ihr den Hof. Bis in der Halloweennacht was schreckliches passiert. Wie wird es nun weiter gehen mit Sheridan? Wenn ihr das nun gern rausfinden wollt, dann schnappt euch dieses buch und fangt an zu schmöckern.

Dieser Roman ist mal so ein komplett anderer als wir ihn von Nele Neuhaus kennen. Sonst kennen und lieben die Leser ja ihre blutigen Krimis die in der Taunusregion spielen. Die Autorin wollte aber mal was ganz anderes schreiben also schrieb sie unter ihrem Mädchennamen "Nele Löwenberg" diesen Roman. 

Ich muss sagen mich hat dieser Roman mehr als begeistert und hat auch mein geliebtes "Hach war das schön" Gefühl ausgelöst. 
Der Schreibstil der Autorin ist locker, leicht und frisch. Man kann sich sehr gut in die Geschichte fallen lassen und abtauchen. Ich habe mich ganz wunderbar unterhalten gefühlt.

Allerdings hab ich einen ganz kleinen Kritikpunkt: Ich würde dieses Buch eher dem Genre Jugendbuch bzw Roman für junge Erwachsene zuordnen, da die Protagonistin selber in dem Roman erst 15 ist, als wir sie kennenlernen.
Ich hatte ja auch erst anderes erwartet als ich den Klappentext las, aber ich wurde in keiner Weiße enttäuscht. Liegt wohl auch daran, das ich die Bücher dieser tollen Autorin einfach liebe.

Die Geschichte wird aus der Sicht von Sheridan erzählt und mit ihr gehen die Leser zusammen durch Höhen & Tiefen. Ich habe mit ihr gelitten, gelacht und geweint. Ich hatte mit ihr zusammen Angst und habe zusammen mit ihr gehofft und gebangt.
Sheridan konnte ich recht schnell in mein Herz schließen und zusammen machte ich mich mit ihr auf den Weg das Familiengeheimnis rund um ihre verstorbene Mutter zu lüften. Was nicht immer ganz einfach war, denn Rachel (ihre Adoptivmutter) machte es Sheridan nicht gerade einfach und lies sie regelmäßig ihren Hass spüren und das sie im Hause Grand der letzte Dreck sei.

Die Autorin beschreibt sehr einfühlsam und authentisch die Gefühlswelt von Sheridan die gerade mitten in der Pubertät steckt und sich mit vielen Dingen herumschlagen muss. 
Natürlich sucht die Protagonistin viel Aufmerksamkeit & Liebe und findet diese dann offenbar in ihren Männerbekanntschaften die sie ein Stück in ihrem Leben begleiten und dene sie sich versucht anzuvertrauen.

Das Cover ist wunderbar gestaltet und einfach gehalten, ich nehme an drauf zu sehen ist die Farm Willow Creek wo Sheridan lebt. Man bekommt bei dem Cover direkt Lust in die Geschichte einzutauchen.

Fazit: Der Autorin Nele Löwenberg ist hier ein wunderbarer leichter Sommerroman gelungen. Sie lässt den Leser sehr tief in das Leben von Sheridan blicken und es gibt tatsächlich auch einen kurzen, dramatischen & sehr spannenden Moment in dem Buch. Ich sage nur Halloweennacht. Wer die Bücher der Autorin Nele Neuhaus mag, wird dieses mit sicherheit auch ganz schnell in sein Leserherz schließen, da bin ich mir sicher. Mich hat sie mit diesem Werk auf jeden Fall sehr überzeugen können und ich möchte gerne noch mehr in dieser Art lesen.

Meine Bewertung: 

Freitag, 20. Juni 2014

Freitags Füller




Weitere Infos gibts bei Barbara


1.  Ich könnte mal wieder  ins Kino gehen, war da schon lange nimmer.

2.  Milchshake mit Eis. 

3.  Das Wetter  ist im Moment genau nach meinem Geschmack.

4.   __________ oder besser _________ ?

5.  Am Anfang eines Lebens ist alles irgendwie einfacher .

6.   Sturmwetter ist irgendwie ungemütlich.

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf die restlichen Folgen von Charmed, morgen habe ich Kuchen backen geplant und Sonntag möchte ich einen kleinen Ausflug machen !


Donnerstag, 19. Juni 2014

[Rezension] Verschollen im Land der Lotusblüten von Rike Stienen




Autorin: Rike Stienen
  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 2904 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 228 Seiten
  • Gleichzeitige Verwendung von Geräten: Keine Einschränkung
  • Verlag: bookshouse (8. April 2014)
  • Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B00JKMM3UY

Mein Dank geht an die Autorin & den Bookshouse Verlag die mir dieses Exemplar zur Verfügung stellten.

Inhalt laut Amazon: Mara erfährt am Tag ihrer Examensfeier von der Deutschen Botschaft in Colombo, dass ihr Zwillingsbruder Hendrik als verschollen gilt. Seine Jacht wurde führerlos auf einer Sandbank an der Südküste Sri Lankas entdeckt. Trotz ihrer Flugangst begibt sich Mara auf die abenteuerliche Suche und lernt dabei den smarten Einheimischen Ravi kennen. Doch im Laufe der Zeit drängt sich der Verdacht auf, dass er mit Hendriks Verschwinden zu tun haben könnte. Maras Gefühlswelt verfängt sich im Chaos, und sie weiß nicht, wem sie auf der paradiesisch anmutenden Insel noch vertrauen kann.

Meine Meinung: Als Mara am Abend ihrer Examenfeier von der Deutschen Botschaft in Colombo erfährt das ihr Zwillingsbruder Hendrik als verschollen gilt und man seine Jacht führerlos auffand, macht sich Mara kurze Zeit und trotz großer Flugangst auf den Weg nach Sri Lanka um Hendrik zu suchen.
Sie trifft auf den sympatischen Einheimischen Ravi und seiner Familie die ihr Gastfreundschaft anbieten. Doch irgendwie gestaltet sich die Suche nach dem vermissten Zwillingsbruder schwieriger als gedacht und Mara kommt es so in den Sinn, als ob Ravi ihr darüber etwas verheimlicht. Wird Mara es noch schaffen ihren Bruder lebend zu finden? Wenn ihr Lust habt, dann begleitet Mara doch literarisch in das Land der Lotusblüten und helft ihr bei der Suche.

Hach ja, ich glaube ich bin verliebt. Verliebt in diese wundervolle Geschichte und in dieses zauberhafte Land. Eine Geschichte mit dem berühmten, hach war das schöööön Effekt.
Lasst euch von der Autorin in ein fremdes und fernes Land entführen und macht euch zusammen mit Mara auf die Suche nach ihrem Bruder. Ich machte es auch und wollte am Ende nicht mehr aufhören zu lesen. Die Geschichte nahm mich nach einiger Zeit dann gleich gefangen. Natürlich war ich gegen Ende traurig als diese dann vorbei war und hätte noch viel mehr über Mara und Ravi in Sri Lanka gelesen. Liebe Rike BITTE schreibe einen zweiten Teil, das wäre so toll.

Nach diesem Roman habe ich direkt Lust verspürt dieses Land zu bereisen, aber leider geht das von jetzt auf gleich nicht. Gerne hätte ich das Elefantenwaisenhaus besucht und wäre sehr gerne mit Mara & Ravi auf der Elefantendame geritten. 
Die Beschreibung der Örtlichkeiten und der Landschaft sind der Autorin sehr gut gelungen, ich hatte immer das Gefühl live dabei zu sein und konnte mir alles sehr gut vorstellen.
Kein Wunder das sich die Protagonistin Mara in dieses tolle und wunderbare Land verliebt hat, ich habe es auf jeden Fall beim lesen getan.

Sehr sympatisch war mir von Anfang an die Protagonistin Mara. wie sie sich auch im laufe der Geschichte machte und zur starken Kämpferin um ihren Bruder wurde. Sie lies sich nie von ihrem Weg abbringen, auch wenn es nicht immer einfach war für sie. Ich hatte Mara genauso nett bei mir aufgenommen wie die Familie es von Ravi tat. Diese fand ich auch alle sehr sympatisch und zuvorkommend. Natürlich war mir auch nach einiger Zeit klar, das Ravi etwas vor Mara geheim hielt. Mehr verrate ich nicht, findet es lieber selber raus.
Ich habe mit Mara zusammen gehofft und gebangt. Geweint und mich mit ihr zusammen gefreut.

Der Schreibstil der Autorin ist locker, flüssig & leicht und lässt einen das Buch recht schnell lesen, bzw man wird gefangen genommen, es gibt kein entfliehen.

Fazit: Wer abtauchen möchte ich ein Fernes und fremdes Land und sich gerne auf Abendteuersuche begeben möchte, der ist hier genau richtig. Die Geschichte kommt sehr authentisch rüber und man spürt richtig das Fernweh der Zwillinge. Meines wurde auf jeden Fall geweckt. Eine ganz klare Kaufempfehlung von daher.


Meine Bewertung: 

[Lesedeal] Cupcake Love von Berit Bonde



Diese Woche geht das ja richtig Schlag auf Schlag und zack gibt es den nächsten Lesedeal für euch. Diesen konnte ich mit der sympatischen Autorin Berit Bonde aushandeln. Ihr Taschenbuch soll am 23.6 erscheinen.





Kapitel 1

»Herzlichen Glückwunsch. Damit gehört der Laden offiziell Ihnen.« Der Makler griff nach den Papieren, die ich soeben fein säuberlich unterschrieben hatte, klopfte die Blätter zu einem akkuraten Stapel zusammen und gab ihn über seine Schulter hinweg an seine Sekretärin weiter. »Frau Voss, seien Sie doch bitte so nett und machen Sie gleich zwei Kopien des Vertrags, eine für den Vermieter und eine für Frau Sander.«
Frau Sander, das war ich. Clara Sander. Dreißig Jahre alt, einen Meter achtundsechzig groß, kastanienbraune Haare, grüne Augen und seit einem Jahr glücklicher Single. Ungelogen, ich war glücklicher Single, auch wenn die meisten diese Aussage nur belächelten, aber nach mehreren Fehltritten hatte ich erst mal genug von der Männerwelt und genoss das Alleinsein. Wirklich. Ehrlich. Also ganz ehrlich.
Da saß ich also nun im Büro meines Maklers und hatte den wohl wichtigsten Schritt meiner bisherigen Karriere getan. Ab sofort schimpfte ich mich stolze Mieterin eines kleinen Ladens in der Hamburger Innenstadt. Und mit klein meinte ich auch klein. Sechzig Quadratmeter waren das Maximum, das mein Sparbuch hergegeben hatte, und wenn mein Plan nicht aufgehen würde, würde der Traum, meine eigene Chefin zu sein, ziemlich bald wie eine Seifenblase zerplatzen. Aber no risk, no fun, oder?
»Frau Sander?«
»Hm? Entschuldigung, ich muss wohl in Gedanken gewesen sein.« Der Makler war bereits aufgestanden und streckte mir die Schlüssel zu meinem neuen Laden und damit auch zu meiner Zukunft entgegen. Schnell stand ich ebenfalls auf und nahm sie ihm ab. »Danke, wirklich, ohne Sie hätte ich niemals so schnell den perfekten Laden gefunden.«
»Dafür sind wir doch da, liebe Frau Sander«, sagte er mit diesem strahlenden Blendamed-Lächeln, das fast alle Makler hatten. »Stets zu Diensten, wenn Sie uns brauchen.« Meine Zukunft in der Hand haltend, verabschiedete ich mich von ihm.

Mit einem Kribbeln im Bauch öffnete ich die schwere Holztür des Altbaus, in dem sich das Maklerbüro befand, und rannte in eine breite Männerbrust hinein, sodass ich mit Schwung seitlich gegen den Türrahmen knallte. Die Kopien meines Vertrags flatterten wild durch die Gegend und landeten weit verstreut auf dem Bürgersteig im Dreck. »Toll, natürlich genau in die einzige Pfütze weit und breit«, kommentierte ich die Lage und rieb mir die Schläfe. Das würde sicherlich eine schöne Beule geben.
»Haben Sie denn keine Augen im Kopf?«, fragte der Typ mit der stahlharten Männerbrust. Bei genauerem Hinsehen waren wohl nicht nur meine, sondern auch seine Papiere im Dreck gelandet. Ohne mich weiter zu beachten, machte er sich daran, die Blätter aufzusammeln.
»Ignoranter Affe«, murmelte ich vor mich hin und sammelte wahllos einzelne Blätter auf.
»Cupcake Love, das gehört dann wohl zu Ihnen.« Der ignorante Affe stand genau neben mir, und der süffisante Unterton in seiner Stimme war nicht zu überhören. Er reichte mir die Vertragsblätter, auf denen dick und fett der Name meines zukünftigen Ladens prangte. Ich schnappte mir die Papiere und drehte mich auf dem Absatz um. Solche Typen waren es nicht wert, dass ich mich über sie aufregte. Ich rauschte in Richtung meines Wagens davon, den ich nur ein paar Meter vom Haus entfernt geparkt hatte. Cupcake Love war ein toller Name. Über den Namen meines neuen Ladens hatte ich wochenlang gegrübelt, da würde ich mich jetzt ganz sicher nicht von so einem Möchtegernmacho verunsichern lassen.
»Jetzt warten Sie doch«, rief er mir nach, aber im selben Moment hatte ich schon die Tür meines knallroten Minis zugeknallt und den Rückwärtsgang eingelegt. Ohne mich noch einmal nach ihm umzusehen, rauschte ich aus der Parklücke und machte mich auf den Weg von Eppendorf in die Innenstadt. Kaum, dass ich mich in den Verkehr eingefädelt hatte, war der Typ so gut wie vergessen. Das erklärte Ziel hieß Valentinstraße fünf. Dort wartete der wohl schönste Laden der ganzen Innenstadt auf mich. Die Eingangsfront war komplett verglast, und wenn man durch die Tür trat, sah man zur linken Seite auf einen langen Tresen, der bald über und über mit meinen Cupcakes gefüllt sein würde. Alte Holzdielen gaben dem Laden einen gemütlichen Touch, und gegenüber vom Tresen war Platz für ein paar Tische und Sessel. Ich stellte mir das Ganze loungemäßig vor, cool, aber nicht zu cool. Ich wollte nicht nur die hippen und attraktiven Leute in mein Café locken, sondern auch kleine, niedliche Omas, die mit ihren Stricknadeln klappern und dabei gemütlich einen Cupcake naschen würden. Die Einrichtung sollte auf jeden Fall britisch sein, mit vielen Blumenmustern und Bonbonfarben. Ich seufzte glücklich, während ich an einer der zahlreichen Ampeln auf dem Weg zur Innenstadt auf Grün wartete. Nach der Vertragsunterzeichnung begann nun der beste Part meines Plans, das Einrichten. Gut, erst würden die Wände gestrichen werden müssen. Und eine Grundreinigung würde nötig sein. Aber wozu hatte ich Freunde? Das würde sich bestimmt alles in Nullkommanichts regeln lassen. Bis zur geplanten Eröffnung waren es noch vier Wochen. Alles überhaupt kein Problem.
Wieder eine rote Ampel. Immerhin hatte ich es schon fast bis ans Ende der Rothenbaumchaussee geschafft. Noch wenige Minuten zum Ziel. Ich sah mir die schönen Altbauten an. Wann würde mein Laden so viel Geld abwerfen, dass ich mir hier eine Wohnung würde leisten können? Es wurde grün. Ich legte den ersten Gang ein und düste los, bevor meine Hintermänner mich ungeduldig anhupen würden, wie es mir oft passierte, wenn ich als Erste an der Ampel stand und vor mich hin träumte. Heute hatte ich wahrhaftig schon genug Stress gehabt. Ich brauchte nicht noch mehr Männer, die mich anpflaumten. Leider hatte ich wohl übersehen, dass nur die Linksabbieger eine grüne Ampel gehabt hatten. Mit quietschenden Bremsen kam ich fünf Millimeter vor einem dicken BMW zum Stehen, der im selben Moment offensichtlich nach rechts abbiegen wollte.
Während ich noch starr vor Schreck mit den Fingern am Lenkrad klebte, war der BMW-Mann schon ausgestiegen und brüllte mich an.
»Mei, san Sie narrisch? Wohl den Führerschein in der Lotterie gewonnen? Deppertes Weibsbild!«
Na toll, ein Bayer, und auch noch einer von der Sorte mit Fußballfahnen am Fenster.
Okay, der Beinaheunfall war meine Schuld gewesen, aber mich von einem bayerischen Fußballfan niedermachen lassen? Niemals. Ich stieg ebenfalls aus und baute mich vor ihm auf.
»Okay, Mister, ich mag eine Frau sein, und mein Fahrstil lässt vielleicht ab und an zu wünschen übrig, aber immerhin weiß ich mich im Gegensatz zu Ihnen zu benehmen. Und jetzt regen Sie sich ab, steigen brav in Ihr Auto und fahren weiter, einverstanden?« Während ich auf ihn einredete, wurde sein Gesicht puterrot, und er schnappte nach Luft. »Keine Widerrede? Dachte ich mir, also los.« Mit dem Zeigefinger drückte ich ihm auf die Brust und schob ihn zurück auf seinen Sitz.
Ohne auf weitere Kommentare zu warten, drehte ich mich um und setzte mich hocherhobenen Hauptes wieder in meinen Wagen. Im Rückspiegel sah ich, wie der Mann hinter mir im Wagen sichtlich amüsiert schmunzelte. Immerhin hatte ich den Leuten ein gutes Schauspiel geboten. Der Bayer hatte in der Zwischenzeit unter lautem Fluchen seine Tür zugeknallt und rauschte mit immer noch hochrotem Kopf an mir vorbei.
»Männer. Kein Wunder, dass so viele an einem Herzinfarkt sterben«, murmelte ich, ignorierte bewusst, dass die Ampel mittlerweile wieder auf Rot gesprungen war, und fuhr weiter.
Mit Schwung bog ich in die Valentinstraße ein und konnte schon von Weitem einen kleinen Menschenauflauf vor meinem Laden erkennen. Ich ergatterte eine der wenigen Parklücken und verzichtete darauf, einen Parkschein zu ziehen. Ich malte mir das Schlimmste aus. Bestimmt stand der Laden unter Wasser, oder es hatte gebrannt, oder jemand war eingebrochen und nun standen die Leute vor dem eingeschlagenen Fenster und warteten darauf, dass die Polizei kommen würde. Beim Näherkommen erkannte ich Herzchenballons, Luftschlangen und ein riesiges rosafarbenes Plakat über der Eingangstür, auf dem in dicken großen Buchstaben Herzlichen Glückwunsch! stand. Viele kleine bunte Cupcakes waren darunter gemalt worden.
Kaum, dass meine Freunde mich bemerkt hatten, brüllten sie im Chor los, und Luftschlangen flatterten mir um die Ohren.
»Surprise!«
»Alles, alles Gute zum neuen Laden. Wir wollten dich überraschen.«
»Du hast doch gerade den Vertrag unterschrieben, oder? Hier, nimm ein Glas Champagner, das müssen wir unbedingt feiern.«
Bevor ich auch nur einen Ton sagen konnte, hatte Dine mir schon ein Glas in die Hand gedrückt. Dine war eine meiner besten Freundinnen. Wir kannten uns schon viele Jahre, und ich war mir ziemlich sicher, dass sie dies alles organisiert hatte. Mindestens zehn meiner Freunde standen vor dem Laden und tranken bereits Champagner oder Orangensaft. »Von wem wusstet ihr denn überhaupt, dass das heute ist?«
»Marlene hat geplaudert. Du glaubst doch wohl nicht, dass du so etwas vor uns verheimlichen kannst.« Dine grinste, und im selben Moment drängelte sich meine Schwester Marlene mit ihrer kleinen Tochter Cecilia zu uns durch. Strahlend hielt die Kleine mir ein selbstgemaltes Bild eines Cupcakes vor die Nase. Jetzt ahnte ich auch, wer das Plakat verschönert hatte.
»Guck mal, Tante Clara, ich hab einen Kuchen für dich gemalt«, rief sie und drückte mir einen feuchten Schmatzer auf die Wange. »Genau so einen, wie du sie immer für uns backst.«
»Wow, so einen schönen Kuchen habe ich aber noch nie gebacken, meine Süße. Da muss ich mir noch ganz viel Mühe geben, damit ich das so toll hinbekomme wie du.«
»Das schaffst du schon, Tante Clara. Wenn du noch ganz viel übst«, erwiderte Cecilia. Marlene lachte und drückte mir die Kleine in den Arm.
»Na Schwesterherz, alles glattgegangen bei der Vertragsunterzeichnung?«
»Alles in Butter«, erwiderte ich und hielt ihr die Ladenschlüssel vor die Nase.
»Na, dann mal rein, oder?«
»Halt, Moment«, tönte es von der Seite. Mein bester Freund Basti tauchte neben mir auf und hielt mir einen rosa Schlüsselanhänger in Form eines Cupcakes vor die Nase. »Dein erster Glücksbringer.«
»Rosa, Basti, wirklich?«, frotzelte Dine.
Basti zuckte nur mit den Schultern. »Wenn es nach mir gegangen wäre, wäre sogar noch eine Plüschbommel dran, aber davon hat Marlene mich dann doch abgehalten.«
Basti hatte sich mit neunzehn dafür entschieden, der Frauenwelt zu entsagen und sich zu outen. Was wirklich ein Jammer war. Er erinnerte mich immer an den Hauptdarsteller aus dem Film ‚Wedding Date‘, eine ganz wunderbare Liebeskomödie, natürlich mit Happy End. Ich war absoluter Film- und Serienfreak und sah mir nur Filme an, von denen ich sicher war, dass sie gut ausgehen würden. Ich verbrachte meine Abende gern mit einer Schachtel Pralinen und einer Packung Taschentücher vor dem Fernseher.

»Der ist echt super, Basti, danke.« Ich friemelte den Schlüssel sofort an den Anhänger, was sich mit Cecilia auf dem Arm als nicht besonders leicht erwies, um weitere Diskussionen zwischen Basti und Dine zu vermeiden. Seit sie sich kannten, verhielten sie sich wie Hund und Katze. Niemand wusste, warum sie sich eigentlich nicht leiden konnten. »Also, dann mal alle mir nach«, rief ich, drückte Marlene wieder ihre Kleine in den Arm, schloss die Ladentür auf und trat in eine Miefwolke.

Kapitel 2

»Puh. Das riecht nach toten Mäusen, die es nicht mehr geschafft haben, sich ihr eigenes Grab zu schaufeln und jetzt als Zombies
durch die Welt wandeln«, sagte Dine. »Und wie das hier aussieht.«
Schockiert stand ich im Raum und sah mich um. Ich befand mich inmitten von Schutt und Geröll. Der Vormieter hatte anscheinend ganze Arbeit geleistet, als er hier ausgezogen war. Bei der Besichtigung mit dem Makler war der Laden noch vollkommen intakt gewesen, und die Gäste hatten an kleinen Tischen friedlich ihren Kaffee geschlürft. Von dem niedlichen Café war nicht mehr viel übrig geblieben. Vielleicht hätte ich besser hinhören sollen, als der Makler in einem Nebensatz erwähnt hatte, dass der Vormieter dafür sorgen würde, dass die eingezogenen Trennwände noch abgerissen werden würden. Das war ganz offensichtlich geschehen. Leider hatte er nach dem Einreißen wohl vergessen, den Schutt mitzunehmen.
»Heilige Scheiße, mein lieber Herr Gesangsverein«, murmelte Basti.
»Ich glaube, ich ticke aus«, sagte ich. Der Rest meiner Freunde betrat den Laden nicht. Der Geruch war anscheinend schon nach draußen geströmt.
Basti machte sich inzwischen an einer halb heruntergerissenen Tapete zu schaffen. »Hier haben wir auch die Ursache des üblen Gestanks«, rief er zu uns herüber. »Das ist ganz eindeutig Schimmel.«
Entsetzt drehte ich mich um und sah ihn an. »Das ist nicht dein Ernst, oder?«
»Ich fürchte doch«, sagte er und zeigte auf die dunklen Flecken an der Wand. »Das ist unzweifelhaft Schimmel, und zwar von der ganz üblen Sorte.«
»Ich bringe den Makler um. Wo sind meine Autoschlüssel? Ich fahre jetzt sofort los und drehe ihm den Hals um. Oder noch besser, ich besorge mir eine Knarre.« Voller Wut trat ich gegen den einzigen Stuhl, der mitten im Raum stand.
»Das würde ich mir gut überlegen«, tönte es im selben Moment von der Tür. »Laut Vertrag haben Sie den Laden inklusive aller bestehenden Mängel übernommen, und wenn ich hier richtig lese, sind eventuelle Feuchtigkeitsschäden in der Mängelliste auf Seite zwei aufgeführt.«
Langsam drehte ich mich um. Die Stimme kam mir bekannt vor. So einen Klugscheißer konnte ich jetzt gerade noch gebrauchen.
Ich hatte mich nicht getäuscht, im Türrahmen stand der ignorante Affe, der am Morgen dafür gesorgt hatte, dass meine Vertragspapiere mehr Matsch als Papier waren. »Was machen Sie denn hier?«, entfuhr es mir, während ich mir mit verstaubten Händen die Haare aus dem Gesicht wischte.
»Nun, Sie waren ja heute Morgen so schnell verschwunden, da konnte ich Ihnen nicht mehr sagen, dass ich noch zwei Seiten Ihres Vertrages unter meinen Papieren gefunden habe. Zum Glück stand auf einer der Seiten die Adresse Ihres Ladens, und da ich gerade in der Nähe war …«
»… dachten Sie, dass Sie ja kurz vorbeischauen könnten, um sich weiter über meine Geschäftsidee lustig zu machen.« Ich schnappte mir die beiden Seiten, die er mir hinhielt. Dine hatte sich inzwischen neben mich gestellt und haute mir ihren Ellenbogen in die Seite. »Au, bist du besch…«, sagte ich.
»Entschuldigen Sie, meine Freundin meint es nicht so, sie ist nur gerade ein bisschen gereizt.« Dine strahlte den Typen mit ihrem schönsten Lächeln an.
»Tja, wenn ich mir das Elend hier so ansehe, fehlt Ihnen wohl noch ganz schön viel Love an Ihren Cupcakes«, erwiderte er und ging dabei ein paar Schritte im Laden umher, umgeben von Staubwolken, die jeder einzelne seiner Schritte aufwirbelte.
»Wenn der Typ noch einmal einen Witz über den Namen meines Ladens macht, garantiere ich für nichts«, zischte ich Dine zu und stellte mich ihm in den Weg. »Okay, Herr …«
»Van der Brugge. Samuel van der Brugge, aber nennen Sie mich Sam.«
»Wunderbar, Herr van der Brugge«, sagte ich und ignorierte absichtlich die Hand, die er mir hinhielt. »Da Sie ja anscheinend herzlich wenig von meiner Geschäftsidee halten, ist es wohl besser, wenn Sie uns hier mit unserem Elend allein lassen.«
Er grinste mich an. »Ganz wie Sie meinen, Frau Sander, aber falls Sie mal Rechtsbeistand brauchen sollten, hier ist meine Karte.«
Kaum, dass er mir seine Visitenkarte in die Hand gedrückt hatte, war er auch schon aus der Tür.
»Was für ein ungehobelter Mistkerl, was denkt der sich eigentlich, wer er ist?«, murmelte ich vor mich hin und drehte die Visitenkarte in der Hand.
»Aber heiß ist er, das muss man ihm lassen«, sagte Dine und griff nach dem umgekippten Stuhl, um sich zu setzen.
Ich schnaubte ungerührt und steckte mir die Visitenkarte in die Hosentasche.

Nachdem wir noch eine ganze Weile in meinem Laden herumgestanden und beratschlagt hatten, welches Chaos am besten zuerst zu beseitigen sei, machte ich mich auf den Weg nach Hause. Die To-do-Liste in meinem Kopf war gefühlt zehn Kilometer lang. Herr van der Brugge hatte recht. Die Feuchtigkeitsschäden waren tatsächlich in der Mängelliste aufgeführt und von mir abgenommen worden.
»Du musst das Kleingedruckte lesen, Clara, das Kleingedruckte.« Oft genug hatte meine Mutter mir diesen Satz eingetrichtert, und welchen Fehler musste ich als Erstes machen? Gott, ich hasste Schimmel, das Zeug war nicht nur gesundheitsschädlich, sondern auch wirklich widerlich. Allein der Geruch. Mit ein bisschen Schimmel-Ex war mir hier wahrscheinlich nicht geholfen, da mussten Profis ran. Punkt eins auf meiner Liste war: Schimmelbuster finden, die alles vernichten würden, endgültig und bis in alle Ewigkeit.
Leicht deprimiert schloss ich die Tür zu meiner kleinen Wohnung im Herzen von Altona auf und schmiss meine Tasche auf die Kommode im Flur. Herzzerreißend kläglich quakend kam mir Fee entgegengestiefelt und warf sich vor meine Füße, um sich wonnig auf dem Boden zu wälzen. Fee war meine Perserkatze und seit fünf Jahren meine treue Mitbewohnerin. Ich hatte sie zu mir geholt, als sie noch ganz klein gewesen war, und seitdem waren wir ein Herz und eine Seele, auch wenn Madame oft quakig war, wenn ich zu lange arbeitete und spät nach Hause kam.
»Na, meine Süße, möchtest du dein Futter?« Mit Fee auf dem Arm ging ich in die Küche und öffnete den Kühlschrank, aus dem mich Micky Maus, das Krümelmonster, Miss Piggy und Kermit anstrahlten. »Schau, Fee, heute hast du eine riesige Auswahl. Ich vermute mal, du entscheidest dich für die Maus?« Fee strampelte maunzend auf meinem Arm und machte Anstalten, sich in den Kühlschrank zu stürzen. »Oder vielleicht doch lieber dein normales Futter? Cupcakes sind nicht ganz nach deinem Geschmack, stimmt’s?« Micky Maus und Co. waren aus Marzipan und steckten als Deko auf einer dicken Schicht aus Schokoladencreme. Eine Bekannte von Marlene hatte mich engagiert, drei Bleche Cupcakes für den Geburtstag ihrer sechsjährigen Tochter zu backen. Das Ergebnis stand nun seit dem Morgen in meinem Kühlschrank und wartete darauf, ausgeliefert zu werden. Punkt zwei auf meiner To-do-Liste für den nächsten Tag.
Ich ließ Fee runter und füllte Hühnchenfleisch in ihren Napf, vor dem sie sich zufrieden schmatzend niederließ und mich, ihren allerliebsten Dosenöffner auf der ganzen Welt, nicht mehr beachtete.
Aus dem einzigen noch freien Fach im Kühlschrank lachte mich eine Flasche Weißwein an, genau das Richtige nach dem Ladendesaster.
Mit der Flasche und einem Korkenzieher bewaffnet, ging ich ins Wohnzimmer und schnappte mir auf dem Weg meinen Laptop vom Küchentisch. Wäre doch gelacht, wenn ich nicht heute noch einen Schimmelprofi auftreiben würde, der gleich am nächsten Tag loslegen konnte. Google war schließlich mein bester Freund und Ratgeber in allen Lebenslagen. Die ersten drei Treffer hörten sich bereits vielversprechend an.
»Also, Clara, wer soll denn nun dein Herzblatt sein? Kandidat Nummer eins mit dem Motto ‚Ihr Schimmel, unser Problem‘. Oder Kandidat Nummer zwei, der wirklich absolut widerliche Vorher-Nachher-Fotos auf seiner Website zeigte, wobei auf den Nachher-Fotos alles glänzte und nicht der kleinste Schimmelfleck zu sehen war. Oder Kandidat Nummer drei, der auf die Masche ‚Unsere Chemikalien sind vielleicht nicht legal, aber der Schimmel zahlt Ihnen auch keine Miete‘ setzte.
Ich entschied mich für Kandidat Nummer zwei und hoffte inständig, dass die Fotos nicht mit Photoshop bearbeitet worden waren. Nach einem kurzen Telefonat hatte ich bereits einen Termin für den nächsten Morgen. Zufrieden ließ ich mich in die Sofakissen sinken und nippte an meinem Wein. Fee hüpfte auf das Sofa und kuschelte sich schnurrend an mich.
Als ich mich noch weiter in die Couch sinken ließ, stach mir hartes Papier in den Rücken. Die Visitenkarte von diesem van der Brugge war mir offenbar aus der Hosentasche gerutscht. Ich griff danach und betrachtete sie erneut. Auf der Vorderseite standen sein Name sowie der Name seiner Kanzlei und eine Webseite.
»Na, dann wollen wir doch mal sehen, ob du wirklich so cool bist, wie du tust, Sam«, sagte ich und griff nach meinem Laptop.

Die Firmenwebseite gab relativ wenig her. Die Kanzlei schien sich auf Miet- und Familienrecht spezialisiert zu haben, van der Brugge war offensichtlich Fachanwalt für Steuerrecht. Jeder Anwalt der doch recht großen Kanzlei war mit Bild und einer Kurzbeschreibung auf der Seite aufgeführt. Auf dem Bild sah er wirklich unverschämt gut aus, das musste ich zugeben. Braune Haare, strahlend blaue Augen, eine markante Gesichtsform und natürlich in Schlips und Kragen, wie sollte es auch anders sein. Fehlte nur noch der Dreitagebart und er käme meinem Ideal von einem Mann ziemlich nahe. Er erinnerte mich ein bisschen an meinen ersten großen Schwarm aus der Schulzeit, Heiner Blohm. Gott, was war ich damals in den verknallt gewesen. Ich war erst vierzehn, er schon siebzehn und somit drei Klassen über mir. In dem Alter hatten drei Jahre Altersunterschied leider noch sehr viel ausgemacht, und ich hatte nach monatelanger Schwärmerei meinen ersten Korb bekommen, dabei waren Marlene und ich sogar extra dem Schulchor als Sopransängerinnen beigetreten, weil Heiner dort Klavier gespielt hatte. Damals hatte ich das als eine gute Taktik empfunden, heute eher als extrem peinlich, aber was tat man nicht alles für die Liebe. Als Heiner dann irgendwann die Schule gewechselt hatte, hatte auch mein Liebeskummer nachgelassen, und ich war mit meinem ersten Freund zusammengekommen. Ein paar Jahre später hatte ich Heiner zufällig in einer Disco getroffen, wo er mir dann ziemlich klar zu verstehen gegeben hatte, dass er mittlerweile kein Problem mehr mit dem Altersunterschied hatte. Zu seinem Pech waren andere Jungs mittlerweile viel interessanter geworden, auch wenn seine blauen Augen immer noch der Hammer gewesen waren, und so war wieder nichts aus uns geworden.
Schnell klickte ich mich durch van der Brugges Team und blieb bei seiner Sekretärin hängen. Blond, blauäugig, bestimmt einen Meter fünfundsiebzig groß und sicherlich mit ellenlangen Beinen, auch wenn ich das auf dem Foto nicht sehen konnte. Typ Topmodel. »Na wunderbar, überrascht mich jetzt aber auch nicht wirklich«, murmelte ich, nahm einen Schluck Wein und kraulte Fee den Bauch. »Aber was soll’s, so ein arroganter Typ interessiert uns eh nicht, oder Fee?« Diese rollte sich auf die Seite und maunzte zustimmend. »Und wer braucht schon zwei Meter lange Beine?«, fügte ich hinzu und begutachtete meine kurzen. Ich war auch riesig, leider nur im Sitzen. Ein Sitzriese sozusagen, langer Oberkörper und kurze Beine. Gut, das war vielleicht ein bisschen übertrieben, aber ein paar Zentimeter mehr wären ganz nett gewesen. Aus den Augenwinkeln sah ich, dass auf meinem Laptop das Briefchen als Symbol für neue Nachrichten blinkte. Ich hatte vier neue E-Mails, drei davon Spams, eine von Dine mit dem Betreff »Sam von der Brücke«.

Hey Süße, falls der ignorante Affe von heute Morgen doch nicht uninteressant sein sollte, schau doch mal bei Facebook vorbei.
LG, Dine

Darunter hatte sie einen Link eingefügt, der zu seinem Facebook-Profil führte.
»Total uninteressant, vollkommen unwichtig, interessiert mich überhaupt nicht. Punkt.« Im nächsten Moment hatte ich schon auf den Link geklickt. Sein Profilfoto zeigte ihn am Strand lässig an ein Surfbrett gelehnt, die Haare nass und verwuschelt, bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel. Ziemlich ungewöhnlich für einen Anwalt, ein privates Foto bei Facebook, andererseits hatte er sonst nichts freigegeben. Außer seinem Profilfoto und ein paar allgemeinen Angaben konnte ich mir nichts ansehen, nicht mal seine Freundesliste.
Langsam fuhr ich mit dem Mauszeiger über den Button zum Versenden einer Freundschaftsanfrage.
»Nein, Clara, blamier dich nicht. Du machst dich nur lächerlich. Lass es einfach, sonst bildet er sich noch was darauf ein.« Ich gönnte mir noch einen Schluck Wein. Sicherheitshalber schob ich den Laptop ein Stück von mir weg, damit ich nicht erst in Versuchung kommen würde. Meine Neugierde war nicht gerade eine meiner besten Eigenschaften und hatte mich schon in die unmöglichsten Situationen gebracht. Das würde mir diesmal nicht passieren, ganz sicher nicht.
Während ich noch auf meinen Laptop starrte, machte sich mein Magen lautstark bemerkbar. Fee wurde von dem lauten Gegrummel wach und sah mich träge an.
»Okay, Zeit, etwas zu essen. Das ist auf jeden Fall besser, als sich gut aussehende, eingebildete Männer anzusehen.« Ich stand auf. Fee raffte sich ebenfalls auf, offensichtlich in der Hoffnung, dass in der Küche auch für sie noch etwas abfallen würde. Bevor sie mir jedoch folgte, beschnupperte sie neugierig Laptop und Maus und stampfte mitten im Kabelgewirr herum.
»Fee, nein! Weg da!« Wie üblich schien sie sich überhaupt nicht für mein Geschrei zu interessieren. Bevor ich reagieren konnte, war sie vom Sofa runtergehüpft und hatte die Maus mitsamt Kabel mit sich gezogen. Scheppernd knallte die Maus auf den dunklen Holzboden, wodurch Fee sich zu Tode erschreckte und wie vom Blitz getroffen durch die Wohnung raste. Natürlich, wie sollte es auch anders sein, war die Maus mit der Oberseite nach unten heruntergefallen, und ich hatte das Gefühl, ein leises »Klick« gehört zu haben. Eine dumpfe Vorahnung beschlich mich, und ich drehte den Laptop zu mir, nachdem ich die Maus aufgehoben hatte.

Ihre Freundschaftsanfrage wurde versendet.

Nein, nein, nein. Warum musste so etwas immer mir passieren? Hektisch klickte ich auf der Seite herum, was natürlich überhaupt nichts brachte.

Freundschaftsanfrage rückgängig machen.

Ja, genau das war es, was ich gesucht hatte. Klick.

Möchten Sie die Anfrage wirklich rückgängig machen?

Ja, natürlich, nichts mehr als das. Ein weiterer Klick und die Anfrage wurde zurückgenommen. Erleichtert ließ ich mich auf mein Sofa sinken. Das war ja gerade noch gut gegangen. Es sei denn … Mist, Mist, Mist. Wieso hatte ich nicht daran gedacht, dass van der Brugge die Anfrage trotzdem sehen würde? Und nun würde er auch noch sehen, dass ich meine Anfrage zurückgezogen hatte. Diese ganzen Informationen wurden ja immer per E-Mail verschickt. Ich hatte also alles nur noch schlimmer gemacht. Jetzt blieb eigentlich allein die Flucht nach vorn. Ich musste die Anfrage neu verschicken, und falls er mich jemals darauf ansprechen würde, würde ich alles auf irgendwelche Internetprobleme schieben. Nach dem Motto, ich hätte gedacht, die Anfrage wäre nicht verschickt worden, deswegen hatte ich es noch mal probiert. Eine gute Lösung. Ich klickte erneut auf den Button zum Versenden der Anfrage und meldete mich dann bei Facebook ab. Für heute hatte ich mich wirklich genug blamiert. Vielleicht würde ich ja auch Glück haben, und er würde mich nicht als Freundin bestätigen, dann würde er auch nicht die zahlreichen peinlichen Fotos zu sehen bekommen, auf denen meine Freunde mich markiert hatten. Die Hoffnung starb ja bekanntlich zuletzt. Und überhaupt, wieso machte ich mir eigentlich Gedanken? Dieser Typ war mir doch total egal. Wirklich. Ehrlich.

Um nicht noch mehr Katastrophen heraufzubeschwören, beschloss ich, hungrig und leicht angeduselt ins Bett zu gehen und alle Mittel der modernen Kommunikation auf stumm zu stellen. Morgen würde ich weitersehen.

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Hach das macht doch Lust auf mehr oder? Das Cover ist auch ein absoluter Blickfang und sehr passend. Ich bin schon sehr auf das Buch gespannt, ihr auch?