Donnerstag, 27. November 2014

[Lesedeal] Racheengel küsst man nicht von Rose Snow


Das sympatische Autorenduo Rose Snow hat es wieder getan und sie melden sich mit ihrem 2. Roman zurück. Natürlich denken sie gleich an ihre Leser und haben meinem Blog exklusiv für euch diesen kurzen Textausschnitt geschickt. Pünktlich vorm (1.12) Nikolaus erscheint ihr 2. Roman Racheengel küsst man nicht.





Eine Stunde später sind wir endlich auf der Autobahn Richtung Köln. Ich lehne meinen Kopf gegen die kalte Scheibe und sehe den reflektierenden Leitpfosten beim Vorbeirasen zu. Das hier fühlt sich nicht gut an. Ein unausgereifter Plan, ein unausgereifter Begleiter und unausgereifte Zusammenhänge. Wer steckt hinter alldem? Und wie soll ich verhindern, dass meine enttäuschten Klienten sich gegen mich wenden? Zufriedene Klienten machen alles für einen, aber unzufriedene Klienten freuen sich über jede Gelegenheit, es einem heimzuzahlen. Erschöpft sinke ich tiefer in den Autositz und schließe für einen Moment die Augen. Wie sehr sehne ich mich nach einer kurzen Auszeit, so wie damals, als der Stress und die Aufträge zu viel wurden. Ein paar Tage weg von dem katastrophalen Hier und Jetzt, in Ruhe irgendwo, vielleicht in den Bergen ...
Plötzlich ertönt eine Hupe. Ich schrecke auf. „Was ist ...?“, frage ich alarmiert.
„Du hast gesabbert“, antwortet Gérard nüchtern, während er mit ruhiger Hand den Wagen lenkt.
„Deswegen hast du gehupt?“, frage ich weiter und reibe mir die Augen.
„Es ist immer mehr geworden und ich musste befürchten, dass es zu mir rüberschwappt.“
„Du bist unmöglich.“
„Wir hätten ertrinken können.“
Ich gähne unterdrückt und richte meine Aufmerksamkeit auf die Straße. Laut Autobahnschild befinden wir uns 10 km vor Osnabrück, ich muss also fast zwei Stunden geschlafen haben. Zumindest ist Gérard nicht irgendwann falsch abgebogen. Wenn wir die Nacht weiter durchfahren, sollten wir im Morgengrauen bei der Botanikerin sein.
Gérard streckt die Hand aus und schaltet das Radio ein. Elvis Presley, In The Ghetto.
„Wie passend“, murmelt er und tippt mit den Fingern auf das Lenkrad. „Du schnarchst übrigens auch.“
Ich schüttle den Kopf, der Typ hat wirklich überhaupt keinen Anstand. „Ich schnarche nicht“, antworte ich.
„Woher willst du das wissen? Schließlich schläfst du doch immer allein.“
„Trotzdem schnarche ich nicht.“
„Wie ein Holzfäller“, grinst Gérard. „Also, wer mit dir campen geht, der muss sich keine Sorgen um Bären machen. Du verschreckst sie alle.“
„Du bist ein wahrer Gentleman“, stelle ich gelangweilt fest.
Gérard grinst breit. „Gut erkannt. Denn ich habe nicht alles erwähnt, was du in den letzten zwei Stunden gemacht hast. Ich musste ab und an das Fenster runterkurbeln und frische Luft hereinlassen.“
Wie gerne würde ich jetzt wieder einschlafen. Ich schließe die Augen und versuche Gérard aus meinem Kopf zu streichen. Wenn es nur gelingen würde.
„Wieso rächt man sich erst jetzt an dir? Du, die Rachehexe schlechthin, wirst doch mehrere Feinde haben“, sagt er und trommelt gegen das Lenkrad.
„Ist dir derart langweilig?“, antworte ich und gähne.
„Weil ich mich mit dir unterhalte?“
„Weil du so viel redest.“ Ich gähne erneut.
„Ich kann es auch sein lassen und beim Fahren einschlafen.“
Ich sehe ihn an. Er verzieht keine Miene. „Oder ich fahre“, biete ich an und lächle einigermaßen freundlich.
„Das Thema hatten wir bereits“, sagt er emotionslos und wechselt die Spur. Ich zucke mit den Schultern und merke, dass es etwas kühl geworden ist. Schläfrig drehe ich die Sitzheizung an.
„Dir ist kalt?“, fragt er.
„Nein. Ich drücke nur gerne Knöpfe“, entgegne ich und umschlinge meinen Körper.
Gérard wirft mir einen Seitenblick zu. „Diesmal anscheinend die falschen“, meint er. „Ist es wirklich das erste Mal?“
„Dass ich mit einem Idioten im Auto fahre?“
„Dass sich jemand an dir rächt? Der eine oder andere wird doch sicher schon mal auf die Idee gekomm-“
„Wir operieren im Dunklen“, unterbreche ich ihn.
Gérard lacht. „Hörst du dich eigentlich selbst reden? Wir operieren im Dunklen? Wie viele Agentenfilme hast du dir denn reingezogen?“ Er hustet. „Merkst du das überhaupt noch?“
„Merkst du überhaupt noch, was für ein Vollidiot du bist?“, werfe ich zurück. Gérard grinst. Ich deute das als ein Ja.


~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Welch klasse Textpassage, oder? Ich bin gespannt wie euch das 2. Buch gefallen wird, ich habe es vor ein paar Wochen schon lesen dürfen und nächste Woche bekommt ihr meine Meinung zu diesem Buch dann.


Kommentare:

  1. Hallo und guten Tag,

    ja das war doch die Autorin mit der irren Geschichte um eine neue Wohnung und der durchaus ziemlich merkwürdigen Hausgemeinschaft.

    Da habe ich Tränen gelacht...

    LG..Karin..

    AntwortenLöschen
  2. Huhu :) Ich finde die Passage auch superklasse. Ich stöber gleich mal etwas auf deinem Blog weiter :)

    Liebe Grüße, Krissy
    http://tausendbuecher.blogspot.de/

    AntwortenLöschen