Mittwoch, 12. November 2014

[Lesedeal] Engelsschmerz von Anna Martens




Ich konnte einen weiteren Lesedeal für euch an Land ziehen und zwar ging die sympatische Autorin Anna Martens mit meinem Blog den Deal zu ihrem neuen Buch ein. Engelsschmerz erscheint diesen Freitag am 14.11




Prolog

Eisige Kälte ging von den verdreckten Fliesen des Küchenbodens aus. Getrocknetes Blut hatte bizarre Figuren darauf gemalt. Die Eisenfesseln hingen schwer an ihren wunden Handgelenken. Seit Stunden schon saß sie in dieser Haltung. Jeder Muskel schmerzte. Sie wartete. Fixierte mit ihrem Blick das Fenster. Minute für Minute. Dann sah sie die Farben des Sonnenuntergangs, der sich nun blutrot über Himmel und Berge ergoss. Wieder ein Tag vorbei.
Tränen flossen über ihre Wangen. Sie war sich sicher: Draußen funktionierte die Welt so, als wäre nichts geschehen. Die schöne Landschaft, die sie auf ihrer Fahrt hierher betrachtet hatte, schien sie noch zusätzlich zu verhöhnen.
Hier, wo sie war, war nichts schön. Nichts einzigartig. Hier regierten Dreck, Verzweiflung und Hunger. Und dieser penetrante Geruch nach Kot und Verwesung, der in jede Pore einzudringen schien.
Sie zog ihre Beine so nah an sich heran, wie sie konnte, um sich vor der Kälte zu schützen.
Sie war schrecklich müde.
Aber wie jeden Abend begannen ihre Gedanken sich wieder und wieder um diesen einen Punkt zu drehen: Sie allein trug die Schuld an ihrer Lage. Hätte sie doch nur besser nachgedacht!
Wie hatte sie nur so bescheuert sein können? So naiv!
Wütend trat sie mit dem Fuß gegen den Schrank. Sich selbst wehzutun war der einzige Weg, mit der Misere umzugehen – zu spüren, dass sie noch lebte.
Immer hatte sie sich für ausgesprochen clever gehalten. Aber dieses Mal war sie das wohl nicht gewesen. Sie hatte einen verhängnisvollen Fehler gemacht.
Sie horchte in die Stille des Hauses hinein. Sie betete. Aber da war nichts. Kein Geräusch. Schon lange nicht mehr. Sie klopfte wie schon tausend Mal zuvor mit dem Topfdeckel gegen die Wand.
Keine Antwort.
Sie konnte nichts tun, was ihre Lage veränderte. Die Essensvorräte waren längst verbraucht – der Hunger mittlerweile ein ständiger Begleiter ihrer ereignislosen Tage. Hektisch riss sie jeden Schrank auf, den sie erreichen konnte. Obwohl sie wusste, dass sie nichts finden würde. Es war wie ein Zwang. Um wenigstens irgendetwas zu tun.
Um nicht verrückt zu werden.
Noch einmal blickte sie aus dem Fenster, in dem sich die Dunkelheit langsam wie ein Vorhang ausbreitete. Sie zog an der Fußkette und brachte sich in eine einigermaßen bequeme Position.
Vielleicht würde sie der Schlaf nun endlich von den stets gleichen Gedanken erlösen. 
Für immer.

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Aaaah klingt das nicht fürs erste unglaublich spannend und macht Lust auf mehr? Dann lasst uns zusammen dem 14.11 entgegen hibbeln. Und auch das Cover ist sehr passend, oder was meint ihr dazu?


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