Mittwoch, 1. Oktober 2014

[Lesedeal] Bluterben-Nachtahn II von Sandra Florean




Heute gibt es einen Lesedeal mit Biss für euch. Vampirautorin Sandra Florean lässt euch exklusiv in den 2. Band reinschnuppern. Ich selber werde jetzt mal nicht rein lesen, da ich Band 1 noch nicht gelesen habe. Daher könnte der Texte Spoiler enthalten. Für ALLE interessant die Band 1 schon kennen.
Das eBook erscheint am 4.Oktober und wird kurze Zeit später auch als TB erhältlich erhältlich sein.

Auch hier ist das Cover wieder sehr passend. Aber der Bookshouse Verlag zaubert eh immer wunderbare Cover, dass sollte mal an dieser Stelle erwähnt werden.





1

»Moment!« Ich packte Louisa bei den Schultern. »Sag das noch mal.« 
   Sie sah unglücklich und grimmig zu- 
   gleich zu mir auf. »Es kann nicht von dir sein. Es muss …« 
   »Nein, nein. Das andere!« 
   »Ich bin schwanger. Von Eric.« Sie spie mir die Worte entgegen, als wolle sie »So, das hast du nun davon!« sagen. 
   Das war mehr als ein Schlag ins Gesicht. Hatte ich nicht geahnt, dass wir diesen Mistkerl nicht loswürden? Aber so deutlich hätte sie es nicht sagen müssen. 
   Ich wollte nur von meiner Freundin hören, dass sie ein Kind erwartete. Für einen Moment glauben, es wäre von mir. Nur einen winzig kleinen Augenblick vergessen, dass ich ein Vampir war. Ein totes Geschöpf, das kein Leben zeugen konnte. 
   »Sag doch was.« Sie sah mich hilflos an. 
   Ich seufzte und streichelte ihr über die Arme, aber ich wusste nicht, was ich antworten sollte. Wir hatten natürlich nie über Kinder gesprochen. Ich hatte mich längst damit abgefunden, niemals leibliche Kinder zu haben. Wenn ich dieses Daseins überdrüssig würde, was, Gott verhüte, in absehbarer Zeit nicht geschah, würde ich mir einen würdigen Nachfolger suchen und ihm alles beibringen, was ich wusste. So, wie mein Schöpfer es mit mir gemacht hatte. »Ich weiß nicht, was ich sagen soll.« 
   »Ich kann das Kind nicht bekommen.« 
   Ich sah, dass sie noch keine Entscheidung getroffen hatte. Es war ihre Art, mir zu sagen, dass sie darüber reden wollte. »Und warum nicht?« 
   »Das wäre … nicht richtig.« 
   Ich schüttelte innerlich den Kopf. Nicht richtig? Was meinte sie nun wieder? Sie war mit einem Vampir zusammen, von dem sie keine Kinder bekommen würde. Das war nicht richtig. »Hättest du gern Kinder?« 
   »Weiß ich nicht.« Tränen stiegen ihr in die Augen. 
   Sie sollte keine für sich falsche Entscheidung treffen. Wenn sie einen Kinderwunsch hegte, und wäre er noch so verborgen, wäre das hier wahrscheinlich ihre einzige Chance. Sie würde kaum wieder mehr oder weniger unfreiwillig mit einem zeugungsfähigeren Kandidaten als mir schlafen. Und dass sie mich jemals verließ, war eine Möglichkeit, die ich nicht in Betracht zog. »Louisa, du weißt, dass du von mir niemals Kinder bekommen wirst.« 
   »Du verlangst doch nicht von mir, dass ich das Kind bekomme? Das Kind eines anderen!« 
   »Ich verlange nichts von dir, mein Engel. Ich will nur, dass du dir deine Entscheidung gut überlegst. Du weißt, dass ich alles für dich tun würde, aber das ist etwas, was ich dir nicht geben kann. Wenn du es nicht haben möchtest, verstehe ich dich und bin für dich da.« 
   »Und wenn ich es will?« 
   Sie sah unglücklich aus, dabei musste sie das nicht sein. Sie hatte schon so viel überstanden, da würde sie das hier auch nicht aus der Bahn werfen. Und wenn doch, war ich da, um sie wieder zurechtzuschubsen. »Auch dann bin ich für dich da.« Ich versuchte, mir nicht anmerken zu lassen, dass mir die Vorstellung, wir würden ein Kind zusammen haben, gefiel. Dass es nicht von mir war, ach, da wollen wir mal nicht so kleinlich sein. Es hätte schlimmer kommen können als mit diesem Blödmann Eric. Zumindest sah er einigermaßen ansprechend aus. Für einen Sterblichen. 
   Louisa seufzte und legte ihre Stirn an meine Brust. »Warum kann es nicht einfach von dir sein?« 
   »Würdest du es in dem Fall bekommen wollen?« 
   »Natürlich!« 
   Ich schwieg einen Moment. Vielleicht sollte ich ihr einen kleinen Schubs in die richtige Richtung geben? Ach, was soll’s. »Außer uns weiß es doch keiner.« 
   Sie schreckte hoch. »Da Eric weiß, was du bist, wird er sich das wohl ausrechnen können.« 
   »Ich dachte, der hat die Stadt verlassen. Außerdem glaube ich nicht, dass er sich einmischen würde.« Wenn doch, konnte ich ihn immer noch um die Ecke bringen. 
   Da war er wieder, dieser forschende Blick, mit dem Louisa mich ansah, als würde sie jede Antwort in meinem Gesicht finden. Ich wischte ihr sanft ein paar Tränen fort. 
   »Du würdest ein Kind akzeptieren, das nicht von dir ist?« 
   Ich umfasste ihr hübsches Puppengesicht und drückte ihr einen Kuss auf die Stirn. »Natürlich. Es ist ein Teil von dir. Ich würde es lieben, als wäre es mein Eigenes.« 
   Sie lächelte schwach und rieb sich die Schläfe, als würde ihr die Entscheidung Kopfschmerzen bereiten. 
   »Du musst das ja nicht sofort entscheiden. Schlaf eine Nacht drüber.« 
   Sie schüttelte den Kopf. »Nein. Ich hab’s satt, schlaflos im Bett zu liegen und über mein Leben nachzudenken. Ich will das nicht allein entscheiden. Das müssen wir zusammen tun.« 
   Wir zusammen. Ach, wie gut das klang! Im Grunde war ihre Entscheidung gefallen, das sah ich ihr an. Sie brauchte nur die Sicherheit, dass ich hinter ihr stand. »Willst du eine Abstimmung? Aber meine Stimme zählt doppelt, weil ich älter bin.« 
   »Dann will ich zwei Stimmen, weil ich es zur Welt bringen muss«, erwiderte sie und lachte, wurde jedoch sofort wieder ernst. »Denkst du, das Kind zu bekommen, ist eine gute Idee?« 
   Eine gute Idee? Nein, mit Sicherheit nicht. Aber, hey, was war im Leben schon eine gute Idee? Dass ich mich zum Vampir hatte machen lassen, war das eine gute Idee? Auf den ersten Blick nicht, trotzdem war es die beste Entscheidung, die ich hatte treffen können. War es eine gute Idee gewesen, dass ich unbedingt Louisas Herz für mich gewinnen wollte? Nein, es hatte ihr viel Schmerz eingebracht und mir auch. Dennoch war es jede Pein wert gewesen. Die meisten hervorragenden Dinge erwuchsen aus vermeintlich nicht besonders guten Ideen. »Auf jeden Fall«, antwortete ich und zauberte damit ein Lächeln auf ihr Gesicht. »Bekommen wir ein Kind?« 
   »Ja, wir bekommen ein Kind!« 
   Ich hob sie hoch und wirbelte sie im Kreis herum, und sie klammerte sich lachend an mich. »Ich werde Vater!« Eine unbändige Freude packte mich. Dass es nicht von mir war, störte mich nicht. Ich war nicht der Typ, der immer nach dem Haar in der Suppe suchte. Außerdem war Louisa meine Freundin, sie gehörte zu mir, und das Kind in ihrem Bauch auch. Mein kleiner Porzellanengel war schwanger! Unfassbar. Ich würde allerdings noch besser auf sie aufpassen müssen. Behutsam stellte ich sie wieder auf die Füße. »Ich hoffe, ich hab dich nicht zu fest gedrückt?« 
   »Du wirst mich jetzt aber nicht in Watte packen wollen, oder?« Sie grinste mich an. »Ich hab ein erstes Bild bekommen. Willst du es sehen?« 
   Ich nickte und sah mir das Schwarz-Weiß-Bild an, das sie aus ihrer Tasche kramte, und fragte mich, von was das wohl eine Abbildung war. 
   »Das ist ein Ultraschallbild. Das Weiße da in dem schwarzen Rund, das ist es.« 
   Ich nickte vielsagend. Es sah überhaupt nicht aus wie ein Mensch. Ich musste lachen und küsste sie. Ach, das Leben hielt viele tolle Überraschungen bereit! Louisa sah mich erleichtert, aber auch ein wenig skeptisch an und zum wiederholten Male wünschte ich mir, ihre Gedanken lesen zu können. Ich musste unbedingt einen Vampir oder Menschen finden, der das konnte, und sein Blut trinken.

*

Als der Arzt meine Befürchtungen bestätigte und mir den Beweis auf dem Ultraschallmonitor zeigte, war ich wie betäubt. Warum konnte sich das Schicksal nicht zwischendurch anderen zuwenden, um dort alles durcheinanderzubringen? So viel hatte ich bereits durchgestanden, ein bisschen Ruhe wäre schön gewesen. Ich konnte nicht sagen, warum ich das Kind dennoch bekommen wollte. Vielleicht war Dorians Reaktion ausschlaggebend. Ich hatte befürchtet, er würde vor Wut toben, weil er Eric verabscheute. 
   Aber für Dorian war immer alles leicht. Nichts schien ihn aus der Bahn zu werfen oder ihm auch nur Kopfschmerzen zu bereiten. Gewann man nach einigen Jahrhunderten auf dieser Erde an Leichtigkeit? Er nahm diese Neuigkeit, diese absurde Wendung des Schicksals freudestrahlend als neue Herausforderung an. Ich ahnte bereits, dass er sich dem genauso hingebungsvoll widmen würde wie allen anderen Dingen, bei denen ich ihn bisher beobachten konnte. 
   Eric war tatsächlich verschwunden und hatte sich nicht wieder gemeldet. Annie, die ich regelmäßig traf, erwähnte ihn gelegentlich, wenn er sich bei Josh von einer seiner Reisen gemeldet hatte. Sie bemerkte, dass es mich nicht interessierte, und ließ es sein. Auch wenn Eric mir leidtat, weil er mit niemandem teilen konnte, was er erlebt hatte, hoffte ich, dass wir ihn niemals wiedersehen würden. Mit wachsendem Unbehagen dachte ich daran, was passieren würde, wenn er erfuhr, dass ich schwanger war. Natürlich wüsste er sofort, dass es von ihm sein musste. Ich hatte keine Ahnung, wie er reagieren würde, und mochte auch nicht darüber nachdenken, dass er versuchen könnte, uns das Kind wegzunehmen. Und was Dorian wohl mit ihm anstellte.

*

Wenn Louisa zur Arbeit war, arbeitete ich die vielen Akten über meine diversen Firmen durch, um wieder auf dem neuesten Stand zu sein. Eine mühselige Arbeit, die mir schnell zum Hals heraus hing. Ich musste nach einem neuen Butler Ausschau halten. Mir war klar, dass das nicht leicht werden würde. James war nicht nur mein Butler gewesen, er war mein Zimmermädchen, mein Sekretär, mein Buchhalter und mein Freund. Und ein Genie. Er hatte ein fotografisches Gedächtnis und ein Gespür fürs Geschäft gehabt. Mir sagten die meisten Absender meiner Briefe nichts. 
   Das alles waren sensible Informationen und mussten mit Bedacht geteilt werden. Leider weigerte sich Louisa, diese Arbeiten zu übernehmen. Ich fand, es war eine brillante Idee, dass sie für mich arbeitete. Ich hätte jemanden, der das machte, was mir nicht lag, und ich hätte Louisa die ganze Zeit bei mir. Selbstverständlich würde sie ihre bisherige Anstellung kündigen müssen. Bei mir hätte sie einen sicheren Job, denn mein Imperium würde nicht so schnell pleitegehen, und, sobald sie bei mir eingezogen war, einen kurzen Weg zur Arbeit. 
   Wie so oft sah Louisa die Dinge weniger praktisch. Sie schlug mir stattdessen ihre Freundin Annie vor, die über die gleiche kaufmännische Ausbildung verfügte. Ich versprach halbherzig, darüber nachzudenken, und verlegte meine Bemühungen ins Schlafzimmer, um sie in einem dieser ekstatischen Momente zumindest davon zu überzeugen, endlich bei mir einzuziehen. Sie blieb standhaft und wehrte jedes Mal lächelnd ab.

Eines Abends, wir waren schwimmen, verließ Louisa als Erste das Becken. Ich betrachtete sie verzückt, beobachtete die kleinen Rinnsale, die ihren noch immer schlanken Körper hinunterliefen. Sie trocknete sich die langen Haare ab und wickelte sie in ein Handtuch. Wenn sie die Haare hochgesteckt trug, sah sie wirklich aus wie ein Engel. Aber vielleicht ließ die Schwangerschaft sie auch strahlen. 
   »Du hast mich heute noch nicht gefragt, ob ich zu dir ziehen will.« Ihr Lächeln hätte den Nordpol zum Kochen bringen können. 
   »Louisa, ziehst du endlich bei mir ein?« Ich warf mich nach hinten ins Wasser, bis meine Ohren untergetaucht waren. Dann konnte ich sie nicht mehr hören, denn ich kannte die Antwort bereits. Irgendetwas fiel neben mir ins Wasser. Ich schreckte hoch. 
   Louisa stand am Beckenrand und hatte einen der gepolsterten Kleiderbügel nach mir geworfen. »Du hörst mich ja gar nicht.« Sie stemmte die schlanken Arme in die Hüften. 
   Ich versank in den Fluten meines Schwimmbads und tauchte zum Rand. Mit einem einzigen kraftvollen Satz sprang ich aus dem Wasser und landete tropfend vor ihr. »Um wieder dein Nein zu hören?« Ich gab ihr einen Kuss auf die Nasenspitze, ging zu meiner Liege und rubbelte mir die nassen Haare ab. 
   »Und wenn es dieses Mal ein Ja war?« 
   Ach, jetzt verhöhnte sie mich auch noch. Das geschah mir recht. Was war aus mir geworden? Aus Dorian, dem ältesten und gefürchtetsten Vampir des Kontinents? Ach, was rede ich: der ganzen Welt. Ein liebeskranker Konservenbluttrinker! »War es eins?« Ich warf ihr über die Schulter hinweg einen Blick zu. Sie strahlte mich an und war so unglaublich schön dabei! Hatte ich tatsächlich die letzte Hürde gemeistert? Mit großen Schritten ging ich zu ihr und hob sie hoch. »Du ziehst bei mir ein?« 
   Sie nickte lächelnd auf mich herab. 
   »Du weißt, dass ich ein Vampir bin? Willst du wirklich mit einem Vampir zusammenleben? Dir ist schon klar, dass ich dich nie wieder gehen lassen werde? Du weißt zu viel und bist eine Gefahr für die nationale Sicherheit.« 
   Louisa schüttelte den Kopf und lachte. »Ach, Dorian, du guckst zu viele Filme.« 
   Ich strahlte sie an. »Das ist das größte Geschenk, das du mir machen kannst. Also mal von dem kleinen Leben abgesehen, das in dir heranwächst. Vielleicht lässt du mich auch irgendwann …?« 
   Sie legte mir einen Finger auf den Mund und schüttelte den Kopf. »Du weißt, ich will das nicht. Jetzt erst recht nicht. Ich ziehe auch ohne Gegenleistung bei dir ein.« 
   Ich hatte nicht ernsthaft vor, sie zu einem Vampir zu machen. Bisher hatte ich den Gedanken immer weit weggeschoben und das tat ich auch jetzt und küsste sie. Mein Glück war perfekt. Hoffte ich zumindest, aber wir wissen ja alle, wie das mit dem Hoffen läuft. 
   Man rechnete unbewusst mit dem Gegenteil.

*

Jayden stand in der historischen Einkaufspassage an eine Marmorsäule gelehnt und betrachtete das rege Treiben um sich herum. Er trug einen schwarzen Anzug nach neuester Mode und teure Lederschuhe. Die strohblonden Haare hatte er sorgfältig zurückgekämmt. Sein Blick schien gelangweilt umherzuschweifen. Er stieß sich von der Wand ab und glitt mit geschmeidigen Bewegungen in den Strom der Kaufwilligen hinein. Hier und da drehten sich ein paar Köpfe nach ihm um. Sein Blick war plötzlich auf etwas vor ihm gerichtet. Er hatte sein Opfer für diesen Abend gefunden und folgte ihm hinaus auf den Domplatz und auf die geöffneten Türen der prächtigen Kirche zu. 
   Die Sonne war bereits untergegangen, dennoch war es angenehm mild. Er liebte das warme Wetter im Süden, die temperamentvollen Frauen und deren Blut. Sein Opfer beobachtete er seit Wochen. Er wusste, wo sie wohnte, was sie arbeitete, wer ihre Freunde waren. Ob sie Kinder oder Haustiere hatte, Kaffee oder Tee trank und dass sie ihren Mann vor einigen Wochen verloren hatte. 
   Woher er das wusste? 
   Er hatte ihn getötet. 
   Behände wich er einem Touristen aus, der rückwärtsgehend den richtigen Winkel zum Fotografieren des berühmten Bauwerks zu finden hoffte. Lautlos folgte er seinem Opfer, einer dunkelhaarigen Schönheit mit teuren Schnürpumps und noch teurerem Businesszweiteiler, in die Kirche. Sie bekreuzigte sich vor dem Altar, nahm an der Seite eine Kerze und zündete sie an. Sie setzte sich auf die vorderste Bank und murmelte vor sich hin. Jayden sank auf eine Bank hinter ihr. Nach wenigen Minuten stand sie auf, bekreuzigte sich erneut und schritt an ihm vorbei. Diese Szene hatte er etliche Male miterlebt. Heute sah er ihr in die Augen. Sie entdeckte ihn und senkte verlegen den Blick. 
   Sie hatte große braune Augen mit dichten, langen Wimpern und einer so tiefen Traurigkeit, dass ihn eine freudige Erregung befiel. Von anderen Passanten ungesehen, folgte er ihr und sprach sie nach einigen Hundert Metern an. Er schmeichelte ihr und lullte sie geschickt ein. Es war ein kurzer Wortwechsel über wenige Meter auf dem Weg zu ihrer Wohnung. Als sich Jayden verabschieden wollte, hielt sie ihn zurück und lud ihn zu sich ein. Dass er damit gerechnet hatte, ahnte sie nicht. 
   Als er sich kurze Zeit später in ihrem Bett über sie beugte, ahnte sie ebenfalls nicht, dass er nicht nur vorhatte, mit ihr zu schlafen. »Willst du wissen, wer deinen Mann umgebracht hat?« Er richtete sich auf und entblößte seine spitzen Eckzähne in einem Lächeln. »Das war ich.« Er legte ihr einen Finger auf die Lippen und bedeutete ihr mit einem intensiven Blick, den Mund zu halten. 
   Die Frau riss die Augen auf. Unfähig zu schreien, war sie gezwungen, ihn anzusehen und seinen Worten zu lauschen. Er erzählte ihr in allen Einzelheiten, wie er ihren geliebten Mann getötet hatte. Dabei nahm er sie so sanft und liebevoll, dass sich ihm ihr Körper ohne ihr Zutun entgegendrängte und sie vor Wonne aufstöhnen ließ. 
   Jayden ergötzte sich an ihrem Grauen und ließ sich ihr Blut schmecken. Das Blut eines zu Tode erschreckten Sterblichen schmeckte süßer, vor allem, wenn man es langsam genoss. 
   Gesättigt sank er neben ihr in die Kissen. Sie lebte noch. Aus Gewohnheit hatte er etwas übrig gelassen. Für Jil. Die nicht mehr bei ihm war. Er hatte nichts mehr von ihr gehört und war zu stolz, um nach ihr zu suchen. Immerhin hatte sie ihn im Stich gelassen. Jayden hatte Trudy von Anfang an nicht leiden können. Zum wiederholten Male überlegte er, ob er Mary anrufen und sich nach seiner Schwester erkundigen sollte. Er bezweifelte nicht, dass Mary den beiden wie abgemacht geholfen hatte, an den Alten heranzukommen. Irgendetwas an der Art, wie sie seinen Namen wiederholt und wie sich ihre Stimme dabei verändert hatte, hatte ihn aufhorchen lassen. Mary kannte diesen Dorian, Jayden wusste nur nicht, woher, und wie sie zu ihm stand. Es war ihm auch egal. Er hatte zu lange unter Marys Einfluss gestanden. Das wollte er nicht noch einmal riskieren. 
   Er war nach Norditalien gereist, wo er in seiner Kindheit viele glückliche Stunden verbracht hatte. Wochenlang hatte er sein Opfer beschattet. Um sich abzulenken, aber auch, weil er es liebte, sich immer wieder zu zügeln. Ihren Ehemann zu töten, war ein Versehen gewesen und sonst nicht seine Art. Er sorgte sich um seine Schwester, auch wenn er sich das ungern eingestand. 
   Jayden wälzte sich in dem bequemen Bett herum. Nach all den Wochen der Vorfreude war die Show viel zu schnell vorbei gewesen. Sein Opfer war hübsch. Anders als seine blonde Schwester, aber mit einem wohlproportionierten Gesicht und langen, schmalen Armen und Beinen. Sie erinnerte ihn an ein Mädchen aus seiner Vergangenheit. Vielleicht hatte er sie deshalb ausgewählt. 
   Er beschloss, wenn er bis Ende des Jahres nichts von Jil hörte, nach ihr zu suchen. Sie würde nicht merken, dass er da war. Auch wenn Mary ein Scheusal war, die Fähigkeit, sich vor anderen Vampiren zu verbergen, hatte er von ihr bekommen. Bedauerlich, dass Jil es nicht geerbt hatte.

1 Kommentar:

  1. O.K. man was hat der Mann für einen Oberkörper!!

    Und da geht es trotzdem um Vampire und mit unter böse Taten. Hm, bei dem Cover hätte ich da auf ganz andere Sachen getippt.

    Aber hier lohnt das ganze lesen Deines Auszuges..augenzwickern.

    LG..Karin..

    AntwortenLöschen