Donnerstag, 4. September 2014

[Lesedeal] Three H(e)ar(t)d Beat (Heart Hard Beat) von Janessa Bears



Fans dieser Trilogie dürfen sich jetzt auf ein exklusives Häppchen freuen. Die liebe Janessa Bears konnte ich für einen Lesedeal überreden. Wer jetzt schon in Band 3 reinschnuppern möchte, darf dies gerne tun. Das eBook wird am 9.9 erhältlich sein:



Perspektivwechsel

Tag aus, Tag ein sehe ich denselben genrelosen Film und der einzige Unterschied dabei ist das Wetter. Mal werden die Szenen von der Sonne begleitet, mal von einem getrübten Himmel, aber so richtig melancholisch sind die Bilder erst bei Regen, und nur wenn der Himmel mir in dieser Form Gesellschaft leistet, gelingt es mir mitzuweinen.
Im Gegensatz zu den dadurch staubfreien Straßen bleibt mein Schmerz trotz des Regelfalls beständig. Nichts vermag so viel Kraft zu haben, um ihn wegzuspülen. Ebenso gelingt es weder mir noch meinem Gewissen, die Gefühle erneut in die Schranken zu weisen. Die Eisenstreben einer vermeintlichen Gefühlskälte sind ihnen einfach zuwider.
Nie wieder!, protestiert eine leise Stimme in meinem Kopf. Selbstauferlegte Grenzen sind doof, starke Frauen ein Fake und ein gebrochenes Herz unheilbar.
Und was soll ich sagen?
Ob ich will oder nicht, muss ich dieser Stimme recht geben!
Als Luke in meiner Nähe war und trotz seines Fehltritts treu ergeben jede Inszenierung meines »Friede-Freude-Eierkuchen-Theaterstücks« besuchte, hatte ich zumindest einen Grund, um Stärke vorzugaukeln.
Nun aber ...
Ja, was nun?, frage ich mich selbst.
Es gibt fortan niemanden mehr in den Zuschauerreihen, der nicht ganz genau weiß, dass ich bluffe.
Habe ich behauptet, dass mich alles, was geschehen ist und der Ausgang unserer Beziehung kalt lässt, handelte es sich immer wieder um Selbstbetrug. Wenn ich auch noch drauf beharrt habe, dass ich Luke nicht liebe, war das dann das i-Tüpfelchen auf dem Sahnehäubchen meines Lügencocktails.
Zugegeben, ich verabscheue mich selbst dafür, diese linke Nummer konsequent durchgezogen zu haben, jedoch ist selbst dieses Gefühl irrational.
Aberwitzig, weil es mir zum einen anstelle der Hilfe und Erleichterung lediglich die nächsten Grübeleien einbringt und das Glück noch weiter von mir forttreibt.
Luke, die vergangenen Monate, unsere unzähligen Gespräche, die wir entweder im Chat oder in der Wirklichkeit geführt haben, unsere Lieder, die dazu zusammen komponierten Melodien, letzten Endes unser gemeinsames Erfolgserlebnis stellen diesen einen Morgen – zumindest den schlimmeren Teil davon – in den Schatten.
Früher hielt ich es für ein Ammenmärchen, als ich hörte, dass man sehr leicht verzeihen kann, sobald die Liebe im Spiel ist, jetzt muss ich aber einsehen, dass das eine Tatsache ist. Trotz der vermeintlich kalten Schulter, die ich Luke andauernd gezeigt habe, blieb es in meiner Brust beständig warm, weil ich fortwährend an dem Glauben festgehalten habe, dass es ein Happy End geben wird.
Ob es daran liegt, dass ich in einer auf Happy-End-fixierten Gesellschaft groß geworden bin?
Oder einfach nur daran, dass mein Freund der beste Mann auf Erden war?
Irgendwas in mir schreit danach, endlich einzusehen, dass es bereits egal ist, weil es den Typen, dem ich derzeit am liebsten eine Ohrfeige verpassen und dann sofort die brennende Stelle mit Küssen übersäen würde, nicht mehr gibt.
Seinen Blick, der mir unter die Haut geht, seine Stimme, die mir immer einen wohligen Schauer über den Rücken jagt, das Funkeln dieser unbeschreiblich schönen grünen Augen und die lässige Art, mit der er sich eine andauernd rebellierende dunkle Haarsträhne aus der Stirn gestrichen hat, werde ich niemals wieder sehen.
Fernerhin werde ich weder die Sanftheit seiner Lippen noch die Zärtlichkeit seiner Finger zur Befriedigung meiner Sinneswünsche beanspruchen können und eben das ist es, was mich fertigmacht!
Voller Unglauben und dem dringenden Bedürfnis lauthals »Stop!« zu schreien, sehe ich zu wie meine Erinnerungen langsam verblassen, weil es nicht ein Foto gibt, welches mein Bewusstsein mit Details versorgen könnte, und jedes Mal, wenn mir der Verlust einer weiteren – auch im Grunde unwichtigen – Kleinigkeit auffällt, stelle ich mir die Frage, wer auf den Blödsinn gekommen ist, dass ein Mensch Bildnisse in seinem Herzen bewahrt. Luke gehört mein Herz bis zur letzten Faser, trotzdem habe ich Angst, ihn irgendwann zu vergessen ...
Zittrig fahren meine Finger entlang der Fensterscheibe, ohne sie allerdings zu berühren und der Blick nach draußen verrät mir, dass heute kein Tag ist, an dem ich weinen werde. Nicht ein Wölkchen hat es heute gewagt, den Himmel über Frankfurt zu trüben, wohingegen eine Menge Sonnenstrahlen jeden Winkel der langsam zum Leben erwachenden Stadt überfluten.
Ein mir bereits bestens bekanntes Summen – zusammenhanglose Fragen und merkwürdige Zusicherungen – durchbricht meine Gedanken. Das bringt mich dazu, tief Luft zu holen und ein paar weitere Fragen darum zu bitten, sich hinter die meterlange Fragenschlange an der Verstandskasse einzureihen.
Da stehen sie nun, die Fragen wie »Warum meint neuerdings jeder, auf mich einreden zu müssen?« und »Sehe ich tatsächlich so aus, als ob ich nicht genug eigene Scheiße im Kopf hätte?« und treten vor lauter Ungeduld von einem Fuß auf den anderen.
Tja! Sollte ich ihnen vielleicht mitteilen, dass es sich nur noch um Jahre handeln kann?
Fairer wäre es zumindest ...
Okay! Durchsage: Willkommen im Einkaufszentrum für schnelle Antworten, das Geschäft mit den wohl langsamsten Mitarbeitern auf Erden!
Wie lange ich noch dagesessen und in Gedanken über meine mangelnde Auseinandersetzungsfähigkeit hergezogen hätte, weiß Gott allein, jedoch höre ich einen Satz heraus, den ich in den letzten Wochen viel zu oft zu hören bekam.
»Ich an deiner Stelle würde ...«
Hierbei erklingt das schrille Pfeifen meiner quietschenden Logikreifen, weil irgendwas in meiner Mitte die Handbremse anzieht. Es kommt zu einem üblen »Overdrive« – die neuen Fragen passen einfach nicht mehr rein – und der Schweigeknoten platzt.
»Niemand ist an meiner Stelle«, wispere ich heiser, ohne meinen Blick von der karamellbraunen, schwappenden Menge in meiner Tasse zu reißen. »Bildet sich jemand von euch tatsächlich ein, meine innere Hohlheit nachempfinden zu können? Den Schmerz? Die Angst? Oder handelt es sich hierbei um eine standardisierte Floskel, die man bei jeder Gelegenheit verwenden kann?«
Das monotone Summen, für welches diesmal Sergiu verantwortlich war, verstummt.
»Habe ich gerade geträumt, oder ...«
»Nein, hast du nicht!«, unterbreche ich ihn. »Ich sagte, dass ... niemand von euch wissen kann, wie er an meiner Stelle gehandelt hätte, weil – wenn man es ganz genau nimmt – niemand von euch weiß, was ich fühle oder denke.«
Nur zaghaft führt er seine Hand in Richtung meiner und streift diese einem Windhauch gleich. »Natürlich nicht, Kleines! Aber es gibt einige, die diesen Umstand wirklich gern ändern würden.«
Von seinem Sanftmut zumindest im Ansatz begütigt, fühle ich mich geneigt, einzulenken, bemerke jedoch nur einen Augenblick später, dass ich mittlerweile vergessen habe, wie man eine halbwegs normale Konversation führt.
Welch Glück, dass mein Gesprächspartner offenbar mit demselben Problem zu kämpfen hat. Anstelle einer krampfhaften Suche nach einem halbwegs passablen Gesprächsthema schweigen wir uns deshalb einfach nur an.
Sobald ich einen weiteren Schluck aus meiner Tasse nehme, schaut Sergiu zu mir auf und bedenkt die letzte Handlung mit einem resignierten Kopfschütteln.
»Wenn du weiterhin eine Tasse Kaffee nach der anderen in dich hineinkippst, muss ich entweder die Arbeitstüchtigkeit des Wasserkochers sabotieren oder aber ...«
»Ist doch nur Sana!«, falle ich ihm ins Wort. »Mit gaaaaanz viel Milch!«
»Nur weil ich den Namen des Giftes kenne, muss ich seine Einnahme noch lange nicht befürworten.«
Um seinen Worten Ausdruck zu verleihen, nimmt er mir doch tatsächlich den Kaffee weg.
»Es ist entkoffeiniert, ergo kein Gift, sondern Seelenbalsam.«
»Trotzdem ... Iren hat gesagt, dass sie mir die Ohren jeweils um so viele Meter langzieht, wie viele Kilos von dir runterpurzeln und wer, wenn nicht du weiß, dass sie ihre Drohung zwangsläufig wahrmacht? Du bist doch mit ihrer Neigung zur Übertreibung großgeworden!«
Obwohl es mich durchaus amüsiert, bleibe ich ernst. »Tja, dann wirst du die Tür beim nächsten Besuch wohl oder übel geschlossen halten müssen!«
Auch Sergiu legt sein Lächeln schneller ab, als er es vorher aufgesetzt hat. »Wenn du ihnen endlich sagst, was Sache ist, dann gern. Bis dahin ...«
»... wirst du ihnen weiterhin breitwillig die Tür öffnen und mich durch ihr Mitleid berauschen lassen?«
Mein Missmut hätte nicht offensichtlicher sein können, ist allerdings mehr als begründet und deswegen unvermeidlich. Seit einer Woche lässt er jeden Besucher in unsere Wohnung und somit auch gleich in meine kleine Welt eintreten. Und was noch schlimmer ist: Jeden Tag dieser Woche war auch wirklich jemand da.
Es erinnert mich zwangsläufig an Besuche im Krankenhaus ...
Kleines Zimmer, wenig Luft, noch weniger Licht, dafür aber eine große Anzahl von Menschen, die allesamt keine Ahnung haben, was sie sagen sollen und deswegen irgendeinen Stuss von sich geben.
Kurzum: Es ist beklemmend, verstörend und höchst unangenehm!
Sergiu verschränkt seine Finger und legt sie zu sich in den Nacken. Für seinen Gesichtsausdruck gibt es nur eine Bezeichnung: Verzagtheit.
»Tu das nicht ...!«, höre ich ihn leise fordern.
»Was?«
»Versink bitte nicht mehr in deinen Gedanken! Oder lass mich wenigstens daran teilhaben.«
Das klingt, als wäre er der absoluten Verzweiflung nahe und wenn es eins gibt, was meinem Leid derzeit noch gefehlt hat, dann das.
Noch hat er keine Ahnung, was in meinem Inneren vorgeht, weiß nicht, dass ich sein großzügiges und selbstloses Angebot zwar mehr als gerne annehmen würde, jedoch eine Fehlentscheidung für uns beide darin vermute.
Wie wird er sich aber fühlen, sobald ich ihn darüber in Kenntnis setze?
Wird es vielleicht sogar unsere Beziehung verändern?
Meine Welt wäre eine andere, um nicht zu sagen, unerträglich anders, wenn auch er sich vor der Zickhexe Caprice Rosenberg in Sicherheit bringen würde.
»Sorry ...«, sage ich.
»Wüsste nicht, wofür. Es gibt nur einen, der allen Grund hätte, um sich zu entschuldigen. Und zwar mich.«
»So ein Unsinn. Du hast dir nichts zuschulden kommen lassen. Ich bin einfach nur überwältigt von unserem Gewinn, der ganzen neuen Situation und ... ich frage mich andauernd, was ich machen soll.«
»Weißt du, dass man in einer scheinbar ausweglosen Lage einfach die Sichtweise ändern muss, um eine Lösung zu finden?«
»Was im Klartext heißt ...?«
»Lass uns rausgehen, einen schönen Baum mit kräftigen Ästen suchen und einen Blick aus der Fledermausperspektive auf unser verkorkstes Leben werfen!«
Ein nervöses Kichern entfährt meinen Lippen.
»Das ist jetzt aber nicht dein ernst, oder?«
Schließlich lacht auch er und schüttelt den Kopf.
»Nee, nicht wirklich. Ich bin aber der Meinung, dass wir wirklich raus müssen. Du bist blass, dein Koffeinkonsum – gelinde gesagt – haarsträubend und meine Sommersprossen wollen in diesem Jahr überhaupt nicht durchkommen. Also ...«
»... gehen wir spazieren?«, rate ich.
»Fast«, nickt Sergiu. »Wir machen ein Picknick am Mainufer.«
Mainufer?
Ich?
Keine gute Idee!
Sag nein, Price! Sag sofort nein!, verlangt mein Verstand.
»Klingt toll ...«, antworte ich allen meinen inneren Ängsten zum Trotz und gleite von der Fensterbank. Sergiu versperrt mir den Weg und ist so viel größer als ich, dass ich ihm selbst auf Zehenspitzen nur bis zum Kinn reiche. Das fühlt sich auf einmal irgendwie beklemmend an, weshalb ich dem direkten Blickkontakt auf der Stelle ausweiche.
»Soll ich irgendwas einpacken?«, frage ich im Flüsterton.
Die Antwort ähnelt einem Hauch und ist bestimmt nur deswegen hörbar, weil abgesehen von unseren Atemzügen nur noch die Wanduhr die Stille durchbricht.
»Die alte Price«, sagt Sergiu, als er zur Seite tritt.
Drei einfache Worte und dennoch sorgen sie dafür, dass mein Herz sich in einen Bohrhammer verwandelt und bald darauf scheinbar kurz davor ist, ein Loch in meine Rippen zu hauen.
Nicht etwa weil mir dieser Wunsch sehr nahe geht, sondern viel mehr deswegen, dass ich ihn bereits in einer ähnlichen Form zu hören bekommen habe.
Keine zwei Monate sind seither vergangen, trotzdem kommt es mir so vor, als ob das alles in einer für mein Erinnerungsvermögen nicht mehr greifbaren Vergangenheit zurückliegt.
Luke ...
Ist er denn überall?
Wird das von jetzt an immer so sein, dass mich ein einziger Satz, eine Geste, eine Farbe, ein Lied, ein Geruch oder ein Gefühl an ihn erinnern wird?
Wie leben die anderen Menschen weiter, wenn sie jemand dermaßen Wichtigen verlieren? Und tun sie das überhaupt, oder ist es fortan nur noch ein Existieren und Funktionieren?
Fragen über Fragen und nur eine Antwort: Perspektivwechsel sind toll, aber nichts, was ich aus freien Stücken hinbekommen könnte.
Wenngleich es schmerzt und jede Erinnerung dazu führen kann, dass ich erneut in die Tiefen einer Depression abrutschen kann, will ich ihn nicht vergessen.
Lernen, wie ich damit weiterlebe?
Ja!
Hoffen, dass es eines Tages leichter wird?
Ebenfalls.
Ihn aber aus meinem Gedächtnis, Herzen und der Seele streichen?
Niemals.
Es ist wie in der Strophe unseres Liedes:
I didn’t believe that love can give us wings,
until i met my soul in you.
Now i think, it´s maybe true,
and i fearless fall into the ocean of green and blue.
Meine Flügel sind zusammen mit Sky alias Luke abhandengekommen, und wenn ich schon auf sie verzichten muss, will ich mich an den einen Moment für immer erinnern, in dem ich dem Mond und einem klaren Himmel näher als der Erde war.


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Das klingt doch auf jeden Fall sehr vielversprechend und spannend, oder? auch das Cover sieht klasse aus und passt sich sehr gut der anderen Cover an.

1 Kommentar:

  1. Hallo und guten Tag,

    also mir hat der 1. Teil sehr gut gefallen, besonders die Sache mit den Mails war sehr unterhaltsam und autentisch.

    LG..Karin..

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