Donnerstag, 11. September 2014

[Lesedeal] Night Phantoms 1 - Kyron von Simone Olmesdahl



Das geht die Woche ja richtig Schlag auf Schlag und schon steht der 2. Lesedeal für diese Woche an. ausgehandelt habe ich ihn mit der sympatischen Autorin Simone Olmesdahl. Lasst das Cover auf euch wirken und dann schmökert im Text umher. Ab dem 15.9 ist das Buch dann erhältlich. 






1. KAPITEL

Badfield

Ich klappte die Sonnenblende meines schwarzen Ford Fusion herunter. Der V6-Motor schnurrte wie ein Kätzchen und duellierte sich mit dem Geräusch der Reifen, die über den brennenden Asphalt rollten. An einigen Stellen des Highways sah es durch die Luftspiegelung so aus, als ob ich auf große Wasserlachen zufahren würde. Es war heiß in Madison County, Iowa. Sicher dreißig Grad, auch wenn die Klimaanlage über die Hitze hinwegtäuschte. Vor einer Stunde hatte ich an einer Tankstelle gehalten und war beim Tanken beinahe umgekippt. Draußen herrschte das reinste Saunaklima.
            Ich seufzte, fuhr mir mit der Hand durch den dunklen Undercut-Haarschnitt und rieb mir über die Augen, in der Hoffnung, die über mich herfallende Müdigkeit zu vertreiben. Die unendlich blaue Skyline, die in der Ferne mit gelben Maisfeldern und grünen Wäldern verschmolz, verschwamm unter meinem Blick. Mit Zivilisation hatte dieses Fleckchen Erde wenig zu tun. In der letzten halben Stunde war ich bloß einem Truck und zwei Pick-ups begegnet. Ich war in Seattle aufgewachsen, einer Stadt mit siebenhunderttausend Einwohnern, Wolkenkratzern, Meer und Leben, obwohl es natürlich auch dort grüne Ecken gab. Aber das hier …
            Jede Trennung war zugleich ein Neuanfang und jeder Aufbruch manchmal auch ein Schritt in die Vergangenheit. Es zog mich dorthin, wo mein Leben begonnen hatte: Badfield.
            Pünktlich zum College-Abschluss hatte Brittany mir den Laufpass gegeben. Während eines Streits, wie wir ihn in den letzten Monaten fast täglich geführt hatten, hatte sie sich plötzlich ihre blonden Haare aus den verweinten Augen gestrichen und die vernichtenden Worte ausgesprochen: „Kyron, ich finde, wir sollten Schluss machen. Wir sind doch ohnehin nur noch aus Gewohnheit zusammen.“
            Vielleicht hatte sie damit recht. Wer fand die große Liebe schon auf der Highschool? Es grenzte an ein Wunder, dass wir überhaupt sieben Jahre lang ein Paar geblieben waren. Sie war nicht immer treu gewesen, ich aber auch nicht, und eigentlich hatten wir uns immer wieder zusammengerauft. Diesmal lagen die Dinge allerdings anders. Selbst eine Strecke von tausendachthundert Meilen, die ich mit kleinen Pausen in dreißig Stunden zurückgelegt hatte, reichte kaum aus, um dem Abstand, den ich zu ihr gewinnen wollte, gerecht zu werden. Sie hatte sich acht Monate lang auf eine Affäre mit diesem schmalzigen Professor Baker eingelassen. Die letzten vier Wochen hatte ich längst über ihr Verhältnis Bescheid gewusst und gute Miene zum bösen Spiel gemacht. Aber wozu eigentlich? Um etwas zu halten, was längst kaputt gewesen war und uns beide bloß noch verletzt hatte? Als hätten ihre Schäferstündchen nicht ausgereicht, hatte sie mich überflüssigerweise auch noch um die Entscheidung betrogen, das Kapitel Brittany zu beenden. In meiner Wut darüber, dass nicht ich das Wort Ende unter unsere Beziehung gesetzt hatte, umklammerte ich noch immer krampfhaft das Lenkrad. Warum hatte sie geheult? Krokodilstränen, nichts weiter. Im Schauspielern war sie eine große Nummer.
            Ich drosselte das Tempo, als mich die nasale Frauenstimme meines Navigationssystems aus den Gedanken riss und mir mitteilte, dass ich die nächste Straße rechts abbiegen musste. Ich verzichtete darauf, in der Einöde den Blinker zu setzen, und zog den Wagen vom Highway. Mais, soweit das Auge reichte. Das große Holzschild, an dem ich nach etwa einer Meile vorbeifuhr, hieß die Besucher von Badfield in verschnörkelter Schrift willkommen.
            „Willkommen zu Hause, Kyron“, flüsterte ich und schaltete die Klimaanlage aus. Eine leichte Gänsehaut hatte sich über meine Arme geschlichen.
            Das sichere Gefühl, alles hinter mir gelassen zu haben, flaute ab und eine Nervosität setzte sich in mir fest. Ich hatte meine Familie seit meinem fünften Lebensjahr nicht mehr gesehen. Die Erinnerungen an meine Großeltern waren verblasst, und selbst das Bild von meinen leiblichen Eltern, die ich durch einen Autounfall verloren hatte, schien mehr meiner Fantasie anstatt der Realität zu entspringen.
            Die Maisfelder wichen einer dichten, grünen Böschung, und die Straße wurde schmaler. Der Ford ruckelte durch ein paar Schlaglöcher. Kein Wunder, dass in Iowa nahezu niemand einen sportlichen Mittelklassewagen fuhr. Die große Farm, die hinter einigen Bäumen zum Vorschein trat, kam mir vage vertraut vor, doch der Eindruck verflüchtigte sich, als ich dem Straßenverlauf um eine Kurve folgte. Ich war im Niemandsland gelandet, und es fühlte sich nicht so an, als ob ich hier jemals gelebt hatte.
            Das Navigationssystem rotierte und stieß Anweisungen umzukehren aus, aber ich ignorierte die Stimme und schaltete es aus. Hinter einer Ampel – Scheiße, wozu gibt es hier eine Ampel? – bog ich rechts ins Stadtzentrum ab. Ich revidierte meine Meinung. Ich bog auf den Platz, der vortäuschte, das Zentrum zu sein. Die Backsteinhäuser, die aneinandergereiht Spalier standen, sahen allesamt gleich aus. Kein Vergleich zu unserer Einkaufsmeile, downtown, wo in den riesigen Geschäften und großen Cafés immer Trouble herrschte. Ich sah mich um. Es gab ein Steakhaus, einen Supermarkt und eine winzige Drogerie. Das Sheriffbüro und ein bröckeliges Verwaltungsgebäude lagen auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Zum Teufel, wo war ich hier gestrandet? Ich fühlte mich in eine andere Zeit versetzt oder als wäre ich auf einem anderen Planeten gelandet. Mein Hass auf Brittany wuchs, und gleichzeitig ärgerte ich mich, dass sie noch immer derart großen Einfluss auf mich hatte. Miststück!
            Ich versuchte erneut, mich  zu orientieren − ohne Erfolg − und beschloss, vielleicht besser nach dem Weg zu fragen. Ich kannte die genaue Adresse meiner Leute nicht, aber in diesem Dorf konnte es nicht allzu schwer sein, sie ausfindig zu machen. Ich wendete, parkte den Ford am Straßenrand hinter dem Streifenwagen des Sheriffs, und löste den Anschnallgurt. Als ich zum Türgriff fasste, musste ich feststellen, dass meine Hand zitterte. Nun bekam ich also doch Angst vor meiner eigenen Courage. Für gewöhnlich nahm ich das Leben gelassen, aber heute war meine Coolness wohl aufgesetzt. In Gedanken verfluchte ich Brittany erneut dafür, dass sie mich ins Nirgendwo getrieben hatte, atmete tief durch und stieß die Fahrertür auf, bevor ich einen Rückzieher machen konnte. Ich stieg aus dem kühlen Fahrzeug aus und stöhnte sogleich. Die Nachmittagssonne brannte vom Himmel und ließ mich zunächst gegen ihre Strahlen anblinzeln, während ich den Kragen meines dunkelblauen T-Shirts weitete, um mehr Luft zu bekommen.
            Ich ging um den Wagen herum und blickte zum Steakhaus. Irgendjemand würde wissen, wo die Ronaynes lebten, obwohl ich mir noch nicht einmal ein paar Worte zurechtgelegt hatte. Was sollte ich zu nahezu fremden Leuten auch sagen? Sie hatten sich vor siebzehn Jahren entschieden, mich zur Adoption freizugeben. Vielleicht war ich ja gar nicht willkommen?
            Nachdem ich zurück zur Fahrerseite gegangen war, schlug ich die Wagentür zu, bediente den Funkschlüssel der Verrieglung und überquerte die ausgestorbene Straße. Durch die Glasfront des Lokals erkannte ich, dass das dunkelrot eingerichtete Restaurant schlecht besucht war. Nur an zwei Holztischen im vorderen Bereich saßen Gäste, und auch die dunkle Bar war nur von einem kräftigen Mann besetzt, der tief in seinen gläsernen Bierkrug schaute. Ich trat durch den geöffneten Eingang und war dankbar, der brennenden Sonne zu entfliehen, als die fünf Gäste die Köpfe in meine Richtung drehten und ihre Gespräche abrupt verstummen ließen.
            Wow! Ich runzelte die Stirn, nickte höflich, was auf keine Gegenreaktion stieß, und ging geradewegs an die Bar, hinter der mir die Bedienung den Rücken zuwandte. Ihre kupferfarbenen Locken fielen weit über den Rücken, und ihre knapp sitzenden Jeansshorts zwangen mich förmlich, ihr auf den Hintern zu starren und den Blick ihre schlanken, gebräunten Beine hinabwandern zu lassen. Nice.
            Sie zapfte ein Bier aus der Anlage vor sich, trat nach links und schob es dem dunkelbärtigen Gast im Flanellhemd vor die Nase. „Hier, Bill. Und danach solltest du vielleicht auf Wasser umsteigen.“
            Bill brummte daraufhin etwas Unverständliches. Vermutlich hatte er bereits ein paar Bier zu viel getrunken. In Kombination mit der Hitze sicher tödlich.
            Ich klapperte mit meinem Schlüsselbund, um auf mich aufmerksam zu machen, und wartete, bis sich Ms. Jeansshorts langsam zu mir umdrehte. Ihre Mundwinkel zuckten, bevor sie ihre vollen Lippen zu einem Lächeln hob und mit ihren langen dunklen Wimpern klimperte. Verdammt, sie war nicht bloß heiß, sondern auch unverschämt süß. Im Gegensatz zu Brittany, die unser Apartment am Campus erst nach einer stundenlangen Schmink- und Frisier-Tortur verlassen hatte, wirkte ihre sonnengebräunte Haut ganz natürlich.

            „Hi, Fremder.“ Das leuchtende Grün ihrer Augen ging mir unter die Haut.

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Ich hoffe ich konnte euch etwas neugierig auf das Buch machen? Ich finde das Cover auch sehr ansprechend und passend.

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