Mittwoch, 30. Juli 2014

[Lesedeal] Liebe im Sommerregen von Anna Loyelle



Und wieder steht ein Lesedeal ins Haus mit einer ganz tollen Autorin. "Liebe im Sommerregen" soll am Freitag den 1. August erscheinen. Merkt euch dieses Datum und jetzt dürft ihr exklusiv ein paar Zeilen lesen:




Was ist wirklich wichtig auf der Welt?
Ein Arm, der mich ganz zärtlich hält,
ein Mund, der mich so sanft berührt,
eine Hand, die mich verführt …

All das ist ganz wundervoll,
und ich fühle, ich bin toll,
denn er nimmt meinen Körper wahr
und Streicheln ist so wunderbar.

Doch muss es jetz t schon weitergehen?
Kann er mich denn nicht verstehen?
Dass ich lieber warten mag,
auf den einen, schönen Tag.

Wenn Romantik uns umschlingt
und mein Herz zum Schlagen bringt,
wenn ich mich ganz öff nen kann,
dann geschieht es – irgendwann.

Denn dann ist es für mich richtig,
und das ist für mich sehr wichtig,
denn ich brauch viel Zärtlichkeit,
und für Sex bin ich noch nicht bereit!
(Christina Stöger, 2013)

Jayden

Jay öffnete den Kühlschrank und nahm eine Flasche Wasser heraus. Er trank in großen Zügen und wischte sich mit dem Handrücken über die feuchten Lippen. Beinahe hätte er Samantha heute einen Zungenkuss gegeben. Es hatte ihn immense Kraft gekostet, es nicht zu tun. Ihre Lippen waren so verlockend gewesen. Aber wenn er sie richtig küsste, sollte sie ihm dabei in die Augen sehen und wissen, dass er und nicht ihr Loser-Freund es war. Nur deshalb hatte er sich mit einer sachten Berührung ihres Mundes zufriedengegeben.
Jay ging ins Wohnzimmer und ließ sich aufs Sofa fallen. Seufzend schaltete er den Fernseher ein und zappte durch die Programme. Wie zum Teufel war er bloß auf die Idee gekommen, sie zu entführen? Welcher Teufel hatte ihn geritten? Nach dem Gig im Chantal Club war er ins Charlie’s gefahren, ohne seinen Freunden Bescheid zu sagen. Dort war er von einigen Mädchen umringt worden, die ihn seit dem ersten Auftritt im Charlie’s anhimmelten. Die Unterhaltung mit ihnen hatte ihn gelangweilt, ihre Aufdringlichkeit genervt. Er wusste schon lange, dass er ziemlich jedes Mädchen haben konnte, das er wollte. Dieser Fluch verfolgte
ihn seit seinem dreizehnten Lebensjahr. Die Gören im Waisenhaus hatten sich bei jeder Gelegenheit in seine Nähe geschlichen, um mit ihm zu knutschen und erste sexuelle Erfahrungen zu sammeln. Diese Anziehungskraft hatte sich bis heute nicht gelegt. Spätestens nach der zweiten Begegnung lagen ihm die Mädchen zu Füßen. Bis auf dieses eine.
Lockenkopf Samantha. Wenn er daran dachte, wie er während der Fahrt die Hand auf ihr Knie gelegt hatte, wurde ihm heiß. Ihre Haut hatte sich gut angefühlt. Warm und weich.
Jay lächelte, als er sich erinnerte, wie verzweifelt sie versucht hatte, ihrem Lover mitzuteilen, dass sie nicht mit ihm schlafen wollte. Aber warum? War er so eine Niete in Sachen Sex? Der Gedanke, dass Loser-Andy bei ihr noch nicht zum Zug gekommen war, erfüllte ihn mit Freude. »Eins zu null für mich. Ich wett e, dein Lockenköpfchen springt eher in mein Bett als in deins.« Mit jeder Minute wurde der Reiz, sie auf seine Seite zu ziehen, größer. Er sah es als seine persönliche Herausforderung an, sie für sich zu gewinnen. Wäre doch gelacht, wenn er dieses kleine Persönchen nicht umstimmen könnte. Ein Kuss würde reichen. Ein freiwilliger Zungenkuss ihrerseits. Im oberen Flur ging das Licht an. Devon kam in Boxershorts und mit zerzausten Haaren die Treppe herunter.
»Hey, Bro, warum sitzt du hier im Dunkeln?« Ein Auge geschlossen, eines nur halb geöffnet, lehnte er gähnend am Türstock. »Es ist fast vier Uhr morgens.«
»Ich weiß.«
»Was los? Probleme?« Devon tapste zu ihm und ließ sich schwerfällig neben ihm nieder. »Geht’s um Valerie? Ich hab gehört, dass du sie rausgeworfen hast, nachdem ihr …«
Jay schnaubte. »Was sollte ich deiner Meinung nach sonst tun? Sie muss endlich kapieren, dass es zwischen uns vorbei ist.«
»Schon klar. Aber du warst es, der sie unbedingt ins Bett bekommen wollte.«
»Das kann nicht sein.«
»Und ob. Sie saß nicht einmal an unserem Tisch. Du hast sie gesehen, bist auf sie zugegangen und hast sie so lange angebaggert, bis sie nachgegeben und sich zu uns gesetzt hat. Diesmal hast du die Arschkarte gezogen.«
Jay stöhnte. »Ich war betrunken. Wieso habt ihr mich nicht davon abgehalten?«
»Sehr witzig.«
»Ihr habt? O Mann.«
»Was ist mit dir los? Bereust du die Trennung von Valerie?«
»Nein.«
»Ärger im Job?«
»Nein.«
»Wird dir die Bandsache zu viel?«
»Nein.«
»Was dann? Jay, rede, damit ich wieder ins Bett gehen und mich an Sassys nackten Körper kuscheln kann.«
Devon war mit ihm im Waisenhaus groß geworden. Sie waren durch dick und dünn gegangen und sprachen über alles miteinander. Geheimnisse zwischen ihnen gab es nicht. Aber diesmal war es irgendwie anders.
»Ich habe echt keinen blassen Schimmer, was los ist.«
Devon stöhnte und klopfte ihm auf die Schulter. »Okay, ich geh schlafen, bis du es weißt.«
Wie sollte Jay erklären, was er selbst nicht verstand? Dass es da ein Mädchen gab, das sich in seine Gedanken gefressen hatte, ohne etwas Großartiges zu tun. Die sinnliche Tiefe ihrer Augen hatte ihn vom ersten Moment an in den Bann gezogen.
Er knipste die Stehlampe an, holte Papier und Stift aus der Mappe, die auf dem Couchtisch lag, und schrieb seine Gedanken in Form eines Songtextes auf.

Samantha

Am Sonntagmorgen wachte Samantha viel zu früh auf. Ihre Großeltern veranstalteten die
reinste Party, als sie ins Bad gingen und dabei Songs aus ihrer Jugendzeit trällerten. Da beide etwas schwerhörig waren, war eine Unterhaltung in normaler Lautstärke zwischen ihnen nicht möglich, was dazu führte, dass Samantha jedes Wort im Nebenzimmer verstand.
Stöhnend zog sie sich die Decke über den Kopf. Sie wollte noch nicht wach sein. Das führte nämlich dazu, dass sie sich den Streit mit Andy in Erinnerung rief. Sie hatte keine Lust, sich jetzt damit auseinanderzusetzen. Als ihre Großeltern zum Frühstücken nach unten gingen,
döste sie wieder ein. Die nächste Störung erfolgte, als Tante Bell und Onkel Harold mit den Jungs antanzten. Von da an bekam sie kein Auge mehr zu. Die Kids machten mehr Lärm als eine Kindergartengruppe. Sie setzte sich auf und seufzte. Am liebsten wäre sie den ganzen Tag liegen geblieben und erst morgen wieder aufgestanden. Der Streit mit Andy hatte einen bitteren Geschmack hinterlassen. Geburtstag hin oder her, in ihr brodelte ein ungutes Gefühl, das von Minute zu Minute stärker wurde. Sie wusste nicht, wie sie den Tag überstehen sollte. Der Gedanke, dass Andy mit ihr Schluss machen könnte, verursachte ein unangenehmes Ziehen in ihrem Bauch. Wäre doch nur Josie da. Sie wüsste bestimmt, was
zu tun war. Samantha tapste ins Badezimmer und stellte sich unter die Dusche. Vielleicht würde das ihre Lebensgeister wecken. Sie durchsuchte ihren Kleiderschrank nach einem Outfit, das zu ihrer Stimmung passte. Alles, was sie fand, war eine schwarze Jeans und ein graues T-Shirt, das ziemlich verwaschen war. Egal, auf bunte Sachen hatte sie keine Lust. Ihre Locken bändigte sie in noch feuchtem Zustand mit einem Haargummi. Auf Make-up verzichtete sie. Wozu auch? Andy war nicht hier, und wenn, würde er damit beschäftigt sein, nach den richtigen Worten für ihr Beziehungsende zu suchen, anstatt auf ihr Aussehen zu achten.
Da sie sich noch nicht in die Höhle der Löwen, sprich, Verwandtschaft, stürzen wollte, ließ sie sich Zeit beim Aufräumen und ertappte sich immer wieder dabei, wie sie ihr Handy anstarrte. Irgendwann hatte sie es satt und legte es in eine Schublade. Auf dem Schreibtisch stand ein Fotorahmen mit einem Bild von Andy und ihr. Sie nahm es in die Hand und betrachtete es. Das Foto war ganz am Anfang ihrer Beziehung entstanden. Josie hatte es mit ihrem Handy gemacht. Sie saß mit Andy im weichen Neuschnee und lachte über etwas, das er gesagt hatte. Sein Arm lag um ihre Schultern. Sein Bein berührte ihres. Sein Blick war strahlend auf sie gerichtet. Nur Sekunden, nachdem das Foto geknipst worden war, hatte er sie geküsst. Schon damals hatte sie seine Impulsivität gespürt und die Männlichkeit, die von ihm ausging. Sie schluckte, um die Tränen zurückzudrängen und ging nach unten.
Der dreijährige Elroy flitzte gerade mit seinem Modellflugzeug um den Wohnzimmertisch, machte einen Abstecher in den Flur, wendete und rannte lachend an ihr vorbei die Treppe hoch. Tante Bell, die blonde Lockenpracht streng hochgesteckt, stand auf und horchte angespannt, ob etwas, das Elroys Weg kreuzte, zu Bruch ging. Das Baby in ihrem Arm nuckelte friedlich an ihrer Brust.
»Hi, Sam«, sagte sie erfreut. Samantha verglich Tante Bell mit Mom und kam zu dem Entschluss, dass sich die Schwestern zwar äußerlich ähnlich sahen, aber vom Wesen her grundverschieden waren. Mom hätt e in Tante Bells Situation längst die Nerven verloren und den kleinen Elroy mit einem Malbuch und Holzstiften am Küchentisch festgenagelt.
»Hallo zusammen.« Der Begrüßungsmarathon konnte beginnen. Nachdem sie alle Hände geschüttelt und Wangenküsschen erhalten hatte, kehrte Elroy zurück, indem er wie eine Horde Elefanten die Treppe herunterpolterte. Mom presste die Lippen zusammen und wischte sich mit dem Handrücken den Schweiß von der Stirn. Samantha lächelte. Nicht, dass Mom Kinder nicht mochte, sie waren ihr nur zu anstrengend. Tante Bell, die sensibel genug war, das zu bemerken, gab James ein stummes Zeichen, worauf sich dieser vom Sofa erhob, Elroy schnappte und mit ihm nach draußen ging. Das Lachen des Kleinen war auch noch zu hören, als sich die Haustür hinter ihnen schloss.
»Hier, meine liebe Enkelin.« Großmutter lächelte und überreichte Samantha mit feierlicher Miene eine bunt verpackte Schachtel. »Das ist von deinem Großvater und mir.«
»Vielen Dank«, rief sie und umarmte beide.
»Hier, das ist von Tante Bell und mir. Und natürlich von den Jungs.« Onkel Harold gab ihr ein kleines Päckchen. Tante Bell, die neben ihm saß, legte lächelnd den Arm um seine Schultern. Mit dem anderen hielt sie das schlafende Baby fest. Onkel Harold legte seine Hand auf
ihre und sah sie lächelnd an. Eine Geste, die Samantha berührte.
Die beiden liebten sich nach so vielen Jahren und drei Kindern immer noch sehr.
Nach dem Mittagessen gab es Kaffee und Kuchen und Eis für die Kinder. Da schönes Wetter war, setzten sie sich alle in den Garten. Onkel Harold las den Sportteil einer Zeitung, Großvater machte ein Nickerchen im Liegestuhl. Mom hatte es tatsächlich geschafft, Elroy mit einem Puzzle ruhig zu stellen. Nun saß der Kleine auf einer Decke im Gras und suchte verbissen nach den passenden Teilen. James hockte nicht weit entfernt, an den einzigen Schatten spendenden Baum im Garten gelehnt, und spielte mit seiner PSP. Kevin lag im Kinderwagen und schlief. Tante Bell war darüber sehr erfreut und genoss die ruhigen Minuten in vollen Zügen. In kurzer Hose und Bikinioberteil lag sie im Liegestuhl und nippte genüsslich an ihrem Eistee.
»Sam, im Seehaus liegen ein paar Sachen von dir herum.«
»Ich weiß. Manchmal übernachte ich dort und will nicht jedes Mal alles hin- und herschleppen.«
Tante Bell lächelte. »Du übernachtest dort? Allein?«
»Ab und zu. Aber meistens mit meinen Freundinnen.«
»Freundinnen?«
»Bell, spar dir deine schmutzigen Gedanken. Sam und ich haben eine Abmachung«, warf Mom ein. »Sie darf mit den Mädchen im Haus übernachten und den ganzen Kram machen, den Mädchen eben gern tun, aber es werden keine Partys veranstaltet, keine Jungs eingeladen, kein Alkohol getrunken und keine Drogen konsumiert.«
Tante Bells Blick verdüsterte sich. »Meint sie das etwa ernst, Sam? Keine Jungs, keine Partys, kein bisschen Alkohol?«
»Bell!«
»Was denn, Schwester? Hör mal, sie ist jetzt sechzehn, du solltest die Zügel lockerer lassen. Oder soll ich ihr erzählen, was du mit fünfzehn schon alles getrieben hast?«
»Untersteh dich.«
»Okay, ich erzähle es ihr, wenn du nicht anwesend bist.«
»Ich warne dich.«
Harold sah von seiner Zeitung auf. »Deine Reaktion macht mich neugierig, Vicci.«
»Wenn ihr nicht sofort aufhört, bekommt ihr kein Abendessen«, drohte Mom.
Großmutter lächelte verschmitzt. »Also, ich könnte euch da Sachen erzählen, was meine Vicci so getrieben hat …«
»Mutter!« Alle lachten, als sie Moms Miene sahen. Sie war rot wie eine Tomate geworden.
»Das … das liegt alles weit zurück. Jeder macht mal Fehler. Jetzt hört auf damit, sonst kommt meine artige Tochter noch auf dumme Ideen.«
Tante Bell blinzelte Samantha zu.
»Wie lange warst du eigentlich nicht mehr im Seehaus, Schwesterlein?«

Alle Blicke richteten sich auf Mom. »Seit Sam sieben oder acht war. Wechseln wir das Thema, sonst muss ich deine Jugendsünden und Geheimnisse ausplaudern, Bell, und das willst du sicher nicht, oder?«


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Ist es nicht wundervoll das Cover? Ich finde es absolut klasse und nach der Leseprobe hibbel ich schon der ganzen Geschichte entgegen.

1 Kommentar:

  1. Scheint eine nette Geschichte zu werden.
    Bin gespannt auf mehr....

    LG..Karin..

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