Mittwoch, 23. Juli 2014

[Lesedeal + Verlosungl] Was sich liebt, das rächt sich nicht von Rose Snow


Und zack ist der nächste Lesedeal am Start. ein ganz tolles Buch von dem Autoren Duo "Rose Snow". Was sich liebt das rächt sich nicht wird am 28. Juli zu erwerben sein und ihr bekommt jetzt die Möglichkeit diese XXXL Leseprobe lesen zu dürfen. Exklusiv und nur für euch.



Rose Snow

Was sich liebt, 
das rächt sich nicht




Noch hundertdreizehn Tage

Diesmal verbocke ich es garantiert nicht.
Entschlossen steige ich aus dem Auto und betrachte mein wunderschönes, neues Zuhause. Das hochherrschaftliche Stadthaus hat eine sonnengelbe Fassade und erinnert mit seinen verspielten Stuckverzierungen an mein altes Puppenhaus. Ich lasse den Blick an den weißen Fensterrahmen mit den halbkreisförmigen Oberlichten nach oben wandern. Das ganze Dachgeschoss gehört mir. Meins. Sofern ich die ersten beiden Probemonate überstehe. Was ich werde. Tschüss Impulsivität, hallo Neuanfang. Zur Belohnung werde ich meinen Morgenkaffee auf meinem entzückenden Balkon genießen und der Stadt beim Erwachen zusehen.
Ich öffne den Kofferraum und wuchte die Schachtel mit meinen persönlichen Schätzen auf den Bürgersteig. Außer diesem Karton habe ich nur noch Jans Gemälde im Auto. Den Rest von meinem Zeug habe ich in die billigen Hände einer vor dem Konkurs stehenden Umzugsfirma gelegt. Vielleicht, weil ich das Gefühl, am Abgrund zu stehen und hinunterzustarren, seit kurzem kenne. Verbindet irgendwie.
Apropos Abgrund: Jans Bild grinst mich unheilvoll an. Während ich mir einen Dutt drehe, lächle ich zurück. Eigentlich könnte ich es gleich mit hoch nehmen, dann müsste ich kein zweites Mal gehen. Vor allem, da mich meine Füße in den schwarzen Folterstilettos schon jetzt umbringen. Merke: Schuhe in Umzugskartons packen ist gut. Alle bequemen Schuhe in Umzugskartons packen, jedoch weniger. Und barfuß gehen ist keine Option, wer weiß, ob das die verrückte Hausordnung erlaubt. Bei der Vermieterin würde mich gar nichts mehr wundern.
Kurzentschlossen schnappe ich das Gemälde und stecke es senkrecht in die offene Schachtel. Acryl gespritzt auf dunkler Leinwand. Nicht gerade ein Jackson Pollock, aber ich finde es irgendwie schön. Auch wenn es mir wie gerade eben die Sicht versperrt. Vorsichtig stöckle ich ein paar Schritte Richtung neuer Wohnung und knalle prompt gegen ein menschliches Hindernis. Mein rechter Fuß knickt um, ich verliere das Gleichgewicht, das Paket rutscht mir aus den Fingern und donnert auf den Boden. Bevor ich ihm dorthin folge, halte ich mich im Reflex an den Oberarmen meines Kollisionspartners fest.
„Nur nicht fallen“, sagt der Typ mit warmer Stimme.
„Ich versuch’s“, ächze ich mit schmerzendem Knöchel und lasse seine Arme schnell los. Mann, riecht der gut. Langsam finde ich meine Balance wieder. „Tut mir leid“, murmle ich.
Er zieht spöttisch eine dunkelblonde Augenbraue hoch. „Dass Sie in mich gerannt sind, oder dass Sie Ihren Umzugskarton auf meinen Fuß geschmissen haben?“
Meine Augen verengen sich. Typisch Mann. Steht im Weg und gibt der Frau dann die Schuld. Der kann mich mal. Alle Männer können mich mal. Gereizt bücke ich mich und stemme die Schachtel hoch. „Also bitte, Sie sind wohl eher in mich gerannt.“
„Behaupten Sie.“
Idiot. Ich dränge mich an ihm vorbei. „Ich behaupte es nicht nur. Wie wär’s, wenn Sie das nächste Mal Ihre Augen benutzen?“
„Wozu? Um Sie anzusehen?“ Er grinst schief auf mich herab und Lachfältchen bilden sich um seine blaublauen Augen. Stopp. Nur nicht ablenken lassen.
„Um nach vorne zu sehen. Sie müssen doch gesehen haben, dass ich ein riesiges Paket vor meiner Nase habe.“ Ich gehe weiter, er greift mit einer Hand unter die Schachtel und geht mit. „Ist das etwa Ihre Ausrede, um in mich hineinzurennen? Raffiniert.“ Ich werfe ihm am Paket vorbei einen skeptischen Blick zu. „Kann es sein, dass Sie Ihre Wirkung auf Frauen überschätzen?“
„Kann es sein, dass Sie meiner Frage ausweichen?“, gibt er neckend zurück.
„Ich wünschte, ich wäre Ihnen ausgewichen“, murmle ich.
Er seufzt. „Was wäre das Leben ohne Wünsche.“
„Es wäre leichter. Apropos leicht: Das Paket kann ich alleine tragen“, sage ich und stoppe vor der Eingangstür. Er lässt die Schachtel los. Mann, ist die wieder schwer.
„Wohnen Sie hier?“, fragt er und streicht sich die verstrubbelten Haare zurück. Ich schüttle den Kopf und stütze die Kartonbox auf meinen Oberschenkeln ab. „Nein, ich bin nur von der Umzugsfirma. Danke fürs Tragen, wir könnten Leute wie Sie gebrauchen. Tschüss.“ Ich mache eine peinliche Handbewegung (Daumen nach oben, guter Mann!) und verschwinde, so schnell ich kann.

Drinnen empfängt mich der Geruch von Bohnerwachs und Essigreiniger. Das Haus ist unfassbar sauber und gepflegt. Holzboden und Treppe sind auf Hochglanz poliert und strahlen mit den makellosen Fensterscheiben um die Wette. Im ersten Moment eingeschüchtert von so viel Reinheit, entdecke ich erst im zweiten Moment einen handgeschriebenen Zettel, der mit einem Klebestreifen an dem Geländer der schmalen Holztreppe befestigt ist. Darauf steht in Schönschrift geschrieben:

An alle Mieter und Besucher: Aus Lärmschutzgründen wird ersucht, nur jede zweite Treppenstufe zu benutzen! Bitte setzen Sie auch Tiere und Kinder, die des Lesens nicht mächtig sind, über diese Maßnahme in Kenntnis!

Okaaay. Mit der Stimme der exzentrischen Vermieterin im Ohr: „Mit Ihrer Unterschrift verpflichten Sie sich, die Hausordnung genauestens, ich wiederhole: genauestens zu befolgen …“ beuge ich mich diesem ausgemachten Blödsinn trotz Folterstilettos. Also nur jede zweite Treppenstufe. Auf geht’s.
Vorsichtig nehme ich die erste Stufe, übersteige elegant die zweite, großer Schritt auf die dritte, dann mit Schwung auf die fünfte. Kurz komme ich ins Wanken, die 1,20 m lange Schachtel in meinen Armen wackelt gefährlich. Jans Bild sorgt wie immer für ein gewisses Ungleichgewicht – dafür gehört es mir, hoffe ich zumindest. Unter dem Kunstwerk liegt mein in Luftfolie gewickeltes, weißes Keramiksparschwein mit den knallroten Punkten, meine Taufkerze, mein „Die Kraft liegt in dir“-Ratgeber, meine 17 Thementagebücher und die einzige Bastelarbeit aus dem Handarbeitsunterricht, die tatsächlich ich fertiggestellt habe, und nicht Oma.
Kurz vor dem ersten Stock zittern meine Muskeln und ich fühle mich, als würden Medizinbälle von meinen Oberarmen baumeln. Es könnte auch sein, dass ich nicht mehr ganz so gut rieche. Das sperrige Paket ist mit jedem Schritt auf der engen Holztreppe schwerer geworden und wiegt jetzt um die 120 kg. Ein junges Mädchen mit Wasserflasche in der Hand, schwarzem Minirock und Handy am Ohr kommt die Treppe heruntergepoltert, direkt auf mich zu. Sie sieht aus wie 17, ist also wahrscheinlich 15, da die jungen Dinger geschminkt immer älter aussehen, als sie sind.
„Ja, Papa, klar bleibe ich zu Hause, die Party ist voll daneben.“ Sie stoppt und mustert mich abschätzig.
Ja, ich bin im Weg. Aber ich kann mich nun mal nicht in Luft auflösen.
„Ne, verstehe ich. Klaro. Ey, du hast schließlich mehr Erfahrung.“ Das Mädchen bläst sich eine dunkelbraune Haarsträhne aus der Stirn und schüttelt aggressiv ihre Wasserflasche. Ich bemühe mich, Platz zu machen und stöckle mit meinen Stilettos nach rechts, während sie versucht, sich energisch links vorbeizudrängeln, ohne sich im Entferntesten an die Hausordnung zu halten.
Krawumms! Das Acrylbild kracht auf den Boden. Ich schaue erschrocken, das Mädchen schnauft kurz. „Ach, gar nix. Hab versehentlich … den Staubsauger umgeworfen. Du sagst doch immer, ich soll mehr im Haushalt tun! Ich muss auch gleich mal lüften, denn hier riecht es abartig.“ Sie wirft mir einen feindseligen Blick zu. „Irgendwie nach Fisch.“
Alter Falter! Was soll das denn?
Mit verächtlicher Miene versucht sie über die Leinwand zu steigen und sich an mir vorbeizuschieben.
Schepper-Krawumms! Oh nein! Mein Sparschwein liegt geschlachtet am Boden, die münzförmigen Eingeweide ergießen sich über die Treppe. Und meine Taufkerze hüpft alle soeben bezwungenen Holzstufen wieder hinunter, ohne dabei nur jede zweite zu nehmen. Mir kommen fast die Tränen.
„Nur der Staubsauger!“, giftet das Mädchen über den Lärm hinweg.
Nur der Staubsauger? Das war mein Sparschwein! Das hat mir Oma zu meinem 6. Geburtstag geschenkt!
„Schschschschschschschsch!“, mime ich den unfreundlichsten Staubsauger der Welt.
„Schlechte Verbindung … ich melde mich“, zischt sie, während ich den Umzugskarton zwischen meine weit gegrätschten Beine stelle und in dieser Haltung versuche, die Reste von Ferkelchen aufzuheben. Dank der doofen Hausordnung ist an mir kein Vorbeikommen. Das Mädchen funkelt mich an. „Das war ja wirklich super lustig.“
„Ich tue, was ich kann“, erwidere ich, während ich in äußerst unsexy Pose die rot gepunkteten Scherben aufsammle und hoffe, dass Ferkelchen noch zu kleben ist. Auch mit Narben werde ich es lieben. Vielleicht sogar ein Stückchen mehr.
„Was du kannst, ist mich endlich vorbeizulassen, ich hab’s nämlich eilig“, schnauzt sie mich an.
„Musst du denn noch irgendwelche Schweine schlachten?“, frage ich bissig.
„Das war ja wohl deine Schuld.“
„Meine Schuld? Du hast mich angerempelt!“, entgegne ich empört und richte mich ruckartig auf, wodurch mir eine Strähne meines Dutts ins Gesicht rutscht.
Sie verdreht die Augen. „Was kann ich dafür, wenn du die Treppe blockierst? Schon mal an ’ne Diät gedacht?“
Ich atme tief ein und puste die Haarsträhne zur Seite. „Schon mal an Manieren gedacht?“
„Wieso sollte ich?“, fragt sie gehässig und zieht beide Augenbrauen hoch. „Du bist doch die Neue. Die Rosenstein hat allein im letzten Jahr sieben Mieter nach einer Woche wieder auf die Straße gesetzt. An deiner Stelle wäre ich vorsichtig.“
„Zum Glück bist du nicht an meiner Stelle.“
„Ja, zum Glück“, bestätigt sie und mustert mich von oben bis unten.
Was ist denn mit der los? Ich war auch kein angenehmer Teenager, aber so dreist war ich nie. Sie schaut kurz auf die Stiege und grinst böse. „Vielleicht sollte ich der Rosenstein erzählen, dass du im Treppenhaus Scherben verteilst. Kommt sicher nicht so gut, von wegen Probezeit und so.“
„Vielleicht sollte ich deinem Vater erzählen, dass du im Treppenhaus Lügen verbreitest. Kommt sicher nicht so gut, von wegen Ehrlichkeit und so.“
Das Mädchen wird schlagartig rot. Im selben Moment klingelt ihr Handy. Alicia Keys, Girl on Fire. Wie passend. „Aha, so sieht also ein Girl on Fire aus“, murmle ich und grinse. Und kann nicht mehr damit aufhören, vielleicht fällt gerade der Ballast der letzten Wochen von mir ab.
„Du bist sowas von nicht witzig“, faucht sie und drückt den Anruf weg.
„Und was gefällt dir dann so gut an mir?“
„Hä? An dir gefällt mir gar nix.“
„Dafür verbringst du aber viel Zeit mit mir. Ich dachte, du hast es eilig.“ Ihre grünen Katzenaugen verengen sich. Sie quetscht ihre Wasserflasche so fest, dass ihre Fingerknöchel weiß hervortreten. „Leg dich lieber nicht mit mir an. Tussen wie dich ess ich zum Frühstück.“
„Oh, und ich dachte, da gibt’s nur Wasser.“
„Wasser würde dir auch guttun, du fette Kuh“, zischt sie und gibt der Umzugskiste zwischen meinen Beinen einen derartigen Tritt, dass sie mit lautem Gepolter die Treppe hinunterfällt.
Bumm. Bumm. Bumm.
„Hey!“, schreie ich. Alle meine Schätze! Meine gebastelte Schmuckschatulle! Meine Taufkerze! Das Bild, das mich ins Gefängnis bringen könnte! Mein Ratgeber und meine 17 romantischen Tagebücher! Alles purzelt munter durch das Treppenhaus.
„Wer mit dem Feuer spielt … behalte deine dämlichen Sprüche für dich“, ruft das Mädchen von unten, bevor sie die Eingangstür zuknallt.
„Meine dämlichen Sprüche kannst du jederzeit gerne wiederhaben!“, schreie ich zurück. Eine weitere Haarsträhne löst sich aus dem Knoten und fällt mir vor die Augen. Ich atme einmal tief durch. Und gleich noch einmal.
Positive Energie.
Positive Energie.
Wo, verdammt, ist die, wenn man sie braucht? Ruhig Blut. Ich löse den Haargummi meines zerstörten Dutts, atme erneut tief ein und fahre mir beruhigend durch die braunen Wellen. Ich krieg das hin. Ich werde jetzt meinen Kram gemeinsam mit meinem Stolz aufsammeln, und die perfekte Mieterin sein. Total unauffällig. Gérard hat mich schließlich auf die GQ schwören lassen.
5 Minuten später habe ich Jans Gemälde und etwa die Hälfte meiner Schätze in Sicherheit gebracht und fege Ferkelchens Reste von der Treppe, als mich ein Aufschrei zusammenzucken lässt.
„Ach du meine Güte, ach du meine Güte!“ Ein großer, dünner Mann um die 50, mit knallgelbem Halstuch und einer Frisur wie Gargamel, klammert sich mit verstörter Miene am Treppengeländer fest. Ich drehe mich zu ihm herum und strecke ihm die Hand hin. „Hallo. Ich bin Maya Sonnenthal, die neue Mieterin.“
„Ach du meine Güte!“
„Und Sie sind?“
„Schön richtig, ach du meine Güte!“, jammert Gargamel, während sein Blick ziellos über den Saustall irrt, den Ferkelchens Tod und das Paketunglück hinterlassen haben.
„Mein Sparschwein ist leider hinuntergefallen“, sage ich, während ich die Hand wieder zurückziehe.
„Ach du meine Güte! Ein Schwein ist verschieden! Ein Schwein ist verschieden!“ Jetzt sieht er aus, als müsse er sich setzen.
„Ich habe Ihren Namen nicht verstanden“, sage ich aufmunternd.
„Schön richtig“, murmelt er zerstreut.
„Schön richtig?“
„Schönrichtig! … Ach du meine Güte … Die neue Mieterin … Nach dieser Barbara ... Oje!“ Schönrichtig sieht mich verzweifelt an. Dann räuspert er sich. „Haben … haben Sie bereits das Vergnügen genossen, die reizende Lady Grazie kennenzulernen?“
Reizende Lady Grazie? Das kann unmöglich das arrogante Mädchen von vorhin sein. Milde lächelnd schüttle ich den Kopf. „Ich habe bisher nur ein junges Mädchen kennengelernt.“ Ich atme tief ein und klopfe mir innerlich selbst auf die Schulter. Man könnte fast meinen, dass die Begegnung positiv verlaufen wäre.
„Ja, das ist Katja, meine kleine …“ Er seufzt und schüttelt den Kopf. „Nun, so klein ist sie gar nicht mehr. Offenbar ist sie gerade in einem etwas schwierigen Alter, aber Omnia tempus habent, alles hat seine Zeit. Vielleicht bin auch ich in einem schwierigen Alter.“ Er lacht kurz auf. „Lady Grazie ist der Meinung, es wäre leichter, wenn da nicht dieser Generationskonflikt wäre, und manchmal bin ich vielleicht auch etwas zu streng mit ihr, jedenfalls waren wir schon sehr gespannt, als wir hörten, dass wieder eine neue Mieterin bei uns einziehen würde … huch, Sie haben Lady Grazie doch nicht geweckt, oder? Sie ist sehr geräuschempfindlich.“
Ich nicke und schüttle abwechselnd zustimmend, verneinend, entrüstet den Kopf. Das Gör ist also seine Tochter? Der Arme! Ja, den Generationskonflikt kann ich mir lebhaft vorstellen. Vor allem, wenn er gleich nach Hause kommt und Katja nicht zu Hause vorfindet. Und nein, ich würde Lady Grazie niemals wecken, wer auch immer das sein mag! Schließlich bin ich mustergültig, GQ und überhaupt. MUSTERGÜLTIG. Ich räuspere mich. „Ich werde hier gleich aufräumen. Besuchen Sie mich doch, wenn ich mich eingerichtet habe. Ich würde mich freuen.“
Schönrichtig ist zwar nicht besonders schön und wahrscheinlich auch nicht ganz richtig im Kopf, aber er macht einen liebenswerten Eindruck.
Schönrichtig lächelt und nickt. Dann sieht er noch einmal auf die Spuren der Paketexplosion, stammelt ein letztes Mal „Ach du meine Güte“ und verschwindet, jede zweite Treppenstufe nehmend, nach oben.

Eine Stunde später schleife ich meine neue Matratze aus dem Vorzimmer ins Schlafzimmer und lasse mich auf sie plumpsen. Die Abendsonne leuchtet rot durch meine schönen, neuen Fenster und bringt den kürzlich eingelassenen Parkettboden zum Schimmern. Die Wände sind weiß verputzt und riechen noch schwach nach frischer Farbe. Seufzend strecke ich mich auf meinem derzeit einzigen Einrichtungsgegenstand aus und finde es einfach nur perfekt.
Möbel besitze ich lediglich in homöopathischen Mengen. Auf Hotel Mama folgte die Studenten-WG, danach zog ich bei meinem ersten Freund ein, dann bei meinem zweiten, danach bei einer Freundin, dann landete ich wieder zu Hause, und irgendwann wohnte ich schließlich bei Jan. Und Jan hatte Möbel … wow, was hatte Jan für Möbel. Nur blöd, dass es nicht seine eigenen waren.
Aber diese Matratze gehört nun mir. Genau wie die Wohnung. Meine erste eigene Wohnung mit meinen ersten eigenen Möbeln und meiner ersten eigenen Wandfarbe. Keine Diskussionen, welches Grün das richtige Statement setzt und nicht allzu schwul wirkt. Ich bin wieder Single und ich werde es sowas von genießen.
Mein Handy klingelt. Noch immer auf dem Rücken liegend, quetsche ich meine Hand in die Hosentasche und ziehe es heraus. „Hallo?“
„Firma Bachmann, es geht um die Lieferung einer Wohnzimmereinrichtung und eines Bettes, spreche ich mit Frau Sonnenthal?“
Mein Herz tanzt. „Ja, das bin ich, brauchen Sie nochmal die Adresse? Ich dachte mir schon, dass Ihre Leute sich vielleicht verfahren haben, eigentlich hätten Sie doch schon vor einer halben Stunde hier sein …“
„Also, Frau Sonnenthal, das mit der Lieferung wird nix.“
„Was?“, hauche ich ins Telefon und setze mich kerzengerade auf. „Aber mir wurde zugesichert …“
„Ein Gewerkschaftsschtreik in Holland hält sich nun mal nicht an Zusicherungen“, schnappt der Mitarbeiter von Bachmann. „Also ich sag Ihnen, wie es ischt. Entweder Sie nehmen den Ersatzliefertermin in zwei Wochen oder Sie können den Auftrag auch gerne schtornieren, liegt ganz bei Ihnen.“
Wollen die mich verarschen?! In zwei Wochen?!
Ich wollte doch jetzt und hier und sofort meine neue Wohnung genießen. Nicht in zwei Wochen, sondern jetzt! JETZT!
Ich springe auf und stampfe zu den Fenstern, die dringend geputzt werden müssen. Ruhig Blut. Ich habe mich unter Kontrolle. Völlig kontrolliert beiße ich die Zähne aufeinander, zische: „Schtornieren ischt keine Option, dann in zwei Wochen“, und lege auf.









 

Noch hundertzehn Tage

Der Elektriker hat den Termin für die Lampenmontage schon zum zweiten Mal verschoben. Mein neues, umgängliches Ich hat Kerzen gekauft und freut sich über die romantische Zeltlager-Atmosphäre, die sich in einer völlig leeren Wohnung mit einer Matratze und ein paar Kisten persönlicher Habseligkeiten einstellt. Positive Energie, sage ich nur.
Ich lasse gerade Wasser in meinen Putzeimer, als es an der Tür klingelt. Es ist Gérard. Wahrscheinlich ist er nur gekommen, um zu sehen, ob ich schon irgendeinen Bock geschossen habe. Sein Geruch nach Giorgio Armani schlägt mir entgegen, als ich die Tür zu meinem neuen Heim öffne. Gérard lässt den Fotoapparat lässig von seiner Schulter gleiten und drückt mir einen Kuss auf die Stirn.
„Hallo du.“ Er hält mir einen Bambusstock entgegen. „Pflegeleicht, robust und winterhart.“
„Wie du?“
„Nicht nur im Winter, Kleines. Allzeit bereit, lautet die Devise.“ Gérard grinst breit und zieht den schwarzen Kaschmirmantel aus. Darunter trägt er schwarze Jeans und ein schwarzes Shirt. Gérards Kleidung ist immer schwarz, genau wie seine Seele. Seine dunklen Augen leuchten anerkennend, als er durch meine leeren Räumlichkeiten schlendert. „Mut zur Lücke. Gefällt mir.“
„Nun, ganz so soll es nicht bleiben“, erwidere ich und öffne die dreckigen Fenster. „Ein paar Möbel wären schon ganz nett. Aber sie kommen sicher bald. Ganz, ganz bald.“
Er hebt die Augenbrauen. „Soll ich mich darum kümmern?“
„Ja“, antworte ich kläglich. „Ich meine: Nein! Natürlich nicht. Du hast schon genug für mich getan.“ Ich schenke ihm ein strahlendes Lächeln. „Außerdem passt es super, dass die Möbel noch nicht geliefert wurden. Besser hätte es gar nicht laufen können.“
„Tatsächlich?“
„Ja. So muss ich weniger Plastikfolie kaufen. Wo mir doch der Maler schon wieder den Termin verschoben hat …“
„Ich dachte, das war der Elektriker.“
„Der auch.“
Gérard lächelt milde. „Läuft wohl ganz nach Plan, Kleines?“

Ich mache uns Kaffee. Gérard hat seine Wohnungsbegehung beendet und steht vor Jans Gemälde. Die Hände hinter dem Rücken verschränkt grunzt er missbilligend.
„Ich weiß“, sage ich, während ich ihm seine Tasse (schwarz, keinen Zucker) reiche. „Das ist natürlich nur eine Übergangslösung. Keine Ahnung, wie ich als Single ohne 200 m²-Loft zurechtkommen soll.“
Leichtes Mundwinkelzucken. „Hier geht’s nicht um die Wohnung, Kleines. Nur über deinen Kunstgeschmack solltest du mal mit einem Therapeuten sprechen.“ Er deutet auf die Leinwand. „Ist das Kunst oder kann das weg? Das kann weg.“
Ich verschlucke mich beinahe an meinem Milchkaffee. „Sicher nicht! Es gehört mir und ich habe es mir nach dem ganzen Schlamassel auch verdient!“
„Ich bin mir nicht sicher, ob die Polizei das ebenso sieht. Und willst du wegen sowas eingebuchtet werden?“
Ich betrachte die fluoreszierenden Farben auf dem schwarzen Hintergrund mit kurzem Zögern. „Blödsinn. Jan hat es mir geschenkt. Deswegen können die mich doch nicht einsperren. Oder?“
Er zuckt mit den Schultern. „Fragt sich, woher Jan es hatte. Von daher der perfekte Zeitpunkt, es zu entsorgen. Und“, er bückt sich, greift in einen der Umzugskartons und zückt meine Anden-Vase, „die hier kannst du gleich mit runter nehmen.“
Mit einem raschen Schritt bin ich bei ihm und schnappe mir die türkise Vase, ein Geschenk meines Onkels. Gérard lächelt erbarmungslos und lehnt sich lässig gegen die Wand.
„Du musst lernen, dich von hässlichen Dingen zu trennen. Und das ist jetzt keine Metapher“, sagt er und zieht stirnrunzelnd meine selbstgebastelte Schmuckschatulle hervor.
„Es geht nicht immer nur um die Optik, Gérard.“
„Worum sonst?“
„Okay, es ist ein Geheimnis, aber ich verrate es dir. Halt dich gut fest: Es gibt auch so etwas wie innere Werte.“
„Innere Werte? Wenn ich mich recht erinnere, war Jan von außen als auch von innen eine Null.“
Touché. Ich entreiße Gérard meine Schmuckschatulle und stelle sie gemeinsam mit der Vase auf den Boden. Dann schnappe ich mir meinen Putzeimer, einen Schwamm und eine Flasche Meister Proper. „Ich hab eben den Richtigen noch nicht gefunden“, murmle ich und sprühe ein paar Spritzer Putzmittel auf das Glas. „Und ich will nicht mehr über Jan reden. Am besten nie wieder. Genauso wenig wie über Hans, Lasse und Uwe.“
Gérard schüttelt den Kopf. „Der richtige Mann trägt auch den richtigen Namen.“
„Es kann nicht jeder belgische Künstler als Eltern haben“, erwidere ich schnippisch und klatsche den nassen Schwamm gegen die Fensterscheibe.
„Vielleicht nicht. Aber wenn dir das nächste Mal ein Günther begegnet, solltest du schnell wegrennen.“
Ich lache und salutiere mit dem Schwamm in der Hand, dass das Wasser nur so spritzt. „Jawohl, Sir, verstanden. Und jetzt bitte Themenwechsel. Lass uns über mein wunderschönes, neues Zuhause sprechen.“ Beschwingt drehe ich mich mit ausgestreckten Armen einmal im Kreis. „Die Vermieterin war zwar total schräg, aber wenn du mich fragst, ist die Wohnung jede Sekunde der 137 Minuten wert, die ich mit ihr und ihrem toten Kanarienvogel auf dieser keimfreien Couch verbringen musste.“ Ich streiche mir mit dem Handrücken eine Locke von der Wange und sehe Gérard neugierig an. „Kennst du Frau Rosenstein eigentlich persönlich?“
„Nein, nur ihre Enkelin. Und ihre andere Enkelin.“ Er grinst dreckig.
„So genau wollte ich es eigentlich gar nicht wissen“, brumme ich und widme mich dem staubigen Rahmen, als es klopft.
„Erwartest du Besuch?“, fragt Gérard. Ich schüttle den Kopf und marschiere mit der Fensterputzflasche in der Hand ins Vorzimmer. Vor der Tür steht die unfreundliche Nachbarstochter in einem knappen, dunklen Outfit, so finster wie ihr Blick. Aus meinem Seufzen wird gerade noch ein höfliches Räuspern, das nach hustender Katze klingt. Ihre schwarz umrandeten Augen verengen sich.
„Für dich“, sagt sie kühl und hält mir einen Stapel Post entgegen. „Papa hat gesagt, ich soll das bei dir vorbeibringen.“
„Danke“, sage ich zurückhaltend und versuche, nicht an ihren Kartontritt, sondern an meine positive Energie zu denken. Gérard taucht hinter mir auf und nickt dem kleinen Biest zu. Spontaner Atmosphärenwechsel. Sie lächelt!
„Hallo“, sagt sie atemlos und streckt ihm die Hand mit den grau lackierten Fingernägeln hin. „Katja. Ich wohne hier.“
„Nicht direkt hier“, verbessere ich automatisch.
„Nein, unten, also drunter“, stammelt sie und wird rot. Das Girl ist anscheinend wieder on Fire, diesmal jedoch on Liebesfire. Gérard sieht zugegebenermaßen umwerfend aus. Nicht nur für einen Teenager.
„Schön, dich kennenzulernen“, sagt Gérard mit tiefer Stimme. Ich spüre förmlich, wie Katja sein Testosteron aufsaugt.
„Ebenfalls“, gibt sie sich cool, obwohl ihre Wangen wie Ferkelchens Punkte leuchten. „Hängst du öfter hier in der Gegend ab?“
Oh bitte. Muss das jetzt sein?
„Die nächsten Wochen schon, mal sehen“, antwortet Gérard und wirft mir einen Seitenblick zu. Ja, ich habe verstanden. Ich werde mich benehmen.
„Ach so, seid ihr beiden etwa …“ Katja sieht angewidert zwischen uns hin und her.
„Zusammen?“, helfe ich ihr auf die Sprünge. Nicht, dass es sie etwas angehen würde, aber ich will mal nicht so sein. „Nein. Sind wir nicht.“ Unauffällig drücke ich die Tür ein Stückchen weiter zu. „Danke für die Post.“
Katja schiebt ihren Fuß unbeeindruckt zwischen den Türrahmen und stellt ihn direkt auf meinen. Spinnt die?
„Uh, das wird der Rosenstein aber gar nicht gefallen.“ Mädchenhafter Augenaufschlag. „Ich hoffe, du bekommst deswegen keine Schwierigkeiten …“ Sie lässt den Satz verhängnisvoll in der Luft hängen.
„Nett, dass du dich so um mich sorgst“, schnappe ich zurück, „aber Gérard ist mein Cousin. Ich nehme nicht an, dass mich das in Schwierigkeiten bringen wird.“
Katja verzieht das Gesicht und deutet auf den Fensterreiniger in meiner Hand. „Das vielleicht nicht, aber mit dem Putzmittel solltest du dich nicht sehen lassen. Soviel ich weiß, hasst die Rosenstein Männer mit Glatze. Ich glaube, das war auch der Grund, warum Mieter Nummer 4 rausgeflogen ist, akuter Haarausfall. Du solltest aufpassen, dass dir das nicht auch passiert ...“ Sie lächelt kalt und wendet sich Gérard zu: „Hey, vielleicht sieht man sich ja in dem neu eröffneten Club, die Straße runter.“ Dann bohrt sie den Absatz ihres Stiefels in meine Zehen, grinst mich spöttisch an und rauscht davon.
Aua! Das darf doch nicht wahr sein!
Gérard betrachtet mich skeptisch. „Du hast also schon Freunde gefunden, Cousine. Eine reizende, junge Dame.“
„Ja, brechreizend“, schnaube ich, „Die ist vollkommen durchgedreht! Die hat Ferkelchen und meine Sachen die Treppe runtergeschmissen, ich muss mich sowas von zusammenreißen, um der nicht … am liebsten würde ich … die ist sowas von arrogant und boshaft … gib mir drei Sekunden mit ihr und … und …“, ich ringe nach den passenden Worten, „Honig und Hühnerfedern oder sowas … geteert und gefedert … der müsste man doch ... ach, was auch immer!“ Gérard dirigiert mich zurück ins Wohnzimmer. „Ist doch nur ein junges Ding. Du benimmst dich untervögelt, Maya.“
„Dafür gibt es ja wohl auch einen Grund.“
Er beugt sich nach vorne. „Dem könnten wir Abhilfe verschaffen“, flüstert er.
Ich verdrehe die Augen. „Vielleicht in einem anderen Leben.“







Noch hundertneun Tage

Irgendein Vollidiot klingelt mich aus dem Bett.
Völlig verschlafen öffne ich und sehe mich Nachbar Schönrichtig (heute mit königsblauem Halstuch) gegenüber.
„Fräulein Sonnenthal“, beginnt er. „Die Post war falsch eingeordnet! Lady Grazie regt so etwas furchtbar auf! Immer dieser Postbote, jedes Mal, wenn ein neuer Nachbar einzieht, beginnt das Chaos von vorne! Errare humanum est, unmenschlich ist so etwas! Haben Sie Ihre Post erhalten, Fräulein Sonnenthal? Ich habe Katja gestern zu Ihnen geschickt, aber das Kind macht ja doch nur, was es will!“ Endlich holt Schönrichtig Luft und sieht mich genauer an. Ich dürfte etwas derangiert aussehen, denn er hopst einen Schritt zurück und wirkt betreten. „Verzeihen Sie meine Unhöflichkeit, Fräulein Sonnenthal, Höflichkeit erachtet Lady Grazie als die höchste Tugend, ich wollte Sie nicht stören, ich wünsche Ihnen einen erquicklichen Tag, auf Wiedersehen.“ Weg ist er.
Ich schließe die Tür. Oh Mann, es ist 6.33 Uhr und Schönrichtigs Aufgeregtheit ist wie ein Virus, der von mir Besitz ergreift. Vielleicht sollte ich rasch hinunterlaufen, mein Postfach kontrollieren und gegebenenfalls neu einsortieren?
Schwachsinn!
Gähnend mache ich mich auf den Weg in die Küche, da klingelt es erneut. Ich drehe wieder um. Es ist noch immer Schönrichtig. Oder schon wieder, je nachdem.
„Es gibt übrigens ein schwarzes Brett, Fräulein Sonnenthal“, spricht er ansatzlos weiter. „Es ist meine Pflicht, Sie darüber zu informieren. Jede Partei des Hauses kann Punkte sammeln. Wir – das heißt, Lady Grazie und ich – küren jeden Freitag den Mieter der Woche. Dies dient dem Zweck, den Mietern des Hauses und insbesondere Lady Grazie ein harmonisches und erfüllendes Zusammenleben zu ermöglichen.“ Er rückt sein blaues Halstuch zurecht und räuspert sich. „Guten Tag.“

Leider wurde es kein guter Tag. Ralph hat mir einen Haufen Arbeit aufgebrummt, meine Periode kam einen Tag zu früh, in der Kantine gab es Spargel und im Fahrstuhl ließ ein Kollege seinen Blähungen freien Lauf.
Und es wird auch nicht besser, als ich in meinem Postkasten einen dünnen Packen Papier mit dicken schwarzen Lettern finde. Herrje, die Hausordnung der verrückten Vermieterin. Um noch länger hier wohnen zu bleiben, sollte ich dieses Ding schleunigst auswendig lernen und Punkte für das schwarze Brett sammeln. Im Schlafzimmer lasse ich mich auf meine Matratze fallen und blättere mäßig motiviert durch die ersten Seiten. Hier steht:

§1: Haus und Grundstück sind in sauberem Zustand zu halten. Die Mieter sind verpflichtet, nach einem Reinigungsplan abwechselnd Flure, Treppen, Fenster und Dachbodenräume, Zugangswege außerhalb des Hauses, den Hof, den Standplatz der Müllgefäße und den Bürgersteig vor dem Haus zu reinigen. Die entsprechenden Aufgaben sind dem schwarzen Brett zu entnehmen.
Erweiterung Lady Grazie: In den allgemein zugänglichen Bereichen ist es zudem verboten, Krankheitserreger freizusetzen. Aktivitäten, die einen Verlust von Körperflüssigkeiten nach sich ziehen (Husten, Niesen, Schwitzen, Bluten), sind tunlichst zu vermeiden.

§2: Aus Sicherheitsgründen sind Haustüren, Kellereingänge und Hoftüren in der Zeit von 22.00 bis 6.00 Uhr ständig geschlossen zu halten. Haus- und Hofeingänge, Treppen und Flure sind als Fluchtwege grundsätzlich freizuhalten.
Erweiterung Lady Grazie: Auch das kurzfristige Aufstellen und Lagern von Gegenständen außerhalb des Mietgegenstandes ist nicht gestattet (hierzu zählen auch nasse Regenschirme und geschmackloses Dekorationsmaterial in der Weihnachtszeit!), denn sie stören Lady Grazies Wohlbefinden.

§3: Liaisons zwischen Hausbewohnern sind strengstens untersagt. Die Missachtung dieser Regel kann zu einer Auflösung des Mietverhältnisses führen.
Erweiterung Lady Grazie: Grundsätzlich ist es besser, den Status eines Singles zu behalten. (Liebesbekundungen, Auseinandersetzungen und Stimmungsschwankungen führen automatisch zu einer Erhöhung des Geräuschpegels und sind von daher nicht gestattet.)

Und so weiter, und so weiter … ich blättere bis zum Ende durch. Wollen die mich verscheißern?! Zu müde, um alle 113 Paragraphen genau durchzulesen, überfliege ich nur die diversen Anhänge (Skizzen des Fahrradschuppens, der Flure, der Waschküche im Keller) und lege die sonderbare Hausordnung dann gähnend beiseite. Wer zum Teufel ist Lady Grazie? Ist das ein Kosename für die alte Frau Rosenstein? Oder irgendeine besonders wichtige Mieterin?! Keine Ahnung, aber ich werde es sicher bald herausfinden.
Mein Handy klingelt und mir wird schlecht. Es ist Jan.
Hätte die Polizei nicht sein Telefon konfiszieren können?
Möglicherweise hat sie das ja auch getan, und es ist der eine Anruf aus der Zelle. Oder von den Bahamas?
Ich mag Strand. Ich mag Wasser. Ich mag das Geräusch von Wasser, wenn es auf Sand trifft. Ich mag Sonne. Ich mag liegen. Ich mag in der Sonne liegen. Ich mag unter einem großen Schirm liegen. Ich mag schlafen. Ich mag Cocktails mit Schirmchen. Ich mag Wind. Ich mag den Wind auf meiner Haut. Ich mag den Wind, wenn er das Wasser auf meiner Haut trocknet.
Ich mag nicht ans Telefon gehen.







Noch hundertacht Tage

Ich bin zwar erst den fünften Tag hier, aber es fühlt sich an, als wären es fünf Wochen. Einfach nicht zu viel darüber nachdenken, ob das gut oder schlecht ist, ich werde lieber meine Energie in etwas Sinnvolles stecken. In Jeans, T-Shirt und Ballerinas, dazu noch ein geblümtes Tuch um die Haare geknotet, fühle ich mich bestens gerüstet, die Aufgabe „Fensterputzen im Fahrradschuppen“ auf dem schwarzen Brett zu erledigen. Super Gelegenheit, meine soziale Ader zu zeigen und gleichzeitig ein paar Punkte für diesen Mieter-der-Woche-Scheiß zu sammeln.
Ich schleppe die Leiter und den Putzeimer in den Schuppen und stelle beides in der Mitte des Raumes ab. Um die hohen Fenster zu erreichen, muss ich zwei Fahrräder aus dem Weg räumen, die entgegen der Hausordnung nicht mit Namensschildern versehen sind, und sich auch nicht in den farblich markierten Zonen befinden. Das eine Fahrrad ist noch dazu am Heizungsrohr angekettet, wodurch ich die Leiter nicht nah genug ans Fenster bekomme. Mist. Mir bleibt nichts anderes übrig, als Gewalt anzuwenden, um meine Leiter in die Lücke zu kriegen.
„Ey, was machst du denn da?“, faucht jemand hinter mir. Ich wirble erschrocken herum und schmeiße dabei den Putzeimer um. Wunderbar. Jetzt ist die Seifenlauge überall, nur nicht auf den Fenstern.
„Eimer umschütten, siehst du doch“, entgegne ich und hebe den roten Plastikbehälter auf. Zum Glück ist nicht alles ausgeschüttet, und den Rest mache ich später weg.
„Na super, jetzt ist meine Hose nass, du blöde Kuh!“, schreit Katja. Sie legt Handy und Wasserflasche zur Seite und wischt hektisch über ihre weiße Jeans, die ein paar Spritzer abbekommen hat. Was ein Witz ist gegen meine Ballerinas, die völlig durchnässt sind und bei jedem Schritt schmatzende Geräusche von sich geben.
Jetzt nur nicht auf ihre Provokationen eingehen. Mieterinnen der Woche sind völlig gelassen. Ich ignoriere Katja, steige auf die Leiter und balanciere mit dem nassen Lappen auf der obersten Sprosse. Wenn ich mich weit genug strecke, bekomme ich die blöden Fenster in null Komma nichts sauber.
„Mach Platz, ich muss zu meinem Fahrrad“, meckert das kleine Biest und zieht mit einem Ruck an dem Rad, das am Heizungsrohr hängt. Mir bleibt nur noch Zeit für einen spitzen Schrei, als meine Leiter ins Wanken gerät. Instinktiv versuche ich, mich am Fenstergriff festzuhalten, doch meine seifennasse Hand gleitet ab und trifft auf einen spitzen Holzsplitter, der aus dem alten Rahmen ragt. Aua, tut das weh! Ich blute wie ein Schwein. Die Verletzung weit von mir gestreckt, klettere ich von der Leiter wieder hinunter.
„Iiiih“, sagt die kleine Kröte ohne jedes Schuldbewusstsein. „Tja, putzen ist nicht so dein Ding, bist wohl eher der Typ Staubsauger.“
Einen Moment starre ich sie nur baff an.
„Oh, wie lassen mich ausflippen, deine blutig roten Lippen“, stöhnt Katja hingebungsvoll mit einem Blick auf meine aufgerissene Handinnenfläche, bevor sie mit einem weiteren, festen Ruck ihr Fahrrad befreit. Ich stehe noch immer da und versuche, mehrere Dinge gleichzeitig zu verarbeiten. Erstens: Diese schmalzig-poetische Zeile kommt mir verdammt bekannt vor. Zweitens: Ich habe auf ihren Fahrradsattel geblutet. Drittens: Die Fenster sind noch genauso dreckig wie vorher. Viertens: Wenn sie so dämlich grinst, würde ich ihr am liebsten mitten ins Gesicht schlagen. Dieses Gefühl erschreckt mich ein wenig, denn normalerweise bin ich kein gewalttätiger Mensch. Meine Gedanken wandern wieder zurück zu Erstens, da klappt mir der Mund auf.
Oh, wie lassen mich ausflippen, deine blutig roten Lippen, ist von mir! Und weiter geht es: Doch du möchtest mich nur necken, spielst verstecken, sollst am Hinterteil mich lecken! Dieses kleine Miststück hat mir mein Tagebuch geklaut, und zwar das, in dem ich meine poetische Phase mit Jane Austen und Shakespeare ausgelebt habe! (Gut, meine Thementagebücher wären vielleicht etwas, was ich mit einem Therapeuten besprechen könnte – aber sicher nicht mit Katja.)
„Gib mir mein Tagebuch zurück!“, fauche ich.
„Ich hab keine Ahnung, wovon du sprichst. Wohl zu viele Putzdämpfe eingeatmet?“ Ihre grünen Katzenaugen blitzen voller Genugtuung. „Ach ja. Und nicht die Fensterrahmen vergessen“, fügt sie hinzu und schiebt ihr Fahrrad nach draußen. Verärgert sehe ich ihr hinterher und hebe die Hand. Ich möchte gerade auf ihren Fahrradsattel deuten, als Katja ihre Rechte hebt, flott alle fünf Finger bewegt und mir schließlich den Mittelfinger entgegenstreckt.
Automatisch halte ich in der Bewegung inne und winke ihr einfach nur zu. Zuerst etwas verhalten, dann deutlich enthusiastischer. Sie hat es so gewollt. Weiße Hose plus blutbesudelter Sattel gleich keine gute Kombination. Menstruationsflecken sind in keinem Alter sexy, aber als Teenager besonders übel.
Ich presse mir ein Taschentuch auf die Wunde, klettere zurück auf die Leiter und spähe durch das Fenster auf die Straße. Ja, da fährt sie. Tschüss, Katja. Im gleichen Augenblick kommt von der anderen Seite ein trainierter Typ in Jeans und T-Shirt auf einem Rennrad angefahren, steigt ab und fängt meinen zufriedenen Blick auf. Ist das nicht der mit dem übersteigerten Selbstbewusstsein? Er grinst mich breit an und ich lächle unfreiwillig zurück.
Verdammt. So war das nicht gemeint. Schnell schaue ich, so böse ich kann. Mein Handy summt und ich ziehe es aus der Hosentasche. Nur die Firma. Als ich meinen Blick wieder auf die Straße richte, ist der Typ verschwunden.
Wo ist der denn so schnell hin? Der kann sich doch nicht in Luft auflösen.
„Suchen Sie mich?“, fragt eine tiefe Stimme hinter mir. Ich fahre erschrocken herum und falle dabei fast von der Leiter.
Peinlich, peinlich, peinlich. Mit lauten Schmatzgeräuschen (quatsch, quatsch, quatsch) steige ich hinunter.
„Ich … wollte nur sehen, in wen Sie heute hineinrennen.“
Er grinst und lehnt sich gegen die Wand. „Am liebsten in Sie. Sind Sie bereit?“
Wie jetzt? Was ist denn das für eine Anmache? Mein Stirnrunzeln wirft einen Schatten der Verunsicherung auf sein Gesicht.
„Oh. So war das nicht gemeint.“ Er richtet sich rasch auf und seine blaublauen Augen werden ernst. „Ich, also die Formulierung … tut mir leid. Das ist jetzt total falsch rübergekommen, ich wollte nur witzig sein, aber das grenzt wahrscheinlich schon an Belästigung ...“
Ich muss lachen. So aufgeregt ist er eigentlich ganz süß.
„Alles gut, alles auf Neustart. Ich bin Maya, die neue Mieterin“, erlöse ich ihn. Er beginnt wieder zu atmen und lächelt schief. „Ich weiß, Ihre Post ist schon mal bei mir gelandet. Ich bin Holger, der alte Mieter.“ Er deutet auf meine Wunde. „Haben Sie ein Pflaster? Sie bluten den ganzen Boden voll.“ Ich sehe hinunter. „Mist. Ich blute in den grünen Bereich.“
„Keine Sorge, der grüne Bereich gehört Schönrichtig, der ist total cool bei solchen Dingen.“ Ich werfe ihm einen zweifelnden Blick zu. Er kramt in seiner Fahrradtasche nach Desinfektionsspray und Mullverband und grinst. „War nur ein Witz, Schönrichtig kriegt die Krise, wenn er sieht, was Sie hier veranstaltet haben.“ Er zwinkert mir zu. „Sie sollten dann doch besser in den roten Bereich bluten.“
Na super.
„Können Sie mir dieses Farbsystem hier mal erklären?“, bitte ich ihn, während er meine Hand untersucht und fachmännisch verarztet. „Ich blicke ehrlich gesagt überhaupt nicht durch. Laut der Farbtafel an der Tür müsste mir doch eigentlich der gelbe Bereich zustehen, oder sehe ich da was falsch?“
„Ach, das Farbsystem. Ein Buch mit sieben Siegeln. Sie orientieren sich an den Sommerfarben, nun sind aber die Winterfarben dran.“
„Ist das Ihr Ernst?“
„Alles in Ordnung? Sie sehen aus, als hätten Sie einen leichten Schock.“ Holger legt den Kopf etwas schief und betrachtet mich prüfend. Er hat dunkelblondes, leicht gewelltes Haar, ist braungebrannt, mit kleinen, sonnigen Lachfalten um die blaublauen Augen. Und obwohl ihm ein paar verschwitzte Strähnen in die Stirn fallen, riecht er nach frisch gewaschener Wäsche. NACH dem Sport. Jan hat nach dem Sport immer gerochen wie nach dem Sport.
„Sie werden schon noch dahinterkommen“, meint Holger und stellt sein Fahrrad in die Lücke zwischen dem gelben und dem blauen Bereich. „Für die neuen Nachbarn ist es immer schwer. Aber keine Sorge, spätestens in einem halben Jahr haben Sie diese Probleme nicht mehr.“
Wieso nicht? Weil ich bis dahin schon längst wieder ausgezogen bin? Oder weil ich bis dahin nicht mehr in meiner Wohnung, sondern einem Sarg wohne?
„Wie viele neue Nachbarn gab es denn schon?“
„Ach, so einige. Die Dachgeschosswohnung ist nicht ohne. Sie wissen schon.“
„Ich weiß gar nichts“, sage ich mit vielleicht etwas zu viel Nachdruck. Holger klebt das Pflaster fest und zuckt die Achseln.
„Ach, das Übliche. Wohnungswechsel, Herzinfarkt. Man nennt es nicht umsonst die Wohnung des Grauens. Hat die Polizei diesmal wenigstens die Kreidespuren vom Boden entfernt?“ Er grinst mich wieder an und ich merke erst jetzt, dass er mich nach Strich und Faden verarscht.
„Eher die Nachbarn des Grauens“, murmle ich halblaut.
„Nun, da ist auch was dran. Allerdings nicht alle …“ Er sieht mir einen Moment lang direkt in die Augen. Verdächtiges Kribbeln in der Magengegend. Stopp! Kopf einschalten.
„Na dann, man sieht sich.“ Holger hebt die Hand und eine Sekunde später ist alles, was von ihm bleibt, der Duft nach frisch gewaschener Wäsche.








Noch hundertsieben Tage

Der Maler kommt heute – endlich – und hoffentlich auch der Elektriker. Allerdings zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Ich muss arbeiten und Ralph sitzt mir telefonisch seit einer halben Stunde im Nacken. Länger kann ich nicht warten. Ich. muss. jetzt. arbeiten. gehen. Die Farbe steht im Vorzimmer, die Rolle mit der Abdeckfolie liegt im Wohnzimmer und die Leiter ist im Schlafzimmer. Alles ist bereit, nur der verdammte Maler nicht.
Den Schlüssel möchte ich nicht draußen liegen lassen, siehe §2 der Hausordnung: Das Aufstellen und Lagern von Gegenständen außerhalb des Mietgegenstandes ist nicht gestattet. Aber das kann doch nicht ernsthaft die Morgenzeitung miteinschließen. Nachdem ich sie bereits zweimal aus der Biomülltonne fischen musste, mit Eiklar und anderen Widerwärtigkeiten übergossen, und dafür von Schönrichtig einen Anschiss bekommen habe, weil die Zeitung doch in den Altpapiercontainer gehört, habe ich das Abo kurzerhand abbestellt. Nachrichten werden eindeutig überbewertet, schlechte Nachrichten sowieso und außerdem gibt es ja noch das Internet.
Ich streife den letzten Rest an Unschlüssigkeit ab, verstecke meinen Wohnungsschlüssel unter der Fußmatte und mache mich auf den Weg zur Arbeit. Hinter mir ist ein leises Knarren zu hören, doch als ich mich umdrehe, ist niemand zu sehen. Und selbst wenn da jemand wäre. Bis auf einen Haufen Tagebücher, zwei Koffer voller Kleidung, Geschirr, ein paar Deckenlampen und einer Matratze ist bei mir nicht viel zu holen. Und mein verletztes Herz trage ich sowieso immer bei mir.

Nach einem vierstündigen Besprechungsmarathon klingelt in der Mittagspause mein Handy.
„Ja“, seufze ich in das Telefon.
„Die Farb, die Se mir hingstellt ham, die reicht net, bei weitem net“, raunzt der Maler in mein Ohr.
„Was heißt das, die Farbe reicht nicht? Sie haben doch gesagt, Sie brauchen maximal 6 Eimer? Und ich habe 7 gekauft.“
„Jetzt hörn Se ma. Se ham offnsichtlich a Problem mitm Rechne, typisch Frau.“
Chauvinistisches Arschloch.
„Ich habe SIEBEN Eimer Farbe gekauft, was heißt, das reicht nicht?“
„Die Farb reicht net. Wenn Se wolln, fahr ich kurz zum Baumarkt und hol, was fehlt. Kost aber di Fahrtkoste extra.“
„Maya, es geht weiter.“ Ralph steckt den Kopf zur Tür herein und tippt mit dem Zeigefinger ungeduldig auf seine Armbanduhr. Sein Blick sagt: Dämliche Quote, hätte ich doch einen Mann für den Job einstellen können, der würde weniger telefonieren. Er verlässt den Raum und nimmt einen beträchtlichen Teil meines Selbstbewusstseins mit.
„Kaufen Sie einfach die Farbe, die Sie brauchen und setzen Sie sie mir auf die Rechnung. Auf Wiederhören“, presse ich heraus und lege auf.
Alles wird gut.
Ich streiche meinen schwarzen Blazer glatt und sammle die Unterlagen für das Meeting ein. Heute Abend komme ich in meine wunderschöne, in Sand gestrichene Wohnung. Und morgen ist Wochenende – und das verlässt mich hoffentlich nicht so schnell.

Endlich wieder zu Hause. Ich will gerade die Treppe hoch, da kommt mir Schönrichtig völlig aufgelöst aus dem Innenhof entgegengetorkelt.
„Fräulein Sonnenthal!“, kreischt er schrill. „In unserem Haus hat sich ein Verbrechen ereignet!“
„Was für ein Verbrechen?“, frage ich mehr oder weniger aufgeregt.
„Blut!“, schreit Schönrichtig. „Blut im Fahrradabstellraum! Und die Farbflächen, alles ist völlig, völlig durcheinander! Lady Grazie duldet es nicht, Blutflecken in ihrem grünen Bereich vorzufinden!“
Oje. Da muss ich beim Saubermachen einen Tropfen übersehen haben.
„Wenn ich nur wüsste, wer das gewesen sein könnte“, stöhnt Schönrichtig. „Diese Person muss eindeutig abgemahnt werden, ich muss mit Lady Grazie darüber konversieren, aber sie wird mir gewiss zustimmen, dass diese menschliche Kreatur ein Kandidat für die schwarze Liste ist!“
„Schrecklich“, murmle ich mitfühlend und verstecke meine rechte Hand mit dem Pflaster hinter meinem Rücken. „War es denn viel Blut?“
Schönrichtig sieht mich erschrocken an. „Es geht nicht um die Menge, sondern um den Akt des Vandalismus. So etwas erfährt in diesem ordentlichen Haus keine Duldung, Fräulein Sonnenthal. Principiis obsta! Wehret den Anfängen!“
Mit einem verständnisvollen Nicken versuche auch ich, den Anfängen zu wehren, und verabschiede mich. Je näher ich meiner Wohnung komme, desto rascher rücken Schönrichtig und seine schwarze Liste in den Hintergrund. Mein Herz klopft wie verrückt und eine erwartungsvolle Spannung erfüllt mich vom Kopf bis zu den Zehen. Endlich, endlich werde ich mein neues, mein warmes, mein sonnendurchflutetes Reich in der Wandfarbe Sand betreten. Mit geschlossenen Augen trete ich ein und betätige den Lichtschalter. Dann mache ich die Augen auf. Und betätige den Lichtschalter erneut. Und wieder. Und nochmal.
Nein. Das kann nicht sein.
Mein Verstand weigert sich zu begreifen, was meine Augen sehen. Nicht nur der Maler war da, auch der Elektriker hat es endlich zu mir geschafft. Und gemeinsam haben die beiden meine wunderschöne, neue Dachgeschosswohnung in Draculas Stadtdomizil verwandelt. Ungläubig starre ich an die Zimmerdecke, die mich gleich in zweifacher Hinsicht entsetzt. Zum einen hat der Elektriker alle Lampen in den Ecken montiert. Hat der noch nichts von einer Raummitte gehört?!
Und zum andern ist die Decke schwarz. Aber nicht nur die. Es hat auch die Wände getroffen. Meine ganze Wohnung ist komplett schwarz ausgemalt worden. Ich stehe in einem gottverdammten Friedhof. Wie betäubt wanke ich vom komplett schwarzen Wohnzimmer in das komplett schwarze Schlafzimmer und wieder zurück ins komplett schwarze Wohnzimmer.
Das darf nicht wahr sein. Hier die leeren Farbeimer. Caparol Capatrend SCHWARZ.
Wo zum Teufel sind meine SAND-Farbeimer?! Wo?
Nachdem ich die gesamte Wohnung ohne Ergebnis durchsucht habe, hämmere ich die Nummer des Malers in mein Handy.
„Ja?“
„SIND SIE GESTÖRT?! SIE HABEN MEINE GANZE WOHNUNG SCHWARZ GESTRICHEN!“ Ich renne auf den Flur hinaus und die Treppe hinunter bis zum Innenhof und reiße, Ruhestörung hin oder her, die Müllcontainer einen nach dem anderen mit Getöse auf.
„Des wollten Se ja so, kann ich nix für, wenns Ihnen jetzt nicht mehr gefällt. Habens wohl Ihre Tage gekriegt.“
Arrrrgggghhhh!!!
„Sie Idiot!“, schreie ich hemmungslos.
Hinter mir höre ich ein tiefes Lachen. Holger kommt aus dem Fahrradschuppen, er sieht schick aus, duftet unwiderstehlich und lacht. Ich kann ihn nicht leiden.
„Kann ich irgendwie helfen?“, fragt er belustigt.
„Keine Ahnung, würden Sie für mich den idiotischen Maler verprügeln?!“
„Jetzt ist aber gut, ne?“, tönt es aus meinem Handy.
Holger lacht noch lauter, hebt die Hände in einer Friedensgeste und verschwindet.
So ein Arsch. Vielleicht ein gutaussehender Arsch, aber ein Arsch.
„Ich zahle Ihnen keinen Cent!“, zische ich.
„Des werden wir sehen“, sagt der alte Sack und legt auf. Wie ein tollwütiger Hund wühle ich mich knurrend durch den Dreck. Verdammte Scheiße, wo sind meine Eimer mit Sand?!
Keine Chance. Wo auch immer meine wunderschöne Farbe ist, hier ist sie nicht. Durch ein offenes Fenster höre ich eine gehässige Stimme in den Abendhimmel rufen: „Ey, wohl in der Schule auch nicht bei der Farbenlehre aufgepasst? Sandtöne sind nix, schwarz macht schlank!“
Dieses Miststück! SIE hat die Farben vertauscht! Und wahrscheinlich steckt sie auch hinter den Lampen, der ist wirklich alles zuzutrauen!
„Deine beschissenen, schwarzen Farbeimer kannst du gerne wiederhaben!“, brülle ich.
„Ne, kannst du behalten“, gibt sie cool zurück und schließt das Fenster.
„Rot ist dann wohl deine Farbe!“, rufe ich ihr hilflos hinterher. Hoffentlich hat ihr die Kombi aus blutverschmiertem Fahrradsattel und weißer Hose eine superpeinliche Situation beschert!
Am liebsten würde ich sofort losheulen. Wenn die mir zwischen die Finger kommt …
Nein, kühler Kopf. Ich darf die Wohnung nicht verlieren. Lieber verliere ich meinen Stolz als meine Beherrschung.
Auf dem Weg in meine Gruft versuche ich einen letzten Rest Zweckoptimismus aus mir herauszukratzen. Sinnloses Unterfangen. Völlig fertig sinke ich auf mein Matratzenlager und schließe die Augen. Dahinter ist es schwarz, genauso schwarz wie meine Wohnung.
Irgendwann schlafe ich ein.







Noch hundertsechs Tage

Heißt es nicht, man müsse nur eine Nacht drüber schlafen, dann sähe die Welt gleich ganz anders aus? Vielleicht muss man aber auch drunter schlafen, nicht drüber. Am besten unter irgendeinem muskulösen Kerl. Mit einem Japsen schrecke ich aus einem wirren Traum hoch, in dem Daniel Craig eine tragende Rolle spielte. Mein Pyjama klebt an meiner Haut.
Großartig, das ist also das Highlight meines Lebens.
Als ich die Augen aufschlage, sieht meine Welt nicht besser und meine Wohnung noch genau wie am Abend zuvor aus. Wenn nicht schlimmer. Die schwarze Farbe wirkt am Tag noch dunkler und bedrückender, da sie die Morgensonne absorbiert. Missmutig ziehe ich die Decke enger um mich und kuschle mich darin ein. Weder will ich heute aufstehen, noch irgendeinen Menschen sehen. Abgesehen von Gérard. Soll ich ihn anrufen?
Nein. Gérard hat sich jetzt sicher erst zum Schlafen hingelegt. Als freischaffender Fotograf genießt er flexible Arbeitszeiten und Sexualpartner. Einen kurzen Moment bin ich furchtbar neidisch auf Gérard und sein Leben. Einen ganz kurzen.
Um mich abzulenken, ordere ich über das Internet 7, nein, besser 8 Eimer Farbe, Ton Eierschale, weil eine innere, psychisch belastete Stimme mir zuflüstert, es nicht nochmals mit Sand zu probieren. Dann gehe ich unter die Dusche und lasse kaltes Wasser auf mich herabrieseln. Mann, tut das gut. Es klingelt an der Tür. Nicht schon wieder.
„Post!“, brüllt es von draußen.
„Ich komme gleich!“, brülle ich.
„Post!“, brüllt es von draußen.
„Ja, verdammt!“, brülle ich.
„Post!“, brüllt es von draußen.
Oh mein Gott, gibt es in dem Haus irgendjemanden, der normal ist? Als ich, endlich in ein riesiges Badetuch gewickelt, die Tür öffne, erwartet mich draußen nur gähnende Leere.
„Post? Hallo?!“, rufe ich versuchsweise in den Flur. Ein leises Treppenknarren antwortet mir. Und dann Schönrichtig: „Lady Grazie benötiget ihre Ru-he!“
Leise schließe ich die Tür. Diese Lady Grazie scheint eine Art Hausmafia-Boss(in) zu sein. Einen Instant-Morgenkaffee, etwas Make-up und eine Online-Ausgabe der Bildzeitung später mache ich mich auf den Weg zu meinem Postfach. Zwar finde ich keine Aufforderung, zur nächsten Postdienststelle zu kommen, dafür aber einen braunen Putzlappen mit einem handschriftlich verfassten Briefchen von Schönrichtig:

„Meine lieben Mitbewohner! Lady Grazie neigt in letzter Zeit zu unerfreulichem Fließschnupfen. Ich bin zu der Ansicht gekommen, dass sie unter einer heftigen Form der Stauballergie leidet. Daher sei es Ihnen allen ans Herz gelegt, das Treppengeländer sowie weitere glatte Gegenstände mit beigelegtem Staubfänger abzuwischen, wenn Sie sich durch das Haus bewegen. Wohlgemerkt, jedes Mal. Ab imo pectore, von ganzem Herzen, Ihr Eduard Schönrichtig.“

Tief seufzend stecke ich den sonderbaren Brief in meine Tasche. Wenn die Dachgeschosswohnung nicht so unglaublich hinreißend wäre, würde ich das alles nicht mitmachen. Aber eine bezahlbare Wohnung in Hamburg finden? So wahrscheinlich, wie den Mann fürs Leben zu bekommen.

Am Abend stehe ich mit einem bis unter den Rand gefüllten Korb Schmutzwäsche in den Startlöchern. Heute bin ich zehn vor acht in der Liste zum Waschen eingetragen, und wie ich dieses Haus und seine Bewohner kennengelernt habe, sollte ich besser nicht zu spät kommen. Mit einem letzten Blick auf die Uhr stoße ich die Tür zur Waschküche auf. Sofort schlägt mir eine fiese Duftmischung aus Rauch und Waschpulver entgegen.
Und wer sitzt da mit einer Zigarette zwischen den giftgrünen Fingernägeln? Na?
Katja thront in einem schwarzen Mini auf der Waschmaschine, die Zigarette in der einen, das Handy in der anderen Hand. In der Waschtrommel wirbelt rote Spitze herum und ich rate mal so ins Blaue, dass es sich dabei um Wäsche handelt, die ihr Vater vorzugsweise nicht sehen soll. Schönrichtig kann und will ich mir beim Anblick roter Spitze auch gar nicht vorstellen. Bei Katjas herablassendem Gesichtsausdruck flackert die Wut erneut in mir auf.
Tief durch die Nase einatmen.
Einfach die Geschichte mit dem Umzugskarton, der Wandfarbe und den Deckenleuchten hinter mir lassen. Katja ist ein verwirrtes junges Mädchen und ich eine reife Erwachsene. Drüberstehen. Das ist der Plan.
Betont lässig schaue ich auf die Uhr. „Na, ich glaube, deine Waschzeit ist um.“
Katja zieht die gezupften Augenbrauen nach oben. „Na, ich glaub wohl eher, deine Lebenszeit ist um“, faucht sie zurück.
Okay, soviel zum Plan. Ich schnappe mir ihre Zigarette und trete sie aus. „Nicht die Hausordnung gelesen? Rauchen ist im gesamten Haus verboten.“
Katja funkelt mich an. „Schon die Morgenzeitung gelesen?“
„Das warst auch du?“
Sie lächelt süffisant. „Aber schreibst du nicht lieber, als du liest? Oh, nimm mich, Liebster, verzehre mich und streu heiße Küsse über mich!“, schmettert sie und begleitet meinen Vers mit ausladenden Armbewegungen.
„Du kleines Miststück“, zische ich leise. „Jetzt hör mir mal zu. Du bist mit deinen Aktionen zu weit gegangen. Es reicht. Du hast mir mein Tagebuch bis heute Abend zurückgebracht, oder …“
„Oder was?“, fragt Katja gedehnt und räkelt sich wie eine schwarze Katze.
„Oder ich erzähle deinem Vater von einigen deiner Freizeitaktivitäten. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass das allzu angenehm für dich wird.“
Katja verdreht die Augen wie eine trotzige Fünfjährige, es fehlt nur noch, dass sie mir die Zunge entgegenstreckt. „Du kannst mir gar nichts. Du bist die Neue hier, schon vergessen? Wenn du Papa auch nur irgendwas sagst, stecke ich der Rosenstein ein paar Insiderinfos über deine Friedhofswohnung. Könnte auch sein, dass ich in der Nacht satanische Gesänge gehört habe. Du bist hoffentlich bei keiner Sekte?“ Sie hüpft geschmeidig von der Waschmaschine.
Scheiß Heimvorteil. Ich muss hier raus. Sofort. Unverrichteter Dinge trete ich aus der Waschküche zurück in den Hausflur und überrasche Schönrichtig, wie er dezent fluchend eine neue Kameraanlage installiert.
„Befehl von Lady Grazie?“, frage ich trocken.
Schönrichtigs Kopf ruckt herum. „Oh, Fräulein Sonnenthal“, sagt er zögernd. „Fräulein Sonnenthal, es gäbe da etwas, über das ich gerne mit Ihnen sprechen würde.“
Das war ja klar. Es geht wohl kaum um die Mieterin der Woche.
„Ja?“
„Es geht um das Minutenlicht. Seit Sie eingezogen sind …“
„Ja?“
„Nun, das Minutenlicht brennt leider Gottes andauernd. Und Lady Grazie braucht ihren Schlaf! Wussten Sie, dass die Hausordnung vorsieht, das Licht nur einmal zu drücken, wenn man ins Haus kommt?“
„Ich wohne im Dachgeschoss.“
„Das ist Lady Grazie und mir sehr wohl bewusst“, flüstert Schönrichtig mit weit aufgerissenen Augen und fummelt an seinem lavendelfarbenen Halstuch herum. Ändert aber nichts an der vermaledeiten Hausordnung, schon klar. Im selben Moment wird es dunkel.
Ich hole tief Luft, drücke den Knopf und sprinte los. Ungefähr bei Stufe 64 geht mir die Puste aus. Und kurz danach auch die Lichter. Mist! Beschämt taste ich mich am Treppengeländer entlang und knalle prompt gegen einen sportlichen Körper.
Nicht schon wieder.
„Das hatte ich schon vermisst“, sagt Holger und ich kann das Grinsen in seiner Stimme hören. „Auch wenn Sie vermutlich wieder abstreiten, dass es Ihre Schuld war.“ Er steigt zwei Stufen die Treppe hinunter und ich sehe im Licht der Straßenlaterne, das durch das Flurfenster fällt, wie er sich die Kapuze seines Sweatshirts vom Kopf zieht. Obwohl er gute 15 cm tiefer steht, begegnen wir uns auf Augenhöhe. „Tut mir übrigens leid, dass ich gestern so schnell los musste. Aber heute nach dem Spiel hätte ich Zeit, Ihren Maler zu verprügeln.“
„Das klingt gut. Hätten Sie danach auch noch Zeit für den Elektriker und die Möbelpacker?“
Er lacht leise. „Klar, sagen Sie mir nur, wann und wo.“







Noch hunderteins Tage

Ich muss endlich meine Wäsche waschen. Außerdem muss ich – obwohl Sonntag ist, und ich eine Pause nötig hätte – ins Büro fahren und in aller Eile den Marketingplan für nächstes Jahr fertigstellen, weil Ralph wieder einmal zu beschäftigt war, mir etwas von der verschobenen Deadline zu erzählen. Manchmal frage ich mich, was Ralph denn die ganze Zeit so beschäftigt hält. Die Miniaturkriegsfigurensammlung? Golfspielen? Das Mitarbeiterruntermachen? Speichellecken?
Gedankenverloren stopfe ich meine Wäsche in die Maschine, schlage den Deckel zu und spurte von der Waschküche zu meinem Fahrrad. Wenn ich mich beeile, bin ich in drei Stunden wieder zurück, zwei Stunden braucht das Programm und die dritte … verdammt. Ich muss das Risiko einfach eingehen und hoffen, dass das Gör nicht riecht, dass meine Wäsche Freiwild ist – und sie postwendend in den Biomüll verabschiedet.

Drei Stunden und 37 Minuten später bin ich zurück. Haustor aufsperren, Fahrrad hineinschieben, Schreikrampf unterdrücken. Nein, nein, bitte nicht! DAS DARF DOCH NICHT WAHR SEIN!
Ich will kreischen, laut und lang und schrill, dann fluchen, derb und noch derber, Schönrichtig aus seiner Wohnung zerren, ihn durchschütteln und fragen, wie er nur jemals, JEMALS auf die Idee kommen konnte, dieses Biest in die Welt zu setzen! Stattdessen bleibe ich stumm und lehne mich kraftlos gegen das schwarze Brett. Katja hat meine gesamte Wäsche im Haus aufgehängt. Damit nicht genug. An den exponierten Stellen des Treppenhauses finde ich Sadomaso-Spielzeug. Eine Peitsche, ein stachelbesetztes Lederhalsband, dazwischen eines meiner ausgewaschenen schwarzen Höschen, und daneben ein roter Spitzenbody mit einem unübersehbaren Loch im Schritt. Wenn Frau Rosenstein das mitbekommt, bin ich die Wohnung schneller los als Gérard seine Unschuld. Das darf nicht passieren. Hastig greife ich nach den fremden Dessous, als ein spitzer Schrei hinter mir ertönt. Schönrichtig hat das Haus mit einer Tüte voller Orangen und Kamillentee betreten und sieht zutiefst verstört vom schwarzen Leder zur roten Spitze und wieder zurück.
„Ach du meine Güte, ach du meine Güte!“, stottert er und krallt sich an seinen Einkäufen fest. „Ach du meine Güte, Fräulein Sonnenthal, ach!“
Bei seinem Anblick ist mir danach, nach der Peitsche zu greifen und damit vor seinem Gesicht herumzuwedeln, damit er etwas Luft bekommt. Doch das sollte ich lieber lassen, sonst kippt er mir gleich um.
„Ach du meine Güte?“, wiederhole ich scharf. „Das können Sie laut sagen! Sie sollten diesem Balg einmal ordentlich die Meinung geigen, das da hinter Ihrem Rücken in der Waschküche raucht und sich an fremdem Eigentum vergreift! Kehren Sie mal vor Ihrer eigenen Tür, und zwar schön richtig!“
Schönrichtig sieht mich mit offenem Mund an und flüchtet in seine Wohnung.
Mein Handy klingelt. Entnervt ziehe ich es aus der Tasche, fest entschlossen, nicht ranzugehen, oder den, der dran ist, total fertigzumachen. Leider geht weder das eine noch das andere. Es ist Ralph. „Ja?“, belle ich in den Hörer.
„Ihre Peitsche?“, fragt in dem Moment eine samtige Stimme hinter mir. Ich habe langsam genug davon, mich ständig umzudrehen und hinter mir Männer zu finden, die meine Wäsche und sonstwas anstarren. Also tue ich es nicht. „Nein“, zische ich in Richtung Holger, ohne ihn eines Blickes zu würdigen. „Nein, nicht du“, presse ich ins Telefon. „Ja, der Plan ist fertig, ich habe ihn dir vor etwa einer halben Stunde gemailt.“ Nein, verdammt, ich weiß nicht, warum er noch nicht bei dir angekommen ist, liegt vielleicht daran, dass du ein Idiot bist, der zu viel Golf und Miniaturkrieg spielt. „Okay, dann fahre ich jetzt nochmal ins Büro und sehe nach, was da los ist. Mach ich.“ Ich lege auf und drehe mich um.
Mist, verdammter. Holger ist immer noch da. Und wie er so mit dem schwarzen Lederhalsband herumspielt, sieht er nicht aus, als hätte er es eilig.
„Respekt, Maya. Seit Sie eingezogen sind, ist dieses langweilige, alte Haus viel spannender geworden.“ Er grinst und seine blauen Augen funkeln mich an. Ich finde den Schatten seines Dreitagebartes ziemlich sexy und hasse mich und ihn gleichermaßen dafür.
„Wie schön für Sie. Ich muss jetzt los, aber falls Sie noch jemanden für mich verprügeln wollen, können Sie meinen Chef mit auf die Liste setzen. Er heißt Ralph und hat die Größe eines Zwergs.“
„Maler, Elektriker, Möbelpacker, Zwergenchef. Alles klar.“ Holger hängt das Halsband ordentlich an den Treppenpfosten und steckt die Hände in seine Jeans. „Falls Sie sonst noch was brauchen, Winterreifen umstecken, Auto waschen, Müll runterbringen – Sie wissen ja, wo Sie mich finden.“ Mit dem vertrauten Grinsen kommen auch jede Menge Sonnenstrahl-Lachfältchen. Die er sich gern dorthin stecken kann, wo keine Sonne scheint.
„Dankeschön. Es geht doch nichts über hilfsbereite Nachbarn.“ Und Abgang.
„Und was ist jetzt mit Ihrer Wäsche?“
„Das ist nicht meine Wäsche.“
„Schade“, sagt Holger. Mehr nicht. Plus ein etwas zu langer Blick auf meinen schwarzen Spitzen-BH. Plötzlich habe ich ein ganz komisches Gefühl im Bauch.

Eine Stunde später hat Ralph die E-Mail endlich bekommen und das Haus ist leer und sauber. Vor meiner Wohnungstür finde ich meine Dessous inklusive der SM-Teile fein säuberlich in Schönrichtigs Papiertüte. Irgendwie tut es mir leid, ihm so gehörig die Meinung gesagt zu haben. Auch wenn ich seine Tochter hasse. Sicherlich war es für ihn eine große Überwindung, diese Dinge anzufassen. Wahrscheinlich hat er einen dieser Greifstöcke verwendet, mit denen Rentner im Park den Müll aufheben.
Müde nehme ich das ganze Zeug und schließe die Tür auf. Jetzt verstehe ich auch, was der Postbote vorgestern bringen wollte, als ich unter der Dusche war. Garantiert hat Katja die Sadomaso-Sachen auf meinen Namen im Internet bestellt, den Postboten rechtzeitig abgefangen und dann die Dessous im Haus verteilt. Die Kleine arbeitet gründlich.
Ich stelle die braune Tüte im Vorzimmer ab, ziehe mir die Schuhe aus und gieße ein Glas Prosecco ein. Draußen am Balkon genieße ich den Blick über die Stadt. Angenehm. Die kühle Abendluft trägt eine Stimme an mich heran. Unangenehm. Diesmal rezitiert Katja nicht aus meinen Tagebüchern, sondern heult sich offenbar bei einer Freundin am Telefon aus.
„Ich kann eben nicht“, höre ich sie murren. „Papa hat gesagt: Auf keinen Fall gehst du zu der Party. Ey, er hat das echt ernst gemeint. Und ich versuch es schon seit Wochen, seit Wochen, kannst du mir glauben.“
Meine Ohren werden groß wie Rhabarberblätter.
„Das letzte Mal gab’s auch Ärger. Aber vielleicht könnte ich mich rausschleichen“, höre ich Katja gedämpft. „Das weiß man bei ihm nie. Einmal schläft er wie ein Murmeltier, dann ist er wieder die halbe Nacht wach.“ Pause. „Ich weiß.“ Pause. „Boah, ich weiß das doch! Ich will doch auch!“ Pause. „Ja. Also gut. Ich sag dir noch Bescheid. Tschüss.“
Ein schrilles Klingeln aus dem Inneren meiner Wohnung lässt mich zusammenfahren. Es ist nicht mein Handy, sondern die Türglocke. Ich atme auf. Wenigstens nicht Ralph, der mich wieder ins Büro zitiert. Vor der Tür steht Schönrichtig mit wirrer Gargamel-Frisur und schwarzem Halstuch. Er sieht aus, als käme er direkt vom Erschießungskommando.
„Fräulein Sonnenthal, nach langer Diskussion und schweren Herzens haben Lady Grazie und ich befunden, Sie für diese Woche auf die schwarze Liste des schwarzen Brettes zu setzen. Alea iacta est. Die Würfel sind gefallen. Es ist uns nicht leichtgefallen, Fräulein Sonnenthal, ganz und gar nicht, aber gewisse …“, er holt tief Luft, „… Grenzen wurden eindeutig überschritten. Wir bitten Sie höflichst, Ihr Fahrrad aus dem Fahrradschuppen zu entfernen. Dies ist eine der Sanktionen für das schwarze Schaf des Hauses.“ Obwohl Schönrichtig sehr leise spricht, verstehe ich jedes Wort überdeutlich. Leider. Denn ich fühle mich total gedemütigt, fast so wie bei Jan. Äußerlich völlig ruhig nicke ich Schönrichtig zu und schnappe mir den Schlüssel für das Fahrradschloss. Besser, ich bringe es gleich hinter mich. Gemeinsam gehen wir hinunter, nur jede zweite Stufe nehmend. Als ich mein Rad aus dem Schuppen schiebe, greift Schönrichtig nach meinem Arm und senkt seine Stimme zu einem Flüstern: „Sie müssen sich ab sofort wirklich anstrengen, Fräulein Sonnenthal. Lady Grazie ist sehr, sehr enttäuscht von Ihnen.“ Er wirft einen nervösen Blick über die Schulter. „Dieses Mal konnte ich sie noch davon überzeugen, nicht direkt mit meiner Großtante zu sprechen, aber in Zukunft kann ich für nichts garantieren!“
Ich stutze. „Wollen Sie damit sagen, Frau Rosenstein ist Ihre Großtante?!“
Schönrichtig nickt hastig und ich atme geräuschvoll aus. Jetzt wundert mich gar nichts mehr. Wenn ich an das Kennenlernen mit der Vermieterin und ihrem toten Kanarienvogel zurückdenke, hätte ich glatt selbst dahinterkommen können.
„Meine Großtante und Lady Grazie sind seit Jahren befreundet“, vertraut mir Schönrichtig bedeutungsvoll an. „Nehmen Sie sich in Acht, Fräulein Sonnenthal, nehmen Sie sich in Acht!“ Er seufzt. „Ach. Und dabei haben Sie doch so gut angefangen …“

2,5 Stunden später knie ich mit einer Laune, noch giftiger als Katjas Bemerkungen, auf dem Bürgersteig vor unserem Haus. Die ausgedehnte Fahrradtour, die ich zur Beruhigung meiner Nerven unternommen habe, hat leider keine Wirkung gezeigt. Und jetzt klemmt auch noch das verdammte Fahrradschloss und lässt mich den Schlüssel nicht abziehen.
Das Haustor quietscht leise, und ich höre Schritte hinter mir. Bitte nicht. Egal, wer es ist, ich will nicht mit ihm sprechen, am liebsten will ich ihn gar nicht kennen.
„Hübsche Pose.“
Mist.
„Streckst du den dicken Arsch in die Luft, um Männer aufzureißen, nachdem das mit der Reizwäsche nicht geklappt hat?“
Dieses Biest! Betont langsam drehe ich mich um. Oh. Da geht wohl jemand auf die verbotene Party. Die langen, dunkelbraunen Haare fallen Katja in weichen Wellen über den Rücken. Dazu trägt sie graue Jeans, hohe Stiefel, Smokey Eyes und einen bösen Ausdruck im Gesicht. Ich ziehe eine Augenbraue hoch. „Weiß Papi, wo du hingehst? Oder denkt der, du machst mal wieder Hausarbeit?“
„Geht dich nix an“, knurrt sie. „Ups, ist das eine Spinne auf deiner Hand?“ Reflexartig lasse ich den soeben abgezogenen Fahrradschlüssel fallen. Der prompt im Gully landet. „Ups“, wiederholt sie. „Schwarze Käfer, uns umgebt, nicht mit Summen! Macht euch fort!
Spinnen, die ihr künstlich webt, webt an einem andern Ort!“
Ihr Zitat stammt aus dem Sommernachtstraum beziehungsweise meinem Tagebuch. Ich sehe ihr direkt in die Augen und schüttle den Kopf. Aufforderung verstanden. Kann sie aber knicken. So schnell wird sie mich nicht los. Mein Handy klingelt und Katja macht sich böse kichernd vom Acker. Unterdrückte Rufnummer.
„Hallo?“
„Guten Tag. Spreche ich mit Maya Sonnenthal?“
Verdammt. Diese hohe Stimme kenne ich. Verdammt! Ich räuspere mich. „Ja, hier ist Maya Sonnenthal.“ Ich muss fröhlicher klingen, jetzt, sofort! Und netter! Aber was will sie? Haben sie und Lady Grazie nun doch einen Plausch geführt?!
„Meine Liebe, hier spricht Ihre Vermieterin. Wie erging es Ihnen bisher?“
„Ganz phantastisch, phänomenal, geradezu wunderbar“, flöte ich. „Und wie geht es Ihnen, Frau Rosenstein?“
„Nun, ich bin etwas besorgt.“
Shit.
„Das tut mir sehr leid.“
„Mir auch.“ Frau Rosenstein macht eine Pause. „Ich habe von gewissen … Unregelmäßigkeiten im Haus gehört.“
„Tatsächlich?“
„Ja, leider. Mir ist zu Ohren gekommen, dass es in letzter Zeit recht turbulent zuging.“
„Tatsächlich?“ Auch wenn man etwas wiederholt, wird es nicht besser.
„Ja, leider. Deshalb habe ich mich dazu entschlossen …“
„Nein!“
„Fräulein, Sie wissen doch noch gar nicht, wozu ich mich entschlossen habe.“
„Bitte, Frau Rosenstein, werfen Sie mich nicht hinaus! Ich kann nichts dafür, aber ich werde mich bessern, ich verspreche es Ihnen!“
Oh nein, habe ich die Frau gerade angefleht? Ja, das habe ich. Und ich bin zu mehr bereit.
„Ach Gottchen, nun bewahren Sie doch Haltung“, herrscht mich Schönrichtigs Großtante an, die selbst zuweilen angeregte Unterhaltungen mit ihrem ausgestopften Kanarienvogel führt und unter akuter Schmutzparanoia leidet. „Ich werfe Sie nicht hinaus. Das heißt, nicht sofort. Meine Quelle ist zuweilen etwas eigen, und Sie haben auf mich einen recht vernünftigen Eindruck gemacht – obwohl Sie die Büste meines verstorbenen Mannes hinuntergeworfen haben, aber um den war es nicht wirklich schade. Wie dem auch sei, der Zweifel ist kein guter Berater für Entscheidungen. Deshalb werde ich Ihre Probezeit verlängern.“
Ich lasse meinen angehaltenen Atem aus und versuche, das verdammte Herzklopfen unter Kontrolle zu bekommen. „Für wie lange?“, frage ich tonlos.
„Für weitere drei Monate. Erst dann erhalten Sie den Mietvertrag.“
Mist. Das sind in Summe noch viereinhalb Monate mit einem Fuß auf der Straße. Und Katjas Stiefelabsatz lauert nur darauf, mir den finalen Tritt zu geben.
„Ich weiß Ihre Offenheit zu schätzen, Frau Rosenstein. Danke“, sage ich erschöpft.
„Danken Sie mir nicht zu früh, meine Liebe. Ich werde Sie genau beobachten.“

Zurück in meiner Gruft setze ich mich auf den Balkon. Ich brauche einen Plan. Oder besser gleich mehrere Pläne. Einen, um die nächsten viereinhalb Monate hier zu überstehen, einen, um die sonderbare Quelle (ich wette, die trägt ein Halstuch) wieder für mich zu gewinnen, und einen, um Katja ihre Bosheiten auszutreiben. Zugegeben, das letzte Unterfangen dürfte schwieriger werden, als Griechenland aus den roten Zahlen zu holen, aber ich stelle mich der Herausforderung. Morgen werde ich zu Schönrichtig gehen und mich bei ihm entschuldigen. Für alles und noch mehr. Und ich werde ihn bitten, wieder meinen rosafarbenen Platz im Fahrradabstellraum beziehen zu dürfen. Das ist der Plan.

3 Uhr morgens. Schlafloses Umherwandern. Ich brauche frische Luft.
Auf meinem Balkon atme ich ein paar Mal tief ein und aus. Am Himmel blinkt ein Flugzeug im Steigflug und ich wünschte, ich säße drin. Mit ein bisschen Abstand sieht die Welt gleich ganz anders aus. Menschen werden zu Ameisen, Städte zu Spielzeuglandschaften, Schicksale verweben sich zu Teppichen – man kann sich endlich mal zurücklehnen und in den Beobachtungsmodus wechseln.
Apropos Beobachtungsmodus. Von meinem Balkon aus sehe ich Katja aus einem Taxi steigen. Ihre Bewegungen sind weniger geschmeidig als sonst, aber ihr sechster Sinn funktioniert einwandfrei, denn sie hebt den Kopf und sieht mir direkt ins Gesicht. Mein Anblick scheint etwas in ihr auszulösen, ein gewisses Unwohlsein – allerdings nicht nur im übertragenen Sinn. Sie wird doch nicht. Sie wird doch, sie wird doch – um Himmels willen – sie – nein!
Pfui Teufel! Katja kotzt direkt auf mein wunderschönes, glänzendes, vier Wochen altes Citybike. Meinen abgelegenen Beobachtungsposten verfluchend rase ich die Treppe hinunter auf die Straße. Von Katja ist weit und breit nichts zu sehen.
Oh, wie eklig! Grün-bräunliche Masse tropft von meinem Sattel. Zum Glück habe ich meinen Autoschlüssel dabei, zum Glück befindet sich im Auto Jans alter Werkzeugkasten und darin eine Zange, mit der ich den Fahrrad-Diebstahlschutz kurzerhand durchzwicke. Mit einem alten Lappen und einer Menge Selbstbeherrschung hebe ich das fürchterlich stinkende Ding auf meinen Heckklappenträger und schließe die Schnallen.
Den Lappen entsorge ich im Müll, dann gieße ich mir ein halbes Fläschchen Desinfektionsgel über die Hände und fahre los. Ruhig jetzt. Wo war nochmal die 24 Stunden geöffnete Waschstraße? Ich habe sie gesehen, erst vor kurzem, ich habe sie quasi noch vor Augen, sie muss hier ganz in der Nähe -
Shit. Bei dem ganzen konzentriert-auf-die-Gebäude-neben-der-Straße-Starren fällt mir erst im letzten Moment der Polizist auf, der mit einem roten Ding in der Hand vor dem Auto herumwedelt. Ich steige heftig auf die Bremse.
„Führerschein und Zulassungsschein, bitte.“ Seine leidenschaftslose Stimme vertreibt im Nu die Reste meiner Katja-Wut. Ich habe nichts mit. Keine Handtasche, keinen Ausweis, nicht mal mein Handy. Augenblicklich wird mir heiß bis zu den Ohren. Mit Autoritäten habe ich es nicht so. Und der Polizist sieht zu allem Überdruss auch noch ziemlich groß, glatzköpfig und ganz und gar humorlos aus.
„Tut mir leid, ich habe …“ Ich räuspere mich. „Ich habe meine Handtasche zu Hause vergessen.“
Er leuchtet mir mit einer Taschenlampe in die Augen. „Steigen Sie mal aus.“
Shit. Wieso kann mich der nicht einfach fahren lassen?
Seufzend komme ich der Aufforderung nach. Meister Proper leuchtet über meinen Körper, (wobei mir mein ausgeleiertes Hello Kitty-Nachtshirt über der verbeulten Jogginghose schmerzlich bewusst wird), und dann in mein Auto.
„Schon mal geblasen?“, fragt er.
Ich schaue ihm direkt in die Augen.
„Schon mal einen fahren gelassen?“, frage ich.
Null Reaktion. Doch. Ein Muskel in seinem Kiefer zuckt.
„Kommen Sie her“, sagt er. Und dann: „Blasen Sie hier hinein. Ganz entspannt.“ Ich bin ungefähr so entspannt wie auf dem Gynäkologenstuhl. Er schiebt mir ein kleines Röhrchen zwischen die Lippen und ich puste hinein. Nach einem Blick auf das Messgerät grunzt er.
„Na gut. Autoapotheke und Pannendreieck.“
„Habe ich im Kofferraum.“ Ich gehe mit ihm ums Auto herum. „Hier riecht es komisch“, bemerkt der glatzköpfige Bulle. Was er nicht sagt. Ich lächle ihn freundlich an. „Könnten Sie mir bitte mal eben helfen, das Fahrrad vom Heckklappenträger zu heben?“

Völlig am Boden zerstört komme ich Stunden später nach Hause. Das ist nicht so gut gelaufen. Ich habe einen Polizisten mit fremder Kotze bespritzt, mein Fahrrad stinkt immer noch wie Hölle und mein Auto hat einen neuen Lackschaden. Außerdem habe ich eine fette Geldstrafe aufgebrummt bekommen.
Ich möchte nur unter die Dusche und schlafen, muss aber in einer Stunde arbeiten. Gähnend wanke ich ins Haus und betätige den Lichtschalter. Im ersten Stock öffnet sich die Tür und Schönrichtig kommt heraus. Er trägt einen feierlichen Gesichtsausdruck zur Schau und sein Halstuch sieht aus, als wäre es mit Goldfäden durchwirkt. „O dulce tormentum, ubi reprimitur gaudium, oh süße Qual, wenn Freude aufgehalten wird“, trägt er mit feierlicher Stimme vor. „Lady Grazie gibt sich die Ehre, euch zu empfangen, Fräulein Sonnenthal.“ Er holt etwas hinter seinem Rücken hervor. Ich reiße die Augen auf. „Ist das …?“, krächze ich.
„Das ist Lady Grazie“, nickt er mit seligem Lächeln und streichelt das Plüschschwein in seiner Hand.
„Lady Grazie“, wiederholt eine Stimme aus dem Bauch des Wesens. Offenbar verfügt das Ding über eine Aufnahme- und Wiedergabefunktion wie ein Kassettenrecorder. Dadurch sieht es tatsächlich so aus, als könne das eigenartige Stofftier reden, was die Sache nicht besser macht. Ich beginne hysterisch zu lachen. Tränen spritzen mir aus den Augen. All das … die ganze Hausordnung … das Staubwischen, das Treppenspringen, das Minutenlicht … für ein Schwein! Lady Grazie ist ein Schwein! Ein sprechendes Stoffschwein! Mit einem barocken Kleid und einer blonden Langhaarperücke! Ich krümme mich wie ein getretener Hund. „Lady Grazie ist nicht echt“, japse ich völlig fertig.
Schönrichtigs Augen beginnen zu flackern. „Was soll das heißen, Lady Grazie ist nicht echt? Und ob Lady Grazie echt ist, sie lebt! Sie lebt! Sie lebt!“, brüllt mein Nachbar empört. Das ist das erste Mal, dass er in meiner Gegenwart die Stimme erhebt. Jetzt macht er mir Angst. Ohne ein weiteres Wort schleife ich mich selbst die Treppe hinauf. Lady Grazies und Frau Rosensteins angebliche Freundschaft, Katja, die absurde Hausordnung … die Sommer- und Winterfarben im Fahrradschuppen, die Fensterputzpläne, die schwarze Liste – einfach alles – ist eine riesige Verschwörung! Der durchgeknallte Vater und die gehässige Tochter haben die Hausordnung offenbar nur erfunden, um neue Mieter mit ihren Spielchen in den Wahnsinn zu treiben!
Tiefer kann ich nicht mehr sinken.
Vielleicht aber doch. Der gutaussehende Nachbar schwebt an mir vorbei. Sein Lächeln friert ein, als ihm Katjas hartnäckiger Kotze-Geruch entgegenweht, der sich in meiner Kleidung festgesetzt hat.

Aus. Schluss. Ich brauche einen neuen Plan. Einen, der wehtut. Einen Racheplan.
Katja und ihr Vater haben mich nach Strich und Faden verarscht! Ich fühle mich sowas von gedemütigt. Und ich bin nicht mehr müde. Ja, Leben, du mich auch!
Ich will etwas zerstören. Sofort. Nachdem ich Jans Bild mit einem Teppichmesser zerfetzt und vom Balkon geschmissen habe, geht es mir etwas besser. Aber noch nicht ganz. Ich will etwas abfackeln. Zertrampeln, verwüsten, zerbrechen, vernichten.

Nein. Ich habe eine bessere Idee. Meine Augen glimmen bedrohlich in der Dunkelheit. Stelle ich mir zumindest vor. Denn jetzt weiß ich, was ich tun werde.

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Wow ist das eine klasse Story, oder was denkt ihr dazu? Ich habe das Buch ja schon da und freue mich sehr aufs baldige lesen.

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2.) Die Adressen/Emailadressen werden nur für das Gewinnspiel verwandt und anschließend gelöscht.
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Kommentare:

  1. Hallo und guten Morgen,

    hey was für eine drollige und lustige Geschichte. Wie die Leute im Roman drauf sind..zum brüllen komisch ...

    Tolles Buch, welches Du da ausgewählt hast.

    LG..Karin..

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    1. Dankeschön liebe Karin =)
      Das Buch muss ich auch noch die Tage lesen =)

      LG Sheena

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  2. Hallo Sheena,

    ist meine Mail auf der extra Mailadresse bei Dir angekommen?

    LG..Karin..

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  3. Ja liebe Karin, kam alles an =)

    LG Sheena

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    1. Danke und O.K. dann bin ich ja beruhigt.

      LG..Karin..

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