Dienstag, 24. Juni 2014

[Lesedeal] Summer Symphony - ein Trip mit Sex, Zeitreisen und Rock'n'Roll von Claudia Rapp


Und wieder gibt es für euch einen ganz exklusiven Lesedeal. Ich durfte sogar schon genau diesen Ausschnitt am 14.6 in einer Lesung hören und ich muss sagen er ist soooo toll. Ich hoffe er gefällt euch auch? Das eBook ist ja gerade vor ein paar Tagen erschienen und am 30.6 erscheint nun das Taschenbuch.





Die CD lief weiter, ungerührt, der Equalizer ließ munter seine grünen Kurven im Rhythmus der Musik auf und absteigen, als wäre ich nicht gerade unsanft in meinem Leben gelandet. Die frustrierte Hitze in meinem Schoß bezeugte eindeutig, dass die andere Zeit ihre Spuren hinterließ. Der Nachgeschmack seiner Lippen noch immer auf meinen. Der Seufzer, den ich brauchte, um mir Luft zu machen, war tief. Dann kam mir ein unangenehmer Gedanke: Was, wenn es dort jetzt einfach weiterging? Wenn die blöde Kaufmannstochter in diesem Moment mit Saari in die Kiste stieg, nur ich wäre nicht mehr dabei? Oh Mann, diese ganze Geschichte verdrehte einem ja das Hirn! War ich eifersüchtig auf mich selbst? Schizophren?
            Wütend, enttäuscht, absolut verwirrt holte ich mir eine Flasche Zweigelt aus dem Küchenschrank, kramte nach dem Öffner, goss mir schnell ein Glas ein. Ein Wasserglas, wohlgemerkt. Wie sollte man das aushalten, was mit mir geschah? Wann es wollte, nicht wann ich wollte. Ich empfand nach wie vor eine vage, fast schon pflichtschuldige Furcht, dass ich ganz einfach verrückt sein könnte, dass mein Hirn mir fremde Welten und ferne Zeiten vorgaukelte. Aber die Faszination für dieses andere Leben und Erleben wurde immer stärker und verdrängte die Angst vor dem Realitätsverlust. Fast sehnte ich mich nach dem wundersamen finnischen Dorf und seinem archaischen Leben.
            Das Glas war schon fast leer, als ich mich mit grimmiger Miene vor die Anlage setzte und den Track noch einmal anwählte, bei dem es mich wenige Minuten zuvor hinüber transportiert hatte. Aber wie zum Hohn passierte nichts. Ich versuchte es noch einmal, dann spielte ich nochmals alle Stücke an, ohne die Schönheit und Kraft der Musik überhaupt noch wahrzunehmen. Nichts, nichts, nichts.
            Nach einem weiteren Glas rief ich Henry an, aber sein AB informierte mich fröhlich, dass er leider nicht an den Apparat kommen konnte, weil er in einer anderen Dimension zu tun hatte. Nicht lustig. Es blieb mir nur, die Flasche leer zu trinken.

Am Morgen, nach einer Aspirin und einem weiteren erfolglosen Versuch, Henry zu erreichen, saß ich wieder am pink-weißen iMac im Cyberhaft und starrte die Bildergalerie auf einer finnischen Fanpage an. Da war Pekka Hukkalainen, immer wild, immer böse, immer von oben herab, aber das war eindeutig Saari, der schüchterne Häuptlingssohn, dessen Dienerin, Frau oder Geliebte ich beinahe geworden war. Wie immer die das nannten.
            Und dann Arttu Kivissainen, der nachdenkliche Musiker, dem die ganze Aufregung beinahe unheimlich zu sein schien, konnte das derselbe Mann sein, der bedrohlich und ungehobelt seine Hände nach mir ausgestreckt hatte, der Krieger Taisto, an Wut und Kraft Saari sicher weit überlegen?
            Das Rätsel war nicht zu lösen, dieses Abenteuer konnte man nicht per Tastatur und Mausklick bestehen. Ziellos und noch immer völlig gefangen von den Ereignissen beim Frühlingsfest, die mir wie ein Traum vorkamen im Widerschein des Bildschirms, surfte ich weiter, klickte noch einmal ein paar Seiten zurück.
            Was war das, Tourdaten?       
            Die Band würde in zehn Tagen beim kleinen Yesterday Festival nordwestlich von Wien auftreten. Lumiukko live, diese Männer von Angesicht zu Angesicht. Ja, das musste ich tun, ich musste aufs Konzert. Ich kannte die Männer auf dem Bildschirm nicht, kannte auch ihre Ebenbilder aus der Vergangenheit kaum, aber ich spürte eine Verbindung, die über Zufall und Phantastereien hinausging. Und ich fühlte mich wie magnetisch oder magisch hingezogen zu ihnen, jetzt und früher, hier und dort. Ich wollte diese Kerle vor mir stehen sehen, so nah wie Saari und Taisto, wollte wissen, wie sich das anfühlte, wollte dem Geheimnis auf den Grund gehen. Mich dem Abenteuer stellen.
Mit dem Zug war ich nach Tulln gekommen und der Shuttlebus hatte mich direkt zum Festivalgelände gebracht. Ohne die Details vor Ort richtig zu würdigen, ging ich zielstrebig zum Kassenhäuschen und tauschte mein Ticket gegen ein Festivalbändchen – hier noch das gute alte Plastikding, das an Krankenhausbänder erinnerte, auf denen Name und Geburtsdatum von Neugeborenen vermerkt wurden. Die Sonne brannte unbarmherzig vom Junihimmel, die ersten, unwichtigen Acts hatten bereits gespielt und es würde nicht mehr lange dauern, bis ich mir die finnischen Hexenmeister live anschauen konnte. Bewaffnet mit einem ungeduldigen, von der Klimaanlage im Shuttle gekühlten Körper und einem Tunnelblick, der sich auf die Bühne einzoomte, bahnte ich mir einen Weg durch die Trauben und Dolden von Menschen, die den großen, ebenen Platz bevölkerten. Im Zickzackkurs kam ich meinem Ziel immer näher, zuletzt an schwitzenden Körpern und glühenden Gesichtern vorbei, bis ich das Gefühl hatte, dass deren verausgabte Euphorie auf mich abstrahlte. Dann war ich ganz vorne, hatte nur wenig Ellenbogen dazu gebraucht, und war dennoch selbst fast schon erschöpft. Heiß, es war so verdammt heiß!
          Der Typ neben mir am Gitter schien meine sehnsüchtigen Gedanken zu lesen, denn er legte seine Hand auf meinen Arm.
          "Wenn ich uns ein großes Bier besorge, schaust dann nach meinem Platz?"
          Mit einem Seufzer nickte ich.
          "Au ja, das wäre jetzt die Rettung!"
          Ich machte mich vorne so breit wie möglich und er verschwand mit einem Grinsen in der dampfenden Menge.
          Österreicher. Groß, dunkle Haare, eigentlich ganz hübsch.
          Wie konnte es Anfang Juni nur so heiß sein? Hoffentlich würden sie bald anfangen zu spielen, dann ließe sich die brennende Sonne vielleicht vergessen. Ob ich erneut in eisiger Kälte und tiefer Dunkelheit landen würde? Oder in diesem nordischen Frühling, wenn alle das wiedergekehrte Licht feierten? Ich war gespannt, was passieren würde. Wenn ich den Kerl mit dem Bier an der Hand hielte, könnte ich ihn mitnehmen? Müßig, denn dort, im Tal nahe der Küste, war ich eine andere und dort gab es einen anderen Mann. Und hier? Gab es eine Band, deren Musik eine Art Zauber auf mich ausübte, mir ein Tor in ein zweites Leben geöffnet hatte.

Das Bier war kaum getrunken, schon fast wieder verdunstet, da kehrte in den Lautsprechern Stille ein und die Bühne verdunkelte sich. Das Herz begann seine Raserei und die Hitze von außen bekam aus meinem Innern Gesellschaft. Die Reise stand sicher unmittelbar bevor. Der hübsche Kerl neben mir schaute mich fast schon besorgt an, er fürchtete wahrscheinlich einen Kreislaufkollaps. Wenn er wüsste, was alles möglich war, was gleich geschehen würde! Allein diese furchtsame Vorfreude, diese ausgekostete Angstlust, all das flatterte in mir mit der Intensität eines kleinen Höhepunkts.
          Und dann standen sie da, drei Männer im Bühnennebel und blauen Licht. Verharrten kurz im Begrüßungsbeifall, rückten die Celli zurecht. Im Hintergrund saß schon der vierte hinter seinem Schlagzeugwall. Alle hielten die Posen für einen langen Moment, ein Tableau, die Ruhe vor dem Sturm. Das erste Stück, das sie spielten, war das erste Stück von SLUSH FROM THE PAST, begann also verhalten, steigerte sich dann zum Klanggewitter, und löste meiner Erfahrung nach keine Zeitreise aus. Fast enttäuscht konzentrierte ich mich auf Ohren und Augen, hörte und sah die Performance, statt in meinen Bauch hinein zu spüren und auf den sofortigen Schwindel zu warten. Ähnlich wie auf der CD zogen so mehrere Stücke vorbei, während derer ich das Spiel, die Show, die Atmosphäre des Hier und Jetzt, der Realität, aufnehmen konnte und immens genoss.
          Mein Blick wanderte immer wieder zwischen Arttu und Pekka hin und her, zwischen Taisto dem Krieger und Saari dem Sanftmütigen. Trotz der unleugbaren Ähnlichkeit glich Pekkas teuflisch-wildes Spiel in nichts der Ruhe von Saaris besänftigenden Worten, seiner Unsicherheit vor der Annäherung. Und in Arttus genussvollen Posen, in seiner künstlerischen Ernsthaftigkeit ließen sich nur schwer das düstere Ungestüm und die rohe Macht Taistos erahnen. Nur die schön geschwungenen, sinnlichen Münder waren immer die Gleichen. Wieder das erahnte Rätsel. Die Puzzleteile von Vergangenheit und Gegenwart, Bild und Spiegelbild, wollten sich nicht zu einem Ganzen fügen. Sie drifteten auseinander, wirbelten durcheinander, die Musik wurde zum Sog, und alles drehte sich.

Wieder habe ich den Übergang verpasst. Alles dreht sich, na wunderbar. Schon bin ich wieder in der Saunahütte, die feurige Luft langsam einatmend, und weiß, draußen hängt das weinrote Kleid über dem Zaun, das Festgewand für das Frühlingsfest.
          All das noch einmal?
          Ja, all das noch einmal. Das Kraft gebende Entspannen der Muskeln. Die allmähliche Gewöhnung an die Hitze. Diesmal brauche ich nicht so lange, mich danach heraus zu trauen, diesmal ist mein Körper gerade, gestreckt, fast stolz auf sich. Die nadelscharfe Kälte des Teiches, die trockenen Tücher, das Untergewand. Ich nehme das Kleid, streife es über, binde den Gürtel selbst, bis die Taille gut sichtbar ist. Dann schlüpfe ich in die Beinlinge, binde sie mit dem roten Band die Waden hinauf. Kein Zögern, keine Scheu.
          Und so reagieren auch meine Gegenüber anders, die Frauen lachen nicht, sind aber auch nicht länger hilfsbereit, scheinen viel mehr mürrisch, mich jetzt erst als Frau, als Konkurrentin sehend, bedeuten mir, mich zu beeilen: husch, husch zum Fest. Und auch am Teich, als die Mädchen sich um die Männer kümmern, wirke ich, die ich mich anders fühle, nun nicht länger wie die verängstigte Gefangene, sondern als fremder Magnet verstohlener wie offener Männerblicke. Das ist gefährlich. Taisto, der schon hier von dem starken bitteren Bier trinkt, funkelt mir einen Blick zu, besitzergreifend und wohl kaum Widerstand duldend.
          Jetzt schon? Ich werde doch seiner erst viel später gewahr, beim Fest, als er Anspruch erhebt auf mich. Zumindest war es beim letzten Mal so. Ist der Ablauf der Dinge in der Vergangenheit denn gar nicht festgelegt? Sie sind vergangen, wie können sie sich ändern? Bin das etwa ich, die sie ändert? Schnell senke ich den Kopf und ducke mich ein bisschen zurück in meine vorherige, ängstlichere Rolle.
          Zu spät, er winkt mich zu sich her, damit ich ihm mit seinem Überwurf helfe. Es ist augenscheinlich, dass er meine Nähe genießt, meine zurückhaltenden Berührungen, als ich die Schulterfibeln befestige. Fehlt nur noch, dass er die Oberarme anspannt und sagt, "fühl mal, wie stark ich bin." Mir ist das alles zu intensiv, ich möchte wieder zurück auf die Schiene die beim letzten Mal ablief, habe ich mir doch in der letzten Woche bestimmt hundert Mal ausgemalt, wie es weitergehen könnte, in jener Nacht, mit Saari.
          In dieser Nacht ist alles anders. Nicht alles. Die Gesänge bleiben gleich, das Bier, das Essen, der Schamane und seine Paarzusammenführungen. Er ruft mich, und diesmal muss Mielikki mich nicht anstoßen, ich habe ja schon darauf gewartet. Und dann, in seinen Worten, höre ich laut und deutlich den anderen Namen, den er nennt:
          Taisto. Der Schamane und der Häuptling wechseln einen Blick, der mich fürchten lässt, dass ich die Verantwortung trage für das Durcheinander, das hier entstehen mag. Das leise Lächeln in den Augen des Schamanen scheint dasselbe wie zuvor, aber mein Blick schaut erschreckt zurück und wandert dann zu Taisto, der grinsend darauf wartet, dass ich mich zu ihm hinüber setze. Bevor ich mechanisch gehorche, sehe ich vorsichtig auch zu Saari auf, als ich an ihm vorbeigehe. Seine Augen haben diese weise Traurigkeit, die ich bei unserer ersten Begegnung bemerkt habe, und nun gilt das Traurige mir.
          Diesmal singt er noch besser, noch zauberischer, mit noch größerer Kraft. Volle Konzentration, nicht abgelenkt von der Aussicht auf eine Nacht mit der fremden Frau, die er, wenn auch leiser und zarter als Taisto, für sich begehrt? Oder ist das nur mein Wunschdenken? Habe ich denselben Abend wirklich schon einmal erlebt, saß ich nackt mit Saari auf dem großen Lager?
          Es ist ein anderes Haus, das wir heute betreten, eigentlich das letzte des Dorfes, beinah schon im Geäst der ersten Bäume des anschließenden Waldes, der sich schräg hinter der Männersauna auszubreiten beginnt. Und es ist früher als beim letzten Mal, aber dennoch genauso dunkel, als wir hereinkommen. Kein Funke, kein Licht, keine Zartheit. Das war auch nicht zu erwarten gewesen. Die Tür fällt in ihren Rahmen, als Taisto mich auch schon gegen die Wand schiebt und seine Hände viel zu geschickt und zielsicher den Weg zu meinen Brüsten, unter meine Röcke finden. Sein ganzer Körper ist hinter, über meinem, und ich kann gar nichts tun, während er mich positioniert, wie er mich haben will. Ich schaffe es, mich mit den Armen ein wenig von der Wand abzustützen, als er mich im Stehen von hinten nimmt. Mir bleibt nicht viel Luft, um meinen Widerwillen gegen diesen Angriff zu sammeln, denn sein erhitzter Körper, sein Atem an meinem Hals und, ja, seine immensen Stöße in mein Innerstes, all das entfacht eine wilde, überschäumende Lust an der hilflosen Rolle, in der ich mich befinde. Und so wehre ich mich nicht, weder innerlich noch äußerlich, sondern komme seinem Rhythmus entgegen, biete den Widerstand nur da auf, wo er die Intensität noch steigert, und empfange seinen Aufschrei in meinem Nacken, als sich sein mächtiges Erzittern durch meinen Körper fortsetzt. Mein Atem geht beinah so schwer wie der seine, und der Nachhall der Emotion treibt mir eine Träne in die Augen. Vielleicht ist aber auch das Fehlen meines Höhepunkts schuld daran.

Es war schwer, mich zu orientieren. Ich stützte mich aufs Gitter, erste Reihe, nicht an eine Holzwand in der dunklen Hütte. Aber Taistos Stöße hallten wohl noch in mir nach, oder war es nur der Basston aus den Boxen, der das Stück beendete? Ich streckte mich kurz und der nette Hübsche neben mir lachte.
          "Lass mich raten, das war dein Lieblingslied. Du warst ja absolut hin und weg."
          Ich konnte nicht recht mit ihm lachen.
          Der Rest des Konzerts flog an mir vorüber. Ich war verwirrt, überwältigt, erschöpft, aber auch umso entschlossener, all das aufzulösen. Meine Hände hielten das Gitter vor mir viel zu fest, während mein Körper dem Rhythmus der Musik folgte und ich immer wieder versuchte, die konzentrierten Gesichter der beiden Doppelgänger der Vergangenheit zu lesen, zu ergründen, mit meinen Augen ihren Blick einzufangen. Mit jedem neuen Stück verkrampfte ich mich kurz, wartete, ob mich ein Schwindel anfallen würde, aber nichts mehr geschah. Und schließlich, viele Melodien nach meiner Rückkehr aus Taistos brutaler Umarmung musste ich seufzend anerkennen, wie genial die Jungs waren. Was sie ihren Instrumenten entlockten, war auf der Bühne noch ungleich mehr ein Wunder, eine Offenbarung, eine Invasion ins Innerste, als es schon die CD ahnen ließ. Aber das waren zwei völlig unterschiedliche Dinge: Das eine war das Konzert und die imaginären intimen Berührungen, die diese stürmischen, virtuosen Tonfolgen ausstrahlten, und das andere die viel zu realen Erlebnisse an diesem anderen Ort, irgendwo im mittelalterlichen Finnland.
          Von meinem hübschen Nebenmann verabschiedete ich mich mit einem knappen Nicken und registrierte sein enttäuschtes Gesicht.
          Sorry, ich bin auf einer Mission, vielleicht in einem anderen Leben, dachte ich. Mit mehr Fragen als Antworten, mehr widerstreitenden Gefühlen als zuvor verließ ich wie in Trance das Gelände und bestieg den Shuttle nach Tulln, dann den Zug zurück nach Wien.

Am nächsten Tag schlief ich aus und dann zog es mich erneut ins Cyberhaft und vor den Computerbildschirm. Der Abend hatte mich angefixt und im Traum waren mir beide Männer aus dem Dorf, Saari und Taisto, wieder begegnet. Sie schienen nach mir zu rufen. Nachdem ich mich an den Bildern ihrer heutigen Doppelgänger Pekka und Aartu sattgesehen hatte, öffnete ich noch einmal die Seite mit den Tourdaten. In den kommenden Wochen würden sie auf Festivals in ganz Nord- und Osteuropa spielen. Es gab allein sechs deutsche Termine und davor gab es noch Zajac in der Slowakei, in der Nähe von Bratislava. Davon hatte doch erst vor kurzem irgendjemand gesprochen. Richtig, Elisabeth, die bei der Online-Redaktion des Tourismusverbandes arbeitete; sie wollte irgendeine schreckliche ungarische Rockröhre sehen. Was war Zajac für ein Festival, wer spielte da noch? Bratislava war gar nicht so weit weg von Wien. Sollte ich gleich noch einmal auf eins ihrer Konzerte gehen?
            Ich suchte nach mehr Informationen und dann keimte eine abwegige Idee in mir, floss verstohlen durch die Adern, bis mir klar war, dass ich sie wiedersehen musste. Auf der Bühne, aber noch viel wichtiger dahinter. Ich wollte herausfinden, ob sie mich erkennen würden, oder was da ablaufen würde zwischen mir und den Männern, die aussahen wie die beiden Dorfbewohner, die mich in der Vergangenheit begehrten. Die Geschichte wurde immer komplexer und verrückter und ich wurde immer neugieriger. Ich suchte einen Weg, dem Geheimnis näher zu kommen. Dem Rätsel, dem Abenteuer.
            Ein kurzer Blick ins Leere, um die Augen von den Pixeln zu befreien. Jemand schaute herein, fand offenbar nicht das Gesuchte, und schloss die Tür wieder hinter sich. In diesem kurzen Augenblick waren ein paar Töne in den Raum herein geflossen. Im Hof musste ein Akkordeonspieler sein, vielleicht sogar der Straßenmusikant aus dem Alt Wien. War das nicht ein Walzer?
            Ich stand auf und bestellte mir einen Blackbeard, eine verboten gute Mixtur aus schwarzem Johannisbeernektar, Tonic Water und Vodka. Eine Entscheidung stand bevor und ich spürte, dass es nicht mehr nur um ein Konzert ging. Oder zwei. Auf einer noch nicht ganz verstandenen Ebene ging es um meine Lebensziele und Pläne, meine Zukunft, um mich. Wer war ich, wer wollte ich sein? Museumsführerin? Archivarin zwischen Staub und Karteikärtchen? Das schien mir mit einem Mal unmöglich, spätestens seit jenem ersten, fatalen Morgen, jenem Zusammenstoß mit der Musik des Schicksals.
            Die geballte Bittere der Ingredienzien ließ mich kurz schaudern, aber dann brach die verhaltene Süße des Nektars, sein Aroma durch, und ich fühlte mich verwegen und sexy. Der absurde, glasklare Gedanke nahm Form an, setzte sich fest, wie es sonst nur ein Ohrwurm kann. Ihnen folgen. Einen Sommer lang jemand ganz anderes sein. Wenn ich eine schiffbrüchige Wikingerbraut im späten zehnten Jahrhundert sein konnte, die gleich von zwei aufregenden Finnen gewollt wurde, dann war auch heute alles möglich. Von nun an auf der Jagd nach dem Abenteuer, ich, Luise Fink. Nur keine Angst.

Klappentext:

Zeitreisen ins Mittelalter sind erst der Anfang...
Vom heutigen Wien direkt zu den Wikingern und wieder zurück - Diesen Zeitsprung macht Luise Fink, als sie die Musik der finnischen Band Lumiukko zum ersten Mal hört. Und jedes Mal wieder, bis es ihr zu bunt wird und sie der Sache auf den Grund geht. Den Sommer über folgt sie den Musikern von Festival zu Festival und kommt ihnen gefährlich nah, aber das Rätselhafte bleibt: Wieso sehen die Cello-Rocker von heute den Männern von vor 1000 Jahren so ähnlich? Wer steckt hinter den Sabotageakten, die sich zu häufen beginnen? Kann man Zeitreisen steuern?

Dieses Buch ist eine Wundertüte: Roadmovie und Historischer Roman, Festivaltagebuch und Geheimbundkrimi, verrücktes Abenteuer und übermütige Liebeserklärung an die Macht der Musik.

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Na wie gefällt es euch? Also ich bin ja eh seid der Lesung angefixt und werde mir auf jeden Fall das TB dann bestellen.

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