Donnerstag, 24. April 2014

[Lesedeal] Schuldlos Tot von Angela Forster



Und schon geht ein weiterer Lesedeal für euch an den Start. Das Buch "Schuldlos Tot" soll jetzt am Dienstag den 29. April erscheinen und ihr habt jetzt die Möglichkeit ein wenig reinzuschnuppern.





Ein Tag zuvor

„Am Wochenende soll es aufhören zu regnen.“
Tierarzt Volker Carlsen nickte. Ihm ging Anderes durch den Kopf. In drei Tagen war Freitag.
„Und sieh zu, dass du rechtzeitig Feierabend machst.“
Regines Finger streichelten burgunderroten Samt.
„Na, wie wird‘ ich den guten alten Faust vergessen. Und da wir schon dabei sind, Wien übers Wochenende ist gestrichen. Ich bin zum Notdienst verdonnert.“
„Notdienst? Du warst erst letzte Woche dran. Wie kann das sein? Du glaubst doch nicht, dass …“
„Liebling, fängst du wieder damit an? Immer wenn ich länger arbeiten muss, denkst du, dass ich mich mit anderen Frauen rumtreibe. Du solltest mir endlich glauben, dass es für mich nur dich gibt.“
Bügel klapperten, die Kleiderschranktür knarrte.
„Wie könnte ich denken, dass du mich betrügst? Bitte entschuldige, Volker. Das sind natürlich lediglich meine psychotischen Illusionen.“
„Hör zu“, Volker griff um Regines Taille und küsste sie auf den Mund. Sie ließ es geschehen. Dabei sollte sie ihm die Lippen blutig beißen, ihr Knie zwischen seine Beine rammen und ihm, wenn er auf dem Boden lag, ins Gesicht treten, bis ihm die Augen rausquollen. Das, und noch mehr, hatte er verdient. ‚W. Kroll. Die Detektei für alle Fälle‘ - vor zwei Wochen hatte sie Gewissheit bekommen.
Seine Hände fuhren durch ihre langen, dunklen Locken. Wie sie sich vor seinen Berührungen ekelte.
„Nicht jetzt, Volker. Ich bin nicht in Stimmung. Die Kinder müssen in die Schule und Mutter …“ Sie wusste, was er wollte. Und sie wusste, was zu tun war. Sie musste sich ein Weilchen gedulden.
„Okay“, sagte er und hob die Hände in die Luft. „Ich merke schon, du hast Besseres vor. Aber deine Eifersüchteleien sind echt abstoßend.“
„Oh, das tut mir leid, Volker. Wie kann ich dir nur etwas unterstellen, das du niemals tun würdest, stimmt’s?“
„Hör auf mit dem Mist, Regine. Ein für alle Mal. Ich hab‘ Notdienst. Und entweder du glaubst mir oder du lässt es eben.“
„Tja“, sagte sie, „da kann man nichts machen. Ich frag‘ mich nur, wofür du die Made eingestellt hast, wenn sie dich nicht vertreten kann, wenn wir gemeinsam mit den Kindern wegfahren wollen.“
Volker schnaufte, und eine steile Falte zog sich senkrecht zwischen rotbraunen Brauen von seiner Nasenwurzel bis mittig der Stirn. „Verdammt, Regine. Wenn du Langeweile hast, frag‘ Mutter, ob sie euch Gesellschaft leistet.“
„Keinen Fuß setzt sie in unser Haus, das weißt du genau“, antwortete Regine.
„Ja, weil sie denkt …“, er hielt inne und sah auf zwei Jungen, die ins Schlafzimmer stürmten.
„Sie ist, wie sie ist.“ Regine drehte ihrem Mann den Rücken.
Als Erstes würde sie die Jungen in die Schule bringen, eine Zartbitterschokolade mit Orangenstückchen kaufen, ihre Mutter im Stift besuchen und mit ihr eine Tasse Darjeelingtee trinken. Hinterher, wie jeden Dienstag, zum Friseur gehen.
Alles geschah, wie es jeden Tag, jede Woche, jeden Dienstag geschah. Alles, außer der Veränderung, die Regines Leben für sie in den nächsten Stunden bereithielt.

Aus Kapitel 1:
Am Mittwoch, den 10. März 2010, Viertel vor sieben am Morgen, riss das Telefonklingeln Hauptkommissar Richard Winter aus dem Schlaf. Er richtete sich auf, warf einen Blick auf seine Frau und schlurfte die Treppe nach unten in die Diele.
‚Revier ruft an‘ blinkte im Display. ‚Selber Schuld‘, dachte er. Warum musste er freiwillig den Bereitschaftsdienst übernehmen. Aber Ingeborg war mit ihrer Schwester in der Stadt verabredet, und Lisa, seine Tochter, tobte bis Ende nächster Woche als kunstbesessener Touri mit ihrem Freund durch Florenz. Wobei sie selbst bei Anwesenheit mit ihren zweiundzwanzig Jahren nicht erpicht darauf wäre, mit ihrem Vater den Tag zu vertrödeln. Was sollte er also den ganzen Tag alleine anstellen? Er würde nur grübeln. Und dafür gab es in sechs Tagen mehr Gelegenheit, als er vertragen konnte.
„Ja“, warf er müde ins Telefon.
„Richard, ich bin es, Axel. Tut mir leid, dass ich so früh anrufe.“
Axel Berger war Oberkommissar der Wache 45 in Harburg-Wilstorf und wie sein Chef Richard Winter zuständig für Gewaltkriminalität.
„Schneider hat mich informiert. Eine Leiche. Tierarztpraxis Carlsen. Eißendorf. Bin vor Ort. Nils ist im Bilde“, erklärte der, wie es seine Art war, im gewohnten Telegrammstil.
„Wo?“
„Eißendorf. Tierarztpraxis. Das ist oben …“
„Ich weiß, wo das ist“, raunte Richard. Schweiß trat ihm auf die Stirn.
„Ich komme.“

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Na konnte ich euch schon etwas mit dem Text anfixen? Wie ist eure Meinung zum Cover? 

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