Donnerstag, 18. April 2013

[Autoren Interview] Carina Bartsch

Die liebe Autorin Carina Bartsch der beiden wundervollen Bücher "Kirschroter Sommer & Türkisgrüner Winter"  hat meinem Blog ein kleines Interview gegeben, welches ihr nun hier lesen könnt:




Copyright by Carina Bartsch
 
 

Bookdealer fragt: Wie bist du denn zum Schreiben gekommen?

Carina antwortet: Das war, ehrlich gesagt, Zufall – allerdings der beste Zufall meines Lebens. Ich habe schon immer viel gelesen und mir öfter selbst kleinere Geschichten ausgedacht, ähnlich wie in Tagträumen, aber auf die Idee, sie aufzuschreiben, bin ich irgendwie nie gekommen. Mit Anfang zwanzig fiel mir dann ein Buch in die Hände, ein ziemlich unbekanntes, das mir inhaltlich gut gefallen hat, nur mit dem Ende war ich wahnsinnig unzufrieden. In geistiger Umnachtung – und ich weiß selbst nicht mehr, was mich da geritten hat – setzte ich mich an den PC und schrieb das Ende um. Ich hab sofort, noch während der ersten Zeilen gespürt, dass sich da eine ganz neue Welt für mich öffnet. Ich habe gleich eine Verbundenheit gefühlt und mich in das Formen von Sätzen und dem Entstehen lassen einer neuen Welt verliebt.

Bookdealer fragt: Wer in deinem engsten Familien- und Bekanntenkreis ist dein größter Kritiker?

Carina antwortet: Ich habe das Glück, dass ich vor einigen Jahren eine Gruppe von anderen Autoren im Internet kennenlernen durfte. Inzwischen zählen ein paar von ihnen zu meinen engen Freunden. Autoren lesen Bücher ganz anders als Leser, sind viel kritischer und durchleuchten aus verschiedenen Blickwinkeln. Die konstruktiven Meinungen, die ich von ihnen bekomme, sind wahnsinnig hilfreich und unterstützen mich sehr. Ich möchte sie bei keiner einzigen Geschichte missen.

Bookdealer fragt: : Hast Du irgendwelche Rituale vor dem Schreiben?

Carina antwortet: Ein richtiges Ritual habe ich nicht, nein. Meistens lese ich das zuletzt Geschriebene noch einmal durch, schließe für ein paar Minuten die Augen und versuche mich wieder voll und ganz in die jeweilige Situation und die Gefühlswelt der Protagonisten hineinzuversetzen. Wenn es gelingt, fange ich an zu schreiben, wenn es nicht gelingt, starre ich frustriert auf den Bildschirm.

Bookdealer fragt: Hast Du zuerst die Geschichte oder die Charaktere im Kopf? Und bekommen die Charaktere "einfach so" ihre Namen oder steckt da eine Bedeutung hinter?

Carina antwortet: Bei den meisten Projekten habe ich immer zuerst die Geschichte im Kopf, bei Kirschroter Sommer und Türkisgrüner Winter war es allerdings genau andersherum. Elyas Schwarz, der männliche Hauptprotagonist, war der Erste, der geboren wurde. Eigentlich nur deshalb, weil es so viele männliche Charaktere in Büchern gibt, von denen alle Welt begeistert ist – nur ich irgendwie nicht. Ich dachte mir, wie müsste ein Mann aus einem Buch stattdessen sein? Tja, und so formte sich der junge Herr aus Kirschroter Sommer. Weil ein graues, auf den Mund gefallenes Mäuschen an seiner Seite untergangen wäre, brauchte er natürlich einen starken Gegenpart: Emely entstand. Und erst dann webte ich eine Geschichte um die beiden.
Namensfindungen sind immer gar nicht so leicht, zumindest fallen sie mir alles andere als das. Eine besondere Bedeutung haben die Namen nicht, aber ich suche meistens sehr lange, bis ich einen passenden finde. Das ist für mich das wichtigste Kriterium: Sie müssen passen.

Bookdealer fragt: Die Titel deiner Bücher „Kirschroter Sommer & Türkisgrüner Winter“ klingen so schön romantisch und bunt. Wie bist du auf den Namen gekommen?

Carina antwortet: Titelfindungen sind noch mal die Steigerung zu Namensfindungen – das ist jedes Mal eine nervliche Zerreißprobe für mich. Ursprünglich hießen die Bücher ganz anders, aber weil ich rausfand, dass die Titel schon vergeben waren, musste ich mir andere überlegen. "Kirschroter Sommer" war, wenn ich mich recht entsinne, der vierte Titel. Ich bin darauf gekommen, in dem ich nach etwas suchte, dass das Gefühl vom Verliebtsein einfängt. Wie kann man dieses Gefühl beschreiben? Es ist warm, intensiv, verwirrend, verträumt, hell, dunkel, süß … Es ist ein kirschrotes Sommergefühl. So entstand der Titel.

Bookdealer fragt: Welches Buch hat einen nachhaltigen Eindruck bei Dir hinterlassen und ist aus Deinem Bücherregal nicht mehr wegzudenken?

Carina antwortet: Da gibt es sehr viele, vor allem aus meiner Jugend. Ich habe mit zehn oder elf Jahren "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" gelesen, das war das erste Buch, das mich richtig mitgenommen hat. Genauso verhält es sich bei "Lieber Poti" –  ein Lieblingsbuch meiner Schwester, das ich mir heimlich aus ihrem Schrank stibitzt habe. "Der kälteste Winter aller Zeiten" war ebenfalls ein Buch, das mich, vor allem in jungen Jahren, sehr bewegt hat. Das Buch "Zwölf" las ich mit 18 oder 19 und war beeindruckt, wie ein junger Autor schon so gut und gleichzeitig unverblümt schreiben kann. Es gibt wirklich unzählige. Jedes Buch von Irvine Welsh ist z.B. ein eigenes Leseerlebnis, genau wie der Klassiker "Fight Club" von Chuck Palahniuk, die abartige Kurzgeschichte "Guts" vom selbigen Autor, oder die Liebe zum Detail von Edgar Allan Poe. Die Liste wäre endlos. Das letzte Buch, das wirklich nachhaltigen Eindruck bei mir hinterlassen hat, war "Die Einsamkeit der Primzahlen."

 Bookdealer fragt: Könntest du dir auch vorstellen mit einem anderen Autoren ein Buch zusammen zu schreiben?

Carina antwortet: Prinzipiell könnte ich mir das schon vorstellen, wobei es sehr schwer werden würde. Die Chemie untereinander muss passen, die Absprache muss funktionieren, wir müssen die gleiche Vorstellung von der Geschichte haben und natürlich auch die Begeisterung dafür teilen. Mit jemand völlig Fremden könnte ich nie ein Buch zusammen schreiben. Ich bräuchte zu der Person schon einen gewissen Bezug.

 Bookdealer fragt: Wenn du jetzt keine Bücher lesen & selber schreiben würdest, würde dir da was in deinem Leben fehlen?

 Carina antwortet: Du ahnst nicht, wie viel mir da fehlen würde … Schreiben ist etwas Einzigartiges, Besonderes, Unersetzbares für mich. Natürlich existieren auch viele andere schöne Dinge im Leben, eine ganze Menge sogar, aber jede schöne Sache gibt etwas anderes. Das was mir das Schreiben gibt, kann mir nur das Schreiben geben. Fiele es weg, würde ein Loch zurückbleiben, das ich mit nichts anderem füllen könnte.

Bookdealer fragt: Wird es noch einen dritten Band zu dem Duo „Kirschroter Sommer & Türkisgrüner Winter“ geben?

 Carina antwortet: Das ist wohl die Frage aller Fragen – zumindest, wenn man meine Leser zu Wort kommen lässt. Ich stecke diesbezüglich in einem großen Zwiespalt. Ich mag es nicht, wenn Geschichten bis zum bitteren Ende ausgeschlachtet werden. Entweder man hat wirklich noch etwas zu erzählen, oder man hört auf, wenn es am Schönsten ist. Das ist mein eiserner Grundsatz. Es gibt durchaus noch Ideen für eine Fortsetzung, aber ich konnte für mich noch nicht herausfinden, ob sie es wirklich wert sind, erzählt zu werden. Mein persönlicher Anspruch ist es, dass ein dritter Teil mit den ersten beiden mithalten kann – derzeit kann ich nur so viel sagen, dass ich mir auf jeden Fall Mühe gebe. Als nächstes wird aber erst mal eine neue Geschichte kommen. Dann weiß ich hoffentlich mehr.

Bookdealer fragt: Könntest du dir auch vorstellen, mal Bücher in einem komplett anderem Genre zu schreiben?

Carina antwortet: Ja, das habe ich auch schon getan. Wobei ich schon sagen muss, dass mir Liebesgeschichten einfach irgendwie liegen. Ich finde es schön, über das Knistern und die Spannung zwischen zwei Menschen zu schreiben und alles ein bisschen anders umzusetzen, als es für gewöhnlich der Fall ist. Liebe ist ein tolles Thema, über das man Millionen von Geschichten spinnen kann, und das nie langweilig wird, weil es jeden von uns betrifft. Es ist echt, natürlich – selten sind Menschen so roh und nahbar wie in Zeiten, in denen sie ernsthaft verliebt sind. Liebe, egal zu wem oder was, macht das Leben lebenswert.

Bookdealer fragt: Hast du schon neue Buchprojekte am Start? Wenn ja darfst du deinen Lesern dazu schon etwas verraten?

Carina antwortet: Ich habe sehr viel Ideen und auch bereits begonnene Projekte. Momentan stecke ich in der kleinen Krise, dass ich nicht weiß, auf welches ich mich voll und ganz konzentrieren soll. Ich warte jeden Tag auf den Geistesblitz, der mir sagt, "genau die Geschichte ist es, die schreibst du jetzt zu Ende", aber bisher kam er leider nicht. Wahrscheinlich bin ich auch viel zu kritisch. Außerdem ist nicht zu verachten, dass ich im letzten dreiviertel Jahr eine große Menge an Lesern gewonnen habe, die ich natürlich nicht enttäuschen möchte. Ein gewisser Druck ist durchaus vorhanden. Ich hoffe aber weiterhin, dass die Erleuchtung bald kommt – bis dahin wühle ich weiterhin meine angefangenen Geschichten durch, schreibe ein bisschen daran herum und spinne neue Ideen weiter.

Bookdealer fragt: Warst du schon mal auf einer Buchmesse (Leipzig oder Frankfurt)? Oder hast du sogar vor, auf eine zu gehen? Wenn ja, wie hatte es dir dort gefallen?

Carina antwortet: Ich war erst letzten Monat auf der Leipziger Buchmesse. Es war ein bisschen sehr voll, aber ansonsten hat es mir auf der Messe wahnsinnig gut gefallen. Ganz spontan hat es sich ergeben, dass ich eine kleine Signierstunde am Rowohlt-Stand gab, ich durfte zum ersten Mal eine große Anzahl von Lesern persönlich kennenlernen. Das war definitiv mein absolutes Messe-Highlight und nicht nur eine ganz neue, sondern auch äußerst schöne Erfahrung für mich. Meine Leser sind toll! In Frankfurt werde ich im Herbst auf jeden Fall wieder dabei sein und hoffe ganz fest, dass sich wieder ein Treffen einrichten lässt!

Herzlichen Dank liebe Carina für das tolle und ausführliche Interview.

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